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Full text of "Grundriss Der Vergkeichenden Grammatik .(iind Book)."

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BEE 



KURZGEFASSTE DARSTELLIJNG 

DEE GESCHICHTE 

DES Altindischen, ALTIEANISC^E^^ (Ayestischen uxb Aetpeesischex), 

AlTAKMEN-JSCITEN, ALTGPJECHISCHEN, LaTEINIBCHEN, UMErtIBt3IT-SAMXI- 

i^iscHEN, Altieisciien, Gotiscben, Althochdeutwciien, Lit^llschp:n 

END ALTKIHOHENSLAYISCHEN. 

VON 

KAPvL BEUGMANN, 

OKD, PEOFESSdE DEB INDOaEEM.'SPHAUlIWXSSEKSC'HAF'f J.V I,EIPZr&, 

ZWEITER BAND; 

WORTr.ILpUNGSLEIffiE fSTAMMBILDl’MS- UND PLEXTOSSLEERE' 

ZWEITE HAEFTE, ERSTE LIEFERIJNG 

ZAH[,WOK,TEII,DIiKO. CASirSBUDUirG DEK KOMtSA (SOFlNAIiDEdl.INATIOS). 
PKOSUMISA. 


STRASSF.UEG. 
KARL J. TRUBNER. 
1890. 



Ankundigung. 

asftie » z^reite lliilfte -< Tef 'i" BMcles^^irzwei erwiesen, 

- „„„ .r 

el« TltelblMt n.bst iBh.ltoeSe L T*”’”" 

srrrr sS”?™" ^r. 

!■ Delbruck in Jena ab-egeben sfw' I ’l ^erfasser an Horrn Prof, 

icbt allzu ferner Zukunft vollendet voriieger ^°^*«'ssicbtlicli in 

Strassbur^, im October 1890 . 


Die VerJaa’pbnrlili.iu-iliiiiL". 

Karl J. Trul)iiei‘. 



§ 164.] 


Zahl'^vortbildung. Allgemeines. 


463 


ZahlwortMldimg ^). 

164. Die uiidg. Sprache hatte fiir die Zahlen 1 bis 999 
theils einfache Worter, z. B. *tH~ ''3'’ (ai. theils Compositaj 

1) Bopp Vergl. Gramm. 55 ff. Sclileicher Compend. ^ S. 4T7 ff. 
Bopp tiber die Zahlworter im Saiiskr., Griech., Lat., Littli., Goth, und Alt- 
slaTT., Ahli. der Berliner Akad. 1833 S. 163 ff. Lepsius Uber den Ursprung 
und die Verwandtschaft der Zahlworter in der Indogerm. , Semit. und der 
Koptischen Sprache , in 'Zwei sprachvergleichende Abhandlungen’, Berlin 
1836, S. 81 ff. J. Grimm Geschichte der deutsch. Sprache ^ I67ff. Pott Die 
quiaare und rigesimale Zahlmethode bei Volkern aller Welttheile, nebst 
ausfuhrlichen Bemerkungen iiber die Zahlworter Indogermanischen Stammes, 
Halle 1847. Ders. Die Sprachverschiedenheit in Europa an den Zahl- 
wortern nachgewiesen, sowie die quinare und vigesimale Zahlmethode, Halle 
1868. E. Schrader Ub. den Ursprung und die Bedeutung der Zahlworter 
in der indoeiirop, Sprache, Stendal 1854. Zehetmayr Verbalbedeutung der 
Zahlworter, als Beitrag zur Beleuchtung des urspriingl. Verhaltnisses der 
indogerm. Sprachen zum semit. Sprachstamme, Leipz. 1854. W. "Wacker- 
nagel Uber Zahl und Ziffem, Michaelis’ Zeitschr. fiir Stenogr. 1855. 
Benloew Recherches sur Torigine des noms de nombre japhetiques et 
semitiqueS; Giessen 1861. Erause Uber den Ursprung und die Bedeutung 
der Zahlworter, Zeitschr. f. osterr. Gymn. 1865 S. 867 f. J. Schmidt Ub. 
einige numeralia multiplicativa, Kuhn’s Zeitschr. XVI 430 ff. Ed. Muller 
Sprachvergieichendes iib. die Numeralia, Eleckeisen’s Jahrbiicher f. class. 
Phil. 97, S. 535 f. Ascoli Uber eine Gruppe indogermanischer Endungen, 
Krit. Stud. 85 ff. Osthoff Formassociation bei Zahlwortern , Morphol. 
Unters. I 92 ff. J. Baunack Formassociation bei den indogerm. Numera- 
lien mit besonderer Berucksiclitigung der griechischen , Kuhn’s Zeitschr. 
XXV 225ff. J. Wackernagel Zum Zahlwort, ebend, 260ff. Verfasser 
Die Bildung der Zehner und der Hunderter in den idg. Sprachen, Morphol. 
Unters. V Iff. 138 ff. 2GS. 

"Whitney Ind. Gramm. S. 170ff. Spiegel Gramm^ d. altbaktr. Spr. 
S. 176 ff. — G. Meyer Griech. Gramm. - S. 327ff. Verf. Griech. Gramm 
(Iwan Muller’s Handb. II -) S. 135ff. Ahrens Ein Beitrag zur Et^miologie 
der griech. Zahlwoider, Kuhn’s Zeitschrift VIII 329 ff. H. Ebert Quae- 
stionum de vocabulorum cum numeralibus Graecis eompositorum formis ac 
significationibus specimen, Spandau 1858. — Stolz Lat. Gramm. (Iw. 
Muller’s Handb. II 2) S. 349 ff. Neue Formenl. der lat. Spr. 11 2 S. 144 ff. 
Merguet Die Entwickelung der lat. Formenbildung S. 132 ff. Aufrecht 
Die lat. Zahladverbien auf iens, Kuhn’s Zeitschr. I 121 ff. — Zeuss-Ebel 
Gramm. Celt. 2 p. 360 sqq. Stokes Bezzenb. Beitr. XI 166ff, — J. Grimm 
Deutsche Gramm. HI 226 ff. 634 ff. Ders. Ub. die zusammengesetzten 
Zahlen, Gnrmania I 18 ff. Holtz mann Ub. das deutsche Duodecimalsystem, 
Germania I 217 ff. Ders. Das Grosshundert bei den Gothen, ebend. II 424 f. 

Brngmann, Grundriss. TI, 2 30 



464 


Zalilwortbildung. Allgemeines. 


[§ 164. 


z. B. ^dtw-dekm *^12^ (ai. dvd-dasa\ theils mehrwoitige Ausdriicke, 
z. B. '^ireies qe ulhnti qe ‘'23^ (ai, trdyas ca msatis ca). Einfache 
AVorter waren nur die Zahlen 1 — 10 und 100. 

Ob fiir 1000 bereits in uxidg. Zeit eines der in den einzel- 
sprachlichen Entwicklungen begegnenden Worter gait, etwa 
''^gheslo- (ai. sa-hdsra-m^ gr. lesb. yiXk-ioi)^ oder ob man damals 
nur exst "zehn Hundeite"' sagte (vgl. ai. dam-satl f.), ist un- 
sichex. Gelangte man exst nach dex Volkertxennung zu ein- 
fachen AVoxtexn fiix 1000, so vexgleicht sich dieser Ubergang 
mit deni Foxtschxitt dex Gxiechen von oixa-yzikoi (Homex) zu 
|iupioi fiix 10 000 u. dgl. 

Eine Hauptxolle spielte in dem Decimalsystem dex Indo- 
gexmanen das AVoxt '^dekm ‘'decemb Als im hochsten Grade 
ivahrscheinlich daxf bezeichnet wexden, dass die in den Aus- 
driicken fiix die Zebnex hexvoxtxetenden Elemente idg. 

■^iid (gx. dox. /i-xaTi und tpid-zovia etc.) und das Woit 

''centum^ mit '^dehyn zusammenhingen und aus *-dkmt- 
^-dkomt- und "^dkmto-m^ infolge dex Tonlosigkeit dex exsten 
Silbe (s. I § 310 S. 249), hexvoxgegangen waxen, s. Schexei 
Zux Gesch. d. d. Spx.^ 579, Biigge Bezzenb. Beitx. XIV 72. 

Die uxspxdngliche Appellativbedeutung dex in die Pexiode 
dex idg. XJxgemeinschaft hinaufxeichenden Woxtex fiix 2 und alle 
folgenden Zahlen ist dunkel. Veimutungen sind schon sehx 
viele geaussext woxden, daxuntex etliche nicht unebene, z. B. 
dass ^ter- ^3^ ein Name fiix den Mittelfingex gewesen sei 

und zu ai. tdr-man- ""Spitze des Opferpfostens^ gx. tep-Opo-v 
Ende, Spitze gehoxe, dass '^pe-rdqe an Jig gr-s Tingex^ 


Rump el t Die deutsch. Zahlworter, sprachvergleicbend dargestellt, Bresl. 
1864. Bers. Die deutschen Pronomina und Zahlworter, 1870. Scherer 
Zur Gesch. d. deutsch, Spr. - 576 ff, Eluge Zu den german. Numeralien, 
Paul-Braune's Beitr. VI 393ff. Ders. Pauls Grundriss I 402ff. — Schlei- 
cher Temy imenu cislitelinychu vu litvo-slayjanskomu i nemeckomu jazy- 
kachii (Prilozenie ku X. tomu zapisoku Imp. Ak. Nauku) , St. Petersburg 
1866. Ders. Lit Gramm. S. 149 ff. Eurschat Gramm, d. litt. Spr. S. 259ff. 
Miklosich Vergl. Gramm. IV 51ff. Leskien Handb. d. altbulg, Spr. 2 
S. ^8ff. Pemer sei noch auf die Behan dlung der lykischeu Zahlwdrter yon 
Deecke Bezzenbergets Beitr. XIV 181 ff. (s. bee. S. 240 ff.) verwiesen. 



§ 164 — 165.] Zalilwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 465 

(vgl. auch ahd, fast aksl. pesfi ‘'Faust'' aus ^pidqsti-s^ § 101 
S. 288), Oder dass ^dekm 'lO" an gr. osxojaai ot)(o\Lai ‘'ich nehme 
in Empfang'* ^) anzukniipfen sei ; abei auch viele sicher verfehlte, 
z. B. von Zehetmayr in der S. 463 genannten Schrift. 

Wir behandeln zunachst die Cardinalia, die Zahlabstracta 
— diese aber nur so weit, als sie beim gewohnlichen Zahlen 
neben den adjectivischen Caxdinalzahlen auftxeten — und die 
Ordinalia. Die Zahlabstracta waren au£ Gxund der Cardinalia 
mittels der auch sonst in secundaren Abstracta erscheinenden 
Suffixe -ti- und -t- [-d-] gebildet, s. § 99 S. 276, § 101 S. 288 f., 
§ 123 S. 366. Sie waren zum Theil bereits in der uridg. Zeit 
neben den Grundzahlwortern im Gebxauch, indem man z. B. 
fur ‘'zehn Manner" auch ‘'eine Zehnheit (Decade) von Mannern" 
sagte. Und sie verdrangten zuweilen die Cardinalia ganz, z. B. 
ist im Baltisch-Slavischen nur noch '^dekm-t[i]- (lit. deszimt[iy, 
Slav. desqt(f-)^ nicht mehr '^dekm nachweislich. Die Ordnungs- 
zahlworter hatten die Comparationssuffixe -to- und -mo-^ iiber 
deren Entstehung § 72 Anm. S. 157 und § 81 Anm. 1 S. 228 
eine Vermutung geaussert ist. 

Cardinalia, Abstracta and Ordinalia. 

165. Eins. Fiir A" hatte die uridg. Sprache eine oder 
mehxere Ableitungen von einem pronominalen Element oi- ; 
vgl. gr. ital. kelt. germ, balt.-slav. *oi-7zo-s (im Ai. ena- enkli- 
tisch im Sinne von ‘'er"), iran. gr. ^oi-uo-s^ ind. 

Arisch. Ai. e-ka-s. Av. ae-va- di-va-^ apers. ai-'oa-. 

Im Griech. ot-v^ ‘'die Eins auf dem Wurfel", oivyj 

Trapd Tolc pova? (Pollux VII 204), bei Hesych oiviCsiv* to 
povaCstv zard y^diTTav und oivdivTa* povTjpTj. Daneben horn, oisttj^ 
‘'eines Alters, gleichalterig", nach Wackernagel Kuhn’s Zeitschi. 
XXV 280 aus durch syllabische Dissimilation (I 

§ 643 S. 484), wahrend oio-g kypr. oi-fo-:; die Bedeutung 
‘'allein" hatte. 

1; Scherer a. 0. 578: 'Am natiirlichsten seheint es demgemass, in dem 
Wort einen alten Namen beider zum Empfangen aufgehaltener Hande zu 
erblieken’. 


30 * 



466 


Zahltvortbildung. Cardinalia, Abstract?., Ordinalia. 


[§ 165 . 


Italisch. Lat. oi-)io-s oeno-s mm-s. umbi. unu ''unum'' osk. 
uin[itu ""unitab 

Anm. Mit ai. e-ka-s verbinden mancbe lat. aequo-s und gr. aica "der 
gleicbe Antbei? aus Sollte ^oi- zum Stamm o- geboren, so liesse 

sieb das zum Femininstamm a- stellea (§ 409). Aucb kommen die 

Vocaluuterscbiede in lat. auri-s : gr. ouata u. dgl. in Betracbt, s. Hiibscb- 
mann Das idg. Yocalsystera S. 19Qf. 

Air. oe-7i. 

Germanisch. Got. di-'U-s ahd. ei-n aisl. ei-7m. 

Balt.-Slav. Lit. v-'hia-s (vgl. I § 666, 1 S. 529)^ preiiss. 
acc. ai~na-7i. Aksl. i-nu (vgl. I § S4 S. S3, § 666, 3 S. 529) im 
Sinne von A"* in Zusammensetzungen , wie mo-7'ogu ‘'Einhorn'*, 
anderwarts ‘"alter, alius"*. 

Ausserdeni hatte die idg. Ursprache ‘"einsb dessen 

urspriingliche Bedeutung wahrscheinlich die des Zusammen- 
seins, der Vereinigtheit war. Dieses Wort wuide im Armen, 
und im Griech. das gewohnliche Zahlwort: armen. mi (gen. 
m-ib;) aus (I § 560 S. 417); gr. sv~ fiir nom. masc. 

gortyn. sv-c att. sc;, fern. jxG aus pmvul 'einhufig"* aus 

" op-mvo; (§ 160 S. 449 f.). Y'gl. hierzu ai. sa-hrt ""einmar gr. 
a-'i:aS ‘"einmaf d-TtAdo-c ‘"einfach"*, lat. shn-plex^ sm-gult^ semel 
(s. § 1S2), sem-pe7' ‘"in einem fort, stets"*, got. simle ‘"einst"*. 

Vereinzelt stehen die horn. gort. im lesb. thess. la (vgl. 
OsthofF Morph. Unters. IV 186f.) und das im SlaGschen regel- 
massig fiir *"1"* auftretende Jedmu Jedinu. Ihre Herkunft ist 
zweifelhaft. 

Erster. Als Ordinale fungierten seit uridg. Zeit Formen, 
die zur Wurzel per- in gr, iripav Trip-uji rpd u. dgl. (Fick Wor- 
teib. 1 3 140if.) gehorten und die Suffixe -iw- (ai., gr., slav.), 
-mo- (itaL, germ., bait.), -tmiio- (ar.) und Asto- (westgerm. 
und nord.) aufweisen. 

denes in aksl. p^'t-vu. Dieses in ai. 
puxi'-iyd-s purv-iya-s ^daneben pwxa-s A^'oran befindlich"*); av. 
poiirmya- paohpa-\ gr. Tcpm-o-c; dor. Trpato-c; aus ^ 7 rpa>/-aT:o-;, 
woneben, ohne die Erweiterung -aro- (vgl. rpiT-ato-^ § 167), 
dor. Tcpav S^ordem"* aus ^Tipm-J^a-v und, mit Suf&x -7o-, 'iiptor^v 
kiixzlicV aus %pa)-/-ia-v standen. Vgl. I § 306 S. 244, II § 63 



§ 3 65 — 166.] Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstraeta, Ordinalia. 


467 


S. 125 , § 64 S. 127. Ein zu in demselben 

Vexhaltniss stehend ^yie ^pro-mo- zu ^pr-mo~, scheint fiir got. 
fraiija "Herr^. ahd. fro fromva (= *got. frdujo) ‘'Herxin'’ 

voiauszusetzen. 

'^pr-mo-. Got. fruma 2 iS. formo forma. lAi. pirma-s. 
Vgl. aix. rem- Vnte, pxae"* § 72 S. 15S und lat. prancliu’-m^ naeh 
Osthoff s wahxscheinlichex Deiitung aus ^pram-[e)d-np-m Txiih- 
essen"* (vgl. Aloxph. Unt. V p. Ill), "^^pro-^no- in umbx. pxumum 
pro?no?n ‘'pximum^ : vgl. gx. Tipdfio-c ‘'Voxdexstex, Yoxkampfex, 
Fiihxex, Euxst"" got. fram-aldrs ‘"im Altex voxangeschIitten^ -nio- 
auch in lat. primus palign. prismu '^primo'' odex ''pximum^ (I 
§ 570 S. 429, II § 72 S. 158), das, gleichwie prlssus imdprJs- 
tinus^ von einex mit prius zusammenhangenden Compaxativ- 
bildung (§ 135 S. 406 £.) ausgegangen wax. 

-tmmo- : ai. pra-thamd- (zum th, vgl. §73 S. 1G7 , av. fra- 
tema- apexs. fra-tama-. Vgl. av. fra-tara- gx. Ttoo-Tspo-; Voi- 
deiei, fxuhexeI^ 

-isto- : ahd. farist ags. fyrst fyrst-r. Vgl. ahd./’wnVo 
‘^dex fxiihexe, voxziiglichexeh 

Zu dex Wurzel dex voxanstehenden Wditex gehoxt auch 
albanes. i~parz 

Benennungen von andein Wuizeln: 

Ai. adyas von dsUs ""Anfang"^; dazu spatex adi-mds. 

Axmen. nax und arajin^ letztexes von araj Voxdexe Seite, 
Fxont, Uispxung, Anfang^ (vgl. verj~in ""letzter^ von rerj ’'Ende^, 
ver-in ‘'hochstei^ von ver ‘'oben'* u. dgl.). 

Ail. cet-ne^ in Compp. cet-, mcymx. hyntaf gall. Ointu- in 
Eigennamen wie Cintu-gndtus (‘^pximigenitus'*) ; vielleicht (nach 
Thuxneysen’s Vexmutung) zu got. Mndumsts ‘^aussexstei'’ ags. 
hindema "dex letzte"*, da die Begxiffe ‘'exstex'* und letztex^ leicht 
wechseln. Daneben im Ix., bei nachfolgenden gxossexen Zahlen, 
oen-mad mit dem von seclitm-ad dechm~ad''\^'^^^ aus vex- 
allgemeinexten -mad. 

166. Zwei. ^) Stamm "^duo- ^'duuo- (I § 117 S. 110); in 

1) Benfey Das indogerm. Tbema des Zablworts 'zweP ist DTI, Gotting. 
1870. Zander De vocabuli 66o ^usu Homerico Hesiodeoqne et Attieo, I; 



468 


Zahlwortbildiing. Cardiualia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ 166. 


Compp. imd in einigen sufiixalen Ableitungen dessen 

Bildung an ‘'3^ (vgl. § 13 S. 27, iind an ^2^ in fi'-v.azi 

etc. (§ 177} erinnert. Bnannehmbar ist mix Bartholomae’s Ver- 
mutung (Ar. Forsch. Ill 39) , das Thema des Zahlwortes sei 
^dudi- '^duoi- "did- gewesen. 

Ai. dmil dna [diwaic dma\ £em. neutr. dm {duve). Av. dva, 
fern, duye (vgl. Bartholomae Handb. § 92 S. 40], 

Gr. btico (wie lat. duo und lit. dialektisch dti aiich als fern, 
gebiaucht, vgl. auch tw azr^Xa § 426), boo (uxsprunglich vielleicht 
die Neutxalfoxm, s. § 293); bd)-osxa aus ^dfw-. Die dox. jungatt. 
0031 lesb. bu£3i odex ooszat thess. ouac waxen Neubildungen, die 
duxeh oowv (booTv) vexanlasst zu sein scheinen : Boat zu bod)v 
nach zpiai : zpim. ooioi kann nicht aus ^duoio- hexgeleitet wer- 
den (vgl. I § 130 S. llSf.); vexmutlich aus einem ^duoi-io-^ vgl. 
ai. dve-dJia ‘^zweifach, auf zwei Male^ und § 297. 311. 

Lat. duo, fern, duae (vgl. § 285. 286), acc. duo^ duos^ dims, 
dat. dud-hus dud-bus. Im Umbi. mit duichaus pluralischex 
Declination: dur nom. masc., tuf acc. masc. fern., tuva nom. 
acc. neutx. (vgl. lat. dua neben duo). 

Air. dau do, alter ddu, daneben dd (§ 285), fern, dl] acymr. 
mbret. masc. dou. 

Got. tvdi^ neutr. tva^ fern, tvds: dat. tvdim, gen. tvaddje 
(s. § 311). Vexschiedene ilexivische Neuerungen in den germ. 
Dialekten, wie ahd. zic&ne^ sind noch nicht befriedigend erklart; 
hieiiiber zuletzt Kluge in Paul’s Grundr. I 403. 

Lit. masc. du aus "^dvil, fern, dvi aus '^'dv'L s. I § 184 S. 162, 
§ 664, 3 S. 526. Aksl. masc. dva duva^ fern, neutr. dve dime. 

^dui-. In Compp., z. B. ai. dm-pdd- gr. oi-tlooc lat. hi-pes 
ags. twi-fete '"zweifiissig^, ahd. zwi-valt ‘'zwiefaltig^ In Ablei- 
tungen, z, B. "^dtii-qo- : ai. dvi-fca- *^aus zwei bestehend^ gr. oiajo-? 
oiTTo-;; ‘'zweifacK aus ahd. zioelio "^ZweifeC ags. tioi^ 

*'Zweig'' (§ 86 S. 242). Im Ital. neben "^dui- auch du-\ lat. 
du-plu-s du-plex du-centl (vgl. § 180), umbr. ‘^bipedibus^; 


n, Kouigsberg 1834, 1845, Meringer Die Flexion der Zweizahl, Kuhn’s 
Zeitschr, XXVIE 234ff. 



§ 166.1 


Zalilwortbildung. Cardinalia, x^bstracta, Ordinalia. 


469 


diese Form war eine Neubildung, vermutlich unter Einwirkung 
von quadru- zustande gekommen (I § 34 S. 59). 

Anm. 1. Im Lat. neben hi- zweimal dui- in Compp., dui-dms und 
dui-census (Paul. P.). Ob liier wie in alat. duis neben his (§ 182) ein idg. 
^duui- erhalten war (vgl. ved. duvis neben dms], oder ob Umbildung von 
hi- nach der Analogie von duo (und von du-) stattfand, entscbeide icb nicht. 
Jedenfalls diirfte die Ansicht von Skutsch De nominum Latinorum com- 
positione, Nissae 1888, p. 35 abzuweisen sein, dass hi- aus dem in jenen 
Compp. vorliegenden dui- entstanden war. Dagegen stimme icli diesem Ge- 
lebrten darin bei, dass di- in spaten Compp. wie di-loris entlehntes gr. ol- 
war (p. 36). 

Im Armen, erku (gen. dat. erku-c)^ nnsicheren Ursprungs. 
Nach Bugge (Beitr. zur etymol. Erlauterung d. arm. Spr. 4 If.) 
aus *ku = idg. '^'dzw{u) mit Vorsetzung von er- nach der Analogie 
von erek ‘^dreF, was sehr gewagt ist. Nach Fr. Muller zu suan. 
jeru georg. ori ""zwoF. 

Zweiter. Hier gehen die Sprachen stark auseinander. 

Ai. dvi-tiya-s^ av. hi-tya- ga}). d^hi-tya- apers. dmitiya- 
(I § 159 S, 144). 

xArmen. erkir und erkr-ord aus ^ erkir-ord. 

Anm. 2. er'kir wie corir ^ 4 ^er’ yielleicht erst nach eri-r gebildet. 
Das in erkr-ord und bei alien folgenden Ordinalia erscbeinende -ord, iiber 
dessen Ursprung Petermann Grammatica linguae Armen, p. 162 und Bopp 
Vergl. Gramm. II ^ 97 f. sehr fragwiirdige Vermutungen aussern, ist ein auch 
sonst haufig vorkommendes Suffix, z. B. hanaizaz-ord ^taglich’ von hanapaz 
dmmer’j paray-ord 'miissig’ von parap ^Musse’, ors-ord 'JageP von ors '^lagd’, 
lc~ord ^Genoese, o6Cuyo;’ von luc ‘^Joch\ 

Gr. SsoTEpo; bedeutete ‘'abstehend von etwas^ in Entfernung 
befindlich von etwas, in der Zeit, im Range nachstehend"* (da- 
neben osoraToc), gehorte etymologisch zu osuoptai und zu ai. 
du-rd- ‘'fern, weiF und riickte erst auf griech. Boden in die 
Reihe der Ordnungszahlen ein, gewiss mit infolge der lautlichen 
Ahnlichkeit mit ddco. S. Verf. Kuhns Zeitschr. XXV 298ff. 

Lat. secmidii-s^ zu seqiior^ s. § 69 S. 152. 

Air. aiJe (mcymr. nbret. eil) = lat. alius und tanise^ das 
zu imthanad ‘'Abwechselung'* gehorte, weiterhin aber etymo- 
logisch unaufgeklart ist. 

Got. azi-par ahd. azidar. Lit. aMra-s aksl. vutoriL Vgl. 
§ 75 S. 186. vu-toril vermutlich zu ai. zi-hlidu^ s. § 285. 



470 


ZahlwortbilduBg* Gardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ 167 . 


167. Drei. Idg. masc. neuti. Dass suffixal 

war, zeigen Formen wie ai. tT-iiya-s gr. lesb. tsp-to-t;. 

Ai. trdy-as^ loc. tri-su. Av. loc. pri-sva. 

Armen. ere-H^ gen. dat. instr. eri-vK^ s. I § 263 

S. 216. 

Gr. Tpst; gortyn. rpfe aus ^tpst-s;, loc. Tpi-ai; rpioTai bei 
Hipponax nach TpidSv (rpta). Das neben Tpi-Tcooi; u, dgl. er- 
scheinende boot, rps-'irsdoa scheint mit lat. tr^-ce7itl, lit, ii'e-czia-s 
aksl. tre-tlyi lit. tre-j'i je dreF einen alten Stamm '^tr-e- 

zu erweisen. 

Lat. t?'eSj dat. abl. tri-hus , umbr. trif tref acc. ‘^tres'' 
triia ‘^t^ia^ 

Air. t7'i dat. h'i-b. 

Got. pn'eis dat. ahd. drl dat. dri-ni. 

Lit. trys loc. tri-se, Aksl. ti'ij-e trij-e loc. tn-chu. 

Flir das Fern, hatte die idg. Ursprache eine besondere, nur 
im Ar. und Kelt, bewahxte Form ''^tiser- : nom. ai. tisr~ds 

(znr schwachen Stammform s. § 320) av. tisar-d^ air. teow acymx. 
teir (vgl. 1 § 576 S. 432). Man vexmutet, '“tisr- sei duich Dissi- 
milation aus "^tri'Sr- entstanden, und sein zweitex Bestandtheil 
sei identisch mit dem zweiten Theil von "^sue-sor- ^Schwestex^, 
s. Bugge Bezzenb. Beitx. XIV 75£. Eine gleichaxtige Bildung 
war ai. cdtasr-a$, s. § 168. 

Dxitter. Die idg. Spxachen haben Foxmen mit -to-, von 
welchen die des von entbehienden fiix die alteitiim- 

lichsten zu gelten haben: ai. t-^-tiya-s, gx. lesb. Tsp-to-^, lat. 
ter-tiu-s umbx. fertim ''textium'', preuss. tir-ti-s acc. tir-tie-n 

= Hr-], 

Folgende mit Av. pri-tya- apexs. si-tiya-. Gr. att. 

etc. Tp{-To-^, bei Homer auch TpLT-aTo-(; nach sivaro-c osy.ato-;, 
vgl. ntpwTo-^ aus ^Trpwf.ctTo-? § 165 S. 466 und spdd|j.-aTo-c § 171. 
Lat. trit-aro-s, falls dieses und nicht strit-avo-s die wahxe Form 
des Woxtes war^ s. § 81 S. 232. Ncymi. trydydd aus "^iri-tiio- 
Oder aus ^tr-tiio-, was nicht zu entscheiden ist. Mit andxer 
Suffixbildung axmen. eri-r (und err-ord aus ^erir-ord, vgl. § 166 
Anm. 2) und air. tri-s, in Compp. tress- (s. § 81 S. 233). 



§ 167 — 168.] Zahlwortbildimg. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 471 

tlber tr-e- in lit. treczia-s aus ^tretia-s und in aksl. tretiji 
s. oben S. 470. 

Letztere Formen iassen es zweifelhaft eischeinen^ ob got. 
[rridja ahd. clritto aus oder (nach I § 67, 3 S. 5 S) aus 

abgeleitet waxen. 

168. Vi ex. Dex idg. Stamm masc. neutr. ^qatiier- '^qehior- 
hatte mannigfachen Ablaut, namentlich infolge dex vexsehiedenen 
Tiefstufengestalten dex zweiten Silbe: '^q[e)tuT- '"q{e)tUr- ^q[e)tr'U- 
'^'q{e)kii'~ *q{e]tuf-. Ygl. I § 155 S. 141 und J. Schmidt Kuhns 
Zeitschi. XXV 43 if. 13S, Pluxalbild. 191 f., Wackexnagel Kuhn’s 
Zeitschi. XXV 2S3ff. XXVIII 136, G. Meyex Gr. Gi.2 376£., 
Osthoff Philol. Eundsch. I 1592, Moxph. Unt. IV 333, Kluge 
Paul-Bxaune’s Beiti. VIII 517 if. Paul's Giundx. I 403 f. 

Dex nom. plux. masc. lautete im Uiidg. wol ^qettior-es ; 
dor. TSTops; lat. qiiattuor ai. cat'caT-as\ neutx. '^qetuor ^qekidr-e\ 
ai. catmiri^ lat. quathior, goi. fidvdr, dessen o ins masc. ilbei- 
txagen -wuxde. 

Ai. cat'oar-as acc. catilr-as] in Compp. catur- fiix uxax. 
^catm-. Ay, cap'war-d] catti7'-a- \ieimalig^ ; in Com])i^. capru-, 
wie cajjrii-harana- Vieikantig'^, und capioar^-, wie capicar^- 
zardgra- Vieifiissig", letztexes wahischeinhch nach dem Voxbild 
von capicar^sat- ^40" (s. § 176. 178 und Verf. Morph. Unt. V 
30). Zum Ablaut in dex exsten Silbe vgl. av. d-xtmrya- Viex- 
malig"* und die Ordinalia ai. tur-%ya- tur-iya~ av. tiiirya- aus 
^khir- (I § 646 S. 493). 

Armen. cor-K^ gen. co7'-i-Q^ aus '"^qehior- odex s. I 

§455 S. 338. Daneben liar- in kar-a-sim kio^, w^ahrscheinlich 
aus '"'[q)iuf-, s. § 176. 178. 

Gr. dor. TSTopac, neuion. TSGosps; arkad. Tsaaspa-zovra, lesb. 
Tuiaupc? horn. ^TL-opsc, att. TSTTaps^ horn, riacaps; boot. 'nrsTrapac, 
dat. horn. Tsrpa-ai. Vgl. I § 166 S. 148. Das tt- in ^soops; 
Titaups; TTstTapsc; war schwerlich von ^TUTpa- (-pdtTrsCot) und "titoo- 
(Tpo-cpd};£ia) libertragen, da diese ihr tl~ beieits in uxgxiech. Zeit 
eingebiisst zu haben scheinen, sondexn von -luavtc. Die Form 
XETpa-, die in Tsrpa-ci, T£Tpd-ya; SdermaP, r£Tpa-To~; (neben 
TSTtxpTo-^) und meistens in den Compp., wie TSTpd-xoxAo; Vier- 



472 


Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ Ids. 


radrig^j erscheint, und die Form in tpa-TTECot “^Tisch^ 

meben Tap- in taptov = Tsttapcov bei dem Komiker Amphis 
und in Taprr^pdpiov = TSTapTr^pdpiov bei Hesych^)) waxen aus 
"^Tst/pa- {^qetzir-) und ^(izjz/pa- [^qtur-] entstanden, mit schon 
urgriechischem Verlust des f (Vexf. Griech. Gramm. - S. 43. 
71}. T 3 Tp(i)-'/.ovTa aus "^qetuf-, s. § 176. 178. 341. Toptaio-?, wenn 
es von Pott rich tig herangezogen wild (vgl. Tpitato-?), vexgliche 
sich dem ai. tur~ija-\ Top- fur ^TTrop- nach Tpo-. Zu dem horn. 
T£aaapa-|3oio-; ‘'d Hinder werF vgl. das gleichfalls horn. Isixoaa- 
[3010-; (neben ooco'ytai£ixoTi-'i:rjy_o-c). 

Lat. quatiiior. quadrii- (in Compp.), quadra- gintd fiir ^quet- 
tuoi\ *quedru-, ^qiiedra- durch Angleichung an quartu-s (s. S. 473). 
quattuor, nom. plur. masc. und nom. acc. neutr. (s. S. 471), verlor 
seine Declinabiiitat nach der Analogie der folgenden Zahlen, 
qidnqm u. s. w. quadra- aus ^qetiif-^ s. § 176. 178. Das -d- 
fiir -t- erinnert an angulu-s aus ''^aTdhlo-^ septin-gentl septuci- 
gmtd (I § 499 S. 368, II § 177), gr. sjBoopo-; aksl. sedm^i (§ 17j). 
Umbr. petur-pursus ‘^quadrupedibus^, osk. petora ‘^quattuor^ (Fest.) 
und petiro-perf ^quateF. 

Air. cethir (dat. cethrib)^ acymr. petguar. Gall. Peiru-coriu-s 
und petor-riium ‘^vierradriger Wagen\ 

Got, jfidtbr aus ^^dvdr-[i)z wie stiur ‘^StieF aus ^stiur[a)-z 
(I § 660, 6 S. 519, II § 194), dart, Jidrori-^n^ s. § ] Jidur-dogs 

Viertagig^ [Jidur-"^. oder fidur- statt "^Jidaiir- wegen Unbetont- 
heit der zweiten Silbe?). Ausser im Got. erscheint der ^-Laut 
nur noch in ags. und aschwed. Compp., wie ags. fgder-fete 
Vierfussig^ aus urgerm. ^fipur- (§19 S. 35). hdoA, fior ci^.Jiwar 
ags. feotver aisl. masc. fjdrer neutr. fjogor fjugur M^eisen auf 
^kuekuor- ^kuehur- in der Zeit vox der urgerm. Lautverschie- 
bung; iiber -u- aus -jw- s. I § 444c S. 332. Ich nehme an, 
das -tu- von ^kuetuor- war an den Anlaut assimiliert worden 
(vgl. ^pempe got. Jimf aus ^peidqe^ § 169 S. 475), alsdann trat 


1) Hesyehs Erklamng to TpiTr^[j.opiov scheint aus to T£TapTT;[j,6pio>^ ver- 
derbt. Es ist nicht wahrscheinlich, dass sich. hier ein zu ai. trtkya-s preuss. 
tirti-s gehoriges TapTo- erhalten habe. 



§ 168.1 


Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


473 


auch '^'hiekur- fiir ^hiietur- ein durch analogische Anlehnung 
an ^kuektior- , umgekehit aber got. Jidvor statt duich 

Angleichung an jidur-. 

Anm. 1. Zur Behandlung des ~tii~ vgL Verb Morph. Unt. V 53 f. 
Anders Kluge Paul-Braune’s Beitr. VIIIolTff. und Paul's Grundriss 1 403^ 
ohne mich zii uberzeugen. 

Anm. '1. Unser ZahlTTort bildete schon im Urgerman. Casus nach der 
^-Declination, z. B. ahd. jiorin wie got. Jidcbri-iii, Die gieiche /-Flexion 
zeigen die folgenden Zahlen bis 12, z. B. got. ahd. finjin, Uber 

den Ursprung dieser Flexion, der zweifelhaffc iet (vielleicht hatte die /-Decli- 
nation mehrere Ausgangspunkte); s. Verb Morph. Unt. V 53 ff. 

Lit. hehm^ St. hehir-ja-^ doch acc. hetur-is^ mit derselben 
Flexion ^yie die folgenden Zahlen penkl szesz'i etc. Daneben 
distributiv (als Cardinalzahl bei Pluralsubstantiven) ketveri (St. 
ketder-ja-)^ dessen Ausgang -eri anf die folgenden Zahlen iiber- 
txat, penk-eri szesz-ej'i etc.: das Suffix -{o- wie in tre-jl^ av. 
a-xtuirya- Viennalig", gr. dotoi duad-c u. dgl. m. (ygl. § 183). 
Von keUer-i ging -io~ auf das eigentliche Caxdinalzahlwoit 
iibex, doch exhielt sich der acc. keturis = ai. caturas gr. Tiiaopac 
(gGf. ^qefur-as^ § 333) unter dem Schutz von trls, und nach 
dem Vorbild von ketiiri wurden dann auch die folgenden Zahlen 
decliniert (vgl. Verb Morph. Unt. V 55f.). 

Aksl. cetyr-e, gen. cetyr-u acc. cetyr-i^ fern. nom. acc. cetyr-L 
Distributiv cetver-o. 

Ein dem "^tiser- ‘^3'* (§ 167 S. 470) entsprechendes uridg. 
Fern, zu ^qetuer- liegt vox in ai. cdtasr-as av. catam'-o (I § 558 
S. 41 6) und mcymr. pedeir air, cetheoira cetlieora, Diese lassen vex- 
muten^ dass -uer- in "^qeluer- ein ""suffixaler^ Bestandtheil war. 

Vierter. Ai. catur-thd-s und tur-ya-s tur-lya-s^ av. txdrya-^ 
s. 0 . S. 471. 

Armen, cor-ir aus "^corir-ord und kar-ord^ vgl. § 166 

Anm. 2 S. 469. 

Gr. TiTap-ro-:; horn. Tstpa-TO-c boot. TcsTpa-to-c; [tz- wie in 
-irsTTapsc), Gf. ^qeiur-to-. rapTo- Gf. '^’qtMy-to- in Tapr/)pdpiov. 
Vgl. S. 472. 

Lat. quartxi-s aus "^qtur-io- (I § 306 S. 244), woxaus zunachst 
wol ^tuar-to-, weiter quarto- durch Anlehnung an quattuor. 



474 Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 165—169. 

Pranest. Quorta (Schneider Dial. Ital. I no. 217) steht zu ver- 
einsamt, als dass ich neben ein fiirs Italische 

anzunehmen wagte; Stolz Lat. Grr. ^ S. 385. Osk. tviituiii 
""qiiaxtum' triitas gen. ^quartae'* (Bugge Altital. Stud. 1878 S. 53 fF.) 
waxen von ^qtru- aus gebildet. 

Aix. cetJiramad gebildet nach der Analogic von sechtmad 
dechmad 

Ahd. ags. feor-da zu ahd. s. S. 472 f. 

Lit. ketmr-ta-s aksl. cetvrt’-tu Gf. qetu'^~io~ . 

169. Fiinf. Idg. '^peTdqe. Die Zahl war ebenso wie die 
folgenden bis 10 in der Zeit der idg. Urgemeinschaft imd in 
grosserem oder geringerem Umfang auch noch in der geschicht- 
lichen Zeit des Ax., Armen., Gxiech., Ital., Kelt, und Germani- 
schen ohne Casusbildung, vermutlich ein Ubeiiest aus der Zeit, 
in der das attributive Adjectiv iiberhaupt noch keiner Casus- 
endungen bedurfte. Z. B. ved. pdnca kpsfisu^ gr. Ttevts oaxtdXov, 
lat. quinque virorum, got. ^mf hldihans. TJbergang zu Flexion 
in alien Spiachzweigen mehr oder minder haufig, ausser im 
Italischen : ai. gen, pancanam^ axmen. gen. hngi-c, gi. lesb. 
7:£|jLx:«)v, mir, coic m-hd ^quinque vaccaxum^, ahd. ddit.Ji^gfin (Flexion 
nur in der Stellung hinter dem Substantiv). Nur im Litaui- 
schen von Beginn der TJberlieferung iinmer mit Flexion, penhl 
(vgl. § 168 S. 473). Im Slav, war das alte adjectivische Zahl- 
wort, ebenso wie die folgenden bis 10, schon in vorhistorischer 
Zeit aiisgestorben. 

Ai. pdiica^ av. panca. 

Armen, king. s. 1 § 330 S. 26S, § 455 S. 338. 

Gr. 7:£vt£. Dazu mit lautgesetzlichem -tl- (I § 427 S. 315) 
lesb. Tusp-ov (s. 0 .), ferner '7:£p7L-d)j3oXo-v, 7:£p7:d; TCEpTraCa), wah- 
lend lesb. 7 :£|jl 7:£ sein und 'n:£VTtoj3oXo-v TiEvta; u. a. ihr -t- 
duich Foxmubertragung bekommen batten. Das in Ziisammen- 
setzungen neben ttsvcs- (z, B. 7:£VT£-TaAavto-;) erscheinende :r£VTa- 
(z. B. TrEVTa-zooioi, r^z'^’za-izrg/p-c) wax Keuerung nach xctpa-, 
STtra-, £va-, Evvsa-, 0 £xa-. 

Anm. 1. r.ep,T:a; wie ai, paiicdt- neben dem gleichbedentenden ti- 
Stamm ai. pafdhti-s aisl. Jimt aksl. pqti. Jene waren Nenerungen nach oexoc; 



§ 169.; 


Zalilwortbildung. Cardinalia, x^bstracta^ Ordinalia. 


475 


daldt-, und wenu man die grosse Ausbreitung eiTragt, die -ao- (zum -o- 
s. § 123 S. 368 und § ITS) im Griech. erfulir — p-ovctc, eva? , , tpid;, 

TSTpd;, i^d^, (vgL Ipooja'fi-y.ovTa) inzd^, oyood? (vgl. OYOOTj-yovTa) dv.Tcc;, 

Ivvsd?, TSTTapaxovToc;, yiAid^, (a'jptd; — , so Tvird sehr ZTveifeibaft, 

ob zwischen zefand' und y^ancdt- ein unmittelbarer historischer Zusammen- 
hang bestand. 

Lat. quinque qumqiie (zuni v Thurneysen Kuhns Zeitschr. 
XXX 501f.)j umbr. pumperias osk. pumpexias gleichsani 
‘'quintiiiae^ oder ^quincuriae^ osk. Piimpaiians ‘'Pompeianus^ 
Urital. '"JmeTdktie. s. I § 336 S. 270. quinm- in quincu-plex u. a. 
nach quadni-. 

Air. coic^ acymi. pimp, gall. TrsjjtTusdooAa ^^TrevTacpD/Aov^ (Dios- 
kor.', s. I § 436 S. 326. Urkelt. '^hzie?dkiie ^ s. I § 339 S. 272. 

Got, jfimf ahd. fimf finf (liber das u von ahd. fimf s. beini 
Ordinale S. 476). Das zweite y exklart sich wahrscheinlich so, 
dass ^'^'peidkiie in ahnlicher Weise zu ^pempe gewoxden war (vgl. 
I § 444 xinm. 1 S. 331 f.) wie '^kuehior- zu (§. 168 

S. 472). Uber die 2 -Flexion, wie fimfim ahd. finfin, s. § IBS 
Anm. 2 S. 478. 

\j\\, penk\ und penk-erl^ s. § 168 S. 473. 

Das Slav, ging hier und bei den folgenden Zahlen bis 10 
voni Cardinale zum Abstractum iiber: petl ‘^Fiinfheit, Fiinfzahf 
(= ai. ptmkii-s aisl. Jimi) mit dem gen. plur. des gezahlten 
Gegenstandes. Yermutlich stand das Aufgeben der alien Grund- 
zahlwbrter mit ihrer Flexionslosigkeit im Zusamnienhang. 

Anm. 2. Beilaufig sei darauf hingewiesen, dass auf denselben Ab- 
stracta mit -ti- aucb die albanes. Zalilworter 5 bis 10 berulien; ^5^, 
gaste ^6^ state 'T , tets *^8% 7ie7ide dlete diete ^lOb S. Gust. Meyer Al- 
banes. Stud. II 50 ff. 

Fiinfter. Idg. ^qmq-to~ (mit Sicherheit nur im German, 
nachweisbar) und vielleicht damals auch schon '^pe7dq~to~ (vgl. 
''peidqe). 

Ai. pct’ficcmid-s (nach saptmzid-s u. dgl.) und lyanca-tha-s 
(vgl, air. coiced). Av. puxda- (zum -d~ vgl. zixdci- I § 475 S. 353) 
nach V. Fierlinger Kuhns Zeitschr. XXVII 194 aus '^q)fqto-, 
doch ist das u (statt a) unklar, das an gr. lat. pugnu-is 

erinnert; hierzu av. paidia7dhu~ni acc. TiinfteF. 



476 Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstraeta, Ordinalia. [§ 169—170. 


Aimen. hing-er-ord, 

Anm. 3. Uber -orcl s. § 166 Anm. 2 S. 469. Yon wo das bier, wie 
in den folgenden Ordinalia, yor ~ord anftretende -er- ausgegangen war, ist 
unanfgeklart. 

Gr. TtijiTT-To-c, goityn, (I § 427a S. 315). 

Lat. qumiii-s Qmnctiu-s, osk. P until s riojjLTrtisc; ‘"Quinctius^ 
Gmndf. '^peidqto- oder ^pfqto-^. Bartholomae Kuhns Ztschr. 
XXIX 503 vermutet, lat. qumt- pont- seien die lautgesetz- 
lichen Pornien gewesen und -c- und -p- in quinct- vcn.d. pompt- 
vom Caidinale her eingediungen. 

Air. coiced acymi. pimphet^ s. § 81 S. 232. 

Got, Ji77ita- in flmfta-tatJm7ida ‘'der 15^®^, dhA.jiTnfto finfto. 
Aus einem urgerm. '^find%ta-~^pipqto- erklaren sich nhd. Schwab. 
fuclize *^15^ fiift *^5^^^^, ahd, fimfto fu7%f^ nhd. rheinfrank. fufzm 
ftifzich u. a., s. Kauffmann Paul-Biaune’s Beiti. XII 512. Vgl. 
auch ahd. fust (urgerm. '^fu 7 disti-z) aksl. pqsti "^FausP gGf. 
^pfqsti-s, § 101 S. 288 f. 

penkta-s, A\q\. petu^ aus '^pejdq-to- oder aus "^pfq-to-^ 

170 . Sechs. ]Mit grosserer oder geringerer Wahrschein- 
lichkeit ist auf Grund des Iran., Griech., Kelt, ein ^suehs^ auf 
Grund des Armen, und Balt, ein ^y^ehs^ auf Grund des Ind., 
Lat., German., Balt, und Alban, (alban. gaste^ s. G. Meyer Al- 
ban. Stud, n 56 ff.) ein "^seks anzusetzen. Das Nebeneinander 
von '^'sueks und ^ueks gemahnt an das von W. stielq- und uelq- 
‘'ziehen^ (gr. sXxo lat. sulcu-s : lit. veiku) u. dgl., s. I § 589, 3 
S. 447. Dasjenige von ^sy^eks und "^seks aber an die Doppel- 
heiten ^S7ie~ (ai. svd- Wus^ etc.) und '^se- (av. he hoi, lat. se, 
got. si-k), ^sueso7'- (ai. svdsa7''~ ""SchwesteP etc.) und ^sesor- (lit. 
sesd aksl. sestra] u. dgl., s. I § 170 S. 152, § 184 S. 162, § 187 
S. 163. 

Das Wort war uridg. und auch noch in der historischen 
Zeit des Ar., Armen., Griech., Ital., Kelt, und Germanischen 
indeclinabel. So z. B. av. xs7:>as satdis *^1011 6 Hunderten^, gr. 

7]|X£pac, lat. sex mensihus, got. afar dagaiis saihs "^nach 6 Tagen\ 
Daneben mit Flexion: z. B. ai. sadhhis, armen. gen. vec-i-e, 
gr. sSaai oder s^dai (auf einer Inschrift aus dem 4. Jahrh. p. 



§ 1 / 0 .] 


Zahlwoitbilduiig. Cardinalia; Abstracta, Ordinalia. 


477 


Chr., C. I. G. n. 5128^ 27 toT^ paaiXsiV/oti;) wie rstpaai, mir. 
gen. se m~ho ^sex vaccarum^, ahd. dat. sehsin (nnr in der Stel~ 
Inng nach dem Substantiv). Nie decliniert im Lat., sex, stets im 
Lit.j szeszi. 

Ai. ms [sdt^ s. I § 401 Anm. 2 S. 299 f.j; vgL mclasa 
ans ^^sazdasa, wie vodJmm aus ^'Dazclhii-m J § 404, 2 S. 301), 
imd sastJtd-s Av. xsvas, daneben xsfva-, das man als aus 

'*xvUa-~ entstanden betrachtet. Es scheint anziinehmen, dass im 
Urar. ""'siias und "^sas bestanden und aus diesen durch Assimi- 
lation der Zischlauie ^suas und ^sas hervorgingen. Lautgesetz- 
lich dann aus jenem av. xsvas (s. Bartholomae Ar. Forsch. Ill 
20); aus diesem ai. sdL 

Armen, vec wol aus "^iieks, s. I § 560 Anm. S. 418, § 589, 
3 S. 447. 

Gr. £q aus ^'sue/cs. Uber ix ttoocov . iy oaxzoXcov , ex- 
TiXe&po-c sv.-jir^vo-c u. dgl. s. Verf. Gr. Gr. - S. 71. s^a- in s^a- 
xrjcioi und andern Compp. nach -sTpa- s'^Ta- u. a. 

Lat. sex. 

Air. se (vgl. mor-feser "^magnus seviratus^) ncymr. cJiwecJi 
aus "^sueks, s. I§175 S. 156, §517 S. 379, §576 S. 433, § 657, 
10 S. 512. Das zweite 5 im Ir. erhalten in ses-ca *"60^ und 
sess-ed 

Got. sai/is ahd. se/is, Gf. ^seks. Vgl. S. 478 Fussn. 1. 

Lit. szesz-\ (vgl. ketuft § 168 S. 473) wol aus *seszi wie 
szeszura-s aus '^seszura-s (I § 587, 2 S. 443). Preuss. imscld-s 
uscht-s *'6^®^’^ ; wahrscheinlich entlehnt wax lit. uszes neben szeszios 
pi. ^WochenbetF. Im Slav, das Abstxactum, sesU : vgl. ai. sasti-s 
fSechsheit von Zehnern, sechzig^) aisl. sett, sesti zunachst aus 
"^chesU ist wohl zu den noch nicht geniigend aufgeklarten 
Fallen von cli- — s- (s, I § 588 Anm. 3 S. 445) zu stellen. 

Sechster. Im Uridg. mag ^siiek-io-s ^se-, ^ue-) bestanden 
haben : vgl. ai. sastJid-s av. xstva- (vgl. o.), gr. exzo-c, ahd. sekto 
aisl. sette setti, lit. szeszta-s preuss. lousclit-s aksl. sestu. Und 
lat. sextu-s umbx. sestentasiaru ‘'sextantariarum^ osk. Isaxsc; 
‘'Sextius^, got. saihsta ahd. sehsto (neben sehto] mogen -s- aus 
dem Cardinale aufgenommen haben. Aber unsicher bleibt, ob 



478 Zahlwortbildimg. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 170 — 171. 

uridg. '^siieMo-s durch Lautwandel aiis '^suehs-to~s hervorge- 
o'anffen war. Denn wer weiss, ob nicht das -5 von "^stieks ein 
fiexivisches Element war, das in das Ordinale von Anfang ebenso 
wenig aufgenommen war, wie z. B. das -e von ^peTdqe in die 
entsprechende Ordnungszahl? Vgl. I § 5S9 Anm. 2 S. 448. 

Armen. tee-er-orcL 

Air. sessed ncymr. claoeched. Tiber den mutmasslichen An- 
iass zu dieser Neubildung s. Zimmer Kuhn's Zeitschr. XXX 214. 

171. Sieben. Uridg. "^septm] auf diese Betonung weisen 
ai. saptd^ gr. s-irta und das alban. sta~t8 (G. Meyer Alban. Stud, 
n bo). Daneben ist vielleicht aus gr. spooaf^xovta spoopdc epoo- 
ixdy.ic air. seehtmoffa eine Stammform ^septom- zu erschliessen 
(vgl. ^'-dhom-t- neben ^-dkm-t- § 164 S. 464), s. § 178. 

Urspriingliche Flexionslosigkeit : z. B. ved. sapid smdJmsu 
hn septem fluminibus^ av. liapta satdis ‘^mit 7 Hundeiten^, got. 
sihin ](ldihans\ stets indeclinabel gr. sTtid, lat. septem^ air. secht 
71-, Mit Flexion; z. B. ai. dat. abl. saptd-lliyas ^ armen. gen. 
ettan-c, ahd. dat. sibin-m (nui in der Stellung hinter dem Sub- 
stantiv). Immex dectiert nur im Lit., septijnl. 

Ai. sapid ^ jhiig'er sdpta^ av. liapta] sapid vermutlich flir 
'^saptdm nach nd-oa und ddsa^ s. I § 226 S. 195, § 230 S. 198. 

Armen. etf% s. I § 330 S. 268, § 560 S. 417. Der Auslaut 
-n ist nach tasn zu beurtheilen (§ 174). 

Gr. vermutlich fiir ^sTcrdv nach ivvsa und osxa, s. I 

§ 226 S. 195, § 235 S. 201. 

Lat. septem. In Zusammensetzungen neben septem- auch 
die Xeubildung septa- septi-^ wie octu- octi-. 

Air. secht n- mcymr. seith. s. I§ 339 S. 272. 

Got. ahd, sihtm Tiber die Erhaltung des (nach der 
Analogic des Ordnungszahlwortes got. "^'sihunda ahd. sihimto oder 
auf Grand eines alteren "'sihim-i) sieh Verf. Morph. Unt. V 55 i). 
Was das Fehlen des -t wir setzten ^sep>tm als idg. Grund- 

1) Nimmt man an, dass nach ~ idg. einmal ^sihun-i 

*niun-{ *tehun-i gebildet worden waren, so miisste ahd. sehs als Analogie- 
bildung nach sehsto sehto fur ^sihs gelten. Benn man mtisste doch auch ur- 
germ, ansetzen, woraus damals geworden ware. 



§ ni.] 


Zalilwortbildiing. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


479 


form an — betrifft, so ist zwax der Gedanke Ascoli’s (Krit. 
Stud. 101) nicht ganz abzuweisen, dass neben ^septm schon in 
idg. Urzeit eine ^'-lose Form bestanden babe (vgl. ai. 

"so" neben idg. ’^oktou) und diese im Germanischen erhalten 
geblieben sei. Aber naher liegt die Annahme, dass im Ur- 
germanischen ein ^^'septmo- "7^®^ liber '^sepmo- zu ^sehmo- und 
ein ^septm zu ^seftum geworden war und dieses (das noch durch 
das septim = seftun der Lex Sal. reprasentiert zu sein scheint,; 
dann nach jenem zu sebum umgebildet wurde, vgl. preuss. 
sepma-s neben septma-s und urbalt.-slav. ^osrno- aus 

*ostmo- (§ 172). Sievers Paul-Braune’s Beitr. V 119 und OsthofF 
Morph. Unt. II 5 1 f. lassen die m-Form *septm lautmechanisch 
im Urgerman. zu ^sep?n geworden sein, vgl. auch Noreen Urger- 
mansk judl. S. lOS. 

Lit. septijnA, im Ausgang wie devyn-l "9", und ahnlich dem 
asztiin-l "S". Yermutlich entstanden diese drei Formen auf 
Grundlage von ’^septi7i[-i] "'devm{-l) (vgl. die Ordinalia septinAa-s 
dei'iuAa-s) asztu[ 7 i-i) durch gegenseitige Anahnlichung. Zur 
Dehnung von i zu y nach u vgl. x>enuliha nach ti'yhka etc. 
(S. 4SS), idg. "'yetiir- ^pen^qe nach ^iri- (§ 178) u. dgl. m. '^septin-i 
septmAa-s fiir ^septim-l '^septhnAa-s nach "^devmA devinAa-s, 

Aksl. sedmi als Abstractum neben sedruu "7^®’^ gebildet nach 
sestt : sestu u. s. w. (§ 97 S. 273). Das uridg. Abstractum war 
wol ^septrnAi-s : ai. saptaii-s (‘"70"), aisl. sjaund, 

Sieb enter. Idg. *septm6- [*sepd77i6~ ^sehdmo- wegen gr. 
2 j 3 oo|j.o~c aksl. s. I § 469 S. 347) midi'^sept7nm6‘-. Daneben 

vielleicht auch bereits ^septmAo-. 

Ai. saptamd-s, Daneben saptdtha-s av. haptapa-. 

Armen. evf7i-er-07'd, 

Griech, sjBoopo-; epidaur. £[36£{jiaIo-c, vgl. £|36o[j.Tf/.ovTa herakl. 
delph. £j3o£jjL”^''/ovTa ; horn. £j3o6{x-aTo-<; wie 'KpwTo-; ATzpajp-aro-c) 
und zpk-azo-c, s. § 167 S. 470. Die Geschichte von £|3oopo- ist 
dunkel. Nur so viel scheint sicher, dass einst ein = 

aksl. sed7no- und ein ^ETirap-o- = ai. sapta77id- neben einander 
gestanden hatten. Ygl. § 178 iiber £j3oo[X7jxovTa und Yerf. Morph. 
Unt. Y 36 ff. 

Brngmann, Grundriss. II, 2. 


31 



480 Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 171—172. 

Lat. septimu-s. 

Air. sechimadm.Q,jmi.seithuet duus '^sepimm-eto-s^ s. §72 S, 158. 

Ahd. sibunto. 

Preuss. septma-s sepma-s. Lit. sehna-s [sekma-s)^ s. I § 345 
S. 274j § 377 S. 288; jetzt meist nnr septiMa-s (lett. sepUtdis) 
fiir septim-ta-'S nach devin-ta-s. Aksl. sedmu, 

172. Acht. Idg. '^okto ^oktoti. Dass -t- suffixaler Natui 
war, sclieint aus ai. asl-ti'S ""SO" zu folgen^ das als jiingere Neu- 
bildung von "^oktm [aUdu] aus nicht zu begreifen ist. 

x\nin. Die Ubereinstimmung des Auslautes mit dem des nom. ace. 
du. masc. der o-Stamme (§ 285] ist kaum zufallig. Aucb *ohi in ai. asi-ti-h 
kann ein Dual gewesen sein, wie "^oqi 'die beiden Augen’ (§ 295). War die 
Grundbedeutung 'zwei Vierheiten’ (ygl. mcymr. deu-naiv '18’[2 x 9] u. dgk), 
so sollte man freilich vor '^oktdu noch das ZaMwort 'zwei’ erwarten, wie lat. 
v~i-gzntl 'zwei Dekaden’, dzi-ceyiii u. s. w. Doch konnte diess im Lauf der 
Zeit weggefallen sein. 

XJridg. Unflectiertheit : z. B. av. ahia satais ‘^mit 8 Hunder- 
ten^; stets indeclinabel gr. oxto), lat. octo, air. odd n-. Mit 
Flexion: z. B. ai. instr. astd-bliis^ armen. utA-c^ ahd. dat. aldow-en 
(nur in der Stellung nach dem Substantiv). Stets decliniert nur 
im Lit., asztun\. 

Ai. astdUj av. asta, Im xAi. auch astd^ loc. astd-su 
u. s. w., nach dem Vorbild von saptd^ eine Neuerung, die be- 
sonders durch die Compp. mit asta- (vgl. lat. octi-) nahe ge- 
legt war. 

Armen, id' zunachst aus weiter '^optd[u)^ dessen p aus 

der Siebenzahl eingedrungen war (vgl. el. s. Bugge Beitr. 

zur etym. Erl, d. arm. Spr. 43. 

Gr. oxTto. Herakl. oxto) hatte den Spiritus asper, el. oTtro) 
das TT, dxTa- in ^xTa-xdaioi (lesb. ^XTo-xdaioi) 6xtd-7:oac (neben 
oxTco-zoo? : ai. astk-pad-) das a von der Siebenzahl. Boot, oxto 
wie ouo, s. § 166. 293. 

Lat. odd. In Compp. neben odd- auch odi- odu-^ vgl. ai. 
asta- av. aHa-. Osk. Uhtavis ‘^Octavius^ 

•Air. odd n- (s. I § 517 S. 379) nach sedd n-\ iiber Formen 
ohne den Nasal s, Stokes Bezzenb. Beitr. XI 170. Ncymr. wytli 
nbret, eiz aus "^ohti^ alter ^oktu ^okto. 



§ 172 — 173 .] Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 481 


Got. aJitdu] ahd. ahto^ flectiertex Dat. ahtoicen. S. I § 659, 
3 S. 515, § 660, 3 S. 51S, § 661, 3 S. 521. 

Lit. asztu-n-i, vgl. §171 S. 479. 

Aksl. osnit (Ordin. osmu) nach sedmi^ s. §171 S. 479. Die 
uridg. Abstractzahl ^ya^ duich ai. asi-ti-s fSO^) veitxeten, ygl. S. 480. 

Achtei. Idg. ^oktdu-6- odex ahnlich. Die mo-Bildungen 
nach dem Muster dex Siebenzahl, gleichwie ai. navamd-s umbr. 
nuyime (§ 173 S. 482). 

Ai. astamd-s^ av. aHema-, 

Armen, ut-er-ord, 

Gr. oYOoo-<; aus ^oydo/o-? (horn, auch ^yoo-aro-i;, wie ep66|jL- 
aTo-c;), ygl. dySo-rp'/ovTa, ^yoo-a^;. -yd- fiix -xt- nach dem -po- 
dex Siebenzahl. Im XJbxigen ist die Geschichte von oyoo(j^)o-c 
dunkel, s. Yexf. Moxph. Unt. Y 36 ff. und unten § 311. 

Lat. octciv-o-s, osk. Uhtavis ‘^Octavius'* mit auffallendem 
a, das auch von Thuxneysen und Mexingex nicht befxiedigend 
exklaxt ist (Kuhns Zeitschr, XXYIII 154. 232). Ygl. auch vul- 
garlat. octud-gmtd, zunachst aus "^octov-d-^ wie gr. 6yoo(D-Tj“. 
S. Yexf. a. a. O. 

Air. ocJit-mad^ mcymx. loytli'-uet. 

Got. aJit'U-da^ ahd. aJito-do\ afries. alitunda nach sigunda 
niugunda. 

Lit. dszma-s (jetzt yexaltend), pxeuss. acc a$ma-?Zj aksl. osmu^ 
urbalt.-slay. ^o^{t)-mo-s. Im Lit. auch asztunta-s^ eine Neubil- 
dung nach septinta-s devmta-s, 

173. Neun. Idg, ^neun und letztexes im Armen, 

und Giiech. Daneben '^enuen-^ in gx. svsv-ry/ovra {§ 178). Im 
Auslaut ist -7^ nicht -rp -m anzusetzen wegen gx. ivsv-rpyvOVTa, 
lat. 71071- ci~guitu 7id7%-u-s und lit. devin-ta-s (vgl. daneben deszim- 
ta-s ' 10 ^®^'). 

Uridg, Flexionslosigkeit: z. B. av. 7iava satdis "^mit 9 Hun- 
dexten"* ; stets indeclinabel im Gxiech., Lat., Air. Mit Flexion : 
z. B. ai. gen. 7iavdnd7n^ got, gen, niun-e^ ahd. dat. 7 fiiun~m (nux 
in dex Stellung hintex dem Subst.). Immex decliniext im Lit., 

devy7i-i. 

Ai. 7idva^ ay. Tiam. 


31 



482 


Zalilwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ 1V3. 


Armen, pi. inun-H odei innun~lh (vgl. OsthofF Morph. 
Tint. I 122), s. I § 232 S. 199. 

Gr. '"Iv /a in ion. sivd-vo/s; siva-y.dcioi elva-To-c; att. £va-ywdaioi 
sva-To-;, horn. £vv-*^{xap wie svvTpyovTa (§ 178). Daneben svvsa. 
das wahrscheinlich mit Wackernagel Kuhn^s Ztschr. XXVIII 
132 ff. ais *£V v£>a ‘'im Ganzen 9, voile 9"^ (mit Verblassimg 
dieser anfanglichen Bedeutung) zu erklaren ist; herakl. evvea, 
wie oy.To), nach stitd. svsv-Yj-yovTa ‘'90'' gewahrt ein nrspriing- 
iiches ''^enueji-^ vgl. § 178. 

Lat. 7iovem statt ''^noze^i nach septem decern, -n noch in 
nm-a-gmid 7idn-u-s. 7%oun-dmu-7n 7id7i-dmu-77i^ gewohnlich Tzim- 
dinii-m. Umbr. nuvis ‘'novies\ 

Air. 'uoi ncymr. corn. iiav). Woher das a im Britann. ? 

Got. ahd. 7iiu7i aus '^7iiuu7i^ I § 179 S. 157. As. 7iigim ags. 7ii^o7i 
mit j als Ubergangslaut (vgl. Jellinek Paul-Braune^s Beitr. XIV 
582). Der Auslant -un nach sihim zu beurtheilen, s. § 171 S. 478. 

Lit. deeyn-l aksl. devefi fiir '^navyiil ^Tioeeti nach der Ana- 
logic des Anlautes de- der Zehnzahl ; preuss. Tiewmts (‘'9^®^") zeigt 
Einfluss des Deutschen. IJber den Ausgang von devy7%-l s. § 171 
S. 479. deveti war das idg. Abstractiim : vgl. ai. navati-s 

(‘'90"), av. 7iamiti~s (‘'9" und ‘'90"), aisl. Tfimnd, 

Neunter. Idg. "^neuim-o- oder ^7ieim-t6- [^e7iun7Z-6- oder 

O <^0 '~‘0 

^eziwi-to-) oder beide zugleich. 

Ai. 7iava7nd-s av. 7iao77ia- — ^7iavema- (wie kez'^ziaom = 
^Jcer^7iaee7n^ I § 158 S. 143) apers. zzavama- fiir ^7iava7id- nach 
(ai.i saptaiiid- dalazzid-, vgl. umbr. nuvime. 

Armen, inn-ei'-ord. 

Gr. horn, siva-ro-c, att. horn. Iva-To-c; aus ^svfa-vo-<;. 

Lat. 7id7i-u-s aus '^7io'ce7i-o-. Das oi in dem dze7zoi7ie der 
Dvenosinschr. , wenn es ‘'die noni" ist, bereitet Schwierigkeit 
(freiHch nicht aus den Griinden, die Pauli Altital. Stud. I 32ff. 
A'orbringt). Umbr. nuvime ‘'nonum" mit unurspriinglichem m 
wie lat. 7Z077em und ai. zzavamd-s. 

Air. 7ib-7nad^ mcymr. 7zaw-uet^ Neubildung wie oclit-mad 
vyytli-uei u. a. 

Got. 7imn-da ahd. 7%iu7z~to-^ uxgerm. "^yiiymz-dd-n-. 



§ 173 — 174.] Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


483 


Lit. devin-ta-s (preuss. neicdnt-s^ s. o.), aksL deve~tu. 

174. Zehn. Idg. *dehn. Urspriinglich imdeclinabel, so 
noch z. B. ved. dcwa hahsiyahlds ‘'mit 10 Leibgurten^; gr. os'/a 
vaooLj lat. decern nZimum^ got. tailmn shattcms^ ahd. stat zehe^i 
hurgo ‘"decapolis". Mit Flexion : z. B. ai. instr. dasd-hJiis^ armen. 
instr. tcisam-lU tascim-h^ gi. gen. os'/wv Inschr. v. Chios (Lesbis- 
mus), dat. got. taiJiun-im ahd. zehin-in (im Ahd. nur in der 
Stellung nach dem Substantiv). Ausgestorben ist *dehn nicht 
nur im Slav., sondern auch iin Balt. 

Ai. dcisa^ av. dasci. 

Aimen. tas 7 i. Falls acc. inai^d ‘'hominem^ lantgesetzliche 
Entwicklung aus war, urspriinglich auslautendes -m 

also abfiel, so miisste tas?i gleichwie evf?i far eine Neubildung 
nach m-7i V angesehen ^verden, vgl. I § 202 S. 171, §651, 2 
Anm. S. 499. Doch ist es ratsamer, tas7i im Auslaut fiix laut- 
gesetzliche Fortsetzung von ^deh?} zu betrachten und 777ard filr 
eine accusativisch gebrauchte Nominativform, s. § 212. 

Gr. osy.a. Arkad. doo-osxo (Bullet, de corresp. hellen. IV 
1SS9, p. 281) wie oszoto-c (s. S. 4S4). 

Lat. dece77i. -decwi in im-deciTn etc. durch Einfluss der 
Accentuation, s. I § 65 S. 54. Neubildungen deci6-plu-s deo- 
emii-s dec-tmx u. dgl. neben deceiii-plex u. dgl. Umbr. dese7i-duf 
'^duodecim^ tekuries degiirier ^decuriis^, osk. dekmanniiiis 
""decumanis^ 

xiir. deicli n- (indeclinabel, denn deicli und deck sind irrele- 
vante Schwankungen der Schreibung), acymr. dec. 

Got. taihun ahd. zekaii. Der Auslaut -7i nach sihu7i zu 
beurtheilen, s. § 171 S. 478. Auffallend ist das -a- in ahd. zehaii 
as. tekaii^ vgl. auch ahd. zeliaiizo neben got. tai}nmte[-'}iu7id) 
§179. Ob in dii'i-zekmi u. s. w. '^-teJnm iiber ^-ielm zu ~teha7i 
ward und von da aus das a in '^telam etc. eindrang (vgl. ahd. 
Sigi~frid gegen ? Anders Noreen Axkiv III 26. 

Im. Balt.-Slav. treten nur die beiden uridg. Abstractbil- 
dungen auf: lit. deszim-t- aksl. desq-t- und lit. deszim-ti- aksl. 
dese-U~ : vgl. ai. dcildt- gr. got. gen. pi. taihmite (in tai- 

liwite-lnmd ‘'lOO^, s. § 179) und ai. dasati-s (‘"ZehnheiC und specieli 



484 


Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 174 — 175. 


‘^Zehnheit von Decadenj lOO"*) aisL timid. Im alteien Lit. tritt 
deszimti- noch als decliniertes singulaiisches Subst. mit Gen. auf, 
jetzt undectiexbar deszimt (wol acc. sg. deseti und loc. sg. = 
desete) und deszimts deszimts (wol nom. pi. = desete) aber noch 
mit dem gen. pi. Aksl. deseM als «-Stamm durchflectiert; da- 
neben deset- z. B. in jedinu na desqte (loc. sg.) = ‘'l auf lO"*. 

Zehnter. Idg. "^dekm-to- dekm-t-o-^. s. § 81 Anm. 1 S. 228) 
und *dekmm-o-. 

Q 

Ai. dasamd-s^ av. dasema-. 

Armen, tasn-er-oi'd. 

Gr. os'/.ato-^. Lesb. ark. dixoTo-f; (vgl. ark. dud-Ssxo) mit o 
nach “-xovTa -xozzo-c;, vgl. § 176. 177. 

Lat. decimu-s^ osk. dekmanniuis ‘'decumanis\ 

xAir. dechm-ad^ mcymr. decu-et. 

Got. taiJiu7ida^ ahd. zeliaiito (vgl. S. 484). 

Lit. deszimta-s^ aksl. desetu. 

175 * Elf bis Neunzehn. Wahrend bei den Zahlen 21 ff. 
3 Iff. u. s. w. in der idg. Urzeit der addierte Einer so zugefiigt 
wurde, dass beide Zahlen ^ Einex und Zehner, im Satz ihre 
Selbstandigkeit bewahrten — meistens mag dabei die Copula 
Vnd^ verwendet worden sein, vgl. z. B. ved. ^kq ca v{sat{ ca 
acc. tray as ca trisde ca gr. ddco xal TLSVTr^xovta *^52^, 

lat. quattuor et viginti neben ved. t^'ildtq trin acc. *^33^, gr. itsvTTj- 
xovra ouo, lat. vlgintl quattuor — , fand dagegen bei den Grund- 
zahlen 11 bis 19 schon damals eine engere Verbindung des 
Einers mit der nachfolgenden Zahl ^10^ statt, s. § 16 S. 31. Dio 
Flexion des ersten GHedes erstarrte bei 11 bis 14, und hier 
mag die Compositionsbildung spater als bei 15 bis 19 erfolgt sein. 

Anm. Bieser Unterschied zwischen der Bildung von llff. und der 
von 21 ff. 31 ff. etc. beruhte, ausser auf dem bfteren Gebraucb von llff. 
gegentiber 2 Iff. 31 ff. etc., offenbar auch darauf, dass die Ausdrueke fiir 20, 


1) Ob die Pluralform deszimts auf dem Einfluss von dvideszirnts ^20^ 
trisdeszimts ^30’ u. s. w. berubt oder auf dem in alteren Drucken vorliegen- 
den Gebraucb, das§ das Abstractnomen adjectiviscb zu dem gezablten Gegen- 
stand tritt und sicb im Casus nacb diesem ricbtet, vrie loc. deszimtisa 
mestosu 'in decern urbibus’ (vgl. Bezzenberger Beitr. zur Gescb. d. lit. Spr. 
178f.}, bedaxf naberer Untersucbung. 



§ ns.] 


Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


4S5 


30 in der Zeit der idg. Ureinheit selbst schon componiert waren und daber 
zur engeren Verschmelzung mit noch anderen Gliedern weniger einladeten. 

Die Zusammenriickungen wie ai. dm-dasa gr. ocn-osxa wer- 
den abei in der nridg. Zeit nicht die einzige Ausdrucksweise 
fiir 11 bis 19 gewesen sein. Einmal sind wir berechtigt, auch 
die Ausdriicke wie gr. osvca ouo, oixa Tpsi:;, lat. decern duo. decern 
tres fiir altiiberkommen zu halten. Sodann diirfte bei den der 
Zwanzig nachst vorausgehenden Zahlen ebenso wie bei den der 
Dreissig, Vierzig u. s. w. nachst vorausgehenden auch bereits 
im Uridg. eine subtrahierende Bezeichnungsweise nebenher 
iiblich gewesen sein^ wie wir sie in den einzelsprachlichen 
Entwicklungen antrefFen: vgl. z. B. ai. ehmavilati-s^ imavisati-s 
und eka 7 i 7 ia 'cisati-s fiir 19, tryunakdfi'-s fiir 57, gr. svo; oiovra 
slVoaiv Ity] "^19 Jahre^, [xiac diooaai rETtapay.ovra Schiffe^, 

lat. un-de-mgintl duO’-de-ti'lgmta^ ags. hca Ims ticent^ fiir IS, 
mi Ims tweiiti^ fiir 19, hd. dial, ains-jnm-ziccmizich zwai-iinn- 
dreisich 'got. 2. Kor. 11, 24 Jidvor tiguns dinamma vanmis als 
Ubersetzung von Tcaaapay.ovta Trapa piav). 

Von den verschiedenen Ausdrucksweisen fiir die Ordinal- 
zahlen, die in unsern Sprachen begegnen, darf wol die latei- 
nische fiir bis ‘'19^^^^ teydius decimus etc., die auch im. 

Armen., Griech. und German, erscheint, als in die Zeit der idg. 
Ureinheit hinaufreichend angesehen werden. 

Arisch. Grundzahlen. 11 ai. ekd-dasa] dass sich im Vor- 
dergliede die Form des instr. sg. masc. (ved.) und nom. sg. fern, 
festsetzte, geschah unter Einwirkung von dm-dasa^ vgl. unten 
av. aevmi-dasa- etc. ^lU®^b 12 ai. dva-dasa dum-dala av. dva- 
dasa. 13 ai. trdyd-dasa. 14 ai. cdtur-dasa mit Eindringen 
der reinen Stammform, vgl. av. caprii-dma- 15 ai. 

pd'hca-dasa^ av. panca-dasa. 16 ai. 0~dasa. 17 ai, saptd-dasa. 
IS ai. aka-dam. 19 ai. ndva-dasa^ daneben ekonampati-s [eka- 
una-visati- ^eine um 1 zu kleine 20"*), auch bloss tma~v\sati-s, 
und ekan (d. i. ekdd] nd visati-s (vgl. Delbriick Altind. Synt. 
S. 112. 543). 

Ordnungszahlen. Im Ai. neben -dasd-s bei alien Zahlen 
auch -dasama-s^ vgl. lat. -decimus. ai. ekadasd-s^ av. 



486 


Zah.lwort’bildung. Gardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ ^ 5 . 


aevcm-dasa- . orfoa-dasa-y aevd-dasa-] ama-dasa- wie dva-dasa- 
— ai. dvci-dasd- oder reinex Stamm statt Casus wie in pri-dasa~ 
cap 7 'u-dasa -1 vgl. § 25 S. 40. 12^®^* ai. dmdasci-s [dvddasama-s 

wie diiodecimu-s)^ av. dvadasa-. ai. t7^ayddasd-s, av. pri- 

dasa- mit leinem Stamm statt Casus. 14^®^ ai. catii7^dasd-s^ 
ay. capncdasa- ^ vgl. das Caidinale. 15^®^' ai. pancadasd-s , av. 
paiicadasa- und pancadasya- ^ letzteres wie tiih'ija- *^4^®^^ hitya- 
<^2ter^_ 10ter sodasd-s, av. xsvaMasa-^ u. s. w. Neben ai. 
7iavadasd’’S (av. 7iavadasa-] *'19^®^ auch ehmawla-s^ tlnavisa-s 
und ekd7mav\sd-s^ vgl. das Ordinale. 

Axmenisch. Gxundzahlen. 11 7ne-tasa7i. 12 e7'Jco-tasa7i. 
13 e7'eJc~tasa7i. 14 corelc-tasan. 15 Imge-tasaTZ. 16 ves-tasa7i. 
Diese Zahlen wuiden nach der z-Declination flectiert, z. B. gen. 
dat. metascmic^ instr. metasayiivJl (vgl. Jcsan ‘^20^, gen. dat. Ihayiic), 
Von 17 an mit ex) \ind^, wobei entwedei beide Theile oder nux 
tarn decliniext wuxde (vgl. ah^-ev-ji § 28 S. 44f.). 17 ext7i-ex-tam. 
18 uf-ex-tasn, 19 m7%-ex-tas7i , 

Oxdnungszahlen. Entweder tas7i-erord ("^10^®^) mit nach- 
folgendex Ordinalform dex Einex, z. B. tas7ierord cori'ord ^deci- 
mus quaxtus'*, odex Anhangung von -er-ord an die Gxundzahl^ 
wie 77ieta$a7i-e7'07'd ‘^IV®^^ co7'eJHasa7i-e7'07^d ‘^14^®^^ 

Griechisch. Gxundzahlen. 1 1 Ev-osza (sv- nom. acc. neutr.), 
delph. dsv.a sic. 12 oa>-0£xa (horn. oow-Ssxa), horn, duo-xat-os'/a, 
att. dor. auch oexa doo. 13 xpsTc; xal dexa und mit exstaxxtem 
nom, tpsT^ Tp£ia-xai-dcxa att. dor. auch dsxa xpeT^;. 14 Tsxxapsc; 
xal osxa, T£TTap£a-xai~d£xa und dsxa TSTxapsc;, u. s. f. Ubex die 
Gestaltung von f; in £x-xai-d£xa neben boot. £a-x7j-d£xaTo^ s. 
Vexf. Gx. Gx. 2 § 59 g, 71. Im Att. dexa ddo, dixa Tp£t^ u. s. w., 
wenn das Substantiv voxausging, z. B. dpa)(pLal dsxa Tp£^ gegen 
Tp£t; xal dexa dpa^^pai, vgl. Wackexnagel Kuhn's Ztschr. XXV 
284 f. und Philol. Anzeigex 1886 S. 78 f., Aleistexhans Gramm, 
dex att. Inschx. 2 g. I26f. 


1) Ist dieNebenformxpicxaioazot anzuerkennen fvgl. Meisterbans Gramm, 
d. att. Insebr. 2 S. 126), so entbielt sie den erstaxrten acc. Tpi? = 
(Wbeeler B. gr. Komiualacc. 42) oder dessen anteconsonantiacbe urgriecb. 
Kebenform Tot? (I § 204 S. 172 f.). 



§ ns.] 


Zablwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


487 


Ordnungszahlen. 11^®^ svdey.aro-c;. 12^®^ ocaosyaTo-c, episch 
oooaSiyaTo-^, ion. omotmTo-c. Von 13^®^ an im Att. in der classi- 
schen Zeit gewohniich (auf den Inschriften consequent) tDito; 
yai Beyato;, TSTapTo; yai osyaxoc u. s. w. Bei Homer rpetayai- 
Biyaro-c B'/TwyaiBsyaTo-c , bei Heiodot xscjaspsayaiSiyaTo-;; xrsvrE-* 
yaiSsyaro-c, boot. say'/jBiyaxo-c- 

Italisch. Grundzahlen. Im Lat. war die gewohnliche 
Ausdrucksweise folgende. 1 1 un-clecim^ dessen erster Theil ver- 
mutlich nicht bloss aus einer Casusform entstanden war (vgl. 
un-de-mgmtl) , s. I § 633 S. 475, II § 36 S. 60. 12 cltio-decim, 

13 tredecim aus '^ti'ez-decim (I § 594 S, 451); daneben auch tr^- 
decim nach tr'ecentl^. 14 quaituor-decim, 15 qiiindecim aus ^qidn- 
qu[e)-decim^ s. I §633 S. 475. 16 redeem, aus "^segz-decim^ s. I 
§ 594 S. 451. 17 septen-decim ^ s. I § 207 S. 175. 18 diio-de- 

dlgintl. 19 Tm-de-viginfi ^ vgl. un-decim. Daneben zuweilen 
Ausdriicke wie ii'es et decern , octe et decern : decern duo , deceyn 
nocern ; decern et unus. decern et duo, 

Umbr. desen-duf acc. ^decern duo^, s. I § 207 S. 176. 

Lat. Ordinalia. undecimii-s, Vl^^'^'duodechnu-s. 13^®^f^r- 
tius decimus^ 14^®^ quartus decimus u. s. w., selten decimus ter- 
tius u. s. w. 18^®^’ duodevlcesimu-s , selten octcivos decimus. 
19^®^ undevlcesimu-s^ selten nonus decimus. 

Altirisch. Die Cardinalia wurden mit der Form deac (in 
der alteren Sprache zweisilbig), spater contrahiert dec (neuir. 
dmg) gebildet. 11 oen — deac, 12 dd — deac, 13 trl — deac 
u. s. f. mit Zwischensetzung des zugeborigen Nomens, z. B. dd 
cath deac *"12 Schlachtenb deac dec hat mit deiclin- nichts zu 
schaffen; moglicherweise war es ein Wort von ahnlicher Be- 
deutung wde ai. adJiika- got. -lif lit. -lika, 

Ordinalia. IF®^ oenmad — deac, 12^®^' aide — deac ii. s. w. 
Germanisch. Grundzahlen. 11 und 12 mit -lihi- gebildet, 
einem Nominalstamm , der zu got. hi-leiban ‘'bleiben'' (Wurzel 
leip-, ai. limpcmii ^kiebe^) gehorte und iirspriinglich ‘'Uberschuss'' 
Oder ^iiberfliessend^ bedeutete, elf — "^eins dariiber hinaus, nem- 
lich liber die lO"*; vgl. unten lit. -liha zu Wurzel leiq~ und ai. 
adhika- ""uberschiissig^ in der Verbindung von 10, 20, 30 u. s. w. 



488 Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 175. 

mit Einern, wie aHadhikanavati-s ^eine um 8 vermehite 90" 
= ‘"98", Got. din~lif ahd. einAif ^ got. tva-lif ahd. zwe-Uf er- 
scheinen iinter denselben Bedingungen und in derselben Weise 
flectiert wie die Zahlen 4 bis 10, z. B. tvalibi~m^ zioelifin (as. 
ellehan^l^ nom., nach tehan'^Xi*). 13 ahd. drl-zehan^ daueben 
fone dien andereii drm zenin (Graff Ahd. Spr. V 628). 14 got. 

fidvbr-tailiun^ ahd. Jior-zelian. 15 ^oi.JlmfAaiJiim ahd. fi^if-zelian. 

16 ahd, sehs~zeha7i. 18 ahd. alito-zehmi. 19 ahd. niu7i-‘zeha7i. 

Ordinalia. 11^® ahd. einlifAo aisl. ellifte ellifti. 12^® ahd. 
zwelifAo aisl. tolfte tolfti. Die folgenden Ordinalia waren ur- 
spriinglich nach der Weise des lat. tertius decimus gebildet, aber, 
wie es scheint, schon im Urgerm. entstanden Composita mit 
Starr em ersten Theile und dann mit Ubergang in die Weise der 
Stammcomposita. Got. Luc. 3, 1 m jera fimftatailtundm srsi 
TTEVtcxaiOcxaTcp". Ahd. dritto-zehanto ^ jioy'do-zehcmto etc., auch 
mit -a- (spater -e-) im Schluss des Vordergliedes. Im spateren 
Ahd. auf Grundlage der Cardinalzahl z. B. Jierzen-do sehszen-do^ 
entsprechend im Aisl. z. B. ji7n[m)tdn-de sextan-de. 

Baltisch-Slavisch. Litauisch. 11 v'muAika, 12 dx^- 
lika^ tryAika^ W keturioAika ^ ih pe7iki6Aika^ szeszioAika^ 

17 sejAynioAika ^ IS asztimioAika ^ 19 devynioAika] lE®’^ alit. 
leka-s^ 12^®^ alit. a7itras lekas^ jetzt mit Aikta-s venuUkta-s^ 
12^^^ dvylikta-s u. s. f. tryAika^ ketui'ioAika u. s. w. enthielten. 
in beiden Gliedern Formen des neutr. plur. (§ 338), daher noch 
alit. dat. Aikams instr. Aikais, Beim Untergang des Neutr. als 
grammatischer Kategorie (§ 403) exschien Aika als nom. sg. fern., 
daher alit. und dialektisch auch noch jetzt die Flexion gen. 
Aikos u. s. f. Dem Aika lag ein adj. Aika-s ‘^iiberbleibend, iiber- 
ffiessend" zu Grunde, eine Nebenform zu jenem alit. leka-s\ 
auch heute noch ist leka-s lebendig im Sinne von '^einzeln iibrig- 
bleibend, unpaar". Die Wurzel ist leiq- (lat. Imquo gr. Asitco)). 
Vgl. oben got. dmAif, venuAika und dvyAika haben sich im 
Ausgange des vorderen Gliedes nach den folgenden Zahlen ge- 
richtet, vgl. ai. eka-dasa S. 485 und § 326. Vgl. Bezzenberger 
Beitr. zur Gesch. d. lit. Spr. 179ff-, Kurschat Gramm. S. 269, 
Yerf. Lit- Volkslied. S. 309 und Techmer’s Internat. Zeitschr. 



§ 175 — 176 .) Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 489 


I 25 If., Mahlow Die langen Vocale 49, Joh. Schmidt Plural- 
bild. 39. 42. — Slavisch. 11 jedinu 7ia desqte (loc. sg. von St. 
deset-) — ‘^eins auf zehn"', 12 duva na desete = ‘^zwei auf zehn^ 
u. s. f. Vgl. lett. whi-pa-ds^nit'^ id — ‘'eins iiber 10^ dhc-pa-dsmii 
*^12^ u. s. £. und gr. thess. xd sxra Id r/Aoi (Collitz’ SammL d. 
griech. Dialektinschr. n. 345, 10). Die Ordnungszahlen wuiden 
theils so gebildet, dass nur der Einer die Form des Ordinale 
erhielt, z, B. osmyjl 7ia desete ‘^dex auf 10^ = ^dei IS^®"; theils 
so, dass von dem Ausdruck fiir die Cardinalzahl eine Ableitung 
mittels ~mu vorgenommen wurde, wobei man den Einer ent- 
weder in der Form des nom, acc. festhielt, z. B. pefi-yia-desetmu 
Oder nach der Weise des 1. Gliedes von Stammcomposita 
behandelte, z. peto-7ia-desqti'7iu^ vgl. § 47 S. 81f. 

176. Zwanzig bis Neunundneunzig. 

Die idg. Ausdriicke fiir 20, 30 bis 90 batten von Haus aus 
den Sinn *^2 Decaden"*, ^3 Decaden^ u. s. w. Der Einer und das 
Wort fiir Decade, ein Neutrum ^koiiit- ^hint- (aus '"'dhomt- 
'^dhnt-^ s. § 164 S. 464), wurden urspxiinglich beide flectiert, 
so weit nicht die Einer Indeclinabilia Traren (5 bis 9, s. § 169 if.). 
‘"20" war Dual, %7(?) kipt-i^ die folgenden waren Plurale, z. B. 
^30^ ^t7'l ko77it-9. Aber in keiner Sprache findet man diese Be- 
zeichnung fiir die Decaden mehr als declinierte Formen, allent- 
halben erscheint der nom.-acc. erstaxrt. Dass die Erstarrung 
der Einerzahl zum Theil wenigstens in die Zeit der idg. Ur- 
gemeinschaft hinaufreicht, zeigt der Umstand, dass nach '^t7'l- 
komt9 ein ^ qehif-koynia (gr. rsTpio-ycovra lat. quad7^a-gi7itd av. 
capi7:a7'^-sat- armen. kar-a-su7i) und ein "^peidqe-komtd (gr. 'KsvTr^- 
y.ovra ai. panca-sdt-) gebildet wurden. Ob auch ^hnti und 
*ko7ntd schon damals undeclinierbar geworden waren, bleibt 
zweifelhaft. 

Auf Grund dieser nom. acc. plur. (du.) neutr. wurden in 
uridg. Zeit singularische Abstracta (Collectiva) weiblichen Ge- 
schlechts und Ordinalia geschaffen, die im ersten Glied die 
nom.-acc.-Form beibehielten. Fiir die Abstracta (z. B. ai. t7d~ 
sdt- ^Anzahl von 30^, gr. boot, fvmc, att. stxd^, ddi. Jiche ‘^An- 
zahl von 20"' gen. Jichet] gab das Femin. "^dehnt- ‘'Anzahl von 



490 


Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


[§ 176. 


10^ das Muster ab wahrend die Ordnungszahlen mittels -to- 
-t-inmo- abgeleitet wurden. Die zu Grunde liegenden Cardinal- 
ausdriicke waren, als diese Abstracta und Ordinalia entstanden, 
nur erst aiif dem Wege zu compositioneller Vereinheitlichimg, 
so dass das Verhaltniss von ^trihomt- und 

^tnkmtHo- "^trthntHmmo- ^tpLaxoaToc;'’ zu ^trl homtd Mrei Deca- 
den"* ahnlicii gewesen sein mag dem von aksl. duvadeseijinu 
‘' 2 oster'* 2 :u duxia deseti *^20^, von lat. quartadecumcinl zu quarta 
decuma^ Sacravimses zu sacra via u. dgl. (§ 3 S. 5). 

Anm. 1. Vielleiclit kamen jene Neuscbopfiingen *qetur~ xmd "^pefdqe- 
im Uridg. erst nur in der CoUectiv- und der Ordinalbildung auf, in denen 
der Einerausdruck enger mit dem Zebnerausdruck yerbunden war. So konnte 
man das Schwanken zwiscben y&Tpcj-y.ovTa und T£TTapa- 7 v 0 vta pm Griecb. und 
zwiscben panca-sat- und panca-sat- im Av. und den Gegensatz zwiscben 
ay. capicar^-sat- und ai. catvdri-sdf- erklaren: gr. Terptoy.ov-La ware Neubil- 
dung nacb T£TpcDy,ocT&-;, umgekehrt T£TTapay,ocT6^ eine solcbe nach ysTTapa- 
'/ovTa gewesen* 

Der Dual *kmt-i hatte in alien Casus schwache Stamm- 
form gehabt, daher av. vl-saiti armen. K-sa 7'6 gr. fi-naTi lat. 
vl-qmtl, daher auch das Collectivum mit gr. /i-y.a? ei-ydc; 

air. Ji-clie (acymr. u-cemt corn, u-gans), Dagegen nom. acc. plur. 
"^homt-d ^ daher armen. -sun gr. -xovta und die Collectiva av. 
pri-sqs air. -cha -ga; dass bei 30 u. s. w. auch '^hnt- auftritt in 
Cardinalia und Collectiva (lat. -gintci und ai. tri-sdt- av. pri-sat- 
u, s. w. j gr. Tpia-xdc), kann daraus, dass neben ^komi-d einst 
schwache Casus mit ^kmt-^ wie loc. '^krnt-su^ gestanden hatten, 
aber auch aus der Analogie entsprechender Formen der Zwan- 
zigzahl erklart werden. Die Ordinalia hatten wol alle von 
Anfang an ^kmt-, wie gr. boot. ai. tr{-sattamd-s lat. 

trl~cesimu-s. 

Anm. 2. Av. visqsUina- nacb einem aus Jivisas zu folgernden "^prisqs- 
imia- und dieses fur prisasteina-. Im Griecbiscben wurden von -^covta aus, 
und zwar wol bereits im Urgriecb., die zugeborigen Ordinalia auf ^-y.acTo-; 
beeinflusst , indem man entweder uber "^-y.ovcTo-!; zu -zocto-; gelangte (vgl. 
'xsaxo- aus ^xevoro-c, I § 204 S. 172f.) oder bloss den Vokal^^o von -xovta 


1) In abnlicber Weise sehuf man spliter im Aisl. tmtoig-t Jtr it Bg~t 

''Tpiaxctc'’ u. s. w., im Lit. dvideszmiti-s {z,B.po dvideszmites metu bei 

Bretken) auf Grund von ^dm dhzimti '20", im Griecb. evoexa? oojBexcc; u. dgl. 



§ 1 " 6 .] 


ZahlTTortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


491 


auf ubertrug. Weiter verbreitete sich dann das o einerseits ruck- 

warts auf 20 iind 10: ion. att eixogto-? el'/osl, arkad. oexoto-; ouo-oev.o; 
anderseits vorwarts auf 100 und die Hunderter: arkad. £7.oTdv-|3oia und ion. 
att. -xdcioi. 

Die alien, aiis Adjectiv nnd Substantir bestehenden Cax- 
dinalausdriicke verblieben im Armen., Griech., Latein., aussei- 
dem av. visaiti *'204 Durch die Singularabstracta wurden sie 
verdrangt im Ax., wo nnr av. msaiti und indirect ai. msati-s 
(s. § I'^T) an sie erinnert, und im Kelt. Im Ax. aber %vurden 
diese Abstxacta selbst wieder bei 60 bis 90 duich andexe Ab- 
stxacta, ai. sastz-s u. s. w., exsetzt (s. § ITS). Im German, und 
Balt.-Slav. verloxen sich sowol die alten Cardinalausdriicke als 
auch die Singularabstracta bexeits in vorhistorischer Zeit. Es 
traten an ihxe Stelle Bezeichnungen, die etymologisch im We- 
sentlichen dieselben Elemente und denselben Sinn batten, die 
die uridg. Ausdxilcke besessen batten, z. B. fur 30 got, preis 
tigjuii lit. trijB deBzimiys aksl. tri deseti, deren Substantiv das 
in selbstandigem Gebraucb verbliebene Wort fiir Decade idg. 
^dekynt- ' dekmii- war^). Das Element ^komt- "^kmt- wax im 
German, und Balt.-Slav. wabrscbeinlicb schon friib, abnlich wie 
in den andexn Spxacben, zu einem blossen Suffix verdunkelt, 
und durch die neuen Ausdriicke wurde nun dex ursprungliche 
Sinn dex uridg. Wortex gewissexmassen wieder aufgefriscbt. Aber 
auch bier trat in jiingerer Zeit wieder jener Verdunklungs- 
process ein, dem die alten Benennungen verfallen waxen. Z. B. 
in mbd. dri-^ic vier-zic nhd. dy^ei-sbig mer-zig war und ist der 
zweite Bestandtbeil ebenso zu einem blossen Suffix herabge- 
driickt, wie es der von gr. Tpid-zovra und der von lat. trl-gintd 


1; German, 'Decade’ muss auf "dekmi- in der Weise zuruck- 

gefuhrt werden, dass man zunaebst im instr. plur. "^te^iind-mi und in einer 
gleicliartigen mit einem ?n-Suffix gebildeten Dualform (bei 20) die Laut- 
gruppe -iindm- uber -unm- zu -urnin — iim- geworden sein und dann Yon 
dem so entstandenen tigum aus die andern Casus, got. iigjus u. s. w., neu 
gescbaffen sein lasst. S. § 379. 386. Wie sich zu die Dormen mit ii 

in der Wurzelsilbe ahd. -zug aisl. togr tugr rerhielten, bleibt dabei noch 
eine offne Drage. In Bezug auf das mannliche Geschlecht des Wortes ver- 
gleiche man aksl. duva des^ti. 



492 ZaMwortbildung. Cardinalia, xlbstracta, Ordinalia. [§ 176—177. 

schon zii Anfang der geschichtlichen Periode der classischen 
Sprachen waren. Und wii Deutsche haben aus unsern Decaden- 
woitern ebenso adjectivische^ in den Casus des gezahlten Gegen- 
standes tretende Woiter werden lassen^ wie die Eomer und die 
Giieehen solche aus ihxen aus uridg. Zeit exexbten Decaden- 
bezeichnungen machten: nhd. in vierzig icioclien gegen dlid.. feor- 
zug weJiJmio Wtapaxovia? spoopaowv" nnd gegen got. dage fidvor 
iiguns ^ 7 ]|i£pdiv t£t“apac gleichwie gx. TpidxovTa avBpsc; 

statt %p(a xdvra dvopdiv, lat. trlgmtd virl statt contd virdm. 
Im Gexmanischen hielten sich diese neuen Ausdiiicke mit 
aber nux bei 20 bis 60, wahxend die gleichaitigen Benennungen 
fiii 70, 80, 90, wie wix in § 178 sehen weiden, bexeits im Ux- 
geimanischen wiedei duxch Neuschopfungen nach dem Mustex 
eines altiibeikommenen Ausdxuckes fiir 100 got. taihunte-liund 
"os'/wdowv exsetzt wuxden. 

Die uxidg. Decadenausdxiicke gingen in dex Zeit dex Ux- 
gemeinschaft noch keine engexen Vexbindungen mit hinzutxeten- 
den, zwischen denDecaden selbst liegenden Einexn (2 Iff. 3 Iff. 
etc.) ein. Dei Einexausdxuck blieb selbst^diges Woxt. S. § 175 
S. 484. So blieb es auch in den einzelspxachlichen Entwick- 
lungen. Nux das Indische macht eine bemexkensweite Aus- 
nahme. Neben dex uispxiinglichen Ausdxucksweise schon im 
Vedischen fern, trdyas-trisat- cdtus-tr\sat- ‘'34^ u. dgl. nach 
der Analogie von trdyd-dasa *^13^ cdtiir-dasa ''14k Die Com- 
position wurde spater zur Eegel, und man fiihxte auch ausser 
den Zahlen 24, 34 u. s. w. xeine Stammform ein, wie eha- 
vi^ati-s ''2C (vgl. dagegen ekadasa)^ dm-trisat~ ^32^ u. s. w. Es 
hing diese Neuexung mit dex Yorliebe dex Index fiix Composi- 
tionsbildung iibexhaupt zusammen, s. § 21 S. 36. 

tJber subtxahiexende Ausdxucksweise, wie ekonatrisat- una~ 
trilat- ^29'*, panconq latam "Ob'", ekdn nd laidm "9 O'", handelten 
wix § 175 S. 485. 

177. Zwanzig. Die Grundzahl ging au£ ^-kmti aus (av. 
m-saiti gx. /i-zaTt), das nom. acc. du. neutx. des Stammes -kmt- 
wax (§ 294). 



§ 177.1 Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 493 

Ira ersten Glied (gr. herakl. /st-xari^) si-xoai), 

[dkt, ji-clie)^ ocler ^um- (ai. m-lati-s)^ vielleicht aucli *u~i- 

(av. vl-saitij gr. fl-xo.Ti mit i?, lat. m-ginta^ armen. Izsan aus 
"^gi-santi odei "^gi-santi). Hieinach scheinen veischiedene Casus- 
formen vorzuliegeiij zu geniigender Klaiheit iiber die uridg, 
Bildungsweise kommt man aber nicht. Dass *uei- u. s. tt. ein 
Aiisdruck fiir ^zwei" war, scbeint sicher, und es kegt nahe, 
dieses Wort mit ai. vi ‘^auseinande/ vi-m- vi-sva- ""nach beiden, 
nach verschiedenen Seiten^ (vgl. av. pri-sva-) vi-tard-m Veiter"* 
got. vi-pra ‘"gegen^ wider'* lat. vi-tr-im-s (§75 S. ISO), weiterhin 
mit in ai. u-hlidu aksl. vu-toru nnd im nom. acc. du. ai. cltci-u 
zu verkniipfen ; ‘'zwef wie ‘'drei'* und ^dtd- ‘'zwef 

(§ 166 S. ICS, § 311 Anm. 2). S. A’erf. Morph, Unters. V 23j6f., 
Baitholomae Stud. z. idg. Sprachg. I 74 und unten § 285. 296. 

Das Abstractum ging auf (im nom. sg.) aus: gr. 

/i-v.d; i-xd^ si'V.d? air, Ji-che. Das Ordinale auf ^-kmtHo- 
gr. boot, /t-xasro-; lat. vl-ceshmi'-s. 

Arisch. Av. vlsaiti. Ai. vi^ati-s erwuchs als Singularab- 
stractum auf Grund des nom. acc. du. auf nach dem Yor- 

bild von sasH-s ‘'60", saptati-s ‘'70" u. s. w. : man sagte vipatya 
lidrmdm und mit Casusassimilation visatya lidribMs ‘'mit 20 
Biaunen" gleichwie sastya lidrinZim und sastya hdrihJiis ‘'mit 60 
Braunen". Das jiingere tiled- scheint erst nach den Zahlen 30 
bis 50 trildt- etc, gebildet zu sein, wie umgekehrt neben tr{-ldt- 
in j lingerer Zeit ein tr\sati-s als Neuschopfung nach vilati-s 
aufkam. Av. ti- kann auf vi- zuriickgefiihrt werden, s. Veif. 
Morph. Unt. V 27. 

20®^^^. Av. visqsteina- fiir '^msastema-^ s. § 176 Anm. 2. Ai. 
visafi-tamd-s^ von mlati- aus gebildet (vgl. sasli-tcand-s § 178), 
und vild-s wie eJcadald-s etc. 


1) Das herald, mochte jetzt Banielsson Epigraphica, Upsala 

1S90, p. 33 als ein diirch Einfluss des att. eixoat umgestaltetes /r/.aTt be- 
trachten nnd eixoct aus entstanden sein lassen. Obwol das di- 

phthongische /si- an den Eormen der andern idg. Sprachen keinen irgend 
sicheren Anhalt hat, sebe ich keinen triftigen Grund, die Ursprunglichkeit 
des /ei- zu leugnen. 



494 


ZaMwortbildung Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


r§ 177. 


Armenisch. lhan wahrscheinlich aus ^gsan '^g%sati[ti] mit 
g- = -s- = -vl- -an- = -m- s. I § 232 S. 199. Usan nahm, 

wie die folgenden Decaden, wiedei Flexion an (nach der i- 
Declination), z. B. gen. dat. ]isan-i-c\ in jiingerer Zeit auch mit 
singularischer Declination. Ordinale Tcsan-erord. 

Griechisch. Dor. boot. /GaTi, mit ei dor. fetxan ion. att. 
cr/odi horn. isr/oaL. 20^^®'' boot, fixacro-c att. sr/oard;. Abstractum 
boot, fiy.dc thess. hag att. slxdg. Ob das i der ersten Silbe kurz 
Oder lang war^ ist unermittelt. Das -o- statt -a- stammte aus 
den folgenden Decaden und hatte seine letzte Quelle in dem 
Ausgang -xovta, s. § 176 Anm. 2 S. 490f. Bei Hesych auch 
ixavtiv (cod. r/dvriv; mit -v- nach -xovxa. Zum sog. v scpeXy.ooTtxdv 
mag das att. sixoai zuerst dann gekommen sein^ wenn es dati- 
visch stand, vgl. inschr. dvopdaiv evl y.al si'/oaiv (Maassen De 
littera v paiagogica, 1881, p. 34). 

Italisch. m-ginU. vlcesimti-s ^ selten vigesimu-s. Ob m- 
igoeiginti C. I. L. I 1194, nach 105 v. Chr.) idg. oder 
war, ist unsicher. Ebenso bleibt zweifelhaft, ob das -7 von 
-gintl eine Dehnung des urspriinglichen -i nach der Analogic 
des -a von trlgmta etc. war, oder ob -i durch den Ausgang des 
nom. acc. du. neutr. der o-Stamme -oi oder -ei (s. § 293) ersetzt 
worden war. Fiir die Beurtheilung des -g-^ das nach Thurneysen 
lautgesetzlich in seating entl nongenii [quadring enfi acting enti) 
entstanden war und sich von diesen Formen aus analogisch 
ausgebreitet hatte (I § 499 S. 368), kommt in Betracht, dass auch 
das 2 :- des alban. -zet ‘'Anzahl von 20^ [iis-zet ‘'i ZwanzigheiF, 
dii-zet *"2 Zw.^ u. s. w.) auf die Media g weist (G. Meyer Abh. 
zu M. Hertz’ 70. Geburtst. 1888, S. 90 f.); vgl, auch die Mediae 
in lat. quadru- § 168 S. 472, gr. fpoopo-c; aksl. sedmu § 171 
S, 479. 

Altirisch. Ji-che fichet ^^X.ficliit) aus ^-knit-s (I § 243 
S. 203, § 620 S. 468, § 634 S, 476, § 657, 6 S. 511, § 685 S. 555); 
moglicherweise fi- fur oder ^uei- nach der Analogic von 
iriclia. Acymr. u-ceint corn, u-gans mit unaufgeklartem u-, 
vgl. Thurneysen Kuhn's Zeitschr. XXVI 310 Fussn. 2. 20®*®"^ 

mix. JicJiet-mad (nach coicet-mad erschlossen) , 



§ 177 — 17S.] Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


495 


Germanise h. Got. tvditigjus^ dat. tvdimtigzim. Ahd.zivem- 
zug as. twen-tig mit erstarrter Dativform im ersten Gliede. 

ahd. zioemzug-osto . Tiber aus "^dehnt- s. S. 491 

Fussn. 1. 

Baltisch-Siavisch. Lit. urspriinglich '^dv) deszimti (Dual), 
hieraus unflectiertes dvideszmit und dialektisch, durch Anlehnung: 
an trlsdeszhnts etc., dv'tdeszimts] alit. anira-s deszimta-s^ 

jetzt dvideszimta-s. Aksl. duva desqti (Dual, desett also als masc.) ; 
20®^®^ duvadesfdmu dvadesqfiziii und nach der Weise der Stamm- 
composita dvodesetinu pqto-72a-deseUnu § 175 S. 489). 

178. Die Decadenzahlen dreissig bis neunzig, 

Arisch. An die alten Neutra plur. komtd u. s. f. er- 
innern noch die ersten Glieder von av. capivar^-sat- und ai. 
paficd-ldt- av. pmica-sat-^ da diese nach " frl- geschaffen waren 
(s. § 17G S. 489), sov’ie das erste Glied von ai. catvari-ldt-, da 
dieses fiir *catmri- eingetreten war nach der Analogie von 
I'l- und fri-. Die femininischen Singularabstracta verdrangten 
die alten pluraHschen Ausdriicke bereits in der urar. Periode, 
und ebenfalls schon damals wurden dann jene bei 60 bis 90 
durch Einerabstracta, ai. sasti-s av. xsiaHi-s ‘'SechszahF (nem- 
lich von Decaden) u. s. w., ersetzt. 

Bei den Zahlen 30, 40, 50 erscheint im zweiten Gliede die 
schwache Stammform == ai. -hat- av. -sat- durchgefiihrt : 

ai. tri-sdt- catvari-hdt- paned-sdt-^ av. pri-sat- capmar^-sat- 
pa7icd-sat-\ nur in dem unflexibel gewordenen, dem air. nom. 
sg. tri-cJia entsprechenden av. pri-sqs (vgl. Ascoli Krit. Stud. 
100) tritt auf. Im Av. wurde der Accus. auf -sat-ezn 

auch nominatmsch gebraucht, wol unter Einwirkung des Neu- 
trums sate-771 ^100^; daher dann auch Ubertritt in die o-Decli- 
nation, gen. plur. prisatanqm^ pazicdsata-gaya- ^Eaum von 50 
SchritF. Im Ai. trat neben trimt- die Form trihati-s nach der 
Analogie von vilatt-s. 

Was das erste GHed anlangt, so waren lautgesetzliche Fort- 
setzung indogermanischer Grundformen av. capwaz'^- aus ^'qetzpr- 
(vgl. I § 306 S. 243 f.) und ai, pahed- av. paned- aus ^pefdqe-^ 
s. § 176 S. 489. Ob ai. tri- ein vorar. fortsetzte oder nach 

Brugmann, Grundriss. 11, 2. 


32 



496 Zahlwortbildimg. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§178. 

vi- neu gebildet war, bleibt zweifelhaft^ wahrend ai. catvari- 
als Neuschopfung fiir ^catvari- gelten muss (vgl. gr. TstTapd- 
xoVTa, § 176 Anm. 1). Ay. capwar^-sat- gab, well es mit Compp. 
wie atar^-carana- auf gleieher Linie zu stehen schien, den An- 
stoss dazu, dass man neben capni-mahya- Viermonatlich.'’ u. dgl. 
solche Compp. wie capimr^-zardgra- ^vierfiissig" schuf, und es 
kann also auch die Bildung yon pri-sat- fiir ^pri-sat- oder "^pri- 
sat- und die yon 'panca-sat- (neben panca-sat-) yeranlasst haben. 
x4ber das iiberlieferte p7'i- kann auch schlechte Schreibung fiir 
pri- und fiir Jm- gewesen sein (s. A^erf. Morph. Unt. V 27), und 
panca-sat- konnte aus der Zeit ererbt gewesen sein, in der fiir 
'*pei 9 qe hointd noch "^pefdqe komU gesprochen wurde (s. § 176 
Anm. 1). 

60 ai. sasti-s ay. xkvasti-L 70 ai. saptati-s ay. haptcliti-s 
mit ct nach astaiti-^ wahrend Jiaptaipi-va'nt- '70fach^ noch a 
aufweist. 80 ai. allti-s (ygl. § 172 Anm. S. 480), ay. astaiti-s. 
90 ai. navati-s ay. 7iavaiti-s. Ai. sasti-s und ay. 7iavaiti-s fin- 
den sich auch noch in deni weiteren Sinne yon ‘^Sechsheit^ und 
'^Neunheit^ 

Anm. Der Gebraucli von saki-s ii. s. w. statt der den Compp. tn-idt- 
u- s. w. entsprecbenden Abstracta deutet darauf bin, dass in urar. Zeit bei 
boberen [Zablen eine Sexagesimalrecbnung anfgekommen war, in der das 
Wort saki-s xsvasti-s 'Scbock’ die beberrscbende Stellung batte, wie nocb 
in historiscber Zeit bei den alten Persern die Zabl 60 mit ibren Yerviel- 
facbungen (abnlich wie bei den Romern sexagintd, sescentl] ganz besonders 
beliebt war (s. Cantor Matbemat. Beitr. znm Knlturleb. der Volker 1883, 
S. 361 f.]. Durch sasH-s wurde im Urar. das altererbte Comp, zuriickgedrangt, 
und spater setzten sich durcb Analogiewirkung aucb bei den folgenden 
Zehnern die dem saki-s entsprecbenden Bildungen fast 

Fiir ai. trisdta lidrmcmi^ saHya lid7'mdm‘'Kmt 30, 60 Braunen^ 
sagte man mit Casusassimilation auch trisdtd lidribMs^ sastyti 
hdrihliis] und weiter, indem man das Zahlwort als Adjectiy im 
Numerus sich nach dem Substantiy richten Hess, ai. pancdsadbhir 
vd70s ‘'mit 50 Pfeilen"*, entsprechend ay. prisatancm haiorincpii 
hriginta fibrorum'' (ygl. lit. deszmitisa Tuestosii S. 484 Fussn. 1, 
lat. ducentl mi'i § 180). Dass die letztere Construction unmittel- 
bar an die uridg. Ausdrucksweise neutr. pi. ^trl homt9 Mrei 
Decaden"" u, s. w. anzukniipfen sei, ist unwahrscheinlich. 



§ ITS.] Zahlwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 49-7 

Ordinalia. Ai, trihat-tamd-s cat'DdT\sat-~tamd-s pancdlat- 
tamd-s imd trild-s catmrim-s pwhcdsd-s mjid-s {§ 177 S. 493). 
saHi-tamd-s saptati-tamd-s aslti-famd-s navati-tamd-s und saktd-s 
saptatd-s ahitd-s navatd-s (beachte t gegen th in sakthd-s 
saptdfJia-s *^7^^^^); die letzten drei sind mit -said- (§ 179) 

zu vergleichen. Im Av. ist nur ^risata- belegt. 

Armenisch. -'Sun beruhte aiif der Stammform -kornt- (I 
§ 79 S. 71) und wax wahischeinlich aus ^-sonta verkiixzt. Zum 
Theil trat der ‘'Compositionsvocar -a- (vgl. § 28 S. 43 f.) ein. 
30 eresim aus '^eri-a-sun. 40 kar-a-sun\ kar- wahxscheinlich 
aus "^qtur- (vgl. arm-'Ukn ""Ellenbogen^ = ai, Ir-md- av. ar^-ma- 
I § 306 S. 243). 50 yi-sun^ vgl. I § 330 Anm. S. 268 und Bugge 
Beitx. zui etym. Exltot. d. axmen. Spx. S. 10; unentscheidbax ist, 
ob ^peidqe- odex ^peidqe- zu Gxunde gelegen hatte. 60 vaf-sun^ 
vgl. "^6^ und ves~tasa7i 70 e'of crn-a-smi. SO %it-sun. 90 

hm-sim. Die Zahlwbxtex auf nahmen, gleichwie ksan"'!^'' 
(§ 177 S. 494), nachdem sie eine Zeit lang indeclinabel gewesen 
waxen, wiedex Flexion an und zwax nach dex ^-Declination, 
z. B. gen. dat. eresn-i-c \ in jiingeiex Zeit auch mit Singulaxflexion. 

Oxdinalia : eresn-erord kafasn-erord u. s. f. 

Gxiechisch. -xovta wax seit uxgi. Zeit indeclinabel. Ge- 
legentlich auftxetende Foxmen wie tsaaspaxovToiv auf einex In- 
schxift von Chios, rptr^y.dvTcov bei Hesiod, tpiTjxovtsaai in dex 
Anthologie waxen jiingexe Neuexungen, gleichwie 'rrspTKDv (§ 169 
S. 474) osxwv (§ 174 S. 483). 

30. Tpid-xovra ion. rpiT^-xovta fiix ^TpL-xovra. ^vpi- wuxde 
zunachst duxch '^tpia- exsetzt, wie alle nom. acc. pi. neutx. nach 
den consonantischen Stammen -a exhielten (§ 337ff.), alsdann 
wuxde ct nach dem Mustex von rstpco-xovTa und TcsvTrpxovra ge- 
dehnt. Entspxechend Tpia-xdc. 

40. Dox. ion. Tstpcd-xovta = idg. "^qetur-. Att. TatTapd-xovTa 
ion. axkad. T£c:a£pd-xovTa boot. TrsTrapd-xovTa. Vgl. § 176. 

50. Att. dox. etc. Tcsvr/j-xovta = idg. "^peidqe-, Vgl. § 176 
S.4S9. Das -r- diesei Zahl ging auf die folgenden Decadennamen 
iibex, wie im Lat. qumqud-ginta sexd-gintd etc. mit -d~ nach 
quadra-gmta. 


32 * 



498 


Zahlwortbildung. Cardinalia^ Abstracta, Ordinalia. 


:§ 178 . 

60. Att. dor. etc. s^-vj-'/ovta. kret. /s^r^xovta. 

70. Att. ion. £j56o|jL-rpy.ovTa, herakl. delph. s[3o£[xrjXovTa. Wie 
£|36ou-r^- (vgl. sj^oopdc spoojjLaV.i; und spoopo-^) zu beurtheilen sei, 
ist unklar. Vielleicht lag ein uridg. '^septom- (vgl. '^-dkom-t- 
neben zu Grunde. Vgl. § 171 S. 478 und Veif. Morph. 

Unt. V 36fF. £^0£(j.rjy.ovTa scheint unter Einwirkung von svsvr- 
xovta aus s^SoojjLYjyovm umgebildet zu sein, seinerseits veranlasste 
es dann die epidaur. Form (S. 479). 

80. Horn. 67od)-y.ovTa wie lat. octo-gintd^ Att. lesb. ^Yoo-rp 
xov-a herakl. oyoorVovta (vgl. herakl, oxto) § 172 S. 480) wie 
vulgarlat. octua-gintd aus ^octova-, oyoo-rp (vgl. auch oyoGac; 
und oyooD-c) bexeitet ahnliche Schwierigkeiten wie £[36op-rp. 
S. § 172 S. 481 iiber oyooo-c und Verf. Morph. Unt. Y 36ff. 

90. Horn. £vvr]xovTa otaisch svTjxov-a aus '''£vJ7-rp wie armen. 
mn-su'/i, vgl. horn. £vv-7j pap ; in ho.merischer Zeit scheint sv/rp 
xovra sv/vjaap gesprochen worden zu sein (Verf. a. 0 . 4 1 if. 45), 
Att. horn. ion. svevr^xovTa herakl, svcvrjxovta (vgl. herakl. svvsa 
§173 S. 482) aus "^sv/sv-rpxovta, woraus eine idg. Stammform 
'^mnen- "^neuen- zu entnehmen ist, auf die auch lat. non-d-gintd 
non-n-s und air. noicht-ech ‘'90 jahrig^ zuriickfiihxbar sind. Vgl. 
Verf. a. 0 . 39 ff. 

Das -xoatd-^ bei 30^*®^ bis 90®^®^ war schon im Urgriech. fiir 
'-xaaTo-c eingetreten nach -xovra (§176 Anm. 2 S. 490 £). rpia- 
y.ooTG-'C. TETpcoxoard-c und tsTTapaxoard-;. TrsvrrfxooTo-c- sEv^xoato-c. 
sjBdoprY/.oard-c. OYOor^xoGcd-c. svsv'/jxoaTd-c. 

Italisch. Belege nur aus dein Lateinischen. -ginid statt 
^-goiitd war im Auslaut nach der Weise der o-Stamme umge- 
bildet (vgl. § 342) ; -7- (alter -e-) fiir -o- beruhte entweder auf 
der nlten abstufenden Declination des idg. neutr. plur. "^komt-d 
Oder auf analogischem Anschluss an vi’-ginU (§ 176 S. 490); liber 
-g- fiir -o~ § 177 S. 494. ^rl- alter nom. acc. neutr. quadra- 
idg. "^qetuf-^ dessen -d- auf die folgenden Zehner iiberging, wie 
gr. £^7]-xovTa etc. nach 'ircviv^-xovTa, quinqud- (statt "^qumque-). 
sexd-. septud- nach octud-. octud- aus '^octov-ci- (wie gr. oyoo-Tj- 
xovva) in der Vulgarsprache (vgl. § 172 S. 481), in der Schrift- 
sprache odd- (wie gr. horn. dyow-xovTa). ndn-d- aus vorital. 



§ ITS.] Zahlwortbild-ung. Cardinalia; Abstracta; Ordinalia. 499 

wie gr. svf/jev-r^-'/ovTa, odei aus Torital. wie 

gr. ^£v/-rpy.ovTa (horn, ivvr^yovra)? 

Oidinalia. trlcesimu-s (me vlcesimu-s) und ti'i-gesimu-s. Bei 
den folgenden nux -gesimti-s^ quadrcigesimu-s u. s. f* 

Altirisch. -cha -ga und -ca (s. I § 514 S. 377) aus 
gen, -chat dat. -chit -chait. 30 tri-clia mit altem kuizem % wie 
bret. tregont zeigt; dass es nicht *trecha hiess, wie man laut- 
gesetzlich erwaxten sollte (I § 34 S. 36)^ mag theils durch Ein- 
fluss des ausserhalb dex Composition vox Substantiven stehenden 
tri ‘'tria'y theils duxch Einfluss von fi~che ''20'' veianlasst sein. 
tri- Stammfoxm statt nom. acc. plux. neutx. '^tri-. 40 cethor-cha 
entwedex aus '^ceturci- (nom. acc. plur. neutx., vgl. gr. tsivapa- 
xovra) odex aus ^cetrii- (Stammfoxm, vgl. gall. Petru-corius und 
tri-cha)\ mix. cethracha wol nach mix. cethri''^^. 50 coica viel- 
leicht durch syllabische Dissimilation (vgl. gall. Leucamiilus aus 
^ Leuco-camulo-^ I § 643 S. 4S4); mit ^perdqe- odex mit ^perdgc-^. 
s. Vexf. Morph. XJnt. Y 33. GO ses-ca. 70 sechtmo-ga -go aus 
seclvtmm-ii-cont- odex aus ^echtom-u-cont- (vgl. cethorcha aus 
cetr%i~cont-^^\ und acymx. trhyiucemt "30'’)? Vgl. Vexf. Moiph. 
Unt. V 3S. so oclitmo-ga sichex Neubildung nach sechtmo-ga. 
90 mix. nocha odex nocha^ air. vielleicht '^/loicha (vgl. noicht-ech 
"90-jahxig'’); wax '^no{i)ca die altere Form (s. I § 212 S. 180 f. 

§ 513 S. 377) und ch fiir c aus tri-cha etc, eingedrimgen, odex 
'^nd[i)ncha mit einem Vocal vox -cha^, Ob odex ^muen- 

(vgl. gx. iv(/)£V-Tj-yovTa) zu Gxunde lag, bleibt zweifelhaft. 

Die Ordinalia mit -maclj z. B. 50®^®^ coicet-mad coicat-mad. 

IJbex die Ausdriicke wie tri deich "30", coic deich "50" (vgl. 
das German, und Balt. -Slav.) und da jichit "40" tri fichit "60" 
(vgl. albanes, dil-zct, tre-zet) s. Stokes Bezzenb. Beitx. XI 167 f., 
Pott D. quin. u. vig. Zahlm. 99 ff. 

Germanise h. Got. 30 preia-tigjuSy ?iCQ, prins-tigu?is^ gen. 
prije-tigive. 40 JidvoT-iigjus . 50 fimf-tigjus. 60 saihs-tigjus. Ahd. 
dri-:^ug (Spirant g wegen des vorausgehenden Vocals, s. I§ 533 
S. 392; doch stellte sich nach dex Analogic von zioein-ziig 
den folgenden Zehnern auch z = ts ein, wie die Schreibung 
trlcig u. dgl. belehxt), fior-zug^ Jinf-zug^ sehzug sehszug (letzteres 



500 


ZaMwortbildung. Cardinalia, Absti-aota, Ordinalia. 


[§ 178. 


Neubildung, vgl. lat. sescentl und sexcenti, § ISO), Tiber den 
Ursprung von tigu- -zug s. S. 491 Fussn. 1. 

Fiir 70, 80, 90 hatte das Gotische sibunte-hund ahtdute-hund 
munte-himd, die meist flexionslos stehen, einmal ein Gen. auf 
-is, niuntehundis , das Ahd. in altester Zeit sihunzo ahtozo [-z- 
fur Neubildung) niunzo (nur zufallig unbelegt), das As. ant- 
sihunta ant-alitoda, das Ags. hund-seofo7iti^ hund-eahtati^ Imnd- 
ni^ontig,. Diese Bildungen waren Neuschopfungen nach einem 
altererbten Ausdruck fiir 100, got. taihunte-hund ahd. zehanzo 
ags. hund-ted'nfij , der in § 179 wird erlautert werden. Wahr- 
scheinlich Fatten im Urgerman. den got. preis-tigjus u. s. rv. 
entsprechende Ausdriicke fiir 70, 80, 90 die uridg. Bezeichnungen 
abgelost, und sie selbst wurden alsdann durch die nach taihunte- 
hund geschaffenen Neubildungen verdrangt. Doch fand im 
Westgerman. wieder eine Art von Eiickkehr zum alteren statt, 
indem ahd. silunzo ahtozo niunzo nach dem Muster der voraus- 
gehenden Zehner zu silwizug ahtozug niunzug (vom 9. Jahrh. 
an) umgebildet wurden und im Ags. nach dem gleichen Muster 
hu7id-seofontt^ u. s. w. fiir *Jimid-seofonta u. s. w. eingetreten 
waren. Vgl. Verf. Morph. Unt. V 49 f. 

Dass die Formen auf -zug und -zo im Ahd. noch als Sub- 
stantiva gefiihlt waren, zeigt der von ihnen abhangige Gen., 
'me feorzug xoehJibno, sihunzo welilmio-, jetzt in vierzig wochen 
wie ai. pancoAiadhJiir vanais (§178 S. 496j. 

Die Ordinaha sind im Got. unbelegt. Im Ahd. dri^ugosto 
u. s. w. 'VT’ie ziceznzugdsto, 

Baltisch-Slavisch. 

Lit. 30 trys deszimtys (St. deszimti-) und deszimts (St. 
deszimt-] gleichwie aksl. cetyri deseti neben cetyre desqte. Der 
Ausdruck wird frei durchdecliniert (mit dem gezahlten Gegen- 
stand im gen. pL), wie acc. tr'is deszimtis, gen. triju deszimtu. 
Ebenso 4.0 kSkcrios deszimtys [deszimts], acc. ketures deszimtis, 
u. s. w. Diese im Alit. vorfindliche und dialektisch noch heute 
erhaltene Ausdrucksweise erfuhr Wandel, indem der Einer mit 
dem Decadenwort zusammenschmolz, wobei sieh im 1. Glied die 
Accusativform verallgemeinerte und im zweiten theils -deszimts 



§ 178 — 179.] Zahl worth ildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


501 


Starr wurdCj theils (im Schriftlitauischen) von dvi-deszimt ‘'20^ die 
Form -deszhnt eindrang: also theils irls-deszimts ketures-deszimts 
u. s. w., theils tris-deszimt u. s. w. Tiber andere Veranderung 
in der alter en Sprache s. Bezzenherger Beitr. z. Gesch. d. lit. 
Spr. ISl £ — Ordinalia. Im Alit. Formen vrie penkta-s deszimta-s 
(vgl. antra-s deszimta-s nnd componiert penkta-deszimta-s 

Durch Anschluss an die Cardinalzahl jetzt trlsdeszhnta-s, 
keim^esdeszimia-s u. s. w.; auch soli, mit ‘'Compositionsvocar, 
keturia-deszimta-s septynid-deszimta-s u. dgl. vor- 

kommen. S. Bezzenherger a. O. 185 £, Schleicher Lit. Gramm. 
151 f. 

Slav. 30 tri desqti. 40 cetyri desqti und als masc. cetyre 
desqte. pqii desqtu — TrsvTa^ dcxdotov, 60 hesU desqtu u. s. w. — 
Die Ordinalia mit -mw, trideset mu ^ hetyridesqUiiu ^ pqtidesqtmu 
ii. s. w. ; ziiweilen auch mit ^Compositionsvocar wie sedmo- 
deseUnu nehen sedinidesqfmu ‘^70®^®^\ 

179. Hundert. Als Cardinale uridg. "^kmio-m aus ^dkm- 
t6-77i (§ 164 S. 464) ^Zehnheit (von Decaden)^, ein neutrales 
Substantiv mit dem gen. plur. der gezahlten Sache. Die Er- 
ganzung Von Decaden^ wie bei ai. dasati-s^ das ‘'decas^ und 
Ventum^ bedeutete. Doch scheint sich in got. tailiwite-hund 
Vs'/ddov dsy.dc^ noch der unverkiirzte urspriingKche Ausdruck 
erhalten zu haben. 

Ai. satd-m. Neben satena hdrlndm ‘^mit 100 Braunen^ auch 
satma hdrihhis und satq JidribJiis^ und neben satq pm as "^100 
Burgen"* im Ved. auch said puras. In der Composition saia-^ 
vie satd-pat7'a-s ""lOO Fliigel haben d’, aber auch satd77i-uii-s 
^100 Hiilfen, lOOfache Hiilfe gewahrend^ Av. saie-m, 

Armen, hariur. zweifelhafter Herkunft (vgL Ascoli Kuhn- 
Schleichers Beitr. V 212 £). 

Gr. sy.axov, nicht mehr declinierbar und ganz zum Adj, ge- 
worden, z. B. syatov dvopdai. Auch in Compp. nur noch s/watov, 
nicht mehr ixaro-, z. B. sxaTojJL-prj syazoY-);^£ipo-^ (IxaToaTOfxo-c 
kann aus *£yaTovato|jio-; erklart werden nach I § 204 S. 172£); 
sogar sxatovTa-ydpr^vo-? u. ahnl. (vgl. syacovtac s'/.arovrdxK;) nach 
solchen wie TpLaxovra-Coyo-?. Arkad. sxoTov-poia wie ion. att. 



502 Zahl^ortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ 179 , 

-xoGiou vgl. § 176 Anm. 2 S. 490 f. s-xaxdv wahrscheinlich auf 
Grand eines alteren Nebeneinanders von ^d-xa-o-v (vgl. ai. 
m-hdsra-m ""l Tausend^j und xaxov (vgl. alban. Mnt ahd. 
ein hunt ""l Hundeit''), gleichwie ai. dvi-mtd-m neben dve laU ^20 0^ 

Lat. ceyitum. wie sxaxdv adjectivisch erstaxxt, abex in Zu- 
sammensetzungen noch centi- {centu-)^ z. B. centi-manu-s , da- 
neben centmn-pondixi-m centum-peda u. a. (vgl. Skutsch De nomi- 
num Lat. compositione p. 37). 

Aix. cet^ noch als neutxaler o-Stamm decliniexbax. Daneben 
Goic Jicliit. 

Got. Jnmd ahd. ]iunt n. nnx in 200 u. s. w. : got. tva Imnda 
ahd. zv:ei hunt etc., exst im Spatahd. hiexnach auch ein hunt, 
Hundeit hiess im Got. tailiimhe-hund (das auch in taihuntai- 
hund vexdieht exscheint), im Ags. hund-teonti^ fiix '^'-teonta. im 
altesten Ahd. zelianzo (mit Wegfall von limit), woxtlich ''bcywdbtov 
oevAz] taihunt- = osxao-, gGf. *dekmd-, vgl. Wheelei Dex 
gxiech. Nominalaccent S. 3S xind oben I S. 202 Fussn. 1, § 469, 
7 S. 348. Ich sehe hiexin, wie schon bemexkt, die alteste Aus- 
diucksweise dex Indogexmaneii fiix ""lOO^ und in den altgexmani- 
schen Benennimgen dex Zahlen 70, SO, 90 Neuschbpfungen nach 
dem Mustex dex Zahl 100, got. sibzmte- = gx. sTr-docav, niunte- 
= gi. Evvsddwv. S. § 178 S. 500 und Vexf. Moxph. Unt. V llff. 
139 if. 268. Ahd. zehanzo mit « wie zehan, s. § 174 S. 483. Ubex 
das aus hund- entstellte as. ant- in ant-sihunta s. Vexf. a. O. 
S. 142, fexnex unten § 352 iibei noxd. jun. pri~tau7ita. 

Lit. szuhta-s (masc. gewoxden, s. § 403) und aksl. suto als 
Substantiva lebendig. suto mit auffallendem u wax vielleicht 
Lehnwoxt (vgl. Vexf. Techmex’s Intexn. Zeitschx. I 251, G. Meyex 
Alban. Stud. II 13f.); das lautgesetzlich zu exwartende "^sejo 
scheint duxch tysqUa aus "^iy-set-id vextxeten zu sein, s. § 181. 

Dei uxidg. Oidinalausdiuck ist unklax. Nux zwei Spxach- 
zweige stimmen in einex Bildung iibexein, die alteiexbt sein 
konnte: ai. -said- lit. szimta-s. 

Ai. sata-tamd-s av. satd-tema- (zum -d- vgl. § 73 S. 167). 
Im Ai. in Compp. auch said-, wie ehasatd-s ‘^lOL^’^. 

Armen, hariur-ord, hariur-eroi'd. 



§ 179 — 180.] ZaMwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


503 


Gr. exaT-oard-^; nach Tptay.oaTd-<; etc., vgL auch s'/aTovta- 
yapTjVo-s S. 501. 

Lat. cmi-edmu-s nach trlcesimu-s u. s. w. 

Air. cet-mad. 

Ahd. zelianziLcj-osio . 

Lit. szmita-s [szimias-is) ] dass einmal ^szmita-ta-s voraiis- 
gegangen war (Bezzenberger) oder ^szimt-ta-s (Pott, Schleicher), 
ist sicher nicht anzunehmen. Aksl. sut-inu, 

180 . Zweihundert bis neunhundert. 

Cardinale und Abstractum. Fiir die Hunderter hatte 
das idg. Urvolk zwei Ansdrucksweisen. Eine mit der Mehr- 
heitsform von ^hmt6-7yi mit zugesetztem Einer in gleichem Casus, 
^'duoi kmtoi du. ''200^, hntZi pi. ‘^300^ u. s. f. ; diese erscheint 
im Ar., Ir., German, und Balt.-Slav. Die andere war ein singu- 
larisches Compositum mit der Stammform der Einer als erstem 
Glied, "^ZweihundertheiP, ^tri-knxto-m u. s. w.: diese 

erscheint im Ar., Griech. und Latein. 

Arisch. Ai. 200 dve hate und dti-hatd-jyi ^ jiingere Neu- 
bildung dx>ihatii. ^), 300 trhii hatani und t-ri-hatci-yn trihati u. s. w. 
Av. 200 dziye mite (iiber duye s. Bartholomae Handb. § 92), 
500 ]panca sata^ 900 7iava sata. 

Armenisch. 200 ey'ku hai'kir und erkeydiir^ 300 erek-Jianw% 
400 corek-liariur u. s. w\ 

Griechisch. Die mit -yarto- (so dor. boot., -yaaio- arkad., 
-yoaio- ion. att., iiber dessen erstes o § 176 Anm. 2 S. 491, §179 
S. 501 £) gebildeten Composita waren Ableitungen mittels -no- 
von dem Neutralabstr actum, z. B. Tstpaydr-io- ‘'vierhundertheit- 
lich, aus einer Yierhundertheit bestehend"* von "^Tarpayaro-v ‘'Vier- 
hundertheiP; vgl. ai. -hat-ya~^ z. B. mstrihacchatya-s ‘^aus 136 
bestehend^ satin- (ved.) ‘'eine Hundertheit ausmachend, hundert- 
fach" [-in- aus -io- erweitert mittels -eyi-^ s. § 115 S. 335f.), 
ferner die wahrscheinlich auf einem ^tus-kmt-io- ^vielhundert- 
heitlich'' beruhenden got. ptiszmdi aksl. tysesta''i^^{}^ (§ 181) und 

1) Unlialtbar ist Kluge's Ansicht (Paul’s Gruudr. 1 406), dass diese 
Composita auf -mti uridg. seien und aus ihnen die grieeh. und lat. Pormen 
auf -centi und -%dzLoi umgebildet worden seien. 



504 Zahiwortbildung. Cardinalia, Abstraeta, Ordinalia. [§ 180. 

das gleiche Suffix -iw- in ai. saJiasr-itja- (§ 181). Daher 

der singularische Gebrauch z. B. Thuk. I 62 t7]v oiay.daiav fenov 
‘^die aus einer Zweihundeitheit bestehendej 200 betragende Bei- 
terefj Xenoph. Cyr. IV 6, 2 i-irTrov 'iyjsi oiayikictM Tpiay.ooiav. Durch 
diese -lo-Abieitung wurde dann im Griechischen die den ai. 
che late und dvilatd-m u. s. w. entsprechenden Ausdrucksweisen 
in derselben Art verdrangt, wie ypKioi das dem ai. salidsra-m 
entsprechende "■/sjao-v ersetzte. 200 oiav.ojioi^ ion. oir^xdaioi fiix 
^di-'/daioi nack dem Muster von 300 Tpia-yoaioi ion. TpiTjxojioi, 
und dieses war entweder entstanden durch Vermischung mit 
y.aTa (ai. trim latdni), wobei das -a von rpia nach der 
Analogie von Tpia-y.ovta (vgl. §178 S. 497) gelangt wurde ; oder 
es war, was mir wahrscheinlicher ist, eine Umbildung von 
^rpiy.oaioi nach Tpia-xovTa, so wie horn. TUcVtr^ydaioi ohne Zwei- 
fel nach 'nrsvirpy.ovra geformt war. 400 TSTpayZaioi. 500 Tcsvta- 
yZaioi filr wie r.t'^'zd-rayyyit u. s. w. , s. § 169 S. 474. 

600 i^ayZaioi. wie s^ct-TroXic u. s. w., s. § 1 70 S. 477. 700 kr.Ta- 
xojioi. 800 oy.Taxojioi, wie dxTa-irooc u. s. w., s. § 172 S. 480. 
svay.oaiou Vgl. Verf. Morph. Unt. V 7fF. 

Italisch. Nur im Lat. belegt. Hier liegen die alten Neu- 
tralabstracta in den alat. Formen auf -centum -gentiim vor, du- 
centimi ‘^eine ZweihundertheiF u. s. w.^ besonders in Geld- und 
Gewichtsangaben mit Genitiven wie aeris^ aurl^ frume^itl^ z. B. 
argenfi sescentum (Luciliush Einmal kommt mngentum auch^ 
genau wie centum, als starres Adjectiv vor, C. I. L. IV 1136 
Jocantur balneum Venerium et nongentum tabernae i^ergulae cena- 
cula. Der IJbergang von ducentum zu dem adjectivischen Plural 
ducenti vergleicht sich mit horn. osxdy'aiXoi dvspsc statt ^osxa- 
)^ci)sOV dvopoiv. dii. paiicaladbhir vdndis statt pancdsatd vananam 
u. dgl. (§ 178 S. 496). Lehrreich ist auch nbngentu-s ‘'zur Neun- 
hundertschaft gehorig"* bei Plinius XXXIII 2 § 31, das sich zu 
nbnge7itu-m verhielt wie tri-viu-s Mreiwegig^ zu iri-viu-m ‘'Drei- 
wegb du-cenfi wie du-pJex u. a., § 166 S. 468 f. tr^-centi, vgl. 
§167 S. 470, quadrin-ge7itl far ^guadru-^ nach septin-genU. 
quingenti [qumcentum Fest.) aus ^qumque-cento-. sescenti wie 
misceo aus *mic-sceb (I § 503 S. 371), und, mit Wiederanschluss 



§ ISO.] 


Zalilwortbildung. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. 


505 


an sex^ sexcentl^ vgl. ahd. sehs-zug fur und neben selizug 
(§178 S. 499 f.). septm-gentl. octin-genU fiir ^octi- oder *octd~ 
nach septm-genti. 7ioyi-genfi ^ bei Columella noji-m-getiii nach 
septm-gentl.. Das -g- neben -c~ scheint nach dein in § 177 
S. 494 Gesagten uridg. g fortzusetzen und bestatigt^ falls es 
als Media wirklich so alt isf dass diese lateinischen Zahlworter 
auf den uridg. Stammcompositen ^chii-hnto-m u. s. £. beruhten. 
Vgl. Verf. a. O. 3ff. 

Altirisch. 200 da dat. dih cetaib^ 300 tri cet u. s. w. 

Germanisch. 200 got. tva liunda (dat. tvdim liundam) ahd. 
z%m% Imnt^ 300 got. prija hmida ahd. thdu limit u. s. w. Ahd. 
auch zwiro zelianzug ‘'2mal 10 O'*, finf stunt zehmzng ‘'bmal lOO'* 
u. dgl.j vgl. gr. (iiz-yp.irii. 

Lit. 200 du szimtu oder duszhntu. 300 tips szmifal oder 
try{s)szvntai u. s. w. Bei Bretken mit erstarrtem Singular szhntas : 
du szbnts vyru *'200 Manner'*, szeszi szimtas vync "600 M.'* u. dgl. 
Aksl. 200 duve side^ 300 tri s'uta u. s. f. 

Ordinalia. 

Ai. im Anschluss an die Neutralabstracta: 200^^^^^ drisatd-s 
und dvisatataind-s^ 300®^^^^ trisatd-s und trisatatcmid-s u. s. w. 

Armen. 200^^®’^ erJceriur-erord u. s. w. 

Griech. oia:(oai-oatd-c, Tpta/coat-oato-; u. s. w. waren Neubil- 
dungen wie s'/ar-oazo-;, s. § 179 S. 503. 

Lat. duceiit-eswm-s trecent-esimu-s u. s. v. (neben 7idn- 
gentesimu-s nach Priscian auch 7idnmge7itesimu-s wie 
ge7it\ s. 0 .). 

Anm. Die von Priscian liberlieferten, sonst aber nieht belegten For- 
men diicesimus trecesimus quadrigesimus quingesimus sescesunus septigesimus 
octigesimus iiongesimus sind schon danim nicht fur altertiimlicbe Gebilde zu 
halten, 'tveil das aus dem Ausgang -cesimo- = ^-ceiit-^timio- zu entnelimende 
-cent- (statt cento-] keiii alter Ausdruck fur '100’ gewesen sein kann. Sie 
seben aus, als babe man den Zebnerformen vt-cesmiu-s u. s. w. dadurcb die 
Hunderterbedeutimg zugefiibrt, dass man im ersten Glied die alte Casus- 
oder Quasicasusform durcb die entsprecbende Stammform ersetzte. 

Air, und Altgerman. unbelegt. 

Lit. 200®“^®^ duszimtds-is u. s. w. Aksl. 200^^®^ dvosutmu (mit 
Eindringen des "Compositionsvocals'*), 300®^®^ ti'isuimu u. s. f. 



506 Zahlwortbiidimg. Cardinalia, Abstracta, Ordinalia. [§ ISL 

181. Wie die Urindogermanen tausend ausdriickten , ist 
bei dem Aiiseinandergehen dei Einzelsprachen unklar. S. § 164 
S. 464. 

Auf ein '^glieslo- weisen ai. sa-hdsra-m av. ha-zaidre-m^ 
gi. lesb. ^sAa-ioi dor. yr^kini ion. ^siXioi (I § 565 S. 424); att. 

mag aus idg. ^ghzlo- entstanden sein, s. Thuxneysen 
Kuhns Zeitschr. XXX 353. Ai. sa-hdsram ‘'ein Tausend'* wie 
gr. s-xatov ‘'ein Hundert'*, s. § 179 S. 502; salidsi'am rfmdm und 
saJidsram r say as ‘'lOOO SangeE, gleichwie satdm rsinani und 
satdm rsayas^ und mit Numerusassimilation salidsmny ddJiira- 
tJuini Togo Wagenlasten'* wie lata •puras. Im Griech. wuiden 
^ivv£ay^ 3 iAo-v ‘'eine Anzahl von 9000'* und ■'^ 62 -/ay£iAo-v ‘'eine A. 
von 10 00 o'* zu pluralischen Adjectiven; horn. ivvsdysiAoi, osxd- 
yziloi (vgl. § ISO S. 504). Idg. ghesl-iio- ^aus 1000 bestehend'*: 
ai. sa~liasr-iya-^z?i% 1000 bestehend, tausendfach'*, z. B. saliasriyo 
hlidgds ‘'eine Tausendheit betiagender, lOOOfacher Antheir, gr. 
ytXio- ysiXio-, wie oizylKw. (s. S. 504) und weitei ytXioi avops? 
wie tpiay.daioi avopsc (s. a. O.). Ordinalia: ai. saJiasra-tamd-s^ 
gr. att. y_lXi“Oa^d-c. 

Armen, hazar, Lehnwoxt aus dem Iranischen. 

Lat. mille milia [meilia Lucilius); der ofters behauptete 
Ziisammenhang mit gr. pupioi (s. L. Havet Alem. de la Soc. de 
lingu. Ill 415, Thurneysen Kuhn’s Zeitschr. XXX 353) ist mir 
unerwiesen. mill-esimu-s wie cent-esinm-s. 

Air. iiiile (Ordin. mil-mad belegt?) war wahrscheinlich aus 
dem Lat. entlehnt. 

Got. pustmdi f., einmal auch n. (in tva pTisundja ‘'2000^, 
doch kann diese Form auch als ein nom. du. fern, auf idg. 

betrachtet werden, s. § 286), ahd. dusunt thimmt f. und n. 
Lit. tuhstanti-s gen. -czio (lett. tiikstivt-s\ Ordin. tuksiantys-is\ 
aksl. tysehta tysqsta f. aus ^-ontyd^ Ordin. tysesfmu. Ge- 

stiitzt auf salfrank. thus-chunde tlims-clmnde aisl. puslmndrad 
und westgot. thyu-phadus ‘'Chiliarch'* (vgl. pusundyi-faps bei Vul- 
fila) nimmt man ansprechend an. dieses germ.-baltischslav. Wort 
sei eine Zusammensetzung aus einem zu ai. tavds- ‘'stark, Starke" 
tuvis-tama- ‘'der starkste'* gehorigen Adjectiv "^tus- (schwache 



Zahlwortbiidimg. Miiltiplicativa und Distributira. 


507 


§ 1S1-1S2.] 

Stammform, vgl. ai. instr. h/ns-a zu bhiyds- ‘'Furcht'*) und deni 
Wort filr 100, so dass die Grundbedeutung ‘'VielliundertheiF 
war; s. Scherer Zur Gesch. d. deutsch. Spr. - 590^ Paul- 

Braune's Beitr. XIII 327, Kluge Pauls Grundr. I 406. Das lit.- 
lett. Wort muss, wie schon das -}i- zeigt (vgl. preuss. tmimto-m 
acc. pL), eine analogische Umbildung erlitten haben, vielleicht 
durch Anlehnung an das Part, des Prasens (lett.) tuhstu ^'schwelle''. 
YgL Verf. Morph. Unt. V lOf. 

Mnltiplicatiya imd Distributiya. 

182. Multiplicativa. 

1. Adverbiale Ausdriicke. ImUridg. Adverbia auf -5 
fiir 2mal, 3mal, 4maL 

'^2mal^ duid-b) ^ vgl. '^'dui- in Compp. und sonst 

§ 16G S. 4GS. Ai. r/r75, ved. dims^ av. hd. Gr. oi;. Lat. his. alat. 
auch duh, s. § 166 Anm. 1 S. 469. Got. U'h~ Wseinander^ Mhd. 
ziois^ ahd. zidr-or zicir-o, aisl. tvis-var ‘^2maf, ferner ahd. zivis-k 
ziois-M adj. ^zweifach^ aisl. tcis-t-r ‘'zwiespaltig^ engl. ticis-t 
‘'zweifadiger Strick^ 

“"Smar Ai. trU, zn. pris. Gr. xpi;. Lat. ifer vielleicht 

aus '^ter$ und dieses aus '^tru (I § 33 S. 35); daneben trmii-s 
aus ^tris-710- (§ 1S3). Air. tress- wol aus '^tris-to- (§81 
S. 233). Ahd. drir-or aisl. pris-var ^3maF, vgl. oben zmd'-or 
tms-var\ ahd. dids-k dris-ki ""ternusb 

Mmaf. Ai. catur aus ^caturs (I § 647, 7 S. 496), av. caprus^ 
vgl. ai. catur-dasa gegen av. capru-dasa u. dgl. bei Wacker- 
nagel Kuhn's Zeitschr. XXV 28 3 f, Lat. quater im Ausgang 
nach ter umgebildet: vgl. qiiaternu-s : ter7iu-s. 

Eine andere Ausdrucksweise, die aus uridg. Zeit stammte, 
scheint folgende gewesen zu sein: ai. sa-krt ‘'imaf pdnca krtvas 
"^Gmar, lit. ve7iq kartq ‘'l maf du kmdu ‘'2maF t7'\s kaidiis *^3 niaF 
aksl. dXiea kraty *"2 maP pett kratu ‘'G niaP. 

Einzelsprachliches: 

Ai. eka-vcircmi ‘'imaP t7'i-vd7'am ‘^SmaP zu vara- Mer fiir 
etwas bestimmte Augenblick, die an einen kommende Beihe^ 



508 


ZalilwortliildiiBg. Multiplicativa und DistributiTa. 


[§182. 


Av. ^2 mar priz-vaj^ ‘'3 maf Neuti. von Foimen mit Suffix 

-uent- (vgl. 2J; prisai-a-pv^ein ""SOmar (Suffix -‘tiio-]. 

Gr. a-7:a; 'imaF; dei Schlussthei] , mit tttiYvujjli "befestige, 
stecke fesF -c/.aaaAo-? ‘"Pflock'* verwandt, hatte urspriinglich wahr- 
scheinlich ahnliche Bedeutung wie das zui selben Wurzei ge- 
hdiige ahd. fall "^Theil, Abtheiliing'' ags. fcBc ‘'Zeitxaum, ZeiP 
(vgl. mhd. zwi-vach^ manec-vach). Von ‘"dmaF an mit -xi oder 
-XI? (dor. -xiv): Tcrpaxi, Trsvtdxt u. s. w. Dieses -xij das aucli in 
ou-xL 7coXXd-xi voxliegtj wax wol ein nom. acc. sg. neutx. mit dex 
Bedeutung ffioc^ (vgl. lit. szl-s aksl. si ffiic^ § 409), vgl. Osthoff 
Moiph. Untexs. IV 241f., Vexf. Gx. G 1.2 S. 131. 

Lat. semel\ Wackexnagel Kuhn's Zeitschx. XXX 316 vex- 
mutet Entstehung aus und Zusammenhang mit got. 

mel ‘'ZeiE (nhd. -mol). Von "^bmaP an -tens -ies : quinquies sexies 
etc. (dazu toties quottes)^ umbr. nuvis ffiovies^; von den vex- 
schiedenen Vexmutungen iibei den Exspiung dieses Ausgangs 
ist die wahxscheinlichste die Pott'sche, dass an ai. MyaJit- adj. 
intexxogativ. Vie gxoss, wie viel, wie mannigfaltig^ iyant- ‘'so 
gross u. s. w.'' anzukniipfen sei (vgl. Vexf. Moxph. Ent. V 14), 
Den Ausgang -iens hat man wahxscheinlich mit Thuxneysen 
Axchiv f. lat. Lexikogx. V 575 f. als eine uxital. Umgestaltung 
von '^-ient anzusehen, so dass das ai. neutx. hiyat genau ent- 
spxachc. Osk. petiro-pert ‘'quatei'*, vgl. lat. sem-pei\ 

Air. oen-feclit oenecht ‘'imaP [feclit ‘'Gang''), fo di ‘'2mar, 
fo tJin ‘'3 mar u. s. w. 

Got. dinaimna smpa ‘'imal'* tvdim sinpam ‘'2 mar u. s. w. 
Ahd. ernes (gen. sg.) ‘'l mar, drio-stioit Jior-stunt u. s. w. [stunta 
"Zeitabschnitt, Zeit"); auch mit tvarh^ wie sihm toarh [Jmarha 
‘'Umdxehung") , mit spurt ‘'stadiunE, wie drim spurtim^ mit mdl 
‘'ZeitpunkE, wie zeinemo male ‘'imaE, zu dr in mcilen ‘'3 mar. Vgl. 
noch J. Grimm D. Gx. Ill 23 Iff., Kumpelt Die deutsch. Pxonom. 
u. Zahlw. 167ff. 


1) Die Annahme, dass -y.i das Eragepronomen sei (Wackernagel 
Knbffs Zeitschr. XXV 2S6f., J. Scbmidt Plnralbild. 352) bestreite ich, weil 
in alien Bialekten ausser dem Thessal. -ti exscheinen musste. Uber tbess. 
XL-; 8. Vexf. Gr. Gr.2 S. 54 f. 



§ 1S2 — 1S3.] ZahlwortbildTing. Multiplicativa und Distributiva. 


509 


Lit. auch mit syld-s wie penkis sykius ygl. 

oberdeutsch schlag = mal. Aksl. auch mit -s{t)di -zdi (zu sld- 
""gehen^): chascU ‘'2maf triMi u. s. w. (vgl. Leskien Handb. 

S. 95). 

2. Adjectiva. 

iViit -imit- (§ S. 379): av. visaiti-tani- '^20fach^ prisap- 
want- ‘'SOfach'* xhasti-va?it- "^GOfach^j gr. zzzpd^ -avto;, eine 
Miinze, die 4 yjj.Xxoi gait, aus ^szpa-fz'n-, wonach zpid^. 

In etymologischem Zusammenhang standen : gr, d-rAo-- 
Si-7:Xd-; etc., G[-7:cf.Azo- ^ zpt-TzaXzo-i; und di-TzXdzio-:; Tpi-dAaJLo-:; 
etc., lat. sini-phi-s du-plii-s tri-plus etc., got. diu-falp-s fidur- 
fcdps ahd. ein-falt zid-falt dri-falt etc. Wie diese zii got. faltau 
""falten^ di. put as puta-m "^Falte^ (vgl. I S. 211 Fussn. 1) gehorten, 
so lat. dm-plex du-plex u. s. w. zu plectere pliccire (womit die 
scheinbar abweichende Auffassung von J. Schmidt Kuhn's Zeit- 
schr. XYI 430 wol veieinbar ist^ ; unaufgeklaxt ist iibiigens noch 
das zweite r des umbr. tri-hrisme "^triplicitate^ (-5r- regelrecht 
aus -pr-^ I§ 499 S. 36S) neben tri-pler "^triplis^ du-pla '^duplas^ 
Gr. -ttXoo-; in a-7:Ado-; etc. vermutlich zu tiXgg-zg-^ und im 
Sprachgefiihl friihe mit -ttAo-j; associiert. ^) 

Von den zahlreichen sonstigen, unsern Adjectiven au£ -fach 
-fdltig entsprechenden Bildungen seien beispielsweise nur noch 
genannt: ai. cdtur-vaya- ^ ddm-gva- dam-grin- '^lOfacK, 
tri-vdrtu-s tri-vrt- ''3facK; gr. Tpt-cparo-c Tpi-cpaaio-c *^3fach^; 
lit. dvl-lmkas ‘^zweifacK [linkis^ gen. linhio^ ^'Biegung'') , aksl. 
dvo-giihi -giibinu lit. dri-gubas preuss. dwi-gubhus ‘'2facK (aksl. 
guip)ngti ‘'biegen, neigen, falten, bewegen"", lett. guhstu ^kriimme 
mich, beuge miclF lit. guha ^SchobeF). 

183, Distributiva. Die alteste Bezeichnungsweise der 
Distribution war die Wiederholung der Zahl, z. B. ai. pdhca- 
panca je fiinL* (Rigv. Ill 55, IS), ika-ehas [ekdikas) jedesmal 
einer^, ptirvas-purvas pTirm-pw'ms ‘'der je friihere^ (vgl. § 53 
S. 94), dva7i-dvd-77i jedesmal zwei zusammen, Paar'*, axmen. 7ni 


1) An Entstebnng von aus -ttXoo-:; durch K}jDharesis’ glaube 

ich nicht. Vgl. Verf. Ber. d. sachs. Ges. d. Wiss. 1S89 S. 51. 52. 



510 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines. 


[§ 1S3— 184. 


7 ni ‘^singulf tasn fasn ‘^deni^, Aeschyl. Pers. 981 [xopia jjtopta 
TTSUL'Kaa-dv = y.ara |xopidoa^ TrspLTrdCovra. Vgl. Pott Zeitschr. d. 
d. morg. Ges. XIIdbSfF., Doppelung S. 156ff., Lobeck Pathol. 
I 1S4, Winer Gramm, des neutest Sprachid. ^ S. 234. 

Adverbiaibildung ai. -Ids^ wie eka-lds ‘'einzeln, einer nach 
dem andern^ dvi~sds ‘'zu zweien, paarweise^ sata-hds ‘'zu hnnder- 
ten, hiindertweisek vgl. gr. s-y.a; ‘'fiir sich, abseits, fern^, dvopa- 
ydc ""Mann flir Mannb 

Adjectiva mit Suffix -no-. Lat. Innu-s aus '^his-no-.^ trmu-s 
aus ^bds-no- und te7'-'mi-s^ quater-7m-s.^ semis aus ^'sexno-^ u. s. w. 
(vgl. J. Baunack Kuhn’s Zeitschr. XXV 257ff.). Entsprechend 
aisl. teenner pre7vne7^ fernei' plur. je 2 je 3 je 4" aus urgerm. 
^tuizsia- etc., wozu auch mhd. zwmi m. ‘'zweidr ah tiger Faden^ 
ahd. zicirnm zwirnon ‘^zweifach zusammendrehenh Got. tvei-h-ndi 
‘^je 2^ durch Verschmelzung der Suffixe -qo- und Lit. 

dvynu du. "Zwillinge^ 

Im Lit. mit Suffix -{o- tre-fi ‘'je 3" hetoer-l je 4", wonach 
pe7ik-eT% szesz-eri etc. Vgl. av. tUirya- ‘4^®^ d-xtuWya- ‘4fach, 
4mal zu sp^echen^ 

CasusMlduug der Nomina (Nominaldeclination). 

Allgemeines. 

184. Durch eine Nominal- oder Pronominalform konnen 
dreierlei Beziehungen zum Ausdruck kommen, Casus, Nu- 
merus und Genus. 


1) Allgemein idg.: Bopp Vergleicli. Gramm. § 112ff. S. 245ff. 
Schleicher Compendium ^ S. 497 ff. Fr. Muller Grundr. d. Sprachw. Ill 
529 ff. Bopp Uber das DemonstratuTim und den Ursprung der Casus (Ab- 
handl. der Berliner Akad der Wiss., 1826;. Scherer Zur Gesch, d. deutsch. 
Spr, 2 382 ff. Duntzer Die Declination der idg. Sprachen nach Bedeutung 
und Form entwickelt, 1839. Schleicher IJber Einschiebungen vor den 
Casusendungen im Indogermanischen, Euhn's Ztschr. IV 54 ff. Grassmann 
Uber die Casusbildung im Indogerm., ebend. XII 241ff. Ludwig Uber 
den vocalischen Ausgang der Bildungssuffixe, ebend. XV 443 ff. Stenzler 
Uber die yerschiedenen Conjugationen und Declinationen in den Idg. Spra- 
chen, bes. im Lat., Abhandlungen der Schlesischen Gesellsch. fur yaterland. 
Cultur, Philosoph.-histor. Abtheil. 1864, Heft I. Hubschmann Zur Casus- 



§ ISl] 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines. 


511 


Die idg. Ursprache hatte sieben Casus: Nominativ, Ac- 
cusative GenitiVe Ablativ^ Dativy Locativ und Instru- 
mental. Die ganze Mannigfaltigkeit der Formen bestimmt und 

lehr 6; 1875. Bergaigne Du role de la derivation dans la declinaison 
indo-europeenne; Mem. d. 1. Soc. d. lingu. II 358 sqq. Breal Sur le nombre 
des cas de ia declinaison indo-europeenne , ibid. Ill 322 sqq. Penka Die 
Entstebung der synkretistiscben Casus im Lat., Griecb. und Deiitschen, 1874. 
Ders. Die Nominalflexion der idg. Spracben, 1S7S. Mbitney General 
Considerations on tbe Indo-European Case-System, Transactions of American 
Pbilolog. Association XIII SSsqq. DelaGrasserie Et. de gramm. comp.: 
Des relations grammaticales considerees dans leur concept et dans leur expres- 
sion ou de la categorie des cas, Par. 1890. Leskien Die Partikel -atn in der 
Declination, ein Beitrag zur Analyse der idg. Casusendungen, Ber. der sacks. 
Gesellscb. der MTss. 1SS4 S. 94ff. Wenck Zur idg. Casusbildung, Borna 
1884. Verfasser Zur Gescb. der stammabstufenden Declinationen, Cur- 
tins’ Stud. IX 361 ff. Ostboff Zur Erage des Ursprungs der german. 7i- 
Declination, nebst einer Tbeorie liber die ursprunglicbe Unterscbeidung 
starker und scbwacber Casus im Idg., Paul und Braune’s Beitr. Ill Iff. 
Hillebrandt Zur Lebre von den starken und scbwacben Casus, Bezzen- 
berger's Beitr. II 305 ff. Regnaud Examen du mouvement vocalique dans 
la declinaison des tbemes indo-europeens en ii, i, r et questions connexes, 
1SS3. Coliitz Die Flexion der Nomina mit dreifacber Stammabstufung 
im Altind. und im Griecb., Bezzenberger’s Beitr. X 1 ff . Stracban Ab- 
stufung in case-endings, ebend. XW 173ff. L. Havet Le renforcement dans 
la declinaison en A, Mem. de la vSoc. de lingu. II 9 sqq. Ders. Sur la deeli- 
naison des tbemes feminins en A, ibid. II 357 sqq. 

A rise b. Bartbolomae Zur ar. Flexion der Stamme auf -r, -7t, -m, 
-j , ~v , Arisebe Forsebungen I 25 ff. Ders. Die ar. Flexion der Adjectiva 
und Partizipia auf nt-, Eubn’s Zeitsebr. XXIX 4S7ff. Wbitney Ind. Gramm. 
S. SBff. Boebtlingk Die skr. Declinat., St. Petersb. 1844. Lanman On 
Noim-Infiection in tbe Yeda (Journal of tbe American Oriental Society, X;, 
ISSO. Dutens Essai sur Torigine des exposants casuels en Sanscrit, Paris 
1SS3. Hanusz Ub. das alimalige Umsicbgi'eifen der ?z-Declin. im Altind.. 
1SS5. Bartboloma e Handb. der altiran. Dialekte S. 65ff. Ostboff Das 
determinierende a bei Casusformen im Altiraniscben , Morpbol. Unters. II 
76 ff. Horn Die Nominalflexion im Avesta und den altpers. Eeilinsebriften, 

I Die Stamme auf Spiranten, 1SS5. Bartbolomae Die gatbisebe Flexion 
der i7-Stamme, Bezzenberger’s Beitr. XIII 89 f. 

Armeniseb. Fr. Muller Beitrage zur Declination des armeniseben 
Nomens, IS 64. 

Griecb is cb und Lateiniseb. Henry Precis de grammaire eom- 
paree du grec et du latin - p. 192 sqq. Hartung Uber die Casus, ibre 
Bildung und Bedeutung in der griecb. und lat. Spracbe, 1S31. Grotefend 
Data ad Hartungium de principiis ac significationibus casuum epistula, Gott. 
1835. Sebmidt-Stettin Uber die Anordnimg der Declination der N ominen 

Brugmann, Gxundriss. II, 2. 35 



512 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines. 


[§ 1S4. 


oidnet man heikommlicher Weise nach diesen sieben Bedeu- 
tungskategorien, Tvonach ofteis etymologisch Verschiedenes ver- 
einigt und etyniologisch Znsammengehoriges getrennt wird, 

im Griech. nnd Lat. , Hofer’s Zeitscbr. f. d. Wiss. d. Spr. Ill 310 ff. Leo 
Meyer Gedrangte Vergleichung der griech. und lat. Decimation, 1862. Ebel 
Starke und schwache Eormen griechischer und lateinischer Nomina, Euhn’s 
Zeitscbr. I 2S9ff. Leo Meyer Die einsilbigen Nomina im Griech. und Lat., 
Nuhn's Zeitscbr. V 366ff. Schwarzmann IJber Ursprung und Bedeutung 
der griech. und lat. Flexions endungen, Ehingen 1S65. Diintzer Die ur- 
sprungl. Casus im Griech. und Lat., Kuhn’s Zeitscbr, XVII 33 ff. Wegener 
De casuum nonniillorum Graecorum et Latinorum historia, 1871. Bornhak 
tiber die Casuslehre der griech. und lat. Sprache, Zeitscbr, f. d. G}'mn. 1S72 
S. 307 ff. Chaignet Theorie de la declinaison des noms en grec et en 
iatin d’apres les principes de la philologie comparee, Paris 1879. Petroni 
Dei casi neUe lingue classiche e particolarmente del locativo, Neapel 1S7S. 

Griech isch. Kuhner Ausfulirl. Gramm, der griech, Spr. I - S. 280 ff. 
G. Meyer Griech. Gramm. - S. 299 ff. Verfasser Griech. Gramm, d. 
Muller’s Handb. der klass. Altertumsw. II -) S. 116ff. Pezzi La lingua 
greca antica p. 178 sqq. Stolz Beitrage zur Declination der griech. Nomina, 
1880. Moisset Etude de la declinaison grecque par I’accenf, Par. 1SS2. 
Gatto Morphologia greca: Osservazioni suUa deelinazione dei nomi con 
tema in a, Torino 1882. E. J. Haupt De nominum in -£6? exeuntium 
fiexione Homerica, 1883. A. Torp Den graeske Nominalfl exion, Christiania 
1890 (erschien nach Beginn des Druckes und konnte nieht mehr benutzt 
•^erden;. 

Italisch. Lindsay The early Italian Declension, The Classical Re- 
view II 129 sqq. 273 sqq. Kiiliner Ausfuhrl. Gramm, der lat. Spr. I S. 172ff. 
Stolz Lat. Gramm. (I. Muller’s Handb. der klass. Altertumsw, II -) S. 332 ff. 
F. Neue Formenlehre der lat. Sprache, I- und II- 1 ff. K. L. Struve Uber 
die lat. Declination und Conjugation, 1823. Ek De formis casuum Latino- 
rum, Gotoburgi 1839. F. Biicheler Gnmdriss der lat. Declin. iT866), neu 
herausgeg. von Windekilde, 1879; franzos. Ubersetzung (Precis de la deck 
lat.) von L. Havet, mit Zusatzen des Vcrf. und des Ubersetzers, Par. 1875. 
Merguet Die Entwiekeiung der lat. Formenbildung mit bestandiger Be- 
riicksichtigung der vergleich. Sprachforschung, 1870, S. 7ff. Fumi Note 
glottologiche, I- Contributi alia storia comparata della deelinazione tlatina, 
Palermo 1882. Walter Zur Declination der M-Stamme im Lateinischen, 
Kuhn’s Zeitscbr. IX 370 ff. Stolz Zur lat. Declination, Wiener Stud. VI 
136ff. Aug. Muller De priscis verborum formis Varronianis 1877 p. 22 sqq. 
Schuchardt Lateinische und romanische Declination, Kuhn’s Zeitscbr. XXII 
i53ff. H. d’Arbois de Jubainville La declinaison latine en Gaule a 
I’epoque merovingienne, Par. 1872. W. Meyer Die Schicksale des lat 
Neutrums im Romanischen, 1883. E. Appel De genere neutro intereunte 
in lingua Latina, 1883. Suchier Der Untergang der geschlechtlosen Sub- 
stantivform, Archiv f. lat, Lexikogr. und Gramm. HI 161 ff. — Zeyss De 



§ 1S4.] 


513 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines. 

jenes z. B. bei den iat. gen. sing, ecjul und (alat.) eqiias, dieses 
z. B. bei ai. me dat. und gen., oder bei den M-Suffixen, die 
wenigstens ihrein Hauptbestandtheil nach eins waren. 


substantivorum Umbricorum deciinatione, Tilsit 1846. 1S47. C. Stephany 
Be nominum Oscorum deciinatione cum Latinis comparata, Rostock 1874. 

Keltiscb. Zeuss-Ebel Gramm. Celt. p. 220sqq. Stokes Celtic 
Declension, Bezzenberger's Beitr. XI 64 ff. Windisch Die ir. Auslaut- 
gesetze. Paul ii. Braune's Beitr. IV 204 ff. Stokes Bemerkungen iiber die 
ir. Declinationen, Kuhn u. Schleicher’s Beitr. I 333 ff. 44Sff. Ebel Celtisehe 
Studien: Die Declination^ ebend. I 155ff. II 67 ff. Ders. Neutra auf im 
Altir., ebend. VI 222ff. C. A. Serrure Essai de grammaire gauloise : Les 
declinaisons, in: Le Museon VI 489 ff. 51 Iff. 

Germanisch und Baltisch-Slavisch. Leski en Die Declination 
im Slavisch-Litauischen und Germanischen, IS 76. 

Germanisch. Grimm D. Gr. I- (1870) S. 50Sff. Delbruck Die 
Declination der Substantiva im Germanischen, insonderheit im Gotischen, 
Zeitsclir. f. deutsche Pliilol. II 3Slff\ Scherer Zur Gesch. d. deutsch. Spr. - 
546ff. V'ilken Zur deutschen Declination, Germania XIX ISff. Kluge, 
Noreen, Behaghel. Paul's Grundriss der german. Philol. I 3S4ff. -’90ff. 
612ff, Burghauser German. Nominalfiexion, IS S^. K a h 1 e Zur Entwick- 
lung der consonantischen Declination im German.. 18S7. Braune Got. 
Gramm. 3 S. 37 ff. Ebel Bemerkungen zur got. Declin. , Kuhn’s Zeitschr. 
IV 13Sff. Treitz tjber die Declination der starken Substantiva im Goti- 
schen, Kuhn’s Zeitschr. XVI 344 ff. Braune Althochd. Gramm. S. 148 ff. 
Dietrich Historia declinationis theotiscae primariae e fontibus describitur, 
Marburg 1859. Primer On the Consonant Declension in Old Norse, Amer. 
Joiirn* of Phil. II 30 sqq. 181 sqq. 

Baltisch-Slavisch. C. G. Smith De locis quibusdam gramma- 
ticae linguarum Balticamm et Slavonicarum, II De nominum deciinatione, 
Havniae 1857. Leskien Spuren der stammabstufenden Declination im 
Slav, und Lit., Arch. f. slav. Philol. Ill 108 ff. Schleicher Lit. Gramm. 
S. 170 ff. Kurschat Gramm, der littau. Sprache S, 229 ff. Bezzenherger 
Beitr. zur Gesch. d. lit. Spr. S. 120 ff'. Bruckner Zur Lehre von den sprachl. 
Neubildungen im Lit. fuher Deck), Arch, f. si. Ph. Ill 233 ff. Pauli Preus- 
sische Studien, II Eormenlehre, Kuhn u. Schleicher’s Beitr. VII 155 ff‘. 
Bezzenherger Zur lettischen Declination, in seinen Beitr. XV 294 ff'. 
Miklosich Vergleich. Gramm, der slaAv Spr. Ill - 1 ff. Leskien Handb. 
der abulg. Sprache - S. 80 ff. Scholvin Die Declination in den pannoniseh- 
slovenischen Denkmalern des Altkirchenslav., 1877. Th. Vetter Zur Gesch. 
der nominalen Declination im Russischen, 1SS3. Przyborovrski Vetus- 
tissima adiectivorum linguae Polonae declinatio. Posen 1S61. Baudouin 
de Courtenay Einige Ealle der Wirkung der Analogic in der polnischen 
Declination, Kuhn u. Schleicher’s Beitr. VI 19 ff. Stephan Smal Stock ij 
Uber die kVirkungen der Analogic in der Decimation des Kleinrussischen, 

33 * 



514 


Gaulish ildung der Xomina. Allgemeines. 


[§ 1S4. 


Die Einzelheiten des Casusgebrauchs kommen in der Syntax 
zur Darsteilung. Hier sei nur im Allgemeinen bemerkt: der 
No in. Hess den Nominalbegriff als den Mittelpnnkt des durch 
das Verbuni ausgedriickten Vorgangs erscheinen ; der A c c. 
brachte das Nomen in irgend eine Abhangigkeitsbeziehnng zuin 
Yerbiim^ die sich aus der Natiir des Verbal- und des Nominal- 
begriffs ergibt (Acc. des Objectes, des Resultates u. s. w.), der 
Gen. setzte ein Nomen zu einem andern in irgend eine durch 
die Bedeutung der beiden gegebene Beziehung (Gen. des Ur- 
hebers, des Objectes u. s. w.), Hess ein Nonien in der Weise 
von einem Verbuni abhangig erscheinen, dass das Noinen nicht 
in seiner Total itat, sondern nur zu einem unbestimniten Theile 
von der Handlung ergriffen oder bewaltigt Tv*ird, und bildete 
locale und temporale Adverbia; im Abl. gab sich das Nomen 
als etwas, von dem her die Handlung des Verbums erfolgt ; in 
den Dat, trat der nominale Begriff, dem die Verbalhandlung 
gilt Oder sich zuwendet; der Loc. bezeichnete die Sphare, vo 
etwas sich befindet oder stattfindet, und wo etwas in Bewegung 
Befindliches eintrifFt und Aufnahme findet; endlich im Instr. 
stand der Nominalbegriff, mit dem etwas ist oder geschieht 
(Begleitung, I^Iittel u. dgh). 

Ausserdem rechnet man herkommlicher Weise zu den Casus 
den Vocativ. Dieser stand jedoch, als Anruf, ausser syntak- 
tischer Beziehung zu den andern Gliedern des Satzes und war 
demnach kein eigentlicher Casus. 

Die idg. Ursprache hatte ferner dreiNumeri. Singular, 
Plural und Dual. Im Sing., der Einheitsform, standen sowol 
Einzel- als auch Collectivbegriffe. Der Plur. bezeichnete ent- 
weder eine Mehrzahl gleicher Dinge oder wurde gesetzt, wo 
ein Ding mehrere Erscheinungsformen hat (z. B. ai. 7nrtydvm 
gr. %dva.xoi ^Todesarten"*) oder sich irgendwie als etwas CompH- 


ArchiT f. siar. Phil. VIII 194 ff., 409 ff. IX 58 E Oblak Zar Gesch. der 
noniinalen Declination im Slovenisclien, ebend. XI 395 523 ff. XII 1 ff. 358 ff. 

Schriften und Aufsatze, die sich auf einzelne Casus be- 
zieheUj werden unten aufgefiihrt. 



§ 1S4— 185.] 


Casiisbildiing der Nomina. Allgemeines. 


515 


ciertes, in Theilstiicken, Absatzen n. dgl. (z. E. ai. ved. dim- 
masas lit. dumai ‘'Rauch'') darstellt. Der Du. wurde von zwei 
sich ergiinzenden Dingen gebxaucht^ gewohnlich wenn sie 
duTch Natur oder Sitte ein Paar bilden. Weiteres in der 
Syntax. 

Die idg. Ursprache hatte endlich drei Genera: Mascu- 
linum, Femininum und Neutrum. Da die Genusbedeutung 
weniger an den Elementen haftete, die wir Casussuffixe nennen, 
als an dem Stamme des Wortes, so kam sie schon in dem Ab- 
schnitt Tiber die Stammbildungssuffixe (§ 55 ff.) zur Spraehe, vgl. 
besonders § 57 Anm. S. lOOf. § 145 S. 429. Weiteres wird die 
Syntax lehren. 

185 . Fragen wir nun, in welch er Weise im Einzelnen die 
Casus-, Numerus- und Genusbeziehungen Ausdruck fanden, so 
lasst sich in den meisten Fallen ein lautlicher Zuwachs zum 
Stamme als Triiger einer bestimmten Casus- oder Numerus- oder 
Genusbedeutung bezeichnen. Aber nur in einem Theile dieser 
Formen txitt eine Compositionsfuge klar zu Tage, so dass wir 
einen Trennungsstrich anwenden konnen, der vom Stamme die 
Flexionsendung ablest, z. B. in den nom. sing, '^naii-s (= ai. 7tau-s 
gr. vab-;) und '^eJmo-s (= ai. divas lat. equos), in dem nom. 
sing, neutr. (= ai. yugdsi lat. Jugu-m) und in dem loc. 

plur. '^'‘ndiisu {— ai. ■luiusu^ vgl. gr. vau-aQ. In andern Fallen 
ist die Berechtigung zu solcher Abtrennung strittig. Z. B. beim 
dat. sing, "^ehndi (— gr. vgl. av. liamnai ‘'der Somapflanze'') 

und beim nom. plur. "^ehuds (— ai. dlvas^ vgl. got. vulfds klie 
Wolfe"). Man konnte zwar diese Formen in und ^'ekups 

zerschneiden, indem man nur fiir eine Dehnung des -o- 
(Ablaut) erklarte, und die naive Analyse wird in der That auch 
und -5 als die eigentlichen Triiger der Beziehungsbedeutung 
aufgefasst haben, wenn auch die Lange des Stammvocals neben 
ihnen dazu wirkte, diese Casus gegeniiber anderen, wie dem nom. 
und acc. sing., zu charakterisieren. Aber es steht auch nichts 
der Annahme entgegen, dass jene Formen aus '^ekuoai und 
^ekuoes durch Vocalcontraction entstanden waxen (vgl. I § 115 
S. 108), Dann ergaben sich fiir eine altere Zeit als diejenige 



516 


Oasusbildung der Xomina. Allgemeines. 


[§ 185. 


unmittelbar vor der Auflosung der idg. Urgemeinschaft -a'l und 
-es als die eigentlichen Flexionsendungen ^). 

Aber auch ohne einen lautlicheu Zuwachs konnte der 
''Stainm'' eine bestimmte Casus-, Numerus- oder Genusbedeutung 
haben. Z. B. war "^ekua (= ai. ahca lat. equci) nom. sing., vgL loc. 
plur. ai. cusm-sii', ^me (= gr. jjls got. 7 ni-k) acc., vgl. lat. mi-hi ai. 
md~ltijam\ ^dhemen "dlmnen (= ai. dliaman. gr. infin. {ispsv) loc. 
sing., vgl. dat. sing. ai. dlidman-e gr. infin. &£g£v-ai; (— ai. 

‘purd afries. fidu^ vgl. gr. 7:0X6 got. jilu) und '^dusmenes (= ai. 
dimnanas gr. oo^ulcvs;) nom. acc. neutr., vgl. nom. sing, masc. ai. 
■puru'^ gr. 7:0X6-; und acc. sing. masc. ai. diirmana^-am gr. oo^gEvi-a. 

Und weiter ist zu beachten, das jene drei Beziehungen 
zuweilen auch dadurch im Stammauslaut ausgedriickt waren, 
dass dieser eine besondeie Ablautstufe hatte. Z. B. "^'pdt^r {= 
gr. TTaTTjp lat. pater) und '^dusmems (== ai. durmands gr. oocjjjlsv^;) 
waren singular ische Nominative und als solche mit durch das 
den andern Casus abgehende e (Stammsuffixstufe -ter- und -es-) 
chaiakterisiert; "^genos (= ai. jdna^ gr. war als nom. acc. 
neutr. mit durch sein 0 (Stammsuffixstufe -06-) gekennzeichnet 
(das iiberdiess die Form als Substantivum charakteiisierte, vgl. 
z. B. gr. tLcuoo; gegen ^soosc). Es war also hier, wie so oft, eine 
durch die mechanische Wirksamkeit sogenannter Lautgesetze 
entstandene Jjautdifferenz in den Dienst der Functionsunter- 
scheidung gezogen. Und dieses gilt ferner auch fiir einen 
Theil der Falle, in denen die Form durch ein besonderes 
Flexionssuffix ausgezeichnet war. Denn z. B. in "^poter-m und 
''^p 9 ter-es ai. pitdr-am pitdr-as gr. Trarsp-a 7 :at£p-£;) half 
neben dem Casussuffix die Abiautphase -ter- des Stammsuffixes, 
im Gegensatz zu -tr- -tr- -ter in andern Casus, den acc. sing, 
und den nom. plur. bezeichnen. Bei Wurzelnomina waren in 
entsprechender Weise Ablautdifferenzen in der Wurzelsilbe (s. 


1) Jokansson Bezzenberger s Beitr. XIV 156 leugnet die Vocalcontrac- 
tioneri; die wir an der im Texte angefiilirten Stelle des I. Bandes fur die 
idg. XJrzeit statuiert haben. Ich gestehe gerne, dass icli die meisten von 
diesen Oontraetionen heute mit grosserer Beserve aufstellen wurde. 



§ 1S5.] 


Casusbildung der Nomina. AUgemeines. 


517 


§ 160 S. 449 ff.) Mittrager der besonderen Casusbedeutung. Vgl. 
§ 7 S. 15 £ 

Aus allem dem erhellt, dass die Declinationslehre es keines- 
weofs nur mit Casussuffixen zu thun hat, dass auch der Stamm 
in seinen verschiedenen Gestaltungen in Betracht zu ziehen ist. 

Die Abstufungsverhaltnisse innerhalb der Stammformenj so 
weit sie zur Declination Beziehung haben — man kann sie 
den Declinationsablaut nennen — , sind im Wesentlichen bereits 
in der Stammbildungslehre zur Sprache gekommen; wir Trerden 
aber auch in diesem Abschnitt oft auf sie Biicksicht nehmen 
miissen. 

Hier muss im Besonderen noch darauf hingevriesen werden: 
gleichwie man auch sonst morphologische Einheiten, die Hoch- 
stufenvocalismus aufweisen, als starke, und solche, die Tief- 
stufenvocalismus aufweisen, als schwache Formen bezeichnet, so 
spricht man von starken und schwachen Casusformen 
und rechnet zu jenen die nom. acc. voc. aller Numeri ausser deni 
nom. acc. sing. du. neutr. und eventuell dem acc. plur. masc. fern, 
s. § 325;, ferner den loc. sing., zu diesen alle iibrigen Casus. 

Hierzu ist aber zu bemerken: 

1. Diese Eintheilung der Casus gilt nur fiir die Declination 
consonantischer Stamme, z. B. ai. icksdn- got. auhsan- ^Ochse^, 
2 d. pitar- gr. 'nrarip- ^TateF; nicht aber z. B. fiir die e^-Stamme, 
wie ai. stmu- ^Sohn\ 

2. Sie gilt zunachst nur fiir den Sprachzustand der uridg. 
Zeit. Diesem war das Ai. ziemlich treu geblieben, wahrend in 
den andein Sprachen jene uxspriingliche Casusgruppierung durch 
Formiibertragungen und Neubildungen sich mehr oder weniger 
stark veranderte und verwischte, vgl. z. B. im Griech. Trarspcov 
fiir alteres 'iraTpmv. 

Anm. In der indischen Grammatik theilt man die scbwachen Casus 
wieder in mittlere und in schwacbste ein, je nacbdem das Casussuffiy 
consonantiscb oder sonantisch begann, z. B. instr. plur. uksd-hhis pitr-hliis 
und instr. sing, uksu-d pitr-d. Vgl, I § SOS S. 247 f. § Sll f. S. 250 ff. 

Yom Nominalgenus wild im Folgenden naturgemass nur 
so weit die Bede sein, als dieses durch Besonderheiten im De- 
clinationsausgang zum Ausdruck gebracht war. 



518 


Casusbildung der Xomina. Allgemeines. 


[§ 1S6. 


186. Nicht ganz zu umgehen ist hier die schwierige FragG; 
au£ welchem Wege die Declinationsausgange, ^rie sie flir das 
Ende der uridg. Feriode zu reconstruiexen sind, dazii kamen^ 
das zu bedeuten, was sie bedeuteten. 

Nacb. dem im § 1 ff. Ausgefiihrten ist anzunebmen, dass 
die Foimen mit Casussuffix^ wie ^ekip-s durcb 

CompositioUj aus einem syntaktiscben Wortkomplex entstanden 
waien. Was der Schlusstheil fur sicb gewesen w'ar^ ebe er 
Casuszeicben und Muster fiir beliebig 'vdele analogiscbe Neu- 
scbopfungen wurde, lasst sicb bei den aus der idg. Urzeit als 
fertige Casus mitgebracbten Formen durcb etymologiscbe For- 
scbung im Einzelnen nicbt mebr sicber ermitteln. Vermutungen 
sind in 31asse vorgetragen worden, und einige sind immerbin 
beacbtenswert genug, um bier erwabnt zu werden; Processe, 
die sicb in jiingeren Perioden controlierbar abspielten, geben 
bier zuweilen Fbngerzeige fiir die Auffassung der alteren. 

Die Flexionselemente der Casus, die ein raumlicbes Ver- 
baltniss zur Vorstellung biacbten, mogen im Allgemeinen ur- 
spiiinglicb ortsbestimmende Demonstrati va gewesen sein. 

Fiir das -m des acc. sing, i^ekuo-m) kommt in Betracht, dass 
die mit ibm versebenen Neutralformen zugleicb no- 

minativiscb fungierten. Bderaus scbeint bervoxzugeben, dass 
-m urspxiinglicb keine eigentliche ‘^Aceusativbedeutung^ hatte. 
Vexmutlich W'ax -m einst nux bei den o-Stammen voxbanden, 
bekam nur bei solcben o-Stammen, die der Bildung einex 
5-Form fabig waxen durcb ein nicbt nabex zu be- 

stimmendes gegensatzlicbes Vexbalten zu dieser 5-Foxm eine 
engexe Casusfunction, die accusativische, iind wuxde dann als 
fertiges Accusativzeicben auf andexe Stammclassen iibextragen. 
Am nacbsten liegt, das -in mit dex in den vexscbiedensten Casus, 
besondexs in dex Pxonominaldeclination auftxetenden Paxtikel 
-m (z. B. in ai. ahdm ‘^ego^ mam *^me^) zu identificiexen. S. Gae- 
dicke Der Acc. im Yeda 17 i), Leskien Bex. dex sacks. Ges. dex 


1) Das von Gaedicke S. IS uber den Urspmng des -»i Anfgestellte ist 
mix -anwabrsclieinbch. 



§ 1S6.] 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines, 


519 


Wiss. 1884 S. 101; Torp Beiti. zur Lehre von den geschlechtl. 
Pron. 18S8 S. 23. 

Anm. Man vergleiclie, dass das Noniinativ-9, das von Hans aus mit 
dem Gegensatz von Masc. und Fern, sicher niciits zii schaffen hatte, sondern 
beiden Genera gleicbmassig zukam, speciell in der Classe der o-Stamme 
durch den Gegensatz gegen die 5-lose Femininformen auf -a und -~i {*ek?io-$ 
Pferd’ : '"'ekua, *itIqo-s A^'olf : zii einem Masciilinzeicben mirde; 

v^as n. a, daraus ersichtlich ist, dass die Griechen alten Femininnominativen 
V'ie ("Jugend’}, wenn sie zur Bezeichnung mannliclier Personen ge- 

braucht vnirden, ertbeilten, vsavia; (§ 190 S, 525). Hier vrar ~s mascu- 
linisch geworden wie dort -?n aceusativiseb; und masc. v-avid? verbielt sicb 
zu "fem.^ zopi-c vau-:; wie acc. ltitto-v zu *^nom.’ Coyo-v. 

Fiir das -? des nom. plur. ^to-l {= gr. To-t ai. te) legt das vor 
dem Suffix mehxerer Pliiralcasus auftretende (gr. to-T-ai ai. 
te-su, got. f)d-i~m aksL fe-7ni u. s. w.), das man nicht umhin 
kann mit jenem -? zu identificieren, die Vermutung nahe, dass 
es von Anfang an nicht Nominativ-, sondern Pluralzeichen war. 
J. Schmidt Kuhn's Zeitschr. XXY 6 betrachtet '"'toi als eine 
j^iordnende Zusammensetzung der beiden Pronominalstamme 
to- und {- : ‘^diesex^ + "jener^ = ffiie^ Hiernach hatten Nomi- 
nalformen wie '^ehiois[ti) (= ai. dscesii gr. L—oiai, vgl. aksL tlu- 
cechu) ihren Ausgang erst nach der Analogic der Pronominal- 
declination empfangen. 

Ein anderes Element mit Pluralbedeutung war .s. Es zeigt 
sich am klarsten in den 57^-Suffixen; wie "^-hhis neben 
"'-bhos neben "^-blio^ ai. -hhyas neben -bliya [tu-hhya '^tibFjj und 
den mit diesen verwandten 7?^-Suf^ixen, S. § 367. 379. Dass 
es mit dem -es des nom. plur. (gr. ttoo-sc) eins w^aX; darf ohne 
Bedenken angenommen werden. Dagegen ist zweifelhaft, ob es 
in dem -7is des acc. plur. (§ 325) enthalten war, das gewohnlich 
als eine Pluralisierung des -m des acc. sing, betrachtet wird; 
denn es bleibt unerklart, w^arum nicht -77is im Lit. und Preuss. 
erhalten wurde (vgl. lit. dial, vilkuiis preuss. denva7is] i). Mit 
Torp darf man unser Pluralelement auch in den Pronomina ai. 
7ias vas u. dgl. sehen, s. § 436. 


1) ^lit der preuss. Endung -jnatzs aus ^-mam-s (falls diese Analyse 
ricbtig ist) bat es eine besondere Bewandniss. S. § 367. 



520 


Casusbildung der Nomina. Allgemeines. 


[§ 1S6. 


Das u in mehreren Duaicasus wie ai, vrkau neben vrka 

o o 

kann als ein angefiigtes Wort fiir ’"beide^ zwei" betrachtet wer- 
den. S. § 285. 

Dass das hit der oben erwahnten 5Z'~Suffixe urspriinglich 
ein stammsufiixales Element gewesen sei; ist schon ofters ver- 
mutet worden; es liesse sich etwa vergleichen, dass ini IVIhd. 
in dem gen. dat. sing, herzen (nom. acc. lierze) das urspriinglich 
stammbildende -en (§ 114 S. 334) in eine Casusendung verwan- 
delt war. Man hat das hli- mit dem in § 7S S. 203 ff. behan- 
delten -Mo- zusammengebracht. Das Nebeneinander aber yon 
da-cpi und ap-oo), dessen zweitex Theil von got. hdi ‘^beide^ nicht 
zu trennen ist, und die Beobachtung, dass dk- vorzugsweise dem 
Suffix des Instxumentalis (Sociativus, Comitatiyus) eignete, lassen 
fragen, ob nicht fiir den Dual und unsere hit- 

Suffixe yon einer Wurzel mit dei Bedeutung der Gepaartheit, 
des Zusammenseins auszugehen ist. Vgl. § 274. 

An fertige Casus traten in einzelspxachlichen Zeiten oft 
adyer biale Worter (Postpositionen u. dgl.) an und yerwuchsen 
mit ihnen so fest, dass sie in der Casusendung aufgingen, vgl. 
z. B. ay, loc. plur. ‘telirhae]it-a § 356, gr. h\&Y]vaCs d. i. ^A^r^vaz- 
0 £ § 327, Kt, ta77iim-2^i § 423, got. mi-h § 442. Durch diese 
klar erkennbaren Yorgange werden folgende Annahmen gestiitzt. 
1 . Ein Adverb -o, vielleicht mit der ai. Postposition a verwandt, 
liegt vox in ai. dat. mhay-a und in den Loeat. lit. rcmkoj-e ran- 
hos-e aksl. hamen-e^ s. § 246. 257. 264. 356. — 2. -sn und ~si 
neben -s im loc. plur., z. B. ai. vrkesti gr. Xuxoiai, waxen durch 
Affigierung der Paxtikeln u und i entsprungen, s. § 356. — 
3. Gleichartige Affixe in den nom. sing. osk. fyoi ‘'quP lat. qui 
(Grundf. und apers. haim gr. oS-(t:o-<:) (Gxundf. ^so-u)^ s. 

§414. 415. — 4. In verschiedenen Casus, namentlich in pro- 
nominalen, war an eine Form, die selbst schon fertiger Casus 
wax, eine Partikel angetreten, z. B. loc. sing. ai. 

dlrayam (§ 264), instr. sing. aksL rMa (§ 276), instr. etc. gr. dsd-cpiv 
(§ 2S1), dat. instr. du. ai. rrJcd'-hhydm air. dih 7i- (§ 296), nom. 
ai. alidm aksl. azu (§ 439) ai. vay-dm (§ 441), acc. ai. 7?7a7n aksl. 
me (§442). Oben S. 518 wurde uns nahe gelegt, dass mit ihr 



§ 1S6— 187.] 


Gasusbildun^ der Nomina. Allgemeines. 


521 

auch. das -m von acc. nom. ai. yugd-m lat. jugii-7n identisch ge- 
wesen sei. 

Dass in den idg. Casusformen ohne suffixalen 
Zuwachs wie *eJx7id (§ 1S5 S. 516) ein sufflxales Element ab- 
gefallen sei, diess anzimehmen sind wir durch nichts berechtigt ^). 
Die Casusformen bildeten sich im Satzzusammenhang. In diesem 
bedurften die Nominalfoimen aber nicht immer eines Bezieh- 
ungsausdruckes. Die Beziehung ergab sich aus dem Wortzu- 
sammenbang von selber, und so konnten sich die ‘^Stammformen^ 
in gewissen Fallen rein erhalten. Je mehr Casussuffixe durch 
den Compositionsprocess erwuchsen, um so scharfer pracisierte 
sich der Gebrauch der suffixlosen Formen, und schliesslich 
waren sie, eventuell zugleich durch besondere Abstufiingsver- 
haltnisse ivgl. z. B. '^pofer gr, Trarfjo), ebenso deutlich als ‘^Casus^ 
chaxakterisiert wie die andern, die suffixbegabten Formen. 

Indessen ist es zum Theil doch vielleicht nur Schein, wenn 
wir hier von Formen ohne eigentliche Casussuffixe reden. 
Gleichwie in nhd. Ortlichkeitsnamen wie Baden, Bergen, 
Holienbuchen^ TJyiterioalden alte Dativfornien mit dem Casus- 
zeichen -n in den Subjectscasus libergefiihrt und andern Casus 
als Thema zu Grunde gelegt sind^ so konnte auch z. B. in den 
sogen. suffixlosen Locativen auf -en -uen -men (ai. murd]id7i 
u. s. w.) ein Casussuffix -n {-en oder dgl.) mit Locativbedeutung 
gesteckt haben, so dass diese Formen urspriinglich kiirzeren 
Stammen angehorten (gr. aliv etwa zu alfo- wie olV.si zu ov/o-) ; 
diese Locative waren in der Folge als Stamme fiir die iibrigen 
Casus benutzt worden. In gleicher Weise konnte das -r z. B. 
in ai. iisar ^in der Frlihe"* ein Locativsuffix gewesen und dann 
(in ai. gen. nsr-ds gr. loc. -^o-i etc.) stammhaft geworden sein. 
S. Johansson Bezzenberger s Beitr. XIY 164 ff,, Bartholomae 
ebend. XV 14 ff. 25 ff. 

187, Die Casus der geschlechtigen Pronomina zeigen 
zum Theil seit uxidg. Zeit andere Endungen als die entsprech- 


1) Dass die singularischen Vocativformen kein Casussuffix batten, 
versteht sich nach dem in § 184 S. 514 Bemerkten ohne ’Weiteres. 



522 


Gasusbildung der Nomina. Allgemeines. 


[§ 1S7— 1S8. 


enden der Nomina, vgl. z. B. nom. acc. neutr. "to-d (= ai. td-d 
gi. to) iind nom. acc. neutr. '^neiio-m (= ai. ndta-m lat. ?ioDo-'?n), 
Gegenseitige Beeinilussiingen der Nominal- und der Pronomi- 
naldeclination haben schon in der Zeit der idg. Urgemeinschaft 
stattgefunden, und in alien Einzelentwicklungen haben sich 
diese analogischen Neueningen in grosser em oder geringerem 
Umfange fortgesetzt. 

In noch hoherem Masse als die Declination jener Prono- 
mina wich seit uxidg. Zeit die der Per sonalpr onomina von 
der nominalen ab. Ubertragung nominaler und geschlechtig- 
pronominaler Casusendungen auf die Personalia ist in einzel- 
sprachlicher Zeit oft zu beobachten, aber kaum das XJmgekehrte. 

In diesem Abschnitt iiber die nominale Gasusbildung werden 
Tvir auf die Pronominaldeclination so weit Biicksicht zu nehmen 
haben, als sie auf die nominale umgestaltend einwirkte. Ausser- 
dem aber fiihren wir bei den Casus, wo zwischen Nomen und 
Pronomen von Hans aus kein flexivischer Unterschied war, 
die Pronominalform in solchen Fallen an, wo eine Einzel- 
sprache die urspriingliche Endung nur beim Pronomen festhielt 
Oder sie bei diesem in einer diirch die Lautgesetze weniger 
veranderten Form aufweist (wie got. pd neben juJca^ § 33S). 

188. Ofterswaren die Funktionen mehrerer Casus an 
eine Form gekniipft. So hatte man bereits in der Zeit der idg. 
Urgemeinschaft in den meisten Stammklassen eine Form fiir den 
gen. und abl. sing., z. B. ai. nlm~ds gr. vy]-oc Mes Schiffes^ und 
Von dem Schiffe her^, in alien Stammclassen eine fiir den dat. 
und abl, plur., z. B. ai. -ndu-hhi/ds lat. 7idv-ibus Men Schiffen^ 
und Von den Schiffen heP, bei den o-Stammen vielleieht eine 
fiir den gen. und loc. sing., z. B. lat, helU (§ 239). Dergleichen 
besonders oft, wie wir sehen werden, bei den Personalprono- 
mina. 

In jiingerer Zeit txat dieser Zustand oft durch den soge- 
nannten Synkretismus ein, d. h. dadurch, dass an die Stelle 
von mehreren Casusformen mit verschiedener Bedeutung eine 
Casusform trat, die die Functionen jener vereinigte. So um- 
fasste z. B. der Casus, der in der griechischen Grammatik als 



§ 18S— 1S9.] 


Casusbiidung der Nomina. Allgemeines. 


523 


Dativ bezeichnet wild, Dativ-, Locativ- und Instrumental be- 
deutungj die Dativformen der griechischen Grammatik aber 
waren theils alte Dativformen, wie oixqj, theils Locativformenj 
wie vao-ai (olxot im Nordwestgriech., Boot, etc.), theils 

Instrumentalformen, wie otxot;; es fungierten also gewisse Da- 
tivformen zugleich als Loc. und Instr., gewisse Locativformen 
zugleich als Dat. und Instr. und gevisse Instrumentalformen 
zugleich als Dat. und Loc. In ahnlicher Weise vereinigte im 
Lateinischen der Casus, den die lat. Grammatik Ablativus sing, 
nennt, Ablativ-, Locativ- und Instrumentalbedeutung, die latei- 
nisehen Ablativformen aber waren theils alte Ablativformen, 
wie eqzw{d)j theils Locativ- und Instrumentalformen, 

Der Anlass zur Entstehung der synkretischen oder IMisch-Casus 
lag meistens ausschliesslich in syntaktischen Verhaltnissen, und 
so werden wir uns erst in der Syntax mit den synkretistischen 
Erscheinungen im Einzelnen zu befassen haben. Die entwick- 
lungsgeschichtliche Betrachtung der Formen der Casus aber 
verlangt, dass wir, voni uridg. Casussysteni ausgehend, die 
einzelsprachlichen Formen jedesmal nach diesem bestimmen; 
wir reden also hier, in der Formenlehre, z. B. vom griech. 
‘^Locativ'* unbekiimmert darum, dass dieser Form auch die 
Dativ- und die Instrumentalfunctionen eigneten. 

Wie die Singularform ai. nm-ds gr. vr^dc schon im Uridg. 
zugleich Genitiv und Ablativ war, so waren Instrumentalformen 
auf -l)hi wie gr. vao-cpi seit damals zugleich singularisch und 
pluralisch, s. § 274. 281. 379. Auch hatte, wie es scheint, der 
nom. acc. neutr. im Uridg. fiir Sing, und Plur. mehrfach dieselbe 
Formation, s. § 223. 337. 310. 342, 

189. Die Lehre von der Casusbiidung hat es aussex mit 
den Casus ini eigentlichen Sinne auch mit adverbialen 
Wortern zu thun. Die functionelle Entwicklungsgeschichte 
der letztexen wird in der Syntax darzustellen sein. Hier geht 
uns nur ihre Form an, und zwar in folgender Weise. 

Es gibt zwei Classen von adverbialen Wortern. Die einen 
entsprangen dadurch, dass Casusformen aus lebendigen Casus- 
paradigmen isoliert wurden und eistarrten, z. B. gr. klUr^vr^Gi, 



524 


CasusMldung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. [§ 189 — 190. 


oiv.oi. ajjia, TOLj lat. merit'd, modo. 'bene, facile, mulhmi. Diese 
interessieren uns liier nur in clem Fall, dass sie Zeuge sind ftir 
eine Casusformation, die andexwarts in derselben Sprache oder 
Mundart nicht erhalten war, wie z. B. das Griechische alte 
Ablativformen anf -dd nur in adverbialer Erstariung aufweist 
(§ 241]. Die andern waren von Anfang an nicht Glied eines 
ganzen Casusparadigmas, sondern isolierte Satzworter, die hoch- 
stens mit einer oder zwei andern Formen eine paradigmatische 
Gruppe bildeten. Meistens batten sie ein pronominaies Ele- 
ment als Stamm, z. B, gr. sv-toc sz-toc, lat. in-tus, ai. hii-tas. 
Diese Advexbialformen konnten aber, infolge der Bedeutungs- 
verwandtschaft mit yollparadigmatischen Casusformen, zu leben- 
digen Casusformen erhoben werden, wie jenes im Indischen, 
Aimenischen, Griechischen zu einem durchaus pxoductiven abl.- 
gen.-Suffix ward (§ 244). Soweit sie solche Angliederung an 
Casussysteme exfuhren, sind die Suffixe dieser zweiten Adver- 
bialclasse hier mit zu behandeln. 

Ferner kommen auch die Infinitive in Betracht. Wie 
diese sich aiis lebendigen Casusformen entwickelt haben, Tvird 
die Syntax zeigen. Hier miissen die Infinitivformen der ein- 
zelnen Sprachen mindestens so weit herangezogen werden, als 
sie Casusformen reprasentieren, die im lebendigen Paradigma 
zuriickgedra-ngt wurden, z. B. gr. oojxsv-ai (§ 245. 251) und ooasv 
(§ 25G. 257). 

Die einzelnen Casus ^). 

Nojninat. sing. 7nasc. 

190, I. Stammformen ohne Casussuffix als nom. 
sing. masc. fern. 

1. ^-Stamnie. Dridg. '^ehtia ^Stuteb Ai. asra ‘'Stute^; 
av. haena apers. hcvhid ‘'feindliches Heer\ Gr. ycopa Xand^ 

1) Um nicht zu ausfubrlicli zu werden, babe icb ein paar uridg. Deck- 
nationsclassen, die wenig hervortreten und in Bezug auf die Casussuffixe 
niclits Neues neben den andern Declinationsclassen lebren, im Folgenden 

2) C. Maass Yocales in stirpium terminationibus positae nominum 
Italic. Graec., inprimis vero German, post quas potissimum consonantes in 



§ 190.] Casusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 525 

Lat. e( 2 i^a\ iimbr. muta mutu *'inulta'*, osk. tovto ‘^civitas^ (1 § 105 
S. 99, § 655, 2 S. 505). Air. ttuxfli *^Volk^ (I § 657, 2 S. 509 f.) 
Ogaminschr. imgina ""Madchen, Tochter^ = air. inge-yi: gall. Deva. 
Got. giha 'Gabe'’, vgl. so ‘'die^ abio-lmn ""irgend eine^ (neben 
idnciw ahd. huo;^ ''Besserung'* (vgl. S. 526), ags. ‘'Gabe\ Lit. 
ranka aksl. rqka ‘^Hand^; ygl. lit. gero-ji neben gerd "^bona^ 
(I § 664, 3 S, 525). 

A vest. Formen auf -e wie kainike Aladchen, Jungfrau" 
her^xde ""die gesegnete" und preuss. auf ~ai wie mensai ‘^Fleisch" 
:iit. mohd) zeigen pxonominalen Ausgang, s. § 4 14. Vgl. auch § 202. 

Die griechiscben Masc. wie vsavia-c Miingling" ysvsrr^-c 
‘"Erzeuger" waren urspriinglich Feminina und batten ihr -c erst 
von Nominativen wie Oso-; erhalten (§ 79 S. 216, § SO S. 225 f., 
§157 S. 443); vgl. die entsprechende Xeubildung im gen. sing. 
§ 229. Dock blieb die ^-lose Xominativform in vocativischer 
Verwendung, wie ^Epusia, aivapir/;, vgl. air. voc. plur. Jiru — 
neben nom. plur. = '^luroi (§ 314). Daraus erklaien 
sich wol am einfachsten die masc. Nominative auf -a wie 
boot. Kct/AiVl, 6AoaT:iovty.a und leukad. tbiAov./.cioa (vgl. megar. too 
"A paiac, § 229); man darf diese Formen als nominativisch ge- 
braucbte Vocative hezeichnen. Vgl. Verf. Gr. Gr. - S. 117, 
J. Schmidt Pluralbild. 354. IJber Femininformen wie ToAtxd 
"KiihnheiF {ripijjLva ‘"Sorge" s. Verf a. O. S. 102. Die Masculin- 
formen wie i-TroTa — i-TroTr^; AVagenlenker" werden wir in 
§ 202 erklaren. 


entweder ganz ubergangen oder nur gelegentlich beruhrt, z. B. die Classe 
ai. [dldya-dha.^, dat. -dh-e. 

Um im Paradigma ein "Wort durcli alle Casus durclifubren zu konnen. 
musste icli oft unbelegte Formen nach der Analogie bilden. In einem 
Biich vie dem vorliegenden halte icb dieses Verfaliren nicbt nur fiir erlaubt, 
sondern fiir notvendig. 

sing, nominativo perierint, Breslau 1S73. Verfasser Erstarrte Nominative, 
Curtius’ Stud. IX 257 ff. J. Schmidt Heteroklitische Nominative Sing, auf 
-as in den ar. Sprachen, Kuhn's Zeitschr. XXVI 401 If. Bers. Idg. o aus vl 
in der Nominalfiexion, mit Excurs: Zur Bildung des Nom. Sing., ebend. 
XXVII 369 ff. Osthoff Der got. Nom. Sing, der mannlichen -jk-Stamme, 
ebend. XXIII SO f. 



526 


Casusbilduug der Nomina. Nom. sing. masc. fern. [§ 190 — 191. 


Ob die aus dem altesten Latein iibeilieferten masc. No- 
min. ^hohticapai fhostium captor^) und ""-paricidai neben scriha 
agricola etc. und die gleichaxtigen oskischen Ka/-a; ‘'Caha^ 
^Iap]ac ""Mara^ Tanas ‘'Tana'' neben S anti a ‘'Xanthia^, Hav&Lac^ 
unabhangig von den gxiech. Formen au£ -d-; entstanden oder 
griechischen Mustern nachgeahmt waren, ist bei der Diirftig- 
keit der Tiber lieferung nicht zu entscheiden. 

Im Althochdeutschen waren diese Nominative auf idg. 
-d nur noch selten, wie liwil ‘'Weile" und besonders bei 

den Abstiacta auf -tmgd-, wie samanunc ‘'Versammlung", vgl. 
aucb aiu ‘'sie" wie ai. sixjh sya. S. I § 661, 1. 2 S. 519 ff. Die 
gewohniichen Formen auf -a wie geha ‘'Gabe" sipp[e)a ‘'Sippe" 
waren nominativisch gebrauchte Accusative (§ 213). 

191. 2. i- i^e-Stamme ^). Uridg. ^ hhrghnt-i^ fern, zu 

'^hJirg]io7it- ‘'ragend, erhaben, hoeh". Ai. b'l'Jiati^ av. 'baTe7iti TerensT 
Ail. Brigit Mie Erhabene" (= ai. brJiati]^ mis TuseF, I § 657, 
2 S. 510, vgl. aiich s-i ‘'ea" = ahd. s-l. Got. frigondi ‘'F^eundin^ 
as. thixm tliiu ‘'Magd" = got. pk% ahd. lierzolim ‘'Herzogin" wirtmi 
tcirtin ‘'Wirtin" (§ 110 S. 318), vgl. auch ahd. s-l s-i ‘'ea" (die 
letztere Form in tonloser Stellung verkiirzt, wie got. si). Lit. 
reza?hti Vehens" aus ^veza7iii (vgl. dial, geres'mj-gi ‘'die bessere") ; 
aksl. vezqsti Vehens" fiir '^vezqti (§110 S. 317). 


Ij Ich. habe in § 109 S. 313 darauf Mngewiesen, dass die Feststellung 
der Suffixform, die als Hochstufenform im uridg. Paradigma neben dem 
tiefstufigen -1- stand, scliwierig sei, und -^e- als das walirscheinlichste be- 
zeicbuet. Angesicbts der zablreichen Falle, in denen /5-Formen im Para- 
digma auftreten, im Griech., Ital.., Germ., Balt-Slav., moglicherweise aucli 
im Kelt. (gen. sing, iyise, § 230), ist es vielleicbt riebtiger, das Schwanken 
zwiscben ~ie- und -ici- bereits in die idg. Urzeit zu verlegen. Aber auch 
das muss erwogen werden, ob nicht unsere jfe-Classe eigentlich in zwei 
Classen zu zerlegen sei, indem nicht nur aus -je- ein -T-, sondern auch 
aus -id- ein -I- in unbetonter Silbe entsprungen war. Die i- ; ^a-Classe 
erschiene als das Gegenstiick zu der i- : ^'o-Ciasse (lit. medis gen. ynedzio). 
Man hatte dann aber wieder eine doppelte ^^-Declination zu unterscheiden, 
eine mit Wechsel von -{a- und -1-, und eine mit starrem -id-\ Ich em- 
pfehle diese schwierigen Fragen anderen zu genauerer Prufung. Johansson 
Kuhn's Zeitschr. XXX 398 ff. kommt auch zu keinen irgend sicheren Ke- 
sultaten. 



§ 191 — 192.] Casusbildimg der Nomina. Nom. sing. masc. fem. 


527 


Arisch. Im Ai. gingen diese Stamme hie und da in die 
Analogie der 1- ?V-Stamme (§ 109 S. 314) iiber: vrJii-s 
napti-s ^Enkelin, Tochter^. Entsprechend im Apers. Jiaraiivatih 
(d. i. -1-h] ^Axachosien"* gegen av. lim'axuoaiti ai. sdrasvatl. 

Im Griechischen Tvaren die For men auf -i veischollen. 
Die historischen Formen mit - w. -la, wie ''.sspooaa ^ferens^ aus 
povr-ia, TTor^-ia ‘^Herrin^, dXvj&sia %YahrheiF aus ^'dA^&Ea-ia, halte 
ich fur Neubildungen nach den Acciisativen auf -tav -lav (§ 216). 

Anm. J. Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXVII 291. 309 Pluralbiid. 59 f. 
sieht in dem griech. -la -ta den ursprunglichen Ausgang des nom. sing, 
iinscrer Stamme, aus dem das -i der andern Sprachen erst durch Contrac- 
tion liervorgegangen sei. S. dagegen Gr. Gr. - S. 102, Morph. Unt. V 5S f. 

Durch Anschluss an die ?a-Stamme (oocpid) Tv-urde -la -la 
oft durch -la -id ersetzt, vrie iraipd “^Genossin^ fiir ’’'iraipa aus 
^£tap-iaj fem. zu Erapo-;, att. dXr^&Ei'd (ion. dlrfizir^) neben 
u. s. w. Vgl. im Ahd. lierzohinna fiir alteres herzoldn (s. u.). 

Auch im Lateinischen war -T verloren. facies pan- 
peries durch Eindringen von -{e- aus den andern Casus und mit 
-5’ nach re-quie-s dies 7'e-s. avia (zu avo-s) vielleicht wie 7nd- 
ter-ia neben mdter-ies (vgl. § 109 S. 314 und S. 52G Fussn. 1). 
Eber fem. suavis (ai. svadvf) s. § 109 S. 314: war snavis die 
Folge eines aus "^simduim entstandenen ^stcdvhn'^. (vgl. § 216). 

German. Durch Ubergang in die Nominativbildung der 
?d-Stamme (z. B. ahd. sipp[e)a — got. hihja "^Sippe^j s. § 190 S. 526) 
entstanden ahd, herzoJimfia fiir herzoliin as. tlikm fiir ihim 
u. dgl. m. 

Lit. zeme lett. feme preuss. sem^ne aksl. zemJja ''Erde^ 
urbalt.-slav. ^zem-ip entsprangen durch Eindringen von -ie- aus 
den andern Casus. 

192. 3. Die mehrsilbigen und r- Stamme zeigen sammt- 
lich das stammbildende Suffix auf 3. oder 4. Hochstufe, wo- 
durch in den meisten Fallen gegeniiber den andern Casus ein 
Declinationsablaut hergestellt war, z. B. gr. TroifXYiv Trarf^p gegen- 
iiber T:oi|X£V-a rraTsp-a u. s. w. Schon fiir die Zeit der idg. 
Urgemeinschaft haben wir Doppelformen anzusetzen, theils 
Formen auf -en -on und -er ~di\ theils Formen auf -o und 


Brngmunn, Grundriss, II, 2. 


34 



528 


Casusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 


[§ 192 . 


-e -o. Dass diese Doppelheit aus satzphonetischen Erschei- 
nungen der idg. Urzeit entsprungen sei^ indem iind ~r vor 
gewissen Consonanten schwandeiij ist trotz Meringer Zeitschr. 
fiir osterr. Gymn. 18S8 S. 137 £. nicht allzu sicher, zumal wenn 
man jetzt Johansson^s S. 521 exwahnte Theoxie liber den Ur- 
sprung der n- und gewisser r-Stamme (Bezzenberger s Beitx. 
XIV 163 ff.) in Betracht ziebt. 
a. ?^~Stamme. 

Eormen au£ idg. -n. Uridg. ^Hund\ Armen, sun 

"^Hund^ cikn (gen. akan) ‘'Auge^ anjn (gen. anjhi aus "^-e/i-os) 
‘^Seele^ (I § 651, 1 S. 499). Gr. xumv "^Hund^ TrotjjirjV '^Hiite^. Ob 
lat. pecten Imi Jlm^ie'n alte ^X'^Nominative waxen, bleibt £xaglich, 
s. § 114 S. 331. Ahd. gomo ags. ;^uma m. Alann^, wol auch 
nord. run. Haringa aus '^~dn] got. tug go aisl. tunga £. ‘'Zunge^ 
aus "^-on (got. rapjd — lat, ratid)^ ahd. zunga ags. tu7i^e £. aus 
(I § 659, 5 S. 515, § 661, 4 S. 521, II § 115 S. 340) ^). Lit. 
dial, szigi (neben szu) "^Hund^, aksL kamij ‘^Stein^ (I § 92 S. 87, 
§ 663, 1 S. 524, § 665, 2 S. 527). 

Foimen ohne -n, Uridg. '^k{u)tio ^Hund^ Ai. sva sum‘^) av. 
spa ‘^Hund^, apers. xsapctrsa ‘'Xerxes'' (xsaya- ^Hexrscher" + arsayi- 
‘'mas''). Unsichere griech. Reste diesei Bildung sr/.m arpm neben 
siv.cuv ‘'Bild" dr^6d)v "Nachtigall" u. dgl.; die zu jenen Nomina- 
tiven gehorigen gen. sr/ou^; d'/]6o6(; u. s. w. waxen Neubildungen 


1) Kluge Pauls Grundr. I 366 setzt ahd. -a ags. -e = ugerm. "^-on, ahd, 

-0 ags. -a = urgerm. nicht ohne diese Lautvertretung selbst als ''son- 
derbar’ zu bezeichnen. VeiTQutlich fiihlte er sich zu diesen Ansatzen durch 
den acc. ahd. g^ba ags. getrieben, da Osthoff s Hjpothese, dass -ib- im 
Urgerman. zu -7e- geworden sei, die fur diese Pormen eine Erklarungs- 
moglichkeit erdffnete [sunt-ia aus und hiernach gebd], zu wenig be- 

grundet ist. Wir hoffen mit geba ^iefe in andrer Weise fertig zu werden 
(§ 213) und bleiben daher bei ahd. -a ags. -e = urgerm. ^-cn, ahd. -o ags. 
-a == urgerm. *-d7i. 

2) Die Betonung der ved. suva ^u.mvanau (die Uberlieferung schreibt 
^va !iV&ncm mit udatta) ist nicht nur aus gi’- "/.um'j zu erschliessen, sondern 
auch aus sun-as iim~e u. s. w. tiin- zu $uva7i- wie yun- zu yuvan - : in beiden 
Wortern "^ar die ursprungliche Suffisbetonung der sehwachen Casus (urspr, 
"^lun-ds wie gr. xov-o?, und "^yim-ds) nach der Analgie der starken Casus ver- 
andert worden. 



§ 192.] 


Cagusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 


529 


nach der Classe AtjTou^; (G. Meyer Gr. Gr. 2 S. 315 f.) ge- 

wesen. Lat. homo Jiomo^ iimbr. karu ‘^pars^ ~ iat. caro, tri- 
brisu d. i. ^tri-prikid Ariplicitas"' (abl. trih'isim). Air. cu ncymr, 
ci ‘'Hund^ (aus zweisilbigem durch die Mittelstufe ^kuTi), 
air. e^c-ung ‘"Aak air-mitiu ‘'Ehre^ = lat. mentio (I § 657^ 2. 3 
S. 509 f.) ; gall. Frontii Alingu. Got. guma ‘^Mann^ wegen aisl. 
game gimi wol au£ '"gume (nicht ^gumo) zuruckzufiihren. Lit. 
szU "Hund" akmii ^Stein^ 

Neubildiingen fiir iirspriingl. infolge yon Ver- 

allgemeinerimg der sch^yachen Stiffixform waren ai. arc\ (St. 
arcin- "stralend^j av. kaini 'St. Jcamhi- ‘"Madchen^j , gr. o£//fiv 
(St. o£Acplv- ""Baiichfisch. Delphin^j, got. managei (St. managein- 
'MengeA S. § 115 S. 336 ff. 

In mehreren Sprachen fanden Neuschopfimgen nach der 
Analogic der s-Nominative statt. Av. z. B. leFpra-JU "^sieg- 
reich^ neben -ja = ai. I'rtra-ha {ein alter nom. ^^-gh/}-s miisste 

lauten!), vgl. Bartholomae Ar. Forsch. I 31, Handb. § 215 
Anm. 2, § 220. Gr. z. B. lak. apar^c = ap3r/^ ‘^mannlich^, 
neben ozXcch (vgl. § 115 S. 337). Lat. sanguis aus '^sanguuis 
fiir sanguen. Osk, liittiuf Aisio, usus^ und statif ‘^statio, sta- 
tua^ nach §115 S. 338 aus "^-ions und ^-ms. Air. am ‘"Niere^ 
wol aus "^-ons^ me7zme ‘^mens^ aus "^-ens^ s. § 114 S. 331 £. § 117 
S. 350 f. Gleichartige Neuerungen bei r-Sttimmen, s. S. 530. 

b. A- St am me. 

Formen au£ idg. -r. Uridg. *math' 'Mutter^, * do tor 
‘'GebeF. Armen, mair '^Mutter^ Gr. pTjxr^p, ocormp. Lat. mater, 
soror dator: umbr. lu-pater Muppiter^ af~£ertur 'inferior, 
flamen^ osk. censtur 'censoF. Air.??^^^^7A^V'MutteF, ^w^r'Schwester"* 
(I § 657, GS. 511). Im Germ, mit aisl. modter mo dir ^ wahr- 
scheinlich auch ahd. miioter, ferner got. fadar 'Abater wenn 
Streitberg mit seiner xAnsicht (D. germ. Compar. auf -53-, S. 22 ff.) 
E-echt hat, dass urgerm. -er im Got. zu -ar geworden sei, wie 
-eh- m zu -ai -an {vgl. § 263 Anm.)^}. A^on got. svistar ags. 

1) Nach diesem Gesetz konnte man got. Adv. mit ahd. diir, nnhe- 
tont der, so vermitteln, dass man von urgerman. *per ausgehend das got. 
par (vgl. auch jdinar aljar] dem ahd. der gleiehsetzte. Die Form par hatte 
im Got. das betonte "^per verdrajigt. x\hd. gen. itiiser nach jener, § 455. 

34^ 



530 


Casusbildung der Nomina. Nom. sing. mase. fern. [§ 192 — 193. 

sweosto?' ^soror^, got. h'dpar ags. orodor ahd. hruadar ^Bxude/ 
(gr. cpp^ccnp) ist zweifelhaft, ob sie lautgesetzlich aus -or ent- 
wickelt Oder Accusativ-j bezieh. Yocativfoimen waxen, vgl. § 122 
S. 35S. 

Anm. 1. Jedenfalls waren ags. mddor dohtor aschwed. fapur mdJ)or 
Nenbildungen. Es sei bei dieser Gelegenbeit bemerkt, das mir die Frage 
in wie weit idg. -er- in tonlosen Endsilben zn -ar- geworden war; und in 
wie weit; wo ein -ar- = idg. -er- vorzuliegen scbeint, vielmebr idg. -or- 
(oder -ar-) zu Grnnde gelegen batte, noch grundlicberer Untersucbung be- 
diirftig erscbeint. vS. Yerf. Curtins’ Stud. IX 374. 378, Paul in seinen Beitr. 
VI 246 f. 253 f., I. Scbmidt Pluralbild. 197 f., Xluge Pauls Grundriss I 361. 

Foxmen ohne -r. Uxidg. ^mdte^ Ai. 77icttd av. 

mdta "^Mutter"*, ai. bhratd apexs. braid ""Bxudex^, ai. datd ddtd av. 
data ‘'Geber', ai. }ia7ita ‘"Moxder" apexs. ja{7i)td ‘'Exlegex, Feind^ 
Lit. 771016 7710 te “^Weib^ sesii ‘^Sch wester^, aksl. 77iati ''Mntter^ 

Anm. 2. Bass im Baltiscb-Slavischen -r abgefaUen sei, wie Job. 
Scbmidt (Kubn’s Zeitscbr. XXV 22, Pluralbild. 193 f.) u. a. annebmen, kann 
icb immer nocb nicbt fur erwiesen betracbten. Vgl. I § 663 Anm. S. 524. 

Duich einzelspxachliche Neubildung entstanden av. dtar-h 
Teuer^ (§ 122 S. 360), gr. [xdxap-; fiir pdxap ""gliickselig’. Gleich- 
artige Neuexungen bei den /z-Stammen, s. S. 329. 

193. 4. Die mehrsilbigen .s-Stamme zeigen im Stamm- 

suffix denselben Declinationsablaut wie die 7i- und r-Stamme 
(§ 192), doch war das -s des Stammsuffixes in uxidg. Zeit, wie 
es scheint, duxchgangig voihanden, also z. B. Ausgang -es 
gegeniiber -m -e, -er -e. 

Uxidg. diis-me7ies ""iibel gesinnt^ Ai. dur77fia7ids ‘'mis- 
mutig, betxiibt'’, av. dusma7id ‘"schlecbt denkend"*, apexs. aspa- 
cand Eigenn. (wol zu ai. cmas- n. ‘^Gefallen^), ai. ya'sds ‘'herrlich^ 
(I § 649, 7 S. 49S). Gx. ooapsvTjc ‘"iibel gesinnt, feindlich"' 
‘'triigexisch^ Lat. pubes puber^ de-geiier (-r fiix -s aus den an- 
dern Casus). 

Uxidg. ^^dusbs Txiihlichtb Ai. usas. Gx. horn. Y]d); att. sco;. 
Lat. JioTibs lioTior [-r aus den andexn Casus). 

Uxidg. Compaxat. *dk{i)ids ‘'schnellexk Av. dsya. Lat. odor 
[-r aus den andexn Casus). Air. smiu ''alter'’ mao mo "gxossexk 
Ubex ai. asiyqs aslya7i fiix ^abiyas und aksl. slazdifi "siissex'’ fiix 
^sladga s. §135 S. 403. 



§ 193 — 194.J Casiisbiidiing der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 


531 


Uiidg. part. perf. act. iieidtios oder "uidues ''wissend\ 
Av. mdvti. Gr. siod)^. Duich Neubildung ai. vid~vqs zid-mn £iir 
lit. da-dqs ""gegeben habend^ mtr-es ‘'gestorben'* fiir 
'^-es und aksl. da-vu mir-it fiir ^-a (oder *-ve 

^-i). Daneben scheint es in uiidg. Zeit auch einen Nom. auf 
'^-us gegeben zu haben; ai. ved. ziduq av. vl.did^ wozu man 
auch osk. sipus kciens^ und aksl. 7mru stellen kann. S. S 13b 
S. 412 ff. 

Anm. Zweifelhaft bleibt, ob in der idg. Urzeit aucb Stamme auf 
dentale Verschlusslaute asigmatische Nominative batten. S. § 19S S. 53G f. 

194. H. Foimen mit dem N ominativzeichen -s. 

1. o-Stiimme. Uridg. ^ulqo-'S AVolF. Ai. vrJca-s^ av. 
zeh'ko [velirkas-ca "^lupusque^) , apers. kara ‘^Yolk, HeeF (s. I 
§ 556, 3 S. 412 f., § 55S, 4 S. 417, § 646, 3 S. 493 und jetzt 
auch Baxtholomae Kuhns Zeitschr. XXIX 5 72 £). Armen, gail, 
mcn'd ^MenscK = ai. 7rtrtd-s (I § 651 S. 499). Gr. Xuy.o-^. Lat. 
lupu-s^ equo-s. tir aus ^zir[o]-s. satin' aus '*''satitT{o)-s, morti-fer 
und -feru-s (letztexes Neubildung), agei' aus " agr[o)-B\ umbr. 
pihaz ‘'piatus^ Ikuvins ""Iguvinus^, agei' ‘^ager^ katel ‘'catulus^, 
osk. hurz ‘^hortus^ Pumpaiians ‘^Pompeianus^, famel ‘^famulus\ 
s. I§ 655, 5. 9 S- 505. 50S (die Bedingungen der Synkopierung 
des - 0 - im Lateinischen sind noch nicht geniigend aufgeklart, 
vgl. mors aus '^mort{i)-s u. dgl. § 195). Air. fer Alann^ aus 
"^'Uiro-Sj aile ‘'alius^ aus *ali[^o~s (I § 34 S. 36, § 657, 3. 5. 10 
S. 510. 512 und S. 566); gall, tarzo-s ‘'Stier'*, Aiideca^mdo-s. 
Got. vulf~s^ vair ‘^Mann^ aus '^iiir{a]-z. ahd. toolf^ acchar k^eker^ 
= got. ah'-s (I § 660, 6 S. 519 1), g 001 ^ 2. 5 S. 520 f.), vgl. 
auch got. hra-s ahd. Ince-r ice-i' Sver?^; in der Lex Sal. /bcZa 
~ ^fogla-{z) A'^ogeP, nord. run. daga-n ""Tag^ = aisl. dag-r got. 


1, Ber abweicbenden Braune'schen Passung des das got. cair betreffen- 
den Lautgesetzes .Got. Gramm. '^ § 78 Anm, 2; schliesst sick neuerdings 4T. 
Schulze Luhn's Zeitschr. XXIX 271 an, indem er stiur fur zweisilbig er- 
klart* Aber diese Erklarung ist nicht gestutzt (s, Osthoff Paul-Braunek 
Beitr. XIII 454 f.), und es steht uberdiess Jidvor aus *Jidvo7'~[i]z f§ 320; im 
"Wege, wahrend ahrs, das nach Braime selbst '§ 27] zweisilbig war, ganz 
bei Seite zu lassen war. Ich bleibe also bei meiner Deutung a. a. 0. 



532 


Casusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. [§ 194 — 195. 


dag-s\ got. liarji-s ''Heer'’ aus indem dieses zu "^Jiari-s 

ward und j aus den obliquen Casus neu eindrang (I § 660 
Anm. 3 S. 517 Kauffmann Paul-Braune's Beitr. XII 539, 
Streitberg ebend. XIV 181), Lit. vUka-s\ liber Wegfall des -a- 
der letzten Silbe s. I § 664, 2 S. 525. Lber aksl. 'gIuJcu s. u. 

Die -?‘6)-Stanime bildeten z. Th. den nom. sing, auf -i~s -i-s 

-I- Tiefstufenformen zu -io-). entsprechend dem acc. sing, 
masc. und neutr. auf (§ 212. 227). Alat. ali-s Corneli-s 

neben alius Cornelius^ osk. Kiipiis ‘'Cipius^ Got. iin-nuU ‘'un- 
niitz^ aus liairdei-s ‘'Hirte'’; ags. sec^ "Mann"* fiir ui- 

germ. ^sagi-z. Lit. zodi-s ‘^WorB mdjis ‘"Wink" gaidys ^Hahn^ 
neben vejas ""Wind^ sveczias ""GasP u. dgl. : hierher wol auch 
aksl. Jzraji ‘'Rand^, konji ""Pfeid^ fiir "kom mit Erweichung des 7i 
nach der Analogie des Gen. u. s. w. Vgl. § 63 S. 116 und Streit- 
berg a. 0. 166 ff. 

Anm. 1. Bass die Nominative auf (vie lit. veja-sXsX, allii-s) im 
Slav, nicht vertreten sind, war vieUeiclit darin begriindet; dass lautgesetzlicli 
der Ausgang also eine vocativisch aussekende Endung entstanden war. 
Ygl. § 201 Anm. 2. 

Anm. 2. IVaren die der z-Declination angehOrenden Formen wie ai. 
saratlii-s 'Wagenlenker’ av. mazdayasni-s 'mazdajasnisch' lat. decemjugi-s 
'§93 S. 264) ursprunglich ?b-Stamme ? 

Aksl. vlilku war Accusativform. Anlass zuni Ersatz von 
^dluko durch diese Form war, wie es scheint, der Umstand, 
dass bei den /o- den i- und w-Stammen Nom. und Acc. lautgesetz- 
lich zusammengefallen waren [~i aus und ~u aus 

und War im nom. acc. neutr. der adjectivdschen 

e-Stamme der in der historischen Zeit vorliegende Ausgang -o 
(wol aus ^^-o-d) friiher eingetreten als die Verdrangung des 
im nom. sing. masc. durch. so kann bei ihnen, nachdem 
der nom. masc. und der nom. acc. neutr. in -o zusammengefallen 
waren, auch das Bestreben, die beiden genera auseinandeizu- 
halten, zum Ersatz des ~o durch ~u im nom. masc. beigetragen 
haben, vgl. § 227. Anders uber aber nicht iiberzeugend, 
Kozlovskij Arch. f. slav. Phil. X 657. 

195. 2. ^-Stamme. Uridg. '^'oui-s ‘'Schaf. Ai. dvi-s\ av. 

azis ""Schlange, Drache"*, apers. hiyatis "^Ort des Behagens, 



§ 195 — 196.'^ Casusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 


533 


Wohnsitz^ (= lat. q^ides^ gen. quietis). Armen, sirt ‘^Herz'* == lit. 
szirdi-s^ iz ^Yiper'' = ai. dhi-s (I § 651 S. 499). Gr. ocpi-c ""Schlange. 
D^ache^ Lat. oti-s, timi-s] acer aus '*dcri-s. daneben dcri-s 
als Neuschopfung, mo'rs — ai. 7ni'fi~s und so bei vielen 

/i-Stammen Synkope des -i- dex letzten Silbe (die Bedingungen 
dieser Synkope sind noch nicht geniigend ermittelt, vgl. die 
analoge Erscheinung bei den o-Stammen, § 194 S. 531); umbr. 
qyacer ^pacatus, propitius'*, osk. cevs ''cms'’ aidil ‘'aediiis^, s. I 
§ 33 S. 35j § 633 S. 476^ § 655, 5. 9 S. 505 f. 50S. x\ir. faith 
Vates"* aixs (I § 657, 5. 10 S. 510 f. 512); gall, rati-s 

""Farnkraut^ = ir. raitli. Got. a7isf-s ‘'GunsF haur ^Sohn"" aus 
'^'bufiyz (Trie vat)' § 194 S. 531), ahd. atist ^'GunsF chiani ‘^das 
Kommen^ = got. qum-s^ ahd. mini ‘^Freund^, aber Frida -torn 
Lioh-tcm (I § 660, 1 S. 517, § 661, 2. 5 S. 519. 521); nord. run. 
gasti-R ‘'GasF = aisl. gest-r got. gast-s. Lit. tiaJdl-s aksl. jiodfl 
'NachF (I § 665, 4 S. 528). 

Beachte ai. vfs ‘'VogeF neben vi-ii lat. avi-s^ entspxechend 
die Ykirzelnomina av. yao-s S-exbiindet, befreundet^ gao-s 
^laut schreiend^ Yielleicht ebenso lat. ei-s l-s eis-dem neben 
7-6 =: got. «- 5 , s. § 416. 

196. 3. ^^-Stamme. Uridg. sunu-s ‘^Sohn\ Ai. simu-s\ 

av. hZizn-l> ‘^Arm^, apers. kuru-s (lies kurus) Cyrus. Armen, zmrl 
‘'Schmuck^ mark ‘'Tod'^ (§ 105 S. 300), s. I § 651 S. 499. Gr. rf/o-:; 
‘'LInterarm'’ ''siiavisb Lat. matiu-s. Air. hitli ‘'Y^elF (I § 657, 

5. 10 S. 510. 512); gall. Fsu-s [n^. Esu-nertus). Goi, sunu-s^ ahd. 
Siam simo, situ sito ‘^Sitte'' (= got. sidu-s)^ fridu frido ‘^Friede^, 
ohne -u -o Sigi-fidd, hand ‘'Hand^ (= got. handu~s\ vgl. die 
^'-Stamme § 195. Lit. sTmu-s ‘'Sohn^ saMii-s ‘^siiss'*, aksl. synu 
“^Sohn^ (I § 665, 4 S. 528). 

Die iran. Nebenformen auf -du-s (entspxechend acc. sing. 
-avam nom. acc. plur. -Zivas), Tvie av. hdzdu-s, apers. dahydu-s 
"^Gegend^, waxen vermutlich Neubildungen auf Grundlage des 
loc. sing, auf -cm, s. § 261. tT)er du\. nay u neben peFndyu-s 

u. dgl. s. Bartholomae Ax. Forsch. I 36, J. Schmidt Pluralbild. 
76 if. 



534 


Casusbildiing der Nomina. Norn. sing. masc. fern. [§ 197 — 198. 


197, 4. u- im- und t- u'-Stamme (vgl. § 109 S. 314). 

XJiidg. ^bJvru-s ^lugenbiaue^ * suekru-s ^soc^us^ Ai. bJirU-s^ 
imsTU-s^ tanU-s ‘'Koipei^, clJii-s ""Gedanke^j nadi-& ^Fluss'’; av. 
ber^zai-tli-s [acc. ‘'dessen Einsicht gross ist\ Gr. dcppo-c, 

V£'/u-; "Todter^, xT-c "Koxnwurm'', iroAi-c; ‘'StadE. Lat. stl-s, m-s ; 


socni-s als e^-Stamm, eine Folge des Zusammenfallens der Aus- 
gange der u- und der ?^-Stamme im acc. gen. dat. sing. (§ 217. 
233. 254). Aisl. sy-r ahd. su ‘'Sau^ (I § 661, 5 S. 521); die mehr- 
silbigen erscheinen nach der Art der e^-Stamnie bebandelt, ahd. 
migar ''socrus'' (daneben stoiger nach mzioter), got, asilu-qaimu-b 
f. ‘^|xuAoc; ovixdc, Miihlstein'' ahd. quirn gegen aksl. zn7iy f. ‘^Muhle^ 
Apoln. kry nslov. kri ‘^BluF == aksl. ""kry (wofiir hruv-i eintrat), 
aksl. svehy (I § 665, 4 S. 528). 


Die entsprechende Nominativbildung bei den y- 77ji-, J- U- 
und p’-Stammen (I § 312 S. 253, II § 160 S. 455 f.). Ai.Ja-s 
"Wesen^ aus *§7}-$^ gd-sd-s *^Ilinder gewinnend^, av. xa ^Quelle^ 
(vgl. ace. ved. klidm § 217), ai. pur ^Burg"" aus *pl-s^ gir ^Preis, 
Lob"' aus Aus dem Griech. hierher wol d)tro--^3pd>;, ‘/pd?* 


198 , 5 . Stamme, deren Suffix auf einen Verschluss- 
laut ausging. 

a. Suffix e -i- -tat — tiit-. Ai. risva-Ji-t ‘'alles durch Sieg 
erlangend" sai'rd-tM '"VollkommenheiF (I § 647, 7 S. 496), av. 
haurva-ids AVolbehaltenheiF (I § 473, 2 S. 351). Gr. ‘'Lohn- 
arbeiteF aus *07 ]-t-c, voS ‘'NachF aus ^vox-t-c, 6Xd-tr^c k^llheit, 
GesammtheiF. Lat. com-es (gen. co7n-i-t~is) 7iox (gen. noc-i-h]^ 
nori-tas, juven-tm. Air. cing (gen. cinged] ‘'Held, KriegeF = 
gall. ^Cmges (St. Cmget-)^ air. ditiu ‘'Jugend'* aus '^[i)ovetu[s) = 
lat. jmentus, 

Im Germanischen waxen Formen wie got. nalit-s ‘'NachF 
mmops AlonaF ahd. 7iaJit mmiod Neubildungen ; denn aus -is 
war bereits im Urgerm. -ss {~s] geworden (I § 527 S. 384). Sie 
mogen durch das Bestreben veranlasst worden sein, die in den 
andern Casus rein erhaltene Stammform wieder herzustellen, 
vgl. got. instr. plur. frijd7id-am neben tigum § 379. Uber No- 
minative wie ahd. 7iefo aus ^7iefd[d) s. S. 536 f. 



§ 198.] Casusbildung der Nomina. Nom. sing, mase, fern. 535 

Suffix -nt-. Uridg. z. B. '^hhrgJiont-s^ event. 

'^hhrghent-s (s. § 125 Anm. 2 S. 371 f.) "^ragend^ hoch^ Ai. hrlicin 
av. her^zqs (I § 647, 7 S. 496, Bartholomae Killings Zeitschr. 
XXIX 501 ff. 517); ai. dddat ‘'gebend'' aus ^dadat-s av. staDcis 
‘"preisend^ aus ‘sta'cat-s, Gr. dziz Vehend^ = ai. vcm^ gCrf- 
'^uents. odo’j? '^Zahn''; liber -tov in cpspcov u. dgl. s. u. \jdX. ferens^ 
dens, stdns = gr. ara? : umbr.zef ef serse ‘^sedens'' (I § 655, 9 S. 507). 
Air. ca7'e cava ""Freund^ “"Anzahl von 3u^ 

(gen. tri-chat) — av. pri-sqs (I § 657, 10 S. 512). Lit. cezqs 
S^ehens^ dial, vezans vehiis^ preuss. sidans sldo7is ‘^sitzend'’: aksl. 
vezij ‘'vehens^ zunachst aus ^vezuns nach I § S4 S. SO, § 92 S. S7. 
§ 219 S. 1S8. 

Im Altind. ^varen tycui ‘^tantus^ My an kjuantus^ Neubil- 
dungen nach den becleutungsverwandten wie tca-vTui ‘'einer der 
so ist wie du^ (s. S. 536). Im A vesta erscheint in den Participien 
neben -as d-ants) und -as {"^-ats) auch -d = ar. ^-<75, und dieses 
ist der haufigste Ausgang unserer Participia, z. B. per^so ""fragend" 
hisio Vehend\ Bartholomae Kuhn’s Zeitschr. XXIX 557 ff. 
combiniert diese Formation mit vedischen Formen wie pra- 
mpid-s neben pra-mpmn ‘"zerstorend^ risrain-mcd-s hn alles ein- 
dringend^ neben incan, indem er annimmt, eine Anzahl von 
x\djectivcomposita auf idg. mit participial er Function seien 

in enge Beziehung zum entsprechenden Verbum getreten und 
hatten so Anlass gegeben, dass ihr Ausgang auf die eigentlichen 
Participia mit -nt- iibertragen wiirde. Lurch weiterwirkende 
Analogic wurden dann im Av., wie es scheint, zuweilen auch 
von ^^^/^^^-Stammen Nom, auf -vd gebildet, wie par^na-db hnit 
einer Feder versehen^ (s. Geldner Kuhn’s Zeitschr. XXX 515), 

Im Griechischen neben -ou- (aus ^-ovt-c) die Formen 
wie cp£p(ov ^tragend^ lodv ’^erblickend^. Da -tov weder aus "^-ont-s 
Oder '^-ont-s noch aus "^-dnt herleitbar ist, fur einen idg. Aus- 
gang "^-on bei den ^^^^^-Stammen aber andere ziiverlassige Zeugen 


1) In § 125 S. 371 Hess ieh falsddiclierweise, herkommlicher x\nscliau- 
nng folgend, neben *-o-7its auch "^-dn als altuberkommenen Nominativaus- 
gang zu. Ieh babe dieses bereits in meiner Gr. Gr. ^ S. 109 berichtigt. 



536 


Casusbildung der Nomina, Nom. sing. masc. fern. 


[§ 198. 


nicht Torhanden sind^), so vermute ich, dass einerseits nach 
dem Verhaltniss von neutr. io{xov tXov zu masc. iO|xcov 'irimv 
u, dgl. sich zu -ov (aus ein masc. -cov bildete, und zwar 

zunachst bei rein nominal gebiauchten Participien wie psXXmv 
‘"kiinftig'* sy.cnv ‘'fxeiwiliig'*, dass anderseits aber auch das Ver- 
haltniss von voc. xbov oalpov zu nom. xuojv oaipcov u. dgl. sub- 
stantmsche Nomin. wie yspmv (voc. yepov aus ^~ovt) entstehen 
liess, 

Iin Germanischen waren Formen wie got. frijojid-s ahd. 
friunt ‘'Freund'* Neubildungen von derselben Art wie got. me- 
7idps ahd. mdmdj s. S. 534. Ahnlieh preuss. dllmit-s ‘'arbeitend'* 
und lett. dugiit-s Svachsend" aus ^-a7it[i)-s. 

Suffix -imit-, Ai. tva-vqs -van av. piod-vqs ‘'einer wie 
du'^j ai. cwia-vqs -van ‘'machtig andringend, kraftvolh aus 
^-vd?i$, aber av. ama-vd aus '^-vds, Urar. ^-vans in ^'tva-vmis ver- 
mutlich fiir ^-vas durch Einfluss von -vani-a^n -vant-as^ urar. 

aber, das im av. cma-vd festgehalten wurde^ gehorte zu 
Suffix -ues — iios-. Vgl. § 127 S. 379, § 136 S. 413, § 20S. Gr. 
GTovo'-su ‘'klagend, klagliclF aus ^-/cvr-c. 

Anm. 1. Bartlioiomae Kuhn’s Zeitschr. XXIX 499 ff. 518 f. setzt idg. 
*-uent-s an, worin ich ihm nicht zu folgen vermag, Der Ansatz von urar. 
nom. "^-vus erklart, beilaufig bemerkt, auch den Ubergang von -i;<55W25-Stam- 
men in -^•<z??~Stamme (ai. rk-va7it- und rk-van- 'singend’ av. ama-vayit- und 
amci-can- u. s. vr.) einfacher als Bartholmae’s Theorie S. 540 f. : -vas hatte 
die satzphonetische Nebenform -vci, die dem Ausgang der i;fl;z-Stamme 
glich (§ 391). Vgl. auch umgekehrt ved. varwidt-d zu nom. varhnd (St. 
I'arimdn-) ‘^Weite’. 

Suffixe auf -r/, uridg. Nominativausgang -ts. Ai. sai'dt 
‘'Herbst^, St, sajrad-. Gr. cpoyd; "fiuchtig'*, St. cpuyad- ‘'Schild'*, 
St. darcid-. Lat. lapis ^ St. lajnd-^ palus St. palud-, — 

Wahrend in alien bisher genannten Formen -ts als uridg. 
Ausgang anzusetzen war, kommen auch, namentlich im Ger- 
manischen, Formen vox, die auf einen uridg. asigmatischen 
nom. sing, hinzuweisen sch einen, wie got. me^ia ahd. md?2o, wol 
auch lit. m.e?iu aus '^mendt neben got. me?idp-s ahd. mdndd 

1) Lit. sedwi und lett. sedw (J. Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXVII 392) 
sind keine solche Zeugen. 



§ 19S — 199.] Casusbildung der Nomina. Nom. sing. masc. fern. 


537 


(§ 123 S. 369 f.), ahd, nefo aus iirgerm. '^nefod neben lat. /lepos 
(a. O.), ags. licsie aus urgerm. ^-/alep neben heeled (a. O-)., ahd. 
zmi ^Zahn^ aus urgerm. "^tcml) (in I § 527 S. 3S4 falschlich auf 
urgerm, zuriickgefiihrt) neben ai. dan gr. ddod;. Andere 

Beispiele bei Kluge Pauls Grundr. I 390 f. Hier gibt es 
zwei Moglichkeiten , zwischen denen eine Entscdieidung mir 
vorlaufig unthunlich erscheint. Entweder gab es neben den 
Formen auf -ts in der That von allem Anfang an aiieh asig- 
matische; zu Gunsten dieser Auffassung kdnnte man den Ab- 
laut in '^yalep geltend machen (seinetwegen setzt Kluge a. O. 
3S5 auch idg. nom. neben acc. '^pod-m an). Oder es war 
in voreinzelsprachlicher Zeit unter bestimmten satzphonetischen 
Verhaltnissen das -6* von ~fs geschwunden 'vgl. den Schwund 
von s- in si- u. dgl. I§ 5S9, 3 S. 447, § 645 S. 492). Vgl. auch 
Bartholomae Stud. z. idg. Sprachgesch. I 65. 

Anm. 2. War -ii in Incenni lautgesetzliclic Fortsetzung von 

urgerm. '^-ut = idg. '^-od (§ 241 , so vrird das -o von mtaio nefo durcli An- 
lehnung an den Nominativausgang der ?^-Stamme vie gomo entstanden sein. 

b. Suffixe auf -A: und -g, Ai. tisik (St. idij'-) S'erlangend^, 
av. zisixh (St. zisij-) eine Art Damon; zu ai. spat ‘'SpaheF u. dgl. 
s. I § 401 Anm. 2 S. 299 f., § 404 Anm. 3 S. 302. Gr. 

(St. ticipay.-) ^Madchen^ cpdXaY; (St. cpa^ayY-) ^Schlachtreiheb Lat. 
senex ;St. se7iec-), hibax (St. bihac-). Air. aire ^princeps^ aus 
^ariah-s, gen. airech^ ail ‘Eels, Stein^ aus ^'aleh-s, gen. ailech^ 
7iailiu' '^Wasserschlange'' gen. 7iathrach \ gall, esoz — mir. eii (gen. 
iacli) Eachs^ (I § 657, 10 S. 512). 

199. 6. Vielleicht sammtliche Wurzelnomina batten 

in uridg. Zeit -s (vgl. auch § 197). Beispiele: 

Uridg. Eavish- ai. nau-s gr. vao-c. ^ J(7)? ‘^Him- 

mel; lichter Tagb- ai. d[i)ydu-s^ gr. Zs6-c, ahd. Zio aus t{i),eu[z^ 
(Streitberg Die germ. Comp, auf -bz- IS). Ochse, 

KulF; ai. gau-s av. gaii-s, gr. pou-rj air. bb (I § 657, 10 S. 512). 
Ob gr. Zt);, lat. dies und gr. dor. pdic, lat. bbs^ ahd. huo as, kb ^) 
nach dem acc. sing, (§ 221; gebildet oder die Fortsetzung uridg. 

1; Auch ags. cd aisl. Jcyr gehoren hierher, falls ihr u aus vb entstanden. 
war. Vgl. aber § 160 S. 452. 



538 


Casusbildun^ der Nomina. Voe. sing. mase. fern. [§ 199 — 200. 


satzphonetischer Nebenformen ^d{i)ie$ waxen, lasse ich 

unentschieclen. S. § 160 S. 451 f. und Streitberg a. O. 12. 
In Compp. ai. -gii-s, z. B. su-gu-s ^scbone Hinder habend"*, als 
t^-Stamm flectiext, z. B. nom. plui. su-gdvas du. sii-gii. 

^iidq-s ‘'Stimme, E.ede''; ai. vak av. vdx-s, gr. 66, lat. vox. 
"^rek-s (Wuxz. reg-) ‘'Heirscher, Konig'’: ai. rat 'wie simt § 19S), 
lat. rex air. rl (gen. rig^ gall. nom. Dumno-nx)'. got. reik-s (nom. 
plur, reik-s] fiir ^reihs (1 § 527 S. 383 f.) war wol axis dem Kel- 
tischen entlehnt. Ky. lai^^s ^Hohe, hoch'* (gen. har^z-o her^z-o)^ 
air. hrl (gen. hreg) "Berg^ got. haiirg-s ""Burg, Stadt"* (gen. haurg-s) 
fiir lantgesetzliches '^haurJis^ von W. hJiergh-. Ai. dpcm av. 
apqs axis urar. *apTi7dk-s ‘^xiickwaxts gewendet^ (I § 647, 7 S. 496, 
Bartholomae KuhAs Zeitschr. XXIX 501 ff., 517 £.). Av. cif-s 
(St. ojp-] AVasser^, ai. stup (St. stiibli-] ‘^rauschendb 

So dar£ man wol auch '^mXis-s Alans^ ansetzen, woraus 
bereits im Uridg. '^mus (§ 356 Anm.): gr. poc lat. mus (§ 160 
S. 455). 

Im Griech. kann )^0a)v ‘'Erde^ (vgl. ai. ksti-s^ § 160 S. 453) 
eine Neubildung nach rpuycov u. dgl. gewesen sein, wie sicker 
yav yvjv '^Gans'’ fiir nnd pr^v Alonat^ fiir ion. u. s. xv. 

psic ans (§ 132 S. 3S9, § 160 S. 455] eingetxeten waxen; 

ebenso omp ‘'Dieb^ yr^o Agcf nach om-mp 6or/)p u. dgl. mehr. 

tber die fiir ki. pat gr. dor. ttoI;; t: 6; (horn. -pi-Troc) att. 7:06; 
lat. ^^6* Tnss^ vorauszusetzende Grundform s. § 198 S. 537: stan- 
den einst "^pod \^ped) und ^pot-s Cpet~s) neben einander? Das 
00 von TTou; ist nock nickt befriedigend erklaxt. 

Vocat. sing. masc. fern. 

200, Nur fiir die singulariscken Nomina mannlicken und 
w’eiblicken Geschlecktes haben die idg. Sprachen besondexe 
Vocativformen. Im Plural und Dual fungierten seit uridg. 
Zeit die Nominativformen zugleich als Vocativ, und im Neu- 
trum aller numeri vertrat diesen Casus die Form des nom.-acc. 

1) Benfey liber die Entstehung des indogerm. Vocativs, Abliandl. 
der Ges. der Wiss. zu Gott. XYII (1872) S. 3 ff. Bezzenberger Zur lett. 
Declination; Einige VocatiTformen, in seinen Beitr.-XV 296 ff. 



§ 200 .] 


Casusbildung der Nomina. Toe. sing. masc. fern. 


539 


Die sing, echten Yocativformen waren naturgemass ohne 
Casuszeichen, s. § iS4 S. 514. Dei Accent wax in iiiidg. Zeit 
auf die erste Wortsilbe gezogen, z. B. "^metier ‘'Mutter^ = ai. 
inatar gr, eine Betonung. die nur das Indische als durch- 

gehende Regel beibehielt. Doch batten die Formen nur im 
Satzanfang stehend eigenen Wortton. Ini Satzinnern waxen 
sie wahxscheinlich hauiig enklitisch. was in den ai. Litteratur- 
wexken Regel ist, z. B. idem indra h'mJii ""diess, Indra, hore^ 
S. I § 669 S. 537j § 672 S. 541. 

Die Anfangsbetonung exlitt in den aussexaxischen Sprach- 
zweigen viele Abandexungen. Theils musste sie einem durch 
das allgemeine Accentpxincip der betreffenden Spracbe gefox- 
dexten Accent weichen, z. B. gx. jVYdpcjxvov fiix ‘ iA.Yau.cfjLvov, lat. 
alumjie. ainplissione fiix ^'cihmine^ ^dmpUssimie nach Massgabe 
des Dreisilbengesetzes (§ I 676 S. 544, § 6S1 S. 551). Theils 
wurde der Tonsitz in andern Casusfoxmen desselben Stammes 
vorbildlich. z. B. gr. dai^pov statt ^odiopov nach oaiopcov (Vex- 
stiindig"/ oaicppovo; etc., auToxpdrop statt ^adxdxpaTop nach auxo- 
xpdxtop (hnit unbeschxankter Macht vexsehen^) auToxpaxopo; etc., 
oioysvE; statt nach oloycvr^c (^gottgeboren^) oioysvEo; etc. 

Theils mogen noch andere, vexstecktex liegende Factoxen wixk- 
sam gewesen sein, z. B. bei der lit. Yocativbetonung, wie vilke 
('^Wolf j, nakie (‘'NachF) ^). 

Auch in dex Einzahl wurde in gewissen Fallen, wie es 
scheint, bexeits in der Pexiode dex idg. Urgemeinschaft die 
Nominativfoxm im Anruf verwendet : vgl. z. B. ai. ved. (Rigv. 
I 2, 5) vd'ijaz indred ca cetathah ^Yayu und Indra, ihr habt 
achF, gr. horn. (F 276) Zeo Tidtsp . . . xs . . ., uixeI; [xdp- 

Topoi 8ax£. Und in den ineisten Sprachzweigen setzten sich 
dann die Nominatiyformen inehx und mehr an die Stelie der 
Yocativformen; zuweilen wax die uxidg. Yocativfoxm einer ge- 
wissen Stammclasse schon zur Zeit der altesten Denkmaler 
ausgestoxben , wie z. B. im Lat. dex Yoc. dex 5-Stamme. Am 


1) Bezzenbergefs Combinationen in dem in der Fiissnote S. 538 ge- 
nannten Aufsatze sebeinen mir sebr unsicher. 



540 Casusbildung der Xomina. Voc. sing. masc. fern. >§ 200 — 201. 

treuesten bewahrte das Indische die echten Vocatiyformen. 
Doch vrar aiich hier bei gewissen einsilbigen Stammen fiir den 
Voc. regelmassig der Nom. eingetreten, doch niit vocativischer 
Betonungsweise, wie diyaii’-s^ geschrieben chjaus (nom. dkjau-s)^ i) 
gegeniiber gr. Zso, hhii~s fErde"") gegeniiber gr. (‘'Fisch'*). 
In deni nur in Compp. auftxetenden Voc. -gd^ wie bJiTiri-go^ 
darf man vielleicht mit Collitz Bezzenberger’s Beitr. X 32 noch 
den idg. Voc. zu gdu~s erblicken. 

Anna. Im Indisclien galten die fiir den singalarischen Vocativ be- 
stebenden Tonregeln zugleich fur die pluralischen imd dnaliscben Nomi- 
natiyformenj wenn diese als Vocative gebraucbt warden 'vgl. das soeben 
genannte singnlariscbe diydu-h), z. B. pitaras (nom. pHdras A'ater’). Diess 
als ein Erbstiick ans nridg. Zeit zu betracbten hindert nichts, wenngleicli 
in den europ. Spracben solcbe Vocativbetonungen — man konnte z. B. att. 
d) Tratsps; erwarten, wie sing, u) Traxep — nirgends naebgewiesen sind. 

201. 1. o-Stamme. Uridg. Ai. vrlca] av. ^eJirka, 

apers. mariiyd ^Mensch^ (I § 649, 1 S. 497). Gr. Xdxs, adsXcps 
neben ddeAcpd-c ""BxiideF, daipdvis ‘'W under liche^^ Lat. lupe 
puere, fllie und fill zu filiu-s (vgl. u.); umbr. Tefre^ Fisovie. 
Air. jiT aiis maicc ‘'Sohn^ aus ^inahue, cell ‘^Genosse^ wol 

aus ^celiie (I § 657, 3 S. 510). Got, vulf^ hairdi ^Hixte^, ahd. 
loolfs Lit. vilke^ zodi [zodi^s 'WoxF) gcddy [gaidy-s "Hahn^), 
vgl. u. : aksl. i^luce. 

Anm. 1. tJber -d statt -cr imVediscben wie vrkihlid "'Stier’ s. Lan- 
man Noun-Infiection p. 339, Oldenberg Die H}mnen des Higveda I 393 ff., 
Wackernagel Das Debnungsgesetz der griecb. Compp. Basel 1889) S. 12 f., 
Bezzenberger in s. Beitr. XV 296 f. 

Dass in den lat ein. Vocativen der 76»-Stamme -I aus -ie 
contxahiext war, ist unexweislich. Wahrscheinlich liegt hier die 
Tiefstufenfoxm -I- vox, wie sicbex in lit. voc. gaidp und wie 
in den ital. Nominativen auf -is -i-s. Vgl. § 63 S. 116, § 194 
S. 532 und Stxeitberg PauLBxaune’s Beitr. XIV 201. 

Im Litau. kommt in M^nernamen auch der Ausgang 
-ai vox, wie tevai ""Vatex^ Jdnai ‘^Johannes^ (vgl. Bezzenberger in 
seinen Beitr. XV 299). War -i dasselbe Element wie in den 
pxonominalen Nom. auf -oi (§ 414), worauf av. voc. haenp ; nom. 


1 ) Zu dieser Betonung s. Bartbolomae Stud, zur idg. Spracbg. I 82 f. 



§ 201 — 202.] Casusbildung der Nomina. Voc. sing. masc. fern. 


541 


l)y:di (§ 202; fiihrt? Bruckner Archiv f. slav. Phil. Ill 276 ver- 
gleicht clas hervorhebencle ~ai in tas-al toJcs-al grazus-ai u. dgl. 

Uber aksl. Jumce zu nom. jiunn- jimger StieP ii. dgl. s. 
I§ 147 S. 135. Solche {<9-Stamme, die im Nom. nicht auf -ct 
-zi ausgingen, batten im Toe. den Ausgang der 2 ^-'Stamme 
(§ 203), wie hrajii (nom. hraj > ^Eand^) mqzii (nom. ^nqzl.. ‘'Mann^). 

Anm. 2. Ob zu letzterem Metaplasmus der Umstand Aniass gegeben 
hatte, dass es einmal neben den Nom. wie liraji honfi^ die sich zu den lit. 
ynoji-s zodi-s und zu lat. ali~s stellen, den litauisclien rvie veja-s ATind" 
sveezia-s ^Gast' und den lateinischen rde altu-s entsprechende Nominative 
auf = idg. "''-io-s gegeben hatte'^ Zur Untersebeidung vom Nom. auf 
'^-ie biitte man den Yoc. auf umgebildet, die Nominative selbst aber 
waren spater in die Classe der Nominative auf -[i is ubergegangen. Vgl. 
§ 194 S. 532. 

202. 2. ^^-Stanime. Uridg. '^ekua. vgl. § 50 S. 103. 

Hierher wol ai. arnha AlutteP; liber die ar. Yocat. auf 
(ai. -d av. -e] s. unten. Gr. horn, vutaod f. ^Nymphe^; haufiger ~d 
bei den Masc. erhalten, wie ‘'Herr^ aojSmta "Sauhirtb 

Aksl, rqho. Hierher wahrscheinlich auch lit. rankd und mit 
Wegfall des -a motijii zu nom. moiyyia AlutteP, Mar ink zu 
nom. Marinkd u. dgl., s. I § G64 S. 524 und J. Schmidt Kuhn's 
Zeitschr. XXVII 382. 

Am Arischen war ^-ai die gewohnliche Endung; ai. 
dsve av. liaene. Der Ursprung dieses Ausgangs ist unsicher. 
Am wahrscheinlichsten ist mir Antritt derselben weisenden Par- 
tikel die im nom. sing, auf -ai^ av. picoi her^xde preuss. 
stai meyisai (s. § 190 S. 525, § 414), auftritt. Y"gl. lit. tevai § 201. 

Anm. 1. Bopp Vergleich. Gramm. I ^ 297 und J. Schmidt Kuhn’s 
Zeitschr. XXYII 381 f. vergleichen mit ai. dive das gr. lluO-or. Andere nehmen 
Neiibildung nach den z-Stammen ai. dvB, an. 

Dass im Ar. das -a im Yocat. der d-Stamme so gut wie ganz aufge- 
geben vurde, hing wol damit zusammen; dass idg. -a :*eJaia f.) und 
gekue m.) in -a zusammengefallen varen. 

Im Griechischen bekamen bei den Masc, die Formen 
wie ‘'Eppsia aivapir/], die formell Nominative waren, gegeniiber 
den 5 -Nominativen “^Epusia-c aivapstT]-; das Geprage und die 
Bedeutung von YAcativen, s. § 190 S. 525. 

Die masc. Vocativformen auf -a warden auch nomina- 
tivisch verwendet, wie iTUTvotrd 'RosselenkeP, ©osard, vgl. den 



542 


Casusbildung der Nomina. Voc. sing, masc. fern. [§ 202 — 203. 


iat. Voc. Ju-plter Juppiter (§ 210)^ der aueh noniinativische 
Function bekani. S. Verf. Morph. Unt. II 199 f. Curtius^ Stud. 
IX 259 fF., G. Meyer Gr. Gr. 2 S. 31S f. 

Anm. 2. Anders iiber i^Troxa aber mich nicht iiberzeugend, Fick uiid 
Bezzenberger in des letzteren Beitr. Ill 159. 174, ferner Johansson Kuhn's 
Zeitschr. XXX 426. J. Schmidt Pluralbild. 401 ff. schliesst sich meiner Auf- 
fassnng von iTiTroxa an, meint aber, sie sei nnr moglich, vrenn wenigstens 
ein Stamm existiert hatte, der von Anfang an und ohne Formubertragnng 
-d soTVol im Nom. als anch im "VVc. besass, Dieser Stamm sei eupuo-a ge- 
Tvesen, urspriinglich ein neutrales Substantiv mit der Bedentimg AVeitaugeb 
supuoTra Zsu? also nrsprunglich AVeitange Himmelb spater umgedeutet zii 
'Weitseher Zens’. Diese scharfsinnige Erklarung von £up6o7:a wird richtig 
sein, aber nnrichtig ist, wie lat. Jupiter zeigt, dass nnr erst durch dieses 
Mort der nominativische Gebranch der Vocative ir.T.oza u. s. vr. konne angeregt 
geTvesen sein. Man wird eher umgekehxt anznnehmen haben, durch be- 
reits vorhandene nominativische Verwendung der Vocative vs^peXrjYspixcx, 
[xri’ziz'za u. dgl. vor Zs'j? sei die Umdeutung von £upuo-a Zsu; zu AVeitselier 
Zeus’ erleichtert imd der Ausgang von e'jpuor^a vor Zeii; gegen flexivische 
Umanderung geschutzt worden, wie eupuoTra vor Z'Tjv wol durch die Ana- 
iogie der masc. Accusative auf wie atOo-n-a, geschutzt wurde. 

Zu FTpcf^jLaoTp; im Att. der voc. 2xps<]^iaocc nach den Voca- 
tiven der ^^-Stamme wie Zmxpar*; (§ 209). Vgl. im gen. sing, 
-aoooc fiir -aooa § 229. 

Italisch. Lat. equa war Nominativform ; die Vocative 
auf idg. wurden vielleicht darum aufgegeben, weil zu 
'B geworden und so der gleiche Ausgang wie bei den o-Stam- 
men entstanden war (I § 97, 3 S. 92). Auch umbr, Tursa (eine 
Gottin] muss Nominativform gewesen sein, falls das Instru- 
mentalzeichen -e, z. B. in pure ‘'igne^, idg. war, s. § 274. 

Ob irisch tuatli echter Voc, war, aus oder die No- 

minativfoim, ist nicht auszumachen. 

Got. giha ahd. geha waren Nom., bez. Acc., s. § 190 S. 525 f. 

203, 3. i- und ^^-Stamme. Theils auf oder "^-ei 

und *-ou oder theils auf und 

a. oder : ai. dve av. aze (neben azi)\ lit. 7iahte 

aksl. 7iosti. ^-i : av. azi (neben aze)\ gr. ocpi; got. ahd. mist. 

Air. faith kann aus beiden Grundformen hergeleitet 
werden (s. I § 657, 1. 4 S. 509 f.). 



§ 203 — 206.j Casusbildimg der ISromina. Voc. sing. masc. fern. 


543 


b. Oder : ai. stmd: lit. sunau^ aksl. synu. ay. 

hazu\ gr. got. mmi^ ahd. dtu sito. Auch wird gr. t7:7:3!j 

mil 4Yackernagel Kuhns Zeitsehr. XXTY 301 if. auf 
zuriickzufiihren und dem ai. dhvayo (nom. alcayu-s ‘'Rosse be- 
gehrend^) gleichzustelien sein (liber die Formen 
u. s. w. sieh § 2G1). 

Uber die a vest, heteroklitischen Formen auf -5, wie ras- 
raito (St. rahm- ‘'GerechtigkeiF), s. Bartholomae Ar. Forsch. 
I 50 f. 

Im Got. erscheint neben -u bfter -au. Doch kann, bei 
dem eigentiimlichen Schwanken der Handschriften zwischen 
u und au in alien Singularcasus, das auf Ubergang von u in 
o [au] detitet, auf eine Vocativform -du == '^-ou oder nicht 
mit Sicherheit geschlossen werden. Vgl. Leo Meyer Got. Spr. 
S. 574, Leskien Die Declin. im Slav.-Lit. und Germ. 70^ Braune 
Got. Gr. S. 44. 

204. 4. 7- ?^-Stamme (vgl. S. 520 Fussn. i). Die in Be- 
tracht kommenden Formen sind ai. hrhafi 2 i\.harenfi, gr. cpipooaa, 
got. frijTjndi^ von denen aus auf die Zeit der idg. Urgemein- 
schaft Schliisse kaum gemacht werden konnen. Ar. -f neben 
nom. wie bei den a-Stammen -a neben nom. -d. Aksl. 
zeinlje zu nom. zemlja wie rqko : rqka. 

205. 5. 7- n-Stamme imd u- ?m-Stamme. Den uridg. 
Typus vertraten vielleicht gr. ij^&u horn. 0srl und aksl. sx>ehry\ 
auch ahd. su und s%mgar (aus ^siiekru) konnten echte Vocativ- 
formen gewesen sein. 

Ved. Tiddi [nadi-s ‘^Fiuss^) und Icdlru wie hrliati (§ 204). 
Bei den einsiibigen Stammen fimgierte regelmassig der Nom. 
ais Y"oc., wie dhl-s^ hhil-s (§ 200 S. 540). 

206. 6. w-Stamme. Uridg. '^k[ii)no7i. Ai. Ivan. Gr. 
x’jov, 'Xt.oXXqv. 

Wenn im A vesta -'?n fiir -7i geschrieben wurde, wie p)'i- 
zafem [p-ri-zafan- Mrei Rachen habend^), dp7'ao?n fiir dp7'ave77i 
(I § 158 S. 143) = ai. dtliai'van '^FeuerpTiester^ so hatte diess 
wahrscheinlich in satzphonetischen Yerhaltnissen seinen Grund 

Brugmann, Grundriss. II, C. 35 



544 


Casusbildung der Nomina. Voc. sing. masc. fern. [§ 206 — 208. 


(vgl. Bartholomae Bezzenbergei’s Beitr. XV 40, Stud, zur idg. 
Sprachgesch. I 72). 

Im Griech. -ov nur bei barytonierten Stammen; bei diesen 
auch die Xominativform, wie stets bei den oxytonierten. Ebenso 
stets nui die Nominativfoini; kein ~£v. 

Im Litau. die Xominativform, szic ""Hund^, pemu ''Hiiten- 
knabe'’, daneben szime pemene nach der z-Declination. 

207. 7. r-Stamme. Uridg. Ki. matai\ dcv , jyiatar^ . 

Gr. {XTjTsp. \idX,matey\ Jupiter J'uppiter. hhi.matldr. KhA.muoter. 
Uridg. '^hhrcitor ^ ^dotor, Ai. datar. av. datar^. Gr. cppatop, 
dd)Top. Got. hropaTj ahd. Iruodar. 

Ob die germ. Eormen wirklich Voc. und nicht Nom. waren, 
wie lat. dator, soror und air. siur^ ist nicht auszumachen. Zu 
den germ. Eormen vgl, auch § 192 b. mit Anm, 1 S. 529 f. 

208. S. Stamme auf Versch lussl ante. 

^^^5~Stamme. Uridg. ^hJirghonf, Ai, Vrhati, dddat aus 

^dedt^t (I § 647, 7 S. 496, II § 198 S. 535). Gr, Y^pov. 

Av, her^za zu dem nom. sg. auf -o, s. § 198 S. 535. 

Wie griech. y^pov auch xllav, zu nom. xAidc aus ^Ai/avr-^;. 
Horn. IlouXoodtxa wurde zum nom. nooAo-odpta; (aus ^“Oap-avT-?) 
hinzugebildet nach aivaosr/] : aivapsr/jc u. dgl. 

Got. frijo'ud ahd. friunt nach der o-Declination, vgl. nom. 
frijond-s friunt § 198 S. 536. 

Bei den Stammen mit Suffix -iient- erscheint im Ar., 
wie im nom. sing., Suffix -ues- an der Stelle von -uent~: ai. 
ved. dma-ras av. ama-db (belegt ist drdb = druvo aus "^drug-m^ 
zu gaj). drug-^vant- ‘'trugvolE, s. I § 453 S. 337). Erst in jiin- 
geier Zeit wurde im Ai. -ras durch verdrangt- Vgl. § 198 
S. 536, ferner § 127 S. 379, § 136 S. 413, Bartholomae Kuhn's 
Zeitschr. XXIX 519. 531 f. Im Griech. batten die /svi-Stamme 
keine Vocativform, es wurde der Nom. gesetzt. 

Was die iibrigen Stamme auf Verschlusslaute betrifft, so 
ist im Ai. nicht zu entscheiden, ob die einschlagenden Eormen, 
z. B. mdrut (Windgott) puru-hri ‘'thatenreicher^ dkrtta-ruk *^ 011 - 
gebrochenen Glanz besitzendeE, Vocative waren, da sie auch 
als Nom, angesehen werden konnen. Im Iranischen scheinen 



§ 20S — 211.] Casusbildung der Nomina. Acc. sing. masc. fern. 


545 


Fornieiij die fiir Yoc. gelten diirften, nicht iiberliefeit; Nom. 
statt Yoc. z. B. yasna 33, 8 haurvatZis fWolbehaltenheit, Heil\ 
Yon den enropaischen Sprachen batte nur das Griechische ein 
paar dentlieh als Yoc. chaiaktexisierte Eormen: ava aus "^dvax 
C^dvaxT) zu ava^ "^HerF, 'yivai aus 2:11 acc. Yovalx-a ^Weib^. 

Tcal (Tiaio-. Tzafio- ^Kind^) und Tooavvi (Topawto- ‘"Konigsherr- 
schaft^) konnten Formen von ^-Stiimmen gewesen sein. 

209. 9. 5~Stamme. 

Uridg. "^dus-mene s. Ai. durmanas^ av. dusmand. Gr. doa- 
xizvic , ]Sd)-'/paTc; ; lesb. nach dem Muster des Yoc. der 

a-Stamme auf -a, vgl. § 237 a. 

Zu St, ^ausos- ^FiiihlichF ai. usas. Gr. r^oT, wie atdoT, war 
nach den Fern, auf -m gebildet. 

Coinpar. uridg. ^dk[i]ioii: ai. ved. tdlyas. Part. perf. act. 
uridg. ^tieid-uos: ai. ved, luhas^). In jiingerer Zeit im Ai. die 
Neiibildungen iisltjan, tuhan, s. § 135 S. 402. § 136 S. 413. Lat. 
odor war die Nominativform. 

210 . 10. Uridg. ^d[i)ieu ‘"Himiner: gr. Zso, lat. Ju-piter 
Juppiter (auch nominativisch fungiexend i; dagegen im Ai. dyaii-s 
diijTiud, die Nominativform, diydii-s mit vocativischer Betonung. 
Vgl. gr. gegen ai. hJiU-s § 205. Uber ai. -go zu nom. gau-s 
s. § 200 S. 540. 

Accusal, sing. masc. fem.“) 

211. Das Suffix dieses Casus war im Uridg. duxchgangig 
-m, das theils consonantisch , theils sonantisch fungierte (vgl. 
I § 645, 2 S. 491). 

-m z. B. in uridg. "'lupum'*: ai. orka-m^ gi. aoxo-v 

(I § 652, 3 S. 500), lat. lupu~m, air. fer 71 - Surum^ (I § 657, 5. 8 
S. 51 of. 512), got. vidf aus urgeim. woneben noch 

pan{-a) = ai. td-m ‘'den'* mit bewahrtem iirgerm. -/z (I § 214 


1) Uber 5 Ao6- bhagos, die nicht hierher gehbren, s. Bartbolomae Fnhn's 
Zeitschr. XXIX 531. 

2. Lindfors Dissert, de accusativo Latinomm, Lund 1841. Gaedicke 
Der Accusativ im Veda, ISSO. 


35 "^ 



546 


Casusbildimg der Nomina. Acc. sing. masc. fern. 


[§ 211 - 212 . 

S. iS3, § 659. 5 S. 5i5j § 660, 1 S. 5i6f., II § 417)^), lit. miha, 
woneben dial, noch ta-n = ai. td-m u. dgl. il § 218 S. 187), 
aksl. vluM (I § 219 S. 189). 

-m z. B. in uridg. "^hheroni-m ‘^ferentem^ : gr. cpipovr-a (I 
§ 233 S- 199f.), lat. fereyit^em (I § 238 S. 201 f.), air. carit n~ 
(I § 243 S. 203, § 657, 5. 8. S. 510 f. 512), got. timp~u 'dentem' 
aus urgerm. (I § 214 S. 183, § 244 S. 204, § 659, 5 S. 515), 
lit. vezmit-i Vehentem^ (1 § 249 S. 206), aksl. hamen-i^). Uber 
wie in ai. hhdrant-am, statt eines zu erwartenden -a 
imd iiber kypr. d(v)6pia(v)T-av thess. yiov-av gegeniiber att. dv- 
opidvT-a xfov-a s. I § 231 Anm. S. 198, § 646, 2 S. 492 3), Verf. 
Gr. Gr.2 S. llSf. liber umbr.-samnit. -om fiir (lat.) -em s. § 218. 

Eine Form -m neben -m vermutet AVheeler Der griech. 

o c O 

Nominalaccent 20 f. in ai. pdr-d "^fort, bin, iiber^ = gr. Tisp-a 
"^ultra" und andern adverbialen Wortern. 

212 . 1. o-Stamme. IJridg. Ai. 'trka-m\ av. 

mhrhe-m^ apers. hdra-m ‘'Volk, Heer^ Gr. Xoxo-v. Lat. lupu~m, 
equo-ni] umhi, poplom piiplum puplu ‘^populum'*, osk. hurtum 
‘'hortum" Taopop ‘'taurum\ Air. fe7' n- Sdrum'* (I § 34 S. 36), 
aile 71 - ‘'alium'* (vgl. aile nom. § 194). Got. wolf] nord. 

run, stama = got. stdm ‘'Stein''; got. pa7i-a ahd. de-n ‘'den'* mit 
erhaltenem Accusativzeichen (§ 417). Lit. viikq (dial, ‘'den" 
u. dgl.), aksl. vlYiku. 

Die ?*o-Stamme zeigen zum Theil, wie im nom. und voc. 
sing. (§ 194. 201), die Tiefstufenform -i- statt -w-, Lat. Co7'7ieli-m^ 
umbr. Fisim ‘'Fisium'', Got. hah'di^. Lit. zdd{^ ga%d{^ aksl. krajz^ 


1) Statt '^uulfa '^^asti ^simu als dee letzten Entwicklungestadiums der 

urgermanischen PeriodCj wie 'wir in Bd. I angenommen haben, ist yielmehr 
etwa ^uulfa ^su7iu (mit naealiertem Vocal) anzusetzen. Denn in den 

Runeninechriften, die horna, staina n. dgl. baben, erscbeint dae von keinem 
Nasal gefolgte urgerm. -a bereits apokopiert. S. Eluge Pauls Grundr. I 359. 

2) In I § 219 S. 189 und § 665, 2 S. 527 babe icb unriebtig -e statt -i 
als lautgesetzlicbe Vertretung von idg. -m bezeicbnet. Uber mater e ^matrem’ 
s. § 218 S. 552. 

3) Vielleicbt trug zur Verdrangung des *-a == *-7n im Urar. der Um- 
stand bei, dass in den nicbt abstufenden Beclinationsclassen der acc. sing, 
mit dem inetr. sing, gleicblautend geworden war (vgl. § 280). 



547 


§ 212—213.] Casusbiidung der Nomina. Acc. sing, masc. fem. 

konji^ ietzteres fiir '^kon t mit Eiweichung des ji nach dei Ana- 
logic des Gen, u. s. "vv. 

In den armen. gaiL z mard {z Prafix] erblicke ich jetzt, 
gegen Hiibschmann Aimen. Stud. I SS und gegen Bd. I § 202 
S. 17 k § 651 S. 499, mit Osthoff Nominativformen, wegen tarn 
""lO^, s. § 174 S. 4 S3. So ist denn ^yol in alien Stamniclassen 
der xAcc. als Nominativform zu betrachten. 

213. 2. ^7-Stamme. Uridg. Ai. ahra-m; av. 

liaenqm apers. haina-m. Gx. ympa-v. Lat. equa-rn (I § 655, 4 
S. 505); umbr. totam iota osk. ‘'civitatenP osk. viam via 

Mam^ Gall, loga-n ‘^tUTnulum^ Lit. rankq^ aksl. raka. 

Air. tuaith n- ist mehrdeutig. 

Anm. 1. Es veist auf einen palatalen Vocal in der Endung iind konnte 
die Ausgange urspr. "-t-m ^-1-m gehabt baben. Bedenkt man, dass 

der gen. tuaithe seinen Aiisgang jedenfalls von den ia- iind I- 5“-Stammen 
soillsc \md inse bezogen hatte § 229;, so konnte man daran denken, dass 
tuaith d- nach tnU d- gebildet sei, das vielleicht idg. ^-b/i enthielt nnd 
dessen Nebenform itm n~ mit soilhi n- reimt (§ 21(3. Noch naher aber liegt, 
woranf Thurneysen hinveist, dass der Zusammenfall von dat, und acc. 'ab- 
gesciien voni n- des letzteren in so manchen Stammclassen und namentlicb 
aucli bei den ia- und den ~i~ /c-Stammen, die Dativform tuaith aucli als Acc. 
babe fungieren lassen, v^obei der vrol iiltere gleicbe Ausgang von tuaithe 
und iioillse inse mitv^irksam war. Zu Gunsten dieser Auffassung sprieht 
acc. mmii 7i- neben dat. mnai. Dass aoillsi n-, nui u- ('novam’) nicbt aus '^-ian 
entstanden waren, sondern ihren Auslaut von btsi a- bezogen batten, das man 
mit gr. TTo-rnav und lit. zemq zusammenstellen darf f§ 216), scheint sicber. 

Im German, hat man -Zi-m in den Adverbien wie got. 
ga~leiko ahd. gi-Iikko ‘'ahnlich, gleich^ gesucht, s. Osthoff Kuhnk 
Zeitschr. XXIII 90 fF. Morph. Unters. I 271; doch sind andere 
Deutungen dieser xidvexbia wahrscheinlicher, s. § 275. 27 G. Im 
Got. war der lebendige Casus giha Nominativform h, wahrend 
man [)d hlie"*, hro Svelche?^ dhid-lLun ‘'irgend eine"* (vgl. auch 
hveilo-hitn ^eine Stunde lang"*) noch fiir wirkliche Accusativ- 
formen ausgeben darf. Vielleicht war der lautgesetzliche Zu- 

1) Burgbauser’s Yermutung German. Nominalflex. 21;, urgot. '^geho^^ 
babe zunacbst nacb der Analogic von "^culfa *ansti sunu den Nasal ver- 
ier en und sei dann welter lautgesetzlicb zu giba geworden, ist sebwer auf- 
reebt zu balten, da wir fiirs Urgotische auch noch '^cidfa'" "^arisiZ' "^sunii^ 
(oder "^culfa^ '^ansti '^8U7iu anzunebmen baben. S. S. 546 Fussnote 1. 



54S 


CasusbiMung der Nomina. Acc. sing. masc. fern. "§ 213 — 215. 

sammenfall dei beiden Casus in pd etc. erst Anlass, dass der 
nom. giha auch als Acc. gebraucht wurde^ abnlich wie im Euss.^ 
infolge der Gleichheit des nom. und acc. sing, in andern Classen 
die fern. Nom. auf -a auch fiir die Acc. auf -tc (aksl. -q) gesetzt 
werden (Yetter Zur Gesch. der nom. Decl. im Euss. 45 f.). 

Ahd. geha ags. ^iefe setzen voraus. Yon den bis-- 

herigen Erklarungsversuchen befriedigt keiner. Ich vermiitej 
dass in dem Ausgang von ahd. gutm7ie (jiinger giitmna) ags. 
^yde7i7ie ‘^Gottin'* ahd. szmte ‘"Siinde^ (jiinger simtea smztia) idg. 

steckte (die zugehorige schwache Gestalt -z- in altwestgerm. 
Vatm-77is ‘^Yatviabus^ und vielleicht in ahd. digwi ‘'Bitten^ u. dgl. 
erhalten, s. § 3S2), diese Formen also mit lit. zerzie aksl. zemljq, 
eventuell auch mit lat. facieTn mir. msi n~ den Ausgang 
enthielten (§ 216) und hiernach dann geha ^iefe gebildet wor- 
den war. Zum -e in gutmzie vgl. Braune Ahd. Gramm, § 58 
Anm. 1, § 209 Anm. 3. Die gleiche Formiibertragung im gen. 
sing. § 229 und im nom. plur. § 315. 

Anm. 2. -a im "Westgerm. nur dann aus urgerm. unbetontem e, wenn 
der Vocal durch westgerman. Consonantenschmind in den Auslaut zu 
steben kam (vgl. auch. 1. 3. sing. ahd. salhdtd]. Dagegen mit e ahd. clii- 
minnerddes etc., s. ELluge PauFs Grundr. I 363, Vgl. ausserdem oben 
S. 528 Pussn. 1.. 

214. 3. « -Stamm e. Uridg. Ai. dm-7n\ av. aki~m. 

apers. . Gr. ocpi-v. Lat. tim'i~7n \ umbr. ahtim-eTfzi 

^in actionem^ uvem Wem'* (I § 33 S. 35). Kh. faith 7i~ (I § 657, 
5 S. 510f.); gall. TJcueti-7i. Got. ansi^ ahd. azist cliumi\ vgl. got. 
i-7i-a ahd. i~n ‘'eunF, wie pa-7i-a de~7i (§ 212). Lit. zidkti (dial. 
szi-rz ‘^hunc''), aksl. 7iosti. 

Arm en. (c) shd war Nominativform, wie (z) gait und {z) zai'd 
§ 212. 215. 

Im Late in. wurde der Ausgang -i-rzi bei der Yerquickung 
der ^'-Declination mit der consonantischen (§93 S. 265, § 396) 
bis auf wenige Eeste (ausser tur7'i-7n z. B. noch siti-77i^ tussi~m^ 
resti'-Tn] zu Gunsten des -em = idg. beseitigt : z. B. overzi^ 
Tnentem nach comit-ein zidv-em u. s. f. (I § 33 Anm. 1 S. 35). 

215. 4. w-Stamme. Uridg. ^ szmii-m. Ai. simu-m] av. 
hdzu-m^ apers. magu-m (lies magzi-7n) ‘^Magierk Gr. TrYjk^o-v, 



§ 215 — 216.] Casusbildung der Nomina. Acc. sing. masc. fern. 549 

T^od-v. IjKi. ma7m-m\ umbr. trifo trifu %ibum^ (I § 49 S. 43' . 
Air. hitli yi- (I § 65 7, 5 S. 51 Of.). Got. smm, ahd. bitu sito. Lit, 
aksl. synu. 

Avest. nasaimi ‘"Leichnam^ d. i. nasatem^ gleichwie im Nom. 
-aii-h (§ 196 S. 533), -wahrscheinlich eine Xeubildung aufGrund- 
lage des loc. sing, aiif s. § 261. Im Apers. dahyaum (neben 
daily iim jedenfalls zunachst im Anschluss an den nom. daJiyau-b^ 
wie gr. vad-v nach vad-c u. dgl. (§ 221). 

Armen. [z]zard war Nom., wie (;::) gail und (z) sirt^ 212. 214. 

Griech, horn, £ups(/)a ‘"breit^ fiir sdpd-v nach der Analogic 
des acc, plur. zuoi{f]-ac. 

216. 5. 7- ?f7-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Es begegnen 
drei Ausgange: 1. -l-rn: ai. hrhad-m, av. haretifi-m apers. harm- 
rafmi d. i. -Im ‘"Arachosien^ (= ai. sdrasvatl-m]: gr. ttoaI-v; \nel- 
leicht auch mir. ims 92-: 2. -li-jn -i-m: gr. Trorw-av , 'pspoo^av 
p 3 povrt~av (vgl. u.) : 3. lit. ze?ne zeynljq: hierzu wol 
auch ahd. cjuflnyie ags. ^^ydenne (§ 213). — Lat. facmn und mir. 
i 72 si 71- , B'riyfi 72- konnen zu 2 und zu 3 gehoren: ir. -i /?- also 
= ^‘-iriyi = gr. -ictv oder = '^-iijyi [1 = d). War das dem lat. 
siidxeiyi vorausliegende ^svavt-7n. aus ^svdn-m entstanden? Ygl. 
socrimi § 217. 

Aus der Zeit der idg. Lrgemeinschaft waren wol nur -1-m 
und -[i\i-77i ererbt, jenes vor sonantischem, dieses vor consonan- 
tischem Anlaut (vgl. 3. plur. opt. — alat. sie7it neben 

in S277iu$ und *s-{i)ie- in sies) ; dem -{i)7jn entsprach mog- 
iicherweise im ace. pi. (§ 32S). Ebenso zeigen die 7- 

?7-Stamme im acc. sing, theils -i-m (gr. zt-v), theils -d-771 (ai. 
dhiyam\ s. § 217. Aus -my -ijri entstand im Griech. -lav -laV; 
indem -v nach der Analogic von -Tv -dv — -7-m -a-7n u. a. 
angesetzt wurde. Durch -lav -lav aber wurden, wie wir § 191 
S. 527 annahmen, die Nominativformen auf -la -la fiir *-7 
hervorgerufen. 

Der 3. Ausgang -{e-m entstand durch Eindr ingen von -{e- 
aus andern Casus: wie man bei den 7d-Stanimen den Acc. auf 
-ia-7n z. B. neben gen. -ids hatte, so stellte man -ie-77i neben 
gen. -{es. 



550 


Casusbildung der Nomina. Acc. sing. masc. fern. [§ 216 — 217. 


Got. frijondja (nom. frijondi) war eine Neubildung nach 
Bihja "^Verwandtschaft" (nom. sihjd>^^ und giha, vgl. gen. frijondjos 
wie sihjos gilds, dat. frijondjdi wie sihjdi gihdi, Es verhielten 
sich also ahd. gutimie und got. frijondja zu einander ahnlich wie 
att. rj} zu dX“/]&£iav (gen. d^Octac) und wie lit. zeme (nom. 
zemd) zu vezancziq (nom. vezaMt, Vgl. S. 52G Fussn. 1. 

217 . 6. i- ii- und t«^-Stamme und Stamme auf -f, 
-I, -71. Im Uxi dg. -1771 -u-711 vox sonantischem, -ii-7n -uu-m 
vox consonantischem Anlaut. 

1. -l-m -u-m. Ai. ved. tmiii-m av. tanu-rn ''Koxper'^ (neben 
ai. tanur-am av. ta7i{ii)})em) , av. hei'^zai-dun "^dessen Einsicht 
gioss ist^ Gx. 7.T-V TToXl-v. 6cppb~v vexo-v. Lat. vi-m (I § 655, 4 
S. 505), umbx. sim ‘'siiem'' (I § 57 S. 47); auch kann lat. socnmi 
lautgesetzlich aus '^socru-7n entstanden sein, vgl. § 197 S. 534. 
x\hd. aisl. su ‘^Sau^ Aus dem Aksl. konnte Ijnhy ‘^Liebe^ in 
Jjuhy dejati [tvoriti) ‘'Ehe biechen'’ hierhei gehoien. 

Anm. ZuyersichtlicKer warde ich diess von ljuhy annehmen, kamen 
niclit zugleich die masc. Nominative kamy und plamy ;St. kamen- 'Stein’, 
pla^nen- 'Flamme’) auch als Acc. vor, wo man gewiss nicht an alte Neutra 
auf denken darf. Wenn sich im Russ, svekry als Acc. findet (Vetter 
Z. Gesch. d. nom. Deck im Russ. 67), so kann das nach starina u. dgl. mit 
Accusativfunction (ebend. 45) beurtheilt warden. 

2. -ii-771 -uu-yn. Ai. dhty-am ""Gedanke"* hJmw-am kVugen- 

bxaue^, ved. nadiy-am Tluss^ ta7iuo-am av. tan[ti)v-em ‘"Koxper^ 
(neben ai. tayiu-yn av. tayiu-m), apexs. [h]izuv-am ‘'Zunge'^ (s. Bax- 
tholomae Bezzenbexgex’s Beitx. XIV 245 f.) . Gx. (Theokx.) 

d(ppua (Oppian) u. dgl. ; obwol unserm idg. Bildungstypus ange- 
horend, mogen sie jiingexe Neubildungen nach lybdac Scppba? 
gewesen sein^ wie horn, supsa nach supeac (§ 215). Lat. su-eyn. 
Lit. zu'V-i Tisch^; aksl. Jcruv-i ‘'Blut^ (vgl. nom. apoln. kry § 197 
S. 534)j svekruv-i ‘'socxuni'* (daneben svekruv-e, die Genitivfoxm, 
vgl. matey'-e § 218 ). 

Die gleichaitige Doppelbildung ist flix die Stamme auf 
lange sonantische liquida und nasalis (§ 160, 4 S. 455 f.) als 
uispxiinglich voxhanden anzunehmen. Ai. gir-am Txeis, Lob" 
aus ''^grr-rn (vgl. ghli Bigv. X 99, 11 bei Lanman Noun-Inflection 
p. 488), guT-am ’"Burg" aus "^pll-yn] dagegen /a-m ‘^Wesen" aus 



§ 217 — 21S.] Casusbildung der Nomina. Aee. sing. masc. fern. 55| 

'^gn~m, entsprechend hlm-m "^Quelle^ go-m-m ‘'Rinder ge^v'inneIld^ 
Warum dort die Form auf -m hier die Form 

auf -m {^gnn-rn) wich, ist leicht zii sehen. 

218. 7. 01 - und r-Stamme. 

Uridg. ''^%[u)uo ti-ori. Ai. smoi-cmw av. span-em (zuweilen 
schwache Stammgestalt nach andern CasuSj wie arhi-em neben 
arkaoi-eyn ^'mannlich, Mann^), apers. asoncin-aon ‘^HimmeF. Gr. 
y.’jv-a (statt ’'y.oov-a, nach xov-o; etc.), Tiztov-a ^Zimme^mann^ 
TTOLuiv-a ''HirtF Lat. homin-em lioonon-em^ edd}i-em\ earoi-e}7in8.ch 
cam-i^ etc. Air. coioi oi-, aormi oi-. Lit. azim-i (wie gr. xdv-a), 
dhnen-i\ aksl. hamen-i. 

Uridg. ^ mater-m ’^ddfor-rn. Ai. mZdcir-am clciiar-aon^ av. 
inatao'-em dZitar-cm, apers. fo'a-matZir-ayn ‘'Herrscher^ ; av. auch 
mit schwacher Stammgestalt nach andern Casus mZipo'-ern dZipr-enu 
Zitrem mit t statt [j nach Zitao'- (Bartholomae Ar. Forsch. II 
132f.]. Gr. pr^Tsp-a (horn. O'jYaxp-a nach doYaTp-d; etc. neben 
dd)Top-a. Lat. mZitr-eon (wie av. ynZipr-em)^ daior-eon. 
Air. onZithvr n-. Lit. onoter-l. aksl. mater-i. 

Armen, (;:;) alc/i und [z] ooiair, dustr waren \vol Nominativ- 
formen, s. § 212 S. 547. 

Uber griech. thessal. xCov-ccv kypr, udr^o-av s. § 211 S. 546. 

Im Umbr.-Samnit. erscheint hier^ wne sonst in der con- 
sonantischen Declination ^ statt des zu erwartenden -em der 
Ausgang der o-Stamme -oon: osk. medicatin-om ""iudicationenF, 
umbr. ars-feo'tur-o hnfertorem, fiaminem^ uhtur-u ‘'auctoremb 
Man beachte den gleichen Ausgang der beiden Stammclassen 
im gen. plur. (§ 344 ff.) sowie im gen. sing. (§ 239) und bedenke, 
dass sich durch den friihzeitigen Wegfail des o des Ausgangs 
-o-s (I § 655^ 5 S. 505 f.) zum Theil auch im nom. sing, eine 
formale Beriihrung beider Stammclassen ergab (umbr. "pato'opi : 
pater == katlu(m) ; katel;. 

Nicht klar sind die german. Formen, wie got. giimtui. 
7'apjdoi hationem^, hrdpao' j ahd. gomoyi gomuoi, zungZioi “^Zunge^ 
(zum Stammsuffix vgl. Streitberg Paul-Braune’s Beitr.XIV 2iS f.), 
miioteo\ h'uodao'^ ags. ^uman^ brodoo' neben ags. dur-u ‘^Thiir^ 
(Gf. ^dliur-on). 



552 Casusbildimg der Nomina. Aec. sing. masc. fern. [§ 21 S — 219. 

Anm. Ber aisi. aco. fn3:or fod’ur entseheidet nichts. 

Es bieten sich folgende Moglichkeiten. 1. Man geht von -?n = urgerm. 
~u?i aus. Bann musste im Got., 'wo tu7ip-u u. dgl. ersclieint, in drei- nnd 
mebrsilbigen Wdrtern -u apokopiert Borden sein, Tras fur die westgerm. 
Sprachen anzunebmen obne weiteres erlaubt ware (Tgl. Kable Zur Entwickl. 
der eonson. Beclin. im Germ. S. 3f., Burgbauser German. Nominalflexion 
S. 21 f.). Aber got. iiTbandu = gr. sXaoa'JT-a? — 2. Es standen neben 
''^'inater-m einmal antesonantische Eormen mit -7n, "^mater-in, nnd 

deren lautgesetzliebe Fortsetznngen waren die german. Eormen. Vgl. I 
§ 192 S. 165, § 645, 2 S. 491, Eduge Paulk Grundr. I 385. — 3. Sollte sicb 
erweisen lassen, dass got. frijond abd. friiint, got. menop abd. ynmiod, got. 
veitvod ebemals den Ausgang -o-m batten, so kame in Erage, ob nieht 
"^gwnmi-a-yi u. s. w. die vorbistoriseben Grundformen waren (rgl. auch oben 
das umbr.-samn. -o-m). 

Zu altkirch ensl. hamen-^t, mater-4 s. S. 546 Fussn. 2. Die 
Nebenformen mater-e^ sreJcrm-e (§ 217) halte ich nach Scholvin 
Die Declin. S. 4 If. fiir Genitivformen. Der accusativische Ge- 
brauch der Genitivforni beruhte auf einer syntaktischen Eigen- 
tiimlichkeit des Slavischen (Miklosich Vergleich. Gramm. IV 
495jff., Vetter Zur Gesch. der nomin. Declin. im Russ. S. 

219 . 8. Stamme auf Veischlusslaute. 

Uridg. ^hhrghont-in. Ai. hrlidnt-am^ av. her^zant-em. Gr. 
cpepovt-a. Lat. ferent-em. Air. carit n-. Got. tunp-u ags. tod 
"^dentem^; got. idhand-u "^KameeF == gr. sXeoavt-a? Lit. veza7it-i^ 
aksl. vezahfi fiir '^vezqti, das s aus den andern Casus mit 4o- 
(vgl. vezqhe § 321, rezqsti § 191 S. 526). 

Ai. sarvd-tat-a7n ‘'VollkommenheiF, av. liaurea-tdt-ern ^Wol- 
behaitenheitb Gr. oAd-Tr^T-a. Lat. 7%ovi-fdt-em. Mit Suffix -tlit- 
\aX. jtwe?itut-e7n^ air. hetJiid 7i-^ludbe'a (nom. beotJm). 

Ai. sardd-am ‘'HerbsF. Gr. cpoydd-a ffiuchtig^ Lat. lapid~em, 
Air. druid 7i- ^Druide\ Ags. hnit-u ‘'Niss^ Uridg. ^pod-7n "Fussk- 
ai. pad-am av. pad-em^ apers. pati-pad-am fan seinen OrF) : gr. 
':rdo-a; lat. ped-eni] ^oi.fdt-u, 

Ai. usij-a77i S^erlangend^. Gr. poipax-a ‘^Madchenf opTOx-a 
opTuy-a ""WachteF. Lat. hibdc-em. Air. 7iath'aig 7i- ‘'Wasser- 
schlange^. Uridg. ^uoq-7n ""Stimme, Rede^ : ai. vac-ain av. vdc-em^ 
gr. oTt-a, lat. vdc~em. Uridg. "^reg-Tn ‘"regemF ai. 7'aj-am^ lat. 
7'eg-em^ air. rig n-, Lat. halluc-ejn ‘'grosse Zehe^ aus '^Jialo- oder 



§ 219 — 220.] Casusbiidung der Nomina. Acc. sing. mase. fern. 


553 


^hali-doic-^ aisl. to ^Zehe'' aus '^faili~u (J. Schmidt Pluralbild. 
183j Kluge PauFs Grundr, I 3S5). 

Ai. ap-am av. Gr. 7.A(o::-a ‘'DiebF Lat. dap-em. 

tber griech. kypr. a(v)oQid(v)T-av imd ^SooA/.av d. i. jSpzh/.-av 
(Meister Griech. Dial. II 231f. s. § 211 S. 540. 

Uber umbr. capirs-o ""capidenP curnac-o ""cornicem^ s. § 2 IS 
S. 551. 

Ini German, ist die Erklarung der Formen ivie got. frijo/id 
ahd. friurd ags. freoiuh got. memp ahd. niaiibd ^MonaP, got. 
veittod ^Zeuge^ (vgl, gr. 3tddr-a, § 136 S. 412' ziveifelhaft. 

Anm. AYaren es Formen nach der o-Declination,. der Ausgang also 
urgerm. Oder urgerm. ^-un = idg. -?n? S. § 218 Anm. S. 552. Ante- 

sonantische Grundformen auf (Tvie *mater-m, a. O.;, irie sie Kluge 

Paul’s Grundr. I 5S5 anzusetzen schcint, sind kaum zu rechtfertigen. Denn 
T^'are dock zu geworden, vgl. tigum § 379^ 2. 3S6. 

Got. haurg ‘^Burg^ hrii.d ‘'BrusF (gen. sing, haurg-s hrust-s) 
diirften nach der /-Dec! in. gebildet gewesen sein, vgl. dat. plur. 
haurgi-m hrusti-m. 

220. 1). 6-Stamme. 

Pridg. dus-ynenes-m. Ai. durmanas-ayyi . av. dimncmcmJi- 
em. Gr. onaiusvia -r^ Lat. de-gener~em. 

Ai. idds-arn {u,jch-a?72) av. uhtiidh-em. gr. horn. -/)d> aus '^'rjd(3)-a 
"^auroram^ (vielleicht war f/ia die echt homerische Form) ; lat. 
liondr-em (zur Yocallange im Stammsuffix s. § 133 S. 396f.). 

Die Nominative auf -es -os bewirkten im Ar., Griech. 
und Lat. Neuerung der Accusativform. Ai. tisayyi av. usqm 
waren nach 7'atl/e-st/m-s : -stha-yiiy av. rapae-std : -stqyn u. dgl. 
gebildet worden. S. § 391 und Collitz Bezzenberger s Beitr. X 
24 f. und die dort citierte Literatur. Att. Nm'/pdrr^v fiir iLcnzparr^ 
(vgl. § 272)j kypr. d-zKip fiir aTsAita, lesb. odjxorsAr^Vj boot. Aio- 
yivsiv u. dgl. (G. Meyer Gr. Gr. - S. 321, R. Meister Ber. d. sachs. 
Ges. d. 5rViss. 1SS9 S. 93 f.) nach vsdvid-c : vsavid-v u. dgl., wie 
umgekehrt herod. osa-oTsa ruysa nach dem Muster der zz- 
Stamme, vgl. § 395. \jdX. plehem famem [plebei faryie) zo. plebes 
fayms nach acie-in : acie-s. 

Uridg. Compar. ^dJi[i)ios~7n, Ai. dsiyqs-ain (zur Nasalierung 
des Stammsuffixes vgl. § 135 S. 403), hie und da im Nach- 



554 


Casusbildung der Nomina. Aec. sing. masc. fern, [§ 220 — 221. 


vedischen auch -lyas-am nach den andeien Casus ;vgL nom. 
plur. § 322] j av. asyUjdh-ern, Gr. r^d-tco aus ^-ro(a)-a. Lat. 
dcidr~e7n. 

Uiidg. part. perf. act. '^ueid-tios-rrii. Ai. vidvqs-am (zur 
Nasaliexung des Stammsuffixes § 136 S. 413)^ zuweilen auch 
-us~am mit Einfiihiung der schwachen Form des Stammsuffixes 
(vgl. nom. plur. § 322); av. mdvzmli-em. Lit. mirus-i aksl. 
rnirmi (wol aus ^7nh'uch-7 nach 1 § 5SS, 2 S. 444) mit Ersatz 
der starken Form des Stammsuffixes durch die schwache, falls 
diese For men nicht auf die Erweiterung des Suffixes -ues- duieh 
-io- zu beziehen sind (vgl. § 136 S. 41 3 f.]. Eber gr. sioot-cx 
§ 136 S. 412. 

XJridg. Ai. mus-a^n, Lat. 7nm'-em. Auch ahd. 

ags, aisl. 7fius (vgl. dat. plur. 77imu77i) und aksl. Tnyki konnen 
noch als lautgesetzliche Foxtentwicklung der idg. Grundforni 
gelten. Gr. pQv fiir nach au-v u. dgl., s. § 160 S. 455. 

Apers. acc. nah-cmi "^Nase^, lat. 7idr-e7ii^ ags. 7 ios-u ‘^Naseh 

221. 10. Einsilbige Stamme auf -? — u — m-. 

Uridg. ^7iau-77i ‘^Schifi’^: ai. 7iav-am, horn. v 7 ]-a (att. vauv 
Neubildung nach vau-;), lat. iiav-eyn. 

Mehrere mit uridg. Wegfall des stammschliessenden Con- 
sonanten vox dem Casuszeiehen -rn, Uridg. St. '^gou- 

^Eind^ ai. gam av. ga77i, horn. dor. |3d>v, umbr. bum ‘^bovem^ 
as. kd ahd. kuo claw (ags. cu aisl. kli aus '^kuo^. s. S. 537 Fussn. 1). 
Ob av. gUn77i d. i. gcivem und lat. hove7n einzelsprachhche Neu- 
bildungen warenj oder ob es von uridg. Zeit her eine ante- 
consonantische Form ^gou-on gegeben hatte, lasse ich unent- 
schieden. Sicher eine Neuerung war att. j5ouv, nach poo-c;. 
Uridg. '^d[i)ie77i^ St. *d[i)ieti~ ^Himmel, lichter Tagh ai. dyaTn 
diyam^ gr. Z’^Vj lat. diem] daneben lat. Joc-eni und mit Ersatz 
der starken Stammform durch die schwache ai. div-am gr. AUa; 
gr. Zijv wurde Ausgangspunkt fiir die Neuschopfungen Zijva 
ZriVd(; Zr^vi, gleichwie an ‘"quern U = idg. sich -iva 

tivo? u. s. w. anschlossen (vgl. § 314 Anm. 2 , Osthoff Morph. 
Unt. IV 235 f.j Collitz BezzenbergeFs Beitr. X49; anders jetzt, 
aber nicht uberzeugend Johansson ebend, XVI 158). In ahnlicher 



§ ‘221 — 2‘23.] Casusbildung der Nomina. Nom. Ace. sing, neutr. 


555 


Weise scheint air. hohi 7i- Avozu dat. ioc. sing. nom. ace. du. 
doin] auf Grund eines 5om = lat. bovem geschaffen zu sein, 
und zwar, worauf mich Thiirneysen hinweist, unter Einfiuss 
von coi?i zu nom. sing, cu ‘'Hiind\ Uridg. '^rem ‘^Gut, Sache’ 
(vgl. ai. nom. plur. ray-a$] : ai. ra7?i daneben rciy-ain ^ lat. 
rem, Ai. Mam av. zam ‘"Erde^ neben gr. ybov-a fiir ^yboa-a. 
S. § 160 S. 451 fF. 

iS077iinat. Accusat. sing. 7ieutrA 

222. AIs nom. acc. sing, neutr. fungierten seit uridg. Zeit 
die nackten Stamme. Eine Ausnahme machten nur die o- 
Stiimme, die dieselbe Form mit angefiigtem -m zeigen. die als 
acc. sing. masc. auftritt. Eine Yermutung dariiber, wie diese 
Doppelfunction der Formen mit -??? zu Stande kam, ist in § 1S6 
S. 51 Sf. vorgetragen. 

Die Endung -d der Prononiina § 417^. ging in einzel- 
sprachlichen Entwicklungen, namentlich im Germanischen imd 
Ealtisch-Sla\4scheu, auf nominale Adjectiva liber, jedoch^ vie 
es scheint, nur auf o-Stamnie (§ 227). 

223. I. Die Stammformen ohne Casussuffix als 
nom. acc. sing, neutr. 

1. 2 -Stamme. EYidg. ‘"Auge". Ai. dMi ‘"Auge" hwi 
^rein^; av. aAzaJti Name des westlichen Karsvar, hzwd = ai. bh^/d 
‘"multimF. Gr. lopi ^kundig’. Lat. ?7iare lete, umbr. sakre ‘'sacre, 
hostia'' (I § 33 S. 35). Air. yymir n-j wo wie bei znid 7i- (2.), 
nach der Analogic des gleichen Casus der o- und der ? 2 -Stamme 
zugefiigt war.-) Ahd. yneid *'mare^, ein vereinzelter Eest im West- 
germ.; got.yo;^ Teuer'' wol aus ^fonA (gen, heteroklitisch fu7ims)\ 
Adject, got. ga-nidin ‘^commune'* hr din "^purunF. 

2. w-Stamme. Uridg. "^medlizi ‘"SiissigkeiF. Ai. rnddhu 
‘'Slissigkeit, Honig'* s'oddu ''suave'' (liber ved. imrii neben imru 
u. dgl. s. unten). av. 7nadu "Honig" pouru = ai. pu7'u "multum"; 

1; J. Schmidt Die Pluralbildungen der idg. Neutra, 1S89. W. Meyer 
Die Schicksale des lat. Nentrums im Boman., 1883. 

2) Vgl. av. vohu-m neben vohu Foniim’. Ebenso im mittelalterlichen 
Griechiscli neutr. ttoXu-v, s- w. nach -o-v. 



556 


Casiisbildung der Nomina. Nom. Ace. sing, neutr. 


[§ 223. 


av. vokimi neben volm ‘'bomim'* nach der Analogie der o-Stamme. 
Gr. lisbo ""berausehendes Getrank, Wein'* rfiu ^suave^ \x^X. pecii 
g 67111 (liber j^ecu u. dgl. s. imten). Air. mid n~ ^Met^ mit zuge- 
fiigtem 7i- (ygl. muir unter 1.]. Got. failm fihi 

tum"', ahd.j^Aw jiliQ jilu jilo ‘"multum'* (diese ahd. Formen 

fast die einzigen Reste).^) Lit. gy'azu ‘'scbon^ saidii ^siiss^j preuss. 
pecku "Vieh" = got. (vgl. I § 467, 2 S. 345); aksl. medu 
‘'Honig^, der Form nacb wahrscheinKch hierher gehorig, aber 
schon in vorgeschichtlicher Zeit zum Alasc. geworden (vgl. nom. 
acc. synu "^Sohn^j. 

3. n- und Stamm e. Uridg. "^dhe-m^x ‘^Setzungb Ai. 

dhdma *^Satzung, Sitz^ av. dcrnia ‘^Scbopfung^, ai. /icima av. 7idma 
[nqma] apers. ncma ‘^nomen^; iiber ved. -a neben -a s. nnten. 
Gr. &£p,aj ovojxa (vgl. § 82 S. 236). Lat, 7%dmem imgue^i^ umbr. 
numem 7io7ne %omen'’ umen ‘'unguen'* (I § 209 S. 179). Air. 
ai7i7n 71- 'Name^ srnaim 7i- ^Stromung^ imh 7i- 'BiitteF; gall. m7'- 
me7i = air. cuirm 7i- ^Biex^ 

Daneben der Ausgang ^-on ^-en, wie im nom. sing. masc. 
fern. (§ 192 S. 527 f.) und im nom. acc. plur. neutr. (§ 340), im Ger- 
manischen und Slavischen. got. 7iamd und die masculinisch 

gewoidenen ahd. as. Tiamo und ags. 7iama got. hairto 

aisl. hjarta ‘^Herzb -e7i\ ahd. lierza as. lieyda ^'Herz^ ags. edre 
‘'Ohr'‘; aksl. ime ‘'Name'', vielleicht auch preuss. se77ie7i ‘'Samen, 
SaaF (aksl. seme). Wenn man anzunehmen hat, dass unter den 
germ, und lit. Masculina wie got. sfbyiia ‘'Stoff" lit. sto77iii "Statur, 
Korperlange" (§ 117 S. 352) und unter den lit. Feminina wie 
de7mie ^Vertrag" (ai. dha7'ma7i- n.) ges7ne ‘'Lied" das eine oder 
andere urspriinglich neutr. war, so batten wir neben ^-e?i 
auch ^-0 wie im masc. fern. Wie es kam, dass die als 
nom. sing. masc. fern, fungierenden Bildungen auf ^-o(w) *-e{7z) 
zugleich als Neutra galten, ist zweifelhaft. Alan bedenke neben 
J. Schmidt's Theorien Pluralb. 82 ff. 117 ff. die formale tlber- 


1} Got. tagr ^Zahre’ (ahd. zahar aisl. tar] trotz faihu lantgesetzlich aus 
Hagru (ygl. gr. oa-vcpo, § 107 S. 303), indem -zi nach langer Silbe anders be- 
handelt wurde als nach kurzer? S. Johansson Behaghel-Nenmanhs Litera- 
tnrbl, 1889 Sp. 370. 



§ 223.] Casiiebilduiig der ^somina. Nom. Ace. sing, neutr. 557 

einstimmimg cles '^-en mit dem loc. sing, auf § 256. 257 
febenso ai. nom. ace. dltama\ loc. k^dma^ § 257 c.) und beriick- 
sicbtige Johansson's Ansicht, dass -u iirspriinglich ein Locativ- 
snffix war .§ ISO S. 521). — 

Im Yedischen anch Adjectivfoxmen anf ~Ti als nom. acc. 
sing, neutr., wie purd in puru msii Sdel Gut\ Diese Dehnung 
des war eine rhythmische (Lanman Noun-Inflection p. 406. 
J. Schmidt Pluralb. 50 f.), und da man sie nach Wackernagel 
Das Dehnungsgesetz der griech. Compp. S. 12 if. wol £iir uridg. 
zu halten hat, so scheinen hierher auch die lat. Nebenformen 
auf -w pecU reru genu cornu zu fallen. Man mag die letzteren 
Formen mit J. Schmidt a. O. S. 49 f. 53 immerhin Pluralformen 
nennen (vgl. § 339). Nur fragt sich sehr, ob neben den neutr. 
Pluralformen auf -7, deren Urspxung aus collectiven singulaxi- 
schen Feminina ;§ 109 S. 313 ff.' -wol denkbar ist. Tvflrklich von 
Anfang an auch neutr. Plurale auf -Ti gestanden hatten, die in 
gleicher ^yeise aus Singularfeminina auf -Ti erwachsen %varen, 
wie Schmidt glaubt. Solche alte Singulaxe arif -Ti scheint es 
nicht gegeben zu haben, und die neutr. plur. auf -u konnen 
Neuschbpfungen nach denen auf -7 gewesen zu sein. Bestand 
nun damals im neutr. sing, bereits das (rhythmische) Schwanken 
zwischen -u und -U, so gab es eben Neutralfoxmen auf -77, die 
zugleich sing, und plur. waren. 

Neben dliama im Ved. auch dliamci u. dgl. (Lanman p. 531], 
Auch hier handelt es sich wahrscheinlieh um rhythmische 
Dehnung, und war auch cliese, wie wir schliessen miissen, 
altererbtj so gab es im Uridg, -/} neben wie -U neben -w. 
Nun waren cliese Formen auf -d im Ved. auch plur., und so 
fragt sich; war das plur. dhcimd^ wie Schmidt a. O. S2 ff. an- 
nimmt, ein idg. '"dliemo d. h. eine Form wie nom. sing. masc. 
fern. (lat. u. dgl.), so dass es sich zu av. daman (§ 340) 

verhielte wie lat. sermo zu gr. azncov, oder war es nicht viel- 
mehr ein idg, '^dliemn, indem nach der Analogic der Formen 
auf -i solche auf ~7i geschaflfen, bezieh. nach dem Verhaltniss 
von -7 (im Plur.) zu ~i (im Sing.) die sing. Nebenformen auf 
auch pluralisch gebraucht wurden'? 



558 


Casusbildung der Nomina. Nom. Ace. sing, neutr. [§ 223 — 224. 


Anm. 1. Diese Frage scheint mir nicht spruchreif. Sie entschiede 
sich zu Gunsten von dhdma = ^dhe7nn, wenn sich wirklich beweisen Hesse, 
dass gr. Y] p’ip-'rj , 'f\ lup-T], '/] erct-aTTipiri , kret. gen. /nqu-a? ('£ip.aTo;^) u. dgl. 
einmal Neutra anf -a (vgl. fjutj.a, 7.up,a, erfxaj T^aren. Es Tyare diess derselbe 
Metaplasmus, den apers. taumd. f. "Familie’ gegeniiber ai. tohman- n. und 
av. taoxmmi- n. aufweist (§ IH Anm. 2 S. 347), vgl. aucb poln. gen. brzemia 
fur h'zemienia 'der Biirde’ zum nom. hrzemie nach der Analogie von pola . 
])ole {Baudouin de Courtenay Kuhn-ScKLeicheBs Beitr. VI, 61). 

Anm. 2. Die ved. neutr. Singularformen auf ~u und -a (= 
mirden aucb plxiraHscb gebraucbt, dock fast nur in Verbindung mit einem 
nom. acc. plur. neutr. : z. B. hluii'i . . . amid 'reichlicbe Speisen’, ynjand yuru 
'viele Ydjana’ (eine bestimmte Wegstrecke), ^riyd ‘naina 'theure Namenb 
S. Schmidt a. 0. 276 ff. Nach ihm stammte diese VerTrendung aus einer 
uridg. Zeit, in der die zu Substantiven hinzutretenden adjectivisehen "Wor- 
ter (ausser wenn es o-Stamme Tvaren), ahnlich Trie die adjectivisehen Zahl- 
worter "^peidqe '5^ u. s. w. , noeh keiner Flexionsendung bedurften: yojand 
qmru wie pdnea hrstisu (§ 169 S. 474), Von den Adjectiven babe sich der 
pluralische Gebrauch der nackten Stammform a\if die Substantiva fortge- 
pflanzt: berechtigtes puru dhdma [dhdmdni) babe unbereebtigtes dhmna 
purh'tii bervorgerufen. Eine einfacbere Deutung als diese ergabe sich, wenn 
im Sing, -u -n (und -i] neben -w -u und -i' getreten waren. Dann batte 
der Umstand, dass im Urar. -u -d (und - 2 ; in beiden Numeri vorlagen, zur 
Folge, dass man aucb die kurzen Vocale fiir beide verwendete. 

Ein m -Stamm war '^sein ""unum^ gr. sv, lat. sem-per *^111 
einem fort, stets^ (§ 160 S. 449 £.). 

Anm. 3. Unsicber ist, ob gr. ocu 'Haus’ hierber gebore. Solmsen 
Euhnk Zeitschr. XXIX 329 und Job. Schmidt Pluralb. 222 setzen ein uridg. 
"^dom an, neben dem bestanden babe wie '^kiu]7io = ai. hd neben "^k^uYibn 
= gr. y.uojv. Anders Bartholomae Xubn’s Zeitsclir. XXIX 497. Erwahnt 
sei aucb die ficb vreiss niebt von wem aufgebracbte, Deutung, ow sei mit 
germ, 'zu’ identiscb, eine Nebenform von -os, sei wegen der lautlicben 
AbnUebkeit mit owpa in Verbindungen wie 'qplTspov ow = 'r]tj.£Tep6v oz zur 
Bedeutung 'Haus’ gekommen und dann aucb andervrarts in diesem Sinne 
verwendet worden, 

.224. 4. r-Stamme. 

a. Bei den Nomina mit -er- -ter- (§ 119 S. 353 if.) sind 
Neutralformen mit Sicherheit nur im Ai, belegt, wie sthdtr 
^stehend^ ved. sthdtur (I § 285 S, 230); wahischeinlich handelt 
es sich bier um ai. Neiibildung, wie sicher beim nom. acc. plur. 
auf -pii (§ 34i)j s. Whitney Ind. Gramm. § 375. Im Giiech. 
sind Formen wie d-Traxop neben masc. d-Trarmp wol nur zu- 
fallig unbelegt. Hierher ^Top ‘^Herz^2 



§224.] Casusbildung der Nomina. Nom. Acc. sing, neiitr. 559 

b. Eine besondere Gruppe bilden die seit uridg. Zeit 
heteroklitischen Neutxa mit -r wie ai. Udhar gen. Udlui-as. Bei 
diesen zeigen sich allerlei schwer zu eiklaiende Formverschie- 
denbeiten. Im Ar. -ca\ wie ai. ildltar, aA'. karhar^ , Name der 
7 Exdtheile; daneben abex im Ai. einexseits ijdkd ^Lebex^ gen. 
ijakn-ds {av. ijakad. gr. lat. Jecur], Idkrt ""Kot" gen. sakrt- 

di>. anderseits dsrk [disrg] ""BluE gen. asu-da (gx. sap lat. 
asser). Ax men. aKheiir ‘^Quelle'* gen. akher (gr. cppidp aus 

^cppr^/ap, gen. cppidro; aus ^cpor^/aToc). Griech. -ao und seltnex 
-cop, wie ouOap und oomp ‘^Wassex^ (ahd. Mggar) ; dazu viel- 
leieht auch noch -op, ^too ‘^Hexz\ Lat. -er und -iu\ wie dher 
und Jecvr. Ahd. -ar : v:a:^^ar (gx. uompb tenar (masc. gewoxden) 
*'flache Hand^ ;gx. bsvao). Aus deni Balt.- Slav, kommen lit. 
vandit midii im.) aksl. roc/a (f.) AVasser'* und lit. keke i.] "^Txaiibe^ 
in Betxacht, da sie sich zu gr. Gotoo und zu lat. cicer vexhalten 
konnen Avie lit. sedi moie aksl. -ynaii zu lat. aoroi' mdier (§ 192;. 

W'ie diese Mannigfaltigkeit zu Stande gekommen ist. da- 
xiiber sind zur Zeit mix mehr oder mind ex unsicheie Vex- 
miitungen mbglich. 

Anm. Sieh § IIS S. 352 f. imd de Saussnre Mem. sur le syst. prim, 
p. IS. 2S. 225, Verb Morph, Unt. II 224 ff. 231 ff., J. Schmidt Kuhhs Zeitschx. 
XXV 22 ff., Osthoff Morph. Unt. IV 196£, Noreen Arkiv IV 110, G. Meyer 
Gr. Gr.2 S. 3251, Zimmer Kuhn’s Zeitschr. XXX 231, Johansson Bezzen- 
bergers Beitr. XIV 163 ff., Bartholomae ebend. XV 39 ff., J. Schmidt Plural- 
bild. 172ff. 

Folgende Punkte durften vox allem zu beiucksichtigen sein. 

1, Ablautsverhaitnisse wie gr. r^aoLO : rJa(j : machen es 

walixscheinlich , dass gr. -ap nicht aus idg. -ar, sondern aiis -r hervor- 
gegangen war, wozu lat. Jecicr femur passt Lat. uber kann idg. ge- 
habt haben, kann abex aucli nach I § 97, 3 S. 92 aus *ubar entstanden und 
"^-ar konnte mit av. -ad gr. -cdo ahd. -a?* Vertreter von idg. gewesen sein. 

Auf aisl. cedr 'Ader’ lifr Xeher’ als Zeugnisse fiir den idg. Ausgang 

ist wenig zu geben. 

Ar. -ar ,ai. udJiar] kann "^-er und ^-or (ygl. gr. ahd. iva^^ar} 
gewesen sein. 

2. Anderseits liegt es nahe, gr. ootop ahd. iva^^ar lit. vandu Iceke auf 

gleiche Linie zu stelleu mit gr. cppa-rtup ahd. hruodar lit. sesu mote ;§ 192 
S. 527 ffj, so bekiimen wir die uridg. Ausgange Neben diesen 

konnte ,gr. oo&ap) gelegen haben wie neben "^-on :§ 223, 3 

S. 556). M^ar aksl. voda (f.) ein ursprungl. Neutr. auf "^- 0 ( 7 *;, so darf man 
mit Sc b midt auch ai. sd?nd f. "Halbjahr, Jahreszeit, JabP und ay. ha7na 'im 

Brugmann, Gmiidriss. 11, 2. 30 



560 


Casusbildung der Nomina. Nom. Ace. sing, neutr. [§ 224 — 225. 


Sommer’ direct mit alid. sumar ags. stimor '^Sommer’ verknupfen^ uridg. also 
"^s^nrnd'-r), d. h. ai. sdina me data -dator’ (andere, imsiclierere Beispiele fur 
solehes ar. -d bei Schmidt Pluralb. S. 212 ff.). 

3. Wie wir bei den nom. acc. sing, neutr. auf -eyi und -w an die 
gleich auslautenden Formen desloc. sing, erinnerten (S. 556 f), so muss dieser 
Casus auch bier in Betracht gezogeii Trerden. Johansson und Bartholomae 
betrachten das -r unserer Neutra geradezu als ein locativisehes Casussuffix, 
und dem sind gr. vuy.Ta3p ^Nachts’ (av. hama ^im Sommer’; u. a. giinstig. 
Vgl. auch ved. iidliar ^am Enter’ (Lanman Noun-Infi. 488) av. zafar^ dm 
Maul’. Idg. Formen auf -er I'ai. udhar lat. uher1\ vergliehen sich mit uTtsp 
lat. super, idg. loc. ^pster (§ 256. 258). Bartholomae nimmt an, dass Loca- 
tivformen mit -r und solche mit -n wie ai. iidhar und udhan in uridg. Zeit 
gleichbedeutend neben einander gelegen batten. ^Die Folge war zunachst; 
dass in der r^-Declmation auch r-Locative, und in der r-Declination auch 
?i-LocatiYe aufkamen. Im weiteren Verlauf aber konnte es nicht ausbleiben, 
dass der neue Loc. auch noch andre Umbildungen der alten Flexion nach 
sich zog, so dass es in einzelnen Fallen kaum mehr zu entscheiden ist, ob 
die Yorliegenden Formen einem alten Nasal- oder einem alten Liquidastamm 
entsprungen sind. Jedenfalls ist die scheinbare Mehrstammigkeit auch bier 
etwas nicht-urspriingliches’. (S. 42). 

4. Fur gr. '/jirap lat. jeciir konnte man nach ai. ydkrt den idg. Aus- 
gang "^-rt voraussetzen. Schmidt zieht wegen seines d t auch armen. 
hard 'Leber’ heran und mochte dem ai. sdkrt das lat. 7nus~[s)cerda beige- 
sellen, indem er ein altes ^scerd oder ^scord [-d im Auslaut aus -iJ) voraus- 
setzt; indess ist die Zusammengehdrigkeit dieses ind. und dieses lat. Wortes 
sehr zweifelhaft, das ind. "Wort scheint vielmehr mit gr. v.oTEpo-; zu ver- 
binden. Weiterliin konnte man aber mit Schmidt wegen ai. dsrk [dsrg] das 
gr. lap ep. *?;-ap (elap) auf *'r)apY und lat. asser auf '^asserg zuriickfiihren. 

226. 5. Stamme auf Yerschlusslaiite. 

Participiale ^^f-Stamme. Im Uridg. hatte der Ausgang 
theils -nt, theils -at. Doch ist nicht bei jeder Tempusstamm- 
classe klar. wie ihr Partic. uridg, ausging. Im Ar. war -at = 

1) Wie sich aus J. Schmidt’s Daiiegungen Pluralbild. 422 ff. ergibt, 
hatte ich von der oben § 125 S. 371 gegebenen Darstellung des idg. Decli- 
nationsablauts der ?z^-Stamme in meiner Gr. Gr.“ S. 108 nicht abgeben soUen 
zu Gunsten der Bartholomae’scben Ansicht Kuhn’s Zeitscbr. XXIX 548 ff., 
nach der die Participialformen mit Yorausgehendem thematischen Vocal seit 
idg. Urzeit in alien Casus -nt~ mit consonantischem n batten. Dagegen 
bleibe ich, gegen Schmidt, bei der Hypothese, dass der tliematisehe Vocal 
im Partic. bald -o~ , bald -e- war. Lit. dusqs balte ich so lange fiir ur- 
spriingliches do-s%e-7it- (ai. ddsydyit-], bis Schmidt, der die Form fur ein 
part. aor. erklart, gezeigt hat, wie sich dag syntaktisch rechtfertigen lasst. 
Die S. 427 versuchte Kechtfertigung befriedigt um so weniger, als dusime 
gewiss nicht Optativform ist, wie Schmidt meint, sondern, wie tur-iu ; tvr-i-ine 
zeigt, die schwache Form des Suffixes -{o- hat, also ind. fut. ist. 



§ 225.1 


Casusbiidung der Nomina. Nom. Ace, sing, neutr. 


561 


-71 1 verailgemeinert, das z. B. in ai. dddat altiiberkommen war 
(uridg. cle-d-7}t von W. do- ^dare"*). VgL Bartholomae Kuhn's 
Zeitschr. XXIX 552. 554. Umgekehrt war im Griech. '*-6.-': 
= vollstandig aufgegeben, wahrend sich '-avfr' = -yif 

hielt, z. B. dor. aol. 7:av "^totum^ aus § 126 S. 373), oau- 

v-dv zu oda-';r^-tx'- u. dgL. wonach im Aor. z. B. T:i6av fiir 
'7:i6d(r). Daneben im Griech. -o-v(':) — lit. -q. Lat. neutr. 
-ejis aus urital. (s. S. 562) kann sowol idg. "^-e-rd gewesen 

sein, wie solches in lit. dihe vorliegt (vgL S. 560 

Fussn. 1) ; als auch idg. und ^-nt. 

Ai. hhdi'cd zu masc. hhdran ""ferens^, hydidt zu masc. hduni 
“^ragend, erhaben, hoch\ sat == av. hap zu masc. sda ‘^seiendh 
dddat zu masc. dddat ''gebeud^ Gr. cipov zu cipmv ‘^ferens^ 
Ai-dv zu ALrrojv "^lassend^ 6a|x~V“dv zu da[j.--V“a; ""biindigendb riOiv 
zu TiOsi: "^setzendb dyvov zu dYVu; ‘'zerbrechend^, -'vov aus 
-v;t zu yvou; aus "yvov^ 'yvm-vT-; ‘'erkennendb Lat. fere7is 
zu masc. fe7'c7is und so iiberall neutr. und masc. gleichlautend, 
orieiis ah-utidZuis. prae-sem (= idg. ^s-ijtVj. Lit. vezq zu cezqs 
S^ehensb dllse zu dilses ‘'dmatov’. 

W6;^^-Stamme- Wie bei den i^?/~Participien. xAi. d7?ia-tat 
av. ama-vap von aiyia-vaiit- hnit Ungestiim handelnd, kraftvolF 
(vgi. Bartholomae Kuhn^s Zeitschr. XXIX 544). Gr. /apisv von 
/api-(/)cV7- ^anmutig^; ayaosiv bei Apollon. Rhod. nach dem 
Masc. auf -dci? (s. Yerf, Gr. Gr. - S. 119). Uber neutr. rr^oc rsm;, 
das wie ai. ved. neutr. g7ia-vas ""reich an Frauen"" (vielleicht 
auch wie hrt-vas, s. Bartholomae Kuhn’s Zeitschr. XXIX 536) 
gebildet war, sieh § 127 S. 379 f. 

Anm. 1, J. Schmidt’s Deutung von aus *7a~/aT pluraibild. 356 f.} 
ist verfehlt. S. Bartholomae Stud, zur idg. Spr. I 17 f. Zu Schmidt’s Mei- 
nung, idg. -t erscheine im Griech. als s. § 241 Anm. 1. 

Sonstige Stamme auf Yerschlusslaute. 

Arisch. Ai. msca-Ji-t ^alles gewhnnend" tri-ijt MreifacK, 
dvi-pdd ‘"bipesb Ai. nach ved. hrd ""cor"*, av. zai'^s-ca ""cor-que"* 
aus ^zar^f-ca d. i. '^zax^d + ea (I§ 473, 2 S. 351 . Av. as~ca ‘^us- 
que"", as aus '* ast, vgl. plur. ast-i, Ai. pratg-dk hiickwarts ge- 
wendet, westlicK {St. pratij-dnc-), ^^^-ydg adv. ^gut im Geschirrb 



562 


Casusbiidung der Nomina. Nom. Acc. sing, neutr. 


[§ 225. 


Giiech. iiih ‘'Honig'* aus gen. lasAiT-Os; late in. 

mel vielleicht aus '^mel[i)d (gen. mellis aus ^'meld-es nach I § 369 
S. 2 S3) und dieses aus "melit^ wol auch air. 7nil ^Honig'' (St. 
7 neli-) aus s. W. Meyer Kuhns Zeitschr. XXVIII 171, 

J. Schmidt Pluralb. 248 f. Gr. yaXa ‘'MilcK aus ^yaXa'/r, gen. 
‘'aXa'/T-oc, lat. lac aus ^lact, gen. lact-is (Varro’s lact war wol 
sein, des Grammatikers Machwerk). Gr. y.vjp ‘^Herz^ aus 
{§ 160 S. 450), lat. cor aus '^cord, gen. co7^d-is. Gr. OTio-opa adv. 
‘'von unten auf hlickend'' aus ‘^opa*/. ; vielleicht osSpo ^hiexheP 
aus ^oa-fpou oder ^6co-/po':r (I 163 S. 462 und Verf. Gr. Gr. - 
S. 116). Lat. allec liallec (neben m. f. allex Jiallex), gen. [h)al~ 
lec-is, Uinbr. tu-plak ^or/.poov quXov vel or/.pavo'/ nach Biicheler 
IJmbrica p. 154. 

Im Lat. zeigen die adjectivischen Stamme auf Verschluss- 
laute die Form des Masc., ausser den schon genannten wie 
ferens li-dms auch hi-pes aiidax py'inceps u. s. w. Von diesen 
Formen lassen sich die auf -7is nach Thurneysen Archiv f. 
lat. Lex. V 575f. als echte Neutralformen fassen mit urital. -yis 
aus -7it wie auch in quotims : ai. kiijat ‘'wie viel, wie weitX 
Thurneysen betrachtet das Zusammenfallen der Form des Neutr. 
mit der des Masc. bei den ?^z^-Stammen als Anlass zur Ver- 
wendung von hi-pes audax u. s. w. als Neutr. 

Anm. 2. Nach einer in Kuhn’s Zeitschr. XXIV 42 f. von mir ge- 
ausserten Vermutung, der sich J, Schmidt Pluralb. S9. 403 anschliesst, ware 
in Verbindungen wie ferntm hidens das zweite Nomen urspriinglich ein 
geschlechtiges Substantiv gewesen Vgl. doinus veins) und hatte, zum Ad- 
jectiv geworden, die geschlechtige Form auch als Neiitrum beibehalten. 
J. Schmidt (S. S7 ff.) stiitzt diese Auflassung durch den Hinweis auf analoge 
Erscheinungen im Ved.^ wo z. B. die Masculinformen va'ksb-hd "die Kaksas 
todtend’ dvi-pdd "bipes’ (neutr. dvi-pdd) sata-sd~s "hundertfaches Gut ge- 
winnend’ auch neutral auftreten. SoUte nicht derartiges neben dem Uber- 
gang von -7it in -ns dahin gewirkt haben^ dass die in der historischen Zeit 
entgegentretende Eegel zu Stande kam? 

Altii. traig Tuss^ aus '^traget oder '^tragit^ vgl. dat. plur. 
imigth-ih. 

Altkirchensl. telq ‘'Kalb'* (gen. teUt-e] gehort wahr- 
scheinlich nur scheinbar hierher, da der nom. acc. urspriing- 
licher ?z-Stamm gewesen zu sein scheint, s. § 244. 



§ 2'26.' Casusbildung^ der Nomina. Nom. Acc. sing, neutr. 563 

226. 6. 6" -St am me. 

a. Uridg. ^me7ios ''Sinii\ Ai, 7ndms: av. ma?id, apers, 
rauta Tluss^ = ai. srikas (vgl. apers. kdra § 194, 1. S. 531). Gr. 
pivo;; ausnahnisweise mit -ec statt -o: (e aus den andern Casus?) 
TEUEVEc Inschr. von Megalopolis (Le Bas-Foucart n. 331, 31 und 
42). Lat. ojyos opii^, gen.us\ umbr. mei's 7aers *^1118, fas^ aus 
'^7ned\o]s ;I § 633 S. 476), vgl. lat. inodes-tu-s. Aii. iecJt teg ""Haus^ 
= gr. 3tE7o: TEYO:; ^Dach'* (vgl. ye?- aus '^'2iiro-s^ § 194, 1 S. 531). 
umgestaltet zu tech eiue Xeubildung wie 77iuir /('.-§ 223 S. 555: 
gall. Odtvdd-paYo; == air. 77iag n. M]bene^ Ahd. Ia77ih ""LaniiiF 
ags. hraif: Xeiche^ (vgl. u.). Lit. dkas ‘'^yuhne^ wie alle gleich- 
artigen Formen zum masc. c-Stamm geworden (vgl. § 403); aksl. 
sloi'o ‘"WorF = ai. S7*dra6‘ gr. x/i/o; ‘'Ruf, RuliiiF y 

Lat. aes fiir alteres ^a(i)-os )= ai. cigas ‘'Metall, Erz^^ 
nach der Analogie von aer-is u. s, w., s. § 132 S. 392. 

Zu den german. Formen vgl. § 132 S. 393 if. Wir haben 
ill unserm Casus neben deni alten Ausgang '-os (vgl. die fin- 
nischen Lehnworter lammas mallas = ahd. Icmih mah] aucli 
'' -iz = ’-es, vrie iin Ags. Ze???5 (neben lo77il) = lainmi Lex Sal. 
und eventueli auch in den (masc.) Formen mit kurzer Wurzel- 
silbe ivie ahd. sigi ags. s?je ‘'Sieg'* (vgl. § 132 S. 395) Dieses 
"-OS fiir ■^-os war wol nicht aus Adjectiven (vgl. gr. ^soosc) 
heriibergekonimen, sondern aus den andern Casus der Subst, 
selbst, vgl. oben gr. TspsvE? (umgekehrt Verallgemeinerung des 
-os in lat. te77ipo7'~is etc. § 132 S. 392 £). Zum Ubergang in die 
a-Declination (ahd. gen. siges etc., wie quites) wirkte vieileicht 
auch ein instr. plur. auf -i7n{77i) aus ^-es-mi (§ 3S7) mit. Ygl. 
Michels Zum AYechsel des Nominalgeschl. I 13 fF. 

b. Uridg. ^ dus-7ne7ies Mbel gesinnF. Ai. durinanas, av. 
dusiimiu). Gr. oo^pEvs;. Lat. de-ge7ie7' (-?- fiir -s aus den andern 
Casus). 


1) Die Annalime 5Yiedemann’s (in der mir walirend des Druckes dieses 
Bandes zugekommenen Schrift Das litau. Prateritnm I 14), aksl. -o sei nicht 
aus *-os entstanden, da dieses zu -u geworden sei, sondern entspreche dem 
griech. -a;, uberzeugt mich nicht. 



564 


Casnsbildung der Xomina. Norn. Acc. sing, nentr. 


[§ 226 . 


Die Veischiedenheit cles Vocals der Schlusssilbe in jjlsvo^ 
43000 ^ : ooajjLsvs; hing hieij wie sonst, wol mit der Ver- 

schiedenheit des Wortaccents zusammen, vgl. auch ai. dpas 
"^Werk"* dvesas Teindschaft^ : apds ‘^thatig^ a-chesd$ ''ohne Feind- 
schafF. 

Im Ved. auch Formen aiif -as statt ~as^ wie devd-vyaccis 
‘^Eaum fiir Go tier darhietend^, die wahischeinlich analogische 
Neueningen nach den als Neutrum fungieienden^ in § 225 
Anm. 2 genannten Formen wie sata-sas waren (vgl. Lanman 
Noun-lhfl, 560, J. Schmidt Plnralb. 132 IF.j. 

c. Uridg. '^qreuds ""rohes Fleisch^ : ai. hrams gr. xp£(/)ac. 
Vgl. § 134 S. 398 £ 

d. Uridg. Comparat. '^dk[i)ios ‘^ocius\ Ai. amjas, av. asyo. 

Lat. dcius. Got, hduh-is adv. ^hoheF aus urgerm. Aksl. slazde 

‘'siisseF aus ursl. '^sold-io[s] (I § 84 S. 80 £, § 665, 4 S. 528). 

Im Gxiech. kann diese Bildung durch das axkad. inschx. 
IIAOS ('uXoc Oder ‘ttacoc?) iui Sinne von twXsov vertreten gewesen 
sein. Meister Bex. der sachs, Ges. d. Wiss. 1889 S. 89 £ liest 
::Xd>c und fiihrt diess auf *7rXa)-io? ziixiick. S. indess auch Da- 
nielsson Epigraphica, Upsala 1890, p. 51 sqq. 

Im Altlat. Verbindimgen wie posterior helium. Zweifel- 
haft bleibt, ob -r, wie in den nom. masc. auf '^-os^ auch in 
den nom. acc. neutr. auf -ds aus den andern Casus eingedrungen, 
Oder ob jenes posterior die Masculinform war. 

Neben den Formen auf '^-ios gab es seit voreinzelsprach- 
lichex Zeit auch Formen auf "^-is^ mit adverbialer Geltung. 
Gr. 'iTpsia- ‘"friiher^ in kret. TrpELa-^j'u-c; thess. '^pcTa-pu-c neben 
ion. 7rp£a-pu~^ (s. § 135 S. 406, Verf. Bex. d. sachs. Ges. d. Wiss. 
1889 S. 53 £). Lat. magis^ nimis\ osk. mais ""magis^ " got. 
mcvis. Got. mins ahd. mm ''mindeF aus ^mimi-iz, got. vairs ahd. 
loirs ‘^schlimmeF aus ^idrs-iz. S. § 135 S. 402 ff. Johansson 
De der. verb, contr. 177 und Streitberg D. germ, Compar. auf 
-dz- 30 mochten auch lat. plus hierhex stellen, indem sie es 
auf "^plois zuriickfiihxen (zum d vgl. oben ark. IIAOS); anders 
Veif, Gr, Gi. ^ g. 96 Fussn, 2, Danielsson Epigraphica p. 52. 



§ 2'2G — 227." Casusbildiing der Xomina. Nom. Acc. sing, neutr. 565 

e. Uridg, part. perf. act, 'ueid-iios Svissencr : gr. 

Uber ai. vid-vdt, lit, yn'ir-e imd aksl. nom. mir-u acc. ynlrme s. 
§ 13(j S. 412 if. 

227. II. Die Bildung der o-Stiimme auf -o~m. 

Uridg. ^Jugo-ni ‘'Joch^ Ai. ijugd-m. av. xsapre-yn apers. 
xham-m ^Herrschaft, Eeich'* = ai. Isatrd-m. Gi. 1 ^ 7 d-v. Lat, 
Jugu-m. non. — alat, noemim vor Yocalen entstanden: umbr. 
orfom "orlum" kuratu "curatum", osk. sakarakluni ''sacelliim'' 
comonorn ^comitium^. Air. dJiged n- 'Gesetz'', nemed n- = gall. 
V£a- 7 To~v ‘'Heiligtiim^ air. orhe n~ orpe n- ‘'Erbschaft. das Erbe"* 
~ got. arli ahd. arlji erli “"das Erbe^ (§ 65 S. 1221. G oi. juJc 
ahd, Preiiss. lunha-n ‘'Bastk aksl. polje 'Feld^ ? s. u.k 

^ -i-m neben *'-io-yn : umbr. tei'tirn terti 'tertiunF osk. me- 
diciyyi ''inagisteriiim\ S. § 194 S. 532. § 212 S. 546 f. 

Im Balt, ist ^-o-rn bis auf ein paar Eiille im Breuss, (s. o. 
und Pauli in Kuhn-Schleichers Beitr. YII 201 f. nicht mekr 
nach'vreisbar. Die Substantivstiimme sind irn Lit. und Lett, zu 
Masc. geworden. z. B. lit. h'lnka-s = preuss. lunhu-yi aksl. lyko 
"^BasP .§ 403). Die nux in bestimmten Fallen verwendbaien 
Neutralformen der Adjectiva im Lit., Trie gera "^guF (vgl. grazii 
‘'schbn^ § '223^ 2 S. 556), konnen nicht aus ~ci = -o-m erklart 
Trerden, da die Mundarten, die das -q des acc. sing. masc. in 
-u verwandeln, Trie die andern gey^a, nicht ^gerzy haben. Naher 
als Bopps Annahme (Yergleich. Gramm. 1 S. 321), gem sei 
eine Analogiebildung nach grahu (also die entgegengesetzte 
Neuerung wie bei av. neutr. tolami fiir volai. § 223, 2 S. 556), 
liegt die, der Ausgang -a gehe auf die Endung der Pro- 

nomina, zm’iick § 4 06'. 

Anm. Zum Theil sind ubrigens die sogen. jS’eutra auf -a des Lit. 
Teahrscheinlicli eigentlicb feminine Abstractsubstantiva , z, B. szenden ^zaHa 
nicht Eeute ist es halt’, sondem 'heute ist Kalte’ '^zaiiu : szdHa-s — geHli 
"Gelblieif: geita-s 'gelb’, § 15S S. 444 f. . 

Im Slav, ist unser '^-o-yyz (*-iz’ vielleicht ebenfalls ganz 
ausgestorben. 

Wie die Formen wie igo ‘'iugum^ ywco ^noTum^ zu beux- 
theilen sind, die sich auf "^-oyyi nicht ziiriickfuhren lassen, ist 



566 


CasusbilduBg der Nomina. Gen.(-AbL) sing. [§ 227 — 228. 


nicht ganz klar. Fur das Adject. liegt nahe, dass der Ausgang 
-o von den Pronomina iibertragen sei, vgl. to ‘'das^ = ai. td-d, 
Mogiicherweise stellte sich also -o zuerst bei den Adjectiva 
ein und wurde dann^ unter dem Einfluss der Substantiva auf 
-0 — ^-05 wie slom = gr. yAs/o- (§ 226), auch auf die Sub- 
stantiva erstreckt. 

Dagegen kann idx polje Teld"* Entstehung aus ^-ie-n "^- 10-71 
nach I § 219 S. 189 (vgl. auch Leskien Handb. - S. 19) ange- 
nommen werden (iiber gen. plur. polji kraji s. § 345). polje 
veihielte sich zu ehemaligem ^igu wie im acc. plur. masc. k 7 'aje 
zu vliiky (§ 326). Doch kann auch ein mit igo auf gleicher 
Linie stehendes ^poljo vorausgesetzt werden. Der letzteren 
Auffassung gebe ich den Vorzug, weil man nach dem acc. sing, 
masc. kraji ko7}j% mit Suffixform “(()^- fiir (§ 212 S. 546 f.) 
das polji erwarten sollte (vgl. S. 565 osk. neutr. 7nedicim), 

Ge7iit.{'-Ahlat.) sing, ^) 

228 . Aus uridg, Zeit waren zwei Suffixe ubernommen, 
-es -os -s und -sio [-so]. 


1) Kozlovski Sur forigine du genitif singulier, Techmefs Internal. 
Zeitschr. fur allgem. Spracbw. Ill 286. Benfey Uber die xndogerman. 
Endungen des Gen. Sing, layis, las, ~ia, Abhandl. der Gott. Ges. der Wiss. 
XIX (1874) S. 3ff. Henry Haffixe sya du gen. des themes demonstratifs, 
Le Museon IV 4885; p. 211 sq. A, Kuhn Uber einige Genitiv- und Dativ- 
bildungen, Kuhn’s Zeitschr. XV 420 ff. Bartholomae Zur Bildung des 
gen. sing., Stud, zur idg. Sprachgesch. I 77 ff. Ders. Der gen. sing, der 
fl!r-Stamme, Ar. Forsch. II 109ff. Havet Les genitifs indiens des themes 
en r voyelle, Mem. de la Soc. de lingu. Ill 414 sq. E. A. Fritsch De 
casuum obliquorum origine et natura deque gen. singular is numeri et abl. 
Graecae Latinaeque declinationis conformatione , Giessen 1845. Lugebil 
Der Gen. Sing, in der sogen. zweiten altgriech. Declination, Leipz. 1880. 
Leskien Die Genitivform auf -oio in den homer. Gedichten, Fleckeisen’s 
Jahrbb. B. 95 (1867), Iff. G. Boldt Der Gen. Sing, der o~Declination bei 
Homer, Tauberbischofsheim 1881. Cavallin De Homerica forma genetivi 
in - 010 , Melanges Graux p. 557 sqq. Bechtel lonische Genetive singularis 
auf -£u, Bezzenberger’s Beitr. X 280 ff. Nake De Latinorum gen. in ai 
(1830), Opusc. I 181 sqq. A. Petermann De genetivo substantivorum in 
ius et iu7n exeuntium forma aliquot observationes , Grossglogau 1863. 
Gandino Del genitivo -as dei temi feminili in -a nella lingua latina e 
specialmente neUa lingua di Plauto, Kivista di filoL IV (1876) p. 101 sqq. 



§22S] 


Casusbildung der Xomina. Gen. -Abl.. sing. 


567 


1. -es ~os und -5* waren wahrscheinlich verschiedene Ab- 
iautformen desselben siiffixalen Elementes, und das in einzel- 
sprachlicher Entwicklimg noch in der gesckichtlichen Zeit 
zu beobachtende Schwanken zwischen -es und -os. lat. z. B. 
aer-is und aer-us. scheint in iiridg. Betoniingsverschiedenheiten, 
wie ai. tudat-iis pa d-as ""pedis^ jdg. ~os\ gegeniibei hltd- 

rat-as ‘'ferentis^ Jd/nis-as ‘'generis^ ,idg. - 05 ), seinen Griind ge- 
habt zu haben. iihnlich wie die doppeite Gestalt des Suffixes 
der 1. pluT. act. '^-mes und '-?nos sich aus Betonungsgegen- 
satzen wie ai. i-772ds ""imus^ und hhdrd-inas ‘"ferinius^ erkliirt, 
S. I § 311 ff. S. 250 fF. 

Idg. -es findet sich im ItaL, Germ, und Balt-Slav. ^), -os im 
Griech., ItaL, Kelt, (und Germ.'^). Wie weit das ax. -as aus 
idg. -es und wie wcit es aus idg. -os enistanden war, ist vom 
Thatbestand der geschichtlichen Entwicklungsperiode aus nicht 
mehr zu ersehen. Auf das Erscheinen eines Palatals fiir einen 
Guttural in Formen wie ai. vTic-ds \ocis^ (vgl. I § 445 S. 333 ( 
ist niehts zu bauen, da der Palatal uberall durch analogische 
Keuerung eingediungen sein kann. 

Wo -os die Oberhand fiber -es gewann (Griech., Kelt.', 
mag das Streben wirksam gewesen sein, die Form des gen. 
sing, von der das Suffix -es tragenden Form des nom. plur, 
(§ 313) deutlicher zu scheiden; denn ivo die Abstufungsver- 
schiedenheiten im stammhaften Worttheil in Wegfall kamen, 
mussten die beiden Casus zusammenfallen. Dieses selbe DifTe- 
renzierungsstreben mag im Lat. in umgekehiter Richtung die 
Verdrangung des -es im nom. plur. durch den Ausgang der i- 
Stamnie '^-edes -es befdrdert haben (s. § 319). 

Stowasser Uber den Genetiv der yi-Stamme bei Lucilius, Archiv fur lat. 
Lexikogr. I lOdff. Arboi.s de Jubainville Le genitif sing, des themes 
feminins en a dans rancieii irlandais, Mem. de la Soc. de lingu. Ill 79 sq. 
Ders. Le genitif des themes en i et en u en vieil irlandais, ibid. Yl 54 sq. 
Forstemann Zur Geseh. altdeutscher Declination; der gen. sing., Kuhn's 
Zeitschr. XVI 521 ff. Schleicher Der gotische gen. sing, der a- und i- 
Stamme, ibid. X SO. 

1; Fine unsichere Spur der Form -es im Griech. ist das noe; von 
Ttpla-vo-; das eine Nebenform von -ap-o; ai. pur-ds gewesen sein 

kbnnte. S. S. 4U6 Fussn. 1. 



568 


Casusbildung der Nomina, Gen.-Abl.) sing. 


[§ 228. 


Die Suffagestalt vielleicht dasselbe Element, das Pai- 
tikeln Trie gr. lat. ahs enthieltenj hatte ihien Hauptsitz bei 
den 2 - und ^^-Stammen. Seltenei kommt sie bei den conso- 
nantischen Stammen voXj z. B. ai. ddii gr. d£a(-'rdT7]c) aus 
air. an-Ttie ans *-men-8 (§ 234). Sie mag auch in den Aus- 
gangen -as und -ies der ~d und der i- {^-Stamme (§ 229. 230) 
enthalten gewesen sein; hier konnte abex auch eine Con- 
traction des Stammauslauts mit -es -os stattgefunden haben. 

Die Genitivformen auf -es -os -s fungierten seit uridg. 
Zeit zugieich als i^blative, z. B. ai. yiao-ds gr. v-/)-d; vsd); be- 
deutete hies Schiffes'’ und Von dem Schiffe herb Wie diese 
Doppelfunction entstanden rrar, ist nicht mehr zu ersehen. 

2. -sio hatten von den Nominalstammen nur die <9-Stammej 
diesen Trar es in histoxischen Zeiten im Ax., Armen, (doch vgl. 
§ 239) und Griechischen eigen; vgl. auch lykisch -Jtcl -h^ mes- 
sapisch -hi -he -h, venetisch -h^ Deecke Bezzenberger s Beitr. 
XU 153. Es gehorte urspriinglich der Pronominaldeclination 
an und drang von dieser aus in die Nominaldeclination ein, 
s. Benfey Eb. die idg. Endungen des Gen. Sing. 22 if., Leskien 
Die Declin. 37 f. 

Fraglich bleibt aber, ob der im Lat. und Kelt, beim Xomen 
erscheinende Ausgang -I (-ei9 -oi?), von dessen Wesen in § 239 b 
zu handeln sein vdrd, diejenige alte nominale Genitivendung 
repxasentieit, fiir die der pronominale Ausgang -e-sio -o-sw ein- 
getieten war. Denn bei dem auch sonst zu beobachtenden 
engeren Zusammenhang zwischen Italisch und Keltisch (s. zu- 
letzt von Bradke Beitrage zur Kenntniss der vorhistor. Ent- 
wickelung unseres Sprachstammes, 1888, S. 31 fF.) muss mit der 
Moglichkeit geiechnet werden, dass dieses -I eine nach der 
Auflosung der idg. Uigemeinschaft aufgekommene italokeltische 
Neuerung war. 

Im German, erscheint -so^ von dem wdr mit noch grosserer 
Sicherheit als von -sw annehmen diirfen, dass es von den Pro- 
nomina entlehnt war. 

Im Balt.-Slav. haben die nominal en o-Stamme eine Form, 
die man kaum umhin kann flir den idg. Ablativ auf -od zu 



569 


§ 22S — 229.] Casusbildung der Xomina. Gen. -Abl. sing. 

halten. lit. zilho aksl. zluha lupi^ [§ 241). Daneben die Pro- 
nominalformen preuss. ste-sse ste-ssei ,nom. bta-s MeP aksl. 
ci-so ce-so (nom. cu-to ^qiiidb. Dass der Ablativ die Function 
des Genitivs mit iibernahni, war die Folge davon, dass die 
Formen auf idg. -.s- (aksl. inater-e ‘"niatris^ noW ^noctis^) von 
iiridg. Zeit her zugleich Gen. und Abl. waren, wie im Giiech. 
aus gleichem Grand umgekehrt der Gen. mit -sij) zugleich Ab- 
lativbedeutung bekam. 

Eei dieser Sachlage ist es wahrscheinlich, dass in der 
Peiiode der Aufiosung der uridg. Gemeinschaft eine einheitliche 
Formation fiir den gen. sing, der nominalen e-Stamme nicht 
bestand. Schon damals hatte die Fbertragung des pronominalen 
Ausganges begonnen : diese Ubertragung mag in den verschiede- 
nen Gegenden des uridg. Sprachterrains verschiedenen Umfang 
gehabt haben. Yielleicht war das ital. kelt. ~7 ~ei -o/) der 
Ausgang, dem die Pronominalendung Concurrenz machte; diese 
Endung ware dann im Ital. und Kelt, zu Gunsten des -7 aus dem 
Bezixk der Nomina wiedei ganz verdiangt und im Balt. -Slav, 
sammt dem -7 aufgegeben worden. Vgl. § 239 b. Die tber- 
tragung des auf die Nomina im Germanischen war aller 
Wahrscheinlichkeit nach ein speciell germanischer Process, 
vgl. § 239 a. Waren die ‘'Genitive^ got. meina pema sema ahd. 
77im u. s. w. Ablativformen wie die gleichartigen lit. 7nano Jcend 
§ 452), so diirfte der Periode des Ubergangs des ^~so aufs 
Nomen eine Zeit vorausgegangen sein, in der, wie im Balt.- 
Slav., die Ablative auf *-ed die Genitivfunction wenig- 

stens theilweise mit versahen. 

229. I. Die Ausgange -es -os -s (vgl. § 228 S. 567 f.). 

1. (7-Stamme. Dridg. ^eJiuas ^equaeb Gr. /tbpdc. Im 
alteren Lat. tias. foriTmcis ''j)ater faniUias auch noch in der 
classischen Periode); umbr. tut as totar ‘'cmtatis'', osk. eituas 
‘'pecuniaeb Air. nma ‘'mulieris^ idg. ein vereinzelter Best 

(vgl. Artikel inna § 420). Got. gilds aisl. gjafar. Lit. ranJcos. 

Idg. -as mit cixcumflectierender Betonung: vgl. gr. 
Bonoris^ lit. merges ‘'puellae^ (I § 07 1 S. 539). 

A It in d. g}ids-pdti-s ‘'eines gottlichen Weibes (St. gna-) 



570 Casusbildung der Xoinina. Gen. -AbL; sing. [§ 229. 

Gemar ist ein unsicherer Rest dieser Bildimg; denn es kann 
Neuschopfung nach Jds-pati-s (§ 233) und den Nomina auf 
-as-pati-s gewesen sein (vgl. § 24 S. 38 f.). Dasselbe gilt von 
a vest, vairyti (St. tairijd- f. ViinschensTrert^) , Treil es dnrch 
syllabische Dissimilation ans '^zairijaya hervoigegangen sein 
kann (vgl. I § 643 S. 4S4). Die regelmassigen Ausgange waren 
ai. -dycia av. -ayd (= ^-aids) apers. ~dya {= "^-dids), wie ai. di~ 
vdyds ""equae^ av. hapiayd ‘'des feindlichen Heeres^ apers. tau- 
mdyd ‘"der Familieb -uis war von den i- {e-Stammen (ai. 
hrhcdyas^ detiyds dezyas. § 230) heriibergekommen, gleicliwie 
im Dativ ai. -dyed av. -aydi fiir -di (§ 247) ; im Av. -ayte nnd 
-aydi mit -a- statt -d- ttoI nach dem instr. auf -ay a = ai. 
-ayd (§ 276). Den i^nlass zu diesen Neuerungen gab der loc. 
sing., der im Drar. bei den (7-Stammen auf bei den {e- 

Stammen auf ausging, s. § 264. Bei der Umgestaltung 
des alten gen. sing, auf Trar Trahrscheiniich das Streben 
mitwirkendj seine Form von der des gleichlautenden nom, acc. 
plur. (ai. divas) zu unterscheiden. 

Anm. 1. Mit der Xeubildung d.h-d-^/ds uacli hrhat-yds vergleiche man 
auch gen. plui. dlm-yidm nach der ?i-Declination; § 345; umbr. porta-ia 
'portef nach hab-ia 'habeaf fas-ia ''facial; osk, cema-um 'censere^ nach 
ez-iim Asse’; asachs. 1. 2. 3. plur, scouiio-iad fiir scoiiuod nach ner-iad sd'k-iad 
(Banielsson Stud, grammat. p. 53, Verf. Morph. Unt. Ill 45. 891.); lat. gen. 

nach eqid (s. S. 571). 

Anm. 2. Anders iiber ai. -dijds u. s. v. I. Schmidt Kuhn's Zeitschr. 
XXVII 3Slff., der Ubertragung der Ausgange von oAStammen annimmt. 
Zunaehst seien gen. "^-al-as dat. gebildet v^orden. Dann seien fiir 

diese "'-ams aufgekommen entweder nach den Formen der 7-Stamme 

hrhatyds hrhatyai, oder die urspriinglich neben einander stehenden gen. '^-aias 
und ^~ds, dat. "^-ajai und ^-dl seien zu ar. ^-aids verschmolzen, indem 

die u-Stamme die Quantitat der Endung lieferten. Das Av. habe das a 
der vorletzten Silbe kurz erhalten, vrahrend im Ai. und Apers. die Lange 
aus den starken Casus in die schwachen versehleppt sei. Abgesehen davon, 
dass die angenommenen Musterformen an sicli fragwurdig genug sind, fragt 
man, warum, wenn das -d- der vorletzten Silbe fiir -a- aus den starken 
Casus eingeschleppt mirde, nicht auch der instr. ai. cihayd in "^dimyd ver- 
andert mirde. Dass diese Einschleppung fruher gesehehen sei als das Ein- 
dringen des pronominalen -atjd in den Instr. (auch av. liapiaya], ist unbeweisbar. 

Im Ai. hndet sich in der Sprache der Brahmana’s der Dativ 
auf -aydi an der Stelle des Gen., z. B. ydjydydi ‘^des Begleit- 



§ *229.] Casiishilclimg der Nomina. Gen. -AbL, sing. 57 1 

spxuches >wie ei beim Opfern iiblich ist)^; vgL btriyai als Gen. 
§ 230. Vermntlich eine rein syntaktische Neuerung. 

Im Griech. nalimen die masculinisch gewordenen f7-Stamme 
den Ausgang der o-Stiinime (§ 239) an, vgl. den nom. sing, auf 
§ 190. Horn, (aol.) boot. Ts/istdo rvie ep. Aioaoo. 

Lesb. dor. durch Contraction -d. Ion. -sco aiis ^-r^o , ,aus -sm 
diirch Contraction -co, ferner auch -so = -so, s. Verf. Gr. Gr. - 
S. 39. Arkad. kypr. -ao, was wol -cm zu lesen ist. Att. -ou, 
entweder durch Herubernahme des ganzen Aiisgangs -oo yon 
iA'too, Oder so entsprungen, dass das laiUgesetzlich aus -do her- 
yorgegangene -co) zu einer Zeit, als noch T”oo gesprochen 
wurde . nach dieser Form -o fiir -m erhielt imd -eg dann zu 
-00 wurde. 

Im Arkad. wurde -ao auf die Feminina ilbertragen. z. B. 
''diilau gegen att. zu hlie Strafe^ Umgekehrt 

trat im Megar. und Thessal. die Femininendung -d: wieder auf 
die Masculina liber, z. B. Aoaid;. Nixid; gegenliber att. -loo, 
eine Xeiibiklung, die dadurch yeranlasst wurde, dass der Gen. 
und der Nom. beide den Ausgang -d (im Gen. -d aus -do be- 
kommen batten, vgl. § 190 S. 525. 

Att. KocAAtaooo; (nom. -idor^-c) nach der Analogic des Gen. 
der £a-Stamme wie 2i!a>'/pdToo;. Ygl. voc. ifrpE^Laos; § 202 S. 542. 
Die rhod. Gen. solcher Eigennamen, z. B. Zapidoso;, waren 
die Folge aus dem Ion. importierter Nominative auf -r^;: Fapid- 
als Nom. ist auf Rhodus belegt (C. I. G. 2534). Uber so 
aus SO ygl. I § 603 S. 458. 

Im Lat. bildete sich friihe, nach der Analogic des Gen. 
der o-Stamme wie egia, der xAusgang z. B. vial, von den 
Dichtern bis in die augusteisehe Zeit gebraucht. Vermutlich 
war ziierst bei den masc. d-Stammen geschafien worden und 
von diesen zu den weiblichen gekommen, Tgl. oben arkad. -ecu 
erst masc., dann auch fern. Ob die in der classischen Zeit die 
Hegel bildenden Formen wie scrihae eqiiae aus diesem -Tii rein 
lautlich entstanden waren, oder ob liberdiess die x\nalogie des 
loc.-dat. ~ae wirksam war, ist schwer zu sagen, zumal da die 
Quantitatsverhaltnisse der beiden Elemente des -ai und ihr 



572 


Casusbildung der Nomina. Gen. -Abl. sing. 


[§ 229. 


syllabisehes Yerhalten in den inschriftlicben Formen (z. B. 
Laver/uii C. I. L., In. 47) uncontrolierbar sind. 

Altir. iuaithe scheint den Ausgang cler ia- nnd der 1~ ie- 
Stamme [soilUe iind inse) bekommen zu haben. 

Anm. 3. Der gen. Brce Jnom. Br(^, erscheint auf einer Ogaminsclir. 
als Ercias Stokes Bezzenberger’s Beitr. XI 151, vgl. S. 79). Diess weist anf 

als altere Gestalt des -e von tuaitlie tind soillse, nnd so wurde auch 
Vise [i- /e-Stamm) hergeboreii nnd vrto eine Form wie got. fnjondjus zu 
nom. frijondi ;§ 230;, Doch beweist JErcias nur^ wenn man (mit Stokes) 
Masc. auf -a annimmt. Was ist aber von dem gen. Avittoriges einer 
neuerdings in Wales gefundenen Ogaminschr. [s.eArchaeoL Cambr., 5tr Ser., 
VI, No. 23) zu halten, dessen g vielleiclit Ausdruck fur j Trar (nom. latini- 
siert Avitoria]^. Es ist zu erwagen, ob nicht vorkelt. '^-es lautgesetzlich 
sein ~e festgebalten hatte )sonst 7 aus e ) , zumal da das Suffix der 2. sing. 
-the [-thd] dem ai. -tlias — gr. dor. zu entsprecben scheint. Dann lage 
vahrscheinlich auch der idg. Genitivausgang -ies der i- ^e-Stamme im Kelt, 
vor, i)ise vrare dem lat. gen. facies zu vergieichen. Diese Fragen, die ich im 
x\nschluss an hlittheilungen Tliurn'eysen's aufwerfe, mogen Andere entschei- 
den. Was d’Arbois de JubainviUe Mem. Ill SO bringt, halte ich fur verfehlt. 

Althochd. geha ags. ^iefe, ahd. sijype [sipped) ags. sihhe 
(vgl. nom. got. sihja ''Sippe'') wahrscheinlich mit dem Ausgang 
iiigerm. d. h. sippe sihhe vrar nach gutinne p^yde^ine (mit 

idg. "^-ies. § 230) gebildet und zog geha ^iefe nach sich. Die 
libextragung auf die {-losen n-Stamme geschah im Ahd,, bevor 
zu ~e gewoxden war (vgl. Braune Ahd. Gramm. § 58 Anm. 1, 
§ 209 Anm. 3). Die gleiche Formiibertragung im acc. sing. 
§213 S. 54S und im nom. plur. § 315. 

Im Ahd. fiir geha schon friihe ziiweilen die Dativform gehtc 
geho, die im 10. Jahrh, libexhand nimmt. 

Altkirch ensl. rqky ‘^der Hand^ und dtise ‘^der Seele^ setzen 
eine Grundform mit '^-am oder voraus, vgl. den gleich- 

lautenden acc. plur., dessen urspriinglicher Ausgang '^-a7is war. 
S. I § 219 S. 1S8. Dass der gen. sing, rqky eigentiich diese 
Form des acc. plur. gewesen sei, wie nach Scherer mehrfach 
angenommen worden ist (indem der acc. plur. den nom. plur. 
auf ^'-cis verdxangte, soli er sich zugleich auch an die Stelle des 
diesem gleichiautenden gen. sing, gesetzt haben), ist schwex zu 
glauben. Jedenfalls hing -y mit dem Ausgang der Prono- 
minalform gen. sing. fern, tojq (nom. "^die"*) zusammen (§ 420), 



§ n9—2:n: 


Casusbildung der Nomina. Gen. -Abl. sing. 57 S 

doch bleibt ungewiss, ol) er zuerst nur hder zu Haiise war und 
erst spater zum Xomeii kam. 

230. 2. 1- ?d-Stamme (vgl. S. 526 Fiissn. 1). Uridg. 
g/i?2t{i)ies ''ceha.e\ Ai. hrltaiija^^deiiyas (r/^iv/d6 ‘'deae^ <i\\larentija. 

facies^ rabies, Ahd. gufume ^yclenne ''deae\ vgL § 229 
S. 572. Lit. zemes, 

Daneben nach der /d-Declin. : gr. -norviac; lat. 

materiae (nom. mater ies und rnateria) \ got. frijbndjos (wie sihjos, 
nom. sihja ^Sippe"”); lit. zezanczids^ marczios (nom. marfl ‘'BrauF). 
Ob air. inse^ Brigte idg. oder enthieiten, ist unsicher. 
s. § 229 Anm. 3 S. 5 72. 

Ini Altind. in der Sprache der Brahmana's der Dat. an 
der Stelle des Gen,, wie striydi statt sfriyds (nom. sfrl 'Frau^j, 

ydjyaycd § 229 S. 570 f. Im Av. hie und da Ubertrkt in 
die Analogic der 7 - ii- und der 7-Stanime; z. B. Jiaraipyo {ha- 
raifi- Name eines Gebirges’ . 

Ini Lat. -iWi neben -ies, faciei^ aciei, eine Neuerung von 
derselben Art wie ciZii (§ 229',. Ferner -ii, facii, progenii^ 
Juxuril: -iJ : -iel = -ae : -di (vgl, auch § 24S). Endlich, bis in 
die c'lassische Zeit, auch facie, wahrscheinlich die Dat.-Loc.- 
Form (§ 24S. 265). 

Die ir. Genitivforni mseo (d. i. bis^o) war Bildung n^ich der 
/-Declination. Vgl. dat. inis § 24S. 

xAltkirchensi. zemlje und tezqste wie duhe § 229. 

231, 3. /- Stamm e. Hier haben wir zwei Bildungstypen, 
-ei-s -oi-s und -i-es f-os -ii-es -ii-oSj von denen der erstere 
mit Sicherheit, der zweite mit hoher Wahrscheinlichkeit der 
uridg. Periode zuzuschreiben ist. Dabei bleibt aber unklar, wie 
die beiden Typen urspriinglich vertheilt waren. 

a. -ei^-s und -oi-s, verniutlich urspriinglich nach verschie- 
denem Wortaccent verteilt, etwa "^mnfei^-s "^mentis^, on oi-s ‘^oids^. 
Ar. ^-ai-s (— ^-eh oder ^-ois^,) ; ai. itve-s\ av. azdi~s , apers. 
fravartai-s ^des Phraortesb Gr. pamphyl. NoyoTroVsic 
NsoTToXscn;) ist, wenn richtig iiberhefert, die einzige Form dieser 
Art im Griechischen. L^mbr. punes ""poscae"* ocrer ^ocris, mon- 



574 


Casiisbildung der Nomina. Gen. -ALL sing. 


• § 231. 


tis\ osk. Heientateis ^Veneris, Yolupiae"^), urital. also 
German, nur femin. Subst. ; got. mistdk aus ahd. ensti 

ags. este aus '"'-eh oder aus '^-ii-es b.) oder ""-ehes (vgl. horn. 
'itoAcgc , wie loc. ensti vielleicht aus (§ 266). Lit. nahtes^ 

aksl, nobti, Gdf. ^-eis oder 

b. -i-es -i-os, -ii-es -ii-os. Im Ai. -y-as -iy-as neben -e-s 
im Masc. und Neutr., wie deyas, ariyds ‘'des FrommeIl^ Im 
Av. ein paai mal der Ausgang -yois^ wie in jainyois 
AVeib^ vgl. Eaitholomae Ar. Forsch. Ill 64), der dock wol duxch 
Verschmelzung von -oh und "^-yas zu Stande gekommen war; 
vgl. got. Mnndus ‘'der Wange’’ d. i. "^kimiaus (§ 232). Armen. 
s'rti^ melleicht aus '^-nes oder '''-iios (vgl. zardu § 232). Im Griech. 
in alien Mundarten ausser der ion.-att. nur ocpio;, cpuaio?, welche 
Bildung im Ion, neben der unten zu besprechenden auf ur- 
griech. auftritt (vgl. nom. plur. ocpis; § 317) ; kann 

auf den nom. rhXl-c § 233) bezogen werden. Fiaglich ist, ob 
Torcmias auf einer ir. Ogaminschr, hierher falle, vgl. Ei'cias 
§ 229 Anm. 3 S. 572. Im Germanischen branch t der Ausgang der 
masc. i-Stamme, got. gastis ahd. gastes aisl. gests^ nicht lediglich 
von den tJ-Stammen entlehnt zu sein : ein urgerm. '^-i-az oder 
"^-i-iz musste zu *-iz werden, und diess konnte leicht dem 
^-e-slg) {§ 239) vollig angeglichen werden, zumal wenn die 
historische Form des ,,Dativs‘‘ dieser 7-Stamme urspriinglich ein 
echter 7-Casus war (§ 260). 

Wenn nun auch diese zweite Bildungsweise, die sich zur 
ersten zu verhalten scheint wie ai. ncimn-as zu air. mime ‘'no- 
minis'* (aus *-me?is], av. kamaestr-o ‘'Widersachers'* zu sdstar-s 
^Herrschers'*, gr. dv6p-ok zu av. nm'h ‘'Mannes^ ai. dw-ds zu 
dyb-s ‘'Himmels'*, gr. in Boc-Tropo^ aus zu ai. gh-s 

‘'bovis^ aus der Zeit der idg. Urgemeinschaft iiberkommen sein 
mag, so ist doch zweifelhaft, ob nicht in dem einen oder andern 


1 ; Man kann freilich scbwanken, ob man diese Form auf einen Stamm 
mit Suffix -tail- oder mit Suffix -tat- beziehen soli g. § 102 S. 292). Sie 
gehort gleichwol sicker hierher, weil das -efs aller consonantischen Stamme 
von den t-Stammen herubergekommen war. Fine Genitivform eines zweifel- 
losen alten 2 -Stammes ist zufallig nicht uberliefert. 



§23i; 


Casusbildung der Nomina. Gen.-AbL; sing. 


Sprachzweig die Analogic der J- //-gtamme niit dem idg. Aus- 
gang '^-n-es hereinspielte. NamentKch ist diess fiirs 

GriechischCj im Hinblick auf die Bildiing der andern Casus des 
Paradigmas in den betreffenden Dialekten, kaum abzuweisen. 

c. Im Altind. zeigen die Feminina neben -cs auch 
eine im Lauf der historischen Entwicklimgsperiode immer 
hauiiger werdende Neuschopfung nach den 7- /^-Stanimen 
230), z. B. dvj/as: entsprechend im Dat. -f/ai (§ 219\ im Loc. 
-ijLim 2 Go). Ben Anstoss zu diesen Neubildungen gab die 
formale Ubereinstimmung der beiden Stammclassen im instr. 
sing., dvijd : hrhatyd !§ 275). Av. vay~o gegeniiber ai. re-d \vi- 
bavis^) war eine Neuerung. bei der die Einsilbigkeit des Stamines 
wirkender Factor war: vgl. einerseils gen. pliir. raij-am. pray-ajn 
^triunP (§ 34$), anderseits gen. sing. ved. ndr-a^ (nach ndr-d : 
ay. nar-s (§ 235), ved. gdv-as (nach gd€-i) : gd-.s 23 S . 

Ai. pdiijur hies Gatten^ und janijur "^der Gattin^ waren nach 
piiiLT matiir (§ 235) gebildet, vgl. auch dat. pdty-e wie piir-d 
240), pdty-d wie pitr-ci (§ 27$). S. Wackernagel Kuhn's 
Zeitschr. XXV 289 f. 

Im Att. ocpsoc, ^Gaso;, tzoabo^ (letzteres, das auch Homer 
und Theognis haben, zu St. 7:0X1- nom. 'iroAi-c, der neben St. 
TToXi- nom. “oXi-; lag), die, weil -so- uncontrahiert war, nicht 
als lautgesetzliche Fortentwicklung von urgriech. Formen auf 
*'-aoQ aus “"-si-o; gelten diirfen; veimiitlich wirkte auf -s(i)'o; 
die Analogic des -'s(/)-o; der 2 ^-Stamme (J. Schmidt Kuhn's 
Zeitschr. XXVII 301 f.). Vgl. ocpsi § 266, oost; § 317, o^stov § 348. 

Vom loc. TToXTji (§ 260) aus entstand das homer. tzoAt^o;; aus 
-rpc^ durch ’'quantitative Metathesis'* (I § 611 S. 463 f.) die att. 
Xebenform -stoc, 7:oXsa>;, ocpsm;. 

Der umbr.-samn. und urital. Ausgang -eis ist im Lat. nicht 
nachweislich. Die histor. Formen auf -is -us, wie ovis, pai'iis 
partus, bexuhten auf derselben Vexmischung mit der Declination 
der consonantischen Stamme, die wir in or era. § 214 S. 54S 
kennen lernten. Anzunehmen, dass oris aus ^orjis entstanden 
sei und dem ai. dryas entspreche (Froehde Bezzenberger's Beitr. 
XIV 114), sind wir nach den Lautgesetzen nicht berechtigt. 

Brngmann, Grundriss. 13, 2. 


37 



576 


Casusbildung der Nomina. Gen.f-Abl., sing. [§231 — 232. 

Iin Altir. zeigen die Substantive -o -a^ wie fatJio fatlia^ 
das zunachst auf '^-ds zuriickzufiihren ist nach Ivacattos (odei 
Ei':icattos) iind Suralloii auf Og'aminschr. Die Bildung ist 
unklar. 

Anm. Man konnte an’ Ubertragung des Ausganges der ?i-Stamme 
;§ 232; denken, vie im Aisl. das -ar der u- auf die masc. 2 -Stamme iiber- 
ging (z. '^.pillar zii nom.piilr '^Sprecher, Kedner’). Dock sieht man fur eine 
so frube Zeit keinen genugenden Anlass zu soleher Ubertragung ; umgekebrt 
var sicker im gen. pliir. hWie a- nack fathe n~ gebildet (§ 349). Eine Grand- 
form als Umformung von viirde lautgesetzlick genugen, ist 

aber an sick venig vakrsckeinlick (trotz d’Arbois de JubainYille Mem. Y1 
54’ . Dass '^-ofs lautgesetzlick zu -o.s fiikrte, ist vol ausgescklossen. 

232. 4. ?/-Stamnie. Uridg. -e?/-6* -ou-s und -zc-es -zi-os 

-im-es -tm-os, entsprechend den Eildungsvreisen dei 2-Stamme 
(§ 231). Die ‘Form -ezi-s neben ist freilich nirgends nach 

den Lautgesetzen xnit Sicherheit nachweisbar, aber gemass dei 
Analogic der f-Stamme (osk. castrovs : Herentateis) zu er- 
schliessen. 

a. -etis und -ozi-s, ursprlinglich etwa "^stmeii-s *^filif, aber 

^medhou-s ‘'mellis^. Ar. (= ^''-ezi-s oder : ai. 

srm6-s: av. hazeii-s hdzao-h. apers, kVrau^s *^Cyri\ Lat. mmius\ 
iimbr. trifoT ‘^tribus^ osk. castrovs ‘^fundi^; nach der Analogic 
des umbr. osk. ^ -ei-s der 2 -Stanime diirfte das ital. "-ozis auf 
"^-ezz-s zuriickzufiihren sein I § 65 S. 53). Air. hetho -a^ Ogam- 
inschr. Trcnalugos , Bnisccos (wol mit o' aus idg. '^''-ezis oder 
'^-ozjs: in dem -u von Tvenagusu, Nettasagrii auf Ogamin- 
schriften von Wales (Stokes Bezzenberger^’s Beitr. XI 145) ver- 
mutet Thurneysen dialektische Umgestaltung von "^-os. Got. 
siinaus, ahd. frido frido Triedens\ aisl. sonar urnord. '^sunon, 
urgerm. "^-az/s — idg. "^-ozi-s. Lit. szinaus aksl. syziu, Gdf. ^-eu-s 
oder ^~oti~s^. 

b. -ti-es -ze-oSj -zm-es -uu-os. Ai. -v-as -uv-as neben -d-s 
im Masc. und Neutr., vrie pasv-ds Mes Viehes^ mddhv~as md- 
dJiuv-as ‘'mellis''. Ebenso im Av. -v-d neben -eus -aos, wie 
xrapzv-d [xratii- ^WillC; Kraft, Absicht") = ai. hrdtv-as. Armen. 
zardu^ vielleicht aus "^-uu-es oder "^'-im-os (vgL sidi § 231 S, 574). 
Griech. ion. ^oovd; aus *yov/-oc (zu nom. ydvu ^genu^, vgl. Verf. 



§ 232.J Casusbildung der Nomina. Gen. -Abt.' sing. 577 

Or. Or. - § 70 b Anm. S. loob ysvoo; (zu nom. yivo-c 'Kinn" = 
ai. hd7iu-s}, Lat. i>enaiui;s altiat. sencituos, cornuis. falisk. zenuiuo 
i~s abgefallen' kbnnen lautgesetzlich sowol aus 
bezieh. ''-?/-cs als auch aus ^-f.v-es ^-e 2 f-os, bezieh. 

^-OJ/-es *~-OH-os gewonnen werden, vgl. dat. senTiiu-i § 250. Im 
Germ, ein. paar Formen mit -an- aus -nu- ;l § ISO S. 159; : got. 
mazis ahd. man "^^lannes" aus ' manniz "ma)n{~iz oder '^mcvnnaz 
" znazni-az = ai. " znanv-as ^unbelegte Xebenform von mdrJj-s] O; 
got. I'i/indu6 ""der Wange"* [Nlischbildung aus "^klnauz = ai. 
ItdtLOs und "khiaiz '^'kinniz = gr. vgl. d.\'. jairajTjih § 231 

S. 574), wonach anaiogisch auch nom. khtmi-8 fiir '^kinm — ai. 
],dim-H u. s. w. 

Zweifelhaft bleibt auch hier Vgl. § 231 S. 574 f.:, wie weit 
dieser zweite Bildungstypus immittelbar aus der idg. Urzeit 
mitgebracht war, und ob nicht hie und da die Analogic der 
Ti- ^/^/-Slamine mit dem uridg. Ausgang -in{-es -un-os herein- 
spielte. 

c. Im A hind, im Femin. auch -vciSj dheziv-as von dltend- 
^Vlilchkuh" ,wie dat. -mi. loc. --oTmx). eine der Bildung -ijas bei 
den femin. /-Stilmmen ;§ 231 S. 575) parallel gehende Xeuerung. 
Vgl. § 279. Av. hiizdus mit demselben Ziii wie im nom. sing, 
etc., s. § 201. 

Im Griech. bei den Adject, und einem Theii der Subst. 
-s{f)-o;. wie Tjoso;, ion. att. r.rjjoz, aarso; (dzTiy n. "^StadF), boot, 
/dario; aus ^faazzo^ § 04 S. 52), kret. mVoc {ol6-z "^Sohnb. 
Daneben att. T.rjziat;, aatco); nach der Analogic von ocpcm; 
ttoAsco; i§ 231 S. 575). 

Ini Lat. seit altestei Zeit auch Formen wie quaestl smyipfk. 
wie denn spiiter Oelfach auch die andern Casus nach der 
o-DecIin. gebildet warden , so dass schliesslich die ganze u~ 
Declin. in dieser aufging. Ob der gen. auf -1 erst eine Folge 
des Fbergangs von -os in -us im nom. sing, der o-Stiimme war 


1 Anders uber got. maxis xnamie mannatn etc., aber mich nicht uber- 
zeugeud, Bezzenberger Deutsche Literaturzeit. 1S90 S. 14. Er legt die zwei 
Stammformen man- und manan- zu Grunde. 


37 



57S 


Casusbildung der Xomina. Gen.[-Abl/' sing. 


'§ 232—234. 


(vo;L cle/ibu-s torru-s nach der o-Decl. gegeniiber gr. ai. 

frsu-.i Osthoif Morph. Unt. IV TS), ist mix fragKch. 

233. 5. i- ?V~ und a- ^/zz-Stamme und St am me au£ 

-7, -/}. Uridg. -ii-es ~?V~05, -uu-es -iiu-os. z, B. "^hJiruu - es -os 
;noin. ^hltru-s ^Braue'*). Ai. dldy-cis Mes Gedankens", ved. nadiij-as 
hies Flusses"*, 'bhriio-ds^ ved. stah'uo-as ""socrus"*, av. Mes 

Kdrpers'*: daneben, mit Charakterisierung des weiblichen Ge- 
schlechtes, ai. dhiijds itadiyas hJiruvas stasruvcis (wie dat. rnit 
-di. loc. mit -cirn)^ analog der gleichartigen Behandlung der 
femin. i- und ?/-Stamme (§231 S. 575, § 232 S. 577); den An- 
stoss zu diesen Neuerungen gab das Verhaltniss von instr. dliiy-h 
zu deviya u. dgl., s. § 250. Gr. y.idc, ttoXio; zu nom. rdlX-c, (vgl. 
§ 231 S. 574), 6d; ‘^suis^, dcppooc. vizuo; (zu nom. viy.u-c). Lat. 
stds socrids (daneben socrus nach der Weise der z^-Stamme) ; 
dass vis lautgesetzlich aus *vii-es hervorgegangen sei (Stolz Lat. 
Gr.2 S. 337)^ ist nicht wahrscheinlieh ; eher wol vis zu nom. vis 
ace. vwi nach dies facies (gen.): dies (nom.): diem. xAisl. gen. 
syr Wis" wol aus ^sTc-iz (vgl. gen. plur. sua)^ indem su- fiir 
smji- aus den Casus mit consonantisch beginnendem Casussuffix 
eindrang, tJber lat. vis aisl. sTj?' vgl. aber auch unten in diesem §. 
AksL krdv-e ‘'Blutes^, svehruv-e ""socrush 

Entsprechend wurden die Stamme auf lange sonantische 
Liquidae und Nasale § 160, 4 S. 455 f.) behandelt. Ai. gir-ds 
Xobes^ == "^grr-es -os, pur- as Mes festen Platzes^ = ^pU-e$ -os^ 
gd-kui-as (nom. go-sd-s "^Binder gewinnend"") aus ^-smi-es -os. 
Hatte Jds-pdii-s ^Herr der Familie , HausvateF einen alten 
selbstandigen gen. Jds, so ware dieser eine Bildung mit dem 
Genitivzeichen -6?; man hatte dann -vdelleicht lat. vis und aisl. 
sp' in unmittelbare Beziehung zu ihm zu setzen. 

234. 6. Stamme auf Nasale. Meistens mit -5 
zeigen die irischen Neutra mit Suffix -eii- und -men-, av. xio^rog 
""der Sonne^ und das Wurzelnomen *dem- Monmsh 

Anm. Dass nnr in einem Spracbzweig die mebrsilbigen e?2-Stainine 
die Bildung auf -m-s autweisen^ ist wenig auffallend, wenn man bedenkt, 
in wie vielen Spracben -ns durch die Lautgesetze Terandert wexden musste 
und wie leicbt die yeranderten Formen dann dem Systemzwang zum Opfer 
fallen konnten. — Dass ein Gen. auf -ns aucb in av. ayqn yorliege (J. Scbmidt 



579 


§ 2;i4.] Caausbildung der Xomina. Gen. -AM., sing. 

Pluralb. liJO , ist wegen des langen Vocals der Schlusssilbc ,-^ 7 ;^ = ~dj, 
wenig walirscheinlich. Ich halte die Form fur einen verallgemeiuerten loc. 
sing. ,§ 257,. Ehcr hat vicllcieht Bartholomac Stud, zur idg. Sprachgesch. 
I lo lKecht, TV'enn er in ved. ^nr dha)tji^ 'dreiinal des Tages’ eineii Gen. sieht. 

a. Stiinime auf ~n. Vridg. liUn-es -os "canis^ {*A'UM-es, 
vgl. § 2*2S S. 567',. 

Ai. hl/i-as (zur Betonimg vS. 52S Fussn. 2) av. sJln-o . ai. 
anjamn-dH [nrya-mdn- ‘'Gefahrte, Freund'; av. airyamn-d [airya- 
hian- 'folgsam' , ai. dsman~as av. asman-b [dsma/i- asman- ^Stein, 
Himmerb Zinveilen drangen in der einzeldiaiektischen Fint- 
wicklung Starke Stammgestalten ein , 5vie ved. vrsau-as neberi 
vrsfj-as ‘'des Stieres', av. airyaman-b neben airyamn-b. vgl. auch 
§ U7 Anin. 1 S. 344, § 251. iMit av. xirmg ‘"der Sonne^ = 
urar. ^sya/i-s, eine Xebenfonn von Lvar- = ved. savar-, vgl. 
§ IIS S. 352 f., § 224 S. 559 f. 

Armen, ahaf} (nom. aJcn kA.uge';, e/Jjt (nom. eu? "Hirsch' , wie 
aksl. jf^hn-e ‘'ilirsches' gr. doiv-oc. Mit alter schvacher Stamm- 
forni noch arn Alannesk wie av. crrhi-b. 

Griech. xov-d;, dpv-d; imd mit starken Stammformen TixTov- 
0 ;, zoiixi-i-oi. av<5v-o;. -S’jar,v-o;. 

Lat. carn-is und mit starken Stainnifornien homin-is homin-us, 
edbk-is. sabin. nerien-is (§115 S. 33Sf.); der alte Ausgang -es 
in dem inschriftl. Apolones kVpollinis'’ (C. I. L., I n. 1S7). Im 
Fmbr.-Samn. mit dem -eh der 7-Stamme (wie es alle consonan- 
tischen Stamme wol infolge davon annahmen, dass bei einer 
Anzahl von 'VVbrtern nom. und gen. sing, zusammengefallen 
waren) : umbr. iiomner ‘'nominis'', osk. carneh ‘'partis'. 

Air. con ‘'canis' aus ^cun-os, entsprechend dercon (nom. 
deriiec ^Eichel'b arena (nom. aru ‘'Xiere'/, toimien (nom. tountiu 
‘Meinung'; ; in Oganiinschriften Segcanon-as, Inhsion-as, Hin- 
gegen zeigen die neutralen /^-Stiimme im Air. den xVusgang ^~en-$ 
'p-ens "^-cs -e, vgl. I § 057, 6 S. 511;. wie hnbe nom. u?ib ?i- 
^IFitterb, a/a?ne (nom. ai/wi n- 'Xame';': ^-e? 2 -s d-n-es "-n-os — 
"'-hes ^-i-os, s. § 231 S. 57-4. 

Got. gu77un-s alid. gornen gonnn ‘'Mannes' (zu -e7i -in s. 
Bremer Ztschr. £. deiitsehe Phil. XXII 249 f.k got. iuggbn-s 



5S0 Casusbildung der Nomina. Gen. '-Abl. sing. -34 — 235. 

ahd. zungun ^der Zunge" (vgl. § 21 S S. 55 i\ ^lit schwacher 
Stammgestalt got. inanagein-s ""der Menge^ (§ 115 S. 340). In- 
wieTreit neben — idg. etwa — idg. gelegen 
hatte, ist nicht ersichtlich. 

Lit. szun-s iind mit starker Stammform ahmeh-s u. a.; -5 
aiis '^-es nach I § 604, 2 S. 525. Aksl. din-e ‘^Tages'* (§ 114 
S. 335) und mit starker Stammform Jzameii-e u. a.; -e ans 
nach I § 665, 4 S. 52S. 

b. W urzelnomina auf -m, IJridg. ^dem-s ‘^des HausesL 
ai. dan av. dmg^ gr. osa- aus ^dsv? in oea-TroTTpc ‘'Haus- 

herr^ (I § 204 S. 172, II § 160 S. 453). Ai. Mrn-ds gm-ds Jm-ds 
av. z^m-o. gr. yOovoc znnachst fiir ^y&oijL-oc ^der Erde^ (§ 160 S. 452). 

235. 7. Stamme mit Snffixen auf -r, Meist mit -e^ 

- 05 , daneben -5 im Ar. und wol auch im Germanischen. 

Ai. regelmassig wie maiur datm\ wahrscheinlich aus 
s. I § 2SS S. 232 f.i); entsprechend av. ner^l aus 
St. n-ar- ‘^Mannb Mit starker Stammform und -s av. nar-s^ 
sdsfar-s "^Herrschers^, vgl. citar^-car-h ""des Feuer erzeugenden^ ; 
einen solchen Gen. vermutet Bartholomae Eezzenberger’s Beitr. 
XIII 92 in ai. ved. mdtay'-ilvan- ‘^der iiber seine Mutter Herr 
wird^ und J.* Schmidt Pluralb. 223 in ved. [siwar] ^^Glanzes^ 
aus ^simar-h (I § 647, 7 S. 496). Die gewohnliche Formation des 
Avestischen war schwacher Stamm -as -o, wie hi'dpr-o *^fratris^. 
liamaesir-o AVidersachers'', gleicher Art apers. pisa “"patris^ (I 
§ 558, 4 S. 417). Av. sastar-s : liamaestr-o = ai. dve-s : dvy-as 
u. dgl., s. § 231 S. 574. Die Neiibildung ai. ?idr-as Alannes^ 
hing mit der Einsilbigkeit des Stamm es n-ar- zusammen, vgl. 

§ 231 S. 575. 

Armen, maur ‘^matris^ aus "^mdtr-es oder '^inatr-os. Her ‘'soro- 
ris"* aus ^^suesr-es oder '^stiesr-os (I § 360 S. 279, § 561 S. 419). 
Dagegen dster Mer TochteF mit starker Stammform, gleichwie 
gr. homer. OoYaTsp-o; neben hoYarp-o;. 


V] Dieee Anffassung der Formen anf-z^r nach Bartholomae Ar. Forsch. 
II 110. Andere. mir minder einleuchtende Deutungen zahlt Collitz Bezzen- 
bergefs Beitr. X 10 auf. 



§235 — 236. Casusbildung der Nomina. Gen.'-Abl. sing. 5S1 

Gr. homer, aiich Traripo^ avi&o; u. dgl. nach 

den starken Casus (ygl. ai. ndr-as nach ndr-i. § 231 S. 575]. 
8a>TOG-o; fiir 'ocoTp-o; nach omTop-a^ OGtr^p-o; fiir ^coTp~o; nach 

OOt7]p. 

patr-is pair-us^ mZitr-u. fratr~h\ dator-is ixa "^datr-is 
nach dem Nom. Im Umbr.-Samn. mit dem -eh der ^-Stiimme 
-ygl. § 234 S. 579]: iimhr. matrer osk. maatreis 

Air. mdthar aus ^mcitr-os oder ^mater-os (I § 77 S. 6S]. 

Got. hropr-s fcuhs. aisl. Imdr fed r\ der Umlaut der letz- 
teren Formen weist aiif urspr. '"-tr-es. Daneben ags. hrodor 
feadur^ zkdi. f odor fqdm\ deren Ausgang gleich dem ai. -ur 
auf zuriickzufiihren sein diirfte. Fine dritte Eildung, ags. 
feeder ahd. fate)\ hatte -er aus den starken Casus wie gr. horn. 
::ar£p~oc. 

Yon letzterer Art auch lit. moter-s und aksl. mater-e. 

236. S. Stilmme auf Yerschlusslaiit e. Regelmiissig 
mit -es -os. 

Anm. Fiir die Suffixfonn -5 bei diesen Stiimmen gibt es koine irgend 
sicherenBelege. Das Yaj.-Sah. 20, 2 ablativisch gebrauchte vidyot [— indyiH-as^ 
fiihrt J. Schmidt Pluralb. 223 Yemiiitungsweise auf '*vidyoi-s zuruck, s. aber 
Weber Kuhn-Schleicher's Beitr. Ill 3S9. Bohtlingk-Koth Wtb. s. t., Lanman 
Noun-Inflection 46S, Bartholomae Stud. z. idg. Sprachg. I 77. Aus dem 
Latein soil gen. }wx Feg. XII tab.) liierher gehoren nach Stolz Lat. Gr.- 337. 

Uridg. '^llirglmi-es -os ^hlirghnt-es., ygl. § 22 S S. 567). Ai. 
hrhat-cis, av. her^zat-d und mit Einfiihrung der starken Stamm- 
form her^za7it-o\ ai. hhdraf-as ‘'ferentis'*, Gr. iodvt-o; cpipovr-o? 
mit Einsetzung der starken Stammgestalt. Lat. rudent-is^ferent- 
h, prae-senf-is , wobei zweifelhaft bleibt, ^yie weit -e7it~ die 
lautgesetzliche Fortsetzung von idg. -nt- war (§ 125 S. 371 f., 
S. 560 Fussn. 1). Air. ''BKtzes\ ‘"Freundes^^ urkelt. 

"'-os. — Im Germ, der Ausgang der a-Stamme: got. frijd72d-is 
ahd. friunt-es. Im Balt.-Slay. 7a-Suffix: lit. cezanezio^ aksl. 
cezqsta. 

Ai. sarrdidt-as ‘'der YoUkommenheiC, ay. haurvatdt-d ‘'der 
WolbehaltenheiF. Gr. oAdtr^T-o; ‘'der Allheitk Lat. nomtdt-h 
jn^eentiit-h. vgl. alat. inschr. Salut-es. Air. hethad ‘'Lebens'*, ur- 
kelt. ^-os. Got. 77iitap-s ‘'Maasses\ 



5S2 


Casiisbildung der Nomina. Gen.'-Abl.' sing. 


[§ 236—237. 


Ai. lardd~as ‘'Herbstes\ Gr. 907^0-0^ ^fugacis\ Lat. lapid-is. 
Air. druad ‘'des Druiden"’ urkelt. *-05 ; ir. Ogaminschr. Deccedd-as. 
Ai. pad-ds gr. 7:00-0? lat. ped-is ""Fusses'*. 

Ai. imj-as, St. usij~ S"eriaiigeiid\ Gr. (xsipa'/.-o? Aladchens^, 
ooTox-o? opTo*;-o? ""del WachteF. Lat. Ubdc-is. Air. natlirach 
""der Wasserschlange"’ urkelt. ^-os^ ir. Og. Lugudecc-as = air. 
Lidgdech (nom. Lugaid). Ai. vdc-ds gr. 6 k-o? lat. t'oc-is ^der 
Stimme , RedeF Ai. -raj-as lat. reg-is air. rig (urkelt. *-os) 
‘"Her^schers^ 

Ai. ap)-ds av. ap-d dp-d AVassers'. Gr. yAa)7:-6? ""Diebesk 
Lat. dap-is. 

Im German, finden sich hierber gehorige Genitive iiber- 
haupt selten. meist bei einsilbigen Stammen, Genannt seien 
noch: got. naht-s ahd. 7iaht ags. aisl. 7 i^t~T ^der Nacht"* aus 
urgeim, ^/layi-iz — lat. 7ioci-is; got. iaurg-s ahd. hiirg ags. 

'der Burg, StadF aus ^hurg^-iz — av. bei'^z-d [iar^z-d] ^altF air. 
h7^eg {^brig-os ^Bergesh, got. vaiht-s ""Dingesh ags. bee ""Buches"* 
aus ’"hdk-iz, Beachtenswert , wenn auch tinsicher ist Paul’s 
Vermutung (in s. Beitr. VI 550), in ahd, 7iahtes adv. "Nachts" 
u. ahnl. habe sich unter dem Einfluss der Oxytonierung der idg. 
Ausgang erhalten: das e von -es ware dem Einfluss des 
Ausganges der e-Stamme (§ 239) zuzuschreiben (vgi. auch Kluge 
Paul’s Griindr. I t354. 361. 3S5). 

Uber aksl. telete zu nom. acc. tele. 'Kalb"" s. § 244. 

237. 9. St am me auf -6‘. Kegelmassig mit -os. 

Anm. Audi hier 'ygl. § 236 Anm.' nur unsicbere Spuren von -6'. Den 
ved. gen. usds 'des Fruhliehtes\ den wir in § 133 S. 397 als den Vertreter 
Ton "us-s-as betrachteten (Tgl. jetzt auch Bartliolomae Stud. z. idg, Spr. 
I 26, 55,; mochte J. Schmidt Pluralb. 223 als ’^uhas-s deuten, Trie ihm auch 
cdias Rigi'. td 3; 1 auf '^ajias-s zuriickgeht. Gegen diese Erklaning s. Bar- 
tliolomae a. 0. S. 77 und vgl. unten § 356 Anm. 

a. Uridg. '^77ie?ies-es -os ""Sinnes^; ^7nhies-os nach § 22S 
S. 567; zur Ablautstufe des Stammsuffixes s. § 132 S. 388. Ai. 
77id7ias-as^ durm(uias-as\ av. 77ianaroJi-d dusmaiiardli-d . Gr. ion. 
|jL£V£-o? att. uLsvoo? ; ion. ouajjLsvs-o? att. doaasvou?. \j 2X. gener-ts, 
Venei'-is Ye7ie7'^us\ degener-i$\ tempor-is mit -c~ aus dem nom. 
acc. sing, neutr. (§ 132 S, 392f.). Air. tige (nom. tech teg ""Haus"*) 



§237,' Casusbildung der Nomina. Gen. -Abl. sing. 5S3 

= gr. ati'/so; ti'j'soc. Got. hatis ''Hasses\ s. ii. AksL slove^-e 
AVoites^ — ai. h'drab-a6\ 

Daneben niit Tiefstufenforni des Stammsuffixes ' mens-es -os 
'mensis' : gr. lesb. g-^vv-o; att. [r/;v--d;, lat. niens-is, air. 77iiS. Vgl. 
§ 132 S. 3S9. 

Griech. att. 2i<oy.o'iTO’j neljeu Aojxod.TO’jc u. d^i. naeh Tro/.ttro’j, 
vgl. acc. 2:!(oxp7.r/;v fiir Ntoy.pdtr^ § 22o S. 553, dat. ^ituy.pdr/^ § 272. 
Auch lesb. HiO';ivrj nach dem Muster der ^-Stamine, gleichwie 
voc. -'j'ivo ;§ 209, , acc. 220'. dat. ~Ysv*f^ ,§ 2720 

Got. hatis ist einnial belegt, Kphes. 2, 3, hania hath ‘^Tixva 
opyr^:" im Ambr. lb wahrend der Ambr. A harna liaiize hat. Die 
Formen hafiz-is, agis-is [agis ‘'FurchFl u. s. w. nach der o-De- 
clination: ebenso ahd. ahir-cs [ahir hAhreb, woneben kalbes 
'vgl. Kelhiris-hacJh honhes, die nach dem Muster von icorfe-s 
gebildet wurden, nachdem der noin. acc. Judb Jaynh etc, dutch 
lautgesetzliche Mhrkungen mit woy'i ubereingekommen war. 

Vielleicht sind got. lamhis u. ilhnL mit hatis ziisaminenzu- 
stellen ; der Zusanimenfall mit dem -is der neutr. o-Stiimme 
fiihrte in deren Declination hiniiber, nom. laynh u, s. w. (Michels 
Zum ^Vechsel des Xominalgeschlechts I 17), wozu auch die 
doch wol aus vorgerinan. Zeit uberlieferte Yeitretung der es- 
durch o-Stiimme im Compositum (got. hrdua-^ nord. run. Iihica- 
= y.A 2 o- Burg Runeninschr. 19, altwestgerm. 7'equa-, vgl. § 12 
S. 27, § 40 Anm. 5 S. 70^ beitrug. 

Ini Altkirchensl. sloyya neben sloves-e, eine Neuerung 
von derselben Art ivie ahd. Jcalbes. s. § 132 S. 396. 

b Der gen. sing, zu den Nom. auf idg. "-os. Ai. usds-as 
gr. T^o’j; aus ^\6,z)-rj- Mer MorgenrdteO Lat. hoywr-is mit o aus 
dem Norn., vie dator-is § 235 S. 5SI. 

c. Lridg, *qrey/os-es -os n.Mes rohen Fleisches’ : ai. krai'is- 
as. gr. att. y.pioc aus ^y.p3a(3;-o;. 

d. Uridg. Conipar. "^dkis-es -os ‘^ocioris^ (vgl. § 135 S. 402) : 
ai. dsigas-as av. asyaidli-d.^ lat. dcidr-is (wie honbr-is b.). Im 
Griech. mit -ieyy- 7;oiov-o;. Im Aksl. mit ?o-Erveiterung slazdVsa 

c. Uridg. part. perf. act. *'y(e?idHS-es -os hies wissenden^ : 



5S4 Casusbiidiing der Nomina. Gen. -Abl.} sing. ^§ 237 — 239. 

ai. vidid-as av. vlclid-d. Im Griech. mit -uet- sio&t-oc. Im Balt.- 
Slav, mit {o-Erweiterung lit. miriisio aksl. niiruha. 

£. Wurzelnomina. Ai. nas~d$ ‘"der 'Seise, lat. nd7'~is. Ai. 
iis-ds av. a7dh-d ''oris'*, lat. dr-h. Ai. mld-as (nach dem nom. plui. 
7nils-as erschlossen) gr. pooc (fiir lautgesetzliches ^jjluoc. s. § 160 
S. 455) lat. 7nur-is ‘'der Maus^ 

238. 10. Hier sei noch die Genitivbildung einiger Wurzel- 
nomina mit 'vvurzelschliessendem u und i genannt. 

Ai. ?idv-ds gr. (1 § 611 S. 463 f.) lat. 7idv-is 

SSchiffesk 

Ai. 7'dy-ds zu 7'd~s ‘'Gut, E.eichtum^ lat. 7'el (vgl. dat. 7'e'i) 
Neubildung v^ie faciei § 230 S. 573. 

Ai. di'G-ds dyo-s, gr. AlJ^~6c, lat. Jov-is, zu nom. ai. dydu-s 
"lichter Himmer, Zsu^; ahd. Zios \uelleicht aus ^dlj^eti-s = ai. 
dyo-s (vgl. nom. Zio § 199 S. 537) und ags. Tlives = '^di{j^eu-es. 
Ai. gO-f ved. auch gdc-as, av. geu-h gao-f gr. j3o(/)-dc, da- 
neben in Bda-7:opo-; aus *g 2 i-os, lat. hov-is, air. hou, jiinger 
hd aus '-^lou-os, zu ^E-ind" ; ahd. kuo, eventuell auch 

ags. eg (S. 537 Fussn. 1) von einer aus dem acc. sing., vielleicht 
zugleich aus dem nom. sing, gefolgerten Stammform (hd. kuo- 
ags. CU-), s. § 199 S. 537 f., § 221 S. 554. Ai. div-ds gr. AiZ-bc Boa- : 
ai. dyo-s go-s = av. ha7naestr-d : scisiar-s, s. §231 S. 574. Jiinger e 
Neubildungen waren lat. Jov-is ags. Tiio-es ved. gdv-as gr. 
]3o(/)-b? lat. hov-is air. hou, vgl. av. my~d u. dgl, S. 575. 

239. n. Die Genitivbildung der e-Stamme (vgl. 

§ 228 S. 56Sf,). 

a. Die Pr onominalendungen -sio und -so. Uridg. 
'-‘^ulqo-sio ‘'lupf {bei den Nomina neben '^-o-sw auch "^-e-sio, wie 
beim Pronom.? s. § 418. 450). Ai, ‘crka-sya\ av. veh'ka-he, gaf). 
vehrka-Jiyd (I § 125 S. 116\ apers, kdra-Jiya ‘'Volkes, Heeres". 
Armen, gailo-y (I § 561 S. 418); der Ausgang -ay in den Eigen- 
namen, z. B. Trdatay (nom. T7^dat) Maremay (nom. Ma7dar)i] 
war vielleicht entlehntes iran. -a-hia'. doch ist die Hergehorig- 
keit von armen, -oy -ay nicht ganz sicher, s. u. Gr. horn. Xuxoio, 
daneben bei Homer Formen wie AtbXoo (in der Uberlieferung 
AibXoo geschrieben) durch das Metrum indiciert, horn. Ilr^vsXsmo 



§ 239 .] 


Casusbildnng der Nomina. Gen. '-Abl. sing. 


5S5 


(nom. aus "-'/joo § (ill S. 4(13 f.l ion. att. 

dor. A'jxm. 

Dass armen. -oy hierher gehdre, ist dariim nicht ganz 
sicher ^ weil man das ablativische -oy auf *-o-tos vVgl. ai. mu- 
kha-tca] zuruckfiihren und dann annehmen kann, die Ablativ- 
form sei nach abl. i zardic : gen, zardu u. dgl. aucli genitivisch 
gebraiicht worden. Ygl. § 244 S. 595. 

Im kypr. Dialekt des Griechischen der Aiisgang -mv, wie 
dpY’ipmv = att. dpY'jpoo. Man verbindet ihn ineist mit dem 
arkad. tco-vi ^hiiiiis^, wonach er Yom Pronomen heriibergekommen 
^vare. Diese Auffassung hat aber Schwierigkeiten. J3er in 
einem Theil von Thessalien erscheinende xVusgang wie in 
/povoi, toT, war schwerlich aus -oio entstanden. wie einige an- 
nehmen, vielmehr waren die Formen genitivisch gebrauchte 
Locative § 2G3), s. imten unter b, 

"-0-50 im German. Der Ausgang wurde wol 
erst innerhalb der german. Entwicklung vom Pronomen, z. B. 
got. pis hlessen^ lims Vessen?^ (§ 419), auf das Nomen liber- 
tragen. Aus der Stellung des Worttons in den Pronominal- 
formen, '^peso, ^yueso erklaren sich die Tonlosigkeit des -5 
(ahd. xculfes aisi. uJfs) und das e (nicht i) des Ausgangs -ei> 
im Westgerman. (got. -is bekam sein i erst in der speciell go- 
tischen Entwicklungsperiode). Im Got. und Ahd. ^-eso, got. 
vidfis ahd. tvolfes. Im Altnord. *-osOj nord. run, Godagas aisl. 
idfs (neben pess Mes^;. Im Ags. in den iiltesten Quellen und 
spater noch dialektisch -ces == *-oso^ wie dce^ces 'Tages^, sonst 
-es = '^-eso, d^e^es] so auch pronominal dees und des. 

b. L at. und Kelt. -i. Lat. hipi. -1 in den altesten Denk- 
malern; erst spater auch -ei. das graphischer Ausdruck fiir -I 
gewesen sein kann wie in veivos (1 § 41 S. 40). i^us vor- 
historischer Zeit mitgebracht war der Ausgang -I bei den (o- 
Stammen, vi-ie fill {nom. films), auch falisk. -b wie Ccii ‘^CaesiF 
Deecke Die Fal. S. 264); der im Lat. zuerst bei den Adjectiven, 
spater erst auch bei den Substantiven erscheinende Ausgang 
-it entsprang durch Heriibernahme des -i- aus andern Casus. 
Ah.fr VirF, maicc ""filii^, auf ir. Ogaminschr. mayi (-72) = maicc, 



5S6 


Casusbildung der Nomina. Gen. ,'-Abl. ; sing. 


[§ 239 . 


gall Atcgnaii ;nom. Ategnato-s) ii. dgl. {o-'Stamme : air. cell 
""soeii aus Im Umbr.-Samni t. zeigen die ^>-Stamme 

den Ausgang -m : iimbr. gwpler ^populi^ osk. sakarakleis 
^sacelli^ 

Da beim Pronomen die idg. Locativbildung aiif -{ (- 5 -? 
~oA\ seit niidg. Zeit auch genitivische Function zeigt (ai. me 
gr. po' etc., s. § 447) und insbesondere die Gen. lat. utius osk. 
eizeh sich als Umbildungen alter Formen auf -c-? erweisen 
(§ 419), da ferner auch thessal. ypAoi Loc. war (s. S. 5S5), so 
ist fiir unsern nominalen Genitiv locativische Formation a prior e 
nicht unwahrscheinlich. Zuriickfiihrung des kelt. ~i d. h. -7 
auf '^-ei ist statthaft, zumal da auch gall, -i (-7) aus ^-< 2 ? belegt 
ist § 247). Die lautlichen Schwierigkeiten im Lat. losen sich 
vermutlich so. fill war eine genitivische Locativform auf idg. 
-7 (-7- Tiefstufengestalt von -{o- wie im voc. fill und 

sonst, s. § 201 S. 540/, von der aus auch lit. -yje in zddyje (nom. 
zoclAs ‘'WorF) leicht zu erklaren ware. Daneben stand im Ur- 
latein Hupei^ und dessen wiirde durch den Einfluss von 
f ill eher zu 7 als sonstiges ei zu 7 ward, daher die Schreibung 
-2 regelmassig schon in den altesten lat. Denkmalern. Im 
umbr.-samnitischen Zweig aber wmrde -c? festgehalten , jedoch 
ebenso wie beim Pronomen durch Anhangung von -5 zu -eh 
erweitert (vgl. alat. gen. ml-s tl-s § 447), so dass hier 0 - und 
7-Stamme zusammenhelen (vgl. Lottner Kuhn-Schleicher’s Beitr. 
II 311£ . 

Anm. Auf die Form Zextoi ''Sexti' einer faliskiseben Inschrift .Deecke 
Die Fal. S. 180) i.st wenig zu bauen. Da in den zTrei andern Namenformen 
dieser Insclirift Voltio Aoltius' und Folcozeo 'Folcosius’ -s abgefallen ist, 
so konnte das aucli bier geseheben sein. ''^Zextois stellte sicb zu Ceises 
^Caesii’ Calitenes 'Caliteniik Ferner ware denkbar, dass -oi nacb dem ~ai 
der d-Stamme, z. B. Voltai 'Yoltae’, gebildet war, abnlicb ^rie lat equorum 
nacb equarum (§ 345), loc. plur. lat. sabell. -os nacb -as (§ 357 . Endlicb 
ist auch ein Scbreibverseben nicbt ausgescblossen. 

c. Lit. xWzo^ aksl. tliika^ wol Ablativform (§ 241). Daneben 
die Pronominalformen preuss. ste-sse aksl. ce-so (§ 418). 





5S7 


Casusbildimg der Xomina- Abl. sing. 


AhJaf, shig. 

240. Fine cigene Form hatte dieser Casus in der iiiidg. 
Zeit nur bei den o-Stlimmen, wo er auf und -fid aiisging, 
wiihrend sonst gen. imd abl. sing, dieselbe Form batten (§ 22 S 
S. 5bSi. 

-ed und -od verhielten sich zu einander wie -e-i>io imd 
-o-sw im gen. sing., -el und -oi im loc. sing, und -e und -d im 
instr. sing. Der e- Vocal war wahrscheinlich urspri’inglich davon 
abhiingig, dass er den Hauptton des ^Yortes trug ;I § 311 S. 251'. 
Oxytonierte Ablativadverbia auf ~ed der idg. Ursprache (iat. 
facillime, vgl. ai. apUkad S'on ferne^ zu dpaka- ^fern'"' hieiten 
die e-Qualitat und ihre Iletonung bis in die einzelsprachlichen 
Entwicklungen hinein fest, gleichwie im Griech. noch adv. loc. 
aaa/ci nebeii aaa/c-c. arpien. ardarc-v adv. instr. neben 

deni lebendigen instr. ardaro-v von St. ardaro- %erecht^ ^vgl. 
.1. Schmidt Festgruss an Bdhtlingk, S. luuff.). Im nicht-adver- 
biellen Gebraiich dagegen mbgen sich -ed und -7)d schon vor 
der Auflbsung der idg. Urgemeinschaft von der Betonungs- 
verschiedenheit, die die Doppelheit der Form bedingt hatte, 
unabhiingig gemacht haben. 

In den Pronominalformen wie ai. md-d me^ erscheint -d 
als das ablativische Casiissuffix , und so konnte man ^ulqe-d 
theilen und ~e als 3. Flochstu fen form (I § 311 S. 250) ansehen 
(Johansson bezeichnet die Form auf -ed -od als einen mit d- 

1 Delbruck Ablativ, Localis, Instmmentalis im Altind., Lat., Griech. 
und Deutschen, ISOT. Zeyss Uber die in Ablativform erscheinenden itaii- 
sehen Prapositionen, Kuhn’s Zeitschr. XYI 371 ff. Kits chi Neue plaiiti- 
nischc Excursc: Auslautendes d im alten Lat., 1S60. Bergk Beitrage zur 
lat. Gramm. I, Auslautendes d im alteii Lat., I'^TO. Max Miilier Uber 
Ablative auf d mit Locativbedeutung, Flecleeisen’s Jahrbb. B. 113 JSTh; 
S. GSOfi'. M. Kuge De ablativi in veteribus linguis Italieis forma et usu 
locali, Curtins’ Stud. X 3S3ff. Havet L'ablatif des radicaux consonantiques 
'en latin;, Mem. de la Soc. de lingu. VI 105 eqq. J. Schmidt Die lat. 
Adverbia auf e von o-Stammen und die Singiilardative der germanischen 
Pronomina, Festgniss an Bdhtlingk, 1&S% S. 100 if. Paul Der Ablativ im 
German., in s. Beitr. II 339 ff. Bezzenberger Lettische Ablative, in s. 
Beitr. IX 24Sff. 



58S 


Casusbildung der Xomina, Abl. sing. 


[§ 240 — - 241 . 


Suffix ausgebildeten Instr. auf -e. -o, Bezzenberger’s Beitr. XYI 
136]. Aber es ist auch moglich, dass -ed -dd durch Contraction 
des Stammauslautes -e -o mit eineni Element -a'^d zu Stande 
gekommen war iind -a^d und -d in ahnlicher Weise neben 
einander gelegen batten, wie im gen. sing. -e$ -os und (I 
§ 115 S. 109). 

Als Xominalcasus blieb der Abl. der o-Stamme productiy 
im Ar. und Ital., ferner im German, und Balt. -Slav., wenn got. 
vulfa und lit. viiko aksl. vlulca wirklich Ablativformen waren. 
Im Griecb. liegt er nur mehr in Adverbien vor. Im Armen, 
und Kelt, scheint er mit Beginn der tberlieferung ganz er- 
loschen zu sein. 

Im Avestischen und im Italischen warden nach der Ana- 
logic der Ablative der o-Stamme auf -ed -dd auch in den anderen 
Stammclassen cf-Ablative geschaffen, wodurch es moglich wurde, 
in diesen Stammclassen den Gen. und den Abl., die von uridg. 
Zeit her dieselbe Form batten (Suffix -es -os -s), auch ausser- 
lich zu trennen. 

Die ablatmsche Adverbialendung drang im Ind., Armen, 
und Griech., ^^elleicht auch im Slav, als Casussuffix in die 
Nominalparadigmen ein und wurde hier productiv. Vgl. §189 
S. 524. 

24:1. I. Die uridg. Ablative der o-Stiimnie auf -ed -dd. 

Uridg. " yjqdd ylqed) von ^Wolf^, ’^^Juged (^Jug6d) 

von "Jiigo- ‘^JocK, vgl. § 240. Ai. vrkad yugad] av. eelirkap apers. 
kdrd (I § 649, 6 S. 49 S) von kdra- AYlk, Heerb Auf Ausgang 
-dd (nicht -ed) weist av. paskd^ Kinten, hinterheF mit h neben 
imti. pa sea = ai. posed mit c und somit idg. Ausgang -e (§ 275). 
Griech. pronominale Adv., lokr. (h otccd kret. d) otzod ‘^undeb Lat. 
altere Inschr. Gnaiidd meritdd.^ jilnger Gnaed meritd lupd jugd, 
zahlreiche Adv. auf -o ] umbr. pihaclu "^piaculo^ somo ''summob 
osk. sakarakliid ‘'sacello'’; -ed im Ital. nur in Adv. (vgl. § 240), 
lat. altere Inschr. facilumed d, i. facillumed , j linger facillume 
recte falisk. rected^ umbr. reJite ^recte^ osk. amprufid ""improbe^ 
(7 aus c, wie in ligud "^lege^ licitiid ""liceto^j. Im German, konnen 
lautgesetzlich got. vidfajuka^ aisL idfe idfi^ ahd. icolfu -o Ablativ- 



§241/ Casusbildunj^ der Nomina. Abl. sing 5S9 

formeri geweseu sein, s. u. ; vielleicht hierher aueh das als Gen. 
fungierende got. 7nei/}a ahd. imn ‘^mein. meiner'* zum Possess. 
7neuia-\ s. § 452. Lit. rilko aksl. vlnka. s. u. 

Im A vest, neben auch -ada, wie xsa/jrada von. xsapra- 
n. ^Henschaftb mit angewachsener Postposition a = ai. d, vgl. 
den loc. plur. auf -hr-u § 2 5b. -ap Avar dnrch den Ausgaug 
der consonantischen Stiimme ;§ 212 ersetzt in yimap \yima- 
Eigenn.), vgl. ai. yamad. 

InAvieAveit ini Griech. die Adverbia der Art und Weise 
wie Tw; *^50^ 'Vgl. ai. tad <5-03, m;, oGVm odroj;, xa/.w;, nach 
deren Analogie die Formen von Nicdit-o-Stammen lAoe oiacsoovr- 
mc, j3ap3 aagm; geschaifen ivaren. hierher gehbren 

Oder instr. sing, auf idg. -o (§ 2751 ivaren, ist schwer zu sagen, 
da die Bedeiitung sich ebenso gut aus urspriinglicher ablativi- 
scher als aus urspriingiicdier instr unientalischer Function ab- 
leiten lasst. Die Formen mit Avaren sicher Abl.. Avenn dieser 
Laut als Fortentivicklung aus -d angesehen Averden iniisste. 
Aber gr. aus urspriinglicheni -d ist ]>is jetzt noch nirgends 
nachgeAviesen. Das Avar aller Wahrscheinlichkeit nach ein 
jiingerer Zusatz, identisch mit deni -6- A'on a6 lat. al^ ^ ancpL; 
neben apers. ahi-h neben ahhj Vu\ ‘pati-s neben patiy 

"gegen (A^gl. § 22 S S. 5GS). S, Yerf. Kuhn’s Zeitschr. XXI Y 
74f. XXYII 417, G. Meyer Gr. Gr.- 294, Osthoff i\Iorph. Unt. 
Il53f. IY 243. 

Anm. 1. Gegen die Meinung A'on Curtius ‘ (Stud. .21SfiV dass iin 
I rgriechischen gouTtuo) vor t- und c- zu outw; geworden und diese 

Form dann von dem folgenden Anlaut unabhangig g macht worden sei, 
babe ich mich bisher ablehnend verlialten, 1. well outw:; vor Vocalen ublich 
war. walirend oZzm vor Consonanten stand ; 2. wcil , wenn auf griecliisclieni 
Boden -o) und t- zusa-mmcntrafen, -tt- entstand,, iiidit -ar-, z, B. y.arrov; 
denn in u. dgl. mirde sclioii in vorgriecbischer Zeit -td- oder 

alinl. gesprochen I § 4G9, 4 S. :!47, § 49U S- 3(53 , und den Sclmtt, z. B. tcu; 
to auf ein uridg. "^tdfHod d. i. thd tod zuruckzubringen , wagte ich nieht; 
3. well es niclit glaublich ist, dass ein ^cOtojcc^oi, das aus c:oi hervor- 

gegangen ware wic rra'Jcc'Oai aus ^ “aTacc als outo; 4- 3 o( ware empfunden 
worden; denn az war fur die lebendige Sprache nur ein gedehntcs n. Nun 
muss ich gegenuber Job. Schmidt, der Pluralbiid. 352 f. Curtiuk Auffassung 
in Schutz nimmt^ , wieder bemerkcn, dass noch in keinem einzigen Falle 


1 Y'enn Schmidt sagt. ich hatte in Kuhn’s Zeitsclir. XXIV 74 Curtius 



590 


Casiisbildung dcr Nomina. Abl. sing. 


'§ 241 . 


Ubergang von -t -i- in glaubhaft nachgewiesen ist. Denn Schmidf s Mei~ 
niing. da5S horn. r?;o: lautgesetzlich atis ‘‘va/vc entstanden sei nnd so niit 
ai. tdvat sich decke, ist nnhaltbar. s. § 225 Anm. 1 S. 561. Dass im Uridg. 
einmal jenes '^tdftod n. dgl. bestanden babe und dass daraus tvk erklart 
werden konne, leugne icb nicbt. Aber meine Annahme, dass es sieb in 
unserm ball nm ein aus der idg. Urzeit in gewissen Formen uberkommenes 
und im Griech. uber seine ursprunglicbe Spbare hinaiisgegangenes Adverbial- 
zeieben -s handle, scbeint mir aucb beute nocb vreitaus die grossere Wahr- 
sebeinlicbkeit fur sicb zn baben. Sebmidt selbst gestebt diesem -s z. B. in 
do.cii-;. das er nacb Fick "VVorterb. IS mit apers. ahi~s zusammenstellt. 
sein bobes Alter zu. Ob man dabei dieses -5, wie Sebmidt tbiit, 'ein neu- 
traies Stammbildnngssuffix’ nennt oder es mit uns dem Gen.-Abl.-Zeicben 
gleich setzt 'nocb eine andre Erklanmgsweise jetzt bei Bartbolomae Stud, 
z. idg. Spracbgesch. I 75f.', ist bier vollig gleichgiltig. 

Ob gr. £; lat. ex zu den Formen geborte, in denen unser Adverbial-5 
angetreten Tvar. ist z^'eifelbaft, da die Formen iv. und ec uberall durcb satz- 
pbonetische Yerbiiltnisse bedingte Verkiirzungen von ex ge^vesen sein 
konnten. vgl. Yerf. Gr. Gr.‘“ S. 71. 219. JedenfaUs aber balte icb daran fest, 
dass nacb Analogic von I? die Form iv; (elz) neben h entstanden war. Y^ie 
Sebmidt; der aucb dieses bestreitet, S. 35S sagen kann, icb batte den Be- 
deutungsuntersebied zvrischen iv; und iv nicbt erklart, und so reden kann, 
als batte icb fiir die Entstebuug von neben lediglich das formale 
Yerbaltniss £; : £*/, vrirksam sein lassen, ist mir vollig ratselbaft, da icb doch 
an der von ibm angezogenen Stelle (Ber. der siicbs. Ges. der Y^iss. 1SS3 S. 190. 
194f.) ausdrucklicbst gesagt babe, iv; sei als Gegenstuck zu dem mit Yerba 
der Bewegung verbundenen zu Stande gekommen, indem nur iv 
cum acc. den Gegensatz zu diesem i- bildete. Wenn Iv nur in einer von 
seinen Bedeutungen die formale Neuerung erfubr, so ist das nicbt anders, 
als Tvenn z. B. ai. pdti- nur in der Bedeutung 'Gatte’ {nicbt in der Bedeu- 
tung "Herr’j die Genitivform pdtyur bekam § 231 S. 575), vgl. aucb gr. 
vEavid-; ; vid'bd § 190 S. 525 und Kuhn’s Zeitsebr. XXYII 412. konnte 
aber nacb £? gebildet vrerden, wenn aucb dieses damals sebon die satz- 
phonetische Form £7. neben sicb batte, und da das neu gesebaffene sve etwas 
anderes bedeutete als das mit dem Dat. verbundene hi, so wurde der Ge- 
brauch der Formen £v? und £*; naturiicli nicbt nacb dem Formenpaar zq : iv. 
geregelt. 

Got. vulfa aisl. tilfe ulf. konnen nach den Lautgesetzen 
ausser Abl. auf ^-ed auch Loc. auf -oi (§ 26S), Instr. aiif 
(§ 275) und Dat. auf {§ 246) gewesen sein, die aisl. Form 

''woldurcbdacbte Auffassung mit Stillscbweigen iibergangen’, so bat er uber- 
seben, dass mein Anfsatz alter ist als der Curtinssebe (er ersebien als 
Habilitationsscbrift sebon im Mai 1877). Und wenn er sagt, Curtins’ An- 
siebt sei 'nocb von niemand angetasteU, so ist das wieder nicbt riebtig; 
denn icb babe auf die eine ihrer Scbwacben in Kuhn’s Zeitsebr. XXYII 417 
bingewiesen. 



§241/ CasinbildiiGg iltT Nomina. Abl. sing. 591 

ferner Dat. auf :§ 2 U; , endlich ahcL icuJfii auch Instr. auf 
-0 (§ 275). Man muss hier. wie in alien analogen Fallen, im 
Auge behalten, class eine C’asusfoTin mehrere Grundformen haben 
kana, indeni urspriinglich dcxivisch verschiedene IJildungen 
lautgesetziieh ziisammentieien. Genauere syntaktische Untei- 
suchimg wire! aber wol in manchen Fallen zu dem Resultat 
filhren, class eine solche Form nicht so viele Grundformen zii- 
nleich hatte, als wir als moglicli hinstellen. 

Die got. Adverbia auf -ha tvie uoiJa-ha "libeF hardu-ha 
‘^hart, sehr^ waren. wenn sie zu ai. sthTila-bhd-,^ massiv^ 

u. dgl. gehbrten § 7S S. 2<j5ff.\ entweder abi. sing, oder instr. 
sing. (§ 275'*. Doch fragt sich. ob nicht -Z>c/ eine Fartikel war 
(= gr. Svieb vgl. Hbfer.s Zeitschr. II 2ol, Fick Worterb. 
I'^ bSbb die. etwa ""ziemlic-lF bedeutend, ur-spriinglich an den 
adverbialen acc. sing, neiitr. angetreten war. 

Abl. waren auch die Frononiinalformen got. la'cimma VenF 
hcaramT'-h jedenF ‘-c./'i unci alid. lurerun . dd. Jahmdd^\\ 

die got. Form darf zugleich als idg. Dat. auf '-c.V) angesehen 
werdeii ;§ 2 4(j;. Tgl. § 422. 

Die bait. -Slav. Formen vtUco und vliiJca batten auch Gem- 
tivbedeutung erlangt, s. § 22S vS. 56Sf., § 229 S. 5SG. Allerdings 
erregt bei der Zuruckfulirimg von lit. Gilko (dial, auch -a, lett. 
-a) auf idg. '^ulqdd das -d Bedenken, fiir das man -ii erwarten 
sollte (I § 92 S. S7). Indessen findet sich fiir die Zuiuckfiih- 
rung von vilko auf ^ulqad, die den bekannten Lautgesetzen 
ohne Weiteres geniigen wiiide, kein naherer Anhalt, und liber 
die Yertretimg der idg. d im Baltischen ist noch nicht das letzte 
Wort gespiochen. Da wir auch die Fiille wie fiord : tveriid 
zoic : held haben, so ist mir vorlaufig das Wahrseheinlichste, class 
idg. d unter iigenchvelchen Bedingimgen im Lit. und Lett, mit 
idg. a znsammengefallen war. 

A am. 2. Bezzcnberger‘.s Annahme in s. Beitr. IX 24SF.‘, die idg. 
Ablative anf -7r7 steekten in den lett. Geiiitiven wie id neben ta — lit. 
tUtu neben iilta = lit. t'dto), wird richtig sein. Mit dicser Doppclform vei- 
gleiche man die Doppelheit tn, datru imd <Tevu im lit. Diaiekt von Yeluna, 
anf die micb Leskien aufmerk^am macht. 

I, Zu dem -u von abd. Jacemu vgl, § 5uT Anm. 2 S. 527. 

Brngjuann, Grxindri'^p. II. 2. BS 



592 


r§ 242—243. 


Casusbildiing der Nomina. Abl. sing. 

242. II. Die neu gebiideten <:/-Ablative im Avesti- 
schen iind Italischen. 

1. Aveslisch. Nach dem Muster von xelirlca^ neben instr. 
xclirha dat. xelirhai bildete man in vorhistoiischer Zeit zu instr. 
larenhja hapiaya dat. harentyai hapiayai die Ablativformen 
harentya^ hapiaya^. Und wie nun neben diesen die Genitive 
harentyaJi ^ hap/myUli (historisch hareniyh liaenayh) lagen, so schuf 
man zu den Genitiven ^blin-ah ^mapr-ah ^her^zat-ali "^manaidli-ali 
(bistor. sUn-o mapr-o u. s. f.) die Ablativformen smiajp maprap 
her^zatap mana?9]mp \ entsprechend hazxap und hazaop zu "^bazv-aJi 
[hazt-d' und hazao-h, sowie azbip zu azoi-h. Tgl. Eaxtholomae 
Ar. Forsch. I 74 £ 

Auch bei diesen Neubildungen kommt -cl- a fiir -p vor, 
vgl. § 241 S. 5SD. 

Anm. Ob aucli das Altpersisehe diese Formiibertragungen hatte, ist 
nnblar. Da -d und -s [-Jv in gleicber Meise abgeworfen Tvurden 1 § 649 
S. 49S., so sind die Neubilduugen auf -d, Trenn sie vorbanden waren, von 
den Gen.-Abl -Formen auf -s niebt zu unterscheiden. An sieb also konnte 
das ablativiscb gebraiiebte taumayd 'taumd- 'Familie’j ebenso gut oxii'^-dydd 
als auf "^-ayds zuruckgefubrt ^erden. Nur bei den i- und 2 ^-Sttomen mit 
den Genitivausgangen -ais und -aus 'W'aren die beiden Formen getrennt ge- 
blieben; es kommen bei diesen aber solcbe Formen, die eine Entsebeidung 
unsrer Frage an die Hand geben konnten, nicht vor. 

243. 2. Ini Italischen erfolgte die Ausbreitung des d- 
Suffixes vrahrscheinlich ziiin Theil schon in der Periode der 
U rgem einschaft . 

-ad: lat. altere Inschr. praidad aententidd^ j linger praeda 
sente7iiid\ umbr. ‘^civitate^, osk. '"ciGtate^ suvad ‘'sua^. 

-led (im Lat. und Umbr. mit dem Ausgang -{e des Instr. etc. zu- 
sammengefallen, s. § 277); \dX. facie, umbr. uhtretie ‘^auctori- 
tate^j entsprechend lat. re umbr. ri ""re"* re-per ‘'pro re^ -id: lat. 
marid (diese Form allerdings auf der Col. rostr., aber jedenfalls 
richtig gebildet) maid omm [-ei in den inschriftl. Formen omnei 
partei i^ar graphischer Ausdruck von -i wie in veivos I § 41 
S. 40) ; umbr. puni po?ii pone 'posca'* osk. hlaagid^Yoco^ regione'* 
palign. fertlid "fertilf. Schon im Lritalischen scheint nun -id 
von den f-Stammen auf die consonantischen Stamme iiberge- 
gangen zu sein; lat. z. B. air-id cdventidn-ld hov-id portidn-i 



■§ 


Casusbildung der Xomina. Abl. sing. 


b93 

corpor-i , falisk. op-lcl ‘'ope^ umbr. pef-i pers-i ^pede^, osk, 
praesent-id ^praesente^ 

Diese Xeuschopfung auf ~ad -ed -Id volizog* sicli in iihn- 
licher Weise, wie im Lat. im gen. plur. -ovum nach -anan 
,§ 345:, im Ai. ini nom, acc. plur. neutr. -Ini -Tail nach ~dni 
J 339'. Dabei scheint aber der Umstand wesentlich mitgewiikt 
zii haben, dass sich danials bereits ein Synkretismiis des abb 
und instr. sing, eingestellt hatte. Bei den o-Stiimmen ver- 
wendete man den Abl. auch instrumental, z, B. iat. cum fiVw 
osk. com prekafud k*um private jeo'^ wie man anderseits bei 
den cousonantischen Stammen den Instr. auch ablativisch gc- 
brauchte, z. B. lat. \^Gnaivod) paire prognZitua , umbr. pure (in 
pure-to) ^ab igne^ >vgL untenk in wie weit hier etwa das Vor- 
bild des Plurals gewirkt hatte. wo Instr. und Abl. ebenfalls 
ziisammengeflossen tvarciij ist nicht mehr zu sehen. Wenn deni- 
nach das -od der o-Stiimme die Instrumentalfunction mit iiber- 
nommen hatte ider alte echte Instr. auf -o ist nur noch in 
adverbialer Geltung nachweislich, lat. modo u. dgl., § 275;, .so 
lag es nahe, neben die alten Instrumental e auf -c -I (§ 270. 
27 7. 27S( Formen auf -ad -ed -id zu stellen, die nun sofort 
Ablativ- und Instrumentalbedeutung vereinigten. Hierzu passt 
gut, dass, wie bei den e- so auch bei den d~Stammen der echte 
Instrumental sich nur noch in adverbialer Bedeutung findet 
(§ 270]. Um so leichter aber mochte jene Neuschopfung von 
c/-Formen durchdringen, weii auch im Plural der Gen. und der 
Abl. (Abl. -Instr.) verschiedene Form hatten. 

Bei den cousonantischen Stammen iagen die neu gebildeten 
Abl .-Instr. auf -id und die auch ablativisch fungierenden In- 
striimentale auf lat. iimbr.l -e in der historischen Zeit im 
Kampfe. Im Lat. wichen die Formen auf -i mehr und mehr 
gegen die auf -e zuriick (z. B. fiir airid spater nur acre ] , -e 
aber wurde friilizeitisr seibst auf die z-Stlimme iibertrasren, wie 
ore parfe zu oci- parti- ^vgl. acc. orem nach ped-em § 214 S. 54 S 
und gen. oris nach ped-is § 231 S. 575}. Fiir gewisse Gruppen 
von Xomina wurde allmahiich der eine oder der andere Aus- 
gang Regeh Doch kam man bei den cousonantischen wie den 



594 


Casiisbildiing der Xomina. Abl. sing. 


[§ 243—244. 


{-Stammen niemals aiis dem Schwanken ganz heraiis, und die 
von Caesar und andern Grammatikern aufgestelJten Normen 
zeigen niir, v’ie venig duich Schulmeisterei wirklich lebendigcr 
Spraehe beizukommen ist. Ini Umbr. hatte in der Zeit unserer 
Denkmaler die Endung die zugleich Locativsuffix war (§ 269)^ 
das tbergewichtj z. B. nomne ‘'nomine^ curnale ''corniced Ini 
Osk. dagegen finden sich neben praesentid Formen auf -dd. 
lig-ud ‘^lege'’ tangin-ud tangin-ud ‘'sententia, consul to^, also 
Ubextragung des Ausganges der o-Stamme, die dadiirch erklar- 
lich ivirdj dass die beiden Stammclassen schon vorher im acc. 
sing, [-om] und gen. sing, (-m) zusammengefalien waren (§ 21S 
S. 551, § 231 S. 573f., § 239 S. 5S5f.}. 

Anm. Eine Ablativendung -ed (die man als eine Contaminations- 
bildung Ton -id und -e ansehen musste) haben die consonantischen Stamme 
des Lateiniscben vrol nie gebabt. dictatored auf der Col. rostr. kann fal- 
scber Archaismus und die Langmessung des -e bei den Dichtern Biicbeler- 
T\4ndekilde Grundr. der lat. Deck 97 rein metriscb gevesen sein. 

In Bezug auf die a^-Stiimme gehen die ital. Sprachen aus- 
einander. Im Lat, -ud : magidrZitnd^ j linger magistrcitu. Dagegen 
im TJmbr.-Samnit. der Ausgang der7-Stamme: umbr. trefi "^tribu^ 
frairecafe ‘'magistexio^, osk. casfrid ‘Lundo^ zu gen. castrovs. Oder 
war unter gewissen Bedingungen u im Umbr.-Samn. in der 
Periode der Lrgemeinschaft zu 7 geworden? Zweifelhaft ist 
die Auffassung von umbr. ynaroyiaio neben maroymtei ^magistratiC 
(s. Biicheler Umbr. p. i73sq.;. 

Zu bemerken bleibt noch, dass im Lmbr. an die fextigen 
Ablativformen , auch an die pluralischen , ofters -tu -ta -to 
angehangt erscheint. Trie akru-tu ^ab pur e-to “^ab igne^ 

vapersiis-to ‘'a sellisb Dieses -tu -ta ist noch ebenso unklar 
Tvie das gleichlaiitende Anhangsel in dem Plur. des Imperativs. 

244. III. Der ins Casusparadigma als Ablativsuffix 
eingetretene Adverbialausgang -tos Agl. § 189 S. 524). 

Indisch. Xach den Adveibia Trie tci-tas Von da her^ i-tds 
Von bier her^ entstanden zunachst iNominalformen Trie muhJia-tds 
zu muJcJid-yn ‘'Mimd'* (vgL lat. coeli-tus zu coelu-77i). Gleichwie 
nun die Pronominaladverbia auf -tas als lebendige Casus ge- 
braucht wuxden, z. B. tdtah ^a^thcid Viis diesem SechsteL, so 



§ 244/ Casusbiidung der Nomina. AbL sing. 595 

traten aiich jene Nomiaaladverbieii als Ablative ins Paradigma 
ein. Im Epos gingen sie mit den eigentlichen Ablativen bereits 
ganz parallel mid konnlen, geimiss ihrem Ursprimg,, so gut 
singularisch wie pliixaliscli gesetzt werden. z. B. guriir garlyan 
jjifrtd mat fiat; ca \ler Lelirer ist ehrwlirdiger als Vater imd 
Mutter’, hhngq dqitjihhyah lairufah ‘^Furcht vor SchlangeU; vor 
Feinden’. Iin Prakrit nahiii der Gebrauch dieser Ablativbildung 
[-(Ifj -^uu ~ ai. -to) noch zu, s. Lassen Instit. linguae Pracr. 
p. 302 sq. 

Die armen. Ablativendung bei den {-, ti- und den con- 
sonantischen Stammen, z, B. / arte [brti- ‘"Herz’j, i zarde [zardii- 
""Schmuck’ , y aJcano [akan- ^liige’) , t 7naure [maur- ""Mutter’] 
war nach Hiibschmann Armen. Stud. I SO aus ^-e-tos diirch 
die Mittelstufe ^ -ey (I § 4S3 S. 35b’ entstanden. So kbnnte 
auch der Abiativausgang der o-Stilmme -oy. wie / go.doy. "-fos 
enthalten haben, -oy aus Fnd weiter konnte dann der 

Gen, gaUoy hierher gehoren (vgl. gr. -i>5v mit Genitivfunction, 
unten Aiim. 2). Indessen ist -oy auch aus herleitbar^ 

und so kommt man vorlauiig aus dem Zweifel nicht heraus. 
Ygl. § 239 S. 5S5. 

Im Griech. entsprach der Gen.-Abl. dvdaaro? dem ai. 
na77ia-fas und wurde mit dem das Stammbildungssuffix -to- 
tragenden ovoua-ro- (ovopata, ovouarcov] zu einer --Declination 
verquickt. S. § S2 S. 236. Von gleicher Art waren die Genitive 
o’jilaroc Goaroc aridTo; u, dgl., s. § 114 S. 329 f., § 116 S. 343. 
Auch scheint das Femin. hs-ptr- (: av. dd-jyii-^ § 97 S. 273) auf 
Grund von {liai-ro? entstanden zu sein. s. Pick Bezzenberger s 
Beitr. XII 7, Danielsson Grammat. und etym. Stud. I 51. Dass 
-ro; in Nominaladverbien nicht vorkommt, dass also z. B. kein 
klivinitus’ begegnet, erklart sich daraus, dass, nachdeni 
-ro; in die Declination eingedrungen und in ihr verarbeiiet 
war, die Adverbien auf -to; durch solche auf -bsv ersetzt wur- 
den 93d-i>Ev . 

Anm. 1. Sehr imvrahrscheinlich ht niir die von J. Schmidt Pluralb. 
1ST gegebene Erkliirung der T-Flexion von Gvoua, nach der diese mit 
unserm -tos und der iiridg. ^(>“Erweiterang der neutralen ^i-Stamme gar 



596 CastisbilduEg der Nomina. Dat. sing. '§244 — 245. 

nichts zu scliafl’en hatte. Infolge der lantliclien Ubereinstimmnng des Ans- 
gangs des nom. aec. sing. ovop.a = ai. 7iaiaa mit Aer alteren Form von 

c£pov = ai. hlidrat soli ovoaoLTo; ovoaciTi n. s. w. nach u. s. '^v. ge- 

bildet Tvorden sein. 

Aus clem Balt. -Slav, konnen die slav. iSieutra auf 
gen. -efe, wie tele ‘"KalV hieiher gehoren. Dass das -t- der 
Flexion nicht iiispriinglich angehoite, dafiir spiechen Neben- 
formen wie russ. telen-ok ‘^Kalb'* = aksl. '^telenuku^ ndaden~ici 
‘'Junger, UnmlindigeF (preuss. malden-iki-s ‘'Kind'*] zu mladq 
""Kindb Man hatte anzunehmen, dass '^-tos in einer Zeit ins- 
Paradigma einclrang und die ^-Flexion heryoirief. als im Gen. 
neben '"-e-s noch bestand; mit der Yerallgemeinerung der 

Genitivendung ^-es ymxde dann '^teIeto{s) in telete[s) iimgestaltet. 
Ygl. auch preuss. srtiunen-t-s Alensctf, acc, plur. smimeji-t-ins 
neben smunenisku dat. ‘^menschlich^. 

Anm. 2. Im Griecli, yairden nach dem Muster von ablativischen 
Adverbia mit -Uev (-^e) wie sv-Q-ev y.Et-Sev 'no-bsy ablativische Nominal- 
adverbia wie aYpo-^ev, ^eo-^sv, £i»yf-&£v gebildet; welche die alteren auf -to; 
(*dYpo-toc; verdrangten [s. S. 595) . Zu einer vollstandigen Gleichstellung dieser 
Nominaladverbia mit den entsprechenden lebendigen Casus kam es indessen 
nicht (horn, s; oupavo^ev, dro Tcovr^^ev beweisen eine solche nicht). Wol 
aber wurde dieser Schritt der volligen Einverleibnng ins Paradigma bei den 
nach denselben Mustern ins Leben getretenen Pronominalformen 
ce9£'j, e^ev gethan. Denn diese finden sickseit Homer nicht nur in ablativi- 
sehey sondeni auch in genitivischer Function, z. B. B 26 vuv o’ Ep-E^sv Suve? 
cjy.aj u 42 A'6; "ce oeBev te Aeschyl. Pers. 21S coi vs y.al VEy.Nop as&Ev. 

Dat. sing. 

245. Das Suffix dieses Casus, ein f-Diphthong mit kurzem 
ersten Componenten, erscheint hinter consonantisch schliessen- 
der Stammform im Ai. als -d, im Griech. als -at (Infinitive wie 
lopsv-ai und vermutlich einige Adverbia auf -at, wie wap-ac 
neben loc. Trep-i instr. 7:ap-d gen. 'rdp-oc), im Aksl. als [sy7iov~i 

1; Belbruck Uber den indogermanischen , speciell den vedischen 
Bativ, XuhAs Zeitschr. XYIIISlff. Barth olomae Zur Bildung des dat. 
sing, der [ar.]* «-Stamme, Bezzenberger’s Beitr, XV 221 ff. Gerland IJber 
den altgriech. Dativ, zunachst des Singularis, Marburg 1859. Hbfer Ber 
lat. Bat.-Locativ, in s. Zeitschr. fur die AYissenschaft der Sprache II 192ff. 
Fbrstemann Zur Geschichte altdeutscher Beclin.: der dat. sing.^ Huhn’s- 
Zeitschr. XYH 54 £ 



§ 245 — 240.' Casusbildung der Nomina. D at. sing. 597 

= ai. sundv-T\ -i ziinachst aus vgL I § S4 S. S2 unci zu der 
dort in Anm. 3 eitierten Literatiir auch Jagi<: Arehiv f. slav. 
Phil. X 1911 Hiernach ergibt sich ^-^<7 oder s. I§ 1U9 
S. 101 f. als idg. Form. Dass auch -7 in lat. pair-1 unsei 
seij ist nicht so ganz sicher ;§ 219' . Auch ist zweifelhaft, ob 
die ir. dat.-Ioc.-in.str. wie 7*anF §251'; hergehbren, da sie 
vielleicht Icdiglich Locativformen waren 'vgl. gr. y.uv-i;. Endlich 
bieibt auch ungewiss, ob die lit. Geriindivformen im Dativiis 
absolutus, z. B. he-rnPganiip ‘^wahrend ich schlieF /nan par- 
Pjus[i hils ich heim gekommen ■^va^^ mit J. Schmidt Kuhn's 
Zeitschr. XXYI 36of. als idg. Dative aufzufassen seien. deren 
nach I § G64, 3 S. 525 f. zu -i geworden ware. 

Die 0 -^ a-j ?e-Stainme hatten in idg. Zeit die Ausgimge 
^-5? (*“e/), durch Contraction aus -o-rai {~e + a/ , 

-d-rf/? Oder -a-ra?\ -la-rai entstanden vgl. I S. 107 f.). Bei 
den a- imd /5-Stammen iielen dat. und loc. sing, bereits da- 
mals zusanimen § 204. 205'. 

Die in der traditionellen Grammatik als Singulardative 
bezeichneten Formen des Griech., ItaL, Kelt, und German, 
waren nur zum Theil wirkliche Dativformen. Durch formale 
und syntaktische Yermischung mit dem Loc., Instr. oder Abl. 
entstanden mehrfach sehr verwiekelte Yerhaltnisse vgl, § ISS), 
iind vieles bieibt inbezug auf die Fortentwicklimg der uri dg. 
Dativ-, Locativ- und Instrumental formen in jenen Sprachz’w eigen 
vorlaufig unklar, Wir werden in solchen Fallen darauf bedacht 
sein, die verschiedenen der Deutung sich offnenden Wege in 
moglichster Yoilstiindigkeit zu verzeichnen. 

246, 1. o-Stiimme. Uridg. 7/7^5? i), daneben wol auch 

1, Dass aus im Uridg. eine Form *uiipf entstanden sei, halte 

ich fur unerwiesen. Lat. lupo darf sehon damm nicht auf eine solche Form 
zuruekgefuhrt werden, weil dieses dativischc -v immer lang blieb. Abfall 
des -( nehme ich nur fur -e/ im absoliiten Auslaut'O an, wo er in der nahen 
Verwandtseliaft der beideii Componenten des Diplithoiiges begruiidet w^ar 
i vgl. I § G45, i S. 491,. Dass i in der uridg. Zeit auch in der Verbindiing 
schwinden konnte, leugne ich damit nicht. Es kommen theils verschie- 
dene Stellung im YYrtkorper, theils Zeitverschiedenheiten in Betraeht. 
S. I § 150 S. 137f. 



598 Ca^usbildung der Xomma. Dat. sing. r§.246. 

ica ablat. sing. neben '-od^ loc. sing, neben 
^-o{, im instr. sing. ^'~e neben (§ 240. 263. 275). Ai. -ai in 
Infinitiven wie z. B. in denen auf -dlnjca\ hhdra-dJiyai, von St. 
-dhya- (ausserdem im Pion., tcismdi Memb; av. -ai allgemein, 
wie teltrhai, Daneben im Ai. und xlv. zuweilen -Zi ~ idg. 
wie ai. sakhyd zu saJdiyd-m TieundschafP av. aka zu ake-m 
""das Geiecbte, GeiechtigkeiP, s. Baitholomae Bezzenberger’s 
Beitr. XV 22 Iff., J. Schmidt Pluralb. 234 f. Ubei ai. vrhaya s. u. 
Gr. iTCTcoj ; aus -coi vurde in spaterer Zeit (im Att. etwa im 2. 
dahrh. v. Chr.) -o), thessal. -oo (I § S$ S. S5, § 132 S. 121): iiber 
die in mehieren Miindarten dativisch gebrauchten Formen auf 
-01 s. § 247. Alat, Numasidi inschr., popidoi Tdomdnoi von Marius 
Victoriniis erwahnt aus spater -e, lupo jiigo I § 136 S. 125): 
osk. Abellanui klbeliano", umbr. Tefre Tefri Tefrei ""Tefro 
(deo)', vgl. unten. Ahd. wolfe. aisl. ulfe nlfi^ vgl. u, Preuss. 
vdrdai %-erbo^ mit -ai = -e? aus -of; lit. idikid vgl. u. 

Im Altind. batten die Nomina geTrohnlich -Zaja, z. B. 
■vrlcdya. Diese Form wird von Baitholomae Handb. S. 95, Ar. 
Forsch. 11 169, III 63 als Erweiterung der alten Dativform duich 
a, eine Nebenform der Postposition a, angesehen, vgl. av. 
fradapai a ‘'zur Forderungb Er vermutet diese Nebenform auch 
in dem Locativausgang av. -hv-a apers. -ut-a, tvo freilich auch 
altes Zi vorliegen kann ;§ 356). und sie mag identisch sein mit 
dem affigierten Element -e in den Locativformen wie lit. rankoj-e 
aksl. kamen-e (§ 257. 264)'^;, vgl. § 1S6- S. 520. 

Umbr.-Samn. Entweder war durch ein urital. Lautgesetz 
neben -of ein -o? vor Consonanten entstanden {vgl. ital. 
und -ai bei den ^-Stammen, § 247), das im Umbr.-Samn. ver- 
ailgemeinert wurde: in diesem Falle verhielt sich umbr. -e -i 
-ei zu osk. -ui wie im instr. pliir. umbr. -es -fr -eir zu osk. 


1; Bai-tbolomae a. a. 0. nimmt ar. a ais 'proklitisclie’ Nebenform von 
a in av, Verbalcomposita an, wie a-sas-. Ganz abnlich bait jetzt Wacker- 
nagel Bas Debnungsgesetz etc. (Basel 1SS9; S. 50 das 6- von o-peboc 6 -v.£X>.«j 
fur die 'scbwacbe Stufe’ von cb- in w-ce/ioj. Bann konnte aucb das i- von 
i'tirAtu u. dgl. bierber geboren. Also uridg. e : e imd d : Das aber 

dock wol: e e und o 5, d. b. vier Hocbstufenformen. 



§ 24(J — 247.] Casusbildung der Tsomina. Dat. sing. 599 

-Ills (§ 380). Oder umbr. -e -i -ei osk. -ui waxen erst in der 
imibr.-sanin. Periode aus -d/ hervorgegangen, wobei zu beriick- 
sichtigen ist, dass li als o imd als u gelesen werden kann. 
Wahrscbeinlich wax der lunbr. Dativausgang nicht zusammen- 
gefallen mit der dem osk. -ei entsprechenden Locativendung, 
da dicse conse<:j[uent -e -e gesehrieben istj z. E. nze onse ^in 
iimero'' 2031. 

Vber das ini Ixischen als Dat. fungierende s. § 275. 

German. Ahd. tcolfe aisl. ifl/c idfi aus Uiulfai^ -aj aus 
~ol ~o?\ wie bei den d-Stammen -a/ aus -ai entstanden war 
(§ 24 7). Die aisl. Form kann aber auch sanunt got. vulfa in 
der Weise als Dativform erkliirt werden, dass man von einem 
idg. -e aus -ei ausgeht. nife imd cuija kunnen ferner AbL 
auf ^-ed ;§ 241 S. 5SS) und Instr. auf 275), vrjlfe und 

ulfe^ wol auch got. tidfa^ auch Loc. auf (§ 2G3' gewesen sein. 

Got. hi'a77i7na Vem^ hlvulamyna ‘"blindenF (vgl. livainme-h 
jedeni^) kbnnen den idg. Dativausgang -eiV: gehabt haben ;vgl. 
ai. Jcdsmrd]^ konnen aber mit ahd. hicemu himtemu auch als Abl. 
gefasst werden (§ 211 S. 51)1). 

Balt. “Slav. Das lit. -ui von vWcui entstand entweder im 
absoluten Auslaut und vox sonantischem Anlaut ;vgi. cdkals = 
idg. '^lilqois § 3S0) odex nach dem Leskienschen Kiirzungsgesetz 
I § 664, 3 S. 525 £ 

Der aksl. Dativ vluku {-ii auch beim Pronomenj wie tomu) 
lasst nach den bis jetzt bekannten slav. Lautgesetzen nur Zu- 
ruckfiihrung auf uxslav. "^-ou zu, Ich weiss mit dieser Form, 
die an die Advexbia tii ‘"doxF 07iu-de '"b/.zi erinnert, nichts an- 
zufangen. 

247. 2. d-Stiimme. Uridg. "^eJiUdi. Ai. ved, suvapafydi 
von sui'-ajyatya- ^eine, die schone Xaehkommenschaft haP, doch 
vgl. u. Gx. xd)pa; das -? von -di schwand spatex in dexselben 
TV'eise wie das von -coi (§ 246 S. 59S,. Alat, MdiTctd , spiiter 
eqiiae\ umbr. tute /a/e ""civitatF osk. deivai ‘^divaeb Kw. inudi 
zu nom. heiw tuaith, aus zuniichst weiter ^'-7 )das -i 

1' "Wie Wiedemann in der S. 563 pussn. 1 genannten Schrift 8.47 die 
Ziiruckfiihrung des -u auf idg. -li begrunden will, sehe icb nicht. 



600 


'§ 247 . 


Casusbildung der Nomina. Dat. sing. 

von soilhi zuniichst ans ^-il ) ; bemexkensweit ist, class ~i schon im 
Gall, auftritt, zu nom. Belisama (vgl. § 239 S. 586). 

Got. gibdi ags. ^iefe^ vgl. auch Pionom. got. pizdi gegen- 
iiber ai. idsi/Ui (vgl. § 263 Anm.). Lit. ranked aksl. rcice (I § 84 
S. 82, § 664, 4 S. 526, § 665, 3 S. 527;. 

Arisch. Die gewdhnliche Endnng war ai. -Ziycd^ av. -ayed^ 
wie dsvciycd haenayedj eine Xeuschopfung von derselben Art wie 
gen. sing. ai. -dycis av. -aya^ s. § 229 S. 570, § 264. Dei kiirzere 
Ausgang -di kommt nur bei {d'-Stammen vor. Beim av. -yed^ 
gaepyed von gaepijd- ‘'die irdische", imterliegt die Annahme einer 
dissimilatorischen Verkiirzung aus -yayed keinerlei Bedenken, 
und es mlissen wenigstens Zweifel aiifsteigen, ob nicht das -ycd 
des ved. sue apatyrd in gleicher Weise aus ’-ijciycd bervorgegangen 
war (s. I § 643 S. 484 und J. Schmidt Kuhn s Zeitschr. XXVIl 
383), vgl. auch gen. loc. du. yds neben ydijb^ u. dgl. in § 307 
und § 422. Dex alte Ausgang -a? war jedenfalls aber im Pro- 
nomen erhalten: ai. kdsyai av. kaJnjdi (§ 425). 

Im Griech. erscheint auch -di an der Stelle von -di, wie 
- 01 , der Locativausgang, an der Stelle von -mu Dieses -oi im 
Boot. (-o£, -6, s. I § SO S. 72), Arkad.-Kypr. , El. und Nord- 
westgriech., -at sicher im Boot. (FlAao/as, /sXaTiVj, s. I § 96 
S. 91; und demnach wol auch in den andern Mundarten, die 
-01 fill -coi hatten : man bedenke, dass -AI an sich ebenso wol 
-d.i als -di gelesen werden kann. Das Lrgriechische hatte bei 
den o-Stammen -di idg. Dativform) als Dat. und Instr. und 
(idg. Locativform) als Loc., bei den d-Stammen aber -a.i (idg. 
Dat.- und Locativform) als Dat. und Loc. (als Instr. wol noch 
die idg. Form auf -d, s. § 276). Nun wurden -di und -di vor 
consonantischem Anlaut im Urgriech. zu -oi und -ai (I § 611 
S. 463), so dass bei den o-Stammen die Dat. (-Instr. )-Form zum 
Theil mit der Locativform zusammenfiel und bei den d-Stammen 
eine Form entsprang, die der idg. Locativform auf -oi gleich- 
artig zu sein schien und die daher auch die speciell locativische 
Function an sich zogd) Bei den o-Stammen war jetzt die alte 


1) Pass das antesonantisehe -at und das anteconsonantische -at neben 
einander fortlebten, ist mit dem einzeldialektiscben Nebeneinander der 



601 


§ 247 — 24S.j Casusbildiing der Nomina. Dat. ?ing. 

Grenze z^nschen Dat.f-Instr.' und Loe. theilweise verwischt und 
fiir die d-Stamme ein mit diesem Zustand parallel stehendes 
Yerhaltniss geschaiFen, Die weitere Entwicklung war dann 
fiir beide Stammclassen ini grossen Ganzen dieselLe; in den 
einen Mundarten, wie im lon.-Att., absorbierten im lebendigen 
Casnsgebrauch die Formen auf -<o imd -a diejenigen au£ ~oi 
und -ai, die sich niir in adverbialer und sonstiger Erstarrung 
hiellen z. B. oizoi, andern, wie im Bbot.j 

siegten die Formen auf -ci und -ai. 

Italisch. Alat. MTifuta aus urital. ~i7/. Ob dieser dem 
-7jI von Xumaswi entsprechende Diphthong noch in Me?ieruai 
u. dgl. auf den altesten Inschriften geboten ist, liisst sich nicht 
entscheiden, da ~Al verschieden gelesen werden kann. Das 
-ai das in der classischen Zeit Kegel war, z. B. equue, war 
in urital. Zeit vor Consonanten entstanden I § 612 S. 464^ und 
war zugleich Locativausgaug 2G4i, Diese Form -a/ crscheint 
aiich im Umbr.-Samn. zur Kegel geworden, und auch hier ist 
ein formaler Unterschied des Dat. und Loc, (s. § 264 nicht 
zu spiiren. 

ierral als Dat. bei Ennius (vgl. -al als Gen., § 229 S. 571) 
war , wde es scheint, eine Consequenz des genitivischen und 
dativischen Gebrauchs der Formen auf -71 der {7-Stamme (§ 230 
S. 573, § 24S;. 

248. 3. i- ?7-Stamme vgl. S.526 Fussn. 1). 

[i)iei und zugleich wol -{i)ie ’^celsae^ (vgl. den Loc. § 265). Ai. 
IrJiatyai^ av. harentyai. Lat.yhc/7, umbr. kvestretie ‘'quaesturae'* 
(hiernach alat. re umbr. ri heF) sind aus idg. deutbar, 

vgl. § 2G5; daneben facll ,wie im gen. sing., § 230 S. 573 
dessen -il ein urital. aus "-{Xei gewesen sein konnte, 

wie das -ai der 7-Stumme aus -ai hervorgegangen war § 24 7 
S. COl); liber die dritte Form /hc/77 s. u. !Mir. Brigti^ msi\ -i 
zuniichst aus dieses aus ^-(6/7/ oder aus ''-[i)ic\ die Form 
kann auch als Loc. (§ 265) und als Instr. J 277) angesehen 
werden. Lit. hemei aksl. zemJji zuniichst aus '"-/e/ [1 § 6S S. Gl, 


antesoDantischen -ov; -av; und der anteconsonantischen -o; -a; im acc. plur. 
der 0 - und der d-Stamme '§ 326. 327) zu vergleichen. 



602 


Casu^bildung der Xomina. Bat. sing. 


;§ 248—249. 


§ 147 S, 132 , dieses aus wie bei den (^-Stammen aus 

^-ai (§ 247 S. 600'. 

Italisch. Xeben lat. facie imd facil die Form facial, die 
den Aiisgang -7 der consonantischen Stiimnie bekonimen hatte, 
vielleicht nach rei (vgl. ai. ray-e . War ein Dat. dieser Stamm- 
classe osk. Kerri palign. Cerri "'Cereri'*? 

Air. ink neben insi war die Form nach der /-Declination 
{§ 260. 27S,, wie der gen. sing, inseo ;§ 230 S. 573). 

Got. frijondjai liesse sich lautgesetzlich woi aus ^-{ei ge- 
winnen (vgl. ansfai § 260), doch ward es wie andre CasuSj z. B. 
gen. frijondjcjs^ ziir ?77-Declin. gehoren, wde solches sicher fiir 
griech. att. 9300637^ aXrfzia, nnd lit. tezancziai anzunehmen 
ist. Ygl. S. 526 Fussn. 1. 

249. 4. GStamme. Wie die in den verschiedenen Sprachen 
vertretenen Bildimgstypen, -ei-ai -[i)kai -7, sich sprachgeschicht- 
lich zu einander verhielten ixnd welches der Stand der idg. 
Urzeit war, ist iinklar. Wahrscheinlich -ekai : -kai — -men-ai : 
-mn-ai (§ 251 . 

Arisch. Ai. dmy-e av. azayae-ca azee vgl. Bartholomae 
Handb. § 93 S. 40, § 224 S. S9): infinitivisch z. B. ai. pi-tdye 
‘'zu trinkeK av. her^-tle ^zu vollziehen'* (§ 100 S. 2 SI). Aus- 
nahmsweise aiich -kak. ai. pdty-e ‘'dem GatteK av. p>ai[)yak\^~cd) 
‘'dem Herrn, Gebieter'*, eine Unregelmassigkeit, die im Zusam- 
menhang mit den ebenfalls unregelinassigen ai. instr. pdtyd 
ioc. pdtydu gen. pdfyur beurtheilt werden muss, s. § 231 S. 575, 
§ 260. 27S. 

Im Yed. und Av. Feminina auf -i: ved. uii von utk ^Hilfe^, 
av. fra-7nrTdti ^zum liersag-eK, ofFenbar die Instrumentalform 
(§ 27S). Diese Form, der Bartholomae Bezzenberger s Beitr. XY 
245 f. in urar. Zeit die Dativbedeutung zugekommen sein lasst, 
scheint aber bereits in uridg. Zeit auch dativisch gebraucht wor- 
den zu sein. Aksl. -I in noki^ pqti [pafi m. ^Y^eg"*) lasst sich 
ungezwiingen nur mit diesem -7 vermitteln, ebenso alit. vesz-paty 
(St. 'Desz-patk ‘'HerF) lett. srrdi (St. sindk ^Herz^ Idg. -7 
batten fernex wol die auch dativisch fungiexenden lesb. boot. 



§ 249.] Casusbildiing der Xomina. Dat. sing. C03 

dor. ion. Formen wie [iaoi, izoAi vgl. § 26G. 27$)^ libercliess 
konnten lat, ovJ und air. /}!//// hierher gehoren s. u.' . 

Im Ai. Feminin formen auf dc?jai. eine Xeubildung 

wie gen. di'nds ]§ 23 1 S, 375), loe. nvyam § 2fjOb Vgl. § 27S. 

Aus dem Av. endlich hierher vielleieht noch niriflte. arae-ca 
fiir ?nruited armjae-ui u. dgl. Gcldner Kiihnbs Zeitsehr. XXVII 
22G id.). 

Anm. AVar diescr Aiisgang diirch syllabiscbe l)i><imilation vor sonan- 
tisehcm 5Vortai:la\it entstanden -ai aus -nia? ? Oder elnc Veiibildung na’jli 
den consonaiitischen Stammen, ins Leben gctreten in einer Zcit als es 
A'oinina gab. die sou'ol als consonantisclic als auch als AStiimme decliniert 
wurden. wie die Abstracta auf -iat i - § 102 S. 291 'vgl. lat. gen. or-/'- 
moH-is § 2ol S. 575, lit. gen. Jerfd-u § 74'-'. 402 u. dgl. 2 Oder endlicb liat 
Bartholornae Rccht. dor Kuhn’s Zt-itsehr. XXVIII 21 Bezzenberger s Beitr. 
XV 241 diese Formen fiir Locative crkliirt vgl. ^ 2t;i) Anm. 

Im Griech. kommen eigeiilliche Dativformen von AStiiin- 
men nicht vor. Uber lesb. u. s. w. s. o. 

Italisch. l>ei der Beurtheiiimg der in der traditionellen 
Grammatik als Dativ bezeichneten Formen sind die Formen 
der consonantischen Stamme mit hinzuzunehmen, da auf deni 
ganzen ital. Sprachgebiete ein Fnterschied zwischen diesen und 
den f- Stammen nicht mehr nachzuweisen ist. Im Lat. seit 
iiltester Zeit -ei -7. wie ocei on von St. ovn, patrei pain von 
St. pair-. Daneben in den altesten Denkmalern auch -e von 
zweifelhafter Quantitiit. doch ist unter den vorkommenden Bei- 
spielen, wie SalTde pedre., keines, das man mit Sicherheit einem 
/-Stamm zuweisen konnte. Im Umbr. -e, seltner -/: Tarsinafe 
^Tadinati^ (St. Tarbinati-] patr-e ‘'patri^, Marti AlartF luvi-p. 
""lovi patrib Im Osk. -ei, wie Herentatei ^Veneri, Voiupiae'j 
Diiiv-ei "^Jovib darunter kein AVort, das mit Sicherheit als 
/-Stamm Letrachtet werden kann (zu Flerentatei vgl. S. 574 
Fussn. 1). 

Unter diesen Aiisgiingen ist osk. -ei der wenigst unklare. 
Es war Locativendung der /-Declination, aus idg. "-d/ (§ 260) 
Oder '^-6’(/)-/ § 2GG’ entstanden die Schreibung ATrs/Aoov-Y^t 

‘'ApollinB beweist nicht, dass das e von - ei lang war), -ei ging 
auf die consonantischen Stilmme in derselben Weise liber, wie 



004 Casusbildung der Xomina. Dat. sing. ;§ 249. 

z. B. gen. maatr-eis nach den '/-Stammen gebildet wax (§ *235 
S. 5S1). Bmbi. -e kann mit osk. -ei identificiert weiden, 
und bei der gleichen Genitivbildung in beiden Mnndarten umbr. 
matrer — osk. maatreis) hat diese Auffassung die grosste Wahr- 
scheinlichkeit fiir sich, obwol sich das -e von karn-e ^carni^ 
nomn~e ‘'nomini^ u. dgl. auch aus deni Dativsuffix (vgl. 

zum Lautlichen den loc. sate ""in sancta^ § 247. 264), und das 
-e von ocre-m ocre ‘^in ocre^ auch aus dem locathdschen 
i§ 260) gewinnen liesse. Auch lat. -ei -i kann der gleiche 
Ausgang wie osk. -ei gewesen sein. Indess, wenn die Infinitive 
wie ag-l da-r-i Dative wie ai. -dj-e ji-s-e (§ 162 S. 459f.) waxen 
und die 2. plux. impex. legimhi-i dem gr. Infin. Asyipsv-ai ent- 
sprach (§ 117 S. 350), so darf man auch mohi 'patr-1. su-J, socru-l 
von ai. pitr-e^ hh'uv-e^ ivah'uv-e trennen. Es waxen also Dative 
auf idg. Und nun bleibt zweifelhaft, ob das -I in om 

und patrl vexschiedenen Uxspxungs war, doxt alter Locativaus- 
gang der z-Stamme, hier altes Dativsuffix, odex ob odl nach 
p)atri gebildet worden wax gieichwie im gen. sing, ov-is nach 
patr-is und im acc. sing, ot-ein nach patr-em (§ 231 S. 575). 
Ausserdem kann bei otl an Identitat mit dem -I des ai. uth 
gedacht wexden, s. S. 602. Das alat. -e liisst sich als der idg. 
Ausgang -%*) des Locativs der 7-Stamme ansehen, wofiir adv. 
per eg re pei'egri-) spxicht (§ 260). 

Air. fciitJi konnte als Dativ nux mit ai. Tit'l zusammenge- 
bracht wexden (s. S. G02f.). Vgl. § 260. 27S. 

Lit. fern, ndkcziai nahczei gewiss nicht mit alteni Dativ- 
ausgang sondexn Neuschopfung nach dem Muster der 

-m-Stamme, z. B. valdziai valdzei zu nom. raldzid vaidze ^Begie- 
rung" (§ 247 S. 600^, wie masc. rcigiui (nom. ""Dieb") dem 

Yoxbild der ?o-Stamme gefolgt Tvai. Alit. vesz-patij zu ai. uti^ 
ebenso die altkirchenslav. 7iosti pcdi^ s. S. 602. 


h An der Ansicht; dass in Schlusssilben ai im Lat. unter gewissen 
Bedingungen zu 1 geworden sei, mochte ich trotz Torp Beitr. zur Lelire 
von den geschlechtlosen Pronomen 18S8 S. I5fi. festhalten, ■^xenn ich auch 
zugebe, dass Osthoffs Eormulierung der betreffenden Lautgesetze {Zur Gesch. 
des Perf. 193 ff.) vieUeicht nicht die richtige ist. 



§ 230 — 251 .; 


Casusbildur.g der Nomina. Bat. sing. 


605 


250. 5. ('/-Stiimine. Die Verhaltnisse liegen iihnlich wie 
bei den /-gtilmmen, .s. § 240. Aiisgiinge -en-ai 

Anm. Bass die idg. Tnstr. auf ~u von idg Urzeit her auch dativisch 
fimgiert hatteii, ist nicht ’^valirsclicinlich zu machen. Uber die dativisch 
gebrauchten iat. meurf f/nt air. hhitk s. § 201. 279. 

Arisch. Ai. bTinin'-r av. hazac~P wie aksl. synou-i: infini-' 
ti5dsch vecl. h'o-face ^zii hbren^ u. dgl. § lOS S. 007 . Seltner 
'-'U-ai: ved. [sih/- ^Kind, JungesY sahdisrahZiJniv-e [saluhra- 

iPflui- kausendarniig'* , av. :rrapiv-P Ltratu- ‘'Wille, Kraftb = 
ved. /i'rdfi'-?. Iiii Ai. Femininformen auf -I'-Za] cllte/^v-di, eine 
Xeubildung wie gen. (Ihe?U'--as loc. dJiPnv-cm (§ 202 S. 57 7b 
vgl. § 279. 

Lat. 7naran dnschr. sendiuvi aus ^-ev-ai urital. *-o?j~az 
s. I § 65 S. 50. § 172; I S. 150 odcr aus (s. I § 170 S. 151,. 

Ygl. se/iZiiu-k § 20>2 S. 57 7. manu-um § 040. 

Lit. hdmii wol nacli v'llJiid (§ 246 S. 590', wie ioc. plur. 
sTnaui nach pUkanh § 326 Anm., § 360;. Aksl. S[i)i 0 i:-i mit 
-oy- aus -eu- I § 6S S. GO' = ai. sumt-P. 

251. 6. Nasalstiimme. 

Die Stiimme mit ;/-Suffixen batten iin Allgemeinen Tief- 
stufenform. Dock scheinen die infinitivisch fungierenden men- 
und ?/dV/-Stamme in uridg. Zeit bereits Hochstufengestalt besessen 
zu haben : ai. dct-7nan-e gr. od-[jLcv-ai lat. 2. plui. imper. da-7nin~2^ 
ai. tid-mcui-e gr. lo-jjLcV-aL. ai. da-vem-e gr. kypr. do“/sv-ai att. 
oobvotij av. Tid-eaii-di gr. sto-iv-ag s. § 110 S. 341, § 117 8. 344. 
345. 349. 350, iiber die Betonimg Wheeler D. griech. Nominal- 
accent 57. 5S. Vgl, hiermit die idg. starke Stammform in dem 
-ei-ai und dem -eu-a'i der i- und «-Stamme (§ 249. 250) und 
dem der cs-Stiimiiie {§ 251) und beachte, dass auch gerade 

diese Ausgiinge sich in infinitivisch verwendeten Formen finden: 
ai. pi-fdy-P av. ker^-teP, ai. h'o-tav-P, hiny-ds-e dPjJi-dn-P. Die 
Starke Stammform mag aus den Locativformen heriibergekommen 
sein . die ebenfalls zum Theil infinitivisch gebraucht waren, 
z. E. gr. obasv ai. lusdn-i^ lat. vlver-e. 

Uridg. hun~di k'anU ' nid-mdn-ai *^zum Erfalirenb 

Ai. sun-P (zum Accent S. .52S Fussn. 2), av. sTin-P, Ai. idkkii-e 



606 


Casusbildung der Xomina. Dat. sing. 


1 25j. 


av, iam-e [ialtHaa- taUiu- ^Bildner, Zimmermann^). Ai. dhnan-e 
ay. asman-Ti [cthncm- asman- ^Stein, Himmer). Ai. inf. md-indn-e 
"^zum ErfahreH; zum Erkennen^, cld-vcm-e ^zimi Geben^, s. o. 
Zuweilen drangen auch noch in jiingerer Zeit starke Stamm- 
formen ein, z. B. ved. aryaman-Q neben alterem aryamn~e [arya~ 
man- ^Gefahrte, Freund^), entsprechend av. ah'ya-maine [airya- 
maa- ‘'folgsam^), feiner av. urmn-e neben urua-e [uvmn- ^Seele^j. 
Vgl. § 234 S. 579. 

Im Griech. waren unsere Dative niir als Infinitive erhalten. 
Solche auf -asv-ai im Epischen und Lesbischen, vrie iopEvai 
CsoYvujjLEvai; § 117 S. 349. Solche auf -fzv-ai in weiterer Ver- 
breitimg (§ liG S. 341): kypr. oo/svcct (Accentuation unsicher) 
att. doovai, ebenso iivai aus avjvai aus ^ svai: das 

Spxachgefiihl abstrahierte einen xlusgang -vai, der besonders im 
ion.-att. Gebiete Verbreitung gewann und sich an die Stelle 
von -psv(ai) schob: so entsprangen z. B. ou-vai oioo-vai Ts&va-vai; 
Eivai arkad. vjvai nicht aus sondern unmittelbaxe Um- 

formiing von slaEv rjjrEv (aus ^Sv-pcv). stbevai wol deni av. 
md-ran-di gleich, dock mag der Perfectausgang -Evai zum Theil 
zu idg. -6:?^"•Stammen gehort haben, etwa in sixivai vgl. cb/div 
(Yerf. Morph. E’nt. Ill 19fF. , Johansson De der. verb, contr. 
202sq.)i;. 

Lat. carn-i und mit starker Stammform liomhiA edon-l 
mentidn-1. Ein infinitmscher Dativ v'ar wol die 2. plur. imper, 
diui -mini wie sequimim^ s. § 117 S. 350. Wenig wahrscheinlich 
ist, dass umbr. karn-e ‘'carnF u. dgl. hierher fallen, s. § 249 
S. 604. 

Air. coin “"canF kann aus '^cun-ai entstanden sein, entspre- 
chend di'ciin [dru ^Niere^) u. s. w. Die Formen sind auch als 
Loc. zu deuten (§ 269;. 

Lit. szioi-iui nach der Analogic der io- und GStamme (§246 
S. 598 f., § 249 S. 604), ebenso cihmejir-iid u. s. w. Ob das aksl. 
kamen-i das Dativsuffix (vgl. synov-i § 250 S- 605) oder den 
Ausgang der GStamme (§ 249 S. 602. 604] besass, ist unklar. 

1) Basselbe DativsufjSx in csEpeGO-ai = ai. -dJi-e^ nach Bartholo- 

maes uberzeugender Beutung Rhein. Mus. XLV 151 ff. 



§ 251—254.] Casusbildung der Nomina. Bat. sing. 607 

Von den Wurzelnoinina auf -m ist der Dativ im Ar. zu- 
fiillig iinbelegt. ErschliessLar sind z. B. ai. gm-r jm~e av. 
zu ai. li.jam- av. za?n- ^ETde^ av. zi/n-ff zii ‘'WinteE vgl. 

lat. hiem~l^ s. § 1130 S. 452 f. 

252. 7. /--Stain me. Uridg. *7iiatr-a[ ‘'matrV dotr-ai 
‘'datorE. Ai. 7nafr~t‘ ddfr-t\ av. /nUpr-c dUpr-e. Lat. nuiir-1. 
datdr-i (-Or- aiis dem nom. sing.;; wenig wahrscheinlich ist. dass 
umbr. ai'-fertur-e ‘'infertori, flaminE liicrher gehbre. s. § 240 
S. r>0:s f. Air. mTitJnr kann aus " tndfr-ai cAei 'raZder-ai entsian- 
den sein. docdi ist die Form auch ais Loc. deiitbar (§ 2139 . Aksl. 
rnaUr-i ist in derselben Weise imklar wie hcnnea-i. s. § 251 
S. OUG. 

Lit. ynoter-iai /notcr-vi nach der Analogie der ?}7-Stainme 
§ 247 S. 1)00}. 

253. S. Stiimme auf Terschluss ia lit e. 

Uridg. h /d-d?/ ceho\ Ai. hrhcd-Z\ av. hedzallz und mit 

starker Stanimgestah hedza/dZr, ai. hhdrat-Z *LerentE. Lat. rudent-i 
J'irenf-~i prae-6tnt-l. wobei zweifelhaft bleibt, wie iveit -eni- die 
lautgesetzliche Vertretung von idg. -nt- war § 125 S. 071 f., 
S. 5Go Fussn. Ij. Air. rarif ^amico^ Dat. und Loc. § 2G9j. Aksl. 
telvt-i zu tehi n. “^Kalb^, vgl. § 244 S. 590) wie l:a?)ie?i-i, s. § 251 
S. GOO. 

Ai. sarviUZd-e ‘^der VollkomnienheiE, av. haivrtatZdt-^ ‘^der 
WolbehaltenheiE. Lat. noi:ifaf-d^jiaentid~d. Air. hetJnd (zu hcothu 
’^Leben^) Dat. und Loc. (§ 209). 

Aj, lardd-Z ‘^dem He^bste^ av. armae-mide von armae-hZid- 
^still dasitzend^ Lat. hipld-i. Air. dridd *^dem Druiden^ Dat. und 
Loc. (§ 209), Ad. pad- d pi‘d-1. 

Ai. ustJ~Z\ St. uslj- Verlangend". Lat. hihZic-1. Air. naihratg 
AVasserschlange"' Dat. und Loc. § 269). Ai, mc-d, lat. t*dr-7. 
Ai. -rZij-e lat. reg-u air. (dat. und loc.) r~ig. 

254. !). Stiimme auf -s, 

Uridg. '^menes-ai ‘'dem Sinne'* (zur Stammgestait § 251 
S. 00 5’: ai. ^nd/taa-e av. manaKilt-Z . lat. gener-l\ aksl. sloves-i 
wie hame7i-l § 251 S. 006. 

Cr'a^Tinaun, II. 2. 


39 



608 


Casusbildimg der Nomina. Bat. sing. 


[§ 254 — 255 . 


Ubei ai. Infin. \rie hhiijds~e doJids-e s. § 132 S. 3S7f. und 
§ 251 S. 606. Hierher wol auch, mit urspriinglichei Tiefstufen- 
forni des <?6-SuffixeSj ai. jise ""zum Siegen'', gr. ^zi\ schrei- 

ben'' (im System des o-Aoristes stehendj iind lat. dafd fer~rl, 
s. § 162 S. 459 f., Yeif. Griech, Gramm. - S. 116. Urspriingliche 
schwache Stammform auch in lat. mens-l air. (dat. und loc.) 
mi8^ idg. "^me-m-ai (§ 132 S. 3S9). 

Uber air. twig (nom. tech teg ‘'Haus^) s. § 259 S, 611. 

Uridg. Comparat. ^ohis-ai Wiorf (vgl. § 135 S. 402): ai. 
dhyas-e av. dsyaidh-e, lat. deidr-J, 

Uridg. part, perf. act. '''tieidus-ai ^dem wissenden^: ai. 
vidus-d av. vldus-e. 

Ai. nas-e ‘'der Nase'* lat. Ai. m-e ‘'ori^ lat. Ai. 

mus-e (aus nom. plur. niiis-as erschlossen), lat. mur-d. 

255. 10. i- n-y u- ?^ 2 /.-Stamme, S tarn me auf -r -J -?} 
und WuTzelnomina auf -21 und 

Uridg. -ii-ai 2 . B. zu nom. *57irw-6‘‘'Braueb 

Ai. dhiy-h ^dem Gedanken'* ved. nadiy-e ‘'dem Flusse'' ; hhruv-e^ 
ved. svah'ih-e ‘'socrui'', av. tanuye d. i. -uz-e ‘'dem KorpeF. Da- 
neben, das weibliche Geschlecht charakterisierend , ai, dhiy-ai 
nadiy-di hhruv-di Izalriw-di, vgl. § 233 S. 578, § 280. Lat. su-1^ 
socru-K vgl. § 197 S. 534; zl konnte aus contrahiert sein. 

Aksl. kriiv-’i ^sanguinf, 8zehr'uz-i ‘'socrui\ 

Entsprechend ai. gir-e ‘'dem Lobe'' pur-d ‘'dem festen Platze" 
== ^pU-ai. und gd-san-e (aus gd-scin-as erscblossen, 

zu nom. gd-m~s ‘'Binder gewinnend'') = ""-s^Mi-ai, Vgl. § 233 
S. 578. 

Ai. nav-e ^dem Schiffe'*, lat. nav-l, Ai. 7'ay-e zu nom. ra-s 
‘'Gut, Beichtum'*, lat. ?'ez. Ai. div-e (nom. dzjau-s ‘'lichter Him- 
mer], lat. Joz-1 Diov-i. Ai. gdz-e av. gav-e ^ lat. hoz~d] die 
Grundform war ^gizii-di die barytonierte ai. Form eine 

Neubildung nach gdz-i wie gen. gdz-as (§ 238 S. 5S4), vgl. 
auch § 160 S. 452; air. horn 'dat. und loc.j war Neubildung 
nach com, s. § 221 S. 555. 





Casusbildung der Xomina. Loc. sing. 


600 


Load. sing. 

256. Zwei aitererbte Forniationen. 

1. In einigen consonantischen Stammclassen und bei den 
i- und ^^-Stilmnien fimgierte der Stamm als Locativ, wobei die 
Stammsuffixe mit dem Vocalismus der e-Reihe theils die erste 
ilochstufenform, mit -e- batten z. B. homer, od-ucv , theils die 
dritte. mit z. B. kret. oo-ar^v'. Die Formen mit dritter 
llochstufe deckten sicdi mit Formen des nom. sing. mase. fern, 
and des nom. acc. sing, ueutr. ; vgl. z. B. oo-ur^v mit Troi-uYjV 
aksl. i-ine ;§ 223 S. 55b' . In der That handelt es sich wol uni 
dieselbe Formation, die nur im Satze verschieden fungierte. 

2. Hiiufiger waren, in alien Stammclassen vorliegendj For- 
men mit eineni Casussuftix das dem -i des Ausgangs des 
loc. plur. -6-/ (gr. -3'.' gieich gewesen zii sein scheint 35G . 
Dass das -i urspriinglich eine weitere locale Bedeutung hatte, 
zeigen die mit ihm gebildeten Formen der Personalpronomina 
§ 147, vgl. aiich § 230 vS. 5Sb und § 121. 

Mit den Aus^ran^^en der o- und der d-Stamme war -i zu 
den Diphthongen -e/ -c/ und -ai verbunden. Anderwlirts war 
es als silbebildender Vocal im Ar. , Griech. (-i) und Itai. 
(lat. umbr. , vereinzelt auch im German, (ags. hnyte^ § 272; 
und vielleicht im Kelt. gall. s. § 271^ eihalten; in den 

beiden letzten Sprachzweigen bekundet es sich sonst hiiufig 
durch die Umlauterscheinungen. Im Balt.-Slav. ist es nur in 
den Diphthongen der o- und d-Stamme nachweisbar. 

r J. Schmidt Der locativas singiilaris und die griech. i-Deelmation, 
Kuhn’s Zeitschr. XXYII 2s7ff. Schiilze Zum idg. Locativ singui. der 
consonantischen Stanime. ebend. S. 546 f. Bezzcnberger Die idg. Endimg 
des Loc. Sing, der ^^-Declination, Xachr. v. d. Gutt. Ges. d. 'Wiss. 1SS5 S. IGUff. 
Bartholomae Zur Bilduug des loc. sing, der fem. nj~ 4*- Stiimnie, Ar. 
rorseh, 11 lOufl. G. Petroni Dei casi nelle lingue classiche e particolar- 
mente del locative, Xeapel ISTS. Schneidewind De casus locativ i vestigiis 
apiid Homerum et He.^ioduin, Halle 1S6.3. Ebel Ein griech. Gcnetiv-Locativ, 
Kuhn’s Zeitschr. XIII 446 ff. Hofer Der lateinische Dativ-Locativ , in s. 
Zeitschr. f. die Missenschaft d. Sprache II 102 if. C. AVagener De locativi 
Latini usu, Jena ISTl. L. Havet Le locatif ombrien, Mem. de la Soc. de 
lingu. II 391 sq. Smith Litauisches: uber den Singularlocativ der Pro- 
numina und Adjectiva, Kuhn-Schlcieher’s Beitr. I 506 f. 



610 


Casusbildung der Nomina. Loc. sing. 


§ 256—257. 


Neben erscheint im Griech. und Ai. auch -7, horn. Tiarip-l 
XL, dgl. 'Hartel Homer. Stud. I- 56 if.', red. zahtdr-i u. dgl. 

Lanman Noim-Indect. 411. 426). Nach Wackernagel Das 
Dehnungsgesetz der griech. Compp. 12^. wiirde es sich hier um 
eine bereits in der uridg. Periode vollzogene rhythmische Ver- 
liingerung handeln. 

Da bei stammabstufender Declination vor -i (-7) seit uridg. 
Zeit Starke Stammform vorhanden Tvar, so liegt die Yermutung 
nahe, dass -i an Formen angetreten war, die auch schon ohne 
dieses Casussuffix locativisch fungiert batten, vgL z. B. ai. 
rnurdlidn-i neben [mardlm-i und) inTirdhdn. Doch ist zu beriick- 
sichtigen, dass neben den altiiberkommenen Ausgangen 
und -eit-i der i- und der 2 ^-Stamme zwar und , aber 
nicht ^ei und -eii mit Sicherheit als uridg. Ausgange nachweis- 
lich sind § 260 Anra. 261 Anm.). Und waren Formen wie ai. 
murdlin-i gr. dpv-i, gr. Traxp-i %oi.fadr^ ai. div-i^x, alter- 

tlimlicher als ai. murdhcm~i gr. ttoiusv-i, ai. pitdr-i gr. Trarip-i, 
ai. dydv-i, oder waren sie in j lingerer, wenn auch schon uridg. 
Zeit im Anschluss an andere tiefstufengestaltige Casus, wie z. B. 
dat. sing., ins Leben getreten? Ich begniige mich damit, diese 
Fragen aufgew'orfen zu haben. 

Anm. Bartholomae Bezzenberger s Beitr. XV 23 sueht ein idg. Loca- 
tivsuffix -u neben -i zu erweisen, z. B. in ai. mxih~u *^augenblicklich’. Es 
bandelt sick aber nur um Adverbialformen. Vgl. § 356. 

257. I. Stammformen ohne Casussuffix als loc. sing. 

1. /^-Stamme. Vgl. § 156 S. 521. 

Formen auf ~en. Ved. inTirdhdn {inurdh-dn- ^Spitze, KopF), 
uddn [ud-dn- ^Wasser^), karman [kdr-man- AVerk, Handlung^J 
u. dgl. ; apers. xhapa-vd ‘"oder des Nachts'* d. i. xsapan-ui (St. 
xmpcm-]^ s. Bartholomae Handb, § 35 Anm. S. 22. Gr. ai(/)h 
adv. ''immer'', zu ai(f)d)v ^Zeitraum, EwigkeiF; ferner hierher 
die bei Homer und vielerorts auftretenden Infinitive auf -[xsv, 
wie OGixsv idpLoV spusv 'kret. el. nordwestgr. slijlcv), nach 

denen solche wie ^ovujxev, ayspsv, dEiasv, sardnsv gebildet waren. 
Aksl. hamen-e (St. harnen- ‘'Stein^) wahrscheinlich mit demselben 
etymologisch zweifelhaften Zusatz -e, der in den lit. loc. sing. 



§ 25T — 260/ Casusbildung der Nomina. Loc. sing. GlI 

rahhoJ~e zerraj-e u. s. w. (§ 204. 205; auftritt, vgl. § 1^0 S. 520, 
§ 240 S. 59S und § 409. Anders iiber hamen-e J. Schmidt Kuhn's 
Zeitschr. XXVII 307. 

PVrmen auf -en, Av. f-ahman 1 § 200 S. 170 St. cahman- 
"^das Schauen. Aiige’. Gr. kret. inf. 

Als eine Form auf -n betrachtet Bartholomae Bezzenberger’s 
Beitr. XV 29 ai. ved. /rsfnna neben l:sa?/ia/i ‘'auf der Erde’. 

Endlich hierher air. tohnie neben foimfin {Zeuss^-Ebel p. 206), 
nom. foimthj A'ogitatio'* Thurneysen Bezzenberger's Beitr, VIII 
269 : “C zunachst wol aus dieses aus "-ion. 

258. 2. ?*“Stamme. Zunachst hierher einige auf der 
Grenze zwischen ausserparadiginatischeni Adverb und Casus 
stehende Fonnen, vrie ai. dJuir-dlri ^Tag filr Tagy av. 

hn der Erde^ die sich nicht-nominalen Bildungen -vvie ai. aritcir 
hm Innern, ins Innere'* neben anUh'i-Jcki- lat. i/iicr, gr. GuSp 
lat. s-upcr anreihen. Gr. vdxrmp 'Xachts^ vielleicht mit -f und 
ai. tnuhur hni XiF mit -rr ;Vgl. Bartholomae Bezzenberger’s 
Beitr. XV IS, 2:;'. Dann sind hier lebendige Casus wie ai. 
77iatdr-i datdr-i dufar-i av. iimfairi ddtairi gr. ur^rip-i zu nennen, 
wenn sie Erweiterungen von Locativformen '’^doier vraren, 

s. § 256 S. 610. Vgl. noch § 1S6 S. 521, § 224 Anni. S. 560. 

259. 3. 6‘-Stamme, 

Aus dem Ai. zieht IV. Schulze Kuhn’s Zeitschr. XXVII 
546 hierher sa-dims ‘'sogleicK pUrce-dijus "'am vorhergehenden 
Tage, friih am Morgen^ und verbindet mit letzterem lat. dim 
{iiociTi dmsque]. Dazu •vvol auch ‘'morgen'^ zu av. su-7'a- 

‘'morgendiicK, Geldner Kuhn's Zeitschr. XXVII 253. 261). Gr. 
dor. aii; ‘'immeC zu acc. aim aus (§ 133 S. 397). Lat. 

j^encti zu pvnus -oris ;'§ 132 S. 393). Hierher ferner der air. 
dat.-loc. sing, der neutralen c^-Suimme, wie iaip mir. tip, zti 
nom. terli teg "Hans'’ : Thurneysen Bezzenberger’s Beitr. VIII 
269}. Endlich slav. slotes-e mit dem accessorischen -e wie 
Jcamen-e, s. § 257 S. 6I0f. 

260. 4. GStamme. Im Vridg. neben einander -c/ und -5 

mit Veriust des -/ § 045 S. 491). 

Im Ar. nur Ai. ved. dm. agtid agni-s "FeuerV, die 



612 


Casiisbildung der Xomina* Loc. sing. 


;§ 260 . 


Nebenformen dcZiu, agnciu^ die spater alleinherrschencl waren^ 
batten ihr -Tiu von den ?^-Stammen, wie siinZm (§ 261). pdtyau 
{pdti-4 ^Gatte") fiir pdtcm diiich Einvrirkung von pdtge pdtijd 
{s. § 231 S. 575, § 249 S. 602), abnlich wie got. hinndii fiir ^hindu 
zu seinem -yin- = ^-/m- gekommen war (§ 261) . Av. aza^ apers. 
aJiifrakd [ahi-frakti- ‘"Bestiafung diirch das Schwert";. 

Im Giiech. wuide -ei odex -e diirch Anfiigung des Locativ- 
snffixes zii -el-i oder -e~i erweitert, daher homer. rJArp att. 
TToX'o von St. TioAL-. Tgl. acc. sing. Zrp-a auf Grundlage von 
Zt|V § 221 S. 554, gen. sule-To und acc. auf Grundlage 

von *s\iz und * 7 ; as = dor. aps § 443. 450. Von -oArp aus ent- 
sprangen rJArpc; 'iroArpc u. a. Casus dieser Art (vgl. § 231 S. 575). 

Die alat. ^Dative^ auf -e, wie Salute patre^ und das Adv. 
peregre batten moglicherweise unser idg. -e, docb kann -e auch 
idg. das Locativsuf-fix der consonantiscben Stamme (vgl. 
rur-e^ Cartlidgin-e] gewesen sein, das auf die f-Stamme iiber- 
tragen wurde. Unser -ei kann in den osk. ^Dativen^ auf -ei 
wie Herentatei "^A'eneri, Yolupiae^ und den umbriscben auf 
-e -i wie Tarsinate ‘'Tadinatf Marti ‘'Martf (§ 249 S. 603 f.) 
enthalten gewesen sein, indess lasst sich -ei auch aus -ei-i 
(§ 266) erklaren. Dass auch lat. ott peregri u. dgl. idg. -ei ent- 
halten haben konnen, sahen wir S. 604. Ebenda ist auf die 
Moglichkeit hingewiesen, dass das -e von umbr. ocre-m ocre 
"in ocre"* der Locativausgang ^-e war (vgl. auch sabin. Flusare 
"in Eloralf). 

Air. faith in locativischem Gebrauch Vgl. neutr. yyitm' "in 
marf) kann urspr. ^udtei und ^tidte gewesen sein. Vgl. § 249 
S. 603 f. und § 27S. Hierher vielleicht gall. Ucuete (Bezzen- 
berger’s Beitr. XI 131. 153). 

Got. quma "dem Kommen^ aus *hume'^. Dann war dieser 
Casus mit dem "Dativ"* der o-Stamme [milfa^ s. §241 S. 590f.^ 

§ 246 S. 599) nur ausserlich zmsammengefallen. (In § 231 S. 574 
sahen wir, dass auch der Ausgang des gen. sing, der masc. 
i-Stamme nicht lediglich auf Ubertragung abseiten der o-Stamme 
zu beruhen braucht.' Indessen bleiben grosse Bedenken wegen 
ahd. chume neben icolfe. 



§ 260— 2Gi; 


^3 

Got. anstdi ^der Gimst^ inag aus -ei entstanden sein, and 
Streitberg sieht denselben Aiisgang in ahd. indem er an- 

nimmt, dass nrgerm. -id im Westgerm. zimachst zu gewor- 
den sei ivgl. § 2r>;^ Anni. S. 017', wie er auch got. sundu ahd. 
mnlu auf dieselbe Grand form zuriickfuhrt. Doch lassen 

and hunlu auch andere Auffasssimgen zii imteu Anm., 
§ 20>1 mit Anm.. § 200. 207. 27S). und bei anstdi und sundii 
muss wenigMens mit der Mugiichkeit gerechnet werden, dass 
sie ihr a ail's deni gen. sing, {anstdis su/tdioi bekommeri hatten 
vgl, ags. gegen got. gumin § 209 u. dgl. . 

Auf ist wol der alte und jetzt noch in mancheu Gegen- 
den lebendige lit. Infinitivausgang -it, z. B. dck~te trs. und intrs. 
‘'brennen^ (zu nom. dckfl-^ in ug/ui-'dekti-~6 f. ""brennende Kiilteb 
vgl. § loo S. 2 soft'.] zuruckzufiihren : ^ -td zu ;I § 0ir> S. 400', 
dieses zu -v I § oS S. 01;. L'nd die daneben stehende Inhni- 
tivform auf -ie, die zum gleichstiimmigen Verbum zugefiigt 
wird, um die Intensitat der Ilandlung zu bezeichnen, z. B. dekfi^' 
dega Vs breunt hell aiif^, ist auf zuruckfiihrbar nach I 
§ 604, 3 S. 525 f. So wdiren die idg. Ausgiinge -ei und -e neben 
einander erhalten. aber im Gebrauch ditferenziert worden. Zu 
dekte auch das adverbiale 8zaU''zxxx Seite^ (zu nom. "^SeiteV? 

Uber lit. /takiiije s. § 204. Das slav. -/ im Loc. der f-Stamme. 
z. B. aksl. /tosti, ziti \ziti "^Leben^;, und im Infmitiv. z. B. zi-ti 
"leben"* (lit. gg-te gij-ti Vufleben, heil warden'’) kann sowol aus 
*~ei erklilrt warden I § OS S. 61), als auch aus 

(I § 76 S. 07). 

Anm, "Wir Iiaben oben mehrere Male in den europaischen Spraclien 
Ubergang ion -vi vor Consonanten; in -d angenommen, bei osk. He ren- 
tal ei nmbr. TarsinaU lat. pereijn . lit. diJdU aksl. uoki , vgl. auch Streit- 
berg's Auffassung dcs ahd. vnsti. Da min bei den ?ntve-Stammcn die beiden 
Locativausgange -tnht und -min altuberkommen waren, su muss wenigstens 
gefragt werden, ob nicbt jenes -ei ein uridg. -tO' gewesen war; Bartbolomae 
muchte als solcbe Formcn mit -el die av. Inbn. wie mrhite betrachten^ 
s. § 249 S. 69:*. Die gleiche Frage muss bei den ?;-Stammen getban werden 
§ 261 Anm. . Vgl. § 276 S. 610. 

261. 5. ^^-Stamme. Uridg. -tu, '""sTiueu ''in filiob 

Ai. aiodid. Av. hazau (apers. hahu'aiii: St. hahh'u- ''Babylon^ 
vgl. unten die Anm.). Vermutlich auf Grund dieses Ausgangs 


Casusbildimg der Nomina. Loc. sing. 



614 


Casusbiidung der Nomina. Loc. sing. 


[§26i. 


-aiL entstanden ini Iranisehen die For men des nom. sing, auf 
-au-s, des acc. sing, auf -axi-am, des gen. sing, auf -aii-s, des 
nom. acc. plur. auf -av-as^ wie av. bazau-8 apers. daliyau-s etc. 
(§ 196 S. 533, § 215 S. 549, § 232 S. 577, § 318^ 

Aus dem Griech. gehort vielleicht der Loc. der Nomina 
auf -so;. Trie ittzoo; yaAv.so; iTr^rrsd;, hierher, deren Zusammen- 
hang mit den ai. Adjectiven wie ascayil-s ‘'Rosse begehrend^ 
dexayii-s ‘^die Gotter verehrend"* Wackernagel T\mhrscheinlich zu 
machen suchte, ohne der lautlichen Schwierigkeiten Herr zu 
werden, s. § 105 S. 300 und A"erf. Gr. Gr. S. 100. Ein 
urgr. ^hippeij^m = ai. alvayau konnte in derselben Weise zu 
^hippe(j^jeii-i erweitert werden, wie -e-i in rShr^i auf Grund von 
idg. Oder entsprang (§ 260 S. 612). Und wie von 
aus die Formen 'ttoAtjo; r.6Xr^z(; etc. ins Leben traten, so warden 
im Anschluss an ^irT:sY]/-i die Formen ^iT.r.zrif-oz etc. 

geschaffen ivgl. auch oben av. hdzdu-s etc. nach loc, bazau], 
-srp erfuhr ilberall Contraction in -rp, daher trr:7j/-t iTUTriji^-o; 
u. s. w. ^). Warum diese Neubildung auf die Nomina auf -so; 
beschrankt war und nicht auch z. B. bei und Tjbd-; 

auftritt, weiss ich freilich nicht zu sagen. Aber die entspre- 
chende Neuerung bei den i-Stiimmen ergriff auch nicht alle 
Wbrter, nur Tjjki-c, ohne dass der Grund der Beschrankung zu 
Tage liegt. Uber die neugebildeten nom. sing, wie s- 

Meister Griech. Dial. II 110. 272, Zum el., arkad. u. kypr. Dial. 
40 f., Johansson Bezzenberger s Beiti. XV 178. 

Lat. adv. noctu (vgl. ai. aMau ^bei NachF^ und umbr, ma- 
nuv-e hn manu^ miissen hierher gestellt werden, auch wol die 
dativisch gebrauchten lat. maiiu usu umbr. trifo ""tribuF. '^-eu 
ward in urital. Zeit vor Consonanten und dieses -oii (I § 05 
S. 53, § 612 S. 464). Zu ma7iu usu vgl. auch § 279. 

Gall. Tapavooo [Taranou] zu Tar ami- ""DonnergotF (vgl. 
Tara?iu~cno-) . ebenfalls mit -oii aus ^-eu, (I § 66 S. 57). 
Dieselbe Gxundform ist fiir air. hiuth annehmbar. 

1) Die Adj. auf konnten unmittelbar Tom alten Loc. aus 

gebildet wordeu sein, wie -sio-; aus *~ei~io-s u. dgl. (§ 63 Anm. 2 S. 121, 
Johansson Bezzenb. Beitr. X.V 179;.. 



§ 2fi 1—202; 


Casitsbildun<^ der Nomina. Loc. sing. 015 

Got. sioidii mag aus -r?/ entstandea sein, und ebendaher 
naeh Streitberg abd. sunin sifiu, nord. run. Kiiniimi n.diu aisl. 
bfpii "^dem Sohne^. Dock ergeben Ksich aiich andere Moglich- 
keiten, s. § 2 go S. 012. 

Aksl. iiijnu aus iiber *-€?{ -oyi (I § »;S S. Ou, § GI5 

S. 4G0»>. I'ber lit. ^Tifidje s. § 204. 

Vielleicht steckte iinser Casiisausgang aucdi noch in man- 
C'hen adverbialen Eildungen. Z. B. in gr. avso k')hne" aksl. mnu 
"hinaus" ;beide Formen mit -en anteconsonantisch aus -Id neben 
got. Inu ahd. Zvno ‘^ohne^ (vgl. Terf. Gr. Gr. - S. 21S;. Bartholomae 
Bezzenberger s Beitr. XV 10 verkniipft av 3 o mit ai. mnv-fdr, 
halt es aber ebenfalls fiir den Loc. eines ^^-Stammes. 

Anm. V ir haben melirerc* Male in den ciirop. Sprachcii Ubergang 
^ on (vor Consonanten in -t-// angcnomincn. bei lat. nootu umbr. manu-vc, 
gall. Taoavoo’j, ahd. Huniu aisl. sy}n , akd. gr. . 'V\'ie bei den i- 

Stammen s. § 20u Aura, fragt .sicdi, ob niciit schon im Uridg. ciii Ausgaiig 
mit knrzcm v . -et/, bestanden batte. Bartholomae a. 0. fiihrt zii Gunsten 
desselben av. . apers. hnhiraur an 'ai. rod. bewei^t iiichts , \vir 

ingen av. ar^liav-a gCZar-a Caland Kuhn's Zeitsehr, XXX obOf.. Jackson 
Amer. Or. Soc. Proceed. ISS!) p. CXXV, hinzu. 

262 . 0. Die iibrigen Stiinime. 

Av. dam von St. dam- ^Haus^ idg. '^dem. Fine iihnliche 
Locativbildung vermiitet Bartholomae Kuhn's Zeitsehr. XXIX 
40 7 f. in den Adverbien ai. kam av. Jeam, deren Grundbedeutung 

Gefalien, zu Liebe^ (vgl. ai. Jedm-a-s *^Begehr^} gewesen sei. 

Ai. parut vergangenen Jahre"* neben gr. Tripoai aisl. 
fjord fjord bm vergangenen Jahre"* air. O7tn-2odd ""iih anno prioreb 
War parut eine Vermischung von ^per-utt und ^pei'-nef^ Die 
Hypotbese, dass das Wort mit gr. /iroc zusammenbange , der 
wir uns § 4 S. S anscblossen , ist freilicb nicht uber jeden 
Zweifel hinaus. Vgl. Feist Grundriss d. got. Etyni. S. 2 of. 

Die I- ij und u- e^?/~Stiimme zeigen neben -//-?’ und -uu-i 
§ 20S| -7 und -Tr. ai. ved. gaio'i zu gdurl-.s ‘'die Kub des Bos 
Gaurus^ camu zu ca?nud ‘'SebiisseF. Xur sehr imsicbere Belege 
fiix diese Formation sind gr. iiol. dor. ion. rdkl und lat. r7, da 
man jenes statt zu TroAr-c aucb zu tS/X-z ziehen '§ 240 S. G02f.) 
und dieses aus § 26 S deuten kann. Aucb brauebt aksl. 



616 


Casusbildung der Nomina. Loc. sing. 


[§ 262—263. 


s^^ekruv-e nicht aiif Grund eines '^svekry entstanden zii sein, 
s. § 26S. 

Anm. Bartholomae Kuhn’s Zeitsehr. XXIX 5S3 Termutet. gaun camh 
seien zu loc. plur. gaurl-m cajyiu-m gebildet worden nach dem Muster von 
I'rke-hi : vrke. 

o ■ o 

Ini Ir. konnten Locative ohne -I gesucht werden in catJiir 
neben cathraig (nom. cathir ‘'StadO, hetJai neben hethaid [betltu 
""Leben"*); ii. dgL, vgl. ioimte § 257 S. 611, taig § 259 S. 611, 
hiiitJi § 261 S. 614. Indessen wurden manche von diesen kuxzen 
""Dativen^ dock wol erst nach den Woxtein gebildet, bei denen 
Nom. iind ‘'Dat.'* ziisammengefallen waxen, wie atJiir ‘^Vatex^. 
Dafiix spxechen namentlich die ""Dative^ wie toimtiu (neben tohnte 
toimtin^ s. Zeuss-Ebel p. 266), die nur so exklaxbar sind. 

263. II. Locativformen mit Suffix -i. 

1. o-Stamme. Uxidg. hn lupo^ daneben -e-/, 

z. B. "^Juge-i^ vgl. § 240 S. 587. Yielleicht fungierte diese Bil- 
dung schon in uxidg. Zeit auch genitivisch, s. § 239 S. 586. 

Ai. vrke. Av. vehrke^ apers. pdrsaiy [parsa- ‘'Pexser, Persien^) ; 
mit Postposition a (oder dexen tonlosex Nebenfoxm s. § 246 
S. 5 98) av. zastaij-a hn manu^ (vgl. § BOS iiber apexs. dastay~a). 

Gx. att. 017,01 ""zu Hause^, labaoT. Da die Foxmen auf ~oi 
in diesem Dialekte nux mehr in Advexbien voxhanden waxen 
(vgl. auch die pionominalen t:oT, oi u. dgL), so kamen Neu- 
bildungen wie Kr/ovv-oi zu r^ Kr/ovva auf. Dagegen blieben 
die Foxmen auf -oi im Boot., Arkad.-Kypx., El. und Nordwest- 
gxiech. lebendige Casus und waxen mit dem Dativ auf uxspxiingl. 
-oi ganz zusammengexonnen (§ 247 S. 600 f.). In Thessalien 
fungiexten die Loc. auf -oi genitivisch (s. § 239 S. 5S6), wofiix 
zunachst auf den Gebxauch von \iol oi als gen. possess, zu vex- 
weisen ist (§ 447). Der Ausgang -si hndet sich im ganzen 
gxiech. Spxachgebiet nux in Advexbien, wie att. oiV.ci, aiei dsi 
wie instx. alr^ (§ 275) zu lat. aevo-m^ rx\Lo:/z[ zu kret. 

oiTtXst u. s. w., vgl. die pionominalen dor. 'usT, ottsl u. dgl. 

Im Ital. exscheint -ei klax in osk. miiinikei terei-hn 
communi texxa^ comenei ""in comitioL Im Lat. nux Adverbia, 
wol ebenfalls mit urspriinglichem -e£, wie helli^ domi^ in altexex 



^ Casusbildung der Zsumina. Loc. fJ17 

Zeit auch mil -ei geschrieben : wie die Sehreibung -e, z. B. die 
(jiiinte. zu beurtheilen ist, bleibt z^veifelhaft, Zii iimbr. iize 
onse iimero' vgl. § 24 u S. 509. Falisk. Zextoi "SextB ist 
eine i^ebr unbichere Spur des idg. -oi, .s. § 250 Anni. S. 5Sb. 

Air. ^ ///// bun Knde, naeli" noni. ‘^Spitze. Kopf. Ende^' 
aus ^JiNeumi Oder ^Icne/iNol gall. Penint- . 

Im Germ. urgerm. -// -7 I § GT. 2 S. 5TiV, in ags. 

, mil Wegfall des ~i in hiirn [laim ^lleim\, iind 
in asehwed. dreijJd aisl. decje hlerzu prononi. //7, Itrl , wol auch 
giach Kugel Zeitschr. f. deutseh. Alter!. I SSI S. llsf. in ahd. 
Adveibien nidari, heuni (nebcn nidare. heime , Dagegen 
-o/ in ahd. fage, icojfe ags. dre^e^ aisl. idfe, uJJi. >vol auch got. 
daga vidfa (vgi. Anni.;, doch konnen nlfe. vidfa auch Dative 
aiif -eg § 24 G S. 509;, Ablative auf -ed 211 S. r)Ss; und 
Instrumentale auf -e ,§ 27 5', die westgerm. und aisl. Fonneii 
auch Dative auf -oi 24G S. 500 geweseii sein. 

Anm. AA'as die Zuruckfuhnmg von got. daga auf ^duga! bctrifft, so 
verhiclt ich mich wegen got. gibai I § G.j9, 5 S. 515 bhher ablehnend gegeii 
die Ansicht. dass urgot. -al in zwei- und mehrsilbigen 5V6rtcrn zu -a ge- 
worden sci, eine Ansicht, der auch die Unterscheidung von acuicrteni und 
eircumtiectiertom -ei Hanssen Kuhn's Zeitschr. XXVII 012 Sievers Paul's 
Griindr. I 4uo keine ausreichende Hilfe bring!. Xun macht Streitberg L>. 
germ. Gump, auf -oz- S. 22 ff. wahrscheinlich, dass die Kurzung der Langen 
in urgerm. -e/ -fu -ci -oh nicht bereits urgerm., sondern erst in den ein- 
zelnen Bialekten eintrat, so dass gihai aus urgerm. jener Theorie nicht 
mehr hinderlich ist. Freilich ist Streitberg’s Auffassung darum nicht sicher, 
weil die ahd. eiisti sunid aisl. fundi sy)n auch idg. -vf -eii 'nicht -pf 
enthalten haben konnen, s. § 200 Anm., § 201 Anm. Got. hairdi sing, 
opt., als Neubildung fur *haira nach den andern Personen zu erklaren ware 
gut moglich. 

Lit. -I' heute nur noch adverbial, }nime Hause^, alit. 
allgemeiner gebraucht, z. B. ddce-j) "^bei GotF (geschrieben die- 
idep'i. Wenn die alit. Schreibungen wie dieiceie paneie (Bezzen- 
berger Z. Gesch. d. lit. Spxache 133) die Lautgruppe -eje^ nicht 
-eje meinen, so haben wir in iiinen den Ausgang -f/. mit deni- 
selben accessorischen -c, das raukoj-e hat (§ 2G4). -e kann mit 
deni ersten Theil von -ej-e identisch s. I § GS S. Gif.b kann 
aber auch Fortsetziing von idg. -o? I § S4 S. SI) sein. Wie 
der heute schriftlit. iibliche Ausgang -e^ z. B. mlhe, zu beurtheilen 



(513 Casusbildung der Nomina. Loc. sing. J 2G3 — 264. 

sei; i.st zweifelhaft. Leskien Declin. S. 47 und Bruckner Arch, 
f. Slav. Philol. Ill 277 vermuten, alter es -e sei dutch das -e von 
-je verdrangt worden, was mir nicht einleuchtet. Wir kom- 
men in § 424 auf tllhe zuriick. Die ?(9-Stamme haben heute 
alle -yje . denselben Ausgang wie die ^.-Stamme (§ 264), sowol 
zoclijje^ gai'lijje zu nom. tbdi-s ""WorP, gaidy-s ‘"Hahn"', als auch 
sveiyje zu nom. sveczia~s\ zu den Foimen der letzteren Art war 
-ijje erst spatei gekommen, im Alit. noch hraideie und krauie 
zu krmja-s ^BluB u. dgl. Wir vermuteten in § 239 S. 5S6, dass 
hbdyje die Unibildung einer uridg. Locativform auf ~l (vgl. lat. 
fill als gen. sing.' sei. 

Aksl. TiJiicii aus Doch ist dunkel, warum hier -d, 

dagegen -i im nom. pi. xJiici — gr. a6zoi. Mit der Annahme, 
■vluce sei nach dem fern, race (§ 247 S. 600, § 264) gebildet, ist 
wenig gewonnen. Vgl. I § S4 S. 82 f. und ausser der in Anm. 3 
angeflihiten Litexatur Jagic Arch. f. slav. Phil. X 191. 

264. 2. a-Stamme. Schon im Uridg. waren Loc. und 

Dat. zusammengefallen (§ 247 S. 599£.). Uridg. ^ekudL Ai. 
d%vdy~dm apers. arhirZiy-ci^ St. arhira- 'Arbela^. Gr. ion. ©r^^aL- 
^in Theben geboren^ el. Vhj\iTdai ‘'in Olympiab Lat. Rdm.ae^ 
inschr. alter Romai: umbr. sate saluife ^in sancta'*, osk. viai 
‘'in via", vgl § 247 S. GOl. Air. 7mzdi^ tuaitli^ s. § 247 S, 599 f. 
Got. gihdi ags. ^iefe (vgl. § 263k Lit. rankoj~e^ aksl. rqcL 
Im Urar. mit Postposition ci. Dieser Ausgang blieb 

im Apers., wahrend im Ai., wie in 'brliatydm (§ 265), noch das Affix 
angetreten war (s. § 1S6 S. 520). Im Av. ward das a der voi- 
letzten Silbe von durch Anlehnung an den Instrum ental- 

ausgang -aya zu a, Itaenaya (vgl. § 229 S. 570). Durch den 
festen Anschluss der Partikel a wuxde im Urar. ein formaler 
Unterschied gegen den Dat. sing, auf -d? hergestellt, und wir 
diirfen mit Streitberg annehmen, dass damals das Nebeneinander 
von ^ahidid und *blirghit[i]ia (av. her^zaiitya apers. liarau'catiya^ 
ai. hrhatyam] bei den d-Stammen die Ausgange gen. -dias dat. 
-aidi exzeugte, s. § 229 S. 570, § 247 S. 600. 

Im Griech. wuxde in der Pexiode der Urgemeinschaft 
vox Consonanten zu -a'l (©rj^ai-yavT)^, ? wahrend es 



619 


§ '2<U— 2t-r>.' Ca^usbildim^ tier Xomina. Loc. ^ing, 

vor Soiianten und im abjsoliiten Au&laut blieb. Das Weitere 
s. § 247 S. 600 f. 

Umbr. totem-e dn eivitate^ ■neben toie\ in desson ~em L. 
Ilavet 31em. d. I Soc. d. ]. II 301 sqq. den ai. Aus^ang -aijani 
zu erkenncn glaubt, isl vielmehr mit Biicheler Umbr, p. is.“> 
so zu deuten, dass an tote in = tote — at I 2oO S. 170) 
noch einmal, nach der Analogue von bolehen Fallen, in denen 
-e’// eine selbstiindige Silbe geblieben war, wie z, lb manuv-e 
^in manu", ~e )i angesetzt wurde. Vgl. prakr. furnarn fur tian 
\lii ai. ti‘d/i{) nach a/iam bclF, lit. dial. Jiiicc-iiiti ‘'sie spotleiF 
mfolge des sonstigen Nebeneinanders von -si imd -.s. ai, ved. 
3. plur. med. duduJty'irv fiir duduJtre nach der Analogic von 
Jagmii'e, und aiideres dieser Art bei Ycrf. Morph. Unt. Ill 67 th 

Lit. ranhy-e ^Yie zemej-e § 267) und vielleicht dtnj-e 
§ 26)3 S. 617' mit demselben etyniologisch z^veifelhaften Element, 
das im loc. plur, ranhos-e 356) und ini ak^^l. loc. sing. I'umeh-e 
erscheint, mbglicherweise das -a des ai. dal. crlicnj-a § iS6 
S. 520. § 240 S. 5 OS, § 27)7 S. 6lu, § lu'ob Indem man in ra/'ikoje 
zerneje ein suffixales Element -je abstrahierte , kain man zu 
den Neuschbpfungen nakUjJe "NachE und sUnTiJe • sunu-s 

‘'Sohn'*;. Diese Formen erlitten schon in vorhistorischer Zeit 
vor Yocalen Elision des -e: so entstanden rankoj ra/lko, zeme^ 
naktlj, suiiiu, 

265. 3. i~ /e-Stiimme (vgl. S. 520 Fussn. 1). Schon im 

Uridg. ivaren Loc. und Dat. zusammengefallen (§ 24S S. 00 If.). 
Uridg. ^h]irijhnt[P\iel und -(7)/e ’'in celsa'’. Av. harentija, apers. 
Juirauvatiya bn Arachosien'* (iiber den nom. haraucatis § 10 1 
S. 527' ; ai. htduitydm mit Partikel ""-cm ^vgl. dlvaxjum § 264 
S. OIS, aksl. instr. tojq § 270; wie auch av. -yum neben -ya 
vorkommt Bartholomae Ar. Forsch. II lo4). Lat. fade, vgl. 

§ 24S S. 601. Mir. Brigii insi] -i zunilchst aus dieses aus 
Oder ‘-.yh'c. vgl. a. O. Lit. zemej-e zdmd vgl. § 26)4: 
aksl. zernlji, vgl. § 24 S S. <301 f. 

Im Urar, wurden die Dat.-Loc.-Formen und im 
Gebrauche so differenziert, dass jene speciell dativisch, diese 
speciell locativisch wurde, ‘-w ward zum Locativausgang mit 



620 


Casusbildung der Nomina. Loc. sin^. 


;§ 265 — 207. 


Riicksicht auf das -a der /-Stamme ,§ 260 S. 61 If.) und auf die 
Locativfornien mit festgewachsener Postposition a, wahrend der 
dativische Charakter des -ai durch den Dativausgang der ci- 
und o-Stamme bestimmt war (§ 246 S. 595^ § 247 S. 599 f.). 

Lit. xBzanczioj-e nach der m-Declin. ; so wahrscheinlich 
auch got. frijondjai (rgl. § 248 S. 602). 

266. 4. 2 -Stamme. Ausgang -ei-i neben (§ 260 

S- OllfF. , ygl. Dativ -ei-ai § 249 S. 602. 

Im Ved. sind einige Formen auf -aj/i, 'wie ajdyi 
‘'Wettkampf , durcli Conjectur, nach der xinalogie von sundvi, 
eingesetzt, wo die Uberlieferung unmetrisches ~du bietet (Lan- 
man Noun-Inflect. 3S7sq.). Lber fern, dtydm s. §231 S. 575, 
§ 278 S. 632. 

Griech. horn, 'iroasi 'irToX*!, att. tJjzzi ttoasi, wobei zu be- 
achten ist, dass im Att. t; und si mit Anfang des 4. Jahrh. 
V. Chr. lautgesetzlich zusammengefallen waren (Yerf. Gr. Gr. ^ 
S. 36) und wir also nicht wissen kbnnen, ob nicht mit ~st die 
alte Bildung auf -r^i -7} gemeint war (§ 260 S. 612). Die ion. 
dor. lesb. boot. Formen auf -t wie [5dai waren schwerlich durch 
Contraction von -ii entstanden (vgl. xit), sondern enthielten den 
idg. Ausgang -I, s. § 249 S. 602 f., § 278. Kypr. T^zoXifi wol 
nach paaiAr^/', wie gen. Tiuo/dpi/o^ nach ygl. Stolz 

Zeitschr. f. osterr. Gymn. 1889 S. 748, Meister Zum el., ark. u. 
kypr. Dial. 37. 

yielleicht in osk. Herentatei lat. ovl, s. § 249 S. 603, 
§ 260 S. 612. 

Ahd. ags. esde konnen aus urgerm. '^a7istei-i -ii-i (I 

§ 67, 2 S. 57 f.) erklart w’erden, wie ahd. simiu aus ^simeu-i (§ 267). 
Andere Moglichkeiten s. § 260 S. 613, § 278. 

Uber lit. 7iaktyje nakty §264 S. 619. 

267. 5. w-Stamme. Ausgang -eii-i neben -&u (§ 261 
S. 613 ff.), ygl. Datiy -eu-ai § 250 S. 605. 

Im Ved. seltner als -du. Uber fern, dhmvdm 

s. § 232 S. 577, § 279. 

Griech. horn, rfiii darsi att. rfizi darsi Fine unurspriing- 

liche Bildung auf -zi-i war ion. ooopi att. oopi (odpo n. ^Holz, 



5 267 — 266.^ Casusbildung der Nomina. Loc. sing. G2t 

Schaft, Lanze") aus "oop/-i (I § lOG S. 14S), veranlasst diirch 
den gen. ooepd; oopd; aus ^dop/-o; (s. § 232 b S. 576Jf.]. Vgl. 
unten germ, ^ manu-i. 

Ahd. isuniii bifiu nord. luii. Kuubmvji diu aisL ^ijni kdnnen 
hierher gehiireii .urgerrn. s- I § b7, 3 S. 5Sb eine 

andeie 2^idgliehkeit wurde in § 260 S. 613 erwiihnt. Eine unur- 
spriing'liche Jiildimg aiif w/-/ war got. ma/in ahd. 77ian ags. 
}ncfi ji' aus 'ma/nii alter veranlasst diirch den gen. 

got. ';;a//as etc. aus ^ mcum-iz oder maini-az ;s. § 232 h S. 577 . 
Vgl. obcn gr. doupi dooi. 

t'ber lit. .sujuiJh ^sTitnu s. § 261 S. 610. — Haben die dial. 
EVrmen auf -uje ~u. wie da/tguoje IVilnuo. das u aus dem loc. 
plur. auf ~ub€ (§ 357) bekominen? Anders Ilezzenberger Nachr. 
V. d. Ges. d. Wiss. zu Gutt. 1S35 S. 161 f. and jeizt Wiede- 
mann in der S. 56.3 Fussn. 1 genannten Schrift S. 35. 

268 . G. 7- u- und Ti- ^^?^/-Stamme nebst den Stiimmen 
auf -6. -h -/7. 

Ausgang -uu-i ;neben -fg s. § 262 S. Glbf.]. Ai. ditig-i 
hhruv-i. ved. svah'ih-i. Daneben, das weibliche Gesehlecht cha- 
rakterisierend, dhujlim hhruvdDi t'vah'urdm, s. § 233 S. 57S; § 2Su. 
Gr. y.d \j[ ozryji vixoi (zu nom. vix'J-;). Lat. vielleicht auch vl 
aus (§ 262 S. 615 ). Aksl. svehruc-e mag auf Grund eines 

'^svekrf/v-1 entstanden sein. indem -V durch -c (vgl. hameU'-e 
u.s. w., § 257 S. GlOf.) ersetzt wurde. Die Formen svehna-i h'ut-l 
nacF der Analogic der ^-Declination, § 260 S. 613. 

Entsprechend ai. gir~i piir~i gO-^an-i s. § 255 S. 60S. 

269 . 7. ?<'-Stamme. Dridg. -ii-i neben -eii -en 

(§ 257 S. 010 f.j, vgl. § 256 S. 145. 

K\.mm'dhdn~i murdl(n-i.dhiian-i\ die Formen mit schwacher 
Stammgestait waren im Ved. sehr selten js, Lanman Xoun- 
Inllect. 535), kx. ga}). ca.smtdhl von St. cdbuiaji- ^\uge^: aan-i von 
azan-' *^Tag^ wie ai. dlui-i. 

Gr. TToiaiv-i. dpv-t y.uv-L (jii. : mit Einfiihrung andrer 

Flochstufenformen rixrov-i, 7:3 oi>7;v-l, dytov-i. 

Lat. hmihi-e Oartluigin-e, caru-e\ mit Einfiihrung andrer 
Hochstufengestalt eddn-e mvniibit-e. Umbr. menzn-e ""mense", 



622 


Casusbildung der Nomina. Loe. sing. 


[§ 269—271. 


vgl. nom. acc. neutr. sakre ‘"sacre" aus '‘^sahi. Im Lat. iind 
Umbr. waren Loc. imd Instr. zusammengefallen, s. § 274. 

Im Ir. mussten Loc. und Dat. zusammenfallen, z. B. coin 
gr. cirain. s. §251 S. 606. 

Got. (jumin aulisin (ai. iikkan-iu abd. gomen gojnin. Im Ags. 
und Nord. drang aus andern Casus -cm- — idg. -on- ein: ags. 
^U77um. nord. run. -Jialaibcm "^dem Genossen^ aisl. guma, daneben 
im Nord. aber auch nocb Spuren von -in- — idg, -e?i- in un- 
serm Casus, s. Noreen Paul's Grundr. I 494. Got. godein (nom. 
gbdei ^Giite^), vgl. gr. d>6Tv-i. Got. tiiggon 7'apjdn Tvie gr. dYmv-t 
lat. ratid7i-e. 

Die lit. szun-yje ahnen-ijje nacb der Analogic der /-Stamme 
(§ 266 S, 620). 

270. 8. r-Stamme, Uridg. -e7'-i -r-i, vgl. § 256 S. 610, 
§ 25S S, 611. 

Ai. 'mcitcir-i av. niatairi^ ai. ndr-i av. = gr. dvsp-i, ai. 
datdr-i datar-i av. datciiri, 

Gr. bom. prjTso-i dvso-t bom. att. ar^Tp-i dvop-i. ocorop-i nacb 
od)Top-ct etc., dot7]p-i nacb oor/jp. orAzto-i geborte urspriinglicb 
zu (ppaTopa, wie ai. datar-i zu datcir-am. Vgl. § 120 S. 356. 

Lat. mdtr-e\ datoi'-e mit -di'- nacb dem nom. sing. 

Air. mdfhir aus ^rndter-i oder -‘^raZitr-i^ zugleicb Dat., s. 
§ 252 S. 607. 

Got. fadr = gr. -atp-i. Aisl. 7ywdr ags. meder abd. ynuoter = 
gr. a-/]Tp-i. 

Lit. inoter-gje und aksl. 7nater-i nacb dem Vorbild der i- 
Stamme (§ 260 S. 613, § 266 S. 620). 

271. 9. St amme au£ Yer scblusslaut e. Wie weit bier 

urspriinglicb stark e Stammform, analog den Ausg^gen -en-i 
-er-i^ geherischt batte, ist unklar. Wir vermuteten oben Formen 
■vvie ^de7it-i ^in dente"* ^in voce^ (S. 371. 450), vgl. § 262 

S. 615 iiber ai. par-ut. 

Ai. hrJiat-i: av. astvaiti astcamti von ast-vayit- ‘'mit Kno- 

Q 

chen verseben''. Griecb. ioqvt-i cpspovT-i mit unurspriinglicber 
Stammgestalt. Lat. rudent-e ferent-e prae-sent-e ^ wobei zweifel- 
baft bleibt, wie weit -ent- lautgesetzlicbe Entwicklung aus -ixt- 



§ 271—272. 


Casusbilduns: tier Nomina. Loe. sing. 


623 


Avar § 127) S. 171 f. S. obO Fussn. 1). Air. carif. zugleich Dat., 
s. § 27*3 S. b<i7. Got. frijo/nl friufd\ ags. ied (= gr. oddvt-i] 
111 it /-Umlaut, nom. fuiL 

Ai. sarratat-i ‘'in Tollkommeiiheit\ gr. Lat. }wri~ 

faf-c Jia:e/dTd-e. Air. hcfJtuI zu nom. heothi ‘'LebeiU zugleich 
Dat.. s. § 252 S. bo7. Got. //w/iofj ags. imnait zu nom, got. me- 
jtoji-b ^5Ionat" 'vgl. Kluge l^aul'^^ Grimdr. I 36o'; got. ahd. nalii 
zu nom. got. /niJit-s "Xacht'. 

Ai. 6arud--i hm HerbsF. Gr. 'yr'/jdi-*,. Lat. lapuJ-e. Air druicL 
zugleich Dat., s. § 27>3 S. t>o7. Ai. pad-i apers. uipadly d. i. /d- 
jiad-i ‘'auf dem Fiusse, sofort\ gr. ttoo-u lat. ped-i\ ags, j\p aus 
\fZt~-i. Ags. li^iyie aus dtnnt-i nom. lumi-u ^Xus.sh mit syllabisch 
bewahrtem Locativzeichcn nach kurzer Stammsilbe I § boi, 2 
519 f.b 

Ai. miJ-L St. idij- A’eTiaiigend\ Gr. gxioaz-i, ootoz-i opTo'j-i. 
lait. hibar-e. Ai. cnr‘-l gr. br.-i lat. vbe-e, s. § it'm S. 450 . Ai, 
-raj-i, lat. reg~i\ got. rciJc. Ahd. buoh ags. hec 'mit /-Umlaut' 
'dem Buche^ Air. latthralg (nom. natldr AVasserschlange^ , rig 
'legL warcn zugleich Dat.: leider verburgt auch gall, -rigi (in 
Eigcnn.) keinen Loc, au/‘ -/. da man nicht weiss, oh nicht -ai 
(Dativendung) im Gall, dialektisch zu -/ pi geworden war 
(ygl. Brg.r^-aai § 247 S. 600). 

Ai. ap-i av. aipiga d. i. aipi Postposition d, St. ‘'Wasse^^ 
Gr. y.Aa)::-u Lat. dap-e. 

272. lo. Stamm e au f -.v. 

a. Uridg. ^mencs-i'^m mente\ Ki. 7nih}as-i dur-yna/ats-i, 
mara(h-i duk-manaJi-i. Gr. ion. uivsi do^-usvit att. uivci doa-gsvsT 
vg'l. Yerf. Gr. Gr.- § 1 7 S. f.\ Lai. gener-e de-gener-e.idyr-e: 
die Inhnitive wie rlrcr-c ^vgl. ai. dat. , s. § 132 S. 392: 

tehtpoY-e mit Lindringen des -o- aus dem nom. aec. sing, iieutr., 
s. § 132 S. 392 f. Von derselben Art wie lat, iempor-e war viel- 
leieht der ags. dat. -loc. 67jc>r zu nom. 5770 ?’ vgi. Kluge Pauls 
Urrundr. I 360. 1) nebeii north, eher zu nom. cher ‘'Ah^c^ 

iMit Tiefstufengestalt des e^-Suftixes ^ me-ns-i\ gr. att. 
pr,vi lat. meus-e air. ?n7s, vgl. § 132 S, 3S9. 

BrugritUin, Grur:ur!^‘. II, J. 4lf 



624 


Casusbildung der Xomina. Instr. sing. 


;§ 272—274. 


Im Att. neben I'ojxparci hie unci da aiich -xoaT/^ nach dem 
Muster der a-Stamme (vgl. acc. -xodcrr^v gen. -xpatoo, § 220 
S. 553, § -37 S. 5S3). Dabei ist zu beachten. dass in dieseni 
Dialekte seit Anfang des 4. Jahrh. v. Chr. v) und si zusanimen- 
gefallen waxen (s. Yerf. Gr. Gr.- S. 36). Dieser Umstand diirfte 
wesentlich dazu beigetragen haben, dass die Formen -xparr^v 
und -xparoo mit der Zeit immer haufiger wurclen (Meisterhans 
Gramm, der att. Inschr.- S. 105 fF.). Auch lesb. Oeoysvt^ nach 
dem Vorbild der c7-Stamme, s. § 237 S. 553. 

b. Uridg. Comparat. ^'dlc[i)ies-i hn ociorek ai. tislijas-i.^ 
lat. dcidr-e [-ids- aus dem noni. sing.). Im Griech. mit Suffix 

-{e/l- 7]0L0V-l. 

Uridg. part. perf. act. ueid-ues-i (St. Svissend"'): 

ai. ‘-cidiis-i. Im Griech. mit Suffix -net- siddr-i. 

c. Wuizelnomina. Ai. ds-i lat. dr-e. Ai. mus-i (nach nom, 

plur. mUs-as erschlossen), gr. p’ji fiir lautgesetzliches (s. 

§ IGO S. 455), lat, mlir-e. ags. m'^s. 

273. 11. Einige Wurzelnomina. 

Ai. nd-c-i, gr. lat. ndx-e. '^d[idhi-i ^din-i dm lichten 
Himmef : ai. dydx-i lat. Jov-e, ai. div-{ gr. Aif-t An', vgl. § 160 
S. 451. "gew-e hn bove^: ai. ydv-i lat. bov-e \ Neubildungen waren 
gr. pQ-t air. horn (§ 255 S. 60S). Ai. Uych; 2 - 2 'in terra'*, idg. '"'gzliern-i^ 
s. § 160 S. 453. Av. har^z-i her^z-i 'in alto'* ;nach andern iiber- 
lieferten Casus erschlossen), air, hrig ^ got. haurg ahd. hurg^ 
s. § 160 S. 449. 

I/istriuncnf. sing. 

274. Zwei principle] 1 verschiedene Bildungsweisen be- 
gegnen. 

1. In alien Nominalclassen gab es seit uridg. Zeit ein in- 
strumentales Casussuffix, von dem zweifelhaft ist, ob es als -a 


1) Scbleiclier Die beiden Instrumentale des Indogermaniscben, Kuhn- 
Scbleicbers Beitr. II 454 fi. Compendium ^ S. 560 ff,;,. M oiler Uber den 
Instrumental im Heliand und das homer. Suffix Danzig 1874. Lissner 
Zur Erklarung des Gebrauches des Casussuffixes cpi bei Homer, Olmutz 
1865, J. Grimm, Der deutsche Instrumentalis, Germania III 151 ff. 





625 


Casusbildung der Nomina. Instr. sing. 

Oder -e anzusetzen i<ei. Fiir die Feststellimg der iirspriingiicheii 
Form komnien in Eetracht ai. Oerwnd. prafi-hhkJfj-a ‘'mit Spalten^ 
(§ 27S\ gr. 'nsd-i nap-a au-a ii. dgl. §2Sf»}, lat. ped-e umbr. 
(tab. Iguv. 1 1) 2o' pure'^igne". Ich halte bei dem gegenwiirtigeii 
Stand der Forsclinng -a Fir das Wahrsclieinliehere. 

Anm. Far -a aueb Osthoff Zur Geseli. d. Pcrf. fur -t> dagegeu 

J, Schmidt Kuhn's Zcitsulir. XXVII 2H2f. . Pluralbild. Ilf. W’cnn dicser 
Gelchrte glaubt 'nachgewicscn' lu haben. dass iiiclit -ff, soiidern die idg. 
Furm des Sufiixes gewesen sei. st) Lst das ein Irrtum. Das idg. fern. Stamni- 
bildiinirssuftix -a- sei, sagt Schmidt, durch Contraction des Anslautcs der 
'--Stuinme mil cinem nachfolgeiiden feminiiibildendeii Element a entstanden 
fcdglieli konne der idg. Instnimentalansgang der o-Stiimme -e -o niclit -a 
ak Casussiiftix enthalten haben. Jenes femininblldende a ist aber cine 
durchaus uiibewicsenc GrOsse. Und gesetzt anch einmal, wa.s ich aber leugne 
s. § l-*i S. o27 und Morph. Unt. V ">h die Laiitgruppe -'.a von noTv-rx se^ 
dasjenige, aus dein das -i des ai. pafu-t hcr% orgegangeu war, so ware che 
man -a als Instnimciitalsuffix abichnt. immer erst noch zii zeigen, dass das 
-a \(jn -vx idg. a imd nicht a war. Die genannten griech. Adverbia 

’i\x-'x erkliiren sich weitaus am einfachstcii als Instr. -PA = miid. het- 
riach Bugge Paul-Braune's Bcitr. XII 4n*f.i, und wenn dor. v.vjud att. 
wie ndvTT, niit den Instrumcutaltbrincn att. nf, TaoTY; zusamincngehurten 
■§ 270, was mchr fur sich hat als Schmidts Meiniing. sie seien nom. aec. 
plur. neutr. gewesen Pluralbild. S. 4af. , so wird auch -/.fyjcpa In.str. gewesen 
sein. Lat. i^nd-e aus '^ped-a unteriiegt von Seiteii der Lautlelire kcineii 
Bedenken s. I § 07 S. h2 . Eher koiiute man sich an umbr. -c aus 
stossen wegeu tu-plak s. § 22o S. 5f)2’ procamirerit '^procinuerint’ p re- 
hab i a 'praehibeaC u. dgl. mit imgeschwachtem a. Indessen beweisen diese 
nichts fur den A u slant. Fiir die Behandlimg des urital. ^-a in unbeton- 
tem Auslant liegen andere Beispiele nicht vor. Aber ins Gewicht fSlIt der 
Cbergang von *~o in -e in ere 'is’ — ai. dm idg. {§ 4Ki' und in este 

aus ^esto, "^edod =i\ 2 X. istu-d §417). Bcrucksichtigt man ferner den eben- 
falls durch die Stelliing im Auslaut bedingten Ubergang von in -e im 
nom. acc. neutr. sakre und in ote ,oek. avti , so hat die Annahme nichts 
Bedenkliehes, dass auch im Umbr. zu -c wurde, pure also aus "^pura 
entstanden war. Audi sonst noeli hatte ja im Umbr. dor Voealismus in 
Schlusssilbcn Besonderheiten. vgi. den M'cchsel zwischen o u und d I § l(t5 
S. und den zwi.sclien a und e in near pacer von St. ocri- jyacri-. 

Vieileicht bringen die kelt. Sprachen Lieht. So viel ich jetzt sehe, 
konntc -t- in gall, are- a?ide~ ate- trotz amhi- altcs * gewesen sein. IVie 
etellen sich die air. proklitisclieii ur imd ad- at- zu air und aiiJi-'* War 
hier vortoniges -e zu -a geworden ^ara- "ata-^ 

Vlit clem Auslaut der o-Stilmine. -o und war das C'asus- 
suffix im XJridg. zu -d und -c geworden, mit dem der iv-Stamme 
zu -d. mit dem der /c-Stamme zu -ie. Die i~ und die ?^-Stamme 



026 Casusbildung der Xoinina. Instr. sing. [§ 274. 

zeig-en die Ausgange -7 und -u\ Osthoif Morph. Cut. II 139 f. 
Z. Gesch. d. Perf. 5 73 erkliirt diese fiir ^;proportionaie Neu- 
schopfungen'-f nach den Ausgiingen -o -d, -a. 

2. Ferner erseheinen beim Nomen in rerschiedenen idg. 
Spiaehen die Suffixe ''^-hhi und jenes ini Arm. und Griech., 
dieses im Ar., Ealt.-Slav. und wol auch Germ., eines von beiden 
ferner im Keltisclien. Diese Suffixe begegnen auch beim Pro- 
nonien und gehoren etyniologisch mit andern hJi- und m-Suf- 
lixen zusammen, die beim Nomen und Pronomen in verschiede- 
nen Casus der verschiedenen Numeri seit uridg. Zeit zu Hause 
waxen j z. B. ai. dat.^abl.-instr. du. alm-bJiyam dat.-abl.-plur. 
dlm-lhyas instr. plur. dh'u-hhis von dt>ca- ‘'equa^, dat. tu-hliyam 
hibF asmd-hhyam Mobis^, aksL dat.-instr. du. paH.-'ina dat. plur. 
■pati-'inu instr. plur. von pafi instr. sing, 

dat. loc. te-be instr. io-boj(f zu tij 

Die Casussuffixe mit hh waxen vermutlich mit einigen 
Sprachelementen etyniologisch identisch, die keine Casusfunction 
hatten. Das -91 von 3-91 :;':paTo- 9 », kehrt in da- 9 '' wieder, und 
zu diesem stellen sich lat. am-hd ai. u-hJidu got. hdi, 

vielleicht auch ai. sa-hlid ‘'Versammlung, Yersammlungsort, Ge- 
richtshoF got. si-h-Ja ‘^Sippe^, gr. 9 (-ao-; u. a. Ygi. Johansson 
Bezzenberger s Beitr. XIII 122 f. Da hh vorzugsweise dem In- 
strum. eignete. dessen Griindbedeutung die sociative und comi- 
tative war, so mochte man, wie sehon § 1 S 6 S. 520 bemerkt 
wurde, als die Griindbedeutung der Y'urzel die der Gepaartheit 
vermuten. '^bho- und '^'bJd- nebeneinander etwa wie ^qo- und 
"^qi- (§ 410). Yom lustrum, aus ware hh dann auf andre Casus 
iibexgegangen, wie sich im Pronomen die Elemente -sm- (z. B. 
ai. tdsmin) und -id- (z. B. ai. tdsyds) von einem Casus aus auf 
die andern verbreitet haben §424. 425). Die wz-Suffixe, -mi etc., 
sind einer andern \Yurzel zuzuweisen. Yeimutlich waren die 
beiden Elemente schon in uridg. Zeit an iigend einein Punkte 
functionell gleich geworden, und es fanden dann formal e Be- 
einfiussungen in verschiedener Richtung statt. Welches aber 
die uxsprilngliche Yertheilung gewesen war, ist nicht mehr zu 
ersehen. Im Allgemeinen bevorziigten die x\rier, Armenier, Grie- 



§ 274—275.' Ca^;u<bildiing dor Xt>miiia. Iiistr. sing-. 6*27 

chen, Italiker und Kelten die />^/^-Formen, die Gennanen unci 
die Balten und Slaven die w-Formen. ll.>er die in Rede 
stehenden Catfussuflixe ixn Alliyemeinen vi^'L noch Siever^ PauJ- 
Braiine’s j-)eitr. IV 201. Tjartholomae flaiuil*. der altiran. Dial. 
S. bS FiiSMi. 1, Verf. Technieis lulernat. Zeit>ehr. f. ail^em. 
Spiachw. I 241 f., Henry Mem. de la Soe. de lin^ai. \l lo2 fik 
Strachan Pezzenlierger s Peiir. XD’ 171 f. 

275. I. Instru mentalfo rin en niit dein Suffix-^/ (-^4 

1. e- St am me. Uiidg’. knit deni WoltV, daneben 

der Ausgam^ -e. z. Jj. "mit deni Jochek vgl. § 2 In S. 5 '>7. 

Ai. ved. vr/t'a, av. ceJirliCf aper&. kara knit dem kXlk, Fleer'. 
Im Griec'h. niir noch Adv. : auf -5 da^; prcmominale -ei in oj 
TTdi II. dg'l. 'AH. Jurli kvie. in welchem GradeP wahrend iraglich 
Ideibt, oh imd in wie tveit Adverbia ivie xa/ah; hierher 

fallen, s. 241 S. -c in tarent. air, ncben loc. ais* 20:; 

S. Oio 5 , ferner in Pronominaladvcrbien wie lak. -Y,- 7 :o-/.a ^vgl. 
ott. -(o-rroTzk gort. r, o-ttt, vgd. got. Jtvt' kvomit. uni tvie viel. 
etwa\ kret. herakl. kypr. att. r, kveniP neben ;loc.'’ si kveniF-'. 
Im Lat. Adverbia, wie quo p'gl. umbr. Hei-jjodruh-pvi kitxoque^ 
ulo 11 111 kilo, iiluck cito modo, hene male\ auch scheint d/F Tirv 
in are-ham are- facia \facii are), 6ue- in sue-hani -hm- facia 
u. s. w. niit M'iedemann Peitr. zur abiilg. Conjug. 125 f. und 
Bartholomae Eezzenberger s F>eitr. XII 01 hierher zu ziehen. 
KSi, fur aus fru, celiiu s. u. Ahd. iagu^ j linger ta(jo\ hei langer 
Anfangssilbe nur noch gelegentlich lautgesetzliche FMrmen tvie 
has I § 061, 2 S. 519 f.), gewohnlich mit dem Ausgang derer 
niit kuxzer erster Silhe, z. B. ivolfu u'olfo (vgi. gehii : ids ; erdu 
§ 270); das a erhalten in as. JncTj kviek im got. mit -? hre = 
gr. lak. 7:7;~“07.a: vgl, imten. Lit. vUki/, vgl. geni-ju neben i/erd, 

I § 004, 2 S. 525 f. Im Slav, stecken Instr, auf -r in den (’om- 
paiativen auf -e-ft wie aksl. uare-fi 125 S. 4on f.' und in 


1; Die alien Grammariker betonen unrichtig air, nach ais?. 

2; Im Att. steckte k iri edv und dv aus vrahrend ei-dv als Fidv zu 
V -^caircle. Indessen kann auch aus i liinter xat u. dgl. dv gewordeii 
sein, vgl. A/'-d neben aus Terf. Gr. Gr. § In S. 27 . 



62S 


Casusbildiing: der Nomina. Instr. sing. '§27.5. 

dem ersten Theiie der periphrastischen Imperfecta wie nese- 
acini zii 7ie$-~ti ‘'txagen'’ (s. Wiedemann a. O.' . 

Im Arischen scheint der xliisgang idg. -e (nicht -d) ver- 
biirgt durch ai. puled '"hinten'* ay. pa^ca ‘'hinterher^ mit c neben 
dem abi. av. pashd^ ‘'liinten, hinterher"* mit Ic -I § 445 S. 333), 
letzteres also mit idg. -dd (§ 241 S. 5SS'. 

Im Ai. war schon im Yed. haufiger und in der classischen 
Sprache alleinherrschend der Ausgang -Taia statt 
eine Neubildung nach der pronominalen Declination, s. § 421. 
Im Vedischen auch -mu fiir -ena, yde suriyend^ tend, wahr- 
scheinlich durch Einwirkung des Aiisgangs der alten Instru- 
mentale wie vfhd (J. Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXVII 292, 
Wackernagel Das Dehnungsgesetz der griech. Compp. 13). 

Keltisch. Dass die Formen wie jiur celm 'gall. z. B. 
Alisanu) Instr. waren, zeigt auch der Gebrauch, indem sie ohne 
Praposition niir Instrumentalbedeutung hatten (denn auch beim 
Comparativ w’aren sie wol instr., nicht abb). 

x\nin. Man hat fiur dfters als Dativform auf urspr. -oi betrachtet. 
Biese Annahme ist kaum haltbar, weil der Bat. der d-Stamme tuaith auf 
^teiitai zuruckgefuhrt werden muss, mdgen wir diese Form als Bat oder 
als Loc. ansehen (§ 247 S. 599 f., § 264 S. 6 IS;, und zwischen dieser Grundform 
und der historisehen Form -d/ gelegen liaben muss 'vgl. I S. 510 Fussn. 1;. 
Ich bemerke diess wegen Strachan Bezzenbergefs Beitr. XIII 151. 

Germanisch. Ahd. tagu ist auch als Abl. auf -dd deut- 
bar (§241 S. 5SS f.). Sicher Abl. war deniu^ s. § 423. 

Nach den Lautgesetzen kann auch got. vidfa als Instr. 
angesehen werden, auf idg. -d oder -e. Indessen diese Form 
kann auch Ablat. auf -ed (§ 241 S. 5S8 f.), Dat. auf -e[i) (§ 246 
S. 599) und Loc. auf -oi (§ 263 S. 617) gewesen sein. Vgl. pam- 
ma^ das ebensowol als Abl. auf -ed (vgl, ai. tdmidd) wie als Dat. 
auf -d(f) (vgl. ai. tcismdi) gelten kann, s. § 423. 

Kierher die got. Adverbia wie ubila-ha (s. § 241 S. 591)2 

Streitberg Die german. Comparat. auf -dz- S. 37 erklart 
die Adverbia wie got. ga-leikd ahd. gi-Uhho ‘'ahnlich, gleich"* 
und got. scare ‘'umsonsF fiir Formen auf ''-dm und ^-em d. i. 
-d und -e + Partikel Doch ist fiir ga-leikd gi-llkJio 

auch XJrsprung aus idg. -dm in Betracht zu ziehen, s. § 276 



§ 275 — 276.] Casusbiidmi^ der Nuiiiina. Inatr. sing. G29 

S. 631. Eine dritte Deutung wiirde § 213 S. 347 erwilhiit. 
Abzulehnen sind die Ansichten von Mahlow Die 1. Voc. 54. 131 
iind Hanssen Kuhns Zeitschr. XXVII r»l4. 

Lit. dial, und alt axich rUhfoni. eine Erweitenmg von 
vUJiii durch -7ni wie § 121. 

276, 2. d-Stiimme. Uridg. ' e/n(a hnit der State". Ai. 

ved. diva. av. hmynu s. u. Grieeh. kypr. ctod ‘infoige des Kufes" 
u. dgl.. s. u.; sonst nur Adverhia .nomiuale and pronominale) : 
ion. att. v.pogr^ Aador^ ?att. Aadoa' 7:7; y. iesin c/AAa on:~r:a, 

dor. xp’j'ya TaoTa die adverbiale Erstarrung bekiiiidet sich 

deutlich durch die Xeiihildung zivT-r, ^vgl. Kiy.ovvol 263 
S. 616)^): vgl. imten. Ahd. gehu^ jiinger gcbo: mit Schwimd 
des -u naeh Linger erster Silbe icl^ \'Weise" , und durch t'ber- 
tragung des Ausgangs von gehn solche wie erda (‘"Erde" tilahtu 
(''Gattung") ; vgl. taga : //7/s : v'olf/j § 275 S. 627: aisL drofning^j 
(^Konigin") Ji<[dr ^^Feder"!, vgl. Xoreen Paurs Grundr. I 43 1. 
Uber lit. ranldi aksl. ralc({ s. u. 

Arise h. Ini Ved. erscheint beiin Xomen seltener als -d 
der Ausgang -agd. xvie dlvagu. in der spateren Sprache die 
einzig iibliche Form. Iiu Av. war Jiaenaga veit hautiger als 
haejia. -ay a xvar vom Pronomen iibertragen [tdyU. s. § 422), 
wol uni dem gleichen Ausgang inx instr. und nom. sing, aus- 
zuweichen. Vgl. aksl. rajeojq (neben rakq). ebenfalls eine Xeu- 
bildimg naeh der pronominalen Declination [iojq)^ s. u. 

Anm. 1. Die adverbial gebrauchten ai. Formen von o-Stammen auf 
-ayn . vrie 'richtig’ St. rtd-' svapnayd 'iin Traume’ ^Hvd 2 )n<i~\ vrareii 

vielleicht von dem pronominalen Adverb ayCi "auf diese Weise" ausgegangen, 
S. Job, Schmidt Piuralbild. 212 ff,, wo aber nur die auf Adjectiven beruhen- 
den Adverbia, wie rtayd , so erklart werden. Eine andere Deutung bei 
Bartholoiuae Bezienberger s Beitr. XV 20 f. Vgl. § 273 Anm. 

Griechisch. Im Kypr. .'^cheint die alte Form auf -U noch 
lebendiger (’asus gewesen zu sein und den Dativformen auf 
-d! -ai) der instrumentale Sinn gefehlt zu haben (Vleister Gr. 
Dial. 11 235 f. . In den andern Dialekten war die Instrumental- 

1 Der Vermutung J. SehmidPs Piuralbild. 4o , daas cm nom. 

acc. plur. neiitr. gewesen sei, widersetzt sich die Bedeutung dieses Adverbs, 
das von raCTr, u. dgl. nicht zu trennen ist. 



630 


Casusbildung der Xomina. Instr. sing. 


[§ 276. 


function aiif die Dativformen iibergegangen, und nur in adver- 
bialex Erstarrung blieb die Instrunientalform auf -a. Aber auch 
diese Adverbia auf -a kainen mit der Zeit mit den Dativformen 
auf -at in Concurrenz : im Att. zeigen sie auf den Inschriften 
der classisehen Zeit fast immer Dativausgang, wie loia, fj, ent- 
sprechend gortyn. a, aXXa: zu diesen Formen verhielten sich 
die auf -d nicht andexs als z. B. Adv. oixoi zu Adv. x’jxXoj, Adv. 
nXaraiaai zu Adv. nXataLal^ (Verf. Gr. Gr. - S. 210). Spater 
iielen -di und -d auch lautgesetzlich zusammen, s. I § 132 
S. 121, Dass bei Homer noch AaOpr^ rJ.vTr^^ die echten Instru- 
ment alf or men , bestanden, ergibt sich daraus^ dass -t] in der 
Senkung vox A'ocalen stets verkiirzt ish wahrend in gleicher 
Lage in der Kegel nicht verkiirzt wurde (J. Schmidt Plur. 40). 

Anm. 2. Im Att. waren und nocli in cliristlielier Zeit verschie- 
dene Laute; nur tq -vvechselte in der Sclireibung mit ei (Verf. Gr. Gr.^ S. 36). 
Da nxin die Adverb ialformen vde -J, v.olvt], TravTccy-^ auch mit ei geschrieben 
vorkommen (Meisterhans Gramm, d. att. Inschr. 2 S. 114), so steht die Rich- 
tigkeit des i adscriptum von -yji und somit ihr Dativcharakter ausser Frage. 

Ob im Lat. unter den Adverbien auf -a wie ha-c una 
recta dextrci Instrumentale waien, ist nicht auszumachen. Dass 
frmini coiiira Instrumentalformen waxen, ist moglich, cloch 
miisste die Vocalkiirzung Analogiewirkung gewesen sein (I § 
655, 2 S. 504 f.) ^). 

Lit. ranlid (aus '^rayiJwi^ die alte Lange noch in gerd-ja 
neben gerd ‘'cum bona'*) lautet in gewissen Mundarten riinhii^ 
im Lett, riihu^ woraus sich '"'rankan ^rankdm als halt. Grund- 
form ergibt. Hiermit stimmt das aksl. rqkq, eine Form, die 
zwar in den aksl. Denkmiilern selten ist, aber durch ihr Vor- 
handensein auch im Westslavischen sich als urslavisch erweist. 
Die gewohnliche Instrumentalforni des Aksl. war rcikojq^ eine 
Heubildung nach den Pronomina wie tojq (§ 422), vgl. ai. cil- 
vayd nach tdyd. Nach rqhojq entstanden weiter nostljq und 
rnaiertjq (§ 278. 282). Von ai. diva idya d^vaya unterscheiden 


1) Das ofters aus '’^echtra (vgl. hriatJiar I §.634 S. 477) gedeiitete air. 
ecldar '"extra’ (meymr. eithyr) hatte vielmehr denselben Ausgang wie eter, -ar 
wegen s. Thurneysen Euhhs Zeitschr. XXVI 311 Fussn. 1. 



§ 276—278.] 


Casusbildung der Nomina. Instr. sing. 


631 


sich aksL rciJici lit. rcmka aksl. tojq rqJcoJci nur diirch das Plus 
des Affixes das ims auch in dem ai. LokatiYausgang 

-yam § 264, 265 S. 618 f. begegnete, vgl. § 186 S. 520. Fraglich 
bleibt, ob der instr. Aiisgang -a77i auch duxch die Adverbia ’^ie 
ai. uttaram 'weiter hinaus^ gr. dvTipL*/]v lat. -pcdam und 

got. ga-leihb ahd. gi-lihJio fvgl. § 275 S. 628) vertreten war. 

Im Lit. eine Neubildung mit ~7nij kalhumi [Jcalha ""Sprache^), 
dno7io7ni [du7ia ‘"Brot^j, nach Mikuckij (Kuh 2 i-Schleicher''s Beitr. 
I 240 f.)^ Tgl. vUkimii § 275 S. 629. 

277. 3. 7- ?^-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Lridg. 

(jh7}t[i)ie. Ai. hrJiatya demyci, av. hare7%tya. Lat. facie uinbi. 
uht retie ‘'auctoritate^ die aber auch als Ablativ ang'esehen 
werden konnen^ s. § 243 S. 592. Mir. msi [-i aus ^-77, welter 
zuriick das aber auch Dat. (§ 248 S. 601) und Loc. (§ 265 

S. 619) gewesen sein kann. Lit. ze7ne, vgl. u. 

Im Ved. hie und da auch -7 \-i) nach der Analogie der 
7-Stamme (§ 278), wie Icml (sdmi) zu nom. IcimJ ‘^Werk, ArbeiF. 
Ebenso vereinzelt auch im Av. : ctzl^ St. azija- azl- 'KuE. 

Ahd. kimmginnu nach der Weise von sipp{%]u gehti^ s. § 
276 S. 629. 

Lit. zeme^ aksl. zemljct [-jc{. = ''"-{dm wie im acc. sing., 
s. § 216 S. 549) zemljejq sind nach raTikd^ mkq rcikoj€{;^ 276 S. 
630 f. zu beuxtheilen. Dabei ist zu beachten, dass im Lit. dia- 
lektisches -i fiir -e ebenso alteres erweist, wie 7'imkic £dr 
7'a7ika au£ ^'Ta7%ka7i deutet. 

278. 4. ^'-Stamme. Uridg. "^oul zu ^ovis^, eine 

Form, die, wie es scheint, damals auch schon dativisch ge- 
braucht wuxde, s. § 249 S. 602. Ai. ved. 77iati zu 77iati-s 'Sinn, 
Gemiit, AndachF ; av. azi. Lesb. boot, doi, ion. iSaai, zzokt wahr- 
scheinlicher mit idg. -7 als aus -ii (Loc.) entstanden, s. § 26 C 
S. 620. Lat. zJwm, iinihi. po7ii puni po7ie 'posca\ die aber auch 
Ablat. au£ urital. -td gew’esen sein konnen (§ 243 S. 592f.); vgl. 
pronom. adv. qiu zu qiii-s (§ 421). Air. faith aus s. u. 

Ahd. e7isti^ steti [stat ^OrF), s. u. Lit. dial, aki^ s. u. 

Arise h. -7 nur im Yed. bei Femin., woneben -i vor £ol- 
gendem Vocal oder am Schluss des pada, eine Veikurzung aus 



632 


Casiisbildung der jSTomma. Instr. sing. 


[§ 278. 


-2 (Lanman Noun-Inflect. 3S0 sq.). Neben -1 -i erscheinen im 
Ind. nocb folgende Ausgange: 

1. -ija im Ved. im Masc. und Fern., spater fast niir im Fern. 
Wahischeinlich war dieser Ausgang nieht erst von den (fern.) 
7- {^-Stammen {brliatya) iibertragen, sondern war der schwache 
^-Stamm + Instrumentalsuffix -a (§ 280), vgl. krdtv-a = av. 
ga{). xrajnc~d {§ 279). Weil aber die fern. I- {e-Stamme den 
gleichen Ausgang -yd batten, so wurde -yd bei den i-Stammen 
allmahlich auf die Feminina beschrankt, wie denn diese for- 
male XJbereinstimmung der beiden Stammclassen wol aucb den 
Anstoss zu den Neubildungen gen. dvyZis dat. dvycd loc. dvydm 
gab (§ 231 S. 575, § 249 S. 603, § 266 S. 620); vgl. auch die 
Neuschopfungen dliiy-ds clhiy-di dhiy-dm neben dliiy-d (§ 280). 
Von den masc. auf -yd hielt sich spater einzig pdUjd^ das durch 
den T)dit, pdtye geschiitzt war, s. § 231 S. 575, § 249 S. 602. 

2. -y-a in den sogen. Gerundia der mit Prabxen bebafteten 
Verba, z. B. prati-hliid-y-a (urspriingbcb “"mit Spalten^) : germ. 

""Biss^ as. biti abd. d-gam-y-a (""mit Herbeikommen^) : 
germ, ^kumi- ‘^das Kommen^ as. kumi abd. cliumi\ d-ga-ty-a fmit 
Herbeikommen^) zu gd-ti-s gr. pd-ai*-;. Diese Bildung muss 
aufgekommen sein in einer Zeit, als die consonantischen Stamme 
nocb -a statt -a batten (§ 280). Sie war also mit jenem -y-d 
(1.) engstens verwandt, und es begreift sicb das Verbleiben des 
-a daraus, dass die eigentlicbe Casusbedeutung in diesen Ver- 
balnomina verblasst war (vgl. das Verbleiben alterer Casusaus- 
gauge in den griecb. Infinitiven bd-tjLsv § 257 S. 610 und 66- 
|jLsv-ai § 251 S. 605 f.). Wenn die Gerundia im Ved. neben -ya 
baufig die Form -yd zeigen, so scheint bier weniger die Ana- 
logic der lebendigen Instrumentalcasus gewirkt zu baben als 
diejenige der Gerundia auf -txia (§ 279). 

3. -ind^ dvind. Diese Bildung, die durcb Ubertritt in die 
Analogic der i^ 2 -Declination zu Stande kam (vgl. § 393), war 
scbon im Ved. im Masc.-Neutr. die haufigste, tritt dort einige 


1) Moglicherweise hierzu apers. dpiyd Bek. I 95. Die Stelle ist ver- 
stummelt, und die Form konnte auck loc. sing, gewesen sein. 



§ 278 — 279 .] Casusbildung der Nomina, Instr. sing. 633 

Male auch im Fern, auf und war in der spatern Sprache im 
Masc.-Neutr. die regelmassige. 

Dass altir, faith Instr. war, dafiir spricht der Grebrauch, 
indem die Form ohne Praposition nur Instrumentalsinn hatte 
(vgl. § 275 S. 628). Ausserdem kann faith aber auch Locativ- 
form gewesen sein, vgl. 260 S. 612. 

Die althoehd. Femininformen wie emti [amt ‘'GunsF) 
konnen ausser Loc. auf urspr. '^-ei und "^'-ei-i (§ 260 S. 613, § 266 
S. 620) auch instr. auf -I gewesen sein. -i lautgesetzlich nur 
bei Formen mit erster kurzer Silbe wie steti] neben e'nsti etc. 
aber ein paar mal auch lautgesetzliche Formen wie anst {mit 
diner a anst ^'mit deiner GunsF). Vgl. von Bahder Die Verbal- 
abstracta S. 19 £, Osthoff Paul-Braune’s Beitr. VIII 262. Auch 
beim Masculinum noch hie und da -i, wie qiiidi (‘'Process^), 
s. Kogel Ub. das Keron. Gloss. S. 15S, Osthoff a. 0. Gewohn- 
lich dafiir -ia nach dem Muster der m-Stamme [hirtiu hirtu)^ 
z. B. gastiu gastu\ vgl. das Pronomen hm in hiu-tu ‘^heute^ zu 
got. hi-mma neben diu von St. dia- (§ 4 S. 9, § 409. 421). 

Im Lit. ist die urspr iingliche Bildung vielleicht noch durch 
dialektische Formen wie ahi zu ah}-s ‘^Auge^ vertreten, sonst 
-mij wie nakti-mi aki-ml (§ 282); vgl. Ponomen ma7i% neben 
77ianiml § 449. Im Slav, hatten wir die alte Bildung in den 
Dativen pqti 7iosti^ wenn die § 249 S. 602 geausserte Vermu- 
tung, dass diess lustrum entalformen waren, dasBechte trifft; vgl. 
pron. instr. ci (nslov. Venn'' cech. ‘'oF) zu ci-to ''quid'* (§421). Mit 
instrumentaler Bedeutung masc. pqti~7m (§ 282), fern, nosfijq 7ws~ 
tijq, letzteres Analogiebildung noch rqkojq (§ 276 S. 630). 

279. 5- “Z^-Stamme. Uiidg. ^sTinu zu ''Sohn^ 

Av. hazu, Lat. 7nanu^ mit dem Ablat. auf -ud zusammengefallea 
(§ 243 S. 594). Air. hiiitk. 

Arisch. In den beiden ar. Sprachzweigen erscheint eine 
Bildung nach Art der consonantischen Stamme. Im Ved. bei 
Fern, und Masc.-Neutr., z. B. hdnv-a hdnim--d [Jidnu- f. "Ivinn- 
backen") hratv-a hrdtuv-d {frdtn- m. Vraft, Wille, Verstand^), 
7nddhv-d fiddhu- n. "SiissigkeiF). Hierher auch die als Ge- 
Tundia dienenden Instrumentale von masc. ^«-Stammen, wie 



634 


Casasbildung der Nomina. Instr. sing. 


[§ 279—280. 


h'li-uh uTspriinglich "mit clem Horen", s. § 108 S. 307. Im Av. 
neben hZizii Formen wie bazv-a, ga{3. xrapic-ci. 

Im Ai. wurde der Ansgang von den erstarrten Gerun- 
dia abgesehen, in der spateren Spraclie au£ das Fern, einge- 
schriinkt, gleichwie das -ya der ^'-Stamme, und den Neu- 
bildimgen dvycis cmjcti clvyctm entsprachen solche wie dhenvas 
dlientai clhemam von dlienil" ‘"Milchkiih" (§ 232 S. 57 7^ § 250 
S. 005, § 2G7 S. 620), vgl. auch die Neuschopfungen hhruv-ds 
hju'uv-ai hltrut-clm neben hliruv-ci (§ 280). Im Masc. nnd Neutr. 
wurde in der classischen Sprache der nach der xinalogie der 
/^“Declination entstandene Ausgang -unci (§ 393) alleingebrauch- 
lich, z. B. stmunZt^ welche Formation auch schon im VecL im 
Masc. und Neutr. w-eitaus die haiifigste war. 

Anm. Tiber die ar. Adverbia auf -iiya, wie ai. ahiyd av. asuya[-ca) 
'schneir 'zu am- asu- ^scbnell’), s. J. Schmidt Plur alb ild. 213, wo vielleicht 
mit Recht Neubildnng nach amuyci 'auf jene Weise’ angenommen wird. 
Anders Bartholomae Bezzenberger s Beitr. XV 21. Vgl. § 276 Anm. 1. 

Aus dem German, gehoren vielleicht hierher die aisl. 
endungslosen Dativformen mit zz-Umlaut des Wurzel vocals, wie 
tojid zu nom. vqndr ^Zweig". Die ahd. Instrumentale auf -in 
-u, wie sitiu sitic^ -waren die Locativformen (§ 267 S. 621), die 
infolge der ^Association mit dem instr. sing, der /-Stamme [gastiu 
gastu^ s. § 278 S. 633) auch instrumentalen Sinn bekommen 
batten. 

280. 6. Die iibrigen Stamme. 

xArisch. Im Ai. war der Ausgang regelmassig -a, wobei 
der Stamm gewohnlich dieselbe schwache Form hatte wie im 
dat. sing. Dieses -Zc wax von den o-Stammen heriibergekommen, 
ahnlich wie der Ausgang des nom. acc. du. -Ziu ~d von den o- 
Stammen bezogen war (§ 289). Warum man das alte -a (vgl. 
-hhidy-a) aufgab, ist nicht ersichtlich. XJnklar ist nun auch, oh 
die iran. Ausgange av. -d und apers. -a ein urar. reprasen- 
tierten, so dass jene Ubertragung schon in urar. Zeit stattge- 
funden hatte, oder urar. vgl. I § 21 S. 26, § 649 S. 497. 
Wegen der ai. Gerundia auf -ya mochte man glauben, die 
Hexubernahme des x-Ansgangs der Stamme sei ein speciell 
ind. Process gewesen. 



§ 280.] 


Casusbildung der Nomina. Instr. sing. 


635 


Ai. siiU’-a dhncm-a ay. ^un-a asman-a ; iiber red. von 

premmi- %iebe^j hlimid von hJiumdn- Menge^ u. dgl. sieh 

Streitberg Paul-Braune's Beitr. XIV 205 f. Ai. mdtr-a datr-Ti 
av. mdpr-a ddpr-a. Ai. hrliat-d av. her^zat-a her^za7it-a. Ai. 
mdnas-a av. mcma 7 dh-a\ ai. tmyas-d av. Zisya7dli-a\ ai. tidiU-a 
av. vidid-a. Ai. dhiy-d bhrnv~a] das Veihaltniss von dliiy-d 
zii demyh u. dgl. (§ 2 77 S. 631) bewirkte die Neubildimgen 
dhiyas dhiycti dliiyam neben dhiy-ds dhiy-Z dliiy-i, hhruvds 
bJmivdi bliTUtam neben bhrm-ds bh'iid-e bln'iiv-t (§ 233 S. 57S, 
§ 255 S. 60S, § 26S S. 621), vgl. dvyds dheiwas u. s. tv. § 278 
S. 632, § 279 S. 634. Ai. iamiV'-d av. tmi[ii)v-d. Ai. 7idv-d. gdr-d 
av. gav-a, Ai. vis -a [vil- ‘"Niederlassimg, Haus, Gemeinde, 
Stamm^), av. vls-a apeis. vlp-ci [vis- vlp- ‘^Dorfgemeinde, Clan^). 

Im Griech., tvo die Fimctionen des Instr. in den in Bede 
stehenden Stammclassen auf die Locativform iibergegangen 
Tvar, sind nur die adverbial erstarrten Formen vde r.ib-d d.\i-a 
zu nennen, s. § 274 S. 625. Die Zuriickdrangung dieses Casus 
lasst sich leicht daraus eiklaren, dass sein Suffix mit deni 
des acc. sing. masc. fern, (-a — -in) zusammengefallen und fiber- 
diess der alte Stammstufenuntexschied dieser beiden Casus schon 
im Urgriech. vielfach in Wegfall gekommen Tvar. rrso-d, aol. 
dor. im Sinne von [xard gebraucht, war urspriinglich “^mit dem 
Fusse eines^ = ""ibrn auf dem Fusse, unmittelbar hinter und mit 
ihm^, vgl. armen. het yet ‘'hinter, nach, miF von demselben 
Wurzelnomen. Tiap-d neben dat. rrap-at gen. abl. irdp-o; und 
loc. TTsp-i. dfjL-a zu ei^ aus "^sem-s ‘'unus'^, vgl. dor. dad mit 
Fbergang in die Analogie der auf d-Stammen beruhenden In- 
strumentaladverbia (§ 276 S. 629). in sivr/.a sv3xa Vegen'* 

(aus ^2v-/3y.a, I § 166 S. 14S) und in szd-spyo-c ‘'nach Beheben, 
nach freiem Ermessen wirkend'* zu dem apers. loc. vas-iy Viel, 
seh^^ eigentlich ^im Belieben, nach Belieben^ (falls nicht vasaiy 
als Loc. von St. vasa- = ai. vdhi- zu lesen ist). Vgl. Osthoff 
Z. Gesch. d. Perf. 334ff. 574ff. 

Italisch. Im Lat. -e , lautgesetzlich zusammengefallen 
mit dem Locativzeichen idg. : cam-e liomin-e^ indtr-e datbr-e^ 
ferent-e prae-sent-e, gejiei'-e dcidr-e^ su-e, oidr-e. bov-e. Diese 



636 


Casuabildung der Nomina. Instr. sing. 


[§ 280-^281. 


Formen Lekamen auch ablativische Function nnd werclen daher 
in der traditionellen Grammatik Ablative genaunt^ vgl. § 243 
S. 593 f. Auch im Umbr. scheint unser Casus mit dex Endung 
-e vorzuliegen, s. § 274 mit Anm. S. 625. 

Im Kelt, sind sichere hierher fallende Beispiele nicht vor- 
handen. Es muss aber bemerkt weiden^ dass, wenn nicht -a^ 
sondern -e die idg. Suffixform gewesen sein sollte (§ 274 S. 624 f.), 
iautgesetzlich nichts im Wege stiinde, die Formen, die wir oben 
a]s Dat. und Loc. deuteten (§ 251 ff. 269 IF.), zugleich als Instr. 
zu betrachten, z. E. co{?i^ matJiir, carit, 

Auch im German, fehlen sichere Beispiele. Doch konnen 
auch hier die Formen, die wir oben als Loc. auf ansahen, 
wenn die idg. Instrumentalendung war, alle (denn wurde 
bereits im XJrgerm. zu s. I § 67, 4 S. 58), wenn das 
idg. Suffix war, wenigstens zum Theil zugleich fiir Instrumeu- 
talformen gelten, z. B. got, frijd7zd ahd. fritmf. 

281. II. Instrumentalfoimen mit den Suffixen -ilii 
und -mi. liber diese Suffixe im Allgemeinen s. § 274 S. 626 f. 

a. Suffix -hhi. 

At men is ch. -J, woraus nach Vocal en -y (I § 485 S. 360), 
vgL instr. plui. -hJc -vJc § 379. o-Stamme: gailo-v zumom. gail 
""WolC, vgl. gr. 9 co-9i. Eigennamen hatten -a-t?, wie Trdata-v^ 
vgl. § 239 S. 584 fiber den gen. Trdatay. -^-St.: srti-D zu nom. 
sirt ’'Herz^. : zardu aus *zardu-v (vgl. instr. plur. zardull 

aus '^zardii-vJi) zu nom. zm'd ‘^Schmucki ahamb zu nom. ahi 
^Auge^, -a7nh — "^-ii-blii^ vgl. unten das ir. a7imimm anmaim7n. 
mar-b zu mem ^MutteF, dstei'-b zu diisti' ^TochteF. 

Altirisch. Hier ^-bJii bei den neutralen w-Stammen, z. B. 
an-mim7n a7%-maimm^ falls man von '^-m7i-bhi auszugehen hat (I 
§ 243 S. 203, § 520 S. 380, § 657, 1 S. 509): vgl. -b 7 i- und -b 
im instr. du. und plur. (§ 296. 379). Man konnte aber auch 
^-m^-7ni zu Grunde legen; vgl. § 379 fiber av. instr. sing. 
name7u. 

Griechisch. ffier erscheint neben -cpi die Form -cpiv (wie 
o-epLV neben a-cpi, § 449), die ein uridg. '^-blii-m reprasentieren 
mag (§ 186 S. 520 irnd Leskien Ber. d. sachs. Ges. d. Wiss. 1884 



§ 281 — 2 & 2 .] 


Casusbildung der ISToniina. Instr. sing. 


637 

S. 102, Veif. Gr. Gi. - S. 134). o-St. ; a-St,: 

cpi(v). <95-St.: op£a-cpL(v). i- ii-St.: va'j-cpi(v). xpar-3acpi{v) 

war eine Ne-ubildimg wie cp£pdvT-£aaL(v), y,oi:oXrfiov-6(oi eine solche 
wie cp£pQVT-ot; (§ 360). Dazu die Adverbia Evv-/]-cpi(v), vo3cpi(v), 
Aixpi-cpi-c, letzteies durch dasselbe -c; erweitert, welches das 
ebenfalls hierher gehorige dpi-cpL-c zeigt (s. §241 S. 589 £). 

Die nicht adverbialen Fornien waren mix bei Homer und 
seinen Nachahmem lebendige Casus. Sie fungierten als Instr., 
Loc., Ablat. und wurden, wie z. B, r^ol cpaLvopLsvr^cpi zeigt, 
andern Casusformen mit diesen Functionen ganz gleichwertig 
empfunden. Wenn sie bei Homer ausnahmsweise auch in 
dativischem und genitivischem Sinne vorkommen, so war diess 
wol eine Folge davon, dass sie fiir die homerische Zeit schon 
eine Antiquitat waren und die, die sie gebrauchten, ihr Spxach- 
gefiihl nicht mehr sicher leitete; diese Gebrauchsausdehnung 
konnte leicht erfolgen, weil die Formen einerseits als Instxu- 
mentale mit i-iiTicp a-ssociiert waren, die neben instru- 

mentaler auch dativische Bedeutung hatten , anderseits als 
Ablative mit 17 : 7:00 x^p*^-^ ^tc., die neben ablativischer Function 
auch genitivische hatten (vgl. s[x£-9£v als Gen. § 244 Anm. 2 
S. 596). Wie der Gebrauch unsexer Formen als Instr., Loc. und 
Abl. zu Stande gekommen war (~cptv und ~cpi waren als Casus- 
suffixe gleichwertig), steht dahin. Weiter hatten die cpi-Casus 
neben singularischer auch Mehxheitsbedeutimg, wie 0 474 Trapdt 
vaocpi "^bei den Schiffen^ und oft (Genaueres bei Kiihner Ausf. 
Gramm. I^ S, 380f.). Dazu vergleiche man, dass im Gall, -ho 
im Sinne des lat. -bos -bus und im German, -m aus *-mi (oder 
ebenfalls in pluralischem Sinne erscheint, woriiber § 367, 
iind erw^e, dass auch a-'.pi(v) numeral unbestimmt war. Es 
scheint, dass die Pluralisierung der instrum entalen -hlii -mi und 
der entsprechenden Suffixe des Dat.-Abl. mittels -s in uridg. 
Zeit noch nicht durchgefiihrt war. 

282. b. Suffix -mi. 

Sparliche Belege im Altind. und German. Ai. s'am-mi 
adv. Smn Alters her^ von sdna- ""alF, gebildet wie aksl. te-mi 
von to- ‘'deF, vgl. wegen des Stammauslautes auch instr. plur. 



038 Casusbildiing der Nomina. Korn. Acc. dn. masc. fern. [§ 2S2— 283. 

ved. sdne-hJiis (§ 3So). Im German, vermutet man -mi in ahd. 
zi lioulitun nhd. zu liaupten^ aisl. at Jwfdimi^ ags. miolcum neben 
mioluc dat. zu miohic ‘'iVIilch'’ (s. Kluge PauFs Grundr. I 386): 
sicherer ist aisl. pei-m ags. ctm-m (§ 421). Aus dem Ir. gehort 
moglicheiweise anmimm hierheij s. §281 S. 636. 

Anm. Im Lat. soil -mi in den pronominalen Formen ■V7ie oUm, in- 
terim, istim istin-c, hin-c enthalten ge'^esen sein; urspriingliclier Ausgang 
^-e- 7 ni (vgl. armen. ardare-v adv. neben ardaro-v S. 587); woraus "^-imi 
-im. Doeb ist das reclit unsiclier. 

Als lebendiges Casussuffix begegnet -mi nur im Balt. -Slav, 
und bildete hier seit der Zeit der Urgemeinschaft den instr. 
sing, der i- und der z/-Stamme. Lit. nakti-ml (dial, nahti ^ s. 
§ 278 S. 633)j aksl. masc. pqti-mi (dagegen im Femin. die Neu- 
bildung -djq nach -ojq^ wie no^tijcc noHijq, s. § 276 S. 630). 
Lit. sumi-m)^ aksl. synorm aus ^sy?iu-?m, das nur zufalKg nicht 
belegt ist (I § 52 S. 45). In derselben Sprachperiode wurde der 
Ausgang -i-mi von den ^-Stammen auf die n-, r- und 5-Stamme 
iibertragen, wie das auch mit den entsprechenden Ausgangen 
der du. und plur. 7?^-Casus geschah (§ 402): lit. ahmen-inu aksl. 
kamen-hm] lit. moter-imi ^ wahrend im Slav, fiir ^mater-%rm 
ebenso mater-ljq mater-ijq eintrat, wie das Fern. *7iosMmi zu 
‘Ttohtyq 7iostijq umgestaltet wurde (s. o.) : lit. debes-imi (vgl. § 132 
S. 396) aksl. slozes-mii. Im Slav, -mi auch bei den o-Stammen^ 
xJuko-77ii ^ daneben vlXihiMiii nach dem Muster der e^-Stamme 
(vgl. Vetter Zur Gesch. der nomin. Deck im Buss. S. 22f.J; 
ziilo-dejimi (neben -dejemi) mit der alten Tiefstufenform des 
Suffixes -io-. s. § 368. Vgl. auch lit. dial, mlhimil und kalhimi 
§ 275 S. 629, § 276 S. 631. 

]So7'amat. Accusat. du. masc. fem.^) 

233. Das uridg. System der dualischen Casus war wahr- 
scheinlich ein reicheres als alle einzelsprachlich erhaltenen. 


6] Uber den Dual sieh: W. von Humboldt Uber den DualiS; Berl. 
1828 (Ges. Werke VI 562ff.). Silberstein Uber den Dualis in dem idg. 
Spracbstamm etc., Jabhs Jahrbb. Suppl. XV (1849) S. 372 ff. Fr. Muller 
Der Dual im indogexm. und semit. Spracbgebiet, Wien 1860, Me ringer 



§ 2S3J 


Casusbildiing der Nomina. Nom. Acc. dn. mase. fern. 


639 


Zwar wild es auch schon in uridg. Zeit fiir den Nominat., 
Accusat. und Vocat. in jeder Stammclasse nur eine Form ge- 
geben haben. Aber dass damals ausser dieser Casusform nur 
noch zwei, eine fiir den Dat., Ablat. und Instrument, und eine 
fiir den Genit. und Locat., bestanden, ist nicht nur wegen der 
Geschiedenheit des Gen. und Log. im Avestischen (gen. -ti, loe. 

sondern auch darum unwahrscheinlich, -weil wir in den ver- 
schiedenen Sprachen in gleicher Function Endungen antreffen, 
die sich lautgesetzlich nicht vereinigen lassen und dabei nicht 
so zusammenzubringen sind, dass man die eine oder die andere 
Form als eine einzelsprachliche Neiischopfung erklaren konnte. 
So sind die Endungen des Dat. (Ablat.) lustrum, ai. -hhijayn 
av. -hyam^ av. -bya^ air. -b n- (in dib 7i-]^ lit. -m (hinter deni 
etwas abgefallen sein muss) und aksl. -77ia, auch 'svenn wir ron 
dem Wechsel zwischen bh und ni im Anlaut des Casussuffixes 
absehen und das Affix ^e?7i abrechnen (s. § 29G), doch nicht auf 
eine einheitliche Grundgestalt zurlickzubringen , so dass man 
vermuten mochtej es hatten urspriinglich der Dat. (Ablat.) und 
der Instr. je eine eigene Sufhxform gehabt. Wir kommen hiei 
aber aus der Fngewissheit um so weniger heraus, weil hie und 
da auch noch die Mbglichkeit zu beriicksichtigen ist, dass der- 
selbe Casus urspriinglich in verschiedenen Stammclassen eine 
verschiedene Form hatte und in der einen Sprache die eine, 
in der andern die andre Form Verallgemeinerung erfuhr. 

Anm. Im Anschluss an Benfey (AbhandL der Gott. Ges. der Wiss. 
XIX 142 ff.) nehmen Mahlow Die 1. Voc. 130 und Meringer Kuhn's Zeitschr. 
XXVni 233 an, das Ai. habe eine altuberkommene besondere dualische 
VocatiTform auf -a besessen. Auch gr. o6o sei, meint Meringer, yielleicht 

Uber den indogerm. Dual der o-Stamme, Kuhn’s Zeitschr. XXVIII 217 ff. 
Osthoff Uber den nom.-acc.-voc. dual, der i- und «-Stamnie, Morphol. 
Unters. 11 132 ff, Fritz sche De formis quibusdam numeri dualis in lingua 
Graeca, Kostoek 1837. Bieber De duali numero apud epicos, lyricos, 
Atticos, Jena 1864. Ohler Uber den Gebrauch des Dual bei Homer, Mainz 
1884. Keck Uber den Dual bei den grieeh. Kednern mit Beriicksichtigung 
der att. Inschr., Wurzburg 1882 (M. Schanz’ Beitr. zur histor. S5mt. der gr. 
Spr. H). Doerwald De duali numero in dialectis Aeolicis et Doricis quae 
dicuntur, Bostock 1881. Danielsson Alte Dualformen im Latein, Paul’s 
Altital. Stud. Ill ISTff. Ebel Uber den celtischen Dualis, Kulm-Schleicher’s 
Beitr. 11 70ff. 

Brugmann, Grundriss. II, 2. 


41 



640 


Casusbildimg der Nomina. Nom. Acc. du. masc. fern. [§ 283 — 285. 


ein solcher Vocativ. Mir scheinen diese Formen anders aufgefasst werden 
zu miissen, s. § 289 Anm., § 293. 

In § 2S5. 311 wexden wir sehen, dass ein Theil der Dual- 
formen das Geprage von Singularcasus und der Dualbegriff nur 
an der Stammform d, h. dem der eigentlichen Casusendung 
Yoransgehenden Worttheile seinen Ausdruck hatte. 

Reichlicher waren die nominalen Dualcasiis in den altesten 
Phasen des Ar., Griech. nnd Ir. erhalten, und sie sind auch noch 
heute in einem Theile der Mundarten des Lit. und in einigen 
Slav. Sprachen lebendig. Bis au£ geringe Eeste oder ganz waxen 
sie im Armen., Ital. und German, scbon im Beginne der tjbex- 
lieferung aiisgestorben. In den beiden letzten Sprachzweigen 
handelt es sich um ein paar dualische Flexionsformen der Worter 
ztcei und heide, ausserdem' um mehr oder minder hypothe- 
tische Deutung von mehreren Nominalformen als Dualcasus (s. 
Danielsson's S. 639 in der Fussn. genannten Aufsatz und Kluge 
Pauls Grundriss I 3S4, Bartholomae Stud, zur idg. Sprachgesch. 
I 61). Ini Armen, batten vielleicht e7'hi ‘'zwei'* und uf ‘"achP 
(vgl. ai. dmtl astaii) nur lautgesetzlich umgestalteten Dualaus- 
gang (vgl. § 166 S. 469 § 172 S. 480). i) 

284. Wenden wir uns nun speciell zum nom. acc. masc. 
fern., so ist zunachst zu bemerben, dass dieser auch vocativisch 
gebraucht wurde, wie der nom. plur. Er hatte, wie dieser, im 
Ai. den Accent au£ der ersten Silbe. Vgl. § 200 Anm. S. 540. 

Nach den verschiedenen Stammclassen kann man £un£ 
uridg. Bildungstypen unterscheiden: I. -du -d bei den o~Stammen, 
n. -ai bei den a-Stammen, III. -i bei den i- ?’6?-Stammen, IV. 
-i und -u bei den i- und den ^^-Stammen, V. -e bei den con- 
sonantischen und den I- ii- und u- -ww-Stammen. 

285. I. Die masc. o-Stamme batten seit uridg. Zeit die 
Ausgange -dti und -5, 'hilqdu ^ulqd, Diese Doppelheit wird 
verschieden aufgefasst. 

1) Am besten lasst sich der Process des allmahlichen Absterbens dieses 
NiimemSj seines Aufgehens im Plural, im Lit. und Slay, yerfolgen. Leider 
kunnen wir dieses hochst lehrreiche Stuck Sprachgeschichte Her nicht naher 
vorfHiren. Fur das Lit. ygl. Bruckner Archiy f. si. Phil. Ill 262 f., fiir das 
Poln. Baudoiiin de Courtenay Enhn-Schleich. Beitr. VI 63 



§ 285.] 


Casusbildung der Nomina, Nom. Aec. du. masc. fern. 


641 


Anm. Nach Osthoff Morpli. Unt. IV 259, dem neuerdings Torp Beitr. 
zur Lelire Yon den geschleclitlosen Pronomen S. 45 f. beistimmt, ware -o der 
eigentliche Casiisaiisgang gewesen [~d aus -o+e, die Endung Yon gr. Tratsp-t, 
Oder eine blosse Dehnnng des Suffixes o, Ygl. das -i imd das -u der z- und 
der w-Stamme § 2SS) und das daneben Yorkommende -dii diircli Antritt einer 
Partikel u entstanden. Die beiden Ausgange, der altere -o und der jiingere 
-oil, seien in die einzelspracblicben Entwicklungen bincingekommen; im 
Vediscben sei der Bequemlicbkeit balber jener Yorzugsweise Yor Consonan- 
ten, dieser Yorziigsweise Yor Sonanten Yerwendet Yrorden. Dagegen be- 
liauptet Meringer Eulin’s Zeitscbr. XXYIII 217 ff., gestiitzt auf den Gebraucb 
der -a und ~au im Ved. (s. I § 645 S. 490), -d sei in uridg. Zeit Yor Con- 
sonanten aus -oii liervorgegangen, -oii also der eigentliche Casusausgang. 
Vielleicht sind beide Anschauungen dahin zu eombinieren, dass in der That 
u ein ursprunglich selbstandiges Element war, das an die Casusform auf -b 
antrat, dass das -b {di. -a gr. -m etc.' der historischen Zeit aber nicht mehr 
jenes unerweiterte ~q der voruridg. Zeit war, sondern in der Veise, wie 
Meringer will, zunachst aus -bn herYorgegangen war (-5 aus -die wie ~e aus 
-ci, s. § 246 S. 597 f.). ic kann gleich dem in ^u-i~ ^u-o- 'in lat. vl-gintl etc., 
s. § 177 und Morph. Unters. V 23ff.) und ai. u-hhaii 'beide’ Ygl. got. 
steckenden u 'zwei’ gesetzt werden, und so liesse sich z. B. ^td~u .,== ai. tm] 
mit lit. tii-du, dem Dual zu ids 'der’, Yergleiclien. War der uridg. Ausgang 
des gen. du. der <5-Stamme ^-ous oder '^-eics (ai. ~bs aksl. ~w), so wixrde auch 
hierin dieses u zu suchen und -s fiir das singularische GenitiYSuffix zu 
halten sein. Der av. loc. du. auf ~b = idg. oder aber ware eine 
Eorm ohne Casussuffix, gleichwie z. B. gr. loc. oo-uev neben nom. -ot-jafp;. 
Vgi. Meringer a. 0. 233 und iinten § 311. Daraus diirfte indessen nun nicht 
gefolgert werden, dass das ganze Dualsystem einmal ein mit singularischen 
Endungen versehener dualischer Stamm gewesen sei. Denn Casussuffixe 
wie aksl. -ma ai. -'bhycini fiir urspriingliche Singularsuffixe zu erklaren ware 
Willkiir. Es konnen die Formen des Dualsystems sehr wol auf Yerschie- 
denen Bildungsprincipien beruht haberu 

Aiisch. Ai. ved. vrhau vfjea] in der spateren Sprache nnr 
noch vrkem^ doch der Ausgang -ci noch in Compp. wie cha- 
dala ''dl^odecim^ Av. veJirka {-cm nicht nachTveislich^ s. Baxtho- 
lomae Bezzenberger s Beitr. IX 307); apers. gazisd von gauki- 
^Ohr^ 

Im Armen, waren vielleicht e7'kii '^zwei^ imd iif 'octo\"er- 
einzelte Beispiele dieser Casusendung, s. §2S3 S. 640. 

Griech. Xby.o), outo; iibex ouo s. § 293 S. 647. 

1) War das w- Yon u-hlidu eine Benennung der Zweibeit, so liegt. es 
nabe den ersten Tbeil Yon gr. ap-cto lat. am-hb zu got. an~])ar lit. a)i~tra-s 
zu ziehen und die Gleichung aufzustellen ai. u-hliau : gr. = vu-toru : 

got. ayi-'par. 


41 



042 Casusbildung der Noniina. ISTom. Acc. du. masc. fern. [§ 2S5. 

Im Lat. nur noch amho^ octo. duo (I § 655, 2 S. 504). Im 
Unibr. dur ^duo" schon ganz mit pluialischer Flexion, vgl. 
§ 166 S, 46S. 

Im Ir. noch beide Ausgange nachweisbar: air. dau do^ alter 
dan, acymr. mbret. dou WeF = ai. dvdu^ daneben air. dct (vox 
Siibstantiva) = ai. dva (I § 90 S. 85). In unbetonten Endsilben 
andrer dualischer Woiter ist von solcher Doppelheit nichts mehr 
zu spiiien. Im Air. dZt fer, dessen Entstehung' nicht ganz klax 
ist (man erwartet *dd fiuT wie instr. sing, jiur = '^tdro) ; die 
Form sieht axis wie ein nom. sing. Dass darum, weil bei den 
i- und ^^-Stammen und den r-Stammen der nom. du. mit dem 
nom. sing, lautgesetzlich zusammengefallen war [fdith^ hith^ s, 
§ 288, s. § 289), bei den masc. o-Stammen die Form des 

nom. sing, auch dualisch gebraucht wiirde, ist mix wenig wahr- 
scheinlich. Vermutlich hinderte das -d von ^dm in ^duo uird 
den tjbergang von ''\iird in ^uiru oder machte ihn riickgangig, so 
dass uirci und hieraus dd fer entstand, wie umgekehrt beim 
Femin. sich di nach dem Ausgang des Subst. gerichtet hatte 
(§ 286). Burch die hier entsprungene und'bei jenen andern 
Stammen schon lautgesetzlich vorhandene formale Uberein- 
stimmung des nom. sing, und nom. acc. du. scheinen dann das 
sing. masc. te7ie (^FeueF) und die sing, neutr. dliged^ tecJi^ ainm zu 
ihrer dualischenVerwendung gekommen zu sein [dd thene u. s. w.). 

Ob gall, zerco'hreto bei Stokes Bezzenberger’s Beitr. XI 
142. 152 mit ‘^die beiden EechtsprecheF zu liber setzen und als 
alte Dualform zu betrachten sei, ist strittig. S. Ernault Mem. 
d. 1. Soc, de lingu. VI 158 IF. 

Im German, sind aisl. tvau ^2" (zum neutr. geworden, s. 
Streitberg D. germ. Compax. auf -oz- S. 33) == ai. dvdzi, tottogo 
‘"20'* == "^'io-tugu = ai. dvd und got. aJitdu ahd. ahto — ai. astau 
die einzigen klaren Beste unsxes Casus. Ein paar substanti- 
^dsche For men auf idg. -d im Germ, vermutet Kluge Paul- 
Braune’s Beitr. VIII 506 ff., wie ags. (nom. acc. sing.) nosu 
''Nase'' (gen. ziosa)^ vgl. auch PauFs Grundr. I 384. 609; diese 
Singularisierung ware zu vergleichen mit dem tjbergang der ai. 
Dualform en nds-d rddas~i in femin. Singular e. Bartholomae 



§ 2S5 — 2S6.] Casusbildung der Nomina. Nom. Aec. du. masc. fern. 643 

Stud, zur idg. Sprachgesch. I 61 mochte got. bajops “^beide^ auf 
Grand eines Duals ^bajo Jjo ‘^die beiden"* deuten. 

Im Balt. -Slav, nur idg. '"-o: lit. geril-Ju neben 

geric (I § 664, 3 S. 526), aksl. vlaka, 

286 . TI. Die rt-Stamme batten uridg. ^ ekuaL Die 
Stammsuffixform -a- vergleicht sich mit der im pronominalen 
nom. sing, auf -ai (§ 414) und im voc. sing, auf ~a (I § 3 IS 
S. 260, II § 59 S. 103). Das Casussuffix war augenscheinbch 
dasselbe mein dem Ausgang -oi der neutxalen o-Stamme (§ 293), 
und dieses wird von dem des neutr. ‘'zwei Decaden^ 

nicht zu trennen sein (§ 294). Als stammbaft erseheint dieses 
{-Element in den Formen wie av. dvae-ibija aksl. che-^na. ai. 
(hmj-bs aksl. choj-ti (s. §. 297. 311). 

Arisch. Ai. dlve\ av. hapie, Vereinzelt im Av. auch -c/, der 
Masculinausgang, s. Bartbolomae Eezzenberger s Beitr. IX 303. 
Ai. astciu astct stets auch als Femininum. 

Griech. x^pai, als nom. plur. fungierend, scheint die idg. 
Dualbildung gewesen zu sein, die, mit Riicksicht auf den Aus- 
gang -ot im nom. plur. masc., pluralisch umgedeutet wurde, 
s. Verf. Kuhn’s Zeitschr. XXVII 199 ff.^). Dagegen waren die 
dualischen att. vatxcpd Neuschopfungen nach den Masc. 

auf -co; Homer weist diesen Dualausgang -d nur erst bei den 
mannlichen d-Stammen auf. 

Im Lat. scheinen equae^ duae (vgl. ved. dme) die idg. Dual- 
endung -ai ebenso zu vertreten wie gr. }(^pat, s.Verf. a. O. 

Ail. tzmithj woneben di Muae^ — ai. dve, s. I § 657,4 S. 510. 
di statt ^dai ^dae hatte sich nach "^z^^iJ^gerichtet (vgl. § 285 S. 642). 

Fine unsichere Spur dieser Casusbildung im German, 
ist got. tva pusu?idja ‘'20 00^, das man gewohnlich als neutr. plur. 
betrachtet (iiber -a aus urgot. -ai s. § 263 Anm. S. 617). Vgl. 
auch Noreen in Paul’s Grundr. I 501 f. liber nord run. pai-an. 

1) Etwas ganz Alinliches hat im Poln. stattgefunden. Zur Zeit des 
Absterbens des Duals wurde der loc. du. in den bei den Handen’ (§ 311) 
als loc. sing. masc. umgedeutet^ so dass Verbindungen wie lo mojim -rphu 
in meiner Hand^ entstanden. S. Baudouin de Courtenay Euhn-Schleichef s 
Beitr. VI 77. SI. 



644 Casusbildung der Nomina. Nom. Acc. du. masc. fern. [§ 286—289. 


Balt.-Slav. Lit. ranhl, gere-ji neben geri, s. I § 664, 3 
S. 526. Aksl. race, aber zryiiji [zmija ^Schlangeb mit aus 
alter idg- s. I § 100 S. 95 f. 

287. III. Die I- {^-Stamme (rgl. S. 526 Fussn. 1) hatten 
wahrscheinlich uridg. -b ^llirglint-l, das man entsprechend dem 
-a? der ^-Stamme aiif zuriickfiihren konnte. 

Lautgesetzlich auf diese Grundform sind zuriickfiihrbar ai. 
hrliat-h, av. gajn harent-i, air. inis, lit. zeml (I § 664, 3 S. 525 f.). 

Im Ai. fand in der red. Periode Ubertritt in die Analogic 
der ?- iV-Stamme (§ 291) statt, daher brliatycm, in der spatern 
Sprache die allein libliche Form (vgl. nom. plur. brhatyas § 316). 

Gr. ^pspodaa nach der ?a-Declin. (§ 286). Ebenso aksl. zemlji 
(§ 286), dock war zemlji vielleicht eine Umbildung von ^zeml 
mit idg. -7, vgl. nom. sing, rezaki fiir "^vezciti § 191 S. 526. 

288. lY. Die a- und ^^-Stamme hatten uridg. -7 und 

* ozit wndi^ sunu. War idg. -dti eine Erweiterung von -o gewesen 
(§ 2S5 Anm. S. 611), so liegt die Annahme nahe, dass zwischen 
diesem -b und den -i -u ein ahnliches Verhaltniss bestanden 
habe wie zwischen den entsprechenden Ausgangen des instr. 
sing., vgl. § 274 S. 625 f. und Osthoff Morphol. Unters. II 132 fF., 
J. Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXVII 291 f. 

Ai. dvi, av. azi. All. faith aus %a^7. Lit. ziahfi (I § 664,3 
S. 525 f.), aksl. noki. 

Ai. sunn, av. bdztc, woneben bdzv~a nach Art der conso- 
nantischen Stanime (§ 289). Adr. bith. Lit. sUnu aus ^sTmti (I 
§ 664, 3 S. 525 f.), aksl. sgziy. 

Im Grieeh. nur Neuschopfungen nach der Weise der con- 
sonantischen Stamme (§ 289). 7-St.: att. inschr, dXbasi mit -si 
aus ^“£(i)-£, handschr. izoXzi und tzqXzz {i:6Xl-<;), letztere Form 
mit dem scheinbar uncontrahieit gebliebenen zu ver- 

gleichen (§231 S. 575). w-St.: horn, att. 

inschr, oUT. 

289. Y. Die iibrigen Stamme hatten uridg. -e mit voraus- 
gehender starker Stammform, wde ^^pdUr-e = gr. TraTsp-e. Diese 
Formation blieb im Grieeh. und Ir. erhalten, unsichere Eeste 
von ihr im Ai., Germ, und Lit. 



§ 2S9 — 290.] CasTisbildung der Nomina. Nom. Acc. du. masc. fern. 


645 


Anm. Im Ved. erscheint das fiir den idg. Ausgang der o-Stamme 
zii haltende ~d ofters zu -a verkiirzt, wie aucli aus dem spatem Sanskrit 
ein mdtara-pitardu statt mdtard-pitardu citiert "wird. S. Benfey Samaveda 
p. LXIII Abhandl. d. Gott. Ges. d. Wiss. NIX 142 ff., Mahlow Die 1. Voc, 
130, Lanman Nonn-Infi. p. 342. Es ist sehr vrol moglicli (vgl. Ostboff Morpb. 
Unt. I 2261), dass dieses -a das ursprunglicb nur den consonantiscben 
Stammen eigne Suffix -a = gr. -e war, das, in gewissen Eallen bewahrt, 
spater falsch verallgeineinert und namentlicb auch, mit Eucksicht auf den 
TOC. sing, auf vocatiTiseh gebraucht wurde, z.'B. Rigv. I 151, 4 asura. 
Dass es von Haus aus dualische Vocative auf — ai. -a gegeben babe, wie 
Meringer Xubn’s Zeitschr. XXVIII 233 annimmt, der aucb gr. otjo fiir einen 
solclien ausgeben mochte ('], glaube ieb nicbt. Vgl. aber nocb Meringer S. 2301 

Eine Dualform ’’kimun-e vennutet E. Brate Bezzenberger’s Beitr. XIII 
421 als Vorlaufer von ascbwed. kunu ^zwei Erauen’. 

Im Lit. glaubt J. Schmidt Eubn’s Zeitschr. XXVI 360 in dialektischen 
Participialformen wie isz-gerii$e statt isz-geriisiu {'tsz-germ 'icb trinke aus’,’ 
unser Suffix -e gefunden zu baben. Aber trotz Schmidt’s gegentbeiliger 
Versicberung ist es nacb meinem Dafiirbalten wol moglich, dass -e bier laut- 
mecbaniscb aus -he liervorgegangen war. 

Im Ai. TTurde in voxhistoxischei Zeit dex Ausgang dex o- 
Stamme -cm -a auf die consonantiscben Stamme iibexnommen, 
gleichwie im instx. sing, auf diese Stamme das -ci dex o-Stamme 
iibexging (§ 2S0 S. 634). Ob die im Ixan. bei den consonanti- 
schen Stammen exscheinenden av. -a apexs. -a ein xixixan 
= ai. -a foxtsetzten odei ein uxixan. '^-a = gx. -s, ob also z. 
av. nar-a=3ii. ndr-cc odex = gx. dvip-s wax, ist nicbt auszu- 
macben; in jeneni Falle waxe die VexaDgemeinexung des Aus- 
gangs dex o-Stamme in die uxar. Pexiode binaufzuriicken. Vgl. 
den gleicben Zweifel bei den Ausgangen des instx. sing. av. 
apexs. -d § 280 S. 634. 

290. l.?^ -Stamme. XJxidg, Gr. xtiv-s fiix %oov-s 

^Tzov-s, wie aucb y.6v-a v.ov-Ee; Eindxingen der scbwacben Stamm- 
gestalt exfabren batten; tsxtov-s, 'nrotjxsv-c, dymv-s. Mir. com^ dram. 
— Ai. svdn-du -a, av. spem-a. Lit. szmi-iu akmen-m nacb dem 
Muster der {o-Stamme, aksl. hamen-i nacb dem der ^’-Stamme. 

2. r~Stamme. Uridg. mdter-e^ ^dotor-e, Gr. [xr^Tsp-s, 
bd)top-s; dvop-s (bom. aucb dvsp-s) wie dvop-a §218 S. 551, oorr^p-s 
nacb ootr^p. IVIir. mdthir^ mir. siaw (vgl. § 120 S. 356). — Ai. 
matar-du -d, datar-cm -d \ av. mdtar-a und Neubildung mdpr-a. 
datar-a. Lit. 7nbter-% aksl. mate^'-i nacb der ^’-Declination. 



646 


Casusbildung der Xomina. Norn. Aec. du. neutr. [§ 290—293. 


3. Stamme auf Verschliisslaiite. Uridg. HJirgliont-e, 

Gr. air, cant, — Ai. hpidnt-au -cl, av. ber^zant-a. Lit. 

c5za?icziu{-dti) aksl. vezqka nach der Decimation der {o-Stamme. 

Gr. cp’jyao-S; [i-stpax-s. Air. dmid "Druiden" 7'ig ""Konigek 

4. < 9 -Stainme.^ 

Lridg. diis-menes-e, Gr. ooaasvc^ nach tw oxsXs: (§ 294) 
zu erschliessen. — Ai. durmaiias-ciu -a, av. dtismancmh-a. 

Lridg. CQm'^ 2 ii:."dk{i)ios~e, iiberall analogisch umgestaltet. 
Ai. cisiyTis-du -a vie acc. sing, asltfas-am (§ 220 S. 553 f.)^ av. 
asycmJi-a zunachst flir ^asytwJi-a, vgl. acc. sing, asyitidh-em a. O. 
Aksl. slazdxza als ?o-Stamm. Gr. r^oiov-s mit Stammsuffix -ien-, 

Uridg. part. perf. act. ^iieiduo s-e , iiberall analogisch um- 
gestaltet. Ai. vichqs-cm -a wie acc. sing, viddcis-am (§ 220 S. 554). 
Lit. mh'imu{-dzi) aksl. niirusa als ?n-Stamme. Griech. sioot-s 
mit Stammsuffix -ziet-. 

291. 5. Stamme auf -I -tzV, -u -iixi iind einige Wurzel- 
nomina. 

Gr. yds, ocppu-s au-s; ai. dhiy-au -a, bltrm-ati -a. 

Gr. vr^s (nur erschlossen) aus '^vaf-z; ai. nav-au -d, Uridg. 
*gou-e: gr. po-s; ai. gav-cm -ci', air. hoin nach coin (§ 290 S. 645)^ 
vgl. § 221 S. 554 f. 

Nominal. Accusal, du, neulr."^) 

292. Die 0 “Stamme hatten -oi, daneben vol -ei, die con- 
sonantischen -i und -7, die e-Stamme -7. Zweifelhaft bleibt, ob 
-% urspriinglich das Casussuffix aller Stammclassen gewesen 
warj s. § 294. 

Charakteristisch ist, dass die abstufenden consonantischen 
Stamme schwache Stammform hatten. 

293. 1. o-Stamme. Uridg. und daneben wol vgl. 
zu dieser Verschiedenheit § 240 S. 587, 

Ai. yugd, dce\ av. xsap?'^ za nom. acc. sing. xsapre-m^^Hexi- 
schaft, Eeichb Ai. astdzl asta stets auch als Neutrum. 

Im Griech. war pzi- '^zwei'^ in /sLxaxi ei-xoai ‘'zwei De- 
kaden"" wahrscheinlich Dual eines Stammes %<9-; dasselbe ^uei 

1) Ygl. die Literaturangaben S. 63Sf. Pugsn. 1. 



§ 293 — 294.] Casiislbildtiiig der Nomina. Nom. Acc. du. neutr. 


647 


mutmasst Thurneysen Kuhn^s Zeitschr. XXVI 310 in dem u- 
Yon acymr. %i-ceint. Fernei vermute ich, class ddo (neben dda>) 
aus ^0001 vox sonantischem Anlaiit entstanclen unci die alte Neu- 
tralform war, entsprechend vieileicht lak. o6z aus ^dosi, vgl. att. 
docTvj das ein ^ouei-iv yoxansziisetzen scheint (§ 312). Vgl. Verf. 
Gr. Gr. - S. 79 Fussn. 1, S. 124, Morphol Unters. V 23 ff. Ebenso 
boot. dy.To neben sonstigem dy.xd). Ini Ubxigen* war im Griecb. 
der Masculinausgang -m aiich fiir das Xeutrum eingetreten, 
z. B. fd) wie rd) i7:7ra>. 

Lat. m-ginti enthielt vieileicht in beiclen Gliedein unsetn 
Neutialausgang *-ei odex S, Verf. Morph. Unt. V 22 £ 

24 und vgl. unten § 294. Die Mascnlinformen duo amid octo 
wurclen, wie gr. odco etc,, auch neutral gebrancht, 

Im Ir., wie es scheint, kein Rest unsrer Formation, da^ die 
Masculinform, trat auch vox neutr. Substantiva, nahm aber da~ 
bei -n an, z. B. dct n-gniad kluae genae'', 'was kauni anders 
erklart werden kann als aus der Analogie cles nom. acc. sing, 
neutr. (vgl. Windisch Paul-Braune s Beitr. IV 223). dliged war 
ivahrscheinlich die clualisch gebrauchte Singularform, s. § 285 
S. 642 (sing, dliged n- ‘'Gesetz’). 

Aus dem German, wml hierher die Neutra as. tide ags. twa 
== aksl. dve idg, ^dtioi^ wahrend got. tva ebenso wie masc. 
tvdi^ fern. Iws Pluxalform war ; doch konnte man tvdi auch als 
die durch associativen Anschluss an pdi u. s. w. umgewertete 
Neutralform betrachten. 

Aksl. ize = idg. ^jug^o% zu igo ‘'iugum'* (I § 84 S. 82). Da- 
neben^o^V [zupolje Teld^) aus Me alter (I §84 S.SOf. 83). 

294. 2. Die cons onantis chen Stamme. -i als Casus- 
suffix, bei schwacher Stammform, liegt in uridg. "^Jcrnt-i ‘'l De- 
kaden"* (§176 S.4S9f.) vox: gr. /sL-xaii, armen. Jcsa7i aus *gi-santi 
wie leo'e^i ‘'sie tragen^ = ai. llidranti (§177 S. 494), av. msaiii^ 
aber ai. visati-s^ das durch Uberfiihrung des indeclinabel ge- 
wordenen *msati in die Analogie von sastz-s u. s. w. ent- 
sprang. 

Nun zeigen die consonantischen und die 2 ^-Stamme im 
Altind. anderwarts regelmassig -7, nicht -i, wie dJidmn-l dlia- 



64S 


Casusbildung der ISToinina, Nom, Ace. du. neutr. [§ 294 — 295. 


man-i. hrlud-i. mdnas-l amjas-l zidus-l. mMM-i [mdclhun-t, 
s. § 393 ; nnd da auch im Altkirchenslay. -i (neben haufigerem 
~G auftritt, wie iraen-i sloves-i. so darf man daran denken, 
dass schon im Uridg. -7 neben -7 als Casussuffix bestanden hatte. 
Dann brauchte man das auslautende -7 von lat. mginfi nicht 
aus -ei Oder entstanden sein zu lassen (s. § 293 S, 647). Oder 
war ~7 im Ai. und Aksl. von den 7-Stammen(s. § 295) iibertragen? 

Im Avesta scheint tisaiti die einzige hierher fallendeFoxm 
zu sein. 

Entsprechend war /i-xati der einzige Rest im Griech. 
Sonst . war das -s der geschlechtigen Nomina eingedrungeU; 
gleichwie bei den o-Stammen das -co der Masculina (§ 293 S.647). 
Att. inschr. av.iAsi aus ^ox£X£(a)-£ , wahrend die liandschriftl. 
Formen aiif -as wie ysvss bei att. Schriftstellern nach solchen 
Formen consonantischer Stamme neu gebildet waren, in denen 
-£ keine Contraction erfahren hatte. Vgl. auch das Eindringen 
des “£ in das Neutrum ojas § 295. yivY] in Verbindungen wie 

o5o war Pluralform, gleichwie aar/] in aaryj 66o (§ 295). 

Ir. ainm und tech waren wahrscheinlich, gleichwie dliged 
(§ 293), die dualisch gebrauchten Singularformen s. §285 S. 642. 

Anm. Job. Sclimidt Pluralbild. 52 scheint das dual. ain7n aus 
erklaren zu wollen, wogegen Mehreres spricht. Abzulehnen ist auch Stokes’ 
Zuriickfiihrung auf ein urkelt. Bezzenberger’s Beitr* XI 166. 

Im Altkirchensla V. -d, das von den o-Stammen (§ 293 
S. 647) heriibexgenommen war: imen-e^ sloTjes-e, Daneben -7, 
von dessen Ursprung oben die Rede war. 

295. 3. 7- und -Stamme. 

Die 7-Stamme hatten uridg. den Ausgang -7. Ai. aJcsi av. 
ctsi ""die Augen'', luel von St. suci- ""reink Aksl. oci [oho ‘'Auge^) 
und iisi [ucho ‘^OhF); lit. akl aim^ die aber femininisch geworden 
sind. Wenn esim Uridg. ein gab, so gehort auch 

dieses %7 als von Stamm %7- gebildet hierher (§177 S. 493). 
Neubildungen waren ai. siicin-l (§ 393) und gr. oacs ‘'die Augen" 
aus (hierzu ocaocv oaaoiai mit pluralischen Casusausgangen). 

Dieses idg. -7 war wol durch Contraction des stammauslau- 
tenden mit dem Casuszeichen -7 (oder -7) entsprungen. 



§ 295 — 296.] Casusbildung der Komina. Dat. Abl. Instr. du. 649 

Yed. mddlvc-i wax entweder lautgesetzliche Fortsetzung der 
idg. Giundform, odex es >yax fiir "^madJw-i eingetxeten, indeni 
dessen Casussuffix duxch den A’^sgang der ^-Stamme ersetzt 
wurdC; ygl. § 294. Gx. in Verbindungen wie o6o wax 
Pluralfoxm, ygl. yivr^ § 294. 

Dat. Ahlat. Instru7ne7it. chi.^) 

296. Die yerschiedenen Sprachen weichen in dex Bildung 
zu stark yon einandex ab, als dass sich die uridg. Flexion 
genanex bestimmen liesse. Ygl. § 2 S3 S. 639. Ai. -hJiyCmi^ sehr 
selten im Yed. -IMymn. Ax. einmal -by am. in h^vad-byam yon 
St. brvat- ‘'Augenbraue'*, sonst -hya. ga|3. -hyd niit der nux laut- 
gesetzlich yerschiedenen Nebenform -ive (I § 125 S. 116, § 4Si 
S. 357). Im Air. dib 7i- (zu da '’duo'*), aus '^d[\^o-hm. fiir dessen 
Suffix yerschiedene Gxundfoxmen , u. a. '^'-bJieyii odex "^-hhen. 
moglich sind. Aksl. -77ia. dessen -a idg. -d odex -a gewesen 
sein muss und das am Schluss ein yexloxen haben kann. 
Lit. -771, hintex deni etwas geschwunden sein muss; wenn die 
letzte Silbe betont ist, so hat die Form als Datiy gestossenen, 
als Instrumental geschleiften Accent (I§ 691 S. 561 ff.), z. B. 
abem viikcm ^beiden ^Yolfen^, aber su ab%m vHha77i 'mit bei- 
den Wolfen^, dat. 7iahth7i instr. Tzaktwi. Diese Betonungsyex- 
schiedenheit, die Kuxschat angibt und fiber deren Yerbxeitung 
im lit. Dialektgebiet nichts Nahexes bekannt ist, ist nach dex 
Analogic dex betreffenden Pluxalcasus (z. B. dat. nahfms instr. 
7iaMi7hs] eingeffihxt, wie ja auch sonst in diesex Spxache Dual- 
foxmen pluxalisiext exscheinen. 

Ai. -bliydin ay. -byam und air. -b 7i- mogen Antritt des 
Affixes exfahxen haben, vgl. ai. tu~bliya77i neben tu-hhya ay. 
ga|). taibya ‘'tibi'’ und dgl., § 186 S. 520. Die Ubereinstimmung 
des Ax. mit dem Kelt, in bJi- scheint diesem Suffixanlaut ein 
hbhexes Alter als dem balt.-slay. 7n- zu sichexn (vgl. § 274 S. 626 f.). 
Doch beachte man, dass auch das -m von got. tvdi-m ahd. zioei-m. 
mbglichexweise noch das alte Dualsuffix xepxasentiext (im Aisl. 


1) Ygl. die Literaturangabeu S. 638 f. Fussn. 1. 



650 


Casiisbildimg der Nomina. Dat. Abl. Instr. du. [§ 296 — 297. 


freilich ttei-mr mit entschiedenem Pluralsuffix) , unci dass vieP 
leicht das aus ai. v{-lati- ‘'20'* zu entnehmende -ti-m eine hier- 
her gehorige duaiische Casusbildung war, so dass man ahd. 
zicein-zug mit erstairtem Dativ im ersten Glied zu vergleichen 
hatte (§ 177 S. 495). 

Im Ir. ist -h n- ausser in dih wie es scheint, erloschen; 
sonst -5, wie im Plural (§ 3 SO), vgl. in dib n-uarih deac ^duo^ 
decim horis'* statt "uarib n-deac. Das Eindringen des -b fiir 
-b n- erklart sich daraus, dass die Dual- und die Pluralendung 
zum Theil lautgesetzlich zusammengefallen -waren (Windisch 
Paul-Braunes Beitr. IV 225 f.). Vgl. hierzu § 297. 

tjber die griech. Ausgange -oiiv -oiv -aiv etc. s, § 312. 

297. 1. o-Stamme. Ai. vrhci-hJiydm^ yxiga-blnjam^ dva- 

hhycm^ pronom. ta-bhydm] av. velirhae-ibya velirkae-we^ dvae- 
ihya^ beim Pronomen unbelegt. Air. feraib lasst au£ urkelt. 
^liiro-bhm schliessen, Tgl. § 296; dib n- (einmal deib geschrieben) 
aus '"^diio-hmj ^ in der ersten Silbe in Folge der proklitischen 
Stellung des Wortes. Lit. dat. mlhd-m instr. aksl. 

dluko-ma igo-ma (iiber zulo-deji-ma s. § 368), aber lit. dat. dve-m 
instr. d've-m dat. te -m[-dvem) instr. te-m[-dvem)^ aksl. dve-ma 
te-ma. 

Der Stammauslaut -o?’- oder -6^- war beim Zablwort ‘'zwei" 
und beim Pronomen jedenfalls aus idg. Urzeit liberkommen, 
wie er auch im gen. loc. du., z. B. ai. dvdy-ds tdij-bs aksl. dvoj-u 
toj-ii, urspiiinglich war (§311). Icb. vermute, dass er im dat. 
abl. instr. einmal auch bei den Substantiva vorhanden war, wie 
noch av. velirkae-ibya ^ und dass diese Stammgestalt auf -oi 
-ei die Form des ace. du. neutr. war, die in gleicher "Weise 
von Haus aus den Nomina und den Pronomina eignete. Vgl. 
z. B. aksl. dve-ma : dve (§ 293 S. 646 £), ferner ai. ahfi-bhydm 
aksl. ooi-ma neben aksi oci (§ 300). Im Indischen drang fiir 
den Diphthong i^vrke-hhtjdm) der Ausgang des masculinischen 
nom. acc., vrkd — gx. XtSxco, ein (vgl. Bartholomae Kuhn^s Zeit- 
schrift XXIX 582 und Bezzenberger's Beitr. XV 38, wo auch 
av. ndidha-bya als eine solche Form aufgefasst wild), wahrend 
in den europ. Sprachen die Gestaltung des Stammes der ent- 



297 —^^ 00 .] 


Casusbildun^ der Nomina. Dat. Abl. Instr. du. 


651 


sprechenden Pluialcasus einwirkte: air. feraih wie dat. pliir. 
feraih aus ^uiro-Ms (vgl. § 296 S. 650, § 380), Kt. miha-m wie 
dat. plur. aksl. ‘vlaho-ma wie dat. plur. 'cluho-?n'u, 

Anm. i. Die Annahme ron Meringer Zeitschr. f. d. dsterr. G\"Din. 
1SS9 S. 1017, dass unser Casus im Uridg. einmal 2 iMi hi~[hlujmVlf oder ^oit~ 
[hhyam'^y ausgegangen sei, halte icli fiir unbegrundet. Die Formen des 
Dualsystems konnen, Trie sclion § 2S5 Anm. S. 641 betont mirde, verschieden- 
artig gewesen sein. 

Anm. 2. Der Process des Eindringens der Form des nom. ace. du. 
in die andern Dualcasus wird gut illustriert durcb Yorgange in den lit. 
Dialekten, die Bruckner ArcMv f. slav. Phil. Ill 30Sf, bespricht. 

298. 2. a “St am me. Der Stammauslaut war uridg. -a-. 
Ai. (um-hJiymii dva-bJiyam^ pronom. ta-iJiydin, Air. hmthaih 
und mit Erhaltung der Lange des Stammaiislautes mndih zii 

gen. 77i7id^ ‘'Weib'* (vgl. § 296 S. 650, § 3S1). Lit. 7'auko-7ii 
(dat. 7nerg6-77i instr. ^nergo-yii zu ynerga ""Madchen^), pronom. dat. 
i6-m[-dvem) instr. td-77i[-dvem)^ aksl. y-'ci'ka-ma, 

Ob Leim Zahlwort zxcei urspriinglich eine Femininform 
mit -a- gefehlt hat? Denn air. dih 7i-, lit. dve-Tii dze^yyi, aksl. 
dze-77ia fungieren auch femininisch, gleichwie die gen. loc. 
aksl. dvoj-u ai. dvcly-o^ (vgl. auch lit. dzeju als femin.). Y"gl. 
§ 311 S. 657. Ai. dva-bliydm ware dann eine ar. Neiibildung ge- 
wesen. Dass aksl. te-77ia zugleich femin. war, kann eine Folge 
des femin. Gebrauchs der Pluralformen te-77iu te-77ii und des 
Umstandes gewesen sein, dass tojii im gen. loc. du. von alterer 
Zeit her fiir alle Geschlechter gait (§ 310. 311). 

299. 3, i- ?^-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Der Stamm- 
auslaut war uridg. -z-. Ai. b^liath-bhydm^ av. bay'enti-bliya 

Air. msi-b (vgl. § 296 S. 650, § 382). 

Im Balt.-Slav. -{d- statt -7- (vgl. dat. instr. plur. § 370. 382) : 
lit. ze77ie-77i (dat. Jcate-m instr. kate-77i zu kate ‘^Katze^), aksl. 
ze7iilja-7na. Nach der ?S-Declin. : lit. dat. zeza7%ozi6-77i[-d'ce7f7i) 
instr. zeza7iczid-77i[-dve77i), aksl. vezqhta-ma. 

300. 4. ^-Stamme. Ai. dvi-bhyam^ av. azi-bya. Air. 
fditJii-b (vgl. § 296 S. 650, § 383). Lit. dat, 7iakti-7n instr. Tiak- 
ti-7n^ aksl. yioiti-yyia. 

Bei den neutr. 2 -Stammen war, wie es scheint, schon im 



652 


Casusbildung der Xomina. Dat, AH. Instr. du. [§ 300 — 304. 


Uridg. die Form des nom. ace. du. au£ -i als Stamm gesetzt : 
ai. (iJcsi-hlnjcim aksL oci-ma nehen aJcsi oci ‘'die beiden Augen, 
ebenso im AksL usi-ma zu zdi ‘'die beiden Oliien'^ (vgl. OsthofF 
Morph. Unters. 11 132 £, J. Schmidt Kuhns Zeitschr. XXVI 17). 
In demselben Verhaltniss stand bei den o-Stammen z. B. aksl. 
che-ma zu che^ s. § 297 S. 650. 

301. 5. e^-Stamme. Ai. stoiu-hhyam, av. hazu-hya. Lit. 
dat. sunii-m instr. sTmu-rn^ aksl. synu-ma. 

Air. hethaib wie instr. pliir. hethaih (vgl. § 296 S. 650, §383). 

302. 6. Stamnie auf ~7i iind ~r. 

Im Uridg. schwache Stammgestalt, wie in den entsprechen- 
den Pluralcasus [§ 373. 374. 384. 385). So noch ai. sva-bhyam 
fdJcsa-hJiycmi. mdtr-ihijmn cldtr-hJiycmiy av. ner^-hya (nom. 'uar-a 
== gr. dv£p-c). 

Im Ir. und Balt.-Slav. Ubertritt in vocalisclie DecKnationen 
Tvie in den entsprechenden Pluralcasus (§ 356, 2. 402). Air. 
comih jiadnaiby mdtJir-ih (vgl. § 296 S. 650, § 384. 385). Lit. 
dat. szun-i-m ahmen-l-m moter-t-m instr. szun-i-m akmen-i-m 
moter-i-m\ aksl. hamen-t-ma mater-i-ma. 

308. 7. Stamme auf Vers chlusslaut e. Im Uridg. 

sehAvache Stammgestalt, wie in den entsprechenden pluraHschen 
Casus (§ 367, 2. 379, 2). Ai. brhdd-bliydmy av. ber^zaS-hya ber^- 
za^-bya und mit Einsetzung starker Stammform her^zan-bya] 
zur Gestaltung des Stammauslautes vgl. a. 0. und § 356, 2. Av. 
brvad-byqm ist, wie in § 296 bemerkt wurde, die einzige Form 
mit -byqm im Avesta. Air. cairt-ih und aksl. telet-i-ma (zu 
tele n. ‘'KalU, vgl. § 225 S, 562, § 244 S. 596), wie in § 302. 

304. 8. Stamme auf ~s. 

Arisch. Ai. mdno-bliydm fiir lautgesetzliches ^jnanadbJiydm 
durch Anlehnung an den nom. acc. sing. md7%b ("Sinn^), wie im 
Plur. mdnb-bMs, s. § 356, 2. Hiernach auch durmanb-bliydm und 
Compar. dmjb-hJiydm zu nom. sing. masc. dur-mcmas asnjan 
neutr. dtir-manb dslyo. Ebenso waren nach den nom. acc. sing, 
umgebildet Jiavir-bhydm cdhhir-bliyamy nom. acc. liamr {Jiavis) 
‘'Opferspende^ cdhsur [cdhkd) 'Auge"*, -rbli- fiir lautgesetzliches 
•-dblx- (I § 591 S. 450). Dagegen lautgesetzHch mit -d- part. 



§ 304 — 307.] Casusbildung der Nomina. Gen. Loc. dn. 653 

perf. act. rndvdcl-bliycmi wie vichdd-hhis, nui dass die schwache 
Stammsuffixform -ns- durch die starke ersetzt war, s. I § 591 
S. 449, II § 136 S. 412 f. Ebenso war lautgesetzlich av. S7iai- 
[iiz-lya von sjiaipis n. ‘'Schwert^ nnd das nach viduz-his zu 
eischliessende z~idTiz-hya part. perf. act. Von den ^^-Stammen 
ist keine Form belegt aber nach dem plural. ?7icme-his. das die 
Form des nom. acc. sing, neutr. auf -e ;ga{). mcme) als Stamm 
angenommen hatte {§ 376. 3S7^, darf man "^mmie-hya^asye-hya 
vermuten. 

Air. tlgih [tech n. ^Haus'^ aus "'[s)tegos] vielleicht aus ^teges- 
o-bi-. vgl. instr. plur. § 3S7. 

Im Balt. “Slav, wieder (vgl. § 302. 303) Ubergang ziir e-Decli- 
nation : lit. dat. dehes-'i-?n instr. deies-i-m (nom. sing, dehes-l-s 
'^Wolke^, § 132 S. 390)j aksl. sloves-l.-nia, 

305 . 9. I- ?V-; a- w2i“Stamme iind Wurzelnomina 
auf -ti. 

Ai. dKi-hhycm bhru-lhjcm (entsprechend pur-bliyd7n gir- 
bhycim^ s. § IGO, 4 S. 455 £). Im Aksl. ist die entsprechende 
Form von sveJcry u. dgl, nicht belegt. 

Ai. nciu-bhymn^ gb-bhijam, 

Genit, Local, dii. i) 

306 . Auch hier ist die Feststellung der uridg. Verhaltnisse 
schwierig. Wahrscheinlich hatte die idg. TJrsprache fiir den 
gen. und den loc. du. je eine besondere Form. 

Wir theilen zunachst das Thatsachliche aus den einzelnen 
Sprachzweigen mit und erbrtern darauf in § 311 die FxagC; 
wie weit sich die Vorgeschichte der historischen Formen er- 
mitteln lasst. In § 3 1 2 folgt die Besprechung der griech. For- 
men flir gen. abl. u. s. -w. du. 

307 . Altindisch. Nur eine Endung fiir beide Casus, 
-05 = urar. '"-cms. 

Die 0 - und die c7-Stamme hatten den xlusgang -ayds^ z. B. 
vrhayds zu vrkcc-s ‘^Wol£\ yzigdyds zu yugd-m ""Joch^, dlvaydd 


1) Vgl. die Literaturangaben S. 638f. Fusen. 1. 



054 Casusbildimg der Nomina. Gen. Loc. du. [§307 — 308. 

zix ait a ‘"Stiite". Daneben vecL. ends (neben encnjds) von ma- 
und avds von axd- ^dieser", wie ini Aksl. xliihu von xluho- 
(§310). 

Anm. Ved. neben ydyos you yd- niiiiyok \oi\niniyd- dnner- 

lich, rerborgen’, yastiycjs von -pastiya- n. ^Bebausung’, pushy os von pdhiya- 
n. Tressstein’ sind keine zuverlassigen Zeuguisse fiir die kui'zere Bildung, 
da man an Wegfall der Silbe -ay- durcli syllabische Dissimilation (I § 643 
S. 484) denken darf^ wie bei suvapatydi § 247 S. 600. 
i- ?d-Stamme : hrJiaty-Os. 
i- und ?^-Stamme : dvy-os^ sum-Ds. 

Consonantische Stamme mit schwacber Stammgestalt : sun- 
-ds (zur Betonung S. 528 Fussn. 2), rajn-ds von raj an- ^Konig^, 
mdtr-Ss diitr-ds, hrhat-ds^ mdnas-ds dslyas-ds zidus-dL 

dlmj-Os lliruz-ts, naz-bs^ gdz-ds (vgl. gen. sing, ved. gdz-as 
§ 231 S. 575). 

308. Iranisch. 

Im Avest. hatte der gen. du. den Ausgang -U -ds{-ca) = 
urax. der loc. du. den Ausgang -d, der lautgesetzlich ebenso 
gut au£ urar. ^-as als auf urar, zuriickfiihrbar ist (vgl. 
Baxtholomae BezzenbergeFs Beitr. IX 30’S. 312 f. XIII S3). 

Die 0 - und die ^-Stamme batten gen. -ay a, gleicbwie ai. 
-atjds fiir beide Stammclassen gait (§ 307): zelirkayd von veJir- 
ha- m. ‘'WolF’, hamayd von liaena- f. ‘'feindlicbes Heer'', ent- 
sprecbend beim Pronomen yayd von ya-. aetayU von aeta-^ 
ayd von a-. Obne -ay- ist dieser Casus in Dvandvaverbin- 
dungen wie frafirU haesatastlrd ‘^des Fr. und B.^ (St. fratlra- 
und haQsatastlra-) belegt; fratirU : zelirhaya = ai. ends : enayds, 
Der Locativausgang -ayd ist nur bei o-Stammen belegt: zelir- 
haydj ulaijd zu ula ‘'beide^ 

w-Stamme: gen. hdzv-a loc. hcizv-d. 

71- und f-Stamme: gen. smi-U^ letzteres mit unur- 

spriinglicber starker Stanimform. 

n^“Stanime: gen. Ie7'^zant-U mit unurspriinglicher starker 
Stammform. 

(fa^-Stamme: gen. ame7'^tdt-U von a77ier^t[a-t\dt- (I § 643 
S. 484) '"Genius der TJnsterblichkeitb ^-St. : Jizar^z-d von hza 7 ^^z- 
d, i. Jiii-my'^z- ‘"Gutes wirkend"". 



§ 308 — 311.1 Casusbildung der Nomina. Gen. Loc. du. 055 

Im Apers. betrachten Spiegel und OsthofF dastaya (von 
dasia- ‘"Hand^j und dmaraya (von dmara- ""Thiire, PfortC; Hof^) 
als loc. du. Sie kdnnen freilich (trotz OsthofF Morph, tint. II 
100 f.) auch als loc. sing, mit Postposition a angesehen werden, 
dastaij~d = av. zastaij-a (§ 263 S. 616). 

309 . Im Irischen zeigt der gen. du. eine hesondere 
Form. Fiir mehrere Stammclassen Beispiele erst im Mittelir. 

o-St. : dZi (‘'duorum^), fer. cede. a-St. : tuatli, han. ^-St. ; 
fcdJio fcitJia. •z^-St. : hetho -a. n~St. : con^ clran. r-St. : mdtliar. 
: carat. es*-St. : iige. ho ‘'zweier HindeF. 

‘'Aspiration^ des folgenden Anlautes (1 § 658^ 1 S. 512 f.) 
ist fiir das Altir. ziemlich schwach heglaubigt; im Mittelir. 
schwankt Aspiration und Nichtaspiration, wie es scheint, regel- 
los. Der urspriingliche Auslaut der Bildung bleibt daher noch 
festzustellen. Zum Theil scheint Einfluss der Form des gen. 
sing, vorzuliegen. Vgl. auch Ascoli Note Irlandesi p. 32. 

310 . Litau. Dialekte haben im Sinne des gen. du. eine 
Form auf -77is^ wie zodm-iiis simii-ms duhtere-ms til-du-7ns ('der 
beiden^); fern. cme-dvi-Tus ( jener beiden''). S. Geitler Lit. Studien 
56, Beitr. zur lit. Dialektologie 38 und Bruckner Archiv f. slav. 
Phil. Ill 309 f. IMit letzterem wird man die Form als Erwei- 
terung des dat. instr. auf -m durch das -s des gen. sing, anzu- 
sehen haben; vgl. die von mti-m ju-m aus gebiideten Gen, 
mtima juma (doch wol nach ma7ia tava — mdyio tdvo) und alit. 
TJiumu jumu [-u^ gen. plur.), vgl. § 458. 

Im Slavischen fiir Gen. und Loc. der Ausgang der zu- 
nachst auf alteren Diphthong "^-071 hinweist und hinter dem 
ein -s geschwunden sein kann (I § 1S5 S. 162 f., § 588^ 7 
S. 446). ^-St. ; vluJiU^ aber dvojii toju. ^-St. : 7'qku, aber dmju 

tojii. 7-St. : pqflju pqtiju [-dj- -ij~ wie im gen. plur. pqty-i 
pqdj-i.^ § 348). u-St. : sy7iov-u {-ov~ wde im gen. plur. synov-u, 
§ 349). ?z-St. : ham.e7i-u. ?^-St. : telet-u. 5-St. : slores-u. 

311 . Uberschaut man die in § 307 bis 310 vorgefiihrten 
Formen, so ergeben sich als feste Punkte fiir die Yergleichung: 
1. ai. -os : aksl. -iq 2. der i-Diphthong vor dem Suffix bei den 
o-Stammen, wie ai. tdy-ds^ av. aetaij-U uhay-d : aksl. toj-ii. 

Brugmann, Grnndriss. II, 2, 42 



656 


Casusbildung der Xomina. Gen. Loc. du. 


[§311. 


L Es mag der gen. du. im Uridg. den Ausgang 
Oder gehabt haben, bestehend aus dem Auslaut der <9- 

Sttome; dem u des nom. acc. masc. auf ~du (idg. ^cludii — ai. 
cUZlu) und dem Suffix -5 des gen. sing. (§ 228 S. 566 f.). Der av. 
Locativausgang -5, wenn er aus idg. ^-oii oder entstanden 
war^), ware die dualische Stammforin ohne Casussuffix, vex- 
gleichbax den singulariscKen Locativen wie ai. kdrmcm gr. 6 q[x£v 
(§ 285 xlnm. S. 641). Aus einer derartigen Form lasst sich aucb. 
das -of- des giiech. oYOo(/j-o~c 6yoo(f]-ri-y.ovra deuten, das aber 
auch andere Erklarungen zulasst (Verf. Morph. Unt. V 36 
Aksl. vldku kbnnte als Gen. aus ^-<9^5 ^-e-us, als Loc. aus 
^-■eu hervoxgegangen sein. Diese uridg. Ausgange hatten Aus- 
breitung fiber ihr ursprfingliches Gebiet hinaus erfahren, einexseits 
durch tibertragung auf die fi-Stamme (aksl. ra/vu, gewiss nicht 
mit idg. ' vgl, gen. plnr. rqM wie vluku). anderseits durch 
solche auf die consonantischen und die i- und e^-Stamme (ai. 
rajn-ds dmj-ds etc., aksl, kame7i-u pqUj-ti etc.). Dass aksl. rqku 
als Loc. von Alters her ohne -s war, wird, woiauf mieh Leskien 
hinweist, durch lit. "^halb, mitten entzwef (zu ‘'Halfte'*) 
bestatigt, vgl. aksl. mehlii '^zwischen^, eigentl. 'innerhaib der 
Grenzlinien^, loc. du. zu mezda ‘^Mitte, Grenze\ 

Anm. 1. Von unserm *-o-xis {^-eiis) als uridg. ausgehend hat Danielsson 
Paulfs Altital. Studieii III ISTff. den Ubertritt einiger Nomina in die ii- 
Declination im Italischen zu erklaren Tersucht. Z. B. gen. corniis sei ur- 
sprunglich der gen. du. von Stamm como- = got haurna-, gen. maniis der- 
selbe Casus von Stamm ^yian- [via7i-ceps] gewesen; consequenterweise konnte 
man also in cor7iu 7naim ursprungliche loc. du. sehen. Ahnlich identificiert 
Eluge Paul-Braune’s Beitr, VIII 509 den ags. gen. sing. 7iosa (nom. 7iosu 
^Nase’) mit ai. gen. loc. du. ist letzteres richtig, so ware 

nicht als ursprunglicher Ausgang gesichert. Das wenig Zuverlassige 

dieser und ahnlicher, immerhin scharfsinniger Combinationen liegt auf der 
Hand: uberall kann die t^-Deelination leieht auch anders erklart werden. 

1] Im Ai. kbnnte dieser Casus in dem von Bartholomae Bezzenberger’s 

Beitr. XV 198 f. aus clurmd- erschlossenen dnnerhalb unsrer (bei- 

den] Thuren, bei uns daheim’ gefunden werden. 

2) Hier ergabe sich auch eine Moglichkeit, oe-Aspo? mit ouw direct zu- 

sammenzubringen ^ indem man nemlich von ausginge. Gleichwol 

halte ich an meiner § 166 S. 469 angefiihrten Deutung dieses Ordinale als 
der weitaus wahrseheinlicheren fest. 



§311.] 


Casusbildung der Nomina, Gen. Loc. du. 


657 


Was nun das av. -ti = nrar. betrifft, so wird man 

zunachst zu erwagen haben, ob es dei nrspriingliche Ausgang 
der a-St^me war, der spater au£ die o-Stamme iibertragen 
wurde, und weiter, ob sein ^-Vocal das idg. -d des nom. acc. 
masc. der o-Stamme (av. velirlca) 'war. Ostholf s Vermutung 
(Morph. Unt. II 93), av. -aijii sei eine Umgestaltung von ^-ayam 
nach der Analogie des gen. sing, liaenaytc (§ 229 S. 570), leuchtet 
niir nicht ein. Auch das apers. -cnj-ci mit Locativbedeutung, 
wenn es iiberhaupt anzuerkennen ist (§ 308), ist unklar; lautge- 
setzlich konnte es dem av. gen. -ayti gleichgesetzt werden. 

2. Der ^-Diphthong von ai. dvdy-ds tdij-os etc. king ohne 
Zweifel mit dem von av. dcae-ihija lit. dde-m dve-m aksl. dve- 
ma (§ 297 S. 650) zusammen. Er scheint in iinserm Casus auch 
noch im Germanischen und Baltischen nachweisbar. Denn in 
got. tvaddje aisl. tveggja ahd. ziceijo Muorum^ aisl. heggja 
""amborum’ (zur Behandlung des intersonantischen in diesen 
german. Formen s. I § 142 S. 128) und in lit. dvejTi ahtju (vgl. 
ai. ulhdy-os aksl. ohoj-u) scheint die pluralisehe Casusendung 
an die Stelle der dualischen geriickt zu sein, die voiausgehende 
Stammbildung aber das dualische Geprage bewahrt zu haben; 
lit. dv^J-u ahej-u trat wol zunachst fiir "^dvaj-u ^cibaj-di oder 
^dtiej~u "^abej-u ein durch Einwirkung von dve-m dve-m, Dieser 
alte dualische ^’-Diphthong wol auch in as. twe-ne aus ^duoi- 
no- (vgl. Meringer a. O. 235), in gr. ootot aus *duoi-io- und in 
ai. dve-dJia ‘'zweifach, auf zwei Male\ 

Hdchst wahrscheinlich war der ^-Diphthong des gen. loc. 
in uridg. Zeit auch schon bei den d-Stammen vorhanden, und 
da wird nun schwerlich auszumachen sein, ob hier nicht -ai- 
(vgl. nom. du. fern, bestand, so dass z. B. fiir aksl. masc. 
toju ein ^toiou[s]^ dagegen fiir fern, toju ein *taio 2 ^{s) vorauszu- 
setzen ware, vgl. griech. zopaiv neben itz'koiv (§ 312). Ferner 
fragt sich, ob ai. tag- im masc. nicht idg. war (vgl. att. 

oueTv u. a., § 293 S. 646 f.). 

x\nm. 2. Wenn idg. o im Urar. in offner Silbe zii a mirde (I § 78 
S. 70); BO entspracbe mase. ai. Hay os, nicht idyds, dem aksl. War also 

tdybs die Femininfomi mit idg. (vgl. § 422 Anm. uber instr. sing, ai. 



658 


Casusbildung der IS'omina. Gen. Loc. dii. 


[§ 311—312. 


tdya aksl. toja, oder eine Masculinform mit Vgl Meringer Zeitschr. 

f. osterr. G}*nin. 1SS9 S. lOlTf. Meringer’s Vermutung, dass der Stamm 
'^ihd- in ai. dvi-ydd- etc. mit nom. du. fern, neutr, "^ditoi und mit ai. 

ch'dy-us etc. naher zusammengehangen babe, ist mil* unTralirscheinlich, -vreil 
der j-Diplitiiong ja dnrchaus nicht nur dem Worte zivei eigentumlicli war 
imd sich nicht nachweisen lasst, da.?s er erst von diesem Wort aus zu alien 
andern Stanimen gelangt war. Uber ^dtd- g. § 166 S. 468, § 177 S. 493. 

Unklar bleiben die kelt. Genitivformen wie da, fer^ tuath 
etc. (§ 309 S. 655), 

312. Gen. AbL Dat. Loc. Instr. du. im Griechischen. 

Bei Homer -oiiv, im Att. -oiv (aus -oiiv contrahiert) in 
alien Stammclassen ausser den ^-Stammen, iTiTtoiiv iWoiv von 
Tkt:o-, 7:odoTtv Tzodoiv von 'noo- etc. Daneben im Att. inschriftlich 
-01 aus '“-oil. davovtoi. ebenso im Argmschen^ toi /avay.oi. Im 
Elischen -oioi;, dooioic, auToiotp (zum -ps.I§653 S. 502). Bei 
den ^-Stammen im Att. -aiv, y.opaiv. 

Deutungsversuche bei Fick Bezzenberger s Beitr, I 67 f., 
J. Baunack Mem. d. L S. d, 1. V 25 ff. Die Inschrift von Gortyn 
70 f. Stud, auf dem Gebiete des Griech. und der ar. Sprachen 
I 174 f., Thurneysen Kuhn^s Zeitsehr. XXVII 177, Torp Zur 
Lehre von den geschlechtl. Pronomen 47 f. , Veif. Griech. 
Gramm. - S. 124. 

itt'koi-iv iTTTToiv vcrhielt sich zu vm-iv ocpm-iv, vmv acpmv (nom. 
vco acpm) wol so, wie av. veh^hae-ihya zu ai. vrka-hhyam. Dann 
haben wir im Griech. denselben Diphthong {-ei- neben -oi- in 
att. oociv), den wir in den andern Sprachen im dat. abl. instr. 
und gen. loc. antrafen und als identisch mit dem Ausgang des 
nom. acc. neutr, betrachteten (§ 297. 311). Ist fiir das femin. 
ai. tdyds aksl. toju ein idg. "^tai-ous vorauszusetzen (§311 S. 657), 
so liesse sich y.dpaiv aus ^y.opai-iv anreihen. Man beachte bei 
diesen Vergleichungen, dass die Ausgange -oi (-si) und -ai fiir 
den nom. acc. neutr. der o-Stamme und fiir den nom. acc. 
der tt-Stamme noch auf griechischem Boden belegbar zu sein 
scheinen, s. § 2S6 S. 643, § 293 S, 646 f. 

El. -oi-oi; war ohne Zweifel eine junge Neuschopfung 
hach dem dat. plur., der in diesem Dialekte -oi? fiir -at hatte, 
%. B. dytov-oip (§ 360. 361). Vielleicht wurde die Neuerung 



§ 312 — 313.] Casusbildung der Nomina. Nom. plur. masc, fern. 


659 


vorgenommen , nachdem -on zu -oi geworclen und so dieser 
Casus mit dem loc.-dat. sing, auf -oi (§ 2G3 S. 616) gleichlautend 
gewoiden war. Ahnlich wiirden im Poln. die loc. dii. dim ^duo- 
bus^ ohu Vmbobus^ dutch Anhangung des -cli des loc. plur, 
[trzech hribus^ etc.) in dicucli ohuch umgewandelt (Baudouin de 
Courtenay Kuhn-Schleicher's Beitr. YI 79 £). 

DieDoppelheit-oi-iv und ^-oi-i erinnert an lesb. aaa-iv uap-LV 
und agp-i oap-i (vgl. auch gort. o-nai), an g-olv und a-cpt, an 
toT-giv und toT-gl. Aber wie weiter? Beprasentiert -iv -i einen 
uridg. dualischen Casusausgang (etwa ^-ui{7n)). den einzig das 
Griechische festhielt, oder haben wir es mit einer speciell grie- 
chischen Neubildung zu thun? Auf diese Frage ist die Ant- 
wort noch nicht gefunden. Beachtenswert ist aber jedenfalls 
die Hypothese, dass im Urgriech. ein nicht naher zu bestimmen- 
des consonantisch anlautendes Dualsuffix dutch das pluralische 
Locativsuffix -gi -g;v ersetzt wurde; es entstand "vco-giv wie 
diid-hus^ '^roT-Gi(v) wie aisl. tvei-mi' (vgl. auch gen. got. fvaddj-e 
lit. dvejm § 311 S. 657); -g- fiel darauf lautgesetzlich aus (I § 
564 S. 422), wahrend es in den entsprechenden Pluralformen 
dutch die Analogie von 9 uXay.-Gt(v) u. dgl. gehalten, bezieh. zu- 
riickgerufen wurde. Dabei bliebe freilich noch unaufgeklaxt, 
warum der Schlussnasal im Dual anders als im Plural behandelt 
wurde. y.dpaiv konnte natiirlich eine junge Neubildung nach 
iTrroi : xopai u. dgl. gewesen sein. Tiber vcbiv vgl. auch § 458. 

No?7ii?iat. plur. masc. fern, i) 

313, Die consonantisch en und die i- und ^^-Stamme hatten 
im Uridg. als Casiissuffix -es^ das urspriinglich vielleicht nur 
Pluralzeichen gewesen war (§ 1S6 S. 519). Dieses Suffix auch 
in den idg. Ausgangen -5^, -as und -yss der o-, a- und ~i- w- 


1} W. Schulze Das Suffix des nom. pi. masc. und fern., Kuhn’s Zeit- 
schr. XXVIII 275 ff. Verf. Der nom. pi. der c7-Stamme im Griech. und Lat., 
ehend. XXVII 199 E Zeyss Uber den nom. plur. der consonantischen 
Declin. im Umbr., ebend. X^TI 421 E Forstemann Zur Gesch. altdeut- 
seher Declin.; der nom. plur., ebend. XIV 161 E 



660 


Casusbildun^ der Nomina. Norn. plur. mase. fern. [§ 313 — 314. 


Stiimme zii suchen hindert nichts, s. I § 1 15 S. 108, II § 185 
S. 515. 

Bei den o-Stammen exscheint im Arischen neben urar. 
^as = idg. -os auch urar. -asas, vermutlich eine Neubildimg 
dieses Spracbzweiges, § 314. 

Das Armen, hatte als Casuszeichen z. B. dster-K "Tochter'*, 
ohne Zweifel dasselbe Element, das im Suffix des instr. plur. 
-M -vTc eischeint, vgL auch die Ausgange der 1. und 2. plur. 
praes. und -yX*. Bugge Beitr. zur etym. Erl. d. armen. Spr. 
43 f. nimmt an, dass in alien diesen Formen an das flexivische 
-5 die Partikel u getreten war (vgl. gr. -^rdv-o ai. Widrat-ii u. s. w\), 
die vor Sonanten als -it gesprochen wurde ; aus "^-s-ii sei wie 
aus anlautendem su- (I § 560 S. 418) li geworden und dieses 
verallgemeinert worden. Eine jedenfalls beachtenswerte Hy- 
pothese. 

Der nom. plur. fungierte, ebenso wie der nom. du. (§284 
S. 640), seit uiidg. Zeit auch vocativisch, und er hatte, wie dieser, 
im Ai. den Accent auf der ersten Silbe (s. § 200 Anm. S. 540). 

314. 1. o-Stamme. Uridg. "^ulqos lup^. Ai. vrkas] 

av. -a sehr selten, amem = ai. amrtas ‘'immortales^ ; fiber apers. 
martiyd ‘'Menschen'^ s. u. Armen. gailJc^ s. § 313. Umbr. pri- 
nuvatus prinuvatu gyrinvatur ‘'legati^ screilitor ‘^scriptF, osk. 
Nuvlanus. Air. voc. d firii^ vgl. u. Got. vulfds aisl. ulfar mit 
urgerm. ^-dz, as. dagos ags. da^as '^Tage^ mit urgerm. ^-05, s. I 
§ 581 S. 435, § 661, 5 S 521 und Paul in Paul-Braune’s Beitr. 
VI 550 f. 

Anm. 1. Pur idg. -es neben -os (vgl. abl. sing, -ed : -dd u. dgl., § 240 
S. 587) sind keine znyerlassigen Anhaltspunkte. Lat. magistres wol Neue- 
ning nach der e-Beclination und ahd. wolfii -a nach der ^-Declination; 
s. unten S. 662. 

1. Arisch. Urar. -asas neben -as : ai. ved. vrhdsas (pali 
-dse); av. veh'hdrdho^ apers. hagdha ‘^GotteP. Ausserhalb des 
Ax. ist dieser Ausgang bis jetzt nicht glaubwfirdig nachgewiesen, 
und so ist immer noch mit Bopp Vergi. Gramm. I 3 450 zu 
vermuten, dass im Ar. das ererbte -as um das Suffix der‘ con- 
sonantischen Stamme -as vermehrt wurde. 



§ 314 .] 


Casusbildung der Nomina. Nom. plirr. masc. fern. 


661 


Anm. 2. Dass an fertige Casus noch einmal ein Casiissuffiy angesetzt 
wird, kommt ja oft genug vor. Besonders nahe liegt der Vergleich mit 
pali nom. plur. Icannayo neben kaTiTia = ai. kanyas 'Jungfrauenb* die alte laut^ 
gesetzlicbe Bonn wurde durcb das in rattiyo (sing, ratti] vadJiiiyo (sing. 
vadlm) als]Suffix des nom. plur. empfundene -yo enreitert. In § 312 S. 65Sf. 
begegneten uns el. ouol-oi; poln. dicit-cK Berner nom. plur. mase. aisl. pei~r 
"^die’ (run. = got. ])di gr. rot mit dem (aus der Substantiva. Gr. 

ace. Zfjv-a (§221 S. 554). Gen. dor. (§ 450). Lit instr. Nhd. 

dm~en statt den u. dgl. (Verb Morph, Unt III 70 1)). Beispiele aus dem 
Buss, bei Vetter Zur Geseh. d. nom. Decl. im Buss. S. 36, 37. 

Die seit Scherer oft geausserte Ansiclit (z. B. Mahlow D. 1. V. 128, 
AY. Schulze Kuhn's Zeitschr. XXA^II 275), die as. dagos ags. dajas enthielten 
das ai. -dsas, ist unbeweisbar. Eher konnte fiir afries. dagar dieser Aus- 
gang Torausgesetzt werden (s. Moller Paul-Braune’s Beitr. A^II 505), aber 
seine Endung kann auch aus gedeutet iverden (rgl. ahd. ir I § 661, 5 
S. 521). Dass die air. Pluralformen auf -a des praet. pass, auf -t, wie do- 
hretha (sing, do-hreth s. § 79 S. 219) dem ai. -dsas entsprechen (Mahlow D. 
1. y. 130), ist eine ausserst vage A'ermiituiig ; es musste wenigstens -ai neben 
-a belegt sein. 

Sollte sich trotzdem ai. -dsas als altererbt herausstellen, so -sTurde ich 
annelimen, dass das idg. "^-ds von ai. vHcds etc. mit dem ai. -dsas so zu- 
sammenhing, dass im Uridg. ein Ausgang "^-dss neben ^-dses oder "^-dsos 
bestand (vgl. im gen. sing, -s neben -es -os), dessen -ss in alien Sprachen 
lautgesetzlich wie ein idg. -s erschiene (vgl. § 356 Anm.). 

Im Av. neben -i und -didho sehr oft -a (ga{5. -a), 'Delirha. 
Die Auffassung dieser Form, die auch als acc. plur. erscheint, 
ist zweifelhaft. 

Anm. 3. Man sieht in diesem -a seit Bopp gewohnlich die Endung 
des nom. acc. neutr. J. Schmidt, der beistimmt, vergleicht gr. xa aixa zu 6 
cixo-;, lat. loea zu locu-s u. dgl. (Pluralbild. 7 £). AYol ebenso viel aber hat 
Osthojff's Ansicht (Morph. Unt. II93f.) fur sich, dass diese Bormen DuaL 
formen waren (vgl. nom. du. gr. yjwpat lat. eyuae als Plural, § 315). Bei 
dieser Auffassung sind auch ohne weiteres die Bormen auf -a bei den con- 
sonantischen Stammen, z. B. 'Manner’ vac-a 'voces’, verstandlich ; bei 

der Bopp'schen Erklarung musste angenommen werden, dass das -a erst 
vom nom. plur. velii’ha auf diese Stamme iibertragen wurde. 

Ob die apers. Formen wie martiyd (s. o.) gleich den av. 
auf -ti (ai. -as] oder den av. auf -a waren, ist nicht zu ent- 
scheiden. 

x\ltiiisch. Die Form auf -vvoraus -ii (I § 657, 6 S. 511), 
hielt sich nur bei vocativischer Function, wahrend sie in no- 

1) Die hier vorgetragene Vermutung, dass unser ai. -dsas zuerst bei 
den rt-Stammen aufgekommen sei, ist schwerlich riehtig (vgl. § 315). 



662 


Casusbildung der Komina. Nom. plur. masc. fern. [§ 314 — 315, 


minativischer durch den pronominalen Ausgang ^-oi verdxangt 
mirde (s.unten 2.); vgl. gr. voc -nom. ^Epjxsia nebennom. "Eppsi'a-; 
§ 190 S. 525. Der formale Zusammenfall mit dem acc. plur. 
(§ 326] hatte zur Folge^ dass in einigen anderen Stammclassen 
der acc. plur. Vocativbedeutung annahm, wie cairtea acc. voc. 
neben nom. carit (§ 334). 

Althochd. icolfii -a und Mrte ^Hirten"* (m-Stamm) halte 
ich fiii Neuer ungen nacb. den Femininfoxmen wie geha -a und 
mnte (§ 315). 

2. In fiinf Spxachzweigen fand Ubertxagung des Prominal- 
ausgangs auf die Nomina statt (die iimgekehxte XJbertxagung 
im Umbx.-Samn., z. B. osk. piis ‘'qui''): 

Gxiech. Auy.oi wie toi. 

Lat. Alat. pilumnoe^ spater lupl (I§ 81 S.75). 

Dei auf Inscbxiften des 6. und 7. Jahrh. d. St., bei Plautus 
und sonst auftxetende Ausgang -es [-eis -%s)^ wie magistres^ war 
der der i- Stamme (§317); den Anstoss zu dieser Neuexung gab 
das Schwanken beim Pxonomen, ques (St. qtd-) und qiii (St. qiio-)^ 
Jieis und In. Auch falisk. magisireis. 

Anm. 4. Das deivos der Dvenosinsckrift hat man wiederholt fur nom. 
plur. erklart (zuletzt Conway The Amer. Journ. of Phil. X 452). Es war 
Yielmehr wol loc. plur., s. § 357. 

Air. VixE ezch ‘'equE, celi ‘"Genossen"' (m-St.) aus ^-«7; 
gall, noeh -ef, Tanotalihioi, S. I § 82 S. 77, § 657,4 S. 510. 

Im Germ, diese Ubextragung nux beim Adjectiy, got. 
hlinddi ahd. hlmte ‘^blinde^ (I § 661, 6 S. 522); got. hlmddi 
flir lautgesetzliches *blinda nach dem einsilbigen pdi (§ 263 
Anm. S. 617). 

B alt. -S lay. Lit. mlka% geri und gere-ji^ woneben s.I § 84 
S. 81 f. § 664,3 S. 526 § 671 S. 539, II § 406, Moxph. Unt. V 57 
Fussn. 1. Aksl. X)lue% novi 'novi^, ti (I § 84 S. 82). 

315, 2. a-Stamme. Uridg. "^ektids. Ai. dsvas^ ay. liaenA. 
XJmbr, uxtas ''oxtae'’ iuvengar ''iuyencae'’, osk. serif tas ‘'scriptae'’, 
marxuc. asignas etwa ‘'liostiae^; auf romischem Boden scheint 
diese Bildung in dem matrona auf zwei Inschriften yon Pisau- 
rum (C. I. L., I 173. 177) yoxzuliegen (ygl. I § 655, 9 S. 507). 



§ 315 .] 


Casusbildung der Nomina. Nom. plm*. masc. fern. 


663 


Air. nom. voc. tuatJui^ miiZi ‘'Frauen'’ (I § 106 S. 100 §657^6 S. 511). 
Got. gihos^ ahd. alemann, heho (liber ahcl. geia -a s. u.) ags. 
^iefa^ aisL gjafar^ urgerm. Lit. ra-Tikos. 

Im Altind. neben -cts im Ved. auch -'Usas, dsvasaSj wie 
bei den o-Stamnien (§ 314). Da dieser Ausgang bei den a-Stam- 
men viel seltner erscheint als in der o-Declination und im Iran, 
den a-Stammen iiberhaupt fehlt, so scheint er von den o-Stammen 
iibertragen zu sein. Dass in der (7-Declination -asas ein paar 
mal auch mit Accusativbedeutung auftritt (Lanman Noun-Infl. 
p. 363), erklart sich daraus, dass bier Nom. und Acc. von Haus 
aus denselben Ausgang -as hatten. 

Das Griech. und das Lat. hatten -ai, beim Nomen und beim 
Pronomen: gr. /dipag Tag lat. equae, istae (alat. inschr. tabeJai 
daiai u. dgl.). Wahrscheinlich waren diese Formen nicht neu 
gebildet nach dem -o? der o-Stamme, sondern die idg. Dual- 
formen, die mit Ulicksicht au£ dieses -o? Um'W'ertung erfuhren, 
s. §2SG S. 643. 

Althochd. gehci -a und sippe sippeci sippid -(a (/a-Stamm) 
hatten ihren Ausgang vermutlich von den i- 7^-Stammen (wie 
guiinne^ gutinna -a) iibernommen, die ^-{es als Grundform hatten 
(§ 316). Noch ehe ("'-{a) = urwestgerm. *-ipz zu -e wurde 
(Braune Ahd. Gramm. § 58 Anm. 1), iibertrug man -ci (-a) auf 
die {-losen 7-Stamme und stellte spater von diesen aus -d {-a) 
bei den 7-Stammen wieder her (vgl. Braune a. O. § 209 Anm. 3). 
Vgl. dieselbe Formiibertragung im acc. sing. § 213 S. 548 und 
im gen. sing. § 229 S. 572. Im Ags. fand die umgekehrte Ver- 
allgemeinerung statt^ indem nach ;^iefa sihha — got. gihos sihjos 
auch pjdenna gesprochen wurde. Der idg. Ausgang -Zis im 
Ahd. noch im Pronomen, deo dio == ai. tyas, 

xlltkirchensl. rqiaj und zmije [zmija ‘'Schlange'’) waren 
acc. plur. (§ 327). Anlass fiir diese Neuerung mag gewesen sein, 
dass die alte Form des nom. plur. ^ronkds nach Abfall des 
(I §5SS, 7 S. 446) der Form des nom. sing, [rqka) gleich ge- 
worden war, und begiinstigt wurde die Neuerung dadurch, dass 
im Sing, so oft Nom. und Acc. gleich lauteten (im Buss, wurden 



664 Casusbildiing der Nomina. Norn. plur. masc. fern. [§ 315—317. 

seit dem 13. oder 14. Jahrh. auch die masc. Acc. auf -y als 
Nom. gebraucht). 

316, 3. i- ?:e-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Uridg. wol 
^hhf§Ji 7 ^i{i)ies. Lat. facies. Ob air. msi hierher gehbre [-i 
aus ^■~n[s] mit t aus e), ist zweifelhaftj s. § 229 Anm. 3 S. 572. 
Ahd. gutmiie^ jiinger -inna -a^ s. § 315, Lit. z&mes. 

Im Arischen eine doppelte Neubildung. Ai. ved. IrliaUk 
av. hareniis mit der schwachen Stammform wie im acc. plur. 
(§ 32 S), wodurch ein dem Verhaltniss diva : dsvmn : nom. acc. 
dsvds gleichartiges [hrhati : hrhatim : briiatifj geschalFen wurde. 
Daneben ai. hrhcityds ved. -iyas [hrliatyds in der nachved. Zeit 
allein iiblich) und av. harentyo^ daevyd lies dcieviyd ‘'Teufelinnen^ 
nach der Weise der I- ^-Sttome (§ 323), vgl. nom. acc. du. 
ai. hrhatydu § 2S7 S. 644. Einmal im Av. hdmmyA 'lucidae^, 
gewiss nicht die directe Fortsetzung des vorar. sondern 

nach der ^a-Declin. (§ 315). 

Die Bildung nach der m-Declin. auch im Griech., cpspoooai, 
German., got. frijmdjds ags. ^ydenna (s. § 315), und Lit., ve- 
ianczios. Vgl. S. 526 Fussn. 1. 

Altkiichensl. zemlje vezajie Accusativformen wie rqhy 
zmije (§ 315). 

317. 4. ^'-Stamme. Uridg. ^ouei-es. Ai. dvay-as, t7*dy-as 
‘^drei^ ; av. azay-d^ tray-d mit unurspriinglichem d. Armen, ereli 
^drei^ aus ^tref-es^ s. § 313 S. 660. Griech. att. aus '^-£(i)-£;; 
ion. att. tpsT^ lesb. Tp% kret. Tpseq. Lat. oves turres tres^ umbr. 
puntes "^pontes^ pacrer ""propitiF, -es aus '^-e{ifes I § 134 S. 122. 
Air. fditJf tri^ s. u. Got. a7isteis preis, ahd. ensti dn (I § 142 
S. 126 f.). AksL pqtfj-e pqtij-e m, (I § 68 S. 61, § 146 S. 132). 

Arisch. Vereinzelt auch -i-as. Ved. a7p-ds [aid- hegsam, 
begierig, fromm""), vgl. acc. plur. und gen. sing. a7'y-ds] dazu 
vrsty-as (Maha-Bh.) von ‘'Regen^. Av. fravasyo neben fra- 
vasaydj weibliche Genien. 

Welchen Ausgang armen. sirtM (vgl. § 313 S. 660) hatte, 
ist zweifelhaft. 

Griech. Allgemeingriechisch blieb *-ei-es in rpeli; (s. o.), 
doch wuide herakl. acc. tpl; (§330) auch als nom. gebraucht. 



§ 317 — 318.] Casusbildung der Nomina. Nom. plur. mase. fern. 


665 


Beim Substantiv ausser im Att. -tec, ocpts; |3aaic;, nach den t~ 
^V^Stammen wie ttoAis; (§ 323) , xgl, den gen. sing, ocpto; § 231 
S. 574. tjber homer. tcoXt^cc § 260 S. 612. 

Italisch. Im Lat. -Is neben -es^ otls oteis, was ich fiir 
die Form des acc. plur. {§ 330) halte. Das Schwanken zwischen 
-es imd IS konnte leicht eintreten, nachdem im acc. plur. -es 
nach der Analogic von pecl-es neben -Is getreten war. Wie 
osk. aidilis ‘'aediles^ mit -is = -is aufzufassen ist, bleibt bei der 
Dilrftigkeit des Sprachmaterials zweifelhaft. 

Air. trl (cymr. ii'i) lasst sich aus '^tre[j)es so erklaren, dass 
schon in urkelt. Zeit -ee- zu -e- geworden war, aus dann 
lautgesetzlich trl (I § 74 S. 65), ferner auch so, dass '^-ees iiber 
'^-eis '^-iis *-ls zu -I wurde. Weniger wahrscheinlich ist mir, 
dass "-ii-es zu Grunde lag oder dass die Form acc. plur. war. 

Balt.- Slav. Lit. ncihiijs trys kann aus *-if-(e)s gedeutet 
werden, wie simus aus '''-zm-(e)s^ aber wie kamen diese voraus- 
gesetzten Endungen, die schwerlich als altiiberkommen gelten 
diirften, zu Stande? Durch Eindringen des ^ und u fiir e und 
a (denn *-eu-es ware zu -a 2 i-(e)s geworden, I § 68 S. 60) aus den 
andern Pluralcasus? Aksl. nosti (fern.) war Form des acc. plur., 
wie fern. raZp § 315 S. 663. 

318. 5. -z^-Stamme. Uridg. * sunezc-es. Ai. swidv-as^ av. 
lazav-o. Gr. ion. att. TzrfypK; f^ostc. Lat. ma?iu$ ist 

aus ^ma'nozi-{e)s {-ozi- aus -eu- nach I § 65 S. 53) deutbar^), 
vgl. aber unten. Air. mogH [mug ‘'Diener^j, acorn, licliou ‘^die 
Sumpfe"*, gall. Lug ores; "^-eu-es wurde zunachst zu *-ou-es nach 
1 §66 S.56f., hieraus im Ir. ^-o{u){[s)j im Brit. -ou. Got. sun- 
jus aisl. syzier synir aus urgerm. (I §179 S. 158, §660,1 

S. 527). Aksl. synov-e (1 §68 S. 60). 

Arisch. Im Ved. zuweilen -v-aSj wie sata-krat'o-as ""hun- 
dertfach wirkende^, entsprechend av. ydtv-d ""die Zaubererb vgl. 
acc. plur. ai. -v-as av. -v-d neben -un -us^ -iis (§ 331), gen. sing, 
ai. -v-as av. -v-d neben -os -aos (§ 232 S. 576). Tiber die Neu- 


1) Die Synkope des e der letzten Silbe ware spater vor sich gegangen 
als die Contraction der beiden e von '*oiii^ei\-es f§ 317;. 



666 


CasusbilduDg der Xomina. Nom. pliir. mase. fern. [§ 3 IS— 319. 

biklimg ay. danhat-o = apers. dahycw-a ^Lander. Gegenden" s. 
§261 S. 613£ 

Welchen Ausgang armen. zardU (vgl. § 313 S. 660) gehabt 
batte. ist fraglich. 

Lat. manus (s. o.) kann aiich als Form des acc. plur. be- 
tracbtet werden. Dieser Gebrauch der Accusativform ware eine 
Folge gewesen von nom. oves : acc. oves^ nom. ped-es : acc. ped-es, 
mams hei Plautus batte metiische Kiirzung wie cams u. dgl. 
(§319). 

Germ. Got, mans abd. man ags. ""Aliinner^ aus '^maim-iz^ 
wie gen. sing. got. mans (§ 232 S. 577). Abd. siti nacb der 7 - 
Declination. 

Lit, sunus wie nZiktys^ s. § 317. S. 665. 

319. 6. Nasalstamme, 

a. 7 ?-Stamme. Uridg. '^k[ic]'iion--es ‘^canes^ Ai. svan-as, 
ay. spdn-d] mit Einfiibrung schwacher Stammform ved. ma- 
gliomas neben maglidvamas "^die Spend eFj av. asdumo neben 
asasan-o ‘^heiligCj £Iomme^ Armen, mnk^ akcmk akimJc, eXmJc 
"die Hirsche'* (ygl. Bartbolomae Bezzenb, Beitr. X 294), s. § 313 
S. 660. Gr. 7.6 v-ec fiir %.oov-s; %ov-£^ (vgl. y.uva § 218 S. 551), 
tr/Tov-sc 7:oia£V-cC, t:£o&y]v-£c; apv-£; wie y.6v-£c. Osk. 

bumiin-s (u in der letzten Silbe) "homines^, ygl. lat. homdn~es 
imd umbr. liomon-us "hominibus^ mit -dn~ § 114 S. 330. Air. coin, 
dram. Got. guman-s^ abd. gomon gomim\ ags. ccxen exen aisl. 
yxn "Ocbsen^ aus ’''uysn-iz (ai. uksdn-as) wie nord. run. cloktr-iR 
§ 320 ; got. tuggm-s abd. zimgim\ zum Stammsufbx in abd. gomon 
gommi., zungtm ygl. Streitberg Paul-Braune’s Beitr. XIV 218 IF. 
Lit. szun-s wie gr. z6v-£c, dkmen-s. Aksl. jeleme "Hirsche^, dme 
"Tage^ mit schwacher Stammform (§ 114 S. 335), "Lands- 

leute' (§ 115 S. 340). 

Avest. aucb -a statt -a, xsafn-a "Nacbte^, s. §314 S-661. 

Im Lat. wurdehier, wie in alien folgenden Stammclassen, 
in vorbistoriscber Zeit das alte ^'-es durcb den Aus^ano: -es der 
t-Stamme(§317) ersetzt: can-eshomm-es eddn-es. Dadurch erreichte 
man formale Trennung vom gen. sing., veranlasste aber Ein- 
klang mit dem acc. plur.; vielleicht waxen aber, als unsere 



§ 319 — 320.] Casusbildung der Nomina. Nom. plur. masc. fern. 


667 


Foxmiibeitragung stattfand, -es = *-e{i)-es und -es — ^-7is noch 
nicht zusammengefallen. Reste des idg. -&s zeigen qiiaffuor und 
vielleicht foo'is (§ 320). Bei den plautinischen Messungen wie 
caMs turbines handelt es sich um metrische Klirzung wie bei 
7ncmus §318 (s. A. Spengel Reformvorschlage zur Metrik der 
lyr. Versarten bei Plautus 309 ff.) ; altes '"-es miisste als -is er- 
scheinen wie im gen. sing. 

Balt. -Slav. Im Lit. sztm-7js der z-Declination (§317) 
neben &zioi-s. Ebenso aksL hame7i-ije -ije [kcmieii-e ist nicht 
belegt) und din-ije -ije neben din-e. 

b. w-Stamme. Ai. hsam-as von Mmn- ^Erde''; gr. /bov-s; 
fiir ‘‘'ybojj.-s; (I § 204 S. 173) avoI nicht belegt. Av. zbn-a zu 
zijd ‘'Mhnter frost’ (schwache Stammform statt starker und -a fiir 
-b^ § 314 S. 661), gr. yyjv-z::, ‘'SchneegestobeP fiir ^/lon-s; (I § 204 
S. 173), lat. liiein-es [-es fiir -es^ s. o.). Vgl. § 160 S. 452 f. 

320. 7. r-Stamme. Uridg. '''7ndte7'-es^ dbtoi'-es^ ^qe- 
tuor-es ‘'quattuorb Ai. ‘matdr-as dcitm'-as^ inafm'-b datdr-d \ 
ai. catedr-as 2 ev. capicdr-b^ woneben fem.ai. cdtasi^-as av. catam'-b 
gleich dem ai. tis7^-ds f. ^dre^ mit unurspriinglicher schwacher 
Stammform, Avie aus ax. tisar-b und air. teoh'^ cetheoira cetlieo^'a 
(mit -a nach m7ia etc.) erhellt (§167 S. 470).^) Armen. 7na7dij 
dsterU ‘'Tochter^, co7'lj "^quattuoP, durU "^Thiiren^, s. § 313 S. 660. 
Gr. pr^T£p-£; &oyat£p-£? horn. dv£p-£c; (horn. OdyaTp-o^; horn. att. 
dvop-s? Neubildungen) , oa>Top-£c; 6oT-/jp-£;; dor. rirop-c; ion. 
T£aa£p-£c, mit schwachen Stammform en att. XETTap-s; lesb. Trdaop-sc;. 
Lat. quattuo7\ osk. keenzstur ce7istur ‘'censores^ umbr. fra ter 
7ratres'' (A^gl. Anm.) mit -r aus -r[e)s nach I § 655, 9 S. 508. 
Air. matliii\ cetliii^ fern, teoh' (I § 657, 5 S. 510 f.). Ahd. 7nuote7\ 
nord. run. doht7'-iR aisl. dot?' ags. deliter ‘'TochteP wie horn. 
boYarp-s?; Jidvor (d wol aus dem neutr. iibertragen) ahd. 
jioi' ‘'quattuoE (§ 168 S. 471. 472); ahd. turi f. ""ThiiP war Auelleicht 
urspxiinglich ein nom. plur = ai. dih'-as^ -i = '^-is ’^-es nach 


1) Das Eindringen der scliArachen Stammgestalt in den Nom. erklart 
sick daraus, dass Singular- und Dualcasus fehlten und der Nom. mit der 
starken Stammform allein gestanden hatte. 



66S 


Casusbildung der Nomina. Nom. plur. mase. fern. [§ 320 — 321. 


I §661,2 S. 519 f. Lit. moter-S] aksl. datel-e ‘"datores"’ (§122 
S. 365), cetijr-e m. ""quattuor". 

Avest. nar-a neben nm^-d u. dgl., s. § 314 S. 661. 

Italisch. Vielleicht hierhei auch lat. foris f. ^Thiir^, da 
diess UTSpriinglich ein nom. plur. von for- gewesen sein kann, 
gleichwie ahd. turi (s. o.); andernfalls miisste man annehmen, 
zu for-es sei nachtraglich ein sing, fori-s neu geschalFen worden 
nach oves : ooi-s, mdtr-es dator-es nach. der ^-Decl. , s. § 319 
S. 666. 

Anm. Neben frater f rater im Umbr. einmal frateer tab. Vb 16. 
Kaum Trie gr. (neben cppfeops^ cppatspec) oorijp-sc (§ 120 S. 356), ob- 

wol das AVort auch im Umbr. nur in der Bedeutung '^Genossen’ erscheint. 
Denn 1. steht in Z. 11 frat.er\ der 5. Buehstabe ist ausgekratzt, war wol 
und es scheint demnach, dass ein zweimaliger Irrtum nur an der einen 
von beiden Stellen beseitigt wiirde. 2. stehen neben unserer Nominativform 
gen. fratrom und dat. fratrus, eine Stanimform frater- ware dock wol durch 
alle Casus durchgefuhrt worden wie die Stammformen auf -tor- [ars-fertur- 
'flamenA Dass ein alterer umbr. nom. plur. Dehnung des e erfahren 
habe, um diesen Casus vom nom. sing, zu unterscheiden (Biicheler Umbr. 
p. 180. 191), weiss ich nicht zu rechtfertigen. Ich halte also jenes frateer 
fur ein Versehen. Die Dorm frater kann aus fratr-(e)s (vgl. lat. fratr-es] 
gedeutet werden, Tgk ager aus I § 655, 9 S. 508. 

German. Got. hrdprjus nach stmjtis infolge des Neben- 
einanders von Iroprum vcndisunmn (§ 122 S. 364). Ahd. bruoderd 
-a und tolitercL -a (vgl. Eiaune Ahd. Gr. S. 171 f.) nach den 
0- und den a-Stammen (§314. 315). 

Altkir chensl. materi nach der eUDecl. (§317 S. 665). 

321. 8. Stamme auf Ver schlusslaute. 

Uridg. ^ hhifhont-es. Ai. hi'hdnt-as^ av. ber^zant-o. Gr. 
cpepovT-Sf;. Air. carit. Got. frijond-s ahd. friunt. Aksl. vezqHe fiir 
"^vezqte^ das i aus den Casus mit vgl. vezqsti § 219 S. 552. 

Im Lit. zeigen die Tzz^-Participia eine doppelte Formation. 
In den einen Miindarten vezantys nach der ^-Declin. (vgl. dial. 
dkmemjs neben dhmens u, dgl.); in den andein (Hochlit.) vezci^ 
das kaum etwas anderes sein kann als die Form des nom. acc. 
neuti. (vgl. § 225 S. 561, § 342); wie diese aber zu solchei Func- 
tion kam, ist noch unklar (vgl. Joh, Schmidt Kuhn^s Zeitschr. 
XXYI 362 f. und Pluralb. 162 f.). 



§ 321 -^ 322 .] 


Casusbildxmg der Nomina. Nom. plur. masc. fern. 


669 


Gr. vu'/T-s;:, got. naht-s ags. mht ‘'Nachte^ Ai. dasdt-as lit. 
deszimt-s aksl. deset-e ‘'Decaden'* (vgl. § 174 S. 483). 

Ai. lardd-as ‘'HeTbste^ Gr. cpo^fdo-sc. Air. dmid ‘^druides^ 
Ags. hnit-e {-e = urgerm. ^-iz) zum acc. sing, linii-u ''Niss'' 
,'§219 S, 552), ebenso ags. hnijt~e ‘'Niisse^ = aisl. Jinet-r. Uridg. 
''pod-es ‘'Flisse'’ : ai. pcid-as^ armen. ot-Jc Vgl. § 313 S. G60), gr. 
tjjZ-zz, ags.y^?^ aisl./^^-r nrgerm. ^fot-iz^ vgl. § 160 S. 450. 

Ai. umj-as ‘^die verlangenden^, av. mipro-druj-o ‘^die den 
Mi{)ra beliigenden\ Gr. {jisipay.-sc, oproy-s^ opToy-s;. Air. 7ia- 
th'ciig "^Wassexschlangen^. Ai. spdl-as av. spas-d “"die Spaher, 
Aufseher^ (lat. au-S 2 >ic-es). Ai. vdc-as av. vcic-d^ gr. (lat. 

toc-es], Ai. rcij-as air. I'tg (lat. reg-es] got. (I § 74 S. 65), 

idg. ^reg-es '^Herrscher^ Osk. medix ‘^meddices^ aus "^med-dih-es, 
vgl. -lat. ju-dic-es imd ai. dil-as ""Richtungen , Andeutungen, 
Vorschriften". Air. hdg ""Berge^ got. haio'g-s ahd. hurg ags. byr^ 
‘^Burgen, Stadte^ av. har^z-d oder ber^z-d (nach den iiber- 
lieferten andern Casus erschlossen), vgl. § 160 S. 449. Ahd. 
liioh ags. bee ''Bucher'’, urgerm. '^hdk-iz. 

Ai. ap-as av. ap-d "die Wasserk Gr. yAm-^s; "Diebe^ 

Avest. auch -a statt -d, vac-a neben vde-d^ s. § 314 S. 661. 

Lat. -es^ fere7if-es lapid-es ped-es bihde-es vdc--e$ reg-es 
dap-es^ nach der ^-Declin., s. § 319 S. 666 £ 

322. 9. 5-Stamme. 

Uridg. ^ dus-menes-es, Ai . durma?ias-aSj av. duhrimiarBli- d . 
Gr. ovioiizvisq -£i?. — Ai. usds-as u^ds-as, vgl. § 220 S. 553. — 
Gr. fjLTjV-s; lesb. piTjvv-sc, (lat. mms-es^) air. mis^ vgl. § 132 S. 389; 
ai. 7 nas-as av. mdjdh-d "Monate'*, vgl. § 134 S. 398. 

Uridg. Compar. ^dk{i)ios~es "ociores\ Ai. dsJyqs-as^ zur 
NasaHeiung des Stammsuffixes s. § 135 S. 403; nachvedisch hie 
und da auch -lyas-as^ wie acc. sing, -lyas-am § 220 S. 553 £ Gr. 
r^oiooc aus '^-ro(a)-£;; mit schwacher Stammform horn. ttXssc kret. 

aus (§ 135 S. 402. 405). Aksl. slazddh vielleicht 

aus alter '^-is-es nach I § 5S8, 2 S. 444 ; das ^ konnte auch 

aus -si- entstanden sein, i aus den 7o-Casus, vgl. vezqste § 321 

S. 668. 

Uridg. part. perf. act. ^iieid^ios-es. Ai. vidvas-as (zum a 



670 


Casiisbildimg der Nomina. Norn. plur. niasc. fern. [§ 322 — 324. 

§ 136 S. 413), ved. iind nachyedisch zuweilen auch mit schwacher 
Form des Stammsuffixes -us-as^ vidus-as (vgl. ace. sing. § 220 
S. 554) ; ay. rndvriTdli-o. Aksl. rniriise analog dem slazdVse zu be- 
urtheilenj s. o. und ygl. auch den acc. sing, mirusi § 220 S. 554. 
tiber gr. sioot-sc § 136 S. 412. Lit. mire dem vezq (§ 321 S. 668) 
nachgebildet, ygl. nom. sing. 77iires : t'ezqs (§ 136 S. 413, § 193 
S. 531); daneben dialektisch -usys entsprechend dem -antijs. 

Uridg. ^mus-es ‘'muresk' ai. ^miis-as] gr. jjlu-s; und jxd-sc, 
letzteres nach den u- 2 «^-Stammen (§ 160 S. 455); ags. mys 
aisL 7nys-s. 

Lat. -es. degener-es lionor-es mms-es^ dcidr-es^ mur-es^ nach 
der 7-Declin., s. §319 S, 666. 

323. 10. %- eV- und u- m^-Stamme und Stamme auf 

-t, -I -#• 

Uridg. ""-mi-eSj z. B. ^'bhruu-es (nom. sing, "^'hhru-s 

‘"Braue"). Ai. dliiy~as ‘'Gedanken'’ ved. nadixy-as ‘'Fliisse''; hhrm- 
-as ved. Ivah'uv-as ''SchTyiegermiitter^ Im Av. ist ^-ii-es ver- 
treten durch die nach dieser Declination gebildeten Formen der 
7' 7^-Stamme, wie daevyd d. i. daeviy-d (§316 S. 664), ^-uu~es 
durch ia?z{u)t'-'d "^die Korper^ Gr. y.i-sc ttoXi-ec (zu ttoat-;), ocppd- 
£c 5-cc vsxo-s: (zu vsxu-;). 

Lat. su-es nach der 7-Decl., s. § 319 S. 666; vis (neben 
vires) nach dem gen. sing, vts § 233 S. 578 zu beurtheilen. AisL 
syr ‘'sues^ wie gen. sing, syr, s. § 233 S. 578. Aksl. hruv-i f., 
svekruv~i f. nach der 7-Declin. (§317 S. 665), 

Ai. gir-as ‘'Loblieder^ == '^gp'-es^ jncras “"feste Platze^ — 
*pU-es^ gbsdn-as ‘^Binder gewinnende^ = '^-snn-es. Vgl. § 160, 

4 S. 455 f. 

324. Einige Wurzelnomina auf 

Uridg. ^7idu~es ""navesL ai. nav-as, gr. va-s^ vrps;; vi-s^ (I 
§ 610 S. 463); lat. ndv-es nach der ^-Declin., s. § 319 S. 666. 

Uridg. ^goiq-es : ai. gav-as, gr. pd-sc, vielleicht auch mir. hai 
{ai und oi sind im Mir. vermischt); lat. bov-es wie 7 idv-es\ ahd. 
hiio ags. cy aisL hyr Neubildungen, s. § 199 S. 537 f,, § 221 S. 
554, § 238 S. 584. 



§ 324 — 325.] Casusbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fern. 


671 


Ai. ray-as ^Sehatze, Giiter^, av. raij-o. Lat. res aus '^re[i)-es 
Oder ital. Neubildimg. 

Accused, plur, masc. fern, 

325. Dieser Casus endigte im Uridg. irti Allgemeinen auf 
-ns. Den Ansatz yon -ms widerrat das Baltisehe, s. § ISO S. 519. 

1. Nach consonantischem Stammauslaut sprach man -ns. 
Hieraiis ar. -cts. armen. -5, gr. -ac, lat. -es unibr. -f^ got. -uns, 
lit. -is. S. I § 224 S. 194, § 232 S. 199, § 233 S. 199, § 23S 
S. 202, § 244 S. 204, § 249 S. 206, zu armen. -s aus ^-a[n)s 
auch I § 202 S, 171. § 651, 3 S. 499, zu umbr. -/ auch I § 209 
S. ITS und Duvaus iVufsatz (s. Fussn. 1\ zu lit. -is aus "^-{s 
auch I § 6G4. 3 S. 525 f. 

Auch die air. Endung -a. Tide in con-a ^'canes' aitJir^a, die 
Windisch Paul-Braunes Beitr. IV 215 von den c7-Stammen 
iibertragen sein iasst, und der gegeniiber das Gallische -as zeigt, 
Lingon-as Biturig-as u. a. (freilich nur bei rbm. Schriftstellern), 
wird man. so lange nicht die verschiedenen Entwicklungen 
des n ini Ir. ins Reine gebracht sind, als Fortentivicklung von 
^-7}s anzusehen haben. Vielleicht hatte sich ein aus dieseni 
entstandenes "^-ans als Auslautsiibe schon sehr friihe zu 
*-as entvrickelt, ivie ja auch '^-ils, die nachste Vorstufe des -u 
im acc. plur. der o-Stamme (§ 326), da es iiber ^-ds auf "^-ons 
zuriickgeht, auf sehr friihzeitige Einbusse des Nasals weist. 
Vgl. lat. pedes aus *-e7is gegen ensi-s (alter e 7 isi-s) I§20S S. 177. 

Bei den abstufenden Stammen, z. B. ai. ulddn- got. auhsa^i- 
""Ochse" zeigt das Altind. meist schivache Stammform, dagegen 
das Griechische meist starke. Die grossere Wahrscheinlichkeit 
ist dafiir, dass die ai. Weise die altertiimlichere sei (vgl. catur-as 
= \\i. ketio'-is gr. iiol. TJ.iop-az): doch ist diese Frao^e vorlaufe 

1] Bartliolomae Der arische acc. plur. masc. der t- , n- und r- 
Stamme, Euhn’s ZeitscKr. XXIX 483 ff. Curtius Der griecli. acc. plur.^ 
ebend. I 255f. O. Xeller Der Acc. auf is der 3. Decl. bei den august. 
Diebtern, Bbein. Mus. XXI 241 ff, L. Duvau Le groupe final a I’acc. 
plur. des themes consonantiques de Tombrien, Mem. de la Soc. de lingu. 
VI 223 fi. Stokes Der acc. plur. in den britischen Sprachen, EuhmSchlei- 
cher’s Beitr. VII 69 ff. 

Bragmrtnn, Grnndriss. II, 2. 


43 



672 


Casiisbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fern. [§ 325 — 326. 


noch eine ofFene. Da n im Ar. und Griech. zu a7i av wurde 
(I § 220 S. 195), so muss eventuell angenommen werden, dass 
ar. -as lautgesetzlich nur in Formen wie ai. tdkhi-as 'bhdrat-as 
bhrud-as entstand und von da aus sich auf tikhi-ds bi'hat-ds 
u, s. w. verpflanzt hatte. 

2. Dass die o-^ -z^-Stamme im Uridg. -o-7is^ -i-ns, -u-ns 
Fatten, ist nicht zwar wegen lit. gerus-ius (s. § 326), wol aber 
wegen ai. -as -dn^ -\t -m. -vr dexen langen Vocal wir 
doch wol fill mindestens uiarisch balten miissen (§ 327), un- 
sicher. 

Anm. Geht man nemlich von idg. ~dns aus (vgl. Hanssen NuFFs 
Zeitschr. XXYII 615, Bremer Berl. pFil. 'WocFenseFr. 1887 S. 502), so wiirde 
in den europ, SpracFen Vocalverkiirzung anzuneFmen sein nacF I § 611ff. 
-ons verhielte sicF einerseits zu -ns, wie im abl. sing, -dd zu dem -d von 
ai. md-d 'a me’ (§ 240 S. 578 f.), anderseits zu -ms -uns, wenn man aucF diese 
als uridg. betracFtete und nicFt als ar. Analogiebildungen nacF -ons (wie 
sicher das ai. -rr -ni und das av. -erqs der r-Stamme eine ar. Neuerung 
war), wie instr. sing. ai. vrkd zu ai. 7nat'l av. hdzu (§ 274 ff.) oder wie nom. 
acc. du. ai. vrkd zu dvt sfmu (§ 284 jff.). Man kann aber die ar. Formen mit 
langem Vocal aucF als ar. Neuschopfung anseFen: *-dns nacF dem nom. 
plur. auf -as unter Einwirkung des fern. acc. nom. plur. -ds] von den o- 
Stammen kam die Vocallange dann zu den i- und u- und weiter den r- 
Stammen. Vgl. BartFolomae Stud. z. idg. Sprachg. I37f. 

3. Die d-Stamme batten uridg. -as, wie im nom. plur. 
J. Schmidt^s Theorie, dass dieser Ausgang aus -dns hexvorge- 
gangen sei (s. I § 220 S. 190), ist unsichei genug. 

326. 1. o-Stamme. Uridg. ^yblgo-ns {^ulqons^ s. § 325). 

Ai. vrkcis vrkdn aus "^-dns (s. I § 647, 7 S. 496); vrkdnt vor 
entstand, wie man mit Whitney annehmen muss, aus -d?z s- 
durch Entwicklung von t als Ubergangslaut ^) . Av. velirkqn vehr- 
'kqs[-CQ), vgl. u. Arm. gail-s. Gr. kret. kuy.ov<; dor. boot, -me ion. 
att. dor. - 00 ^ lesb. -oi!;, daneben seit urgriech. Zeit -o? aus -ovc, 
s. I § 204 S. 172 f., § 205 S. 174. Lat. liqyds (I § 208 S. 177); 
umbr. alrof ‘'apros'' osk. feihiiss ‘'fines'' (I § 209 S. 178). Air. 
Uru, celiu ‘'socios" (I § 212 S. ISO f., § 657, 6. 10 S. 511 £., II § 325 


1) Vgl. Verf. Litau. Volksl. undMarcF. 289, BartFolomae Stud. z. idg. 
Spr, I 36 f. Die oben I § 557, 1 S. 413 f. vorgetragene Vermutung ist nicFt 
Btichbaltig. 



§ 326.] Casusbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fern. 673 

S. 671); auch inna (Artikel, ans hierherj aus "-dds^ 

alter in pratonischei Stellung (vgl. inna n- § 429). Got. 

tulfans aisl. ulfa. Preiiss. demans 'deos\ aksl. tlukij^ hraje zu 
Irafi "Eand' (I § S4 S. SO, § 219, 4 S. ISS, § 665, 4 S. 52S). 

Arisch. Da im Av. q sowol kurzes als auch langes nasa- 
liextes a darstellt (I § 21 S. 25, § 200 S. 169 £.), so ist an sich 
unklar, ob von alteiem '^-ans oder "^~dns aiiszugehen sei. Letz- 
teres suchen vih § 330 Anm. S. 677 als Vorstufe wahrschein- 
lich zu machen. 

Die av. Nebenformen telirlza gaf). veJirJcd sind wie die 
gleichlautenden des nom. plur. zu beurtheilen, s. § 314 S. 661. 
Ferner av. -ci, z. B. amelti *'immo^tales^ vermiitlich die Nomi- 
nativfoxm (= ai. amrtas. § 314 S. 660), deren Gebrauch als 
Acc. eine Folge des acc.-nom. velirka ^var (vgl. ai. acc. fern. 
-dsas § 315 S. 663); doch beachte man, dass auch im nom. acc. 
plur. neutr. -U neben -a stand (§ 33S). 

Die apers. Form mariiijd Alenschen^ ist bei der Unvoll- 
kommenheit der Lautbezeichnung in dieser Mundart (zu be- 
riicksichtigen ist insbesondere, dass nasalierte Vocale als solche 
nicht dargestellt wuxden, I § 200 S. 169 f.) und bei der duxch die 
Knappheit des Spxachmatexials bedingten mangelhaften Kennt- 
niss dex apexs. Auslautgesetze nicht nahex zu bestimmen. Vgl. 
auch § 314 S. 661 libex den nom. plux. martiyd. 

Im Westgexm. fungiexte dex Nom, als Acc.: ahd. tagd -a 
as. dagos ags. da^as (§ 314 S. 660. 662). Die gleiche Exschei- 
nung auch in den andexn Stammclassen, z. Th. in alien germ. 
Sprachen. Der Anlass zu diesem Synkxetismus mag gewesen 
sein, dass bei den Zi- und den ^e-Stammen ;§ 327. 32S) schon 
von alter ex Zeit hex acc. und nom. plux. gleichlaut end waxen. 

Lit. ziZhus (dial. tUlmns), gerils-ius 'dial. gerimsAus] und 
geriis, tils und tus (vgl. instx. sing. fern, td und id, iibex welch e 
Betonungsvexschiedenheit Bezzenbergex in s. Beitr. X 204 eine 
beachtenswexte Vermutung gibt); entspxechend \ei%. ^oi'lkus wad. 
ids [o == u mit dem gedehnten Ton). Da tjb exgang der lit.- 
lett. Lautgxuppe cms (idg. "^ons) in hochlit. Us nicht nachweis- 
bax, anderseits abex auch von einem lit.-lett. "-his '^-ons — 

43 * 



674 


Casusbildung der Nomina. Acc plur. masc. fein. [§ 326 — 327. 


idg. ^'-ons auszugehen unthiinlich ist, weil idg. zu -ans ge- 

fiihrt hiitte (I § 615 S. 466), so nehme ich an, dass das u d des 
Ausgangs ~'-ms (zur Verkiixzung lit. -u{n)s s. I § 664, 3 

S. 525 f.' aus andern Casus, zunachst aus dem loc. plui. aiif 
-usii -use (lett. -us] eingedrungen war. 

Anm. Im loc. plur., um diess gleieh hier zu erledigen, mirde der alte 
Ausgang ^-aisif "'^-esu = aksl. -ecliii ai. -esu (s. § 357) durch proportionale 
Analogiebildung zu -mu umgestaltet nacli dem ^-asu -osii der d-Stamme 
und dem ’^-{esu -esu der 7- ;?)e-Stamme, ebenso das = aksl. -ichu ai. 

-isu der 2 -Stamme zu -~isu [nahty-su ~se\\ rgl. loc. plur. ital. -os nach -as 

(§ 357], lat. istcjTum, equorum nacL. istaruia, eqiianim (§ 345), gr. du. v6p.cpd 
(fiir vup.',pai) nach Aur-co 2S6 S. 643). Dieser Process war sehr alt, wie 
lett. -us -is (neben -us -es) zeigt. b 33as o drang nun um so leicliter in 

den acc. plur. ein, weil zwisclien dem acc. plur. mit angehangtem -?ia (z, B. 

namus-na 'nach Hause’) und dem loc. plur. ein enger Bedeutungszusammen- 
Iiang bestand und die femin. Ace.-Ausgange -os -h [-ds-7}a -es-7ia) von 
Alters her langen Vocal batten. Das neu gebildete wirkte aber in 
dreifacher Weise weiter. 1. Dialektisch loc. vilkmise nach acc, viiJcuns 
i'iiku7is-7ia. 2. Das Zusammenfallen der o- mit den w-Stammen im acc. und 
gen, plur, (acc. dangiis 'caela’, -us == got. -U7is etc., gen. da7igu aus ^da7\gu-u 
§ 349] bewirkte die Neubildungen da7igus-7id und da7iguse, 3. Bei den a- 
Stammen mit lit.-lett. -as [-os] = idg. -as im acc, (§ 327) drang in die pronomi- 
naleDeclin. 7i ein: alit. und dial. (jetzt hochlit. -ds-es] 'has primasb 

"Wegen des loc. plur, lit. -yse lett, -is iiegt die Veiinutung nahe, dass im 
Lit.-Lett. mit dem *-672s der o-Stamme auch das *-i7is der i-, eventuell auch 
das ^-U7is der z^-Stamme Vocaldehnung erfahren batten. Directe Zeugnisse 
fur vorhistor. ^-ms ''-fms feblen. 

327, 2. a-Stamme. Uridg. ^ek'iias (vgl. § 325, 3 S. 672). 
Ai. dsvTis, av. haena. Lat. equds^ doch vgl. u. (2). Air. tuatJia^ 
mnd ‘'mulieres^, doch vgl. u. (2). Got. gihos^ ahd. alemann. 
heho^ ags. ^iefa^ aisl. gjafar. Lit, rankds^ ranhos-nd hn die 
Haude", lett. ruhas^ vgl, u. (1). 

1. IJbex ved. -cisas neben -as [araTdgamhsas von araTdgamd- 
‘'gewaxtig, sich daxbietend'*) s, §315 S. 663. 

Ahd. gehd -a und sig^pe sipped sippid -a sind wie die 
gleichlautenden Nom.-Foxnien zu beurtheilen, s. § 315 S. 663. 
Vgl. gutinne -mnd -a § 328. 


1) Auch lit. venu-liha dvy-liha scheinen solcbe proportionate Neubil- 
dungen nach try-lika, ketu7'i6-lika u, s. w. (mit nom, acc. plur. neutr. als 
erstem Glied) zu sein. S. § 175 S. 488. 



§ 327 — 328.] Casnsbildung der Nomica- Acc. plur, masc. fem. 675 

Dass lit. ra/Jcas nie einen Nasal hatte, wird daduich be- 
statigt, dass diese Form heiite auch in den 31imdarten gilt, 
die bei den o-Stammen -ims zeigen. Niir in der pronomina- 
len Declination findet sich -cms-es, als Neubildung, s. unten 
2. und § 326 Anm. S. 674. 

2. In den folgenden Sprachzweigen wurde idg. ~ds naeh 
dem Yoibild der andern Stammclassen durch eine Form mit 
-ris ersetzt, \vobei zweifelhaft bleibt, wie weit zuerst 
entstand und dessen d nach I § 6 i 1 ff. Yerkiirzung erfiihr oder 
sofort ins Leben trat. 

Griech. Argiv. kret. -avc, wie argiv. "AAs^avopaiav? kret. 

dor. boot. ion. att. -a;, lesb. -au. 
Daneben im Urgriech. -dj; aus -dvr. wie -o<; aus -ov? (§ 326 
S. 672). S. I § 2U4 S. 172 f., § 205 S. 1 74. 

I tab Umbx. citlaf Sdtuias^ osk. viass Vias^ (I § 209 S. 
17S;. Da diese Formen sicher aus entstanden waren, 

so ist lat. eq?jMS — ai. dlcds (s. o. S. 674) mindestens zM^eifelhaft 
(s. I § 20S S. 177). 

Altir. tuatha, mud lassen ebenso gut Herleitung aus 
als aus zii (I § 212 S. ISO £. § 657, 6. 10 S. 511 £). 
Gall, arttass ‘^Grabsteine^ (s. Stokes Bezzenbeiger's Beiti. XI 
115) wiirde fiir ''^-a7is entscheiden, wenn das letzte Zeicben 
des Woites [><] wirklich als ss zii lesen ist. 

Balt. -Slav. Preuss. gen7ia7is ‘'muli exes'* wie masc. deiwcms] 
diese foxmale Ubereinkunft bewirkte, dass man auch nom. plur. 
gennai nach dem masc. -ai bildete. Alit. und dial, phmans-es^ 
s. o. Aksl. rqkij zmije (zmija ''Schlange'*) aus urslav. ^-ms (I § 2 1 9 
S. 1S7 £, § 615 S. 466); wuxde die Neubildung exst vorgenom- 
men, als idg. a und o bereits zusammengefallen waxen, so waxen 
die End ungen -y -e von Anfang an denen der masc. vluJcy 
und kraj^ gleich. 

328. 3. I- {e-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Dex uxidg. 

Ausgang ist unklar. 


Ij Aucli musste es lett. "^ruhus heissen bei altem '*-ans. 



676 


Casiisbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fern, [§ 328 — 330. 


Ai. brJiaiU av. harentls, woneben hie und da ai. auch -iijas 
[-ijas) und av. -yd^ vrie bei den I- n-Stammen (§ 329). 

Ahd. gutirme^ -a und lit. zemes-na (‘'in die Lander'*) 

kernes sicher mit uispr. -%es^ Trie nom. plur. guthme und zemes 
(§316 S. 664). Denselben Ausgang hatte \^i. facies, wenn nicht 
'7is wie umbr. iovie[f) ‘'iuniores", das aus einem alien Abstiac- 
tum (wie \?il, p7'd-ge7iie-s^ § 111 S. 319) entwickelt zu sein scheint 
(anders Bechtel Bezzenberger’s Beitr. YII 4 ff.). 

Gr. oopodaa;, frijmcljbs^ lit. tezamzias^ vielleicht auch 
aksl. ze^nlje nach der ?a-Declin. 

Mehrdeutig ist air. msi. 

Anm. Haben wir fiir den acc. sing, richtig einen altererbten Ausgang 
neben "im angenommen (§ 216 S, 549), so darf man aucb an ein idg. 
im Plur. denken. Hierauf waren zurixekfiibrbar lat. facies , umbr. 
iocicf), aksl. ved. -iyas av. -yo. Dann kame auch in Prage, ob 

nicht gr. -uaN? -tav; aus -la; = idg. '^-ins umgestaltet waren 
nach dem Muster der ^’d-Stamme; das alte konnte noch durch die 

anteconsonantische urgriech. Nebenform des -(Oiav; vertreten sein ivgl. -a? 
neben § 327). 

329 . 4. 7- if- und u- ^^w-Stamme und St am me au£ 

-? -I -§■ 

Uridg. "^'-ii-^is *-tm-7^s, z. B. ^hhruii-T^s (nom. sing, ^hhru-s 
‘'Augenbraue^j. Ai. dlihj-as ved. 7iadiy-as^ bliruv-as ved. sva- 
sruv-as. Gr. v.iac TToXtac (zu TudXi-c), dopoa; vsy.oa; (zu 

V£xu-c); herodot. ttoAic zu roAt-? nach der 7-Decl. (§ 330)j horn, 
herod. att. dcppu^ horn, vsxu; nach der z^-Declin. {§ 331). Lat. 
sti-es] ms (neben vires) wie nom. plur. vis (§ 323 S. 670). Lit. 
zuv-is = 

Aisl. sy?' w^ar Nom.-Foim (§ 323 S. 670). Aksl. h^uv-i 
svekrtlv-i nach der 7-Declin. (§ 330). 

Ai. gir-as Xoblieder'* = *gp'~ns^ pih'-as ‘'feste Platze^ == 
^pll-^^s^ gb-sdri-as ‘'Binder gewinnende" = ^-sipi-iis, Vgl. § 160, 
4 S. 455 f. 

330 , 5. 7~Stamme. ^5i\A^,'^0 7ii--7is^'^tri-7is''Xi^i ^oyiins 
s. § 325 S. 672). Ai. masc. dvlr dvin^ dvmt s- wie vrhdnt 

s- § 326 S. 672; av. masc. azis^), vgl. unten. Armen, sh'ts^ mit 


1) Eine Nebenform auf -i scheint es im Av. ebenso wenig gegeben 



§ 330.] 


Casusbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fem. 


677 


Erhaltung des i eris ‘^tres^ (I § 202 S- 171;, Gr. homei. ot^; 
ion. TTpTjai; dor. boot. rpT;. Lat. turris oms t/'ls, auch turreis 
etc. geschrieben; umbx. avif ai:eif Wes^ trif treif ‘'tresb Air. 
faitJd^ trl. Got. gastins anstins prins , aisl. geste. Lit. 7iahfis 
Ms vielleicht aus einer Neubildung s. § 32G Anm. S. 674; 

aksl. pqti 7io§ti tri (I § 219, 4 S. ISS). 

Axisch. Im Ai. standen dem -m und dem -Tm der masc. 
i- und 2^-Stamme -is [ams) und -us [dhmus] bei den weiblichen 
gegeniiber, Neubildungen nach dtms (§ 327) und hrlmtis (§ 32S), 
wahrend im Av. in beiden Geschleehtern -Is und -m (fem. Isfis 
‘'Reichtumex'’, har^mus ‘^Hohen^j exscheinen. 

Anm. Ai. -ir , -Hr, -fr bei den i- , u- iind r~Stammen aus alteren 
'^-ins, *-^rots, Wir vermuteten I § 647, 7 S. 496, dass das -s trotz 

des unmittelbar Torausgebenden Nasals eine lautgesetzliche Wirkung des 
i- ti- und r-Lautes gewesen sei: der Nasal babe nach langem Sonanten 
vor nicht satzschliessendem -s fruher Reduction erfahren als nach kurzem, 
nemlich schon in urar. Zeit (vgl. I § 199 Anm. 1 S. 16S). Da nun das -s 
des ar. nerqs von dem Auslaut des ai. ufr nicht getrennt Tverden kann, so 
musste die av. Form ebenfalls aus ns, nicht hergeleitet vrerden, 

folglich ay. azls und hdzus, falls sie in der letzten Silbe einen Nasal batten 
Oder eingebiisst batten, aus und nicht und ^-uns. Die 

Vocallange im acc. plur. dieser Stammkategorien ware also als urar. ge- 
sichert. 

Nun lassen sieh die ay. -zs und -us der femininen und w-Stamme 
mit den ai. -7| und -id derselben Stamme lautlich identificieren , und man 
konnte annehmen (ygl. Bartholomae Ruhn’s Zeitschr. XXIX 483 ff., Stud. z. 
idg. Spr. 137 ff.), im Urar. sei das -s erst yon diesen -is -its auf die masc. 
Formen (auf -ns) iibertragen worden. Dann batten wir keinen Beweis da- 
fur, dass die ai. -7r -t{r -fr schon in urar. Zeit Ian gen Sonant besassen. 
Bedenkt man aber, dass dem ai. fem, 7ndtH im Ay. das nasalierte 77idterqs 
gegenubersteht so ist wahrscheinlicher, dass im Ay. auch die fem. -is -id 
einen Nasal enthielten und dass die ai. fem. -~is -us -fh specieli indische 
Neubildungen waren. Gab es aber im Urar. noch nicht diese Ausgange 
-Vs -us, so hatte das urar. -ns sein s gewiss nicht durch Formubertragung 
erhalten, und so gewinnt unsere Ansicht an Wahrscheinlichkeit, dass das s 
iautgesetzlich entsprungen war. 

zu haben wie ein -u neben -us bei den w-Stammen. S. Bartholomae Kuhnk 
Zeitschr. XXIX 486 f. 

1} Rigy. X 35, 2 zndtrn kommt bier nicht in Betracht, da es als ad- 
jectiyische Apposition mit masc. Substantiyen yerbunden ist: niatrnt 
sindhuzi gdrvatmi ^die mutterlichen Strome und Berge’* Die Form hat wie- 
derholt zu falschen Schlussfolgerungen Anlass gegeben. 



678 


Oasusbildiing der Nomma. Aec, plur. masc. fern. [§ 330 — 332. 

Haben Tvir also der iirar. Sprache ^-uis "^-nns , genauer 
ziiziischreiben , so batten aiich die o-Stamme sicher schon damals langen 
Vocal. 

Ai. ary as wie nom. aryds, s. § 317 S. 664. Av. gar ay d 
^BergV deutlich Nom.-'Foim, wie acc. gatar~d § 331 (vgl. auch 
Th. Baunack Stud, auf dem Geb. des Griech. etc. I 456 Fussn. 1). 

Griech. Horn, 'irdaiac lesb. xTTjaia? nach den 7- 7{-Stammea 
(§ 329^. Att. rpsTc; ocpstc pdasL^ waren Nom.-Formen. Ebenso 
die lat. Foimen auf wie turres, und die westgerm. wie 
ahd. gesti emti dr'i. S. § 317 S. 664 f. 

331. 6. z^-Stamme. XJridg. "^sunu-ns (^sununs^.^ s. § 325 

S. 672). Ai. masc. sunur suntm^ sunUni s- wie rrhcmt s- § 326 
S. 672 : av. masc. hdzuL Armen, zard-s. Gr. kret. oiov; ‘^filios'', 
bom. yivu?. Lat. mantis. Air. lithti. Got. stmuns ^ aisl. 

sunn sum. Lit. sunus^ dangus ‘'caela^, vielleicbt aus einer Neu- 
bildung ^-Uns, s. § 326 Anm. S. 674 ; aksl. sy7iy (I § 219, 4 S. 188). 

Arisch. Fern. ai. -Tis, dhetiics, wie fern, dms, ebenso av. 
-us^ har^mus ‘^Hohen^, wie fern. Vstis^ s. § 330 mit Anm. 

Ved. auch -v-as (m. und £.), wie pasv-ds "^pecora^, entspre- 
chend av. pasv-d ^ wie im nom. plur., s. § 318 S. 665. Av. 
gdtar-o ‘^Orte, Sitze, Throne^ deutlich Nom. -Form, wie garayo 
§ 330 S. 678; ebenso av. danlidv-d = apers. daJiydv-a, s. § 318 
S. 665 f. 

Griech. Horn. yXo'/iac herod. rdqyzai; Neuschopfung nach 
dem Nom. auf -ssc- Att. r.rfysiq waren Nom.-Formen (§318 
S. 665) gleichwie o^psic (§ 330). 

Umbr. kastruvuf castruo ‘^fundos^ von kastru- (vgl. osk. 
castrods § 232 S. 576) nach der o-Declin., wozu vielleicht der 
nom. acc. plur. neutr. auf -uva -uo und der gen. plur. auf 
"^-uvotn den Anstoss gaben. 

Germ. Got. ma^is ahd. man ‘^ManneF Nom.-Form (§ 318 
S. 666). 

332, 7. ?^-Stamme. XJridg. '^kun-7is oder '*k[u)tion^ 7 }S 
'^canes^ Ai. lun-as^ im Ved. neben uksn-ds auch uksdn-as u. 
dgl.; av. xsafn-d ^'Nachte^, urim-o und tirvm-d ’'Seelen^, spmi-d 
(auch -a statt -d, s. § 314 S. 661). Armen, akan-s akun-s. Gr. 



§ 332 — 333 J Casusbildimg der Nomina. Ace. plur. masc. fern. 67 9 

7 .'jv-ac apv-a:, Tr/.TOv-a; Tzoiaiv-a?, dY^v-ac ZEuifrjV-a^. Lat. carn-es. 
]iomin-es, edoii-es', iimbr. man-f ‘'manus^ zu lat. 7na7i~ceps (s. 
Diivau Mem, cl. 1. See. cl. lingii. YI 226). Air. co/i-a aj'7i-a. s. 
§ 325 S. 671. Aisl. orji-u ‘'Adler'* hjo/n-ii ‘'Baren'* {von hier und 
vom dat. instr. plur. :§ 3S4] aus traten diese Nomina in die n- 
Declin. liber) zu noni. sing. ahd. aro hei'o (aisl. Are aschwed. 
BJari noch als Eigennamen); diesen schliesst sich wahrschein- 
lich got- aidis/i'uns an, da so das iiberlieferte aalimnns 1. Cor. 
9, 9 scheint verbessert verden zu miissen, s. I S.^205 Fussn. 1 ^]. 
Lit. szun-h cLkmen-is. 

Griech. Im Kret. -ctv:; neben -ac, wie y.aptdv-avc (att. 
y.pci'rTova;), eine N^uerung^ die durch das Nebeneinander von 
-avc und -d; bei den d-Stammen (§ 327 S. 675) hervorgerufen 
Tvurde. 

Germ. Got. gimcuis ahd. goraon -un 'svaren Noni.-Formen 
(§319 S. 666). 

Aksl. kcmie/i-i nach der i-Declin. (§ 330 S. 677). 

333. &. r-Stamme. Uridg. 77icitr-7^is '^ddtr--iis oder 

mater - 7 X 8 '^ddtor-iis. Ai. usr-ds von ns dr- "Morgenrote", 
catui'-as m. cdtasr-as f. VierL av. mdta 7 '-d datdr-o ga|>. 

‘'patres" (auch -a statt d s. § 314 S. 661). Armen, mai'-s dster-s, 
Gr. ar^rip-ac, horn. OuYctTp-a; neben OuYCtTsp-ac, horn. att. dv3p- 
a? neben horn, dvip-a;; owrop-ac, dovi^p-ac. Lat. 77idtr-es^ da- 
tdr-es\ umbr. 7ier-f "dvopac, proceres'* (vgl. ma7i-f § 332). Air. 
aiiltr^ay s. § 325 S. 671. Got. li'dpr-mis ‘'fratres'', mntr-u7is 
‘'WinteF (in die 2 ^-Declin. iibergefiihrt), hierher vielleicht auch 
ags. h^ddr-u (neben h7'ddor %cmte7')\ vgl. nom. nord. run. 

doldr-in § 320 S. 667. Lit. 77i6te7'-is (dial.), ketur-is Suer'* (vgl. 
ai. catid-as gr. aol. viiGop-ac), dur-is ‘'ThiiF (vgl. gen. dm'-u § 351 
und ai. acc. du7'-as du/'-ds), 

Arisch. Im Urar. entstand nach den o-, i-. ?^-Stammen 

1) Liest man aulisuns (vgl. Bernhardt Vulfila p. LYII, Braune Got. 
Gramm. 3 § SO Anm. b § lOS Anm. 1), so miisste dieses als Keubildiing nach 
einem "^uhsiiin = "^uksii-mi js. § 384) betrachtet vrerden. Doch ist diese In- 
stmmentalbildung, ^venn sie auch einmal vorhanden ge'vvesen sein muss, 
ivol schon im Urgerm. durch Einfugung von -ii- beseitigt gewesen, s, a. O. 



680 


Casusbildung der Nomina. Acc. plur. masc. fern. [§ 333—334. 


ai. -rr -pi und av. -eras (einsilbig), dessen Aussprache 
nicht sicher zu bestimmen ist (ygl. Baitholomae Kuhn^s Zeitschr. 
XXIX 4S3): SiLpiffn, av. materqs nereis (vgl. Jackson Amer. 
Journ. of Phil. X 346 sq.). Im Ai. -rs im Fern., matfs^ Tvie -is 
-us. S. § 330 Anm. S. 677. 

Das pitaras des Maha-Bhar. (12924) war Neuerung infolge 
sonstiger Gleichheit des nom. und acc. plur. 

Griech. Kket. OcyaTsp-avc wie zap-dv-avc § 332 S. 679. 

Westgerm. Ahd. rnuoter fate?' a -a u. dgl. . as. wintar 
ags. winter u. a. waxen Nom.-Formen^ s. § 320 S. 667 f. 

Balt.- Slay. Hochlit. moteres nach den I- ^e-Stammen, 
wie auch nom. plur. moter-es (neben mot&i'-s)^ instr. sing, inoter-e 
(neben moter-imi) u. dgl. mundartlich vorkommt. Aksl. materi 
nach der i-Declin. § 330 S. 677. 

334. 9. Stamme auf Verschlusslaute. 

Uridg. ^hJirgh^t-7is odex ^hJirgliont-i^s. Ai. hrJiat-ds^ 
av. her^zat-o her^zant-d. Gr. cpspovT-ac (kret. [3aXXdvr-av^ wie 
xapiov-av? § 332 S. 679). Lat. ferent-es. Air. cairfa^ s. § 325 
S. 671. Got. tunp-u7is Mentes^ (in die ^^-Declin. iibergetreten), 
lit. dant-ls (vgl. gen. dant-u). — Lit. vezanezius aksl. vezqste 
nach der ?‘o-Declin. (§ 326). 

Ai. sardd-as ‘^Hexbste^ Gr. epoydo-a?. Lat. lapid-es^ umbr. 
capif kapi ‘'capides'* aus ^capid-f wie man-f (§ 332 S. 679). 
Mir. dniide {-e = -^a), s. § 325 S. 671. Ai. pad-ds av. pad-o 
gr. TToo-a^; l^X. ped-es got. fdt-uns Tiisse^ (§ 160 S. 450). 

Ai. usij-as ‘'die ve^langenden^ Gr. pstpax-a^ oproy-a?. Lat. 
hibde-es^ frug-es^ uvedox. fiif fri ‘'fruges, frumenta^ aus ^frlg-f 
(^ = ^^ s. I § 57 S. 47), falls es nicht mit Pauli zu lat. fi'it 
zu ziehen und auf zuriickzufiihren ist (vgl. § 161 S. 458). 

Air. nathracJi-a^ s. § 325 S. 671. Ai. vdc-as av. vac-d vde-o, gr. 
^OK-ac, lat. voc-es (§ 160 S. 450). Ai. rdj-as lat. reg-es^ air. ?'ig-a 
(§ 325 S. 671). 

Ai. ap-ds^ ved. auch ap-as, av. ap-d dp-b ‘'die WasseP. Gr. 
xXmTc-as. Lat. dap-es. 

A vest. Auch -a fiir -o, wie vde-a Voces'*, s. §314 S. 661. 

German. Qoi. frijd^id-s ahd. friunt^ got. menop-s ‘'Monate" 



§ 334 — 336.] Casusbildung der Nomina. Aec. plur. masc. fern. 681 

reiJc-s ‘^Herrscher'*, haurg-s ahd. hurg ags. Z/^rj waren Nom.- 
Foimen, s. § 321 S. 66S f. 

335, 10- 5 -Stamme. 

Uridg. dus -771671 es- 7} s: ai. dimiianas-as, av. dusma7iardli-o\ 
gr. ioa. docjjisvia; (att. Goaptsvci; war Nomin., § 322 b. 669)5 lat. 
dege 7 ier-es. — Ai. z^sds-as, Lat. Imior-es. — Gr. jjLVjv-a; lesb. 
avjvv-a;, lat. mms-es, air. mis-a (s. § 325 S. 671), vgl. § 132 S. 3S9; 
ai. ?nds-ds av. uiUTdli-d ‘"menses'*, vgl. § 134 S. 39S. 

Uridg. Compar. '^dkis-zis oder *dJh[i)7^os-7is, Ai. dslyas-as. 
Gr. horn, n/iac (kret. 7:)a'av; wie :icapTdv-av? § 332 S. 679) aus 
“nA-rjia-ai; (§ 135 S. 402. 405); att. Tjoiooc war ]S'om.](§ 322 S. 669). 
Lat. ocidr-es. Aksl. slazddhe nach der /o-Declin. (§ 326). 

Uridg. part. perf. act. *iieidus-7}s oder ^ziez^dzios-v-s: ai. 
zidus-as av. ziduh-o. Lit. ziilnis-ius aksl. zyw'uhe nach der zo- 
Declin. (§ 326). Uber gr. aiooT-ac § 136 S. 412. 

Uridg, ^y 7 ius- 7 xs ‘"mures"* : ai. miu^-as, nach nom. znus-as er- 
schlossen, lat. Tziur-es. Gr. |xoa; pd; Neubildungen nach ocppoa? 
ocppb; (§ 329 S. 676). Ags. 77igs aisl. 77iys-s waren Nom.-Formen 
(§ 322 S. 670). 

336. 11. Einige Wnrzelnomina. 

Uridg. ^ 72 du- 7 is ‘"naves"*: ai. 7idv-aSj gr. horn, vr^a; herod. 
vsac (att. vadc Neuschopfung wie vauv, § 221 S. 554), lat. 7idv-es. 

Gr. horn. ^Sd-ac, lat. hov-es: im Ai. neben dem regelmassigen 
gas im Rigv. auch gdzas (im Text unmetrisch gas], ferner gdv-as 
Taitt. Br. Dass ai. gds av. g& imd gr. pmc (Theokr.) nicht ein 
idg. "^gos fortsetzten, sondern einzelsprachliche Neuerungen nach 
dem acc. sing. (ai. gazTi etc., § 221 S. 554) waren, gleichwie att. 
poo; nach poov, halte ich trotz W. Schulze Kiihn^s Zeitschr. 
XXYII 429 und Meringer Zeitschr. f. d. osterr. Gymn. 1889 
S. 1019 immer noch (vgl. S. 401 Fussn. 1) fiir wahrscheinlich. 
Zii mir. bu bemerkt Thurneysen: „\Venn der nom. hai altes 
"'boi aus Hoii-es war'[§ 324 S. 670], so mag bu = Hus nach 
dem Muster ^Tiiogozies : mogus [mogH : mogii) gebildet sein.^‘ 

Ai. rdij-ds und ray-as ‘"Giiter, Schatze", av. ray-b\ ai. auch 
rds nach ram] lat. res aus ^re{i)-es -ezisl 



6S2 


Casusbildung der Nomina, Nom. Ace. plur. neutr. 


[§ 337. 


Nominat, Acciisat. plur, neutr. 

337. Als das Suffix dieses Casus erscheint bei consonan- 
tisch endigenden Stammen ~9 = ai. -i gr. -a (1 § 110 S. 106, 
Morph. Unt. V 52 ff.). xluch konnte man die idg. Ausgange -I 
und -u der i- und ^^-Stamnie auf und -u-¥9 zuxiickfiihren. 

Den Ausgang -a der o-Stamme identificiert man wol mit 
Eecht mit dem -a des nom, sing. fern. -), so dass z. B. ^Juga 
{= lat. Jug a) urspriinglich etwa Mas Gejoche^ bedeutete (vgl. 
hierzu § 158 S. 444 fi*.), eine Ansicht, der mehrere Thatsachen, 
wie die aus uridg. Zeit stammende Verbindung des nom. plur. 
neutr. als Subject mit dem Singular des pradicativen Verbum 
(Eigv. I 162, S sdrva ta . . . astu Mmnia haec sunto"", Horn. i 
43S s^iaaoto apaava ur^Aa), giinstig sind. Wenn so den ^)-Stam- 
men ihr neutr. plur. von den a-Stammen her gekommen ^yar, 
so ware auch moglich, dass die e-Stamme ihr neutr. plur. airf 
-~i aus dem nom. sing, der 7- j^-Stammen '§ 109 S. B13) bezogen 
hatten. 

Ehe diese Uberfilhrung in den Plural geschah, die die 
Neubildungen gen. J'ugdm ‘'iugorum'' loc. ^Jugo{s[u) hn iugis^ etc. 
zur Polge hatte, wird es aber bereits wixkliche neutra plur., 
solehe mit -a im nom. acc., gegeben haben. 

Bei den consonantischen Stammen findet sich neben den 
Formen auf ~d auch die blosse Stammform mit 3. oder 4. Hoch- 
stufenfoxm des Stammsuffixes als Casuscharacteristicum , wie 
"^dhernm — av. daman von St. *dhemen-. Dieses gleicht 

in seiner Bildung singularischen nom.-acc. neutr. wie got. na- 
ry, L, Havet La desinence des pluriels neutres, Mem. de la Soe. de 
lingu. IV 275 f. V. Henry Le nominatif-accusatif pluriel neutre dans les 
iangnes indo-europ.; Le Museon VI 558 ff. J. Schmidt Die Pluralbildungen 
der idg. Neutra, 1S89. Verb Zur Bildung des nom. acc. plur. neutr., Mor- 
phoL Unters. V 52 ff. Bartholomae Zur Bildung des nom.-acc. plur. der 
Gs-Stamme, Ar. Forsch. II 105 ff. W. Meyer Die Schicksale des lat. Neu- 
trums im Eoman., 1883. 

2) Ausser J. Schmidt Pluralb. S. 10 Fussn. 1 s. auch Windisch Curtius’ 
Stud, n 265, de Saussure Mem. sur le syst. prim. p. 92, Johansson Kuhn's 
Zeitschr. XXX 400 und Hanssen in den Commentationes in honorem Guilelmi 
Studemund, 1889, p. llGsq, 



§ 337 — 33S.' Casusbildung der Nomina. Nom. Acc. plur. iieutr. 


fiS3 


mT) ‘"nomen'* aus ^-7nd?i (§ 223 S. 556) iind singuiarischen nom. 
masc. fern, vrie gr. Tipjxmv got. (§ 192 S. 52S). Daher 

nimmt J. Schmidt an. dass aiich diese neutr. plur. einmal femi- 
nine Collectiva gewesen seien. 

Yerniiitlich war -a iiispriinglich nur bei einem Theil der 
consonantischen Stamme zu Hause iind wurde erst spater aucii 
aiif andre iibertragen. Zwischen av. dumqn iind ai. dJuwuoi-i 
av, ahaon-i waltete vermntlich ein ahnliches Yerhaltniss wie im 
loc. sing, zwischen ai. mui'dlidn imd murdlidnA mw'dlm-i (§ 256 
S. 609 f.); neben -on [-m) wird in der idg. Urzeit nicht bloss 
-on-o [-en-d] gestanden haben, sondern auch Formen mit schwa- 
cheren Stufen der Stammgestalt. 

338. 1. (9-Stamme. Uridg. ‘^iuga^, vgl. § 337, Ai. 

xed. yuga] xsapra Jiamaranci ‘'Schlachten^ juga\ 

umbr, veskla vesklu Smscula^ sup a aopo ‘'supina'’ osk. tere- 
menniii "^teimina^ comono ‘^comitia^ (I § 105 S. 99), Air. tn chet 
*"300^ = ved. t?'l iata^ trdfh ‘^Stunden^ 7iert 'Krafte^ u. dgL, vgl. 
u. S. 684; gall, vielleicht y.avtsva. Got. JuJca, [jo ‘^die^ (I § 659, 
1 S. 514, § 660, 2 S. 5 IS); ahd. S^erba", wonaeh Joh statt 
'Johhu (mit -tc noch ctmiiiii c%i7i7iu ‘^GeschlechteF, besonders im 
Ostfrank., neben cimni)^ as. ^.gs.fatu *^FasseF (I §661 S. 520 £.). 
Lit. hetunio-lika ‘^14^ pe7iki6-lika *^15^ (§ 175 S. 4SS), preuss. slaijo 
^Schlitten" zii sing. slaya-7i ‘'Schlittenkufe^ ivaido *^Thure^ [-o = 
-Cl wie ini nom. sing. fern. z. B. me7'go — lit. me^'ga '^Madchen'*) ; 
aksL iga. 

Arisch. Im Ai. seit ved. Zeit auch ytigmii, spater 

allein liblich, eine Neubildung nach 7idmd7i-i ‘'nominah Ebenso 
waren av. gaj). vlspeiag {mspa- Vir) yan yam {ya- Pron.) nach 
dem Ausgang '"^-dn der ?^-Stamme, z. B. liaxmmg ncmiagi -q7n 
{§ 340), gebildet, eine Neuschopfung, die auch im Yed. voi- 
liegen soil, z. B. tdpTisi pataidgtai ‘'gefliigelte Flammen"* Rigv. 
lY 4, 2 (Ludwig Bigv. lY 313, Bartholomae Ar. Forsch. II 157, 
Stud. z. idg. Spr. I 73). Den Anlass zu diesen Formiibertrag- 
ungen bot die Gleichheit des Ausgangs der plur. ai. ved. 7idmd 
av. 7id77ia {§ 340) und ai. ved. yugd av. xsap7'a. 

Im Av. auch -d, der Ausgang der e^-Stamme (§ 342), z. B. 



684 


Casusbildung der Nomina. Nom. Acc. plur. neutr. [§ 338 — 339. 


TispU. Ferner Formen aiif wie mspaih^ die gleichwie 

iiameuVs (§ 340) Instrumentalformen (§ 379. 380) gewesen zu 
sein scheinen, wenn auch ihr nominativischer Gebiauch noch 
nicht erkl^t ist (vgl. Baitholomae Stud. I 75). 

Im Giiech. -d, nach dei Analogie dei consonauti- 

scheu Stamme. Dass -a in Adv. wie '/pocpi] dor. zpocpd bewahrt 
gewesen sei. ist sehr unsicher; s. § 274 Anm. S. 625. Dagegen 
vermute icb -a in iTci-Trfiz-c, ‘'geiade dazu, absichtlich"* (schon 
Buttmann Lexil. I 46 verglich sttI Taos). Auch sind Veibin- 
dungen wie doovard sen ""es ist unmoglich^ noch Zeugen fiir 
altes -a, s. J. Schmidt Pluralbild. 32 if. und oben § 158 S. 444 if. 

Im Altir. gewohnlich -a, wie dligeda, nach Windischk 
glaubwiixdiger Ansicht PauFBxaune’s Beitx. IV 214 f. 231 eine 
Neuschopfung nach dem noni. und acc. plux. der a-Stamme 
[§ 315 S. 663, § 327 S. 675); als den Anlass hat man mit Thurn- 
eysen die Ubereinstimmung beim Axtikel, imia aus '^sen-das 
und aus ^sen-da (§ 428), zu betrachten. 

Im Lit. kann ausser den obigen Formen auch z. B. pihtd 
in tai piJetd ‘'haec mala (sunt)^ hierhex gehoren. Die Pluxalform 
musste mit der Singulaxfoxm (idg. '^-o-c/) zusammenfallen. 

339. 2. und ?<j-Stamme. TJridg. "^txia^, me dim 

‘^Siissigkeiten^, vgl. § 337. Ai. ved. mc% ‘'splendida, pura^, 
mddJiu, puru "^multa^; av. Jm-haodi ‘^bene olentia^, ‘^quae^ in 
cl-ca^ pouni ‘'multa^, gaj). vohu ""bonah Lat. trl[~gmtd). Air. trl 
tri] vielleicht auch mind insignia'', 7d?id ‘^Sternbilder^, s. unten. 
Lit. tnyiika *"13^ (vgl. 'keturio-lika § 338); aksl. tri^ wol auch si 
^haec^ zu nom. sing. masc. 6*7. 

Aiisch. Im Ai. seit ved. Zeit auch -Ini -un% trini hlcmi^ 
7nddliuni purUni^ spater allein iiblich, vgl. -dni § 338. Im Av. 
waxen als Paxallele zu mspmg (§ 338) Formen auf 

^-u denkbar; da das Av. fur die nasaliexten i- und u-Yo- 
cale keinen Ausdiuck hatte, so ist in der That moglich, dass 
sich solche Bildungen hinter Foimen vexstecken, die mit -t und 
-u geschxieben sind (Baitholomae Stud. I 73 f.). 

Im Griech. Neubildungen mit dem Suffix -d : Tpia^ lopia; 



§ 339 — 340.] Casusbildung der Xomina. Nom. Ace. plux. neutr. 


6S5 


horn, -/ouva lesb. ‘/ovva aus '^-/ovZ-aj horn. att. r^Ma, att. actT] 
r^aiarj (zui Contiaction s. Wackexnagel Kuhn s Zeitschr. XXV 272). 

Italisch. Neubildung mit dem Ausgang der o-Stamme: 
lat. tria maria^ genua cornua] umbr. triia ‘'tiia^ triiu-per trio- 
per her^j berva Verna"* vatiiva vatuvu vatuo (die Bedeutung 
dieses Woites ist unermittelt; . 

Im Air. war ^^ielleicht ^-ia -e (vgl. das Ital.) der regel- 
rniissige Ausgang der Subst. , mui'e ‘"maria"*. 

Anm. ,,Es kommen drei Bildungen vor: 1, ohne Endung, 'mind 
rind letzteres Tielleicht eher neutr. ^^-Stamm, wegen rendaih/, 2. mit -e : 
77iure\ 3. mit ~a (besonders mittelir.;, 7nora, remia. Leider stimmen alle drei 
Bildungen mit einem Blur, der beiden hauptsacblichsten Neutralclassen, der 
0 - Oder der s-St., uberein. Sicher Anbildung an die o-Stamme ist die Form 
mit -a, 7nora direct nacli dligeda, mind konnte alte Form auf -i sein, wie 
tn, aber ebenso gut"" Anbildung an die o-Stamme, Tgl. dliged neben jungerem 
dligeda. -e kann *-ia oder "^-ia sein, aber auch Anlehnung an die 5-Stamme 
'§ 343). Ich mocbte am ehesten -e fiir die genuine Endung der neutr. i- 
Stamme halten.“ Thurneysen. 

Die Adjectiva gaben die Neutralform auf, man gebrauchte 
im Nom. und Acc. die Form des Masc.-Fem., z. B. 7nathi {maith 
giity 

German. Got. prija ahd. do'iu nach den o-Stammen (§ 33S). 
Von gleicher Art vielleicht got. hniv-a ahd. kneo "Kniee"* (J. 
Schmidt Pluralb. 49). Ahd. Jihiu ^pecora"*, wenn es das gab 
(s. Braune Ahd. Gr. S. 171), lasst verschiedene Deutungen zu. 

340. 3. St am me, vgl. § 337. 

a. -on {-en] : av. daman naman. liaxmeidg {Jiaxman- Treund- 
schafF). Im Ai. ware das urar. -an mittelbar bezeugt durch 
die Formen wie patajdgan, s, § 338 S. 683, 

Ved. dliama ncmui,^ av. dama zeigen ein urar. -mZi, von dem 
unklar ist, ob es aus idg. "^-mo {^-me) oder aus idg. *-? 7 in (vgl. 
'^qetuf- V in § 341) hervorgegangen war; in jenem Fail ver- 
hielte sich urar. ^dhcmxi zu '^dlamidn wie lat. tei'mo zu gr. tipumv. 
S. § 223 S. 557. 

Anm. 1. Alid. liei'za und aiiga '§ 223 S, 556; kommen hie und da auch 
als Plur. gebraucht Tor. Gewiss nichts Altes, sondern, wie pluralisches 
daher, dass bei den o-Stammen, z. B. icort , Sing, und Plur. zusammen- 
gefallen waren. 



6S6 Gasusbildung der Nomina. Nom. Acc. plur. neutr. [§ 340 — 341. 

^n-d -on-d (-en-d) nui ai. und germ. : ai. dhaman-i dJidn-% 
got. hairton-a ahd. oberd. lierzon ^Herzen"* (ahd. friink. lierzun^ 
Ygl. Streitberg Paul-Braune’s Beitr. XIY 218 if.) mit Ersatz des 
~d = idg. -d diirck den Aiisgang der o-Stanime. Schwachere 
Stammgestalten in av. namen-i (e = ai. a, s. I § 94 Anm. S. 89 f. 
und Bartholomae Stud. z. idg. Spr. I 76 f.) asaon-i ‘"sacra, pia", 
gr. 7 :Cov-a appsv-a, und mit dem -d der o-Stamme ay. daqinan-a 
^Augen"* (wie manaidli-a § 343), lat. nomin-a. got. ^lamii-a ahd. 
oberd. herzon aksl. imen~a. 

xlii. anmami ‘"nomina"* konnte -d = idg. -9 oder auch -a, 
den Ausgang der c^Stamme, yerloren haben, doch ist sein nn^ 
das an das von gola ^faber"* gen. gohcmn (gall. Golanjiitio, alt- 
brit. Ortsname Gohannium) erinnert, noch unaufgeklart. 

Anm. 2. Thiirneysen wft die Erage auf, ob nicht gdbann- aus 
*gohamn- entstanden and der nom. goha dann nacbgebildet war; und ob 
nicht amnann- eine Umbildung von ’^anann- = "^anamn- durcb Wieder- 
einfiihrung des m war. Vgl. hierzu ai. hliTimna fiir hhiina , gr. dpvaat fur 
•^apaci 11 . dgl. (§ 117 Anm. 1 S. 344, § 361, Streitberg Paul-Braune’s Beitr. 
XR' 205f.). 

Ay. 7id77ie7its Instrum. -Form, wie vlspdis (§ 33S), s. § 379. 

341, 4. f-Stamme. Auf "^qetuor-d \izza[jo! sind zuriick- 

fiihrbar ai. catvar-i lat. qiiattuoi^ got. Jidvd7% die beiden letzten 
auch auf ^qehm% vgl. § 168 S. 471 f. ; hierher vielleicht auch osk. 
peto7'a mit unbekannter Quantitat des o. Schwachere Stamm- 
gestalten in gr. dor. tsrop-a ion. rijcfsp-a att. tstrap-a boot. 'rrsT- 
xap-a lesb. Triaop-a, osk. peth'o-pe^'t [‘peiiru-pe7''t]^ dieses osk. 
Wort mit dem Ausgang der o-Stamme. Air. ceiJm' war 'vyol die 
Masculinform ; die ‘"Aspiration"* des folgenden Wortes [cetJm chet 
‘"400"’) nach den wirklichen Neutr alfor men, trl diet etc. (ygl. die 
‘"Aspiration"’ als Zeichen des femin. Genus nach dem nom. sing, 
derfemin. 2 -Stamme, z. B. suit ‘"oculus ovis"*, nach Maass- 

gabe der a-Stamme). Denkbai ware auch, dass man nach dem 
neutr. t7~i ein ^qetrl geschaffen hatte, woraus cetJm\ 

Ein idg. ^qeliif- in gr. dor. xsxpm-xovTa '"40"’ u. s. w., s. § 
176 S. 489, § 17S S. 495 ff. 

Eine ai. Neubildung nach -dni -mi -zmi war -Tph wie 
hhartfni yon hJiartdr- ‘"Erhalter, erhaltend\ Vgl. § 224 a. S. 558. 



§ 342.] 


Casusbildung der Nomina. Norn. Acc. plur. neutr. 


087 


342. 5. Stamme auf Terschlusslaut e. 

a. ^^-Stamme. 

a. -7it: ay. mVzda'can ‘'mit Lohn versehene'* afsmmiivq ‘^Vers- 

zeilen enthaltende^, -an -a = urar. Yielieicht hierher 

axich das als nom. plur. masc. fungierende lit. s. § 321 

S. 66S; man beachtej dass idg. nach I § 615 S. 466 mit 

^-ont zusammenfallen musste, wenn das Yocalklirzungsgesetz 
alter war als der Abfall des -i. 

p. -7it-d. Ai. Rigy. gJii'tdmmt-i ‘'fettreiche^ sa7iti ‘^seiende^ 
in jiingerer yed. und in nachyed. Zeit glirtma^it-i sdnt-i lr}id7it-u 
nachved. dddant-i neben dddat-i ‘^gebende^. Gr. ^^aptcvr-a ospovr-oc. 
Lat. sile7it-a mit der Endung der o-Stamme, fe 7 'e 7 it-ia nach der 
?-Declin., wie fere7itmm § 352. AksL vezqsta als ?o-Stamm. 

Die ai. -mt -Zvat-i mogen die Yocallange erst nach der 
x^nalogie der Ausgange -an -d7i-i und -as -as-i angenommen 
haben, eyentuell ware diese Formiibertragung als eine bexeits 
in uridg. Zeit yollzogene zu betrachten und in diesem Fall ai. 
scmti == '^S7qti zu setzen. Ygl. ^qehf?- '^'perdge- nach ‘^tria^ 
§ 176 S. 4S9. 

Ay. savaTdhaitis ‘^niitzliche’ sa7'asca7itVs ^tropfende^ wie 7 id^ 
me7iVs § 340 S. 686, § 3 79. 

b. Ai. p7'atg-dhc-i ‘"retroversa". Ay. ast-i ‘"ossa". Seit der 
Zeit der Brahmana^s erscheinen im Ai. Formen mit einem Nasal 
in der yorletzten Silbe, denen ein solcher von Haus aus nicht 
eignete, Trie td-vrnti zu tid-zrt- ’'dreifach'', -hunti zu -Imt- 
""opfernd", -hlidnji zu -bhdj- ‘'theilhabend, betheiligF, hmdi zu 
hrd- ^Herz^ Dieselbe Erscheinung, schon im Rigy., bei den 
5-Stammen, Tvie 77id7ic{si Jiavfsi up a si (§ 343). Es hatte sich der 
Nasal yon den Formen auf -7iti der ?^AStamme und von asi- 
gqsi und ridvqsi, die aber selbst erst in urind. Zeit zu ihreni 
Nasal gekommen Tyaren (§135 S. 403, § 136 S. 413), analogisch 
ausgebreitet (yielieicht Tyar n auch in ddda?iti erst durch 
Ebertragung gekommen, Tvie in -rpiii etc.) und dabei fiir den 
Index sich ein Gefiihl von causalem Zusammenhang zwischen 
-i und yorausgehendem Nasal entTvickelt: denn schliesslich gab 
es uberall kein -i mehr ohne Nasal (ygl. auch -d 7 ii -mi -Zmi 

Brngmann, Gnmdriss. II, 2. ^4 



688 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


' § 342—344. 


-fill] ausser bei catmri. Bei clem Ubeigang cles Nasals au£ 
’^ma 7 iasi -vvar von Bedeutung, dass diese Form im Paradigma die 
einzige mit der Stammsuffixgestalt -as war. 

Anm. Die weit hergeholte Erklarung der Nasalierung in mdnasi, die 
nenerdings J. Schmidt Pluralb. 155 ff. 236 gibt, hat nichts Uberzeugendes. 

Gr. TuivrjT-a; cpuydd-a; apTcay-a. 

Lat. capit-a^ cord-a mit dem -a der o-Stamme, die Adj. 
ieret-ia discord-ia audac-ia victrlc-ia nach der i-Declin. 

343. 6. 5-Stamme. 

a. "^-os (^-es ) ; av. ma? 2 a von ma7iali- “"Sinn, Gedanke\ Hier- 
her vielleicht auch ags. lombor -ur XammeP calfur ^Kalber", 
s. J. Schmidt Plur. 149 fF. 

b. '-"^-os-dy nui lautgesetzKch verandert in dem einen gaf). 

var^cdhl{-ca) y. 32, 14 (vgl. ai. vdrcqsi] nach Baxtholomae^s an- 
sprechender Conjectur Ar. Forsch. II 105 ff. Mit analogischer 
Nasalierung ai. mcmqsi und mit einer ebenfalls auf analogischer 
Neuerung beruhenden, aber nicht speciell auf die Form des 
neutr. plur. erstreckten Nasalierung Compar. tisiyasi part, vid- 
vqsij s. § 342, Gr. fjO-im aus ^-i(o(G)-a tiotz 7]6-too? = ^-io(a)-ec;? 
Auch lat. bcim^-a [-a nach den o~Stammen) noch mit altiiber- 
kommenem -ids-1 Schwachere Stammgestalten in gr. ion. 
[X£vs-a att. {JL£VY] und, mit dem -d der o-Stamme, av. -aldh-a (d. 
i. ^-as-d)j z. B. maJiaTdh-a (wie daema7i-a § 340 S. 686), lat. 
ge7ier-a^ got. agis-a ahd. helbw [digs, cealfy'u) ‘^KalbeP^) 

(diese germ. Woiter auch in den andern Casus nach der o- 
Declin., vgl. lat. liolefhrum zu holer-a u. dgl.), aksl. sloves-a. 
Ob air. tige aus '^[s]teges-9 oder aus hervorgegangen 

war, ist nicht auszumachen. 

Ai. Jiavisi von hams- "'Opferguss'*, ayusi von ayus- Xebens- 
krafF. Gr, horn, vepa-a att. rspa. 

Genit, plm'A) 

344. So lange keine annehmbare Moglichkeit gefunden 
ist, das -XL der aksl. mater-u sloves-u u. s. w. als Fortsetzung 

1) Ahd. helhir aus "^kdWirii, ags. cealfrti aus ^hclWoru. 

2) Schleicher ~s~dm-s , Suffix dee gen. plur. in der idg. Ursprache^ 
Kuhn’s Zeitschr. XI 319 f. Osthoff Die Bildung des gen. plur. im Idg.^ 



§ 344.] 


Casusbildimg der Nomina. Gen. plur. 


689 


eines uiidg. zii exklaren, halte ich es mit Osthoff u. A. 

fur Trahischeinlich; dass die gnmdsprachliche Gestalt des Suf- 
fixes unseres Casus 'wax. Wie dieses ~om zu Stande ge- 

kommen war (s. Leskien Ber. d. sacks. Ges. d. Wiss. 1SS4 S. 104), 
lassen wir auf sick kexuken. 

Mit dem Auslaut der o-Stamme war - 6711 , je nack der Ge- 
staltung desselken, tkeils zu - 0771 , tkeils zu -e77i versckmolzen 
vgl. § 240 S. 5S7), eine Doppelkeit, die das Germanische fest- 
hielt^', wakrend sonst -d7n verallgemeinert wurde. Der Aus- 
gang der ^/-Stamme ersckeint ini Ar., Grieck., ItaL, German, 
und Balt, auf die consonantisck auslautenden sowie auf die 
I- n-, u- till- und die und ?;.-Stamme, umgekehrt im Slav. 
*--dm = -'ll auf die <?-Stamme sowie die cl- und 7- {^-Stamme 
libergetreten ; mit der Yer allgem einerung des -ii im Slav. vgl. 
die Verallgemeinerimg des -a des nom. acc. plur. neutr. im 
Grieckischen (§ 337 ff,). Der Process der Ausbreitung des -din 
~-e77i) mag bereits in uridg. Zeit begonnen haben. und dia- 
lektiscke Verschiedenheiten im Bereich der Uisprache konnen 
dazu mitgewirkt haben. dass -otti im Balt.-Slav. sick nock in 
solchem Umfang kielt, dass es spater in der speciell slav. Ent- 
wickiungsperiode zur Alleinherrschaft kam. 

Das Ital, und das Kelt, spielen in dieser Frage insofern 
keine Kolle, als urlat. -mi urir. lautgesetzlich ebenso gut 
idg. "^-0771 als idg. '"'-oTn gewesen sein konnen (in beiden Sprachen 
wurden lange Vocale vox -m vorhistorisck verkiirzt) und als 
die Quantitat des 0 in umbr.-samnit. und gall, -otti unbekannt 


Morpkol. Enters. I 207 ff. Bezzenberger Die Genitivendung -nam, in 
seinen Beitr. II 130ff. Ostboff Uber den gen. plur, der «-Declin., Mor- 
phol. Enters. II lllff. Bartbolomae Zu den ai. gen, plur. auf -In, 
-fin, -ni, Stud. z. idg. Sprachg. I 117ff. Breal Le genitif pluriel en latin, 
Melanges Benier,. 1SS7. p. 234. Forstemann Zur Gesch. altdeutseher 
Declination: der gen. plur., Xuhffs Zeitsclir. XV 161 ff. imit Nachtrag von 
Betters, ebend. XVI 3S5ff.;. Ostboff Der gen. plur. im German., Morph. 
Enters. I 232 ff. Mobl Histoire du gen. plur. en serbe, Mem de la Soc. 
de lingu. lS7ff. 

1'; Dem got. -ze in z-ze soli hkiscb -he entsprocben haben nach Deecke 
Bezzenberger' s Beitr. XII 340. 


44 * 



690 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


[§ 344—345. 


ist. Eventuell also stand das Slav, mit seinem -21 = idg. *-om 
nicht allein. 

Der uridg. Ansgang dei a-, und der 2 - ^‘d-Stamme ist nicht 
sicher zu bestimmen. Osthoff Morph. Unt. II 126 vermutet fiir 
jene Stammclasse -am. Jedenfalls war in beiden Classen, wie 
sonst, -m der Auslaut. 

Was die Vertheilung des -d?n und des -m im German, 
betrifft, so scheint das Schwanken zwischen beiden Endungen im 
Urgerman. au£ die o-Stamme beschrankt gewesen und in den 
andern Stammkategorien -dm allein iiblich gewesen zu sein. Im 
Nord. und Westgerm. wurde dann -em zuriickgedrangt (bis auf 
einige Reste, s, § 345), wahrend dieses im Got. nicht nur bei 
den o-Stammen verallgemeinert wurde, sondern auch in andere 
Declinationen iibergriff, z. B. gaste m. anste f. (^-Stamme), reik-e 
m. haurg-e f., suniv-e m., guman-e m. etc.; -0 = *-dm hielt 
sich in dieser Sprache nur in einigen fern. Classen, z. B. gihd 
sihjd frijdndjd iuggdn-d. 

Noch nicht sicher erklart ist das armen. Genitivzeichen 
-c (zugleich fiir Loc., Dat., Abl.) : gailoc^ srtic^ zarchic^ akanc, 
marc^ dsterg und dsterac. Bugge Beitr. zur etym. Erl. der ar- 
men. Spr. 47 f. vermutet in -q die idg. Locativendung -si mit 
der Postposition -en^ z. B. srtic = -i-si + en. Der Nasal von 
-en hatte aber bleiben miissen, es ware also eher an lit. -e 
(z. B. rankoj-e rankos-e § 264 S. 619) oder an ar. -d (av. loc. 
plur. auf -Iw-d^ § 356) zu denken. 

Den abstufenden consonantischen Stammen, z. B. "^pdter- 
'pater^, eignete von idg. Urzeit her schwache Form. 

345. 1. o-Stamme. Uridg. ^utqdm ‘'luporum^, *jugem 

hugoruni, vgl. § 240 S. 587. Im Ar. verhaltnissmassig nur noch 
selten (vgl. Hanusz Sitzungsber. d. Wiener Ak. 1885 S. 7 f., 
Bartholomae Stud. z. idg. Spi. I 47 £. 97. 117 ff.): ai. ved. vrkdm^ 
d^vam ‘"deorum"; av. mhrkqm. Gr. Xozmv: iiber dor. cpiXdiv (att. 
cpiXmv) s. Verf. Gr. Gr. ^ S. 126. Lat. verhaltnissmassig nur noch 
selten -om -um^ z. B. deum^ fabrum^ modnmi^ inschr. Itomanom\ 
umbr. pihaklu ‘^piaculorum^ proseseto ^prosectorum^, osk. Nuv- 
lanum ‘^Nolanorumh volsk. Velestrom "^Veliternorum^; dass der 



§ 345 .] 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


691 


Ausgang -om der ital. Sprachen idg. '^-om war, ist nicht sicher, 
s. § 344. Air. fer n-, cele n- ‘'sociorum^ aiis (vgl. I § 139 

S. 126 imd Nachtr. S. 566], Ogaminschr. maqa (vor Mailagni) 
; dass der kelt. Ausgang '^~om idg. ^-om war^ ist nicht 
sicheij s. § 344. Got. mdfe. hairdje Mer Hiiten^ mit ahd. 

tvolfo liirteo, ingleichen as. -o ags. -a aisl. -a ans ^^dm; ^-em 
im Westgerm. noch in as. kinda^ Hrodiertinga u. dgl. (Kogel 
Paul-Br. Beitr. XIV 114) nnd in as. usa afries. use hinse/, ferner 
nach Kogel a. O. ini Ahd. in Ortsnamen auf --inga etc.^ wo es 
als Genitivendung nicht mehr empfunden wuxde. Lit. miku 
(I § 92 S. 87). 

Arisch. Gewohnlich -cvnam\ ai. 'erkdnam devanlim^ im 
nachved. Sanskr. allein iiblich; av. eelirkanam (auf Verkiirzung 
des -a in der paenultima deutet das zweisilbige y^nqnqm d. i. 
y^nqnqyn Mex Morder^) ^), apers. hagZinam ‘'deox^lm^ Denselben 
Ansgang als Formlibertiagung von den ;z-Stammen her zeigen 
die a-Stamme {§ 346), iind es scheint, dass ex bei diesen im 
Uxar. zuexst aufkam, yielleicht um den gen. plux. vom acc. sing, 
zii scheiden. Die Foimen '^atma-bMs '^dima-hlikis '^citma-su 
liessen ^aimayiTm als ^atma-7idm empfinden und nach diesem 
Muster z. B. ein '^samct’-nam (ai. sencmam) fiir ^samcmi zu "^saina- 
hkis etc. schaiFen. Diesex Auffassxing (vg]. Hanusz a. O. 11) 
sind die exst in ind. Zeit aufgekommenen hhrii-yiam neben 
hhru-ihis^ g6-nam neben go-bhis^ nr- 7 iarrt catas'y-7idm neben 
‘nr-d)Ms catasr-hJiis, catur-7ia7n neben catur-hhiL sa7mam — *sad- 
ndm neben sadhhis giinstig, und sie wird weitex gestiitzt durch 
die gleichaxtige Neubildung im Westgexman.: (ahd.) gebb-7io 
(got, gihb) zu giho-m nach zu7igb7i-o neben zu7igbm (§ 346). Vgl. 
aueh § 229 Anm. 1 S. 570. 

Italisch. Im Lat. von altestex Zeit an auch die 

gewohnliche Form, z. B. luporum^ istbru77i, C. I. L. n. 32 duo- 
noro — boiibrztm^ eine Neubildung nach -arum (§ 346). Osk. 
Safinim ‘"Sahnorum, Samnitium'' Aiseziiim ^Aesexniorum^ (da- 


1) Biese Verkuizung vergieicbt sich mit der in Uf^lianqm acc. sing. fern, 
zu fif?hana~, datarem-ca neben ddtdrein u. dgl. 



692 


Casusbildung der Nomina. Gen. pliir. 


[§ 345— 346. 


gegen Kluvatiiuni ‘"Cluatiorum'') war eine Neubilclung nach 
dem nom. und acc. sing, mit s. § 63 S. 116, § 194 S. 532, § 212 
S. 546 und Streitberg Paul-Braune's Beitr. XIV 1S9. 19^; ygl. 
imten aksl. Iraji, 

Balt. -Slav. Aksl. vTuMi nach der Analogic der conso- 
nantischen Classen, s. § 344. Statt hrajl sollte man ^kraje er- 
warten als Fortsetzung von (vgl. § 227 S. 566). Entweder 

war -U von vluJcii heriibergenommen und ^kraju dann zu krajt 
geworden, oder aber der Ausgang war gewesen, eine 

Neuerung nach dem nom. acc. sing, ki^aji mit iirspr. ^-is ^-im 
(§ 194 S. 532, § 212 S. 546 £), vgl. oben osk. Safinim. Im letz- 
teren Fall miisste pqffji sein -7 von kraji bezogen haben, zur 
Unterscheidung des gen. vom nom, pqtije. — Deutlichkeits- 
riicksichten Hessen in den meisten slav. Sprachen den Ausgang 
-ovil der z^-Stamme {§ 349) an die Stelle des -ti der o-Stamme 
treten, und -ovu kann dann auch noch zu andern Stammclassen, 
im Niedersorb. zu alien. 

Anm. Lett, to 'tcuv’ (d = w mit dem gedehnten Ton) lasst fragen, ob 
das I § 92 S. 87 angefubrte Lautgesetz, nach dem ^-bm zu "^-um wurde, nur 
fur Mebrsilbler gegolten babe. Es lasst sicb aber aucb annebmen, dass d 
[u] aus dem acc. (tos) und dem loc, [tus] entlebnt war, abnlicb wie neben 
scham Euic’ (lit. szidin] em scliim gestellt wurde nacb schi-s u. dgl. m. Letz- 
teres bat mebr fiir sicb. 

346. 2. ^-Stamme. Der uridg. Ausgang ist unklar, s. 

§ 344 S. 690. 

Urarisch -mil vielleicht noch ein paar mal im Av., wie 
^a7icm kier Baume"" (vgl. auch pronom. kqm). Bereits urar. auch 
-mmi: ai. dsvaiidm] av. liaenanqm (aus apers. pa7Tiv- 

zanmdm ‘'der volkreichenk tjber die Entstehung dieses Aus- 
ganges s. § 345 S. 691. 

Gr. ^-a{z]oiv nach der pronominalen Declination (horn, ramv 
= ai. tdsam § 429). Horn. Oeamv, boot. opa)^[xaa)v, thess. -aouv 
und -dv, dor. lesb. -dv, ion. -scov att. -mv. Att. adj. cpiXcnv statt 
^cpdcov (ion. cpdemv dor. cpddv) nach dem masc. oO.mv, vgl. auch 
fern, toutmv gegeniiber dor, lesb. raurdv. 

Im Ital. dieselbe Neuerung : lat. eqimriim\ umbr. hapinaru 
(Sinn unsicher) p^'acatm^mn ‘'munitarum'', osk. egmazim ‘'rerumb 



§ 346—348.] 


Gasusbildung der ZSTomina. Gen. pliir. 


693 


Lat. Masculina wie agricokim omnigenum bei Dichtern batten 
nicht et^Ya den Ausgang, an dessen Stelle -arum getreten war^ 
bewahrtj sondern waren Neubildungen, an Gangaridum Aene- 
adum u. dgl. sicb anschliessend. 

Air. tuath n-y han n-, soillse vgl. fer dele 7i- (§ 345). 

Got. giho, ags. ^iefa\ im Ahd. nur bei Otfrid cin paarmal 
-Oy wie aleibo ‘"der Uberbleibsel\ Neubildung nach der ? 2 -Decli~ 
nation im Westgerm., ahd. gehono as. geto^io ags. ^iefena, ver- 
anlasst duich die Gleichheit der Dat. gebbm as. get on ags. 
fum mit zungbm tungo7i tim^um (nom. plur. zimgim u. s. f.). So 
auch ags, cu-7ia ‘^der Kiihe^ neben cTi-a (dat, cu-m)y Tvie ai. go- 
7iam (instr. gO-hhis). Vgl. § 345 S. 691. 

Lit. ranku edziu (nom. plur. edzios ‘'Raufe^] , aksl. rqJcu 
zmij\ [z77iija ‘^Schlange^), vgl. viiJcu, vlicku krafi § 345 S. 692. 

34:7. 3. 7- 9^-Stamme ^vgl. S. 526 Fussn. 1). Der iiridg. 

xiusgang unklar, am ehesten -[i)io77iy vgl. Ir.^ Germ.^ Balt.-Slav. 

Ai. ved. hidiat 1710771 y -I7ia77iy av. harentmcm (die Quantitiit der 
av. i und zi ist unsicher!), eine ar. Nenschopfung, die bei den 
Parallelen (ai.) hrhati : asvciy hzJiatT-hi : dh'a-szz etc. nahe lag^ 
vgl. 345. 346. Gr. cpspouacov bom. irooaatov nacb der fa-Declin. 
(§ 346). Lat. faciez'umy ebenso vrie -oinim (§ 345) nach -ai'um 
gemacbt. Air. mse 7i- (vgl. soillse 7i- § 346). Got. frijmdjby 
ahd. guthmmo (vereinzelt 'ku7migm7io)y vgl. m~St. got. sihjd ahd. 
sippemio § 346; vielleicht hierber auch ahd. digino ""der Bitten^ 
u. dgl. (vgl. dat. instr. plur. digl-in § 3 82). Lit. zemitl vezazicziuy 
aksl. ze77ilji rezqsfiy vgl. edziu zntiji § 346. 

34S. 4. S tarn m e. Uridg. -[i)^7ny '"'ou io m "'ovium'* t riio m 
‘^trium^^ s. § 344. Av. haoyqm aus ^kauiani (I § 160 S. 145) zu 
ham- Name damoniscber Wesen. Gr. vpidiv, oicov, vgl. u. Lat. 
omtc7n turriim triiwi; umbr. pe7^acrio (Sinn unsicher)^ osk. Tiia-' 
tiu7n ^Teatium^ Teatinorum"* ajittiiim ‘'portionum^ (gen. sing. 
aeteis). Air. fdtJie n- aus Ogaminschr. hda (vor maqa) 

‘'trium'^; gall. B7'watioi7i (""pontilium^ Stokes Bezzenberger’s Beitr. 
XI 129). Got. prij-e (fiir -o, § 344) ahd. drlo (7 nacb d7'i)y ahd. 
gesteo -io m., e7isteo -io f., aisl. elgja [elgr ^ElentbieF). Lit. 
7iaJccziu'y aksl. pqfifi ziohUJi -ifi (s. § 345 S. 692), doch vgl. u. 



694 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


[§ 348. 


Axis eh. Av. tay-qm pray-qm (ved. vtnam trlnam) mit 
Stalker Stammform wie gen. sing, vmj-d, s. § 231 S. 575, vgl. 
auch nar-qm = Yed. nar-am § 351. Wie nun av. vaymiq^n aus 
vayqm nach der <5-Declin. umgebildet war, so verbiirgt ai. tra- 
ijanam ein alteres "^iray-am und indirect Formen wie ^kavydm 
== av. haoyqm. 

Ai. dmnam ved. trlnam av. azinqm^ wie -cmcim^ s. § 345 
S. 691. Zunachst war vielleicht im Urar. '^-i-nam zu "^-i-bhis 
etc. gebildet worden; die Dehnung des i theils nach -dndm, 
theils wol auch nach dem nom. acc. plur. neutr. (§ 339 S. 684); 
fiir av. azinqm ist wie fiir bazunqm (§ 349) zu beachten, dass 
die Quantitat der av. i und k, unsicher ist. Ferner entsprang 
ini Ved. ein -Im analog dem -am, wie surim zu sm'i-s ‘'der 
glanzende'^, entsprechend -um und -fm neben -unam und -fndm 
{§ 349. 351), s. Bartholomae Bezzenb. Beitr. XV 208, Stud. z. 
idg. Spr. I 47 f. '97 ff. 

Griech. -lwv iiberall, ausser im Att., in den Substantiven, 
wie paaiwv (izoXlwv kann auch zu 7io7a-c; gestellt werden, § 354); 
Tptmv auch attisch. Att. ^aascov ocpstov mit Einfiihrung des a der 
s.tarken Stammform, der Ton nach paaao; ^aasco^, s. § 231 S. 575; 
vgl. auch pdcasGi fiir [iaaiai (§ 360). 

Im Lat. wurde -mm vielfach auf die consonantischen 
Stamme iibergefiihrt, besonders auf die ^^-Participia (s. u.). Die 
hier entstandenen Doppelformen sowie das aus vorital. Zeit 
stammende Schwanken zwischen clviidt-um und cwitcdi-um u. 
dgl. (§ 102 S. 292) liessen hie und da -iim statt -ium bei alten 
i-Stammen eindringen, z. B. apum vdtum neben api-um rdti-um, 
-idrum fiir -ium in Neutra wie vectlgalibrum ancllidrum war 
durch das -ia des nom. acc. hervorgerufen. 

Air. fdtJie n- auf zuriickzufiihren, was lautgesetz- 

lich moghch ware, sehe ich keinen geniigenden Grund. tri n- 
^trium^ nicht lautgesetzlich, sondern nach nom. acc. trl (vgl, 
oben ahd. drlo und § 345 S. 691 f. iiber osk. Safinim). 

1) Aknlich rief im Litau. der gen. triju wegen der Ubereinstimmung 
noit dem -u der o-Stamme (z. B, heturnti dialektisch den loc. trijuse fur 
tri-se kervor. 



348 — 350 .] 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


695 


Got. masc. gaste ‘'der Gaste'* nach vulfe (vgl. gastis gasta: 
vulfis vulfa)^ wahxend bei der Schopfung des fern, anste in eister 
Linie wol haurg-e (ahd. hurg-o) neben haurgi-m (ahd. hurgi-7i] 
II. dgl. vorbildlich -wirksam war (vgl. lat. apim statt api-um^ lit. 
krutu statt krucziu). Die Fern, wie nditemo (nom. sing. 7idiiehi-s 
'Lasteiung'*) nach mcmagem-d (nom. sing. ma7iagei ‘'Menge'*), was 
die Neiibildung nom, plur. nditemds nach gihds vexanlasste; ein- 
mal auch dat. plur. -dm, unkaureinom ‘'den Unbeschwexlich- 
keiten'^, nach gihom, 

tiber lit. krutu zu kruft-s ii. dgl. s. §402. Aksl. pc^tift 
kann ebenso gut auf ^-ii-om als auf (vgl. S. 692) zuiiick- 

gefiihxt wexden, vgl. pqifje § 317 S. 664 und sy7iov-u § 349. 

349. 5. ^-Stamme. Uridg. -(^^)^m, ‘'filioxum", 

s. § 344. Av. ydpw-cim von ydtu- ‘'Zaiiberex'* n. dgl. Gx. horn, 
^ouvov ooopmv aus ^yov/-cov ^oop/-a)v. Lat. mmiuum (auch con- 
trahiext passim currum u. a.) wol eher aus '^-[u]ti-om als aus 
^^eii-oin (duich die Mittelstufe ^-ou-om). Got. maiirie (fiir -d, 
§ 344) ahd. as. inauno = '^manii-dm. Lit. sToiu aus ^sumjbu wie 
szd aus "^sziiU (I § 184 S. 162). 

Axisch. Ai. sunuudm, av. bazimqm, apexs. parumidm ‘'mul- 
torum'* (vgl, Baxtholomae Bezzenbexgex's Beitr. XIII 70) dahyu- 
ndm ‘'xegionum'’, wie (§ 348) zu beuxtheilen, Im Ved. auch 

-urn, dasyilm von ddsyu-s ‘'Unglaubigex", wie -Im, s. § 348. 

Griech. -/Rostov und (nach betont) mit starker 

Stammfoxm nach rfiizc, etc., vgl. att. paasmv § 348. 

Air. hithe 7i- Neubildung nach der t-Declin. Zuxuckfiihxung 
auf ^-eu-om (Windisch Paul-Braune^s Beitr. IV 250) istunstatt- 
haft, da -m- zu -oii- gewoxden ware (I § 66 S. 56 f.). 

German. Got. suniv-e udioh. smijus {^suniu-iz). Entsprechend 
vielleicht ahd. siteo^ cuniu 'der Kniee" aus *-eu-d{n), und wegen 
der Gleichheit mit gesteo dann nom, acc. siti und dat. siti-m 
nach der I-Declin. 

Aksl. syfiov-u nach nom. $ynov~e. 

350. 6. i^-Stamme. Uridg. ^kun-om ‘'canum'*, s. § 344. 
Ai. swz-dm uksn-hm dsmm%~dm\ av. sun-qm asaou-qm {asavan- 
‘'heilig, fromm'*) taoxmau-qm [taoxman- ‘'Verwandtschaft'*). Gx. 



696 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


[§ 350—351. 


'/ov~d)v apv-mv, TsxTov-tov 7zoi[xiv-(ov, 7:30&rp;-a>v. Lat. ho- 

min-um juzen~um^ inschr. i:>oumilion-07n. Air. co7i 7i- mrm 71 -, 
Got. auhsn-G ags. ox7i-a aisL yxn~a exn~a ‘'der Ochsen^, got. ah7i-e 
^der Manner'', giL7na7i-~e ItairtaJi-e Mer Herzen" {~e fiir -d, § 344), 
tuggon-o Mer Zungen" 77ia7iagem-o Mer Mengen"; ahd. gomo7i-o 
Jierzd 7 i-o mit Umgestaltung der Stammesform nach zimgm-o^ 
vgl. go77id77i ]ierzd7n § 384. Lit. dial, szwi-u, ah7ne7i-u\ aksl. 
crm~u Mer Tage" (§ 114 S. 335), ha7nen-u^ ze77ilja7i-u Mer Lands- 
leute" (§115 S. 340). 

Lat. Selten -iimi nach der i-DecL, wie ccmi-iuTn. 

Balt. -Slav. Jenes lit. akme7i-u gab den Anstoss zur Bil- 
dung von ah77ie7i-al u. s. w. nach den o-Stammen (Verf. Lit. 
Volksl. u. March. 30 i). Hochlit. nur szu7i-iu ahme7i-iu nach der 
•z-Declin. Ebenso aksl. din-iji -ijt^ neben clm-u. 

351. 7. r-Stamme. Uridg. ^77iatr-b77i dot 7 ' -0771 

Matorum", s. § 344. Ai. ved. einmal noch svd&r-mi, oft 7ia7'-a77i 
= av. 7ia7^-(m wie gen. sing. 7idr-as (§ 235 S. 5S0), vgl. av. vay- 
cmi § 348 S. 694. Av. 77idl)r-qr7i dctpr-cm^ str-q77i und star-am 
von sta7'-' ^Stern", tih'-cmi f. ‘'trium". Gr. horn. rcaTp-mv &oyaTp-d)v 
att. dvop-div, durch Neubildung att. TraTsp-mv [ar^rsp-cov (wie rjoi-tov 
u. dgl.); omtop-mv , ooTYjp-mv. Lat. 7nat7'-ur7i ^ datb7'-u7n] umbr. 
fratrum f7'at7'om ‘'fratrum", osk. fratriim ‘'fratrum" 7ieTum 
‘'principum, nobilium". Air. 7ndtlia7' 77- h'dihar 7i- aus 
Oder '^-te7'-<)77i. Got. hrdpr-e (fiir -d, § 344), ahd. muoter-o. 
Lit. dial. 77iote7^-il^ aksl. 7nater-u, datel-u Matorum" (§ 122 S. 365). 

^qetuer- ‘'4" hatte wol ^qetu7'-077i\ vgl. ai. catit7'-7uwi fiir 
catii7'-d77i (§ 345 S. 691), gr. lesb. Tceaop-cov, fjugim'a mit 
pronominaler Endung (vgl. § 16S S. 472); aksl. cetyr-u [y — u). 

Ai. dur-dm [d- fiir dli-^ s. I § 480 S. 356) ahd. du7'-o aisl. 
du7'-a lit, du7'-u (und dur-iu^ Schleicher L. Gr. 188) ‘'der Thiiren". 

A r i s c h. Speciell ind. Neubildungen waxen mdtpiaTn^ daipidm 
ddtpimi^ seltner mit -7md77i] 7ipiam 77pia77i ^dvopmv"; cataspidiji 
cataspimTi f. catimidTfri m. ‘'TSTtdpcov" s. § 345 S. 691. Im Ved. 
auch Tfihn^ wie -m, s. § 348 S. 694. Av. tisra7iq7n fiir und 
neben tisrqTn wie vaya7iq77i § 348 S, 694. 

Im Altirischen neben der alten Form auch -thre 7 i-, 



§ 351—352.] 


Gasusbildung der Nomina, Gen. plur. 


697 


hratJire hraitJire Neuschopfung nach der e-Declin.^ vgl. 
hraithrib faitJiib § 385. Die Femin. teor-a n- cetheor-a n- 
‘"4" nach innan- (§ 429), s. Windisch Paul-Braune^s Beitr. IV 224, 
Balt. -Slav. Hochlit. mofer-iu nach der ?^-Decl.; so auch 
im Aksl. vereinzelt duster-tj% ‘'der TochteF. 

352. 8. Stamme auf Verschlusslant e, 

Uridg. ^bliT gliJit-om (s. § 344). Ai. brliat-am^ av. ber^- 
zat-qm ber^zant-qm. Gi. cpspovr-mv. ferent-iim prae-se^it-um 
sonant-um^ wonehen fere7it-ium u. s. w. (Biicheler-Windekilde 
Grundr. 83) wie nom, acc. plur. neutr. fe7''e7it-ia (§ 342 S. 687). 
Air. carat n-. Got. frijmd-e (fiir -d, s. §. 344), ahd. friwit-o. 
Mit *o-Sufhx lit. veza7zcziu aksl. vezqsd. Ai. dat-dm^ gr. doovt-mv, 
lat. dent-um (haufiger dent-imn)^ ags. tod-a aisl. tazizi-a^ lit. dazit-u 
‘'dentiumk — Ai. dasdt-mi lit. deszhnt-u aksl. deset-u ‘'decadum''. 
— Osk. liiniitu[m ‘'linlitum^ Aksl. telet-u ‘'der KalbeF (vgl. 
§ 244 S. 596). 

Ai. sardd-am ‘'der Herbste^ Gr. (poYoco-mv. Lat. lapid-xmi. 
Air. dz'uad 7i- ‘'druidum^ Got. tailnmt-e (fiir -d, § 344) in tai- 
limite-himd ‘'iOO", ahd. zeltazizo ‘'lOO'* = gr. ocxdo-cov, s. § 179 
S. 502 ; auch mag es im Nord. einmal ein tehmiia-lnmd gegeben 
haben-). Ai. pad-dm^ gr, ttoo-cov, lat. ped-’iwi^ ahd. fua^-o aisl. 
fdt-a ‘'pedum^ 

1) Hieraus erklarte sich der auffallende a-Vocal in nord. run. J)ri-taunta 
und aisl. prettcm 'prettande etc. Wurde nemlich Heliimta-hund falschlick als 
"^tehun-talmnd aufgefasst (wie man, nach Ausweis der Analogiebildung tai- 
huntailiu7id , ja auch taihuntelmnd im Got. nieht mehr verstand), so konnte 
sein a fur das urspriingliche e in den Zahlen 13ff. eindringen; zu letzterem 
Process Tgl, die analogische Ausbreitung des o ron --/.ovra § 176 Anm. 2 
S. 490 f. So hatte Noreen (Arkiv f. nord. filol. Ill 26, Pauls Grundr. I 508) 
zwar mit dem Ansatz eines '^-taJnmd = got. -ieJiimd im Nord. Becht, aber nicht 
mit der Annahme eines alten Ablautes : e in der ersten Silbe von ^dekrn, 
Nackdem der Driick des Abschnittes uber die Zahlwortbildung {S. 463 — 
510) bereits voUendet war, erschien J. Schmidt's Sehrift Die Urheimath der 
Indogermaiien und das europ. Zahlsystem, Berlin 1890, in der die got. tai- 
liunUhwid ahd. zehanzo und was damit zusammenhangt ausfuhrlich erortert 
werden in einem von unserer Erklarung vollig verschiedenen Siniie. Schmidt 
theilt iailiun-telnmd und deutet die westgerm. Ausdrucke aus einem got. 
"^liund tailiuntev ^zehnreihiges HunderP, das in verschiedener Weise mit 
taihun-teliund ausgeglichen worden sei. Ich kann auf das interessante 



698 


Casusbildung der Nomina. Gen. plur. 


[§ 352—353. 


Ai. usij-am ‘'der vexlangenden'*. Gr. ixstpa'/c-cov^ fipt6x-mv dptuy- 
mv. Lat. meretric-um und mit -ium meretrlc-mm felic-^ium u. dgl. 
Ai. nathrach ?i- ‘"der Wasserschlangen^ Ai. vac-am av. vac-qm, 
gr. "^oTu-diVj lat. voc-um. Ai. -rctj^am^ lat. reg-%m^ air. rig n-^ 
got. reik-e (fiir -d). Air. hr eg yi- "der Berge", got. baurg-e (fiir 
-d) ahd. hurg-o "der Burgen, StMte'* (av, her^z-qm uabelegt). 

Ai. ap-am av. ap-qm "aqiiarum'*. Gr. xAcnTi-mv. Lat. clap-imi, 
prmcip-um (auch -mm), 

353. 9. S tarn me aiif -s. 

Uridg. ^ menes-oyn (§ 344) zu '^yyieyios n. "Sinn'*. Ai. mmiaa- 
am durmanas-am^ av. manaydh-qm diismcvnaidh-qm . Gr. ion. 
|X£V£mv ooajJLSvsmv att. -uiv, Lat. gener-um: Air. tige 7i-. Ahd. 
helhir-o. Lit. dehes-il (neben dehes-iu) zu deles- t-s "Wolke^; 

Problem bier nicbt naber eingehen, bemerke jedoch, dass unsere Aiiffassung 
(s. S. scoff.) den Vergleicb mit der Scbmidtkcben nach meinem Dafiirbalten 
sebr wol vertragt. Jene soil (Schmidt S. 39) an drei Hauptscbwierigkeiten 
leiden. 1. Das zTreite Glied von as. a^it-sibmita sei sicber kein gen. plur., 
als solcher batte es auf -o zu enden. Die Gen. friuycda kinda u. s. w. (§ 345 
S. 691) widerlegen diesen Satz. 2. Abd. zehanzo got. taihunU- entspracben 
niebt dem ai. datdt~cim gr. oexaB-tuv. Zu diesem Aussprucb war Schm. nur 
berecbtigt, wenn er nacbwies, dass jener bekannte, beute bereits durcb viele 
Beispiele belegte uridg. Wechsel zwiscben Tenuis und Media, auf den icb 
Morpb. Unt. V 13 binwies (vgl. aucb oben § 177 S. 494), uberbaupt nicbt 
bestand oder docb auf unsern Fall nicbt anwendbar ist. Die Bebauptung 
(S. 27), die Flexion o£'/.di -aoo? statt ^“aTOc sei erst nacb'EXXa; -doo? u. dgl. 
gescbaffen, ist eben nur eine Bebauptung. 3. Ai. latdm u. s. w., dem icb 
bund in taibunU-lmnd gleicb setze, bedeute in keiner Spracbe Zebnbeit. 
Sebr natiirlicb, denn icb nehme ja iailmnte~hund 'oexdowNi als den 

Ausdruck, aus dem die ai. latd-m u. s. w. "Zebnbeit (von Dekaden)^ ^Hip- 
tiscb verktirzt waren. Ubrigens soUte diese "Scbwierigkeiff nicbt der be- 
tonen, der bei seiner Erklarung unsrer Zablworter mit einem tebunda- 
= "^dekmto- operiert, das an keiner andern idg. Spracbe einen Anhalt bat; 
Vriddbiableitung wurde im Germaniscben kein lebendiges Bildungsprincip 
wie im Ariscben. Dass eine Erklarung, nacb der got. tailiunte-bund as. 
ant-sihunta abd. zehanzo unmittelbar zusammengehoren und Genitive ent- 
balten von der Art der got. frijonde as. frkmda abd. friunto, einfacher 
ist als die Scbmidt’sche, die die got. und die westgerman. Ausdriicke von 
ganz verscbiedener Grundlage aus erklart und innerbalb des Westgermani- 
scben wieder den Auslaut von as. anf-sihunia anders auffassen muse als 
den von abd. zehanzo, wird wol niemand in Abrede stellen. Ob sie die 
ricbtige sei oder die Scbmidt’scbe oder eine dritte, mag weitere Forecbung 
Sacbverstandiger entscheiden. 



§ 353 — 356 .] 


Casiisbildung der Nomina. Loc. plur. 


699 


aksl. sloves-u. — /^der Monate^ (s. § 132 S. 389): gr. 

■ jjLTjV-div, lat. mem-um (und -nim), air. mis n~, Mit suffixalem 6* 
wol auch ags. ^ds-a aisl. gas-a lit* dial. zqs~u gr. ‘^an- 

serum^, vgl. § 160 S. 455. 

Ai. tisds-am^ lat. honor -um (§ 133 S. 396 f.). 

XJridg. Compar. "^ohis-om ‘"ociorum^ (vgl. § 135 S. 402). Ai. 
a*siyas-am av. asycmJi-ajn^ lat. ocior-um, Mit -io- aksl. slazd/isi. 
Mit -ien- fiir -ies- gr. 7]o-idv-tt)v. 

XJridg. part. perf. act. tieidiis -0 7n (vgl. § 136 S. 412). Ai. 
viduq-tim av. rldiis-qm. Mit -ip- lit. 7nt7^us-iu aksl. nurim, Mit 
-iiet- fiir -lies- gr. siSoT-mv, 

'^mus-om Mer Mause^ ai. mus-dm (belegt nom. plur. mus-as), 
gr. jaudiv fiir (§ 160 S- 455), lat mm-um (und -km)^ ahd. 

miis-o aisl. mus-a, 

354 . 10. 7- ii- und u- St am me und S tarn me auf -f , 

-I -?• 

XJridg. "^-ii-om, "^-uu-om (§ 344), z. B. ^hliruu-oin (nom. 
sing. ^Ihru-s "'Braue'*). Ai. dhiy-dm hhrur-dm, daneben dhlnam 
hhi'undm und nur nadinam svasrimdm (§ 345 S. 691). Gr. xi-mv, 
D-d)v 6cppu-a)V, TToAi-mv zu ri6'kl-c,y vsxo-mv zu vsxu-;. Lat. su-um 
(und -iuni), socru-im. Aisl. stl-a ‘'suum^ (vgl. 233 S. 57S). Lit. 
dial, zuv-u Mer Fische^ = gr. t)^9u-o)v (vgl. zm-i- § 217 S. 550, 
zuv-is §^329 S. 676); aksl. svehmv-u, daneben hnw-iji, 

Ai. gir-dm pur-am gd-san-dm wie gen. sing, gir-ds etc. 
S. 233 S. 578. 

355 . 11. Einige Wurzelnomina. ^ndii-om Wvium^ 
(§ 344): ai. nde-dm^ gr. va-mv vr^-div vadiv (I § 611 S. 463). — Ai. 
gciv-dm^ daneben gb-nam (§ 345 S. 691), gr. [3o-mv, lat. bov-om 
bourn umbr. huoj mir. bo n- aus ^bo[u)-i7i (air. einmal hao, aber 
vielleicht verschrieben), aisl. ku-a akd. Jcuo, vgl, § 160 S. 452. 
— Ai. ray-am av. ray-qm\ lat. rerim viiQ facierum §347 S.693. 

Locat. plur, 

356 . 1. Das Suffix des loc. plur. Ein idg. Ausgang -su 
ist fiir diesen Casus angezeigt durch das Ar. und Balt.-Slav., 

1) OstlioffDie Bildung des loc. plur. im Idg. und Verwandtes, Morpli. 



700 


Caeusbildung der Nomina. Loe. plur. 


[§ 356. 


ai. av. alit. -m aksl. -cha. Tiber gr. \izi:a%u, clas man eben- 
falls als Zengen heranziiziehen pfiegt, s. Anm. S. 701. Dass auch 
gr. -at altiiberkommen war, ist wahrscheinlich wegen der av. 
loc. plnr. Tiaf-si nnd tanu-si (Bartholomae Bezzenberger^s Beitr. 
XIII 84 £.); vgl. auch Bugges Deutung des armen. -c aus 
(s. S. 690). Welter abex lasst sich mit hoher Wahrscheiulichkeit 
auch ein -s neben -su und -si nachweisen. Die letzteren waxen 
hiernach Eiweiterungen des -s, des eigentlichen Casussuffixes, 
duxch angetretene adveibiale Elemente: vielleicht "^doxt^, mag 

dem -ti von ai. muli-u und dgl. (s. § 256 Anm. S. 610} und 
dem von gr. ou(toc) u. dgl. (s. § 415) gleich gewesen sein, -i, 
vielleicht ‘'hier\ dem des loc. sing. (§ 256 S. 609) und dem 
von lat. nom. sing, cio-i qul (§ 414). S. Thurneysen Kuhn’s 
Zeitschr. XXVII 177. 

Das -s war unexweitext exhalten in folgenden Fallen. l.Lat. 
dmas Corniscds C. I. L. I n. 814, und mit d statt oi lat. sabell. 
-OS (§ 357. 358) ^). 2. Gr. itutuoic, das zugleich idg. instr. plur. 
au£ -di$ war (§ 380); einexseits feotc, anderseits cp5Xay.-ai u. dgl. 
bewirkten, dass -c- in iirTroiai, paoiai, opaat opsai etc. gegen I 
§ 564 S. 422 liberall blieb, beziehentlich wiederhergestellt ward; 

Unt. II Iff. Gerland Uber den dat. plur. des Altgriechischen, Kuhn's 
Zeitschr. IX 36ff. Warncke Be dativo pluralis Graeco, Lips. 1880. Ceci 
II Bativo Plur. greco, Seritti glottologici 1(1882) p. 7 sqq. Week Ber alt- 
griech. Bativ Plur., Philologue XLIII 32 ff. Taepe::'/]; 'H ooTr/.q TrXqO. Tq; 
'EXXqvr/.q? ^Xcuccq?, j\hX£Tq[j.ccTa 4voiy,d 7.at YXa)acoXoYC/,d, Athen 1888, p. 25 sqq. 
Aufrecht Ber dat. plur. auf -saat, Kuhns Zeitschr. I 117f. J. Stschas- 
liwzjew liber den griech. Bat. Plur., Journ. d. kais. russ. Min. f, Volks- 
aufklarung 1885, 3, S. 417 — 458 (ist mir nur durch Ziemer's Jahresbericht 
uber Sprachwissenschaft, Berk 1SS9, S. 150 bekannt). K ogel Althocbdeutsche 
Locative, Zeitschr. f. deutsch. Altert. XXVIII (1884) 11 Off. 

1) Ber Annahme von J. Schmidt Pluralb. 50 , dems sei im Lat. aus 

entstanden, steht entgegen, dass -05 auch sabellisch v^ar. Mir ist weder 
fur das vorhistorische Latein, noch fiir das Uritalische Abfall von -u er- 
wiesen, auch nicht durch V. Henry Mem. VI 377. Schmidt betrachtet auch 
Iminm comiJiinus (zu mmiu-) als loc. plur. Wie sich das aber mit der Bedeu- 
tung vertragen soil, ist mir unklar. Man hat doch wol von Adjectivstammen 
e-7mmc~ com-mmu- oder -min-o- (zu 7nan-, der kiirzeren Form von manu-) 
auszugehen. Vgl. ad-versus. Waren etvra alte acc. sing, neutr. 

*ad-ve7’su durch -5 erweitert worden, vne gr. eu&u-!; p-eacq-'p^-? 

Vgl. auch Br^al'Bailly Bietionnaire etym. lat. 2 , s. v. eojnmus. 



§ 356.] 


Casusbildung der Nomina. Loc. plur. 


701 


in ahnlicher Weise wurcle in einer jiingeren Zeit im Att. dooropai 
(fiir ^ocoToppi, das lautgesetzlich entstehen musste) duieh cpoAaEi 
etc. gehalten (§ 362). Minder sicher ist^ dass auch lat. oloes 
Jupts osk. NiivlanuiSj neken lat. sabell. loc. -os^ nicht bloss 
idg. instr. -oh sondern auch idg. loc. -oh fortsetzten. 3. Dass in 
das Balt, neben -s-ti auch -s hineingekommen war, zeigen zwar 
nicht die Formen wie lit. ranho-s szirdy-s lett. riika-s sirdi-s 
11 . dgl., als hatte deren -s von jeher den Auslaut gebildet, wol 
aber alit. -se -sa neben -su. Denn rankose war ebenso wenig aus 
rankosu nach loc. sing, rankoje umgebildet wie griech. 
aus ^cpoXay.-au nach loc. sing. cpuXay.t, sondern an altererbtes 
'"rankas (vgl. lat. devas) wurde wie an altererbtes ^ranked das 
Element -e angehangt (s. § 264 S. 619); die historischen rankos 
rukds biissten dieses -e wieder ein, gleichwie rankoj [ranko) 
rukd aus ^-cihe verkiirzt sind. Alit. -sa (z.B. namusd ^zu Haiise’), 
so weit dessen -a nicht bloss schlechte Schreibung fiir -e ist, 
war Umbildung von -se nach den Formen auf -sna [iiamus-nd 
‘'nach Hause'*, acc. plur. mit Postposition nd]^ wie auch umge- 
kehrt -sne nach -se gebildet wurde. 

Anm. Ein weiteres Zeugniss fiir -s gewahren vermutlich die Formen 
ai. ved. manam (neben mdnas-su] av. mmialiu von ar. manas- n., u. dgl. {§ 364). 
Dass deren -5- statt -ss- fiir uridg. zu halten ist , zeigt ai. dsi av. alii = 
gr. ei aus ^du bist’ von W. es-. S. Hiibsebmann Eulin’s Zeitschr. 

XXVII 329, Bartholomae Stud. z. idg. Spr. I 20 ff. oof, 67 f. Die Verein- 
fachung des s$ gescbali aber damals lautgesetzlich wol nur im Auslaut (in 
alien Sprachen -s aus idg. -ss, auch im Ai., z. B. a-ghas 2. sing, praet. 'du 
assest’ = s. Bartholomae a. 0.2 If.), und ^menesu ent- 

standen so, dass an "^menes = '*me7ies-s u und i antraten; entsprechend "^esi 
'dll bist’ = (aus "^es-s) + ^. Unter den von Bartholomae fiir idg. -5- aus 
-ss- angefuhrten Beispielen seheinen eben nur die sicher zu sein, die eine 
derartige Auffaseung zulassen. Ist unsere Ansicht richtig, so brauchen also 
gr. z^zaca lat. gessz u. dgl. nicht erst durch Neubildung entsprungen zu sein. 
Ai. fndnas-su gr. psvec-ai entstanden nach der Analogie von Stammen, 
die auf andere Consonanten als s ausgingen, und diese Neubildungen als 
schon uridg. zu betrachten hindert nichts. 

Dagegen ist ein sehr unsicherer Zeuge fur miser -5 gr. dg/Ac; neben dYxwv, 
s. J. Schmidt Euhhs Zeitschr. XXV 39 und Verf. Morph. Unt. Ill 69. Ebenso 
die Adverbia wie gr. 7 : 6 ^ gwh dira^ lat. 7 nox vix air. -md 7710- 7710s- 'mox’ (aus 
* 7 nolc$] ai. lavi'uk Idi'uh {-h aus *-ks) trotz ai. iiiahsu gr. p.£Ta|6. Denn das 
-s dieser Adverbia scheint eher mit dem von d'4 dpcpi? lat. cis av. tis {ud'^s) 
apers. obis u. s. w. zu identificieren, das man fiir ein pluralisches Loeativ- 



702 


Casusbildung der Nomina. Loe. plur. 


[§ 356, 


suffix zu halten kaum bereclitigt ist. malcs~u aber beweisen inso- 

fern nichts, als ja die Partikel zi aucb hinter andere Formen als Plural- 
locative auf -5 antrat. Aiich auf boot. yoveO; (vote '(osz'jqC] Collitz Bia- 
lektinscbr. n. 391, 5 ist nichts zu geben, walirscbeinlich ist mit Pick Yoveuc; 
= zu lesen. 

Wie -<5, -s-i in der uiidg. Zeit vertheilt waren — denn 
schwerKch war der loc. plur. jedes Wortes in den drei Gestal- 
ten im Gebrauch — , ist nicht mehr zu sehen. Dass -su und 
-si fiber -5 so vielfach die Oberhand gewannen^ erklart sich dar- 
aus, dass die Formen mit -«? ofter mit den Formen des nom. 
sing, gleichlantend waren. 

Im Iran, verwuebs die Postposition ^ (oder deren "^tonlose 
Nebenform"' s. § 246 S. 59S) mit den Formen auf -sti: im Alt^ 
pers. nur -iw-a -suv-a, im Av. -Iiv-a -sv-a neben -Im -su. Vgl. 
ai. ved. 7 }adisv a fin den Stromen"* mdrtyesv a fiinter den Sterb- 
lichen^ u. dgl., ferner urar. '^asydi-a fin equa^ § 264 S. 618. 

Im Armen, erscheint -p, wie im Gen.j Dat.^ Abl. ; Bugge 
sieht darin idg. s. § 344 S. 690. 

Griech. -oiv neben -ci wie -cpiv neben -cpi. Vgl. § 186 
S. 520, § 281 S. 636, ferner Verf. Gr. Gr.2 § 64 Anm. 3 S. 80. 

Im Kelt, und Germ, ist der loc. plur. seit Beginn der 
tiberlieferung im lebendigen Gebrauch nicht mehr vorhanden. 
Ob ihn noch Adverbia fortpflanzten (fiber air, rrid ‘^mox^ s. die 
Anm. S. 70 If.), bleibt zu untersuchen. Uber die angeblichen Loc. 
wie ahd. Otmgas s. § 357. 

2. Stammgestalt. Die abstufenden consonantischen 
Stamme, wie^pai^er- ‘'VateF, hatten seit uridg. Zeitschwache Form. 

Im Arischen erscheint im loc. plur. und in den Casus 
mit 5y^-Suffixen (ai. -blnjas, -hliis] -hliyam) statt der Stammform 
oft der nom. sing. An Fallen wie (ai.) dJiama : dhdma-su -bhyas 
etc., dsvd : dsvd-S7c -hhyas etc., b^liaii ; -Iliyas etc. 

entwickelte sich die Empfindung ffir eine causale Abhangig- 
keit der Form der ‘^mittleren Casus^ von der des nom. sing., 
und so entstanden z. B. ai. mdnali-su ma^id-hhyas -this -Ihydm 
nach mdnali mdnd statt mdnassu [md?iasu) "^manad-hhyas etc., 
liavili-^u havh'-hliyas nach Jiavili haw statt havis§u "^liavidhhyas^ 
av. ram-hu statt 7'a^ahu nach apers. 7'auca-bis zu rauca^ 



§ 356 — 357.] 


Casusbildung der Nomina. Loc. plur. 


703 


av, ber^zap-byo statt ber^zadhyo nach ber^za^ (§ 303 f. S. 652 
§ 364. 367. 375. 376. 3S6. 387). Vgl. Osthoff Morph. Unters.II 
3 f., Wackexnagel Das Dehnungsgesetz clei griech. Compp. 7 f., 
Bartholomae Kuhn’s Zeitschr. XXIX 5S1 f. 

Im Balt. -Slav, ging der loc. plur. mit den andern 
leren Casus" in die Analogic der i-Declin. iiber^ z. B. lit. alc- 
men-yse^ alter aksl. Jccmie7i-z-cJiUj wie ahmen-l-ms kame7z- 

-i'-'mu^ ctk7iie7i-i-7ms Jcame7i-i-77ii^ sing. akme7i-i-77il ka77ze7z-7~7m, 
du. cikme7i-%-7n -i-m kameTz-t-Tna, S. § 402. Doch noch aslav. 
yjolJacJiu (acech. Folds) poljarzzu poljazni von poljcm’- (s. I § 585, 
3 S. 441 f., II § 115 S. 340, § 361. 367. 404), womit vielleicht 
lit. dial. zTnoymis [oy == it) zu nom. sing, zmu (Fortunatov Bez- 
zenherger’s Beitr. Ill 72) zu vergleichen ist. 

357 . 1. o-Stamme. Uridg. '^'ulqoi-s -sic -si lupis"; 
der Stammauslaut -oi- war vom Pronomen iibertragen (§ 430). 
Ai. vrke-sic ; av. velirhae-hc -sv-a, apers. mddaisuv-a ""in Medis". 
Armen, gailoc hierher, wenn in dem -c idg. "^-si steckte (§344 
S. 690); - 0 - war dann wol nach gailo-vJc fur eingetreten. 
Gr. X6xoi-<; -ai; -oi wurde im Att. von 450 v. Chr. an von -j; 
zuriickgedrangt. Aksl. diicecJiu (I § 462 S. 340). 

Italisch. Ob die Formen lat. liipis alat. 'illis", umbr. 
veskles vesclvr Vasculis" alfer ‘"albis" osk. Niivlanuis ’"Nolanis" 
iiesimois ‘"proximis" alte Loc. und Instr. oder nur Instr, waren, ist 
fraglich, s. § 356 S. 701- Nach dem -as der a-Stamme wurde, 
wie es scheint, bereits im Urital. ein -bs statt -ois gebildet 
(vgl. lat. -bruTn nach -drum § 345 S. 691 und lit. -ihu lett. -us 
nach -dsu -as, s. unten): alat. (Dvenosinschr.) deivbs ‘"deis"^), 
marruc. aisos mars, esos ‘"deis". 

Anm. Zweifeihaft ist, ob mit Kogel Zeitsclir. f. dentsch. Altert. 
XXVin 110 iff., Paul-Braune’s Beitr. XIV 115 ff. die westgermanischen 
Ortsnamen anf -as, wie ahd. Otingas, als loc. plur. [Otmgas angeblicli — 
^Audingd-su 'unter den Nachkommen des OW] aufzufassen sind. Henning 
Deutsche Liter.-Zeit. 1888 S. 16 und Behaghel Paul’s Grundr. I 609 be- 
trachten -as als lat. Accusativendung [ad Otmgas], Hat Kogel Eecht, so 


1) In der neuesten Behandlung der Dvenosinschr., von H. S. Conway 
Amer. Journ. of Phil. X 452. 458, wird deivos freilich fiir nom. plur. (vgl. 
umbr.-samn. -os) erklart. (Correcturnote.) 

Brugmann, Grundriss. 11, 2. 


45 



704 


Casusbildung der Nomina. Loc. plur. 


[§ 357—360. 


batte das -a- von -as gewiss viel eher fiir eine analogisclie Umbildung 
Ton idg. - 01 - zu gelten, wofiir wir oben auch das -o- von armen. gailoc 
nahmen, als fur den uridg. nominalen Stammauslaut dieses Casus, der erst 
im Ar. u. s. tt. durcli das pronominale -oi- ersetzt worden ware; man beachte 
aksl. ieGliii lit. tiise : vlucechu viikuse gegen dat. temii terns : vlukomu viihdms. 
Vgl. aucb Kluge Paul’s Grundr. I 387. 

Ealtisch. Lit. vilhusii -se (sa) lett. vyilJoUS udioh dem 
^-a-su -se dei a-Stamme, wie lat. deivos nach devds (s. o.). Lit. 
dial, mikunse JXSich. dem acc. viikuns-na. S. § 326 Anm. S. 674. 

358. 2. a-Stamme. Uridg. ehud-s -su -5^ ‘'in equabus^ 

Ai. ds'dd-su\ av. liaenci-Iiu apers. aniijZim-d ‘'in aliis" aus 

"^-d-Jiu-d (I § 558 S. 416). Griech. inschr. 6pa^[ji^ai raaidai u. dgl., 
von etwa 420 v. Chr. an nur noch in adverbialer Erstarrung 
Oupdat '*A&Y]VYjat u. dgl. Alat. devds ^ s. § 356 S. 700. Lit. ranko- 
sii -se -s lett. rukd-s\ aksl. rqka-chu. 

Griech. ion. att. viircp-pjci att. lesb. vdjxcpaiai waren Neu- 
bildungen nach -oiat. Dass die inschriftlich unbelegten Formen 
auf - 7 jg aus Homer u. s. w. zu verbannen und^ soweit sich 
nicht -'(jo'* lesen lasst, durch solche auf -at? zu ersetzen seien, ist 
ein ziemlich willkiirlichesDecret moderner Kritiker. Sie erklaren 
sich als Umbildung von -rj?, und vielleicht wurde -v]? auch 
noch in homerischer Zeit gesprochen. 

Lat ein. Gehoren ausser devds hierher auch fords ‘'draussen'* 
{fords ‘hinaus'* war acc.) und alicts alterds (scil. vicibus oder 
occdsidmhtis) ? 

359. 3. I- {e-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Uridg. wahr- 
scheinlich ^hTirghi^tl-s -su -si. Ai. hrhati-su av. barenti-su -sv-a. 
Lit. zeme-su -se aksl. zemlja-chu mit Ersatz des -I- durch -{e-. 

Gr. cpspouavjai, -aiai nach der id-Declination (vgl. S. 526 
Fussn. 1). Ebenso lit. vezanczio-su -se -d-s aksl. vezqsta-chu. 

360. 4. i- und t^-Stamme. 

Uridg. ^oui-s -su -si. Ai. dvi-su. Unsicher armen. srti-c, 
s. § 344 S. 690. Gr. ion. att. etc. Tpi-ai, dor. ocpi-ai. Lit. tri- 
su -se "in tribus'*^ aksl. nosfi-chu. 

JJiidg. *sunu-s -su -si. Ai. sunu-suj sly. bdzu-su -sv-a. Un- 
sicher armen. zardu-Cj s. § 344 S. 690. Gr. Yovso-at, vgl. u. Aksl. 
synu-chu (nur zufallig unbelegt). 



§ 360—361.] 


Casusbildung der Nomina. Loc. plur. 


705 


Gxiech. ocpi-oi wiirde zu ocpsat (horn. att. arkad.) umge- 
bildet nach ocpsi? (^ocps-sc) ocpsmv. Ebenso zu 

T,rixe-oi 7]0s-ai nach etc. -o-ai blieb nur in yovs^oi aus 

^-£iu-ai = ai. -mjU'-su, s. § 26 i S. 614, doch bildete man spater 
vereinzelt auch Eormen wie xo'/sot nach tjosgi, wie nom. plur. 
TO'/£i? statt TO'/T^c nach Tjdel?. 

Horn. o£GGi (oi~c) und TrcXey.EGGi rcoXioi ('rrsAEzo-;; rroXi-c) be- 
kamen ihi gg infolge des Nebeneinandeis von stccggi und sTizai 
in der Sangerspiache. 

Wie au£ alle consonantischen und die ii- und u- uu- 
Stamme, so wurde auch auf die i- und ^^-Stamme in den aol. 
Mundaiten (auch bei Homer etc.), im Nordwestgxiech. und in 
Theilen des dor. Gebietes das -eggi -sgi der 05 -Stamme herliberge- 
nommen, z. B. horn, oi-sggi ol-egi lesb. oiaXuGi-EGGi horn, ta/i- 
£GGi. Anderseits erfuhr das -oic, -oigi der o-Stamme dieselbe Aus- 
breitung im Nordwestgriech. und in Gegenden der Peloponnes, 
z. B. Gpi-oi? -oiGv TcoXs-oo; (= tu^Xegi) ; rpi-oTc : rpt-aiv = xaXoT?: 
xaXmv. Beide Neueiungen nahmen ihren Anfang bei den con- 
sonantischen Stammen und waren durch das Bestxeben veran- 
lasst, im loc. plur. denselben Stammauslaut wie in den andern 
Casus herzustellen; z. B. cpspovT-sGGi - 01 ^ statt urgriech, (kret.) 
.cpepovGi (ion. att. cpipooGi lesb. ^cpspoiGt etc.) nach cpepovT-s^ etc. 

Lit. naMy-su -se -y-s lett. nakti-s und lit. sTmic-su -se 
^’-u-S'U wurden nach ^-a-su zu ^-u-su umgestaltet, 

das letzte dann nach den o-Stammen zu -fi-su. S. § 326 Anm. S. 674. 

361. 5. ?^-Stamme. Uridg. -su -si. Ai. 

S'dd-su dlma-su^ av. damo-hu -hv-a [daman- ^Geschopf j = ai. 
dhama-su (I § 94 S. 90). TJnsicher armen. ahanc aiijanc^ s. § 344 
S. 690. Gr. kret. G:Xia-Gi (att. kXsogl nom. sing. tcXIov, vgl. § 364 
Anm.), att. und bei Pindar cppa-oi (att. gewohnlich cppE-ai, nom. 
sing, cppiiv), att. etc. 6v6[xa-Gi (nom. sing, ovopia) = ai. 7iama-su 
(§ 82 S. 236). Also armen. anja7i-c : anjin-k = gr. cppa-Gi : cppev-sg. 
Altcech. Folds, sonst aslav. poljachu mit -cJi- nach den andern 
Stammclassen, zu nom. plur. aksl. s. § 356 S. 703. 

Grieh. dpvaGi fiix ^dpa-ai mit v aus den andern Casus. ttAso-gi 
cpp£-Gi axpio-Gi iroiiJii-Gi dym-Gi hatten 0 , £, m fiir a aus den 

45* 



706 


Casusbildung der Noniina. Loc. plur. 


[§ 361—363. 


andern Casus entnommen, vgl. ocps-at r^ds-ai § 360 S. 705. Nach. 
cpp£-ai : cppsvsc; ax[JLo-ai : axfxovsc schuf man y.uat fiir ^xoa-at 
zu xdvsc. Mit -saai horn. fjY£|jt.dV“£aat Xiji£V-£aat xdv-£aai 
megar. Xa'^ov-soai u. dgl., mit -oi<; nwgr. ji£vdv-oic dytov-oi^ el. 
dycov-otp u. dgl., s. § 360 S. 705. 

Lit. szu7i-y-sii -se akmen-y-su -se und aksl. hamm-^-ch'u. 
nach del ^-Decl., s. § 356 S. 703. 

362. 6. r-Stamme. Uridg. '^matr-s ^dotr-s --sii -si. 
Ai. mdtr-su datr-m. Unsicher armen. mare, mit starker Stamm- 
gestalt dstero (oder dsterac)^ s. § 344 S. 690. Gr. {jL7]Tpd-ai dv- 
6pd-oi, mit starker Stammform 6a>top-ai ooT^p-ai. 

Griech. Systemzwangswirkung war es, dass owropai im 
jiingeren Att. ~pa~ statt -pp- (I § 563, 3 S. 420) hatte. jMit -£3ai 
horn. boot. dvop-£aai horn. SoyaTsp-caai, mit -oiq nwgr. dvop~oi; 
u. dgl., s. § 360 S. 705. 

Lit. 7noter-y-sic -se und aksl. mater-i-cliu nach der i- 
Declin., s. § 356 S. 703. 

363. 7. Stamme auf Verschlusslaute. 

Uridg. * hhr gJi7it-s -su -si. Ai. hdidt-sii hhdrat-su, av. 
ber^zasu (I § 473, 2 S. 351). Gr. kret. ^Advai pdXA.ovai vixdaavai 
att. kXouzi pdXXoooi vlxTjaaai. Altes -doai = ^-aT-oi ^-7}t-si noch 
in herakl. Trpaaadvt-aaai IvT-aooi, die fiir %pacadaoi ^daai (vgl. 
ai. sat-sii ~ '^s-'^t-su) eintraten, indem die Stammgestalt der 
Formen TrpaaaovT-s^ £Vt-£c u. s. w. eindrang, vgl. dpvdai fiir 
^dpa-ai § 361 S. 705. V7]9oai (Theogn.) zu V'/jcpco '^ich bin niichtern" 
fiir ^vf^oaat, das o aiis vycpovT-s? etc., vgl. unten )^api-£ai nach 
}(api-£VT-£^;. Alit -Eoot horn. dxoadvT-Eaai lesb. cp£pdvT-£aai horn, 
nwgr. TiavT-soai, mit -oi^ nwgr. dy^eXXovt-oi? ovt-oic u. dgl., s. § 
360 S. 705. Aksl. telet-iclm nach der e-Declin., vgl. § 244 
S. 596. — Lit. vezancziu-su -se aksl. vezqsti-cJm als ?'c?-St. 

Ai. dpa-vat-su {dpa-va7it- Vasserig""), gr. jj^apt-sai fiir 
(vgl. oben VTjcpoai), s. § 127 S. 379. 

Av. nafsu — urar. ^7iapt-sii von ar, 77apdt- iiapt- ‘'Abkomm- 
ling', s. I § 471 S. 350. 

c^-Stamme. Ai, sardt-su ""in Herbsten'. Gr. cpuydai, (vtcpdo- 
eaat ~oi;). Ai. ptatsu^ gr. iroaL horn. Troaai (Tioo-saoi -oT;). 



§ 363—364.] 


Casusbildung der Nomina. Loc. plur. 


707 


Ai. iisiksu^ St. usij- Verlangend^j av. tuxiv-a^ St. tuc~ 
‘'Decke, Matte^ Gr. jastpali opxoEi (oy.uXdx-saat 'irtEpuY-saaij cpu- 
Xdx-oic). 

Ai. ap-su ‘'in den Wassern'’. Gr. vJkm^l (Yu7r-s::ai). 

364. 8. 5-Stamme. 

Uridg. ^menes -esic -esi^ -es-sii -es~si zu nom. acc. 
sing. ^me7ios ‘'Sinn'*, s. § 356 Anm. S. 701. Ai. mdnas-su^ ved. 
auch mcmasti^ av. manalm -hv-a] iiber ai. mdnali-su s, unten. 
Gr. |i£vsai horn, [xsvsa-oi. Lit. dehes-y-su -se aksL sloveS'd-chu^ 
s. § 356 S. 703. — Gr. kret. jir^vai att. [XTjat fiir lautgesetzl. 
att. vgl. nom. sing, pisi'^ (I § 611 S. 463, II § 132 S. 389, 

§ 199 S. 538), also -rp aus den andern Casus iibertragen; man 
beachte, dass idg. '^mensi zu att. gefiihit hatte. Entsprechend 
att. yrpi fiir ~ — Ai. mcisu^ jiinger mcis-s% zu 

7nas ‘'mensis'*, s. § 132 S. 389, § 134 S. 398. 

Ai. Jiams-su s. unten) wie mdnas-su. Gr. os-jraai 

horn. 0£7:aa-ai. 

Compar. "^oJcis -isu -isi, -is-su -is -si 'in ocioribus\ 
Ai. asiyas-su [aslyah-su^ s. u.) . Aksl. slazdisi-chu als ?*<?-Stamm. 

Anm. Gr. '/]oiooi TrXsoct nicht aus sondern zum ?'e«-Stamm 

gehorig, -wie kret. TiXia-ct (§ 361 S. 705). Denn die schwaehen Casus batten 
im Griecb., wie es scheint; nie -loc- gebabt; s. § 135 Anm. 1 S. 402. Daber 
auch kein ^'rjoiocct wie sTrec-ct, und zwar TrXeov-ecci p-siov-otc, aber kein 
^TcXso-Eooi -oic wie STus-eacji -ok und osTToc-scfat. 

Part. perf. act. ^tieidus -usu -usij -zcs-su -us-si. Uberall 
nur Neubildungen. Ai. vidvdtsu mit t nach vidvdd-Wiyas etc., 
wo -dhJi- lautgesetzlich aus ^-zhh- entstanden war, s. § 136 
S. 413^). Gr. slooai wol zum ^^^-Stamm gehorig, also aus 
'^-/oT-oi (§136 S. 412), vgl. nwgr. y£Yovdt-oi^. Lit. m\nmu-sii 
-se aksl. mirusi-chu als zo-St. 

Gr. [TOG I (von Herodian iiberliefert und in der Batrachom. 
260), woneben die Neubildung puat, s. § 160 S. 455. Aksl. 
myhicliu nach der ^-Decl. Ai. mus-su unbelegt. 

Arisch. Mit Einfiihrung des nom. sing, statt der Stamm- 

1) Hier betrachtete ich -vatsu noch irrig ale lautgeeetzliche Fortsetzung 
von "^-vas-su. S. jetzt Bartholomae Stud. z. idg. Spr. I 9ff. 



70S 


Casusbildung der Nomina. Dat. Abl. plur. [§ 364 — 367. 


form ai. mdnali-sii aliyah-su Jiavih-sii^ av. ravo-lm yon ravah- 
mick, FIeIlde^ S. § 356 S. 702. 

Griech. Auf -saai horn. STrs-saat lesb. iri-saai, 

horn. BsTrd-oaai, anf -oi; nwgr. messen. soasps-oi?, s. § 

360 S. 705. Mit dem von Izsa-ai n. dgl. ausgegangenen -scat 
wurden Formen wie sTrs-saai natiirlich erst gebildet, nachdem 
sich diesel Ausgang bei andern consonanti&chen Stammen ein- 
gebiirgert hatte. 

365. 9. I- n- iind u- 2 m-St'dmme und Stamme auf 

-f> -J. -§■ 

Uridg. -su -sij -u-s -sic -si^ z. B. ^bkru-s -su -si zu 
nom. ^hhru-s ‘^Brauek Ai. dhi-sic nadl-su, hliru-su svasrU-su. 
Gr, '/wi-oL 7cd}a-ai (zu 6cppo-ai u-ot vsxo-ai (zu vr/.u-c) mit 

I 0 nach etc. Moglich, dass fiir horn, vs/.oaai ysvoaai Triroaat 
einst Formen mit -6ai im Text gestanden Fatten. Mit -saai 
horn. a6-£aai Vcxo-aaatj s. § 360 S. 705. Lit. zicv-y-sii -se aksl. 
hruv-t-clm (unbelegt) nach der e-DecIin., dagegen svehruv-a-chii 
nach der (7-Declin. (vgl. gen. plur. sveJcrum : rqku ) . 

Ai. gir-su^ pur-su^ gd-sa-su (das letzte unbelegt) wie nom. 
sing, gir etc.^ s. §197 S. 534. 

366. 10. Uridg. ^iidu-s -sic -si ^in navibus^ : ai. ndu-su gr. 
vao-ai; bei Homer die Neubildung vTjo-ai, wie wfiq nach vyj-o*; 
etc. (I § 611 S. 463), doch auch lautgesetzlich vaoai-xXoToc;. Ai. 
go-stc, gr. poo-oL 

Horn, VYj“£aai vseaat, p6-£aai boot. |3o6-£aai, nwgr. p6-ot?, 
s. § 360 S. 705. 

Dat.-Ahlat. plur. i) 

367. 1. Das Suffix des dat.-abi. plur. Da die ar. 
Formen auf -bhias und die lat. auf -bus dativische und abla- 


1) V. Henry Essai de systematisation des desinences en dans 

la langue latme, Mem. d. 1. Soc. d. lingu. VI 102 ff. L. Ha vet Datifs- 
ablatifs plnr, en -ibus [en latin], ebend. Ill 412 ff. L. Duvan Datif plur. de 
Tombrien, ebend. VI 104. For stem ann Zur Geschicbte altdeutscher Decli- 
nation : Der dat. plur.; Eubn's Zeitsclir. XVI 81 ff. Much Germanische Dative 
aus der Homerzeit, Zeitschr. f. deutsch. Altert. XXXI 354 F. J. Schmidt 
Der altpreuss. dat. pi. auf ~ma7i$, Xuhn-Schleicher’s Beitr. IV 268 ff. 



§ 367.] 


Casusbildung der Nomina. Dat. Abl. plur. 


709 


tivische Bedeutung vereinigten, so ist anzunehmerij dass diese 
Doppelfunction des Suffixes aus uridg. Zeit mitgebracht war. 
Die ablativische Function des gen. plur. im Griech. und Balt.- 
Slav. war also eine jiingere Neuerung, nach der Analogie des 
Singulars, wo die Genitivformen auf -es -os -s seit der Zeit der 
idg. Ureinheit zugleich Ablativsinn batten; denn dass im Balt.~ 
Slav. das Zeichen des dat. plur. mit m-, nicht mit hh- beginnt 
(lit. -mus aksl. -mu), kommt bier scbwerlicb in Betracbt. 

Die fiir die Keconstruction des uridg. Standes beranzu- 
ziebenden Suffixformen sind: ai. -hhyas (vediscb oft -hhiyas) 
av. -hyd — iirar. "^-hliias lat. -hos -bus osk. -fs -ss 

umbr. -s — urital. ^-fos ^-bhos^)] gall, -bo^)] alit. -mus, jetzt 
-ms, preuss. -?nans -mas, aksl. -mu, Tiber den Wecbsel von -bh- 
und -m- s. § 274 S. 626 f. Die Annahme, dass das hinter dem 
Suffixanlaut stehende des Ar. in den andern Spracben ge- 
scbwunden sei, z. B. ital. "^'-fos aus ^-fios, ist ungerecbtfertigt. 
Wie -bhyas, ferner auch -bbya -bhyam -bliycm zu ibrem i 
kamen^ ist unklar. 

Gall, -bo verhielt sich zu lat. -bo-s wie ai. -bliya [tu-bliya 
‘^tibi^) zu -bltya-s und wie instr. (im Griech. sing, und 

plur., anderwarts nur sing., § 274 S. 626, § 281 S. 636 f.) zu ai. 
-bJii-s. Hiernach fragt sich, ob nicht das im Lit. neben -mus 
weit verbreitete -m und das -m des Lett. (z. B. lit. ranho-m lett. 
rukd-m neben bt. ranho-mus -ms) eine <s--lose Suffixform ^-mo, 
wie gall, -bo, reprasentiere ^), eine Auffassung, die eine Stiitze 
aucb an dem im godlewischen Litauisch und in lett. Yolks- 


1) Fiir das Umbr.-Osk. konnte man freilicb nacb den Lautgesetzen 
aucb von ^-Jis = ai. -bhis (instr. plur.) ausgeben. 

2) Nur auf einer Inscbrift, deren keltiscber Cbarakter von d’Arbois de 
Jubainville Kev. Celt. XI 249 mit Unrecbt bestritten wird. — In air. na-h 
mit Windiscb Paul-Braune's Beitr. IV 221 das gall, -ho zu seben ist man nicbt 
berecbtigt. Es handelt sicb wol nur um Verklingen des palatalen Elementes, 
zunacbst vor nicbtpalatalen Lauten, wie dinah gahalih. (Tburneysen.) 

3) Lit. Volkslied. und March. S. 297 f. erklarte icb rankom mit Bruckner 
fiir die Bualform, die in den Plural eindrang. Die Moglicbkeit dieser Auf- 
fassung ist jedenfalls nicbt zu bestreiten; vgl. die russ. instr. du. auf -ma 
in pluraliscbem Sinne (Vetter Z. Geseb. der nom. Deck im Buss. 50 f.). 



710 


Casusbildung der ISTomina. Dat. ALL plur. 


[§ 367. 


liedern fiir das -mis des instr. plur. stehenden -mi (z. B. godl. 
nakii-mi = nctkii-mis^ lett. Mjd-mi — lit. kojo-mis) zu habeu 
scheint (§ 379], Weiter ist hier das -m des germ. Mat."* plur. 
zu erwagen. Dass das altwestgerm. -ms und das nord. -mr 
(§ 379) ein Instr. -Suffix *-mis darstelle, ist glaublich, nur muss 
vielleicht zugegeben werden, dass ^-mz zum Theil aus einem 
dativischen *-mos entstanden war. Aber ein Lautgesetz^ nach 
dem das allgemeingerm. -m (im Aisl. selbst z. B. pri~m neben 
p7'i-m7' ‘^tribus^) aus ^-mz entstand, ist nicht erwiesen (das -m 
der 1. plur. got. laira-m braucht keineswegs auf '^-mz zuriick- 
gefiihrt zu werden). Ich vermute daher, dass auch das Ger- 
manische pluralisches (vgl. sing. ahd. zi houhitun ags. 

§ 282 S. 638)j vielleicht auch ^-mo ererbt hatte. Es ergibt 
sich hiernachj dass die Pluralisierung der hJi- und z^-Su£fixe 
mittels -s in der uridg. Zeit nicht durchgefiihrt war. 

Anm. Preuss. -mans in zu zerlegen ^-mom neben wie 

ai. -bhyam : -hhya, gr. -cpiv : -cf-i) ist vielleicht trotz aynsis 'Volk’ gimsenm 
'GeburP erlaubt wegen mensa menso 'Fleisch’, das dem got. mimza- ent- 
spricbt und das fiir Entlehnung aus dem Slav, [mqso] zu halten kein Grund 
ist: wie bier m dock wol durch Dissimilation zu n wurde, so konnte auch 
"^-mams durch Dissimilation zu -ynans geworden sein. Nun konnte dem 
^-mom das aksl. -mu gleichgesetzt werden. Aber wegen des lit. -mus -ms, 
das aus "^-mans nicht hergeleitet werden darf (iiber acc. lit. deviis : preuss. 
deiwans s. § 326 S. 6731), bleiben Zweifel, und es fragt sich, ob im Preuss. 
nicht -mas (z. B. nou-mas 'nobis’) die altere Form war, die sich mit lit. -mus 
zu urspr. ^-mds vereinigen liesse, und -mans erst nach dem acc. plur. auf 
-ans gemacht war. Lit. ~77ius liesse sich aber auch mit aksl. -77iu zu idg. 
^-ynus vereinigen. Folglich: Non liquet. Vgl. auch Osthoff Morph. Unters. 
II 311, Leskien Ber. d. sachs, Ges. d. Wiss. 1884 S. 1011 

Das Armen, zeigt -c, wie im Gen. und Loc., s. § 344 
S. 690. Im Griech. wurde unser Casus als Dat. durch den 
Loc. und Instr., als Abl., wie schon bemerkt, durch den Gen. 
ersetzt. Im Air. wurde er durch den Instr. verdrangt. 

2. Die Stammgestalt. Die abstufenden consonantischen 
Stamme, wie ^'p9ter- ""pater"*, hatten seit tuidg. Zeit schwache 
Stammform. 

Im Ar. statt der Stammform ofters die Gestalt des nom. 
sing., wie ai. mdno-bhyas av. mane-hyd, S. hieriiber § 356 S. 702 f. 

Im Lat. und Osk. zeigen die consonantischen Stamme den 



§ 367—369.] Casusbildung der Nomina. Dat. Abl. plur. 71 1 

xiusgang der ^■-StammeJ z. E. lat. matr-ihus ferent-ibiis wie om~ 
bus tri-lus^ osk. liff-is "^legibusk Dagegen scheint das umbi. 
-tis in fratr-tcs a set -us etc. von den «< 5 “Stamnien (beru-s S^eiu- 
bus^) ausgegangen zu sein. 

tibei die Stammgestaltung im Germ. s. § 379, 2. 

Auch im Balt. -Slav. Verallgemeinerung des Ausgangs dei* 
^-Stamme, wie in den andern m-Casus und im loc. plui., z. B. 
lit. akmeyiA-ms aksl. hamen-t-mu, Doch noch aslav. 'poljamu 
— '^poljan^mu^ s. § 356 S. 703. 

368 . 1. o-Stamme. Uridg. '^ulqo-hh- (-m-j. Ai. 'DrJce- 
hhyas av, tehrJcaeibyd mit urax. fiir -a- nach den Prono- 
mina wie te-bhyas taeibyd. (Got. milfa-m ahd. loolfum neben 
pdi-m de-m^ vgl. § 367 S. 710 und § 380.) Lit. vibka-miis -d-ms 
aksl. vlicko-mu neben ie-ms te-mu. 

Lat. Formen auf -ibtcs von o-Stammen wie cmucibiis sidhus 
(s. Biichelei-Windekilde Giundx. S. 126 f.) waren jiingere Neu- 
bildungen fiir Formen auf -'is (§ 3 SO). Dagegen mogen die 
Pronominalformen t-bus ‘'eis^ (vgl. ai. e-hliyds)^ woneben i-hus 
(^- Stamm wie und hi-biis ‘'his^ altmitgebracht gewe- 

sen sein. 

Anm. Im Aksl. zeigen die j'VSttome neben -je-mu aucli -'Wiii 
-pniil , wie zulodejiinu, entsprechend instr. sing, zulodejum dat. instr. du. 
^fima. Man mochte i (nach Sonanten - 1 ^* 2 -) als die Tiefstnfenform des Suf- 
fixes -ip- (vgl. ahd. hirti-m § 380), das ^ von glagoljahvmu als aus andern 
Casus eingedrungen und die hie und da auftretenden Formen wie strazije 
)nom. plur.) 'Wachter’ als jungere Neubildungen nach der 2 -I)eclin. betrachten. 
Also -dejimu : -dejemu lit. gaidzid~7ns [gaidy-s 'Hahn’) = ahd. liirthn : got. 
hairdjmn. So begriffe sich auch um so leichter, wie so viele consonantisch 
auslautende masc. neutr. Stamme im Balt.-Slav. zu xo-Stammen wurden, wie 
partic. gen. lit. vezanczio aksl. vezqsta 'vehentis’, aksl. dateljt 'datorh Hatten 
nemlich die -^’o-Stamme im Urbaltischslav. -i- in den wz- Casus, so war ihr 
Ausgang derselbe wie der der consonantischen Stamme, die damals in dieeen 
Casus in die z-Decl. ubergefuhrt waren (§ 402); es konnten dann z. B. zu 
*iiezo7it-i~7n- um so leichter Casus mit "^iiezoyit-ip- gebildet werden. Zu 
untersuehen bleibt auch, ob der im Lit. so haufig begegnende Ubertritt von 
2 -Stammen in die 7o-Declination (z. B. kry-ti-s § 100 S. 288) in alterer Zeit 
nicht nur durch die Gleichheit des Ausgangs im nom. acc. sing., sondern 
auch durch dem ahd. Im'tmi analoge Formen hervorgerufen war. 

369 . 2. a-Stamme. Uridg. ^efcud-bh- {-m-). Ai. dsm- 
hhyas^ av. Jiamicl-byo. Lat. equd-hus\ im altesten Latein weiter 



712 Casusbildimg der Nomina. Dat. Abl. plur. [§ 369—373. 

verbieitet (z. B. manihus dextrahus)^ wuide -a-hus spater nur 
dex geschlechtlichen Unterscheidimg wegen (z. B. fllizs et flli- 
ahus) und in den Neiibildungen dudlzis amldhus (Plural- fiir 
Dualsufiix) beibehalten. Gall. va|jLaoai7.a-po , Attxibut yon |aa- 
Tp£[3o ""matribusb (Got. giho-m ahd. geho~m^ s. § 367 S. 710, §381.) 
Lit. ranko'~7nns -mSj aksl. rqka-mii. 

370 . 3. 7 - ?e-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Uridg. 

[-m-]. Ai. hrJiati-hlnjas, ay. hm'eiiti-b^jo. (Ahd. 
dig%-7n ‘'den Bitten'*, s. § 367 S. 710 imd § 382.) Mit -ie- statt 
facie-htis^ umbr. iovies aus ^-ie-fs zum acc. plur. iome[f) 
§ 328 S. 676. Ebenso lit. zeTue-Tnus -tus^ aksl. ze77ilja-7nu] da- 
gegen nach der ?«-Declin, (ygl. S. 526 Fussn. 1) lit. veza7iczio-ms, 
aksl. vezqsta-77iu . 

371. 4. ^-StaInme. Uridg. ^07ii-bli- [-Tn-). Ai. dvi- 
hhyas. ay. aU-hyb. Lat. tri-bus ovi-bus tu7'Ti-bus\ urtibr. txis 
‘'tribus'* avis aves aveis ‘'ayibus'*, osk. luisari-fs (Biicheler 
Rhein. Mus, XLIV 328), vgl. teremn-iss ‘'terminibus'* § 373; 
dex Vocal der letzten Silbe im Umbxischen wax lang, ob duxch 
‘'Exsatzdehnung'* oder duxch Anlehnung an die Form des acc. 
plux.? (Got. ansti-7n ahd. e7isii-m^ s. § 367 S. 710, § 383.) Lit. 
7iahti-mus -\-ms^ aksl. nosU-mu. 

372. 5. w-Stamme. Uridg. ^su7iu-bh- [-tu-]. Ai. sunu- 
bhyas^ av. bdzu-hyb, Lat. 77ia7iu-btis mani-bus lacii-bus laei-bus^ 
s. I § 49 S. 43 und Biichelex-Windekilde S. 124 £. ; umbx. beru-s 
Verubusb (Got. simu-m^ s. § 367 S. 710, § 383.) Lit. simu-Tnus 
-U-771S, aksl. syno7nu aus ^sy7iu-7nu^ das wie ^sy7iu-7m nur zu- 
fallig ohne Beleg ist (§ 282 S. 638). 

373. 6. ?^-Stamme. Uridg. ^^k{u]u'^-bJi- {-7n-)^ eventuell 
duxch Assimilation '^k[u)iim-bh-^ s. I § 222 S. 192. Ai. svd-bhyas 
dsma-hhyaSj av. da/ma-byb und d 7 'aome-byb [draoma7i- ‘'Anlauf, 
Ansturm'*) mit dem -e- der 65-Stamme [gnane-byb^ § 376) infolge 
des gleichen Locativausganges [ddmolm = ^ddmaliu wie ma- 
iiahuj § 361 S. 705). Lat. liomm~i-ius osk. texemn-i-ss ‘'ter- 
minibus'*, dagegen umbx. kaxn-u-s ‘'carnibus'*, homon-u-s ‘'ho- 
minibus'*, s. § 367 S. 710£. Lit. szu7i-i-mus akmeTi-i-muB 



§ 373 -- 376 .] 


Oasusbildimg der Nomina. Bat. Abl. plur. 


713 


aksl. hamen-l-mu nach der i-Declin.j doch noch aslav. poljamu 
aus ^poJjmi-mu (I § 219 S. 189), s. § 367 S. 711. 

374. 7. r-Stamme. '\]jiAg.^'mati'-h]i-ddtr-hh-{-7n~), 
Ai. matr-hhyas dair-hliyas^ av. rndter^-lijo dater^-hyo. Lat. mdtr- 
i-hus datdr-i-hiis^ imibr. fratr-u-s fratr-u-s ‘"fratribus^ ner-ti-s 
‘"proceribusb Gall, mdire-ho (paTpspo) ‘"matribus^ ; zweifelhaft 
ist, ob -re- — idg. -r- war [-re- fiir urkelt. -ri- I§298 S. 23S, 
wie in vergo-lretu-s zu air. hretJi f. ‘^Urtheir = idg. ^bhr-td), 
Oder ob ein '^mdtr-i-ho nach der ^-Decl. zu mdtreho geworden 
war; vgl. air. instr. mdthraib mdithrib § 385. (Got. brbpru-m^ 
ahd. 'iimoteriim^ s. § 367 S. 710, § 385.) Lit. moter-i-imis -)-ms 
aksl. mateT-%-mu nach der i-Declin. 

376. 8. Stamme auf Yerschlusslaute. 

Uridg. "^blirglind-bli- {-7it-m-) von St. '^bhrghont-. Ai. 
brhdd-bhyas] av. ber^zad-byb^ mit Einfuhrung der starken Stanim- 
form ber^zanbyb, mit nom. acc. sing, statt des Stammes ber^zap- 
hjd (§ 356 S. 702 f.). ferent-i-bus^ umbr. aset-u-s ‘'agentibus'’, 
s. § 367 S. 710. {Ooi. frijond-a-m tunp-u-m etc., s. § 386.) Lit. 
vezante-ms (pronominaler Ausgang), vezqste-mu als ?*o-St. ; 

lit. dant-l-ms ‘^dentibus^, aksl. telet-'i-mu (s. § 244 S. 596). 

Ai. ved. nddbhyas aus "^nabd-bhyas zu ndpdt- napt- "^Ab- 
kommling^, vgl. av. loc. nafsu § 363 S. 706. (Got. tigiim ‘^decadi- 
bus^ aus urgerm. ^te^un[d)-m-^ s. § 386.) 

d-St. Ai. lardd-bhyas ""den Herbsten\ Ai. pad-hJiyds av. 
pad^-bybj lat. ped-i-hiis umbr. du-purs-u-s ‘'bipedibus'’ (§ 367 
S. 711). [Qoi. fot-u-nij § 386.) 

Ai. vag-bhyds Vocibus^, av. vdyz%yb von einem sonst nicht 
vorhandenen Thema vdc[a)lt- oder mit Einfuhrung des nom. vdxs 
statt der Stammform (§ 356 S. 702 £), lat. vbc-i-bus nach der i- 
Decl. Ai. vid-bJiyds av. mz-byd urar. ^uiz-bliias zu ms- rzs- 
‘'Clan, Dorfgemeinde" (I § 404 S. 302), dagegen ai. dig-bhyds 
(St. dil- ‘^Richtung'') fiir ^didbhyas nach diksu und dik (§ 356 
S. 702 £.). Lat. leg-i-bus osk. lig-i-s ‘'legibus'' nach der ^-Decl. 

Ai. adbliyds av. aiioyb von St. ap- ‘'Wasser'*, s. I § 328 S. 267. 

376. 9. 5~Stamme. Uridg. ^menez-bh- (-es-m-) zu 

nom. sing, ^mezzos. Ai. mdnb-bliyas fiir ^manadhliyas nach mdnb. 



714 


Casusbildung der Nomina. Dat. Abl. plur. [§ 376 — 378. 


ebenso av. mane-hijo flir ^mcmazhtjd nach gaf). mane, s. § 356 
S. 702 f. iind Bartholomae Kuhns Zeitschr. XXIX 572 £ 582, 
Stud. z. idg. Spr. I 2 £ Lat. gener-i-lus nach der ^-Decl. (Ahd. 
helhir-im, s. § 3 87.) Lit. debes-l-ms aksL sloves-i-mu nach der 
{-Decl. 

Ai. sudahliyas av. Imd&hyo (St. sii-dds- hu-dcili- ^reichlich 
gebend"*) flir '^sudadhJi- ^hudazh- nach nom. suda lmd& (§356 
S. 702 £). Dagegen lautgesetzlich ved. madhhycis (spater md- 
bhyds) von mas ""mensis^, ebenso zisddhhyas (spater usbhhyas] von 
lisds- Triihlicht^ Lat. mens-i-hus, vgl. air. mis-i-h § 387. 

Ai. Itavir-bhyas fiir ^hamdbhyas (vgl. mprudbliyas z-u vipnis- 
‘"Tropfen, Kriimchen"*) nach nom. liavir ‘'Opferspende'* , aber 
lautgesetzlich av. S7iaipiz-byd (nach S7iaipiz-bya § 304 S. 653 er- 
schlossen). 

Compar. uridg. '^bhiz-bli- {-'is-m-]. Ai. dll yo-bhyu'i wie 
mcmd-bliyas. Lat. dcidr-i-hus nach der ^-Decl. AksL slazd/ise-nvi 
als ^o-Stamm. 

Part. perf. act. uridg. "^tieiduz-hh- [-iis-m-). Ai. mdvdd- 
hhyas mit der starken Stammsuffixform -vas-, av. mdnzbyd. 
Lit. 7 nlru$e-ms (pronominaler Ausgang), aksl. miruse-mu als 
{o-Stamm. 

JjdX. mur-i-biis und my si-mu nach der «-Decl., uridg. 

'^muz-bTi- '^muS’-m-. 

377, 10. I- ii- und u- 2 ^w~Stamme und Stamm e auf 
-f, -I, -n. 

o' ° o 

Uridg. -i-bh- -u-bJi-, -l-m- -u-m-. Ai. dlii-hhyds 7%adk- 
bhyas, bhru-bhyds svasru-bhyas, Lat. su-hus, auch su-bus, wol 
nach su-is etc. (vgl. gr. oat § 365 S. 708), und su-i-bus. (Aisl. 
su-771, s. § 388.) Lit. hw-i-ms aksl. hriw-%-mu nach der e-DecL, 
dagegen svekruva-mu nach der a-Decl. (vgl. s'vekruva-cJiu § 365 
S. 708). 

Air. glr-bhyds, pur-bhy&s, gd-sd-bliyas (das letzte unbelegt) 
aus etc., wie nom. sing, gh^ etc., s. § 197 S. 534. 

378. 11. Ai. ndu-bhyds, lat. ndv-i-bus nach der «-DecL 
Ai. g6-bhyas, lat, bu-bus bo-bus, Ai. rd-bliyas, lat. 7' e-bus. 



§ 379.] 


Casusbildung der Nomina. Instr. piur. 


715 


histmment, plur. 

379. 1. S Ilf fix des instr. plur. Die o-Stamme hatten 

den Ausgang -dis, den man ^delleicht in zu zexlegen 

hat (I § 150 S. 138) ; iiber aksl. -y s. § 380. Die andern Stamm- 
classen zeigen: ai. -hhis av. -lls apers. -his — iirar. ^-bhis] 
armen. -hJl -vM (nach Bugge s Vermutung aus ^-hhis-% wie das 
-Ji des nom. plur aus s. § 313 S. 660): gr. -cpi -^iv ; air. 

-b = urkelt. ''"^-his [-i- war reflectiert durch den palatalen Vo- 
cal der vorhergehenden Silbe, -s dadurch, dass in des folgenden 
Wortes Anlaut gewohnlich keine Spiranten erscheinen , s. I 
§ 576 S. 433j § 658, 1 S. 512, Windisch Paul-Braune’s Beitr. 
IV 221); germ, (aisl. -mr z. B. pri-7nr § 383, awestgerm. 

Vatm-ms § 382) und lit. -?ms dial, -mi, aksl. -7?ii. Lit. 

dial. plur. -mi nehen sing, -m (s. Verf. Lit. Volksl. u. March. 
S. 297) und lett. -mi (§ 367 S. 709 f.) weisen auf ''-mJ, ent- 
sprechend wol lett. wUa-mis ^stellemveise^ von loUa "^Stelle^ 
(Bielenstein Die lett. Spr. II 34) auf Folglich wird 

auch lit. -mis alteres ^-mts und aksl. -mi alteres ^-ml oder 
^-mJs reprasentieren. Als uridg. diirfen demnach ^-hhi{s) und 
^-mi{$), vielleicht auch mit 7, gelten. Waren -mi und -ml aus 
dem Uridg. ererbt, so wurde im Balt., eventuell auch im Slav, 
(nemlich wenn -mi kein -s gehabt hatte) der Quantitatsunter- 
schied dazu benutzt, Sing, und Plur. zu unterscheiden. Im 
tibrigen vergleiche § 367 S. 709 f. 

1) Vgl. S. 624 Pussn. 1, S. 699 Fussn. 1, S. 70S Fussn. 1. 

2) Das lit. plur. -mi, dessen Verbreitungegebiet noch festzustellen 
bleibt fes scheint scbon bei Bretken vorzukommen, sunmni, s. Bezzenberger 
Beitr. zur Gesck. d. lit. Spr. 149), kann nicht mit dem singularisclien -mi 
identificiert werden, weil dieses in Godlewa stets als -m erscheint. Dass 
-mi und das lett. plur. -mi vor Zischlauten ein -s eingebiisst Labe und von 
da aus verallgemeinert worden sei, ist nicht wahrscheinlich. Das lett. -mi 
konnte, vom Standpunkt des Lett. aUein aus betrachtet, zur Not allerdings 
als Singularform gedeutet werden, vgl. das formal singularische ahhu ruku 
'mit beiden Handen" bei Bielenstein II 23, Aber man wird es vom lit. plur. 
-mi nicht trennen diirfen. Was endlich die Quantitat des i in lett. -mi 
-mis betrifft , so spreehen lit. plur. -mi — ^-mi und aksl. -mi dafur, dass 
der Vocal einst lang war und sich nicht etwa urspriinglich kurzes i im 
Volkslied gegen die Auslautgesetze gehalten hatte. 



716 


CasTisbildung der Nomina. Instr. plur. 


[§ 379. 


Im A vest a finclen sich instr. plur. auf -ts von consonau- 
tischen Stammen, wie 7iamen-Vs amo7i-~is sava7dJiat-is [scvocmhant- 
^niitzlich'’), die, gleichwie die Instr. auf -ais und vereinzelt auch 
seiche auf -hls^ auch als nom. acc. neutr. vorkommen. So lange 
diese Formen nicht aus andern Sprachen zuverlassig nach- 
gewiesen sind (sehr unsicher ist Bartholomae’s Vergleichung 
mit gr. avLc vgl. auch Curtius Grundr. ^ 650 und 

Strachan Bezzenberger ’s Beitr. XIV 176) und ihx erweiterter 
Gebrauch nicht gedeutet ist, muss man Bedenken tragen, in 
ihnen uralte Instrumentalformen zu sehen, wenn auch an sich 
der Gedanke anspricht, dieses -%s verhalte sich zu dem Aus- 
gang -ois = wie das ablativische -d von ai. Tua-d zu 

^od = -o^cfd (§ 240 S. 587 f.). S. Bartholomae Bezzenberger ’s 
Beitr. XV 16 f.. Stud. z. idg. Spr. I 75 f. Vielleicht hilft Bar- 
tholomae’s Heranziehimg des singularischen instrumentalen 
}idmen~% weiter. Dieses legt nemlich die Vermutung nahe, 
nien-Vs 7iamenA [e = ar. a) seien fiir ^7ia7na-7ms ’^nama-mi (vgl. 
ai. sa7ie-7ni § 282 S. 637, feiner air. cmmimm § 281 S. 636) 
eingetreten; als die m-Suffixe im Absterben waren, konnte 
das m leicht von den andern Casus aus durch 7% ersetzt und 
dann von ^laments ein Suffix -Is abstrahiert werden. 

2. Stammgestaltung. Es gilt dasselbe, was § 367, 2 
S. 710 f. bemerkt ist. 

Im Altir. war der Ausgang -ih der consonantischen Stamme, 
theils von den theils von den o- oder ^-St^men geborgt. 
Die Formen verhielten sich zu moiaihj wie im Lat. homm-i-hiis 
mcit7-i-his etc. zu equd-biis. 

Dass im Germ, *-7ni[s] das Suffix der consonantischen 
Stammclassen war, nicht ^-m7ni{s) oder wie Kluge u. A. 

annehmen, beweist wol tigum aus '^te^%in[d)-mi — ai. dasdd- 
hliis (§ 386)^). Das -zm von got. ags. got. TTimdp-iim 


1) Die neuerdings von J. Schmidt (in der S. 697 Fussn. 1 genannten 
Schrift S. 25 f.) wieder vertretene Gleichstellnng von tigwn mit ai. dald-hhis 
iiberzetigt mich nicht, da "^dehm Adjectiv, nicht Abstractsubstantiv war. 
Dass eine von Schmidt citierte Stelle eines lit. Marchens, wo \sz triju devyniu 
stukeliu 'ans drei Nennheiten von Stuckchen’ bedeuten soil, den Ubergang 



§ 379—380.] 


Casiisbildung der Nomina. Instr. plur. 


717 


u. s. w. war ansgegangen von ags. earnii-m {§ 384)^ got. hroprii-in 
{§ 385)j sunii-m (§ 383), und zur Ausbreitnng dieses -um sowie 
des -a-m der o-Stamme (got. frijond-am reiJc-am) und des 
-i-m der 2 -Stamme (got. haurg-im) gab dasselbe Bestreben den 
Anstoss, das gr. ospovT-oaai -oic fiir cpspovct veranlasste (§ 360 S. 
705). -am lag nahe w’egen des gen. plur., z. '^.frigonde ; vidfe. 

380 . 1 . o-Stamme. Uridg. ^ulqois] in den europ. Sprachen 
-oij aus -bis nach I § 6 1 1 if. Ai. vrkai§^ av. veJirkais. Gr. ao- 
xoi?, das zugleich Loc. war (§ 356 S. 700, § 357 S. 703). Lat. 
licpls alat. oloes ""illis^ (I § SI S. 75), umbr. veskles vesclir S^as- 
culis'* ‘'oereir ^porta"* alfer ^albis"* (I § 81 S. 76), osk. Nuvlamiis 
‘'Nolanis^ 7iesimois ‘^proximis^ ; vgl. § 357 S. 703. Lit. vilhals. 

Da die o-Stamme im instr. sing, auch -hid und -mi batten 
(§ 281. 282 S. 636 ff.), so ist nicht zu verwundern, dass wir 
hh- und m-Suffixe auch im Plural neben -bis linden. Ai. ved. 
trke-hlns^ av. vehrhae-ihis apers. martiyai-his ""mortalibus^ ; vgl. 
dat. vrke-bliyas vehrkae-ihyb § 368 S. 711 und instr. sing. ai. 
sane-mi § 282 S. 637. Armen, gailo-vk^ vgl. sing, gailo-v. Gr. 
Tiap^ auTo-cpt ‘'bei ibnen"*, vgl. octto otpaio-cpi Smm Scbiifslager 
weg^ Air. ferHh aus ^iiiro-his. Got. vulfa-m abd. wolfum 
tvolfom aisl. ulfum^ vgl. abd. zi houhitun § 282 S. 638. War west- 
germ, nord. -U7n = got. -a-m oder das durcb Analogic ver- 
breitete -um^ von dem §379 S. 716 f. die E-ede war? Abd. -m, 
wie in hirtim neben hirtiim (got. liairdjam)^ scbeint die Tief- 
stufenform-^- des Suffixes -io- zu bieten (Streitberg Paul-Braune’s 
Beitr. XIV 189), und so lasst sich auch das i von air. celih (zu 


vom Adjectiv 'zehn’ zum Substantiv Decade’ illustriere, ist zu bestreiten, 
da diese Ausdrucksweise im Lit. selbst etwas durcbaus Ungewohnliches ist 
und die Marchenstelle, in der von einem Aberglauben die Bede ist, selbst 
erst der Aufklarung bedarf. Wenn Schmidt gegen uns geltend macbt, dass 
kein ^-Stamm im German, diesen Verscblusslaut im dat.-instr. plur. so ein- 
gebtisst zeige, wie ich annehme, so ist das richtig. Aber es ist ja auch 
keine Form auf -urn von einem Nasalstamm belegt, die Schmidt seinem 
tigum = dasdhhis an die Seite stellen konnte! Von hier aus ist also nichts 
zu entnehmen, was fur die eine oder die andere der beiden Erklarungen 
entschiede. Meiner Auffassung hat sich Xluge Paul’s Gmndr. I 404 an- 
geschlossen. 



7i8 Casusbil dung der Nomina. Instr. plur. [§ 3S0 — 382. 

cele "Genosse'j auffassen, vgl. auch aksl. dat. plur. zidodejimu 
§ 368 Anm. S. 711, fexnei ahd. digim § 382. 

Isoliert steht aksl. vl'iihy^ Jcraji {kraji "Rand^j mit -Jl. aiis 

(I § S. 48). Diesex Aiisgang auch bei den consonan- 
tischeu Stammen, abex nux neutxalen, z. B. imen-ij § 384, so dass 
zu vexmuten ist, ex habe auch bei den c?--Stanimen uxspxiinglich 
nux den Neutxa angehoxt. Ubex den XJxspxung des das 
txotz W. Schulze Kuhn’s Zeitschx. XXVII 421 [und jetzt auch 
Wiedemann in dex S. 563 Fussn. 1 genannten Schxift S. 47] 
mit dem idg. Ausgang ^-ois nach den bis jetzt exmittelten slav. 
Lautgesetzen nicht zusammengebxacht wexden kann (aus ""'-ois 
waxe vexmutlich duxch die Mittelstufe ein -e odex -i ent- 

standen), ist man noch im Unklaren. 

Anm. Ich mochte die Frage aiifwerfen, ob der Adverbialansgang -y, 
z. B. in maly "^wenig’, das des ace. plur. neutr. der z^-Stamme (§ 339 
S. 6S4) war, maly also ursprunglicb. '^pauca’ bedeutete. Wenn solche Ad- 
verbia mit denen auf -ml (vgl. Miklosich IV 712) gleichwertig geworden 
waren, so konnte -y auf diesem VVege dem instr. plur. zugefiilirt werden. 
-y ware auf abnlicbe Weise ins lebendige Casussystem eingedrungen wie 
die Adverbialendung ^-tos im Ind. u. Armen. (§ 244 S. 594 f.). War ^-dis zu 
Oder vorgeruckt, so konnte das Bestreben, lautlicli zusammengefallene 
Casus wieder zu differenzieren, die Verallgemeinerung des -y veranbssen. 

381. 2. «-Stamme. ^ekud-h]i'l[s) [-ml{s)). Ai. 

dsvd-bhis, av. hama-his. ' [Gx. dysXvj-cpi u. dgl. nux singula- 
xisch.) Aix. mnciih tuathHh. Got. gibo-m^ ahd. gebd-m. Lit. 
ranko-mis dial, aksl. rcLka-mi. 

Gx. )^tt)patc, lat. mensls umbx. anzexiates aseriater ’^obsex- 
vatis'^ osk. Diumpais ('^nymphis^) waxen Neuschopfungen nach 
dem Mustei des -oh dex o-Stamme. 

382, 3. %- ?*d-Stamme (vgl. S. 526 Fussn. 1). Uiidg. 

'^blirgh')it~i-b]n[s) [-ml[s]], Ai^brJiati-bJiis^ diY.bare7iti-his, Aix 
msib. Altwestgexm. inschx. Vatvl-ms Afll-ms neben latinisiexten 
Vatmd-hus Alfid-biis aus dex Zeit bald nach Chx. Geb. (Much 
Zeitschx. f. deutsch. Altext. XXXI 354 ff.) ; vielleicht hi exhex 
auch ein Theil dex ahd. «-Abstxacta, wie digl-m Men Bitten^, 
vgl. gen. plur. § 347 S. 693. Mit -ie- lit. zeme-mis dial. -7ni^ 
aksl. zemlja-mi. 



§ 382—384.] 


Casusbildung der Nomina. Instr. plur. 


719 


Gr. cpspooaaic, got. frijondjo-m ahd. himinginno-m., lit. te- 
zanczio-mts -?n) aksl. vezqhta-mi nach der Weise der «77-Stamme 
(vgl. S. 526 Fussn. 1). 

383. 4. und w-Stamme. 

Uridg. Ai. dm-hhiL srti-vU , 

Ah. fdithi-h tri-h. Got. ansti-m ahd. ensti-m\ aisl. /in-mr ^dreieu"’ 
(run. gestumn ‘'Gasten^ nach der o-Declination, vgl. Noreen Paiifs 
Grundr. I 493, Burg Die alt. nord. Runeninschr. 77). Lit 
m\s dial, aksl. nosti-mi. 

Uridg. sumi-'bli%[s] [-m%[sy]. Ai. sunu-bhis^ av. bdzic-bis. 
Armen, zm'du-ld aus Got. sunu-m^ ahd. sitim nach der 

«-Decl. Lit. sunu-m\s dial, -rni, aksl. s%jnu-mi. Unsicher ist die 
Beurtheilung des air. hethHh. 

Anm. Im Ir, Mlt die fast constante Brechung des Vocals der Stamm- 
silbe auf: fedaih mogaih etc., da ^vidu-bis ein Jidiiih Jidih oder abnl. er- 
Trarten liesse. Entweder Einfluss der o-Stamme, oder das in unbetonter 
Silbe mit znsammenfallende hat id noch Brechung bewirkt. (Thurneysen.) 

384. 5.?2-Stamme. Uridg. k[u)ii'^-hhl{s) oder 

hli%{s) I § 222 S. 192 [-nn[s)). Ai. lvd-‘bJiis dlma-hliis. hN.dcima- 
bis, ddme-bls wie draome-byb § 373 S. 712. Armen. akam-bU. 
Gr. y.oToXrjOov-d-cpt fiir %oToXrjOo~<pi '^xoToX*/]6a-<pi wie laoiov-oi^ 
fiir (jt£io-at (§ 361 S. 70 5 f.). Air. conA-ib, Jiad7i^-ib [fiadu 

‘^Zeuge^), tohnten^-ib, s. §379 S. 716. Ags. oxnum aisl. yxmim 
‘'Ochsen'* ags. eariium aisl. qrnu7n ‘'Adlern'* aisl. hjqrmim ^'Baren^ : 
hier war -n- vom gen. plur. und acc. plur. entlehnt, aber 

aus -m-m- (alter entstanden (vgl. § 332 S. 679), also der- 

selbe Process, durch den gr. dpvdai, alter "^dpa-at, entsprimgen 
war (§ 361 S. 705). Es stand demnach im Germ, einst der Instr. 
auf neben Nom. auf ^-a7i-iz wie arm. akam-blz anjam-bJ^ 

neben aku7i-Ji anjm-k^, gr. cppa-at neben cppsv-sc u. dgl. Lit. 
szun-'i-mls akme7i-i-77i\s dial, -m), aksl. ka7ne7i-i-mi nach der i- 
Dec!., aslav. polja-mi wie polja-mu § 373 S. 713; aksl. neutr. 
i7ne7i-ij wie igy § 380 S. 718. 

Germ. Got, giimam — g%iman-7ni , wie tiiggbm manageini 
ahd. zimgbm me7iigim aus ^-bn~mi ahd. gombn eine 

Neuerung wie gommio § 350 S. 696. In andrer Weise erscheint 
der alte Ausgang umgestaltet in got. aulisoiam ‘^Ochsen'* abTiam 

Brugmann, Grundriss. II, 2. 40 



720 


Casusbildung der Nomina. Instr. plur. 


[§ 384 — 387 . 


‘'Mannern'’, neutr. vatiiam (noni.acc. mtna)^ vgl. gen. auks?ie: vulfe\ 
ahnlich frijmidam wegen frijmide^ s. § 379 S. 717. 

385 . 6. r-Stamme. Uridg. '^maU'-hhl{s) ^ dotr-hhi [s] 
[■~mi[s)]. Ai. matr-bhij datr-hJiis, mater^-his dciter^-hiH (uach 
dem dat. plur. erschlossen). Armen, ynar-blz dster-hJc . Air. matliT^- 
ih mdithrih ebenso zweideutig wie gall. [jiarpsPo, s. § 374 S. 713. 
Got. hropm-m^ ahd. miioterum. Lit. moter-i-mls aksl. mater-- 
i-mi nach der ^-Decl. 

386 . 7 . Stainme aufV erschlusslaute. Uridg. 

'b]ii[s) Ai. brhdd-hJiis] av. ber^zad-bis^ mit starker 

Stammgestalt ber^zanbis^ mit der Form des nom. acc. sing, neutr. 
statt des Stammes ber^zaj^-bis (§ 356 S. 702 f.). Air. cairti-b^ s. 
§ 379 S. 716. Got. frijdnd-am friwit-um^ got. tu7ip-um ags. 
tod-um aisl. tom%-um (vgl. ai. dad-bJds^ lit. da^it-i-mls 
s. §379 S. 716f. Lit. veza?icziais akis], vezqsti als ^‘o-Stamme; aksL 
telet-y [telq n. s. § 244 S. 596) wie igy § 380 S. 718. 

Av. azd^-bls von ast- n. ‘^Knochen^ Got. tigum Mecadibus^ 
aus ^te^un[d)-mi wie ai. dasdd-bhis^ idg. detcrgd-bli- ^dehrgt-m-^ 
vgl. § 379 S. 716. 

c?-Stamme. Ai. sardd-bhis. Air. druidi-b^ s. § 379 S. 716. 
Ai. pad-bhis % av. ga|). pad^-bU^ got. as. fbt-um ahd. fua^-um 
(§ 879 S. 716 f.). 

Ai. vdg-bhis von vac- ‘'vox^ Tiber ai. vidbhis -rddhJiis und 
digbJds s. § 375 S. 713. Av. maz-bU {maz- 'gross^j fiir ^maz-bzs 
nach dat. sing, maz-bi etc. Das neben av. mz-byd ai. vid-blds 
stehende apers. mpibis (denn so, nicht vlpaibis^ wird zu lesen 
sein) ist bei der Diirftigkeit des Sprachmaterials nicht sicher 
zu beurtheilen. Got. reik-azn, aber baurg-im^ s. § 379 S. 717. 

Ai. adbJds von ap- ‘^WasseF wie adhhyds § 375 S. 713. 

387 . 8, 5-Stamme. Uridg. ^ menez-bhl[s] [-es-ml[s)] , 
Ai. mdnb-bJds^ av. mane-bis (— pali ma7ie-[b)lii^. s. Bloomfield 
Amer. Journ. of Phil. Ill 36), s. § 376 S. 713f. ; ebenso apers. 
rauca-bis nach dem nom. acc. rauca'^Tlag (av. raoco). Gr. opsa-cpi. 
Air. tigib vielleicht aus ^teges-o-bis^ wie im Dual, s. § 304 

1) Ein zti pad- gehoriges padhliis bat es nicbt gegebeU; s. Bartholomae 
Bezzenbergef s Beitr. XV 3 ff. 



§ 387—390.] 


Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


721 


S. 653. Got. agis-am ahd. helhir-iim^ vgl. § 343 S. 688; war ahd. 
sigim aus '^se^es-mi entstanden? vgl. § 226 S. 563. Lit. dehes- 
i-mls dial, -ml nach dei ^-Decl., aksl. sloves-y wie igy § 380 S. 718. 

Ai. stida-bhis av. Imdti-bls^ ai. mad-hMs md~bJiU usdd-bhis 
usd-bMs wie die entsprechenden Dativfoimen § 376 S. 714. Air. 
mis^-ib aus ^mis-o-bis (§ 379 S. 716), vgl. lat. dat. mms-i-bus. 

Ai. Jiavir-bMs av. snaipiz-bis^ Compar. ai. dsiyo-bhis, part, 
ai. mdvdd-bhis av. vtduz-bts^ wie die Dativformen § 376 S. 714. 
Aksl. slazdAH^ lit. mlrusiojis aksl. mirusi als {o-Stamme. 

Ags. aisl. mus-um aksl. my si-mi von *7nus- Alaus^, s. § 376 
S. 714, § 379 S. 716 f. 

388. 9. I- ii- u- ww-Stamme und St am me auf ~g. 

Ai. dhi-bhis 7iadi-bMs hlmc-bhis svah'U-hhiL (Gr. sing. I-cpi.) 

Aisl. su-7n ‘^Sauen^ Lit. ztcv-i-mis dial, -mr, aksl. Jcruv-i-mi nach 
der ^’-DecL, aber svekruvi-a-mi nach der a-Decl. (vgl. svek^'m- 
a-chu § 365 S. 708). Vgl. § 377 S. 714. 

Ai. glr-hhis^ imr-bliis^ gd-sci-bJds (das letzte unbelegt) aus 
etc., wie nom. sing, gh' etc. s. §197 S. 534. 

389. 10. Ai. ncm-bliis^ gr. vao-cpt. Ai. go-bhis av. gao-b~tk\ 
mir. buaib wol nicht aus '^hb-bisj sondern alter zweisilbig bu-aib 
aus ^bo-aib (Thurneysen) ; aisl. ku-m ags. cu-m aniederfr. cimi, 
Ai. rd-bhis. Vgl. § 378 S. 714. 

Urn- und Nachbildung ganzer Casusgruppen in den 
einzelnen Sprachzweigen (Metaplasmen). 

390. Im Voistehenden (§190 — 389) haben wie die Geschichte 
jedes uridg. Casus £iir sich durch die einzelnen Sprachen ver- 
folgt und dabei vielfach auf metaplastische Processe hingewie- 
sen, die einzelne Casus des Paradigma^s oder ganze Casus- 
giuppen betrafen. Die letzteren Processe, die Neugestaltungen 
kleinerer oder grosser er Gruppen von Casusformen desselben 
Stammes, konnten aber nicht in geniigender Ubersichtlichkeit 
vorgefiihrt werden, und ein grosser Theil clieser Erscheinungen 
ist noch gar nicht zur Sprache gekommen. So soil denn in 
den folgenden Paragxaphen das oben iiber Metaplasmen Ge- 
sagte zusammengefasst und erganzt werden. Auf vollstandigeie 

46* 



722 


Gasusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


[§ 390-~391. 


Vorfiihrung des Materials miissen wir freilich rerzichten, nur 
Hervorstechendes iind besonders Charakteristisches findet Er- 
wahniing. 

Anm. 1. Vollstandigere Bekandlung des Tliemas, namentlieh wemi 
man auch die jimgern und jiingsten Sprachperioden beriicksichtigte (vgl. z. 
B. Torp Die Flexion des Pali, Christiania 1881, Vetter Zur Gesch. der nomin. 
Decl. im Buss., Lpz. 1883, Baiidouin de Courtenay Einige Falle der Wir- 
kiing der Analogie in der poln. DecL, Kuhn-Sclileiclieds Beitr. VI 19 ff., 
K.. Bojunga Die Entwicklung der nhd. Substantivfiexion, Lpz. 1890), wtirde 
ergeben, wie oft die verschiedenen Sprachen, bei gleichartigen Anliissen, 
ganz dieselben AVege der Neuening besehritten, z. B. im Aufgeben der con- 
sonantiscben Declinationen zu Gunstcn der vocalischen. Sicher zu contro- 
lierende Vorgange in jiingeren Perioden mussen uns bier, wie uberall, AA^eg-' 
weiser fur die Ermittlung der yorgeschicbtlichen Ereignisse sein. 

Anm. 2. Die Mer in Bede stelienden Umformungen erfolgten meistens 
duroh proportionale Analogiebildiing d. h. so, dass die Gleichheit in zwei 
Formen eines Formensystems eine Ubereinstimmung auch in andern, bis 
dabin ungleicben Formen liervorrief. Dass sie alle auf diesem AA^ege 
entstanden seien und nicbt anders batten entsteben kbnnen, ist eine irrige 
Bebauptung einiger Spracbforscber, wie unter vielem andern die Angliede- 
rung von ar. na^ai- "Abkommling’ an die Declination der A^erwandtschafts- 
worter wie hliratar- '^Bruder' zeigt, z. B. ai. ndptr-hhyas neben nd{h]d-hliyas, 
av. naptdr-em neben napdt-em-, die beiden Paradigmen batten bis dabin 
keinerlei formale Beriibrung gebabt. A^gl. die principiellen Bemerkungen 
von Verb Liter. Gentralbl. 1880 S. 944, Paul Principien^ 95, AVackernagel 
Eubn’s Zeitscbr. XXV 289 f., AATieeler Analogy (Ithaca, N. Y. 1887) p. 9 sqq., 
Bartbolomae Xuhn's Zeitscbr. XXIX 524 ff., Michels Zum AA^ecbsel des No- 
minalgeschlecbts I 1889 S. 10 f., Bojunga Die Entwicklung der nhd. Sub- 
stantivflexion S. 1 ff. 

Dabei seien aiich ein paar einzelsprachliche Declinations- 
classen erwahnt, die noch keine sichere Ankniipfung an Urindo- 
germanisches gefunden haben. 

391.I.In urarischer Zeit entstand ein neuer Declinations- 
typus dadurch, dass schwache iind starke Casus mit der Suffix- 
gestalt -in- der ien-St^mme sich mit Casusformen der z-Stamme 
in der Weise zu einem Paradigma verbanden, dass die letzteren 
die schwacben Casus mit consonantisch beginnendem Casussuffix 
und den nom. acc. sing, neutr. hergaben. Dazu lieferten For- 
mengruppen wie tidriman-e : wrima-hlvijas xidrtma das Muster. 
Es kam dann bei den geschlechtigen Stammen noch ein nom. 
sing, auf -7 hinzu nach dem Muster von dhnd. Y'gl. ai. arcm- 



391 .] 


Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


723 


‘'stralend'* ; arci arci arcin-am arcbi-e arci-hhyas^ av. hamln- 
‘'Madchen^ kami hainin-em hainlU'-o kaini-hydj apers. vipin-'^zvim 
Clan gehorig, heimisch\- vlpi-his] der nom. acc. sing, nentr. 
auf -i ist im Iran, nicht belegt. Auf ind. Boden gesellte sich 
nom. acc. plur. neutr. arcini^ nach vdy'Unani^ bei. Der urar. 
nom. sing, auf -iZt -iia liegt vielleicht noch in ai. hcmyci [Juvniyct] 
av. haine {-e — -ya) ‘'Madchen, Jungfrau"* vor, das, weil weib- 
lichen Geschlechts, eine a-Declination erhielt (vgl. unten ai. 
y6sd u. dgl.). Vgl. § 115 S. 335 IF., Streitberg Paul-Braune’s 
Beitr. XIV 210 ff., Zubaty Kuhns Zeitschr. XXXI 51 f. 

In derselben Periode begann der Ubertritt consonantischer 
Stamme in die o-Declination, zu dem der gleiehe Ausgang im 
acc. sing, [-cm], gen. plur. (-dm), eventuell auch im instr. sing, 
und nom. acc. du. (-d und -dti -a, s. § 280 S. 634, § 289 S. 645) 
Anlass gab, und der im Av. weiten Umfang gewann. Z. B. ai. 
‘pad-a-s padds av, pddae-ihya zu acc. pad-mn pcid-em ‘"pedem"’, 
ai. ved. pusdn-a-s zu acc. pusdn-am Name eines Gottes, ddiit-a-s 
zu acc. ddnt-am ""Zahn"*, dhicds zu instr. sing, dhi-ct, Stamm 
dla7i~ ‘"Stein"’, av. dta^'dis zu acc. dtar-em TeueP. Mehr Bei- 
spiele aus dem Av. s. bei Bartholomae Ar. Forsch. I 94 f. Handb. 
S. 100 f. Im Ind. setzte sich dieser Process in den Volkssprachen 
fort und trug wesentHch dazu bei, dass hier die consonantischen 
Declinationen in Verfall gerieten, s. Lassen Inst, lingu. Pracr. 
p. 314 sqq., E. Kuhn Beitr. zur Pali-Gramm. S. 67 ff. 

Ferner schuf man im Urar. zu ^usds — ai. iisZts ^FriihlichP 
(5-Stamm) den acc. sing, '^'usani = ai. uscm av. tisqm und acc. 
plur. "^tisds = ai. urns av. usci nach dem Muster von Stammen 
mit wurzelhaftem d (vgl.z. B. ai. -stJia-s ‘"stehend"* : -stha-m -sthas). 
Entsprechend ai. Jar dm jar dydi zu yards- '"M.ted u. dgl. m. Vgl. 
auch ai. acc. ybscim du. ydse zum nom. ydsd '"Jungfrau"*, der 7i- 
Stamm war (plur. ydsmi-qs), nach St. dsvd-], apers. taumci- ‘"Fa- 
milie"* zu av. taoxonaji- u. dgl. § 114 Anm. 1 S. 327 f., § 117 
Anm. 2 S. 347, wie umgekehrt der av. nom. sing, sdipyra-pd 
‘"Beschiitzer des Landes"* (urar. -pds und -pd, I § 556, 3 S. 412 f.) 
wegen des gleichen Auslautes mit dem nom. sing, der ;^-Stamme 
den nom. plur. -pdn-o hervorrief. 



724 Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. [§ 391 — 393. 

xihnlich erklart sich der tlbergang der -e.Ym?^--Stainme in 
-^a^^-Stamme (z. B. ai. rh-vant- iind rh-van- ‘'singend^ av, ama- 
vant- und ama-m7i- 'kraftvolFj s. Bartholomae Kuhn^s Zeitschr. 
XXIX 540 f.) daraus, dass der iirar. Nominativausgang 
die satzphonetische Nebenform hatte. S. § 198 S. 53G. Fer- 
ner ved, md^dn-m zu nom. sing, vidvcls md'cim Svissend^ \yegen 
vorhistor. '^vMva^ satzphon. Nebenform xon^vidvcls (§ 193 S. 5 31), 
u. dgl. m. 

Durch den urax. Ausgang des nom. sing, (§ 193 S. 531) 
warden die part. perf. act. zum Tbeil in die e^-Declination bin- 
iibergeleitet, z. B. ai. peru-m zu perns ‘'durchdringend'’ Jigyil- 
bhis zu Jigyus "'siegreich'*, av. jagcvm^u-m zu jagdurus Svachsam\ 

Das ax. napdt- ‘^Abkommling^ wurde mehr und mehr in die 
Analogic der Vexwandtschaftsworter wie bhrdtar- "Bruder^ hinein- 
gezogen, s. § 390 Anm. 2; vgl. hiermit ai. gen. pdtyiir Mes 
Gatten^ [pdti-] jdnyur ‘^des Weibes^ nach hliratar 7ndfur etc. 

392 , Iin Altindischen traten die ?- ii-, u- ^^M-Stamme 
und die fern, und ^^-Stamme in einigen Casus in das Geleise 
der e- ^e-Stamme ein. Sing. gen. dhiyas nadiyas hhruvas sva-- 
snwas, dat. dliiycd etc., loc. dhiyam etc. und dryds d'oyai dvydin^ 
dhmras dJiemai dhmvam. S. § 231 — 233, 249 — 250, 255, 266 
— 268. Den Anlass zu diesen Neuexungen gab die gleiche Ge- 
staltung des instr. sing., z. B. dliiya dvyct wie demy a brhatyd 
(nom. devi hrhati), Vgl. auch acc. plur. dms dhemis wie hi'lia- 
tis (§ 330 — 31) und gen. plur. dhmcmi blirundni 7iadindm sva- 
srundm wie brliatinam -hidm (§ 354). So exhielten, durch pxo- 
poxtionale Analogiebildung, die fern, i- und 2 ^-Stainnie in diesen 
Casus ein Kennzeichen ihres Genus. 

Anm. Ick lasse nur die ^e-Stamme vorbildlicli gewirkt haben; weil 
icb nicbt fur erwiesen eracbte, dass schon die vorariscbe Zeit mit ihnen 
parallel gebendew->?/e“Stamme besessen babe. Anders J. Schmidt Pluralb. 54ff. 

393 . In deiselben Sprache fand in dex n- und 9-De- 
clination ein zwischen Stamm und Flexionsendung weitere 
Verbreitung, das von den idg. 9z-Stammen ausgegangen war. 
Diese batten im XJrar. eine Umgestaltung des gen. plur. der 
a-, 0 - und %- ie^ und des nom. acc. plur. neutx. der o-Stamme 



§ 393 — 394 .] 


Casusbildung der Nomiim. Metaplasmen. 


725 


herbeigefiihit, die sich dana aiif die u- and r-Stamme foit- 
pfianzte: urar. -anam and -mam (?*e-*St.), weiter -mam (i-St.). 
-unam^ ai. -rnam (§ 345 — 349. 351); ai. -ani -mi -uni -pi% av. 
-mg (§ 338 — 339. 341). Im Ai. warden nan weiter im instr. 
sing, neben die -ya and -va der i- and e^-Stamme -ina and 
-una gestellt nach dem Master von Formen der ieyi- and uen- 
Stamme, wie masc. neatr. arcm-a neatr. ayun-ci. Diese Neae- 
rang lag am so naher, weil von alterer Zeit her hie and da 
i- u- and ie7i- «^6?2-Stamme gleichw^ertig neben einander lagen^ 
wie ayii- and ayun- {^aiva?z-). Dass sich der ^-Aasgang fiir 
-ya -va im masc. and neatr. Instr. allmahhch festsetzte (das 
Vedische schwankte noch, s. § 278 — 79 S. OSlff.)^ war darin be- 
griindet^ dass -ya and -va im Zasammenhang mit den Formen 
wie dvyas -yeti -ycim dmvtts -vai -vam femininisch empfanden 
warden (vgl. § 392), so dass im Gegensatz za ihnen -md and 
-und zar Kennzeichnang des masc. and neatr. Genas will- 
kommen waren, Weiter ging das im Neatr. noch aaf an- 
dere Casas iiber and ergiiff hier aach die r-Stamme, wie sing, 
gen. abl. suem-as carun-as dlidtpi-as^ dat. suem-e etc., loc. 
hicin-i etc., da. nom. acc. sucm-% etc., gen. loc. suem-ds etc., 
welche Bildangsweise fiir die i- and 2 ^-Stamme in der class!- 
schen Spracbe Regel war. Diese Neaschopfang erklart sich 
aas der Gestalt der nom. acc. sing, and plar. : wenn einander 
gegeniiberstanden hid cam [dhdtf] luemi cd7'U7ii [dhdtpii] and 
z. B. arci a 7 'c% 7 i% vdrdma vd7't77idm^ so lag es nahe, zam instr. 
neatr. sucind carwid [dhdtrna] noch jene andern Casas hin- 
zazabilden nach arem-as vd7dma7i-as a. s. £. So warde hier 
die i^z-Flexion za einem Characteristicam des neatralen Genas. 
Vgl, J. Hanasz Uber das allmalige Umsichgreifen der i^-Decli- 
nation im Altindischen, Wien 1885. 

394. II. Armenisch. Characteristisch sind der Unter- 
gang der speciell neatralen Casasformen and die Aafgabe der 
speciell femininisch en Declinationsclassen (z. B. 7iu^ gen. nuo-y^ 
‘'SchwiegertochteF za ai. snusa). Aaf welchem Wege diese Ver- 
laste geschahen, ist nicht klar, wie aach iiber die Art, wie 
manche Heteroklisien (z. B. sing. nom. p oU 7' ‘^klein^ gen. p'ok^u 



726 


Casusbildimg der Nomina. Metaplasmen. 


[§ 394—395. 


plur. noiu. p'oUun-U] und Umgestaltungen ganzer Paradigmata 
(z. B. amis ‘'MonaP /mr ^Feuer"' nach der o-Declin. gegeniiber 
gr. [i-rjv(v]- und Tuup) zu Stande kamen, noch nichts Naheres er- 
mittelt ist. 

395. III. Griechisch. Hierher fallende Processe sind; 
die Verdiangung des -ie- der ~i- «d-Stamme dutch -{a- (vgl. 
S. 526 Fussn. 1), wie gen. ocdc ion. (nom. 6Ta)j [iiac; (nom. 
jxia) gegen lit. deves. der sich in jiingerer Zeit die Neuerung 
des nom. acc. sing, nach den m-Stammenj sratpd statt ^sTatpa 
u. dgl.^ anschloss (§ 109 S. 31 4, § 191 S. 527 u. s. w.); — die Her- 
ausbildung der Paradigmen wie ovop-a ovdjxaToc etc.^ fjTuocp r^Tuaro^ 
etc. (§ 82 S. 23G, § 144 S. 329, § 116 S. 343, § 117 S. 347, § 244 
S. 595) und das weitere Umsichgreifen der r- sowie auch der 
0 - und ft-Flexion, deren Verlauf noch nicht nach alien Rich- 
tungen hin aufgeklart ist, z. B. tspat- zu Tspac Tspdmv, jsXa>T- 
zu ysXaa-aat (§ 134 S. 399) nach dyvcoc -mt-oc, lOpiS- zu 

LOpi-^ lopi-v, £pio- zu £pi-^ spi-v, opvi9- ZU opvt-?; — die Ausbrei- 
tung der ^6?^-Casus auf Kosten der {es-Casus im Compar., wie 
^6 lo3v (§ 135 S. 402 f. 405 f .) ; — die Verbindung von ues- und 
^e/-Casus zumParadigma despart. peif. act. (§ 136 S.412. 415 f.); 

— die Verallgemeinerung der schwachen Form -iv- der ie?i- 

Stamme, wie osXcptv-, mit den neuen nom. sing, auf -tc und -iv 
(§115 S. 337); — die Flexion -ovto? statt nach 

cp£pa>v “OVToc u. dgl. m. (§ 114 S. 329, vgl. auch § 198 S. 535£.); 

— die Bildung von Casus der masc. es-Stamme nach dem Muster 
der a-Declination und umgekehrt, veranlasst durch den nom. 
sing, [-es : -ds)j z. B. att. Sco/wpatr^v -xpatoo (]Sa)-y.pat£a-), lesb. 
^EppLo-yevT]!; -7j -'{j -r^v -s (Rpiao-yevaa-) wie ’Opsardc etc., ander- 
seits att. STps^idcooo; 2Tp£f]>iao£c; (STps^^^iaod-), ion. osaxcoTsa (osa- 
TTOta-) (§ 209 S. 545, § 220 S. 553, § 229 S. 571, § 237 S. 583), 
und die Herstellung der lesb. boot. dor. Flexion -co -mg -cp 
-u)v der Feminina auf -m ~cp (Adru)) unter dem Einfluss der- 
selben a-Declination ; — die Bildungen pLiya^ tmd pLeyav zum neutr. 
pLEya (mag diess ^megji oder *megnt gewesen sein) nach r^oo-t; 

t I?* ^ r ^ ■’/(N 5r-s 

Tjoo-v : 7]0u, lopt-c lopL-v : lopi. 

Fiir die soeben genannten Feninina auf -c6, -cp, die mannig- 



§ 395 — 397.] Gasusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


727 


faltige Flexionsverhaltnisse zeigen (voc. Ar^toT, acc. kret. Adtoiv 
ion. A*/;touv att. Ar^-(h) imd von Einigen als nrspriingliche 
Stamme betrachtet werden, hat sich noch keine sicheie An-' 
kniipfung an Aussergriechisches gefunden. Vgl. Danielsson Ora 
de grekiska substantiverna med norainativandelsen ~(h, Upsala 
nniv. arsskxift 1883, J. Schmidt Kuhn's Zeitschr. XXVII 374 ff. 

396. IV. Italisch^). Chaiakteristisch ist das durch alt- 
ererbte Doppelheiten wie ?ioct- nocti- cimtlvt” -tail- (§ 102 
S. 290 if.) vorbereitete Ineinanderschwanken der consonantischen 
und der ^-Declination 3 das bereits in iixital. Zeit begann imd 
im Latein noch Jahxhundexte nach Chr. Geb. nicht zux Kuhe 
gekommen war : abl. sing. lat. air-id hov-id praese7it-i umbr. 
per-i pers-i ‘'pede'’ osk. praesent-id ‘'praesente'*, dat. abl. plur. 
\?it. ferent-ihus osk. lig-is legibus^, lat. nom, fere7it-es fere7it-ia 
gen. fere'nt-i'um^ nom. carn-i-s neben caro^ Juven-i-s^ loc. osk. 
Di uv-ei (vgl. § 249 S. 603), gen. osk. maatr-eis umbr. matr-er 
""matxis^ nach der e-Decl., umgekehrt lat. acc. ove^ii gen. oris 
‘'abl,'* ore zu nom. ovi-s^ gen. apimi vZitum neben api-um vdti-um 
nach der consonantischen. S. § 93 S. 265 und § 211 if. unter 
den einzelnen Casus. Im Lat. wurden abl. -i gen. -imi nom. 
acc. -ia besonders bei Adjectiven beliebt, doch auch hiex viele 
Schwankungen (Bequeme Ubersicht der wichtigstenExscheinungen 
bei Schweizer-Sidler und Surber Gramm. P S. 105 ff.). 

397, Lat. vetus (acc. veter-em)^ Attribut zu masc. und fern. 
Subst., war urspriinglich subst. Neutxum (§ 132 S. 391; anders 
jetzt, aber mich nicht iiberzeugend Thurneysen Kuhn's Zeitschr. 
XXX 485 £), vgl. auch Ve?ius {Ve?7erem) £, urspriingl. neutr., 
‘'Liebreiz'*. 

Alehrere Aletaplasmen nach den 6<s-Stammen, wie su-er-is 
S'U-er-e zu su-e^n^ hov-er-im zu hoD-em^ lapid-er-iim nuc-er-um 
u. a., an ms-er- und die Ausbreitung des -es- im Germani- 
schen (§132 S. 393 if.) erinnernd. 

Anm. 1. ayis-er- war vielleicht so entstanden, dass im Urlat. noch 
und Vianes- (vgl. § 132 S. 387 f., § 160 S. 455) neben einander lagen 


1) Ash 6th Die Umwandlung der Themen im Lat., Gott. 1875. 



728 


Casus'bildung der Nomina. Metaplasmen. [§ 397 — 398. 


tind etwa nach gen. "^[kians-is und acc. ^[h.janer-em der ace. iJi;a}iser-em 
geschaffen wurde (rgl. Morph. Unt. Ill 67 ff.). Eire das historische Paradigma 
von dnser sich befestigt hatte, konnte sein -er- leiclit auf andere Worter 
iibertragen werden. 

Dass -er~ gerade im gen. plur. beliebt wurde {boverum etc.), dazu 
mogen die Ausgange -drum und -drum beigetragen haben. 

Die Pliirale splr-es vlr-es (vielleicht voritalische ^-Stamme, 
s. § 134 S. 398j Kretschmer Kuhn^s Zeitschr. XXIX 170, J. 
Schmidt Pluralb. 385) stellten sich zu sing, spe-s m-s^ weil die 
zu diesen gehorigen Pluralnominative spes vis als solche im Satz 
oft undentlich waren (vgl. Ostholf M. U. IV 238 f.). Unterstiitzt 
wurde die Heteroklisie durch Jlos : Jlor-es (St. Jlds-) u. a. 

JectiT^ jecmor-is fiir ^Jecin-is^ iter^ itiner-is Vgl. 

§ 114 S. 326. 331. 

Noch nicht geniigend anfgeklart ist, wie sedes -is^ pules 
As (e5-Stamm im nom. sing.) n. dgl. zu Stande kamen gegen- 
iiher Cards -er-is^ pules -er-is, 

Anm. 2. Zu beriicksiclitigen dm^Lplehem famem als Neubildungen nach 
aciem, s. § 220 S. 553. Fenier hatte man, wenn die ved. Gen. usds alias wirk- 
lich -s als Genitivsuffix eingebusst hatten (s. § 237 Anm. S. 582), zu fragen, 
ob nicht das -is des Gen. pubis aus "^-es-s entstanden war. Endlich ist zu 
berucksichtigen, dass das Paradigma von sedes auf Grund von zwei Stammen 
sedes- und sedi- zu Stande gekommen zu sein scheint (Verf. Kuhn’s Zeitschr. 
XXrV 44, J. Schmidt Pluralb. 146). Vgl. auch Thurneysen Kuhn’s Zeitschr. 
XXX 489, der Schmidt’s Annahme, dass dat. plur. -ihus aus '^'-ez-hhos her- 
vorgegangen sei, mit Kecht ablehnt, aber wol kaum richtig vermutet, in 
uridg. Zeit sei bei den es-Stamnien ein acc. auf -em in ahnlicher Weise 
entstanden wie ^d[i)jem aus '^d[{]ieii-\'m (s. § 221 S. 554). 

Die w-Declination ging nach und nach ganz in der o-De- 
clination auf, s. §232 S. 577. 

398. V. Im Irischen waren die 57z-Casus bei den con- 
sonantischen Stammen in vorhistorischer Zeit in die Analogic 
vocalischer Declinationen iibergegangen , ahnlich wie im Ital. 
(§ 367 S. 710f., § 396 S. 727). Vgl. § 302 S. 652, 379,2 S. 716. 
Die uxspriingliche Weise nur noch im instr. sing, bei 

dem allerdings fraglich ist, ob von ^-mn-llii oder von *-m7i-mi 
auszugehen ist (§ 281 S. 636). Die Beurtheilung des gall. dat. 
plur. iiatps-po ist unsicher (§ 374 S. 713). 



§ 39S — o99.] Casusbildiing der Nomina. Metaplasmen. 729 

Die adj ectivischen e-Stamme trennten sich von dea siib- 
stantivischen, indem sie im gen. sing, die Form der ^>-Stainnie 
annahmen^ wie masc. neutr. maitli ‘^bonF fern, maithe ^bonae^ 
nach inairh mairie zu 7narh ""todF. Die adj ectivischen ^^-Stamme 
neigten zum IJbergang in die Analogic der ^-Stanlme ; im Pliir. 
waren sie im Air. wol schon sammtlich der ^“Declin. verfallen. 
Das Genauere des Vorgangs bleibt noch zu ermitteln. 

Wie der ^Dat.^ catliir neben catJiraig wol erst diirch atJiir 
hervorgerufen war (§ 262 S. 616), so wirkten in umgekehr- 
ter Richtung jene Gutturalstamme auf die Verwandtschafts- 
wortei ein, also dass z. B. plur. uasal-atlwaig ""erhabne Vater, 
Patriarchen"* statt -atliir gesagt wurde. 

399. VI. In der Zeit der germanischen Ureinheit ent- 
stand ein neuer Declinationstypus durch Verallgemeinerung der 
schwachen Form -m- der ^*^?3-Stamme , wie got. gcmidinl ahd. 
gimeinl ‘^GemeinschafF (vgl. lat. commimio). Der nom. sing, ur^ 
germ. *-m nach dem Muster von ''^'timgon. Vgl. § 115 S. 340, 
Streitberg Paul-Braune’s Beitr. XIV 221 ff. In dieser Classe 
gingen im Westgermanischen vielleicht auch alte {^-Stamme auf, 
indem sie durch die formale Gleichheit z. B. von dat. digl-m 
gen. digino (s. § 347 S. 693, § 3S2 S. 718) mit ghneimm gwieinmo 
zu ihi heriibergezogen wurden. 

In derselben Periode hatten die 7- ^‘^-Stamme neben Casus 
mit -I- (got. nom. sing. u. s. w.) wol auch noch Casus mit -ie-, 
Diese wurden im Got. ganz aufgegeben zu Gunsten von Formen 
mit z. B. mavi ‘^MMchen^ mdujos etc. wie gr. ^osTa etc. 
(vgl. S. 526 Fussn. 1). Dagegen blieben die ^^-Casus zum Theil 
im Westgermanischen, wie ahd. sing. acc. gen. himingm^ie -a plur. 
nom. acc. -(7, wie auch nur hier noch das alte -d-m des dat. 
instr. plur. vorzuliegen scheint. Vgl. das Schwanken zwischen 
-%e- und -m- im Lat., z. B. mtemperies -iem -ie, aber gen. dat. 
sing, -iae^ plur. -iae u. s. w. 

Consonantisch auslautende Wurzelnomina und mehrsilbige 
Nomina auf Verschlusslaute zeigen in alien Dialekten die alte 
consonantische Declination durchsetzt mit o- u- odei ^-Casus, wie 
got. frijond~a-m neben nom. plur. frijmd-s ‘^Freunde^, ags. as. 



730 


Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


[§ 399 . 


fdt-u-m ahd. fua:^-u-m (und. as. fuot-i-n ahd. fiia^-i-m) neben 
nom. plur. ags. fet ahd. /bag Tiisse"’, got. laiirgA-m zu nom. 
plur. haurg-s ‘'Burgen, Stadteb Zuweilen traten solche Worter 
ganz in eine der vocalischen Declinationen iibeij z. B. ^ot.fdt- 
dessen Flexion sich in histoxischer Zeit von der von surm-s 
nicht mehr irgendwo unterschied. Vieles hierher Gehorige ist 
iibersichtlich zusammengestellt von Kahle Zur Entwicklung der 
consonantischen DecL, Berl. 1S87. Zu deni TJbertritt in die o- 
Decl, gab der gen. plur., wie got. frijoncl-e ahd. viel- 

leicht auch der acc. sing. (s. § 219 S. 553) Anlass, im Westgerm. 
auch der gen. sing, auf -es\ zu dem in die e^-Deelin. der acc. 
sing. plur. auf -u[n) wie got. fdt-u fdt-uns. Dagegen ent- 

standen {-Casus in altestex Zeit v^ol auf Grund des XJmstandes, 
dass gewisse Nomina von uridg. Zeit her zwischen -ti- und -t- 
als Stammsuffix schwankten (vielleicht war auch got. baurgi- 
neben bciilrg- altiiberkommen, vgl. gall, h'igi- in Brigiani etc.), 
spater auf Grund des XJmstandes, dass vexschiedene Casus init 
solchen der {-Stamme im xlusgang gleich geworden waxen ; im 
Ahd. kam dann noch der Ubergang der e^-Stamme in die {- 
Declination hinzu, duxch den auch die erst selbst analogisch ent- 
standenen t^-Casus in diese Declination heriibergezogen wurden. 
Am friihesten, schon im XJrgermanischen, wmrden der nom. sing, 
und der dat. instr. plur. der consonantischen Stamme in die 
vocalische Declination iibergefiihrt, wobei das Streben wirksam 
war, den Stammauslaut, der durch Lautprocesse gestoxt worden 
war, mit dem der andern Casus wieder in tlbereinstimmung zu 
bringen, vgl. z. B. got. frijdnd-s fiir ^frijbm^ reik-s fiir 
twip-imi fiir ^tum aus ^t'umm[i) (vgl. tigimi ‘^decadibus^ 

aus '^te^im[dym% § 379 S. 716). Die urgerm. Neubildung des 
instr. plur. auf -um[%] nach -un (acc. sing.) -uns (acc. plur.) lag 
um so nahex, weil die r-Stamme (= -r-mi) und -r-uns 

neben einander hatten. Die durch die angedeuteten Processe 
entsprungenen Paradigmen, in denen consonantische Casus mit 
vocalischen wechselten, wirkten hie und da auf die alten durch- 
gehends vocalischen Paradigmen in der Weise zuriick, dass auch 
in diesen consonantische Casus entstanden: got. gen. plur. a7iste 



§ 399 — 401. Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. 731 

(Stamm cmsti-) nach baurg-e nalit-e^ ahd. gen. dat. sing, ansi 
(neben ensti) nach nalit\ mehx dgl. im Ags., wie ‘'Geiss'’ etc. 
Vgl. lit. gen. pluT. krut-u zn hy^uti-s u. dgl. § 402. 

Weit weniger metaplastische Casus zeigen die mehrsilbigen 
n- und die r-Stamme, wie got. auhsn-a-m nach auhsn-e : vulfe 
milfa-m (vgl. lit. dial, akmendm ahmenai nach ahmen-u § 350 
S. 696) j hrdpy'jus nach hroprii-m: sumi-m sunjus. 

Die nom. sing. got. mena ahd. mdno und ahd. nefo^ die aus 
Formen auf entstanden waxen (§ 198 S. 536 f.), zogen das 
Paxadigma in die ^'^-Declination hinlibex. Vgl. die analogen 
Exscheinungen im Pali bei E. Kuhn Beitx. z. Paligx. 69, Toxp 
Die Flexion des Pali S. 25, z. B. liess dex nom. sing, mam == ai. 
manit diesen Stamm dex 'e^T-Declination veifallen (nom. pi. ynaru). 

400 . Beim Adjectiv vexeinigten sich Foimen von i- und 

/O'Stammen zu einem Paxadigma. Daxauf beiuhte die Flexion 
got. masc. fern, hr dins neutx. lirdin^ masc. gen. hr amis bloc, hr din- 
Jana dat. lirdinjamma u. s. w. Entschiedene ^-Foxmen waxen 
nom. sing. £em. neutx, und gen. sing, masc., entschiedene ^‘e-Fox- 
men hrdinjana u. s. w. Die Vexquickung eifolgte daxaus, dass 
im nom. (acc.) sing. masc. ?*e“Stamme wie xin-miija- ^unniitz^ 
schwache Suffixgestalt hatten und dex Ausgang (im acc. 

^-i-?n) mit dem dex ^-Stamme iibexeinstimmte. Im Westgex- 
manischen wuxde die «c?-Declination duxchgefiihxt. 

Im Zusammenhang mit dem uxgexm. Paxadigma dex adj. 
2 -Stamme entwickelte sich das dex adj. ^^-Stamme, z. B. got. 
kauru-s — ai. gicru-L Im Fern, wax aus *kuru-id- ^kurid- got. 
kaurjd- gewoiden (§ 110 S. 315) und ein masc.-neutx. "^kuria- 
— got. kaurja- hinzugebildet woxden (vgl. herusjos § 110 S. 318). 
Nach masc. nom. lirdins acc. hrdinjana und neutx. lirdin grup- 
piexte sich kaurus kamjana kauru^ und wie hrdins auch als 
Fern, fungiexte, so gebiauchte man jetzt auch kaurus zugleich 
femininisch statt ^kaurm^ falls nicht diesex Gebxauch altiibex- 
kommen wax (vgl. § 110 S. 315). Auch hiex wuxde im West- 
geim. die ^o-Declination duxchgefiihxt. 

401 . Als chaiaktexistisch fiix das Westgeim. mag noch die 
Entwicklung dex Paxadigmen von ahd. kalb kalbes plux. kalbir 



732 


Casusbildung der Nomina. Metaplasmen. 


[§ 401—402. 


ags. cealf cealfes plux. cealfru u. dgl. (vgl. russ. cudo pi. cudesa 
§ 404) erwahnt werden. S. § 132 S. 394 f. 

tiber metaplastische Erscheinungen, die mit Geschlechts- 
wechsel verbunden waxen, handelt V. Michels Zum Wechsel 
des Noniinalgeschlechts ini Dentschen I, Stiassb. 1889. 

402. VII. Baltisch-Slavisch. Auffallt auch hiex der 
Riickgang der consonantischen Declinationen zu Gunsten der 
vocalischen. Schon die altesten Denkmaler zeigen den Process 
weit vorgeschritten, nnd das Russ. z. R. ist schon seit Jahr- 
hunderten auf dem Standpunkt, dass, vom nom. acc, auf -o der 
5-Stamme und dem auf -Ja (aksl. -e) der i>^-Stamme abgesehen, 
alle Casus der ehemaligen conson. Declinationen abhanden ge- 
kommen sind; kaum mehr conson. Formen haben gewisse lit. 
Mimdarten in ihrerti heutigen Zustand gerettet. 

Im loc. plur. und in den Casus mit 7?z-Suffixen gingen die 
consonantischen Stamme schon im Urbalt.-slav. bis auf geringe 
Reste in die z-Declin. liber: z. B. lit. ahmen-y-se (alter 
aksl. hameyi'd-chu, okmen-i-ml Icamen-i-ini^ A-m A-m A-ms 

A-mu, A-mls A-mi. Jedenfalls wax hier, wie bei yielen Neue- 
rungen (vgl. z. B. § 360 S. 705), das Bestreben wirksam, den 
Stammauslaut rein zu erhalten, und der Ubeitritt in die z-Decl. 
geschah auf Grund davon, dass in einigen Fallen consonan- 
tischer Stamm und i-Stamm von alterer Zeit her neben ein- 
ander gelegen hatten, z. B. lit. desziint- aksl. deset- neben de- 
szimti- desqfi- Mecas"*, lit. nciht- (gen. plur. alit. und godlew. naki-u) 
neben nahti- ‘'nox'* (§ 101 S. 289, § 123 S. 366). Von jenen Casus 
aus wurde nun die ^-Flexion spater vielfach auf andre, zum 
Theil auf alle ausgedehnt, wozu die lautgesetzlich eingetretene 
Gleichheit im acc. sing., im Balt, auch im acc. plur. (lit. A, As, 
aksl. A] mit beitxug, z.B. lit. dantA-s ""Zahn^ 3k.s\. JeleyzA "Hirsch"* 
(§ 93 S. 267). Freilich wirkte der Umstand, dass die Declination 
einer Anzahl von Nomina theils aus consonantischen, theils aus 
z-Casus sich zusammensetzte, hie und da auch wieder auf die 
alten z-Nomina so ein, dass diese consonantische Casus bildeten, 
wie lit. dial. gen. plur. hrutu pamstu zu hruti-s ‘'MutterbrusF 
pazasti-s ‘^Achselhohle'' (vgl. auch Bezzenberger Beitr. z. Gesch. 



§ 402 — 403 .] 


Casusbildung der Nomina. Metaplasm en. 


7B3 


d. lit. Spx. 143 f.)j aksl. nom. plur. pecat-e zu pehati ‘'Petscliaft'* 
(g 123 Anm. 3 S. 370]. Vgl. got. gen. plur. anst-e zu St. ansti- 
u. dgl. § 399 S. 730 f. 

i)as -{e- der %- ^e-Stamme wechselt vielfach mit das 
besonders bei den Adjectiven imd Paxtieipien exscheint, z. B. 
acc. lit. vezancziq aksl. vezqstq zu nom. lit. vezanti aksl. vezqhti 
(vgl. S. 526 Fussn. 1). Dazu entwickelten sich beim Masc. und 
Neutx. Casus mit exweiterndem wenn dexen Stamm conso- 
nantisch auslautetCj wie gen. vezanczio aksl. vezqsta zu nom. 
vezqs vezy j mirtisio mtrusa zu mires nviru^ aksl. slazdisa zu 
slazcUji (n. slazde], Vgl. § 368 Anm. S. 711. 

403. Fiir das Litauische fiihre ich zunachst als charak- 
texistisch den Untergang der neutx. Substantiva an, die meist 
zu Masc. wuxden: z. B. hmJca-s ‘'BasP = preuss. lunha-yi aksl. 

ahi-s f. ‘^Auge^ = ai. dhsi\ meclu-s m. ‘"Honig"' = pxeuss. 
meddo gx. jxsbo; sernic (jetzt plur. tant.) m. ‘'SaaP = aksl. semq 
lat. semen] randti zmdti m. ^Wassex'* = got. vato gx. Somp; deles- 
l-s (gen. plur. noch deles-u) m. f. ‘^Wolke^ = aksl. nelo. In einer 
Anzahl von Fallen dlirfte der Geschlechtswechsel dadurch her- 
voigexufen woxden sein^ dass der Ausgang des nom. acc. neutr. 
zugleich bei Masculina vorkam. So bei semic vcmdtc m. nach 
ahmii u. dgl. (§ 223 S. 556, § 224 S. 559), wie ahd. 7iamo same 
m. (got. 7iamd n.) nach gleichlautenden Masc. Einige Masc. auf 
nom. -as^ gen. -d, waxen idg. Neutra auf ^-os : menas ‘'Mond^ 
neben mienes-io etc. (§ 132 S. 389), dhas ‘^Wuhne^ = aksl. oho u. a. 
(W. Meyer D. Schicksale des lat. Neutr. 31, J. Schmidt Pluralb. 
195). Ahnlich medus vielleicht zu ai. mddJmh (Nebenform von 
mddliu] gr. jjL£&oa-&^vau Vexmutlich war erst auf diesem Wege 
der Bestand der neutr. Foxmen geschmalext woxden, ehe man 
auch ohne formale Beriihxungen beim nom. acc. die Uberein- 
stimmung in der Bildung der iibxigen Casus auf jenen Casus 
ausdehnte, die neutx. Form duxch eine geschlechtige ersetzend. 

Die Ubexeinstimmung im dat. sing., nom. acc. du., acc, gen. 
plur. dangui dangu dangus dangu (t^-St.) und mikui miku viikiis 
viiku (o-St) bewirkte dieNeubildungen^^a^^^^5-?^^ uu&loo^. dangu se 
(§ 326 S. 673 f.j. Diese Bewegung von der u- zur o-Declin. setzte 



734 


Casiisbildung der Nomina. Metaplasmen. [§ 403 — 404. 


sich dialektisch weiter fort: z. B. stmai suncims simais (vgl. Bruck- 
ner Archiv f. slav. Phil. Ill 252 £., Verf. Lit. Yolksl. u. March. 
300). Aiif demselben Wege kamen im Lett, die ^y'-Stamme dazu. 
ihren Plur. nach der o-Declin. zu hilden. 

r-Stanime traten von dem auf -e ausgehenden nom. sing, 
aus in die Analogic der i- ^‘e-Declin. ein, z. B. inte Mes Bruders 
Frau^ (ai. ijatar-) gen. intes. S. § 122 Anm. S. 360. Ahnlich viel- 
leicht hehS ~es ‘'Traube'* auf Grund eines neutr. ^heJce{r) (vgl. lat. 
cicer)^ s. § 224 S. 559. 

404. Im Slav, hielten die nomina agentis auf -tel- (idg. 
die alte consonantische Declin. nur, aber nicht consequent, 
im nom. gen. plur. fest, wie datel-e (aiich datelje mit j aus den 
andern -Ij- enthaltenden Casus) und datel-u\ nach datel-u auch 
instr. dately nach der o-Decl. Sonst waren sie {o-Stamme, nom. 
sing, -teljl u. s. f. Die Casusformen wie datelimu konnte man 
noch als die alien, den Formen wie hamen-i-mu (§ 402) gleich 
stehenden Bildungen ansehen, die den IJbergang von der con- 
sonantischen zur ^e-Decl. vexmittelten. S. § 368 Anm. S. 711. 

Zwischen tele und gen. telqte etc. scheint ein ahnliches 
VerhMtniss gewesen zu sein wie zwischen griech. ovopa und 
ovopatoc. S. § 244 S. 595 f. 

Zu grazdcm-e Mie Burger"* gen. grazdan-u (§ 115 S. 340) 
bildete man im Aksl. acc. instr. grazdcmy nach 'vluky wie instr. 
dately. In den Mteren Quellen mehrerer slav. Sprachen er- 
scheinen im plur. dat. instr. loc. fiir aksl. -janimu -Ja-ny -janiclm 
Formen auf -jamu -jacliu (acech. Folds) ^ noch die ur- 

spriinglichere Flexionsweise darstellend, s. I § 585 S. 441 f., II 
§ 356 S. 703, § 367 S. 711. Der Singular dieser Nomina war 
mit -mo- erweitert, grazdaninu. 

Bei der Sehopfung der zu den fern, u- w-Stammen ge- 
horigen Formen wie soekruv-amu -ami -achu nach rqka-mu etc. 
war die Gleichheit von gen. svekriiv-ic : rqku wirksam. 

voda f. AVasser^ wax wol aus einem neutr. auf -d{r] ent- 
wickelt, s. § 224 S. 559. 

Der gleiche Ausgang -o im nom. acc. sing, veranlasste ein 
Ineinanderschwanken der neutralen es- und o-Stamme, nament- 



§ 404—405.] 


735 


xA.cljectiva mit Pronominalflexion. 

lich tibergang jener in die o-DecIination^ wie gen. slova fiir 
sloves-e zu slovo = gr. xXsoc, cUles-e fiir dela zu delo ''Werk^ In 
den modernen slav. Sprachen wurde hierdurch die 5-Declination 
bis anf einige Reste beseitigt. Bemerkenswert ist die Declina- 
tion von russ. hido ^Wunder"* nebo "^Himmek: sing, cudo gen. hcda 
etc. wie selo , aber pliir. cudesa gen. cudesic etc. wie sela^ also 
wie ahd. kalb plur. kcdbir (§ 401). 

In ahnlicher Weise vermischten sich die tt- mit den o-Stani- 
men infolge der lautlicben Gleichheit des nom. acc. sing., so 
dass von alien ^^-Stammen auch o-Casus vorkommen, wie gen. 
syna fiir synu^ zu syiiu ""Sohn^ = lit. simu-s ; seltenei umgekehrt, 
z. B. dliigii fiir dluga, zu dliigii ^Pflicht^ = got. dulg-s. In den 
meisten neueren slav. Sprachen gingen so die ?<;-Stamme in den 
an Zahl iiberlegenen o-Stammen fast ganz auf. 

[fibereiclitstabellen zu § 190 — 404 folgen S. 736 — 759]. 

Ausbreitung der pronominalen Declination auf die 

Adj ectiva. 

405. Die Grenze zwischen den geschlechtigen Pronomina 
auf -0 wie ''der'', die in einex Anzahl von Casus andere 
Endungen hatten als die Nomina,, und den nominalen adjecti- 
vischen o-Stammen war seit uridg. Zeit eine fliessende. 

Wie weit die pronominale Flexion zur Zeit der Auflosung 
der idg. Urgemeinschaft reichte, ist iiberhaupt nicht mehr zu 
sehen. Es ist einerseits fraglich, ob und wie weit gewisse ihrem 
Ursprung nach rein nominate Adj ectiva wie ai. msva- jedex" 
sm^va- "air lat. solus aksl. vtsi "omnis" damals schon an der 
pronominalen Casusbildung theilhatten. Und anderseits ist frag- 
lich, wie weit die pronominalen Adj ectiva mit Stammsufiixen, 
die zugleich beim Pronomen und beim Nomen im Gebrauch 
waxen, nominal flectierten. Denn wahrend z. B. den idg. Vor- 
laufern von ai. an-yas gr. oXkos lat. al-ius etc. pronominale 
Declination zuziisprechen ist (vermutlich war ja an-yds nichts 
anderes als eine Zusammensetzung von a7ia- mit ya-^ wie tya- 
eine von ta- mit ya~^ s. § 409), ist dagegen z. B. durchaus zweifel- 
haft, wie damals der mit gebildete Compar. von "quis" 

(ai. katards gr. nroTspo-i; u. s. w.) ging. [Eortsetzung auf S. 760.] 

Brugmann, Grundriss. II, 2. 


47 



736 

1. o-Stamme, 


Ubersiclitstalbellen zur Lehre 

Anhang zu 



Uridg. 

Altind. I 

Aveet, 

Armen. 

Griecb. 


Sing. nom. 

^tdqo-s ^Wolfb- 

V7'ha-s i 

O ; 

velirkd 

(jail 

Xu7,0-C 


voc. 

^ulqe : 

vrha 

vehrkct 

qail [nom.?] 

X6*xe 


acc. 

m. ^'idqo-in: 

V rka-771 

O 

V eUrke-77% 


X6xo “V 



n. ^jugo-m 'Jocli’ : 

7JU(jd-77l 

xsa^7'e-}n ‘Herr- 
sckafP 


^oyS-v 

A 

gen. 

"^ulqo-s^o , ~e~sio : 

vfka-sy a 

Vgl. 771 e 

vehi'ka-liq 

vgl. 771 e 

(jailo-y[‘i] 

Xu%o-io Xuxov 
X 6 ■/- 0) 

tbess. "x^povot, 
vgl. piol 


abl. 

^iilqod, -ed\ 

vrkad 

o 

velirkci^ 

i gailo-y 

lolir. d> Ainde’ 
[X6%oio XoTcou 
X67.aj] 


dat. 

-^ulqoi, -elir- 

vrkdya, -dhydi, 
sakhyd 

velirkdi, as a 

[gailo-y] 

X 6 v, op 


loc. 


V }'ke 

O 

vehrke 


att. 0 17.01 0 ITCSl 

'zu Hause’ 


instr. 

*y.lqd, -e-. 

*ulqo-hlii -7711, -e- 
bhi -e-777i: 

vrkd, \vrkc7ia 

0 * o 

vehrka 

gailo-v arda- 
re-v 

att. Tcoi lak. 7CY]- 

tar.aLYij[X67op] 

ep. ^eo-cpt 


Dn. nom.~ 
acc. 

m. *ulqd^ -o-. 

n. *jugo-i -e-i'. 

‘vrkdu vrkd 

o o 

ljuge 

vehrka 

xsapre- 

erku ^2' (?j 

X 6 7 W 

f £ L-7axi 


gen. etc. 

dat. abl. instr.? 

gen. ^iilqoiiTiV. 

loc. ''^tilqoii'l: 

d. a. i. V7^ku- 
hhyiwi 

g.l.vrAfl!/o.s,Tgl. 
Pron. C7ibk 

d, velmkaedbya 

g. velmkayn 

1. velmkayb 


X’J70UV Xu70iv(vgl. 
att. ousiv), arg. 
- 01 , el. -otot? 


Pltir. nom. 

'^ulqbs : 

vr/cds vrkdsas 

vehrku veh I'kufd- 
hd, veJo'ka 

gailll 

iX'j^ot 


acc. 

m. *ulqo-72$ 
qo7i8 I) : 

n. '^jtcgd: 

vrkcjs -cm 

yugd yugdni 

veh7'kci.s[-ca) -c{n, 

veJmka 

xsapra, vlspeTdg 
vispu "omnia’ 

z galls 

Xu7ovi Xoxouc 

Cuya 


gen. 

'^ulqb77i, -mx\ 

vrkd77i vrkd- 

‘O o 

ncmi 

vehr k c (. m velmka- 

710J77X 

gailoc 

Xu^oov 


lo c. 

^7dqoi~s -s-u s~i: 

vrke-su 

velirkae-su -h-a 

: gailoc 

Xu 7.0 1; X6701CI 


dat.~abl. 

"^ulqo-hh- -771-: 

vrke-hliyas 

veJmka^ihyb 

d. gailoc a. i gai- 
loc 

[Xuxott; X67otat] 


instr. 

^ulqdj^s \ ^ 

'^i^qo-hlil[s) -77il{s)\ 

vrkdis 

vrke-hliis 

O 

velirkdis 

velmkambis 

gailo~vU 

Xu7 0i(; [Xuxtacjt] 

O-eo-cpt 



<'> ^jQ uacli ilirer ’’hmen *"* r-v.'. zugewiesen© Stelle geliorenj 

ilirer i : d' • jr ' ■■'' ■ r . » asnsmbrik ztifalleii, ■ i'-. \ ' als v, ind in eckige Klammexn [ ]ij 

gesetzt. Gesperrter Druck gibt an, dass die Form inbezng anf ihren Deolinationsansgang als lantgeeetzlicJie Forfcent-^ 



TOn der nominalen Casusl[)ildung. ’) 737 

§ 190—404. 


Lat. 

Ir. 

Got. j Althoclid. 

Lit. 

Aksl, 

1 u]p u~s] Cor- 
nel is 

fer 'Mann’ 

■V ulf-s ; un- wolf 

nuts 'un-; 

niitz’ hairdeis- 
'Hirte’ \ 

rilka-S] zhdisfvliihd]] kraji 

'Wort’, gai-dg-s 'Band’ 

'Hahn’ ; 

litpe\ fill 

fir 

V ii If , liairdi 'loolf 

vilke] zhdi, gaidy vlitce] kraju 

htpii-m] Cor- 
neli-m 
j ugu-m 

fer n- 

dliged n- 

'V u If] lidirdi 'w o If 

juh \ioort 'Wort’ 

: 

viik({] zbdi, gaidi 

kgera 

vlukii] kraji 

igo 

lupi, fill, vgl. 
mi 

fir 

\vuljis \\ioolfes 

[vilko] 

[vluka] 

vgl. mi 

lupd{cJ), rec- 
to [d] 


V u If a {? 1 : %o 0 If u [Tj [loolfe] 

vilko 

vluka 

lupo Numa- 
sidi 

[fiur] 

vulfaij] hoolfeC) 

vilkui 

'vliiktt 

b elll 

cinn 'am Ende’ 

vulfa['l) \ivolfe['l) 

\mlke , nam’e 'zu 
Hanse’ 

V lu c e 

didy-modojure, 

[lupd{d)] 

dUm{1) 

fiur 

live 'womif ; o If it as. li iv b 
vulfa^l) : 

'vgl. zi lioubitun 

viiku gerii-ju 

nove- in nove-ji 

vluko-ml 

duo 

ddu do ii. da 
y, fer 
dliged, dd n- 

alitdu 'aclif akto 'achf 

as. two 

V ilk it gerii-ju 

vluka 

ize 


d. feraib^ dib n~ 

%-pr 


ct. viikd-m i. vil- 
ka-m 

d. i. viuko-ma 

g. vluku 

1. vluku 

\lupi p op loe, vgl. 
osk. Nuvla- 
nus ^NolanP 

\fir , vgl. voc. 
firu 

rulfos .wolfd -a 

kviikat, gere-ji 'die 
guten’ 

kvluci 

lug OB 

jug a 

firu 

^eet 'hunderte’; 
dligeda 

vulfans 'fiDolfd -d\ 

juka ':wort 

vilkiis, vgl. preuss. 

dei loans 'decs’ 
keturio-lika '14’ 

vluhy 

iga 

deum, \lupb~ 
rum 

fer n- 

\ 

vitlfe \wolfo 

viiku 

vluku 

lupisjl), deivos 

jferaib] 

[v ulfani] : [w olfum] 

vilkiisu vilkuse 

vluCGchu 

[ktpis, deivos] 

\feraib] 

vulfa-m (?j \ivoIfum (?) 

vilkd-ms 

vluko-mu 

lupis 

feraib 

\vulfa-m \wolfum^) 

viikats 

vluky 


wicklnng der uridg. Form gelten darf. tibeidragnng pronominaler Enctnug atifs FTomen, dio in der Zeit nacli Anflosnng der 
idg. Ureinlieit gescFali, ist mit f 'bezeiclinet. 


47 ^ 


738 


Ubersichtstabellen ziir Lebre ' 


2, a-Stiimiue. 



Uridg. 

Altind. i 

Avest. 

Griecb. 

Lat, i 

Siug, nom. 

"^ekua 'Stute""; , 

a 8 D d 

liaena ^feind- 
liches Heer’ 

y 0) p a ^Land’, lt:- 

TT&tTj-; [L'it'IIOTa] 

^Kosselenker' 

equca^ 

voc. 

’ ehua : 

dmha ^Mutter', ds- 

ve 

liame 

V’j[acpa oeanoTa 

\egua\ 

acc. 

'^ehiia-m : 

divd-m 

haenam 

yoj pa -V 

eqiia~m 

gen. 

"^ekuiis : 

dsmyds, g n (i s - ^l),-haenayu 
[dhaydi] \ 

ycDpdc, vedvLOO 

vids, vidi eqiiae 

abl. 

"^ehuas : 

dlvdyds -haenmyd^ 

ycupa?; veavb’J 

equd[d) 

clat. 

’^ehmi : 

8iiv ay aty ai[V] , 
dsvdydi 

haenayai 

yd) pa 

Mdtuid, equae 

loc. 

^ekiiai : 

asvdy-dm 

liaenaya 

0'r^Pai-Y£Mr|; yd) pa 

Itdynae 

instr. 

^ekua : 

dtvd, \dsvayd 

ha 6 71 a, \haena- 
ya 

dpa, dY£Xr^^pt(v), 

[yd)pa] 

[eqicd[d}] 

Du. nom.- 
acc. 

"^ekuaj^ ; 

dive 

hae7ie 

yApd, (pi. ytbpai) 

duae 

gen. etc. 

dat. abl. instr. ? 
gen.? loc,? 

d. a. i. dsvd-hhydm d. liaend-hya 
g. 1. dsvaybts g. liaenayU 

g. etc. ytupaiv 


Plur. nom. 

^ehicis : 

divas i dsvasas 

liaeyid {liae- 
7iUs- ca) 

[ywpaO 

[equae] 

acc. 

f'ekiias : 

dsvcis, [dsvdsas] 

haeyiu [hae- 
7iUs~ca) 

ycupaVG yd)pd; 

equ,ds(‘l) 

gen. 

? 

dlvd-7idm 

van am, liaena- 
nqni 

yoDpwv 

\equd-rimi 

loc. 

'^ekua-s -m ~si: 

Ct S V cl S ll 

hae7id~liu 

-hv-a 

zagid-Gi, ydipaiGi, 
ycGpatc 

alat. d. dev d~s, 
[equls] 

dat.-abl. 

'^'ekud-hh- ~m-\ 

dhci-hliyas 

haend-hyd 



[xaptidct, ycdpatag 
yd)pai;] 

equd-hus, [equls] 

instr. 

ekud-hlil[s) 
-7nl[e ) : 

divd-hhis haeiid-his 

yd)pai? , [tajaiaag 

; yd) pais t] | 

equis, [equdhus 





von der nominalen Casusbildung. 


739 


Osk. 

Ir. 

Got. 

Altlioclid. 

Lit. i Aksl. 

tovto ‘"civitas’ 

tuath 'Volk’, hen 
'Frau’ 

giha 'Gabe’ 'Bcese- 

• rung’, [geha 
•• ^Gabe’] 

rankd 'Hand’ [rc/ka 'Hand’ 

umbr. [Tursci] 

tuathCV] &en(?) 

[giha] 

[geha] 

ranka, moty nr qko 
‘Mutter’ ; 

tovtam 

tuaitli 11 - inndt n- 

[gih(£\, J)d 'die’ 

geha 

rahkq 'rqkq 

tovtas 

tuaithe inn a 

gthos 

geha [gehu] 

rahkos 

rqky , eluse 'der 
Seele’ 

'to'otad 



rahkos 

rqky duse 

.deivai 'divae’ 

tuaith 

gihdi 

[gehu geho] 

rah kai 

rqce 

>fai 'in via’ 

tuaitli 

giha i 

[gehu geho] 

rahkoj-e 

rqce 


[tuaith] 

[gihdi] 

gehu geho 

ranka 

reikq, frqkofq 


tuaith^ ell 

J)usuncl‘ja^.) 


ranki gere-ji 

r c e 


d. tuathaih mndih 
g. tuath hail 



d. i. rahko-m 

d. i. rqka-ma 
g. 1. rqku 

tovtas 

tuatha m7id 

gihos 

geha -a, keho 

rahkos 

[rqky duse] 

viass 'vias’ 

tuatha^l) inn did] 

gihds 

gehd -a, keho 

rankds, ran- 
kos-nci 

rqky eluse 

‘\tovtazmn 

tuath n- han n- 

gihd 

gehono, dleiho 

rahku 

rc{ku 


[tuathaih mndih] 

[ejiho-m] 

[gehd-ni\ 

rahko-su -se 

rqka-chu 

:[I)iumpais] 

[tuathaih mndih] 

vgl. gall. Najaccu- 
avAd-^o 

gihd-m (?) 

geho-m (?) 

rahko-ms 

rqka-niu 

Diumpafs 

tuathaih mndih 

giho-m ' 

'geho-m 

rahko-mis 

-mi 

rqka~mi 



740 


Ubersielitstabellen zur Lehre 


3. i- «^-Stamme, 



Uridg. 

Altind. 

Avest. 

Griecb. 

Lat. 

Sing*# nom. 

'eelsa^ : 

brliati 

o 

b arenti'iexem'' 

cpEpo’jccc ^ferens’ 
TtoTvtc/ 'Herrin’ 

facie-s, sucwi-s 

voc. 

9 

hrhati 

o 

h{ire7iti 

cpspouca 

[facie-s] 

ace. 

*hhr glint i-m ; 
''^hlirglint[i]i-m : 

hrliat~i-m 

o 

h ar e7iti-7n 

“ 6 X L - M 

cpEpoucav TiOTViav 

suciveni 
fad 6711 (?) 

gen. 

*bhrglmt[i)^es : 

hrhatyd s [brlia- 
tyai\ 

harentyu, -yd 

CpEpOUC'^C 

fades, facial 
facil, [facie] 

abl. 

*hhrghnt{i)us i 

hrliatyds 

harentya^ 

cp£po6a'r]Q 

facie{d) 

dat. 


hrhatydi 

hare^ityci i 

cp£po6a:p^ 

fade, facial 
faeii 

loc. 

*lhrgJmt{i]ie{^] : 

hrliatyd-m 

h ar enty a 

cpepoua-^ 

fade 

instr. 

*hJir§lint[i)jM : 

brliatyd 

har e7itya 

[cp£po6a7]] 

facie (?) 


*hhrghntl ? : 

brliat'l 

o 

az% 



Du.nom.acc. 

%hrghnU^ : 

hrhati, -iyciu -ydu 

hareiiti 

cpEpouaa 


gen. etc. 

dat. abl. instr.? 

d. a. i. hrliati-hliydm 

d. harenti-hya 

g. etc. cp£po6caiv 



gen. ^bhr§hnt{;i]jpu- 
-s^\ 

loc. *hlirglini['i)ioii'l : 

g. 1. hrliatybs 




Plm*. nom. 

^hltrghnt{i)^es : 

hpiat^s, -iyas -yas 

harmtil, -yb 

cpspouaat 

fades 

acc. 

? 

hrliatis, -iyas -yas 

hare7ifis, -yo 

cpspouca? 

facies 

gen. 

'*bhrghnt[i]^-b7n‘l : 

hrhatl-7idm 

o 

hare7iti-7iq7n 

fpLOOcaoJv cpspou- 
cwv 

^faeiei'um 

loc. 

*bhrg]intz-s -su -si ; 

hrhati- su 

0 

harenti-su 

-sn-a 

cpEpo6a'/]Oi 
-aict [“Cci?] 

[facie-hu^ 

dat. -abl. 

*hhr glint i-hJi- -m- : 

hrhati-hhyas 

harenti-hyb 

[cp£pOUaY]Cl -TQCL 

-atct -an] 

facie-hus 

instr. 

*hlirglinii-hlii{s) 
-mi{s) : 

brliait-hhih 

o 

harenti-his 

cpepodcaic [-7]ci 
-■^ct -aici] 

[facie-bus] 


von der nominalen Casusbildiing. 


741 


Ir. 

Got, 1 

Althoclid. 

Lit. 1 

AksL 

ill is 4ns er si 
^ea’ 

frijondi 'Freun- (juti7i guUnna 

din' i 'Gottin' 

cezantl Veliens’ z6-_ 
nii 'Erde' 

vezqsti Veliens’ zemlja 
'Erde’ 


frijondi ' gutin 

[zeme] 

zemlje 

inis n- p) 
in si n- (?) 

frijmdja ‘ giithme -a 

Dezancziq zeme 

vezqstq zemljq 

inse (?) 

frijondjos 

gutin7ie -a 

oezan ezids zeni e s 

vezqste zemlja 




V ezcmcz ids z e in e s 

vezqstq zendjo^ 

i7isi 

frijmdjdi 

[gutm7m] 

oezancziai z e m e i 

vezqsti zenilji 

i 71 s i 

frijd7idjdi 

[gutmiiu] 

vezanczioj-e z em ej - e 

vezqsti zenilji 

i7isi (?) 

i7iis (?) 

[frijmidjdi] 

guthmu 

' 

Dezanezia zeme 

vezqHq {^-ejq) zemljq 
(i-OT) 

171 is 



oezantl-dvi zeml 

vezqHi zenilji 

d, msih 

\ 

i 



d. vezancziom-dvein i 
vezanczion-d'oem d. i. 

zeine-in 

d. i. vezqsta-ma z&mlja- 

-ina 

g. vezqHu ze7nlju 

[. vezqHu zeinlju 

i7isi (?) 

frijondjos 

guti 11716 

V ezaficzios z e in e s 

'vezqH^^ zeniljjj. 

msi 

frijd7idjds 

gutinne 

vezanczias zeines ze- 
ines-nd 

vezqstQ zemljq. 

inse 71- 

frijd7idjd 

gut inn o, -innono 

vezancziu zeiniu 

vezqUi ze7nlj%\ 

\i7isih'\ 

[frijd7idjd-7n] 

[gutinno - m , di~ 
g^-7n] 

vezanczio-su -se zeme- 

-su -se 

vezqsta-clm zeiyilja-clm 

\ins%b\ 

fi'ijdndjo-ni (?) 

gutinno-m {?), di- 
gi-m (?) 

vezanczio-ins zeine-ins 

vezqsta-inu zenilja-inu 

iiisih 

frijd7idjd-7n 

gutinno-ni, di- 

gl-m (?) 

■ vezanczio-inis zeine-inii 
-mi 

vezqsfa-ini zeinlja-mi 




742 


Ubersichtstabellen zur Lehre 


4. ^-Staniiue. 



Uridg. 

xUtiud. 

Avest. 

Armen. 

Griech. 

Sing*, nom. 

"oui-s 'oris' ; 

civi-l' 

65ib'-.s'Sclilange’ 

si'vt ‘‘Herz" 

ocpL-:; ^Schlange’ 

voc. 

'^ouo\ -e%‘. 

"^oui : 

dve 

aze 

azi 

sh't [nom.?] 

d cp t 

acc. 

'^oui-m : 
n. '^oqi 'Augeb 

dvi~m 

Slid b'eiib 

azi~7)i 

huU'i Aieb 

[z si)'t] 

d cp 1 - V 

Id pi ^kunclig’ 

gen. 

'^ouoi-s ~ei-8\ 

oiii[})\-es -[i]i-os'. 

dvc~s 

dvy-as ariy-ds 

azdi-s, javny- 
diSi vay~d 

S7*tiPj 

dcp£o; -SO);, TioX'rjo; 

d ip i - 0 ? 

abb 

-c^~s: 

oti{ip^-es 

dvc-k 

dvy-a$ ariy-ds 

azdi^ azaedi-a 

i S)*te 

dcp£o? -£iu<;, ttoXtjo; 
dep l-O? 

dat. 

"^oicei-ai 

ay. 

aiich 

dvay-c pdty-e 

utt 

azay ae-ea, 
yaipyae-ca 

f7‘ a-7117'uiti 

si'ti 

[dcp£l, 'k6X'/]1 ttoX-^] 

pOtGl 

loc. 

- 0 , 

*oueyi\ 

dvd dviiu 

dJay-iP) 

aza, 7)vruitA'^) 


'ildX'^L tioXt] 

depe'i dcp£i 

instr. 

"^oyTi \ 

7)1 att t, dvyd f.(ved. 
auch m.) , dvind 
m. (ved, auch f.) 

a z i 

S7'ti-V 

ion. pdcl [dcp£ij 
7:dX'/]i ttoXt^] 

Dn. nom.- 

'“^oya : 

dvi 

azi 


dip£i dcpe£ 

acc. 

n. "^ocfi : 

sued, sucim 

a s i 


doss 

gen. etc. 

dat. abb instr.? 

gen.^ 0 nw- .s? ; 

loc. '^ou[i]y-Qxi'^.\ 

d. a. i. dvi-bhydm, 
neutr. aksi-hJiyrmi 
dvy-ds \ 

d. azi-hya 


g. etc. dcpsoiv 

Plnr. nom. 

^ouei-es : 

da a]) -as, ary-ds • 

azay-o, fra- 
msy-d 

si)'tU 

dco£ i<; kret. Tp^-£Q 

j 

acc. 

'^oui-ns ^oians'Tf., 

n. Hri ^triab 

dvl7‘ -In m., dvVs f./ 
a7‘y-ds \ 

t7'7, tri7ii \ 

azis m., [ya)'ayd] 

1iu~haodti 

z si7'ts 

dcplc^ TTooia?, [dip£ic] 

Tpia 

gen. 


, - r ; 

avi)ia7ii, su)U7n : 

haoycyn, vay- 
q7n, azinepi 

S7'tie 

. . 1 

Tpitov, dcpeiov ! 

loc. 

"^oui-s -su ~si\ 

dvi-^u 

‘^'azi-su 

S7'tic 

depict, depEOi 

dat. -abb 

'^oui-hh — m- ; 

dvi~hhyas 

azi-hyd 

d.srtic, a. i S7die 

[dcptoi, dcpsoi] 

instr. 

^'om-hM{s) -rm{s) : dvi-hhi^ 

azi -his 

S7‘ti~vic 

[deptoi, dcp£Ci] j 





Ton der nominal en Casusbildung. 


743 


Lat. 

L*. 

Got. 

Altkoclid. 

Lit. 

Aksl. 

\ti6 7'ri-s 

faith ^Taxes' 

aiist-s "Gunsf 

'a7ist "Gunsf, 

'ku7'i 'Wahr 

7iakti-s 'Nacht^ 

710 Hi, Naclit’ 

[tWTls] 

faitht^'!) 

faith[^) 

a7ist 

a7ist ku7'i 

7iakte 

7iosti 

tu7'7'i~7n, ovem 

ma7'e 

faith 71- 

77111 i 7' [71-] '^mare^ 

a7ist 

h7'di7i '^rein' 

a7ist ku7*i 
77ie7'i ^mare’ 

7idkti 

7lOStl 

tw'r'is, osk. -eis 

fdtho -a 

anstdi-s^ ga- 
stis "Gastes" 

e7istii^.), gastes 
'Gastes^ 

e7isti (?) 

71 aktes 

710 st i 





nakt'es 

710 Hi 

tu 7'r% (?) 

faith 

[a7istdi, gasta] 

[gaste] 

e7isti ku7'if.) 

7idkcdai, vcigiin 

'fari^ 

vesz-patg 

710 st i 

ove 

tu7'7'% (?) 

771 It zr faith 

a7istdi 

e7isti kuri 

eristi ku7'i^'i) 

dekte dekte, nak- 

710 sti 

tu7'7'i qui, ove 

faith 

[a7istdi], gasta 

e7isti ku7'i{‘t), 
gastiic 

aki^ 7iakti-77u 

iiostijq, pqti-ini 
(dat. 7X0 sti) 


faith 



7iakt\ 

no sti 
oH (fem.) 


d. fdithih 

g. fdtho -a 



d. 7iaktl-77i i. 7iak- 
ti-in 

d. i. 7iosti-77ia, 
nentr. oci-7na 
g. 71 os tiju 

1. noHij u 

tu7'7'es [turris] 

fdithi, t7'i 

Hres' 

a7isteis 

e7isti, cl7' fti'e& 

7idktgs 

yqt%j-e [710 kl] 

tu7'7'is [tii7'res\ 

tri~gmta , f^'ia 

fdithi 

t7'l, 77lU7'e 

a7isti-7is 

p7^ija 

[e)isti] 

drill 

7iakt\s 

t7'y-lika 

71 0 H i 

tri 

tur-rium, apmyi 

fat he 71- , t7'T 71- 

UTiste, p7'ije ^tri- 
um'' 

eiisteo -ioj 

eiisto 

7iakcziu ^ k7'dtu 

7iostiJi 

[tw^7'i-bus] 

[fdithih] 

[ansti-77i] 

[e7isti-77i] 

nakty-su -se^ tri- 
su -se 

\7iosti-chu 

tw'ri-hus 

[fdithih] 

^a7ZSti-77l (?) 

'ensti-7n[% 

7 iakti-‘ms 

\7ioU%-7nu 

^tu7'ri-'bus\ 

fdithi-h t7'i-h 

a7%sti-77i e7isti-77i 

7iakti-77llS -7711 

'.77 0 Hi- 771 i 



744 


Ubersichtstabellen zur Lehre 


5. ^^-StalIllIle. 



Uridg. i 

Altind. : 

Avest. 

Armen. 

Grieeb. 

Sing', nom. 

^'sunus 'Solin’: 

sunu-s 

hcizu-s ^Arm" 

zard 'Schmuck 

T fj X u - ? 'Unt er arm’ ! 
'qou-g 'suayis’ 

voc. 

*'sunoii -eu: 

^sunu : 

sund 

hdzu 

zard [nom. ?] 

LTTTTeU 

acc. 

*s€inu-m : 

1 . -^medhu 'Siis- 
sigkeif : 

sunu-m 

m ddhu 

hdzu-m 

tnadu 

2 zard] 

Tt'i]XU-V '/)OU-V, 

eupla 

gen. 

^siinou-s -eii-s: 

suno-s 

hdzao-s -eii-s 


rdipfZQc, -£(»?, '^OEo; 


^sun[ii)ic-es -os: 

2Jasv-ds mddh- 
uv-as 

xra'pw-b 

zardu (?) 

ooi)p6<; '(ivu-QZ 

abl. 

^siinoti-s -eii-s: 

*su7i[u]ii-es ~os: 

suno-s 

pa^v-ds mddh- 
uv-as 

hdzaop hdzv-a^ 

xrapw-ap 

i zardu, i zarde, 
i zardue 

izTiypo!; -Ewc, '^oloc 

ooupoc yivo-oQ 

dat. 

ai: 

sundv-e , ^^sv~e 

httzav-e, 

hcizv-e 

zardu 

[7rr}y/i Tt'fjxei] 

loc. 

"^suneu, -671 (?) : 

*smi67M-i : 

sundu 

sundv-i 

hdzdu, pernio 
gdtav-a{^.] 


tnn'rif-ii?) 

7£^2C£L 7Z^fjyet,Q0Upi 

instr. 

'^sunu : 

sunv~d ved. , sit- 
nund 

hcizu, hdzv-a 

zardu 

[n'qy/i 

Bu. nom.- 
acc. 

"^mnu : 

n.'^medhu-il -Vh. 

- r 

sunu 

mddhv-1 , md dJi~ 
urn 

hdzu, hdzv-a 


Tzdiy^ee TZ'qyei 
coupe 

gen. etc. 

dat. abl. instr.? 
gen, ^^sun{u)u- 

loc. '*s7m{u)u- 

07t ? : 

d. a. i. simu-bliyam 
g. 1. sunv-bs 

d. hdzu-hya 
g. hdzv-u 

1. hdzv-d 


g. etc. TtT^xeotv 

Plnr. nom. 

^suneu-es : 

sundv-aSy -kratv- 
as 

hdzav-o, ydtv-o 

zardU 

Ti^ljyee^ -eic 

acc. 

^smiu-ns [su- 
nuns^.): 
n. ^medliii: 

sunur -un m,, dlie-' 
nits f., pasv-ds 
mddhu, mddJiuni 

hdzus, pasv-o 
[gdtavo] 
pouru 

' z zards 

olu-vc;, nriysaQ, 
[iirjXeic] 

'Ijoda, youva 

gen. 

*sun[u]udni : 

sunundni, dasyitm 

hdzv-qin, hdzii- 
nqm 

■ zardue 

ooupoiu^ Tvrjyemv 

loc. 

^sunu-s -su -si ; 

: sunu~su 

hdzu-su -sv-a 

: zardue 

TTrqypzi, yoveuat 

dat.-abl. 

. *sunu-hh -in - : 

sunu-hhyas 

hdzu-hyo 

d. zardue, a. 7 
zardue 


instr. 

‘^sunT^hlii [s) 
-mt(s) : 

sunu-hhis 

; 

hdzu-his 

zarduU 

[TC'/jxeci] 


von der nominalen Casnsbildung. 


745 


Lat. 

Ir. 

Got. 

Altlioehd. 

Lit. 

Aksl. 

man u~s 

hith nVelt^ 

SU 71U-S 

sitic -0 'Sitte" 

SU71U-S 

sy7iu 

[mayiu-s] 


SU71U 

situ -0 

su7iau 

SI/71U 

manu-m 

hitJi 71- 

SU71U 

situ -0 

SU71U 

synu 

pecu 

771 id (71-) 

faihu 

film -0 

gx'azii 

771 edu (masc.) 

tna7iu~$, qnae- 
sti 

senatu~os -is 

hetlio -a 

SU7ldu~S 

771 a 71 s 

f7'idd -0 

7na7i 

su7iau~s 

sy7iu 

manu[d] 




su7iau-s 

sy7iu 

manu-i 

\hiuth] 

[simdu] 

[sitiu] 

swim 

synov-i 

inanu 

hiuth 

SU7ldtl 

sitiu 

su7iuje 

syiiu 



mann 

sitiuiit], 77ia7i 



manu 

hiuth 

[sundu] 

sitiu 

SU71U-7711 

syno77ii 


hith 



sunu 

sy7iy 


d. hethaih 
g. hetha 


1 

d. sunit-m i. su7iu-7h 

d. i. synu-77ia 
g. synov-u 

1. sy7iov-u 

7ficmus{‘f) 

7710 gai 

SU7ljuS 

siti 

SU71US 

sy7iov-e 

7nanus 

hiihu 

SU71U-71S 

1 

sunus 

syny 

genua 

\ 

1 





manuuni 

hidJie 71- 

simive , 7na7i77-e 

\siteOj 77xa7ino 

SU71U 

sy7iov-u 

[manu-hus nia7ii-' 
hus] 

\jbethaih] 

[sU7lU-7n] 

[sitmi[ 

SU71U-SU -se 

sy7iu-chu 

manu-hus 7na7ii- 
bus 

{hethaih} 

SU71U-771 ? 

sitwi (?) 

SU7lU~7nS 

Sy7l077lU 

[ma7iu-hu$ ma7ii- 
hus] 

hethaih[fj 

SU7lU-7n 

sitwi 

SU7lU-77lls -77ll 

synu- 771 i 


746 


Ubersiclitstabellen zur Lehre 


6. ? 2 ~Stainme. 



Uridg. 

Altind. 

Avest, 

Armen. | Griech. 

Sing*, nom. 

-e(w): 

z 

s D a 

sp d 

akn ^Auge', 
anjn "Seele" 

■/. U €U V , 71 0 t a Tj V 

'Hirte' 

YOC. 

^k{u)tco{}7]] -e72{f}: 

svdzi 

pri-zafem 

akn, anjn 

[nom?] 

XU 0 V [7t0l[j.'/]%f] 

aec. 

*h[u]tion-m ; -en- 
-zn ; 

n. *cVtemn 'Setz- 

ung^ 

svazi-cmi 

dll dzna 

spdn-eni 

d a m a 

[z akn] 

yjjv-a, T£XTov-a, 
77 0 l fJ. £ V - CC 

(}£ ja a 

gen. 

"^hun-es -os: 

"^-en-s : 

sun- as 

Yed. dll an (?) 

sun- o 

xioe'mg 

akan, anjin^ arn 
'Mamies' 

X u V -- 6 ? 

abl. 

^kim-es -os: 

su7i-as 

sunap 

y akane, y anjne 

X u V - d ? 

dat. 

*%un-a % , ^uid- 
men - ai ^zum 
Erkennen : 

stUi-e ^ nidmdn-e 

sun-e 

akan, anjin 

I'dfxsv-at [xu'd, 

7iOljU,£V~l] 

loc. 

*uidnien *uid~ 
men ; 

^uidmen-i^ *him- 
-i: 

n%u r d h dm 

in urdlidn- i, m ur- 
dhn- i 

cahnqn 

casmaiuij as- 
n - i 


odfxsv od{j.'/]v 

t: 0 (j. £ V - 1 , X u V [ 

instr. 

^%un-a [-e ?) : 
{-n-mi ) : 

f r - 

sun-a 

sun-a 
ndmeni (?) 

akam-h 

[xuv“g TioijAev-t] 

Du. nom.- 

acc. 

'^%[ii)uon~e\‘-en-e: 

n.'^dhhnn-it : 

ivdn-du -d 

dlidmn-l -man-% 

spdn-a 

[dctnia] 

1 

XUV-£, T£XTOV-£, 
TCOl{J.£V-£ 

gen. etc. 

dat. abl. instr.? 

gen. "^kim-ou-s ? : 
loc. ^hun-oul: 

d. a. i. svd-hhydm 

g. 1. sun- os 

g, sunu 


g. etc. xuv-oTv, 7101- 

[J.£V-01V 

! 

Plur. nom. 

*k{u)zi07i-es ; -e?i- 
-es: 

svdn-as 

sp dn-d 

akanU akimli^ 
aivjinlt 

iXUV-£?^ tIxTOV-£?j 
! 7rot[X£V-£^ 

1 

ace. 

*ku7i-7is'^. ''^'k{u]ii- 
on-ns^?; -en-ns"?: 
Ti*d}mnd7i -on-d : 

sun- as j uksdn- 
-as 

d li a m an- 1 , dlmnd 

sp>dn-o, urun- 
-0 

ddmqn ndmhi- 
-d, daeman-a 

z akans z aku- 
, ns, z anjins' 

XUV-CCC, TSXTOV- 
-a?, 7iot[x£';x-c; 
TCLONi-a, dppev-a 

gen. 

"^kun-om : 

sun -dm 

sun-qm 

akanc 

XU'^-WVj 7I01[J.£V-W'2 

loe. 

^ki^u)iin-s -$u -si-J 

^^vd-su 

ddmo-hu -hv-a 

akanc 

xuai, uoiireog cppaai 
^sfjLa-oi 

dat. -abl. 

*k[u)im~hh- -7n-\ 

svd-hliyas 

ddma-hyd, ddme- 
hyd 

d. akanc a. y a- 
kanc 

[xua'i etc.] 

instr. 

*k{u)u7i-d}hi[s) 
-7m [s] : 

$vd- h his 

I 

ddma~his dd- 
me-his 

akam-hlz 

[xoci etc.], xoTuXrp 
oov-d-cpt 



von der nominalen Casusbildung. 


747 


Lat. 

Ir. 

Got. 

j Althochd. 

Lit. 


homo “ 0 , lien 

cu^ dru 'Niere 

gum a 'Mann^, 
tug go 'Zunge 

'g 0 771 0 'Mann^^ 

: u 71 g ^z^Zungc"' 

'szu sziin ‘Hund', 
ah 7711% ^Stein’ 

ka77xy ^ Stein 

[Jwmo ~o] 

[cd] 

[gimia] 

:[go77io] 

szu7i-e [szu, ah77iu] 

[kaixiy] 

h 0 m in - e 7)i 

no 771 6 71 

0 0171 71- , dra^^^ 
71- 

a 171 771 71- 

gimxaxi 

liamtb 'Herz’ 

\g077l07% -1171 

■Ji67'za "Herz 

szim-?}, dh77%en-i 

ka77%6n-i, dhi-l 

i77x§ 'Name^ 

ho77im-is, car-- 
n-is 

0 0 71, dra7i 

a 71 771 6 

gu7ni7i-B 

\gome7i -in 

szuTi-s, almieh-s 

kaxixen-e, d%7i-e 

€d7ive7itid7i-ld, 

\]i07nm-e] 




szun-s, ahxrxeh-s 

ka77X67%-e, d%7i-6 

\ho77%m-%, 6 a 7' 71'- 
-i, da7ni7i-i 

coi7i, dram 

[a7l77li77V77l] 

\gu77xi)%] '[go77xe7% -m] 

szimiui, dh)7ie7%mi 

ka77xen-i, din-i 

homin-e, oar- 
n-e 

tohrdo 

0 0 171, dram[a7i- 
771177X771] 

gu77xin 

go77ien -i7i 

szu7i-yje, ah7ie7i-gje 

k a 77X6 71- 6, cUxi-G 

ho77iine, car7i-o 

[ooi'71 drai7i1) 
an 771 1 771 77% 

gimiin 

gimxm m 

SZU7l-i-77%il ah77l67%-i- 
-7711 

koj)7xe7i-%-mi, dm- 
1-7111 


0 0 in, dram 

[ain7n] 



szu7%iu, cik)7%6niu \ha77ie7i-i, dm-i 

inien-e i7ne7%-i 


d. co7iaib Jlad- 
7iaib 

g. 007%, dra7i 



d. szim- 1-771, ahmeii- 
1-77%, i. -1-777 

d. i. ka77ie7i-x-77ia, 
di7i-i-77%a 
g.ka77ien-u, d%7%-u 

1, ka7ne7i-u,d%n-u 

Ji077im-es, carii- 
-es 

ooin , dram 

gu7na7i-s 

go7no7i -U7i 

szi'm-s szim-ys, dk- 

77X6 71- S 

j el 6 71- 6, ddm-o, 
ka77X67l-%j6 

h 0 771 i7i-es, 
carn-es 
nd77ima 

0 0 7%- a, dr7%-a 

an77ia7%)i 

[gimxam], auh- 

S 71 - U 71 S 
hai7'tb7%-a, 7%a77x- 
n-a 

{g077l07l -Wl] 

her z on 

SZU7l-%S, dk77X 6 7l- 

-is 

ka}7xe7i-i, dm-i 

ini 671- a 

ho?7ii)i-imi 

0 0 7% 71- , drmi 

71- 

gimian-e, aiths- 

71-6 

g077lb7l-0 

szu7%-u -iu, ahxxxen- 
-u -ill 

ka77X67i-u, din-u 

dhi-iji 

[ho77im-i-has] 

\co7iaib, fiad7ia- 

ib] 

[guma77%] 

{go77id77i\ 

sz im-ys u, ahixien- 

-ysu -yse 

ka77ie7i-%-oliu , 
dm-i-cJiu 

homm-i-hus 

\oonaib, jiadxia- 
ih] 

gU77ia77i (?) 

gommi (?) 

sztm-i-77xs, ahme7i- 
A-77XS 

ka77X67i-%-7nu, 

dm-%-7iiu 

[lioinin-i-hiis] 

co7iaih, Jiad7%aih 

guxnmxi, aulmi- 
am 

goindm 

szu7i-i-7yxis, ahixxen- 
-i-77XlS -77X1 

kaxnen-i-mi, dhi- 
1-7711, n. ixnen- 

-y 


748 


Ubersichtstabellen zur Lehre 


7. r-Staninie, 



Uridg. 

Altind. 

Avest. 1 

' Armen. 

Griecb. 

Sing, nom. 

*dotd[r) '"Geber^ 

mat a, data 

77idta, data 

m a ir 

[ji.'r]T'r]p, ocutcDp 

YOC. 

''^7nfiter, "^dotor : 

7natar, dntar 

mcitar^ , dci- 
tar‘ 

77iair [nom.?] 

pLfjTe p , 0 WTO p 

acc. 

""indter-m, *do- 
tor-m : 

77idid7'-a77i , dutdr- 
-am 

mdta7'-e77i, dd- 
td7'-e7u 

[z 77iaw] 

[J.'/]T£p-a, OWTOp- 
- a 

gen. 

^7ndtr'es -os, 
"^^dbh'-es -os: 
*mdtr-s, ""dotr-s: 

o ^ o 

7idr-as 

7iidiiir , datur 

mdpr-d, dd- 
pr-q 

ne7'^-s, sdsta7'-s 

771 a u r dster , 

U e f 

[T'/JTp-O^ (J.'r]T£p-0;, 
0d)T0p-OG 

abl. 

*77idt‘r-es -os, 
*dbtr-GS -os : 


77idp7'ap, ddp7'ap 

i 7nau‘re i dste7'e 

ILTlup-Oi fJ.7]T£p-0^, 
OWTOp-O; 

dat. 

*7ndi7'-a% "'^doP'" 
-4: 

77idtr-e, dutr-e 

771 dpr-e, dd- 
pr-e 

77iaur dster 

[p:.'/]T£pl [J."/]Tpt, OW- 
TCpi] 

loc. 

^7ndter-i -tr-i, 
*dQter-i -tr-i: 

77idtdr-i, duta7'-i 

mat air i, dd- 
tairi 


[A7]tp-i, 

6d)T0p-L 

instr. 

*mair-a, *ddtr-a 
{-el): 

7ndt7'-a, dzdi'-d 

77idp)’-a, ddpr-a 

77mr-h d$te7'-h 

[p.'/]T£pL pTjZpi, 06 - 
TOpt] 

Du# nom.- 
acc. 

*mdte7*-e , '^do- 

tor-e : 

7ndtd7'-du -d, dntdr- 
-du -d 

mdtar-a 77id p7'-a, 
ddtd7'-a 


[XrjT^p-S, OWTOp- 

- £ 

gen. etc. 

dat. abl. instr. ? 

gen. ^7ndtr-ou-s^. 

*dbtr-ot^s ? : 
loc. *mdtr-o^^ 
^dbt7'-oy^ ? : 

d. a. i. mdtr-hhyd77i, 
ddtr-hliycmi 
g. Y.nidtr-o s, du- 
tr-ds 

d. 7ndter^-'bya , 
ddte7'^^-hya 
g, 7iar-u 


gen. etc. (XTjxIp-oiv, 

OWTOp-OlV 

Plui*. nom. 

'^7yidter-es "^do- 
tor-es : 

7ndtdr- as , du- 

tdr-as 

* 

77idtar-d, dd- 

t dr -d \ 

\ 

77ia7'-Jc dste7'-Jc 

1 

[xy]T£p -e? ; 0 w- 

TO p-£ ? 

acc. 

*7ndt7'-7u,dbtr-ns 
od. '^7ndt&r-72s, 
* dot 07' -ns : 
n. *qetud7'[d) '4' : 

pitfn 72frm., 77idtrh 
f., dutr7i 

catvur-i, ddtini 

77idtar-d f^- 
(tr-d, 77\dtei'- 

qs, ddtdr-d 

z 771 ars z dst-^ 
ers 

li'qzep- ac ^ 6^ a - 

T p-ac, 0 WTOp- 

-ac 

T£TOp-a T£TTap-a 

gen. 

*7ndtr-d7n,'^ddt7'~ 
-dm : 

7ndtrnwn, svdsr- 

o • ' 

-d77i, dutmuiin 

771 dp r-q7n, dd- 
pr-q7n 

77iarc dsterc 

[dster ac) 

TTGCTp-WV pL7]T£^| 

-CDV, OWTOp-OJV 

loc. 

*77idtr-s -su -si, 
'^ddt7'-s -su -si: 

O 

77%dt'r-su, datr-su 


marc dsterc 

[dsterao) 

[j.'/]Tpa-ot, owTop-at 

dat.-abl. 

^77idtr-hh- -771-, 

O ^ 

^dbtr-hh- -wz- : 

o 

7ndtr-hhyas, dutr- 
hhyas 

77%dte7'^-hyd, dd- 
te7'^-hyd 

d. 7iiarc a. i 77iarc 

etc. 

[pLiQTpaai, owtopct] 

instr. 

^7ndtr-'bhi (6‘) 
-mi[s], ^dbtr- 
1 -hhi[s] -mi{s) : 

mdtr-hhis , du- 
tr-hlii^ 

O 

77idter^-his , 

dater^ -h is 

77ia7'-hU dste)'- 

hk 

[pL’-/]Tpacyg owTopai] 



von der nominalen Casusbildung. 


749 


Lat. 

It. 

Got. 

Althochd. 

Lit. 

Aksl. 

mater j dator 

mdthir, siur 

"SOIOT 

h'bpar 'Bruder^ 

ynuoter 

7710 te 7 n 6 te^^Q\\i, 
s esu "soror" 

771 at i 

mater [nom.?], 
[dator] 

mdthir [nom. ?], 
[5twr] 

brbpar [nom. ?] 

mu 0 ter [nom.?] 

[77iote 77i6te, sesu] 

'niati] 

mdtr-em, dator- 
~em 

mdthir n- 

brbpar 

muoter 

77i6ter-i 

mater-i [77ia- 
ter-e] 

mat r -is -iis, 
dator-is 

mdthar (?) 

bropr-s 

muoter 

ags. 7710 dor 

7noter-s 

mater-e 

[mdtr-e\ 




77ioter-s 

7nater-e 

mdtr-%, dator- 

-i 

m d t h i r 

[Sro^r] 

[piuoter] 

m6te7'-iai 

mater-i 

mdtr-e, dator- 

-e 

mdthir 

hr opr 

77iuoter 

77iote7^-yje 

77xater-i 

mdtr-e, dator- 

-e 

[mdthir ?) 

h r op r 

7nuoter 

7 noter-i- 7 iii 

znater-ijq 


mdthir, si air 



77i6te7'-i 

?7iate7'-i 


d. mdithrib 

g. mdthar 



d. 77ioter-i-7n i. 77%o- 
ter-i-7h 

d. i. 77 iater-i- 7 na 

g. mater-u 

1. 77 xate 7 ‘-u 

mdtr-es, ddtd 7 ‘- 
-es 

mdthir 

brbprjus 

muoter 

7Ji6ter-s 

[znateri] 

mdtr-es, da- 
tor- es 

mdthr ea 

bropr-uns 

[7nuoter] 

motor- is 7n6teres 

mater-i 

quattuor 

cethir 

fidvdr 



cetij7'-i 

mdtr-u 7 n, da- 
tdr-um 

mdthar md- 
thre n- 

brbpr-e 

muote7'-o 

77ioie7'-u -id 

772ate7'-u 

[mdtribus, da- 
tdribus] 

[indithrib] 

\brbpruiii\ 

[muote7umi] 

77iote7'-ysu -yse 

77iater-i-chu 

mdtr-i-biis, da- 
tbr-i-bus 

[^ndithrih], vgl. 
gall, mdtre-ho 

brbpru-m (?) 

7 nuoter-U 77 i (?) 

772 0te7'-l-ms 

7nater~%-7nu 

[^ndtribus, da- 
tbribus] 

mdithri-h 
mdthr ai-h[^) 

hrbpru-m 

muoter-U77i 

moter-i-mzs -ml 

mater-i-77ii 



750 


Ubersichtstabellen zur Lebre 


8 . 


8iii§'. nom. 

Uridg. I Altind. ■ Aveat. 

Griccli. Lat, 

"^WirglLont-s' oq\- 
sus' : 

b rhd 7i 

o 

ber^zqs 

cpepcov 'tragend', 
a £ t ; Vehend' 

fc )' 0 718 

voe. 

"^hhrghont : 

hrhayi 

0 


Y^p 0 V 

[fei-Sns] 

acc. 

"^'hlirghoyit-^TL ; 

n. "^de-d-nt 'ge- 
bend' ; 

bj'lidnt-ayn 

o 

dddat, brhdt 

be}'^za7it~e7n 

her^za^ 

Cp£pOVT-a 

cpspov, 

fc)'e7it-e77i 

fey'ens 

gen. 

'^bhrghnt-es -os: 

b7'hat~ds 

her^ zat-b -ant-d 

cpspovt-o; 

ferent-is 

abl. 

^hhrghnt-es -o$: 

brhat-ds 

bar^zata^ -anta^ 

cpspovt-o; 

ferenfi[d] [fe)'- 
ent-e] 

dalj. 

%hrghnt-ai: 

b7'hat-e 

O 

bei'^ zaitd -cmte 

[cpIpOVT-l] 

fereyitl 

loc. 

^hhrghent-i 

b7'liat-i 

O 

astvai'nti -vaiti 

CpspOVT-l 

fe7'e7it-e 

instr. 

'^blirghnt-a [-e ?) ; 

brhat'-^ 

he7'^zat~a -ant-a 

[tfipo-rt-t] 

fe)'e7it-e 

Du. nom.- 
acc. 

^ hhrg]i07it-e : 
n. ^bhrghnt-i^. 

hrhd7it-cm -d 
hy^hat- % 

o 

her’^zanUa 
vgl. vlsaiti 

Cp£pOVt~£ 

vgl. /ty.aT-t 


gen. etc. 

dat. abl. instr.?: 

\g.^hhrghnt-ous'l: 
L hhrghnt-oti'l : 

d. a. i. hrlidd-bliyuDi d. her^za 'd-hya -a^- 
; by a, ber^zanhya 
g, 1. bidbat-o s g. ber^zayii-n 

gen. etc. cpepovr- 

01'^ 


Plia% nom. 

^hJirghont-es : 

brlid 7 it-as her^zarit-d 

O 

cpepovT-s? 

fe7‘ent-es 

acc. 

*bhrgJmt-ns o der 
■^bhrgIio}it-ns : 

n. -7it -7iid ; 

hj'hat-ds 

O 

b rhcrnt-i, sdiit-i 

h zat-d -ayit-o 

77iizdavq7i 

Cp £ p 0 V T - a ; 

Cp£pOVT-a 

ferent-GS 

\silent~'a fey'mt- 
-ia 

gen. 


b7*hat~d7n 

O 

be7'^ zat-q77i -CDit- 
-({771 

^p£p6vT-a)V 

f e7'e7it-U77i 
-iimi 

loc. 

'^hlirghit-s -su 
~si: 

br]idt-su 

hey'^zasic 

cpipouat, Ttpdcj- 
covt-aacL 

[ferentibus] 

dat.~abl. 

"^hhrgJmd-bli- 

-7it~7n- : 

hrJidd-bhyas 

be7'^'zad-byd -a^-byb, 
her^'zayihyb 

[cpepouai] 

ferent-i-bus 

instr. 

'^hJirghnd-bUl (s) 
~nt-7yi%{s] , 

brhdd-hliis 

her^ zad-bis -a^- 
bis^ her^zanhis 

[cpspoucji] 

\fe7'Gi\iibi(jS\ 


YOU der nominalen Casusbildung. 


751 


Ir. 

Got. : Althochd. 

Lit. 

Aksl. 

care car a 
Treund' 

frijdncl-s 'Freund' ' friioif'^xemid^ , zan 
\ 'Zahn’ 

vezq.s ‘■-veliena', daii- 
t-i-s 'Zalin' 

Vehens'; neutr. 
vezij 

[care car a] 

frijond Ifriimt 



car it n- 

frijond^ tiinj[>~id d^occi-' 
tern' 

friunt 

V chant i dant-i 

vezq, dils^ 

vezqHi 

cezqste 

carat 

frij(md~i~s 

friimt-e~s 

vezanczio 

vezqHa 




velanczio 

vezqsta 

car it 

[frijond] 

[fritmt] 

vezanczidm 

vezqstu 

car it 

frijd7id 

friimt 

vehancziame 

vezcfsti 

[caritl] 

friJoJid 

friunt 

vezancziu 

vezqsteini 

car it 



vezancziu-du 

vezqsta 

vezqHi 

d. cairtib 

g. carat 



d. vezantem-dvhn i. 
vezanfem-dvein 

d. 1 . vezqstenia 

g. vezqstu 

1. vezqstu 

■^carit 

frijmd-s 

friimt 

vezq, vezant-ys 

vezqste 

\cairtea 

\ 

[fi'ijonds] tu'np-uns: 

[friunt] 

vezanczius, d ant- is 

vezc{,H§ 

vezqHa 

: carat n- 

frijbnde \ 

friunt-o 

vezancziu, dant-u 

vezqlti 

[cairtib] 

[frijondam] 

[friuntum] 

vczancziu’-su -se, dan- 
t-y-su -se 

vezqHicJiu 

, [cairtib] 

frijond-a-m (?) 

friunt~um (?) 

vezantems, dant-l-ms 

vezqstemu 

cairti-b 

fr ijdn d-a-m , tunp- 
imi, vgl. tigum 

friimt-iwi 

vezancziais, danti-rnis 

-nil 

vezqkij n. telH-y 


Brngmann, G-rundriss. 11, 2. 48 




752 


Ubersichtstabellen zur Lehre 


9. 65-Stamme. 



Uridg. 

Altind. 

I Avest. 

Griech. 

Sing. nom. 

1. "^menos ^Sinnb 
□a. ^dus-77ienes 'ubel ge- 
sinnt' : 

Q. ^ dus-me7ies \ 

m 0,71 as 
du 7' 771 a n as 

du7'77ia7ias 

'mand 7710710 , 

\dus77ia7in 

\dus 7710710 

a £ V 0 ; 

0 1 ) 0 [j, £ V 'f] i; 

oua[jv£V£; 

YOC. 

Qi. dics-77ie7ies \ 

du7'77ianas 

\dus7nand 

00 0[;i-£V 

acc. 

m. ^ d^is~7ne7ies~77i : 

dimnanas-a77i 

\dus77ia7iafdh-e7n 

000[JL£V£a -'?j 

gen. 

^me7ies-es -os, "^^nms-es 
-os 'mensis’: 

77id7ias-as 

177107101^11-0 

(Asveot; -oo;, 

-6; 

abl. 

^7?ie7ies-es -os, ^77iens-es 
-os: 

77id7ias-as 

hnaiiaidha^ 

fxeveo; -00 c, [j.y]V- 
-dc 

dat. 

*'7ne7ies-ai, ^■77ie7is-a^ : 

7?id7cas-e 

hnanaidh-c 

[(a.£V£t -£C, fJt.'r]Vl] 

loc. 

^irmies, '^•77%e7ies' 
*77%enQS-i^ '^'77ienes-i 

sa-divas 

771 an as -i 

\tnanali-i 

aUg 

[J.£v£'i -£l, 

instx. 

*mene$-a (-«?), mens-a 
H?): 

7ndnas-d, hhVs-a 

\m,anai^li-a 

[|JL£V£’i -et, {XTQVl] 

Du. nom.-acc. 

n, "^mmes-il -1^.: 
m. * dus-77%e7%es-e : 

mdnas-i 
\du7'manas-dii -d 

\dus77xanar^li-a 

{i.£N£l 

*OOC[J.£V£l 

gen. etc. 

dat. abl. instr. ? : 

g. ^■77ie7is- 

-ou-s 1 : 

1. ^7ne7ies-ou,*men$-ou'^ : 

d, a. i, mdxid-hliymn id. *7na7%e-hya 

g. 1. 7nd7ias-ds \ 

g. etc. fa£^^£Olv -oTv, 

^TjV-OlV 

Plur. nom. 

n. '^'77167108 -ds-$ : 

m. ^diis-7}ie7ies-es : 

n. dus-77ie7ies-d \ 

77idn7{S-i 

du7'7na7ias-as 

dii7'77ianq,s-i 

'■mand va7'^cdh-% 
i ma7ial^h-a 
diisma7iaf5li-d 

p,£V£-a p.dvr] 

00 ap.£N/£-£; -£t; 

do a p-Eve-ct -rj 

acc. 

m. '^dus-77ienes-ns: 

durn%a7ias-as 

\duhnanardh-d 

docp,£V£-a<;, [doa- 

p,£V£l(;] 

gen. 

*77i>enes-d7n, *7ne7is-d77t: 

7nd7ias-dm 

bnanaf^h-qm 

p.£V£-tt)'; -CJV, p.V]V- 
-UJ V 

loc. 

^me7iesu' -si [^77ie7ies-su 
-si ) : 

md7iasu indnas-.manalm -aliv-a 
-sti -afi-su : 

pv£V£a-ci -eat^ p.y]ct 

dat.-abl. 

"^meTiez-hh — es-m- ; 

mdnd-hhyas , 
uMd-hhyas 

'v^.bnano-hyo 

[jxevEaai -eat, p-r]at] 

instr. 

*77xe7iez-'bTvi[s) -es-77ii(s) : 

7ndno~bTiis , 
usdd-hhis 

Ygl.iwa?^e-6^s 

dpeo-cpi, [p,£V£aat 
-eai, ixria'i] 



Ir. 

Altliochd. 

Lit. 

Aivsl. 

gen ics 

degener puhes 

iegener 

tech [ji-] 'Haiis^ 

halb ^KalV 

okas 'Wuline (masc.) 

slovo 'WorL 

\degener puhes] 





degener-em 





(jener~is Vener- 
-iis, 7ne7is-is 

tige, 7nis 

halbes, vgl. Kelbiris- 
hach 

debes-es "^der Wolke" 

sloves-e 

airid, [aer~e, ^nens-e] 



debes-es 

sloves-e 

ge7ie7'-%, 77ic7is-l 

[taig], 771 IS 

halbW-e kalhe 

debesAai 

sloves-i 

genes 

gener-Bj 7ne7is-e 

taig 

7ms 

kalbir-e halbe 

dehes-yje 

sloves-e 

ge7ier-e^ meiis-e 

[taig], [771% si) 


debes-i-77ii 

slove$-%-77u 


[tech] 



sloves-i, ~e 


d. tigib, 7nisaih 

g. tige, 77iis 


d. debes-i-77i i. debes- 
-i-rt 

d. i. sloves-i-77ia 

g. sloves-u 

1. sloves-u 

jener‘’a 

legener~es 

tige 

kalbir 


sloves-a 

iegene7'-es 





ge7ier-U7n, ?7iens~ 
~u7n 

tige n-, 7nis n~ 

halbh'- 0 

dehes-u -iu 

sloves-ii 

generibtts] 


[halbirum] 

debes-ysu -yse 

sloves-i-chu 

gener-i-hics 

^igib] 

halbir-imi (?) 

debes-l-im 

sloves-z-7nu 

[ge7ierihtis] 

tigi-h 

halhii'-imi 

debes-i-77ils -mi 

sloves-y 



754 


Ubersichitstabellen zur Lehre 


10. ies- und ^e^-Stamine. 



Uridg. 

Altind. 

Griech. 

Lat. 

Aksl. i 

Sing*, nom. 

^bk{i]ids ' ocior' : 

ukyqs -cm, av. «- 
syu 

'suavior" 

odor 

slaMifi kiisser; 

voe. 

'^dk[i)ios : 

usiyas, -yan 

'}]OlOV 

[odor] 


acc. 

*dk[i]jps~m : 

n. '^dk{i)ios\ 

Usiyqs-azn, av. a- 
syuidh-em 
fiszyas 

0 1 OD ; -tov-a 

fjotov 

odor-enz 

be ins 

slazdiji 

slazde 

gen. 

^okis-es ~os : 

Uslyas-as 

'/jOLOV-0;; 

bdbr-is 

slazdisa 

abl. 

*^dkis-es ~os: 

isiyas-as, av. '^a- 
syar^lia^ 

'/]OLov-o:; 

bcibr-i, [bdbr-e] 

slaMisa 

dat. 

^okis-ai : 

Usiyas-6 

['f]OLOV-t] 

bdbr-i 

slazdisu 

loc. 

*d^i]ies-i 

uliyas-i 

'r|oiov-i 

bdbr-e 

sla'idisi 

instr. 

^dkis~a {-e ? j : 

Usiyas-a 

[rjOtov-t] 

bdbr-e 

slaMisezni 

Dh. nom.- 
acc. 

'^d%[i)ios~e : 

n. 

Miyqs-au -a 
nhyas-l 

'r]OLOV-£ 


sladizsa 

slazdisi (?) 

gen. etc. 

dat. abl. instr.? 

gen. *o^^s-o?^-5? : 
loc. *dM$-ou^.: 

d. a. i. Tiliyb- 
bliyZvm 

g. 1. nslyas-ds 

g. etc. 'fjotov-ot'J 


d. i. slazdisema 

g. slazdisu 
jl. slazdisu 

Pllir. nom. 

^dk{{)'^os-es : 

uslyqs~asy av. - 

syuidh-b 

■^oiou;, '/|Olov- 

bdh'-es 

slazdise 

acc. 

*okis-ns oder 
ios-ns : 

n. ^dk{i)ids -ps-d: 

Asiyas -as 

Asiyqs-i 

['/jOlOUcL Tcbsac, 
'/]Oiov-a^ 

Y]OtlD(?), '/jOlQV-a 

bdbr-es 

bdbi'-a 

slazdis^, 

slazddkt 

gen. 

*dkis-dm : 

Aslyas-dm 

T]Oi6v-(MV 

bdbr-mn 

slazdisi 

loc. 

*dkisu -si {*dkis-su 
-si] : 

Asiyas-su -ah-su 

'fjOLOOl 

[bdbi'ihiis] 

slaMidchu 

dat. -abl. 

^b%iz-hh — is~77i- : 

Asiyo-hJiyas 

['/jOlOOl] 

bdbr-i-bus 

slazdiseznu 

instr. 

^Qk%'z~bl%z [s) —zs~ 

-mz(s) : 

Aslyb-hJiis 

['^QLOCt] 

[bcibribus] 

slazdisi 



von der nominalen Casusbildmig. 


755 


Uridg. 

Altind. 

Avest. 

Griecli. 

Lit. 

*u^d ms ( s) 

Vissend' : 

sidvqs -mi 

vidvu 

e 1 0 cu c 

7n)rfs ^gestorben'’, 

aksl. m. n. 7nw-u 

*ueiduos : 

vidvas, ~vcm 



. 

*iieidiios-m : 

vidvqs-cm 

vi(tvUfdh-e7)i 

3 CN / 

£lOOT-a 

7ni)'us-i 

*iieidiios : 

vidvdt 


£ i 0 d c 

77117'^, aksl. 77iwme 

"^tiejdiis-es -os : 

vidus-as 

vldus-o 

e^ddt-oc 

7)ll7'US-io 

*uejdus-es -os : 

V i dus- as 

vidusa^ 

eiooT-o; 

71XWUS-io 

'*ueidiis-aji^ : 

vidus-e 

viitus-e 

' 

[elooTt] 

77ll7'US-Ut7)l 

1 ^ 

*uejdues-i -us-i: 

vi dus- i 

• 


eiddT-i 

mi7'us-ia7)xe 

*yiejdus-a (-e ?) : 

vidus-a 

vidus-a 

[elddxi] 

7)urus-iu 

*%ieiduos-e : 

vidvqs-ciu -d 


elooT-e 

mims-iu 

n. 

vidu^’‘i 



aksl. 771X7' uli (?) 

dat. abl. instr,? 

d. a. i. mdvdd-hliyd77i 

d. ^vidul-bya 

g. etc. clddt-oiv 

d. i. 7n\ruse7n-dv'e77i 

gen. ^uejdus-ou-s ? : 
loc. "^uejdus-oii ? : 

g. 1 . vidus-os 



aksl. g. Tmrusu 
aksl. 1 . mtrusu 

*ueidttos-es : 

vidvqs-as 

v%dvnidli-d 

eiooT-ei; 

Tnh'f^ 77urus~ys, aksl. 
77iiruse 

^uejdus-ns od. *ue%d- 
uos~ns : 

n. ^iiejdvos -ttos-d: 

vidus-as 

vidvqs-i 

vzdus-o 

etooT-at; 1 

i 

etooT-a i 

7nh'tis-ius 

aksl. 77ii7'usa 

*ueidus-mn : 

V idu s- d 7)1 

vidus-q7)i 

eldoT-wv 

7)llVUS-iu 

^uejdusu -si^uejdus- 
-su -si) ; 

vidvdtsu 


eiodct 

77117'US-iuSlC -se 

*ueiduz-hli — us- 771 - : 

vidvddhhyas 

*viduz-byb 

[e tod at] 

77ih'us-em$ 

^uejduz-hhl [s] -us~ 
-7711 [s] : 

vidsddbliih 

vlduz-his 

] 

[elddai] 

7)ih'us-iais 




756 


Ubersiclitstabellen zur Lebre 


11 . u- I- ii-y I- 


Uridg. Altind. Griech. 

Sin^. nom. "Braue^: bhru-s dlit-s ‘^Gedan-^w?* Burg" ocppu-^ 

ke^ 


voc. 

%hru^,: 

[hhrus], svdsru 

[dhks], nddi 

[pur] , 

r/ O-u Tiscb’ 

acc. 

j 

:^'bliru-m : 


tanU-m 

av. ber^zai- 

vgl. ja-7n 

6 cp pu -V 





dim 




'^hhruti-m • 


bhruv-am 

dhiy-am 

pur-am 

o^ppua (?) 

gen. 

^bhrmi-es 

-os: 

bhruv-ds 

dhiy-ds 

pur -as 

6 9 p 6- o; 

abl. 

'^bliriiu-es 

-os 

hhruv-ds 

dhiy-ds 

pur-ds 

6 <x> p u - 0 c 

dat. 

*hJmiu-'ai : 

hhruv-e 

dhiy-t 

pur-d 

[ocppui] 

loc. 

''^hhruu-i ; 

hhrur-i, cama 

dhiy-if gduri 

pur-i 

d cp p6-t 

instr. 

*hliruu-a 1 


bhruv-u 

dliiy-u 

pur-Tt 

[6cpp6i] 

Du. noxn.- 

*hhruu-e : 


bhrwv-du -d 

dhiy-du -a 

pur-du -d 

6 <p pu - £ 

acc. 

i 







gen. etc. dat. abl. instr. ? d. a. i. hliru-hliy- a. i. dlii-hJiy-^, a. i. pur-hhy- etc. 6cppu-oiv 

dm uni wn 

gen. g. 1. hhruv-ds %A,dhiy-os %A. pur-os 

loc. ^hliruu-ou ? : 

Plui’. TXOvn.Yhlii'UVi-es’. \l)hru'b-as dhiy-as pur-as 6cppu-e<; 

acc. "^Ihruu-iis \ hliruv-as dhiy-as pur-as 

gen. ^bhruu-om: bhruv-uvi hliru- dliiy-'U'm dlfi-pur-Uin 

num nwn 

loc. ^bliru-s -su -si: hhru-su dhl-^u pur-su 


dat. -abl. %liru-bli — m-: ' bhru-bhyds dhi-hhyds pur~bhyds 

instr. *hhru-bhi{s) -mi{s): bhru-bhis dhi-bhis pur-bhi^ 




758 


Ubersiclitstabellen zur Lebre 


12. St tome ‘'Eind^ 



Uridg. 

Altind. 

Griech. 

Lat. 

Siug-. nom. 

"^nau-s 'Scbiff': 

7ldu-s 

vau-;, V'qO? 

nav-i-s 

acc. 

*7um~ni ; 

7XU;x>-a77x 

'r?j-a Nocuv 

710,7) -e 771^ ZldV'i-ZZl 

gen. 

*7Utii~es -os: 

71 dv-ds 

'r/]-6e vecL)? 

71 a V -is 

abl. 

^7icm-es -os: 

7iav-ds 

v 7]-6(; vecuc 

7iciv-z-{d) , [zictve] 

dat. 

"^nau-ai : 

7idv-e 

[v-fj'l] 

7lOV~i 

loc. 


ndv-i 

VY]-t 

7ldV-0 

instr. 

"^ncm-a (-e ?) : 

7ldV-U 

Nt] 

71 dv-e 

Du. nom.-aec. 

%aw-e : 

nU'D-du -d 

7j - £ 


gen. etc. 

1 

dat. abl. instr.?: 
gen. "^ndu-ou-s ? : 

loc, : 

d. a. i. 72du~bliymn 
g.l,7iriv-ds 

i 

1 

g. etc. '*'V'/]orv 


Plur. nom. 

"^ndii-es : 

7zuv-as 


7idv-es 

aec. 

^ndu-7is : 

r\ 0 

7ZU'V-as 

vri-ag, vau? 

7idv-es 

gen. 

^7iU2^d7n : 

710,7) -U771 

VTQ-cjv veaiv 

\ 

'7iaV-ZU77l 

loc. 

^7idzi-s -su -si: 

7ldu-^u 

vau-c(, VY]U~(:t 

[7^c'w^hus] 

dat.-abl. 

*ndu-hh- -7n-: 

7ian~hUyds 

[vauoij 

7iciv-i-hus 

instr. 

.... 

'^7ldu-blll[s) -7iu[s)\ 

Tfidu-hliih 

vau-!:pi [vauci M'r]uat 

[zidvibus] 





760 


Adjectiva mit Pronominalflexion. 


[§ 406 . 


406. Jedenfalls keine Ausbreitung der Pronominalflesion 
liber den niidg. Stand hinaus eifuhren das Griech. und das 
Irische, in welchen Sprachen ja das Pronomen selbst die ihm 
eigentiimlichen Casusendungen zum gxosseien Theil einbiisste. 

Das Lat.^ das Slav, ixnd das Ar. zeigen neben den Prono- 
mina im engexen Sinne einige pxonominale Ableitungen und 
nominale Adjectiva mit pronominalex Casusbildung. Z. B. lat. 
u-nu-s al-ter u-ter sohi-s iotu-s^ doch hatten diese W5xtex im 
gen. dat. sing, (nur um diese Casus handelt es sich) auch die 
nominalen Endungen, z. B. gen. soli Luch, dat. nulld usu% dat. 
mihi solas] zum Gen. auf -I vgl. § 419. Aksl. tvoj% ‘'dein'' ta-ku 
^talis" to-liku ‘'tantus" munogu ‘'multus" drugu ‘'alius\ Ai. ka- 
tara-s ‘'uter" Superl. ka-tamd-s^ e-ka-s ‘'unus" av. ae-va- ‘'unus'*, 
ai. visva-s av. vlspa- ai. sdrva- ‘'air ddksina-s ‘'rechts, siidlich" 
madhyamd-s ‘'mittelsP av. ahdo-tema- ‘'tiefsP [a-lda- eigentlich 
‘'fusslos") ; doch finden sich die zu diesex Kategoxie gehoxigen 
ax. Wbxtex auch mit nominalen Flexionsendungen , die einen 
haufigex, die andern seltenex, z. B. im Bigv. dat. vismya neben 
mlvasmai^ av, gen. mspanqm neben mspaesqm. 

Hingegen eischeint nun im German.^ Litau. und Axmen. 
die Pxonominaldeclination auf jedes beliebige Adjectivum ex- 
stxeckt. 

In dex german. Grammatik nennt man diese Adjectiv- 
flexion die starke^ im Gegensatz zu dex auf Ilbextritt in die 
?z-Declination beruhenden, die die schwache heisst^ z. B. got. 
nom. plux. hlinddi wie pdi (vgl. § 314 S. 662)j daneben hlmdans 
wie gimajis. Jene ist die uxspxiinglichexe und gilt; wenn das 
Adj . pxadicativ odex als Attxibut ohne beifolgenden Axtikel stehtj 
diese entstand duxch Substantiviexung mitt els des Suffixes -en- 
und wild gebxaucht nach dem Axtikel und meist bei substan- 


1) Leo Meyer Uber die Adjectiva im Deutschen, Berk 1863^ Das 
Deutscbe, insbes. gotisebe Adjectivom, Germania IX 137 ff., Znr Lebre von 
der deutseben Adjectivflexion, Zeitscbr. f. deutscbe Pbilol. IX Iff. Boltz- 
mann Das got. Adjectivum, Germania VIII 257 fi. Sievers Die starke 
Adjectivdecbnation, Paul-Braune’s Beitr. II 98 fi. 



§ 406.] 


Adjeetiva mit Pronominalflexion. 


761 


tivischer Geltung des Adj. (s. § 114 S. 332). Pronominal got. 
masc. hlmdamma midjamma hrdinjamma liardjamma (nom. hlind-s 
midji-s hrdin-s hardu-s] nach pa??zma, weiter hlinddi nach pd% 
hlmddize nacli ^pdize (dafur pize), hlinddim nach pdim^ nentr. 
hlindat-a nach pat-a (danehen auch nominal blind ^ wie hr dm 
hardu)j fern, hlmddizbs nach '^pdizos (dafiir pizds)^ blrnddizb nach 
'^pdizb (dafiir pizb)\ ahd. hlintemii blinte blintero blintem^ blinta;^^ 
blintera blintero, Uber die Differenzen wie blinddize : pize s. 
§ 420. 429. Der acc. blmdan-a (ahd. blintazi) war in der Flexion 
-a7i selbst nominal, aber dnrch die angetretene Partikel -a pro- 
nominal charakterisiert, ygl. pa7Z-a (§417). Im Ahd. schlossen 
sich noch and ere Formen an, blmter wie jezier (§ 414), blmtiu 
wie diu, Auffallend ist got. dat. sing. fern, blmddi wie gibdi 
neben pizdi^ dagegen pronominal und wol den urgerman. Stand 
reprasentierend ahd. blmteru aisl. blhulre, 

Im Lit., wo beim Pronomen die speciell pronominalen 
Endungen nur im Masc. (Nentr.) vorkommen, weichen die Adj. 
demnach auch nur in diesem Genus vom Nomen ab. Masc. 
sing. gerdTu geraine^ plur. gerhns^ du. gei^em gei^ezn^ wie tdzn taine^ 
thns^ te77i[-dvem) te7n[-dDe7n). Im nom. plur. geid aus '^gere (vgl. 
ger%-ji] gegen te azie (letztere wie das Subst. mlhai betont), eine 
auffallende Betonungsverschiedenheit, vgl. du. masc. ge7''u fern. 
gerl gegen td-du te-dvi] auf grossere Urspriinglichkeit der Be- 
tonung *gere weist gr. xot, -/aAot (I § 671 S. 539); zu dieser Be- 
tonungsdiiferenz s. Bezzenberger in s. Beitr. X 204. Hinzu kom- 
men neutr. sing, gera aus "^-a-d nach Ha{-d] =preuss. s-ta (§ 227 
S. 565), und neutr. plur. geraz nach tazj z. B. ta% gerai 'haec bona 
(sunt)", s. § 428 ; gewohnlich fungieren diese Adjectivformen auf 
als Adverbia. Zu saidu-s ‘^siiss": saldzidm said e ms wie 
tuszczid7n tusztems (nom. sing, tuszczia-s leer"), im Anschluss an 
fern, sald/b saldzios (§ 110 S. 315); vgl. got. masc. hardu-s plur. 
hardjdi neben fern. plur. liardjbs, Dass der nom. plur. masc. 
saPdus^ nicht saldi wie tuszt% lautet, erklart sich daraus, dass 
zu der Zeit, als die in Bede stehende Ausbreitung der pronomi- 
nalen Endungen auf die Adjeetiva geschah, das pronominale 
^-oi des nom. plur. masc. bereits im ganzen Nomen das ursprling- 



762 


Pronomina. Allgemeines. 


[§ 406—407. 


liche '^-5^ verdrangt hatte (§ 314 S. 662), so dass die Eadung 

nicht als speciell pionominal empfanden war. 

Im Armen, gingen die pronominalen Ausgange -zm des 
dat. loe. und -me des abl. sing, auf beliebige Adjectiva iiber, 
z. B. srljum [surh %eilig^) nach orzm ^welchem^ mltm ‘^anderem^. 
(Im Nenostarmenischen dann aiich Subst. auf wie mardum^ 
vgl. lett. greham in der folgenden Anm.) Vgl. Hiibschmann 
Ztschr. d. deutsch. morg. Ges. XXXVI 123 ff. 

Anm. Die bier in Bede steliende Aneignung pronominaler Pinion 
von Seiten der Adjectiva muss gescbieden vrerden von sonstiger XJber- 
tragiing pronominaler Endungen auf die Nomina uberhaupt, vp'ie ai. 
vrkma navena nach tena, pali loc. lohasmim (for lokc) nach tasmim, abl. 
Idhasma (fur loM) nach tasma, gr. ititcoi, otaXo'i nach voi, lat. mmsarum bona- 
rum nach isiaruni, aksl. rqkojq, novojc^ nach tojq. Man kann freilich nicht 
wissen, ob und in wieweit nicht auch hier zuerst nur die Adjectiva die 
Pronominalflesion annahmen, die von diesen dann an die Substantiva weiter- 
gegeben mirde, wie das sicher der Pall war bei lett. dat. instr. sing, greham 
dat. instr. plur. grekwi [greh-s '^Stinde’) nach adj . labbam labbwi [labs *^guP) 
und pron. iam fern (ias 'deP). 


Pronomina i). 

407. Die Pronomina weichen von der grossen Masse der 
Substantiva und Adjectiva hauptsachlich darin ab, dass sie von 


1) Vieles auf die Pronomina Bezugliche ist in den S. 510 ff. Fussn. 1 
und bei den einzelnen Nominalcasus genannten Schriften mit behandelt. 
Hier sind noch folgende Arbeiten uber die Pronomina liberhaupt 
zu nennen. 

Allgemeiuindogermanisch. Bopp Vergleich. Gramm. IF § 326 ff. 
S. 101 ff. Schleicher Compendium^ S. 60S ff. Pr. Muller Grundriss der 
Sprachw. HI 563 ff. Pott Das idg. Pronomen, Zeitschr. d. deutsch. morg. 
Ges. XXXIII 1 ff. Gunther Ub. die Bedeutung und Eintheilung der Pro- 
nomina mit bes. Beziehung auf die lat. und gr. Spr., Seebode s Miscell. crit. 
I113ff. Xvicala Enter suchungen auf dem Geb. der Pron., bes. der latein.; 
Sitzungsber. der Wiener Ak., 1870, S. 77 ff. E. Muller Von dem Prono- 
men, ein Beitrag zur allgemeinen Sprachlehre, Philol. V 225 ff. 

Arisch, Whitney Ind. Gramm, S. 179 ff. Bartholomae Hand- 
buch der altiran. Dialekte S. 102 ff. Ders. Die Stellung der enklitischeii 
Pronomina und Partikeln, Ar. Forsch. II 1 ff. 

Gr lechis ch und Italisch. M. Schmidt Comment, de pronomine 
Graeco et Latino, 1832, Henry Precis de grammaire eomparee du grec et 
du latin ^ p. 246 sqq. 



§ 407.] 


Pronomina. Allgemeines. 


763 


eigenartigen Wurzeln gebildet smd, den sog. Pronominal wurzeln. 
Sie haben aber auch viele flexivische Eigentiimlicbkeiten, die 
man als die pronominale Declination bezeichnet. 

Diese flexivischen Besonderheiten sind dreifacher Art. 

1. ist der Casusausgang* zum grossen Theil ein anderer als 
bei den Nomina. Vgl. z. B. den nom. acc. sing, neiitr. ai. ta-d 
lat. isiu~d gegeniiber yugd-m Jugii-m. Insbesondeie ist beim 
Pexsonalpronomen die Erscheinung hanfiger als beim Nomen^ 
dass eine unfleetierte Form eine bestimmte Casusfunction hat^ 
wie acc. ai. ma gr. jjls ‘'me'' (vgl. § 185 S. 51G). 

Diese flexivischen Verschiedenheiten hangen theilweise 
deutlich damit zusammenj dass die Casiisfunctionen beim Pro- 
nomen im Allgemeinen nxspriinglich nicht so vielseitig nnd 

Griechisch. Kuliner Ausfuhrl. Gramm, der griecli. Spr.I^ S. 445 ff. 
G. Meyer Griecli. Gramm. ^ S. 380 fl. Verfasser Griech. Gramm. (1. Mul- 
ler's Haudb, der klass. Altertumsw. II-) S. 129 fl. Sclimolling Ubcr den 
Gebranch einiger Pronomina aiif att. Inscliriften, 1882. 1885. 

Italisch. Eubner Ausfuhrl. Gramm, der lat. Spr. I 377 ff. Stolz 
Lat. Gramm. (I. Muller’s Handb. der klass. Altertumsw. ID) S. 345 ff. F. 
Neue Formenlehre der lat. Spr. II ^ 178 ff. F. BiicKeler Grundriss etc. 
s. S. 512). Merguet die Entwickelung der lat. Formenbildung' S. 141 fl 
Kolberg Be antiqua pron. Latinorum forma, 1838. 

Eeliisch. Zeuss-Ebel Gramm. Celt. p. 324 sqq. Stokes Ir. 
Pronominal-Declination, Kuhn-Schleicher's Beitr. I 468 fl. Derseibe Celtic 
declension p. 100 sqq. Ebel Kelt. Studien: Das Belativum, Infigierte per- 
sonliche (und demonstrative) Furworfcer, Notae augentes, Kuhn-Sclileicher's 
Beitr. V 17 ff. 

Germanisch. Grimm D. Gr. (1870) S. 702 ff. Kluge, Noreen, 
Beliaghel, PauPs Grundriss der german. Philol. I 391 ff. 498 ff. 627 ff. 
Bump el t Die deutschen Pronomina und Zalilworter, 1870. Braun e Got. 
Gramm.3 S. 60 ff. Ders. Althochd. Gramm. S. 195 ff. AVitte Bemerkungen 
tiber das neuags. Pronomen, 1877. 

Baltisch-Slavisch, Smith Bemerkungen uber die primitiven 
Fiirworter der bait, und slav. Sprachen, Kuhn-Schleicher’s Beitr. II 330 ff., 
Ill 97 ff. 129 ff. Leskien Die Declinat. im Slav.-Lit. mid Germ. 108 ff. 
Schleicher Litau. Gramm. S. 194ff. 216 ff. Kurschat Gramm, d. littau. 
Sprache S. 229 ff. Bezzenberger Beitr. zur Gesch. d. lit. Spr. 161 ff. Mi- 
klosich Vergleich. Gramm, der slav. Spr. III^ 44 ff. Leskien Handb. der 
abulg. Sprache 2 S. 80 ff. 

Schriften, die speciell die gesehlechtigen und speciell 
die Pers onalpr on omina behandeln, werden vor § 408 und vor 
§ 433 angefiihrt. 



764 


Pronomina. Allgemeines. 


[§ 407. 

schaxf durch die Form geschieden waren wie beim Nomen, die 
Pronominalformationen waxen £iix sich gegen die Casusunter- 
schiede indiffeientex. Exst das Stxeben, syntaktische Congxuenz 
auch in der Woxtgestaltnng hexvoxtreten zii lassen, brachte die 
gxossexe Ubereinstimmung zwischen Pronominal- und Nominal- 
declination zustande, wie wir sie in den geschichtlichen Zeiten 
der einzelsprachlichen Entwicklungen vorfinden. 

2. In einer Eeihe von pronominal en Casusformen erscheinen 
seit nridg. Zeit gewisse stammerweiternde Elemente vox der 
eigentlichen Casusendimg, die mit dazu dienen, den betreffen- 
den Casus gegeniiber andern Casus zu chaxakterisieren. Dabei 
ist das Casussuffix theils ein speciell pronominales, theils in 
Ubereinstimmung mit dem der Nomina. Die hexvorstechend- 
sten untex diesen in die Pronominaldeclination verfiochtenen 
Elementen sind -m- und -$i — s-. Z. B. ai. loc. td-sm-m abl. 
td-sm-ad (vgl. vrhad) gegeniiber acc. td-m *^den^ (vgl. vrka-m)^ 
av. abl. yu-sm-ap gegeniiber nom. yu-s Vos^, dat. ai. td-sy-ai got. 
pi-z-di (vgl. ved. suvapatydi got. gibdi) gegeniiber acc. ai. td-7n 
got. pd ‘"die" (vgl. ai. dsvd-m), 

Wie diese Zwischenelemente in diese Formen gexieten, 
lasst sich meistens noch klar exkennen, und wir wexden die 
betreffenden Formen unten im Einzelnen nahex exklaren. Von 
einer eigentlichen ‘'Infigierung^ kann bei keinex von diesen 
Formen die Eede sein. 

8. Haufiger als beim Nomen erscheinen beim Pronomen 
an die fertigen Casusformen gewisse Partikeln affigiert (vgl. 
§ 186 S. 520). z. B. in ai. id-dm ""id, hoc^ im- 

qm ‘'eum, hunc"*, vay-dm ''nos''; -u im nom. sing, apexs. ha-uio 
gr. "^ 0-6 "der da" (in o5-toc); -i im nom. sing. lat. yo-% qu% as. 
ags. se "der" aus ^'so-% und dergl. mehr. Wie die in den einzel- 
sprachlichen Perioden in lebendiger Geltung stehenden Affixe 
wie gx. -l in odtog-x lat. -ce [-c] in his-ce die Function des 
Hinweisens, der Hexvorhebung u. s. w. batten, werden auch 
jene ihxem urspiiinglichen Wexte nach verdunkelten angehang- 
ten Elemente einmal solche Functionen besessen haben. Nach 
Verblassung der Grundbedeutung bekamen sie aber geradezu 



§ 407 — 408.] Die geschlecMigen Pronomina. Allgemeines. 


765 


den Wert eines Casussuffixes, vgl. das classische Beispiel got. 
mi-U ahd. mi-h ‘'mich'* = gr. sp-s-ys (neben sjxs jis). 

Anm. Beilaufig sei darauf hinge-wiesen, dass der hier in Bede ste- 
liende Process der Affigierung demonstrative!' u. s. w. Elemente besonders 
geeignet ist, Licht auf die Entstehung der uridg. Casiisformen liberliaupt 
zu werfen. Wir liaben uns die erste Casusbildung niclit anders zu denken 
als diese jiingere. Casusbildung voUzog sicli ja uberhaupt niclit bloss in 
einer bestimmten Periode der idg, Urzeit, sondern gescbab dureh alle Zeiten 
i mm fir von neuem, wenn auch in den historisclien Perioden nicbt melir in 
dem Umfang vne in den vorhistorisehen. Nock heute haben wir Ansatze 
zu ilir, z. B. in niid. heimat-tviirts, sfadt-waris, thal-iodrts u. dgl. 

Wir behandeln die Pronomina nach der iiblichen Ein- 
theilung in geschlechtige (Demonstrativa, Relativa etc.) iind un- 
geschlechtige oder Personalpronomina, besprechen jedoch die 
Possessiva wegen ihres nahen Bezugs zu den Personalia, ins- 
besondere zu deren Genitivbildungen, erst init den letzteren 
zusammen in § 45 Off. 

Die geschlechtigen Pronomina^). 

408. Von einer Anzahl der geschlechtigen Pronominal- 
stamme gab es schon in uridg. Zeit nicht alle Casus, sondern 


1) Zu den S. 7 62 f. Fussn. 1 gegebenen Literaturnacbweisen kommen liinzu ; 
Scherer Zur Gesch. d. deutsch. Spr.^ S. 490 ff Leo Meyer Vergleich. 
Gramm. P 577 E. Steinthal De pronomine relativo etc., 1847. Win- 
disch Untersuch. iib. d. Ursprung des Belativpron. in den idg. Sprachen, 
Curtius^ Stud. 11 201 ff. Schoemann Bedenken u. Fragen iiber die pro- 
nomina indefin. und interrog., Hoefer’s Zeitechr. f. d. Wiss. d. Spr. I 241 ff, 
Breal, Le th^me pronominal da, Mem. d. 1. S. d. 1. I 193 sqq. 276, 

I. H. Hall The Declension of the Definite Article in the Cypr. Inscr., 
Transactions of the Amer. Phil. Assoc. XI (1880) p. 51 sqq. Schanz Novae 
commentat. Platonicae [xadTo und xauxo'^ u. dgl., oStojc und ouxo) etc.] 1871. 
Lottner und verwandte Pronominalbildungen, Xuhn’s Zeitschr. V 396 f. 
Savelsberg Das [griech.] pronomen relat., aus dem interrog. entstanden, 
Euhhs Zeitschr. VIII 408 fi. Lottner Der griech. Belativstamm, ebend. 
IX 320. Kratz Quaestiones Homericae I: De pronominum ok et octi? natura 
etc., 1854. Otto Beitrage zur Lehre vom Belativum bei Homer, 1859. 1864. 
Hentze De pronominum relativorum linguae Graecae origine atque usu 
Homerico, 1863. Lammert De pronominibus relativis Homericis, 1874. 
Wackernagel Die [griech.] indefiniten Belativa, Euhn’s Zeitschr. XXVH 89 ff. 

J. Schmidt Zur Deck der lat. geschlechtigen Pronomina, Xuhn’s 
Zeitschr. XIX 196 ff. L, Ha vet Isto-, eis eisdem^ ilU isU, qui hie, M6m. d. 



766 


Die gescMechtigen Pronomina. Algemeines. 


[§ 408. 


Casusformen veischiedener Stamme erganzten sich zii eiuem 
vollstandigen Paradigma, z. B. ’^50- imd ^dieser, dei (gr. 
nom. 6 , gen. tqu etc.). In den einzelsprachlichen Entwicklimgen 
warden diese Vexhaltnisse der Heteroklisie durch Formiiber- 
txagnngen und Ausgleichimgen mehr odex mindex vexwischt. 
Theils hieidurchy theils durch Zusammensetzungen, die die 
exexhten einfachen Pxonominalstamme entwedei mit einandex 
Oder mit deiktischen Partikeln ii. dgl. eingingen, kamen die 
einzelnen Sprachzweige aiif dem Gehiet der geschlechtigen 
Pronomina zu zahlreichen Neuschopfungen, und es ist zuweilen 
eine lange Kette von Neubildungspxocessen, die eine auf dem 
einzelsprachlichen Boden voxliegende Pxonominalformation von 
dem uxidg. Ausgangspunkt txennt. 

Diese Neuerungen dei Einzelsprachen einigermassen voll- 
standig zu schildexn miissen wix uns bei den unsexm Werke 
gesteckten Grenzen versagen. Wix geben nur eine Ubersicht 

1. S. d. 1. II 234 sq. Heffter Ub. das ursprungl. pron. demonstr. der lat. 
Spr. etc.^ Jalin’s Jahrbb., IV. Suppl., 104ff. Os ami Comment, gramm. de pro- 
nominis tertiae pers. is ea id formis (mit Excursen liber andre Pronom.), 
1845. E. W, S cbmidt Quaestiones de pronominum demonstrativorum formis 
PlaiitiniS; 1875. Prehn Quaestiones Plautinae de pronominibus indefinitis, 
1887. Niemoller De pronom. i^se et idem ap. Plant, et Ter.^ 1887. Fleck- 
eisen Uber die Eemininform im nom. plur. des Pronomen hie haec hoc, 
Ehein. Mus. VII 271 ff. F. W. Schmidt Die Pluralformen des Pron. hie 
bei Plant, und Ter., Hermes VIH 478 ff. Meunier De qnelqnes anomalies 
que presente la declinaison de certains proiioms lat., Mem. d. 1. S. d. 1. I 
14 sqq. Brandt De varia quae est apud veteres Bomanorum poctas scaen. 
genetiyi sing, pronominum forma ac mensura, 1877. Danielsson De gen. 
et dat. pronominum Lat. in -ms et -7 desinentibus, Studia gramm. (Up sal. 
1879) p. 1 sqq. L. Havet Sur les genitifs pronominaux en latin, Mem. d. 
1. S. d. 1. Ill 187 Luchs Zur Lelire von der Genetivbild. der lat. Pron 
Studemund’s Stud. I 316ff. Wichmann De qui ablativo, 1875. 

Windisch Der irische Artikel, Bev. Celt. V 461 ff. d’Arbois de 
Jubainville Bech. sur Thist. de Tarticle dans le bret. armoi\, ibid. H 204 sqq. 

Hoefer Das Pronomen diser, Germania XV 70 ff. J. Grimm Wer, 
Zeitschr. f. deutseh. Altert. VH 448 ff. 

Schleicher Das Pronomen lit. szi, slav. si == got. hi Grundf. hi^ 
Euhn-Schleiclier's Beitr. I48f. Miklosich Uber den Ursprung einiger 
Casus der pronominalen Declination [des Slavischen], Sitzungsber. derV^iener 
Ak. LXXVHI 143 ff.- Ders. Uber die Genitivendung -go in der pronomi- 
nalen Declination der slay. Sprachen, ebend. LXII 4Sfi. 



§ 408 — 409.] Die gescMecht. Pronom. Etymologisches, Stammbildung. 7 67 


iiber die in mehreren Sprachen zugleich auftretenden und darum 
/iir uiidg. zu haltenden Stamme und lassen dann das Wichtigste 
aus der Casusbildung folgen. 

1. EtymologiscJies tmcl Stammbildiing . 

409. D emonstrativa. 

Die Stamme und ^io- ^ta-. In uridg. Zeit 

war der 5-Stamm wahrscheinlich nur im nom. sing. masc. und 
fern, im Gebrauch, in alien andern Casus der ^f-Stamm. Spater 
wiirde bald der eine, bald der andere iiber sein urspriinglicbes 
Gebiet hinausgetragen^ z. B. ved. loc. sdsmin fiir tdsmin, gr. nom. 
oi ai fiir toi tat, umgekehrt lit. nom. td-s td fiir ^so[-s] 

Ar.: nom. sing. masc. ai. sd sd-s av. ho fern. ai. sa av. hd] acc, 
sing. masc. ai. td-m av. te-m fern. ai. td-m av. tqm. Armen, -d, 
affigiertes Demonstrativum, zu idg. z. B. ter-d '"der Herr, 
dieser Herr^, da ‘'dieser^ do-in ‘'derselbe'' ; d- war wol nur nach 
r, n lautgesetzlich aus t- entstanden (vgl. I§ 483 S, 359)^ wie 
in du ‘^du^ (§ 440). Gr. 6 tj; to-v tyj-v. Alat, sa-psa ‘^ipsa^, ferner 
^so- in ip-se ipsa (§ 413); ^to- in topper = tod per ^ tarn] im 
Ital. verband sich ^eso- (e- wie in ai. asdu gr. s-xsT osk. e-ko- 
'hic^ lat. e-quidem osk. e-tanto ‘'tanta^) mit ^to- zu ^es-to-^ wie 
im Balt, ^ko- mit zu *k-to- (lit. sztdi preuss. s-tas)^ daher 
umbr. estu *'istum^, mit dem das lat. isto- nahe verwandt^ wenn 
nicht geradezu identisch war^). Air. eine Demonstrativpartikel 
‘"hier^’y gall, sosin nemeto7i %oc sacellum^; der St. to- in ua-d ‘'ab 
eo^ ua-di ‘^ab ea^ ua-dih ‘^ab eis"* u. dgl. sowie im Artikel in-d 
aus ^sen + to- (vgL Windisch Eevue Celt. V 462 ; "^to- war wol 
in vortoniger Stellung zu do- geworden, vgl. T S. 568 und 
Thurneysen Revue Celt. VI 321 Fussn. 1). Got. sa so ""der die" 

1) Das von iste ist noch nicht genugend aufgeklart. Da e- doch 
wol identisch war mit dem in diesem Paragraphen S. 768 zu besprechenden 
Pronominalstamm so liesse sich denken, das von iste- sei der Stamm 
von i-s 'er’ gewesen. Mit diesem identificiert man auch das Locativsuffix 
-i in Tioip-sv-L etc., und ist das richtig, so konnte man die Parallele ziehen 
umbr, e~sto~ : lat. i-sto- = loc. gr. 7:oi|x^v-i : aksl. kamen-e (vgl. auch lit. 
rankoj-e ai. vrkay-a ) ; iiber dieses postponierte -e s. auch § 186 S. 520, § 246 
S. 598, § 257 S. 610 f. Zum Stellungsunterschied vgl, lat. ce-do : hl-ce, 

Brugmaun, Grundriss. 11, 2. 49 



768 Die gesdilecht. Pronomina. Etymologisches, Stammbildung. [§409. 


as. ags. se ‘'der'’ ahd. de-se ‘'diese/; got. pana ahd. den "deii\ Lit. 
tq aksl. tu ""den^, lit. tq aksl. tq ‘'die^ 

Die Stamme ^sio- ^ sia- und ^tio- ^tia- (auch mit 

fiir Ihre Vertheilung im Paradigma war im Arischen 

dieselbe wie bei "^so- *to-. Ai. nom. syd syd acc. tyd-m tya-m 
nom. aec. tyd-d^ apers. nom. hya hyd acc. tya-m tyd-m. Air. cose 
""ad hoC; adhuc"* resiu VorheP. Ahd. siu — ai. sya^ instr. sing, 
neutr. diu^ nom. acc. plur. neutr. dki^ nom. plur. fern, deo dio. Ob 
man das -io- von als das § 63 S. 125 besprochene 

vergleichende Suffix -io- bezeichnet = ai. an-yd - : 

and-) Oder ob man Zusammensetzung mit dem demonstrativen Pro- 
nominalstamm (S. 770 f.) annimmt, wird auf dasselbe hinaus- 
laufen. Vgl. auch den nom. sing. fern, auf -% got. e-i air. s-l 
‘^ea^ (§110 S. 319), denen sich vielleicht das sophokleische l 
( vgl. Veif. Ein Problem d. homer. Textkr. 125 ff., Meister Gr. 
Dial. II 281) zugesellt, neben dem Fern. H in ai. iy-dm etc. 
(S. 771)^ wo die Namen Suffix und Compositionsglied wol auch 
dasselbe Ding, nur verschieden angeschaut in verschiedenem 
Entwicklungsstadium der inneren Sprachform, bezeichnen 
wurden ^). 

Stamm ^d-. Ar. : dat. sing. masc. ai. asmdi av. a- 
Iimdi dat. abl. plur. fern. ai. d-bhyds av. d-byd, Air. e hP s. 
§414, gen. ai ae hiiis^ s. § 418. Germ. gen. sing. got. is ahd. 
es : vgl. ai. asyd. Anderwarts nicht mehr im lebendigen Para- 
digma. Griech. loc. e-i (in Wunsch- und Bedingungssatzen) 
und instr. (herakl. kret. etc.) \ Venn"*, sI-Ta ‘'da, dann^ Der- 
selbe Loc. "^e-i wol in idg. "^eiso ^eisd^ etwa hier der, hier die'*, 
acc. ^ei-to-m etc. : ai. esd e-sa av. aesa ae-^a^ acc. e-td-m ae- 
te-m^ umbr.-osk. ^ei-zo- (das -z- des nom. sing. masc. fern, wurde 
durch das ganze Paradigma durchgefiihrt) , umbr. ere ‘'is'* aus 
^e-ro (§ 274 Anm. S. 625), eru-ku 'cum eo'* era-k abl. ‘'ea'* osk. 
eisiid ‘'eo'* eizois ‘'eis'* eisa-k eiza-c abl, ‘'ea^ Der blosse 
Stamm, e, mag vorliegen in lat. e~qiiidem u. dgl., im loc. aksl. 

1) Ob alle euffixalen -{o- der idg. Spraclien (§ 63 S. 115 ff.) mit dem 
Pronomen identiscb waren, ^ lasse icb durcbaus unentscbieden. Zunachst 
nebme icb nur Gleicbbeit des letzteren mit jenem gegentiberstellenden -io- an. 



§ 409.] Die geschleeht. Pronomina. Etymologisches, Stammbildung. 7 69 


kamen-e ii. dgL, s. S. 767 mit Fussn. und im Augment^ wie 
gi. l-cpspov; vgl. loc. He § 424 S. 787. 

Stamm ^eno- ^end-^ '^ono- '^ond-, Ar, ana- ‘^dieser, der, 
er^ instr. sing. ai. anena andyd av. ana. Lit. and-s ans j*eneF 
fern, and^ aksl. onu ^jener, ei fem. o?ia. Hieizu wol auch das 
im Armen, als Aitikel fungierende -7z^ z. B. ter-n ^der Herr^ 
nebst no-m klerselbe^, und m-kn ‘'ipse'*, aus ^eno-. 

Stamm '^a^7io- '^a^ud-. Ar. ax>a- jener, der dortk ai. 
gen. du. av6s^ nom. plur. av. ave ava apers. avaiy avd (vgl. Bai- 
tholomae Kuhn^s Zeitschr. XXIX 498]. Aksl. om ‘'dieser^ 
Wackernagel vermutet diesen Stamm auch in lat. d-lim (ebend. 
XXVIII 139), dem man umbr. ulo ulu ‘'illuc'* zuzugesellen hat. 

Stamme "^ko- ^ki- ^k{o-. 

^ko-. Gr. loc. e-x£-t ‘'doiF xsTvo-c dor. jeneF (vgl. 

§ 67 Anm. S. 141, Prellwitz Bezzenberger’s Beitr. XV 154 ff.). 
Osk. e-kas ‘'hae'* e-cu-c neutr. ‘^hoc'*; aus dem Lat. hierher wol 
ce in ce-do hl-ce lii-c (vgl. osk. ce-bnust)] e- in i-xel e-kas wie 
in osk. e-ta7ito ‘'tanta'* etc. S. 767. Aisl. hann ‘'er'^ lion ‘'sie'*, as. 
he hie ahd. he her ‘'eF, wenn nicht letztere von german, hi- aus 
nach dem Muster von the etc. (§ 414) gebildet waren. Auch 
lit. szen und sze ‘'hierher'* kbnnen hierher gehoren. Ebenso gut 
ist aber denkbar, dass sie aus Hzien *szie entstanden (I § 147 
S. 132) und zu St. szia- (s, u.) gehoren, und dass sie den Formen 
ten te nachgebildet wurden^). 

"^ki-. Griech. vermutlich neutr. xi in ou^xt, rroAXa-xi u. dgl., 
s. § 182 S. 508. Lat. ci-ter ci-tra^ umbr. si-mu W citima, 
retro'*. Air. ce ‘'diesseits'*. Got. hi-mma ‘'diesem'*. Lit. szl-s aksl. 
^ ‘'dieserb Vgl. auch alban. si-met ^in diesem Jahrb 

Ob das affigierte armen. -s^ z. B. ter-s ‘'der Herr, dieser 
HerF, zu ^ko- oder zu "^ki- gehorte, ist nicht zu entscheiden. 

Auch *k(o- (vgl. oben Hio- neben ^io-) diirfte eine alte 
Schopfung sein: gr. arjjxepov att. TYjpepov adv. ‘'heute'' aus '*'xt(o)- 
dpi£po-v (Herleitung aus ^tio- ist lautgesetzlich nicht zu recht- 
fertigen) ; ahd, instr. hiu-tu as. hin-diga ‘'an diesem Tage, heute'*; 


1) Umgekehrt war lit. teif neben tai-g nach d. i. szim-p 

(neutr, plur.; s. § 428) geschafen. 


49 ^- 



770 Die geschleclit. Pronomina. Et>Tnologisches, Stammbildung. [§ 409. 


gen. sing. lit. szid aksL sego fiix ^sego nach si, Vgl. auch die 
Fexnininbildnng ags. M lit. szi aksl. si aus ^hi^ wie air. $1 got. 
si (s. S. 768). 

Durch Verschmelzung von und ^to- entstand bait, 

reprasentiert durch lit. sztdi “^sieh hieF (Gegensatz an- 
tdi ^sieh dort^ zu and-s jener^) und preuss. s-ta-s. sz-ta- : ta- = 
sz-ia- : Lit. szUa-s wax eine jiingexe Neuhildung im An- 

schluss an szi-s. In ahnlicher Weise entsprang im Osk. auf 
Grund von eko- und eso- (esei soot u. a.) ein ekso- [exac ‘"hac"' 
u. a.)j eine einzeldialektische Neuerung (denn urumbr.-samn. 
^ekso- ware zu ^ehso- "^esso- geworden, vgl. nom. sing, mediss 
^meddix'*). 

Anm. 1. Gab es in uxidg. Zeit einen Wechsel zwiscben tenuis und 
tenuis aspirata analog dem WecbselTzwischen media und mediajasp. (I § 469, 
8 S. 348 f.), wofiir man gr. ,7rXaTU-? neben TiXd^avo-v ai. jprthu-s, gr. xlrap-To-; 
lat. quar-tu-s neben ai. catur-thd~s, gr. TrocTo-g ttovto-c neben 0.1, path- pdnthd-, 
gr. £CTY]-v neben ai. asthd-m u. dgl. anfiibren konnte, so Hesse sick aucb 
das lat. Pronomen ho- [lii-c] heranziehen. Es ginge auf zuriick. Dann 
kame aber in Frage, ob nicbt got. hi- aus '^hhi-, gr. c- t- in Tiq- 

p.£pov aus ^khio- herzuleiten sei, u. dgl. m. 

Stamm S- *ei- {S-o- ^ei-o-). Ar. : neutr. ai. i-d (adv.), 
i-d-dm mit affigiextei Partikel av. i-p (adv.), acc. sing. masc. 
ai. i-m-dm av. imem apers. imam ebenfalls mit Partikel -am\ die 
Gleichstellung dieser Accusativform mit etd-m a^te-m u. dgl. 
rief Neuhildungen hervor : fern. ai. imd-m av. imqm apers. imdm^ 
neutr. ai. imd-d av. hnaf apers. plur. ai. ime av. ime apers. 
imaiy u. s. f. Im Griech. nur einzelne Formen; acc. l-v ‘^eum^ p.lv 
aus ^ojjL^ iv (^o[x^ = ai. sma)^ vlv aus iv (^vj^ = vo), s. Thumb 
Fleckeisen’s Jahrbb. 1887 S. 641 ff.; adv. (instr.) iva, in rela- 
tivischen Satzen gebraucht (§ 410), fiir ^t-va (§ 421), mit Spiritus 
asper nach dem Pelativum 0 - wie lit.y^-5 fiir nach/^x- (s. u.). 
Lat. i-s i-d^ eo ea-m^ umbr. earn ‘'earn'' eaf "^eas^ osk. io-k ‘^ea^, 
ital. eo- ed- aus "^eio- *eia- (I § 134 S. 122) ; liber lat. ii its neben 
ei eis s. Thurneysen Kuhns' Zeitschx. XXX 499 £ Ob air. ed 

hierher gehort, ist zweifelhaft, so lange sein Auslaut nicht 

1) Minder wahrscheinlich ist die I S. 426 Eussn. 2 vorgetragene Iden- 
titat des 5 von s-ta-s mit dem des lat. iste. 



§ 409 — 410.] Die geschlecht. Pronom. Etymologisches, Stammbildung. 77 i 


aufgeklart ist^). Got. is ahd. i-r got. ija ‘"earn'’; hieihei wol 
auch got. Jdin-s und ahd. Jener jener^, dexen Stammhildting 
freilich Schwieiigkeiten macht (vgl. I § 123 S. 114^ Holthausen 
Paul-Bxaune^s Beitr. XI 552 Singer ehend. XII 211, Liden 
Arkiv f. noid, fil. HI 242 f., Johansson Bezzenb. Beitx. XVI 1 54ff., 
wo noch weitere Litexaturangaben] . Im Balt.-Slav. in gen. 
lit. Jo aksl. jego "^eius^ u. s. w. neben nom. lit. Jls aksl./i fiir 

(= lat. is) mitj- aus den andern Casus, vgl. I § 84 Anm. 1 
S. 81, Streitberg Paul-Braune’s Beitr. XIV 195 £., J. Schmidt 
Pluralb. 43. 

Anm. 2. Durch Zusammensetzung der fleetierten Adjectira mit den 
Casusformen des Pronomens Jls ji entstand im Baltisch-Slavisclien die sogen. 
bestimmte Porm des Adjectivs, z. B. lit. geras-is aksl. dohru-ji dobryji 'der 
gute’ (I §84 S. 80). Durch Formassociation erfakren die Paradigmata dieser 
Zusammensetzung mancherlei Anderungen. S. Leskien Declin. S. 133 ff. 

Ein zu "^is gehoiiges Fern. H ist enthalten in ai. iy-dm 
av. Im d. i. iysm und in lit./i fiir altex H, wie jis fiir ^is^ 
vielleicht auch in dem kypx. i-v ""adr/j^ (Meistex Gx. Dial. 11 281) 
mit Paxtikel -m^). Vgl. *k1 neben *Ms S. 770. 

4 : 10 . Belativum. Seit uxidg. Zeit wax als Relativ- 
pronomen im Gebxauch. Ai. yds yd-d ya, av. yd ya-^ ya, Gr. 
d-; d r^, Dazu Advexbia wie got.Ja-bdi \\i. jei j el Venn^ und 
adjectivische Ableitungen wie gx. oiof; 'qualis^ dao-; ‘^quantus^ 
aksl. jahu ‘^qualis^ jeliku ‘'quantus^. Die Identitat mit dem in 
§ 409 S. 770 f. behandelten anaphorischen Ho- und H- ist nicht 
zu bezweifeln. Sie tritt namentlich an gr. iva aus (s. o.) 

zu Tage, denn iva : 6s = lit. {J)i-s : Jo. Ho- war also in uxidg. 
Zeit zur Verwendung als Eelati'vq)ronomen gekommen, ohne 
damit den rein anaphorischen Gebxauch aufzugeben. Dass dieser 
im Balt.-Slav. blieb, wurde wol hauptsachlich dem paxadig- 
matischen Zusammenhang mit nom. ^is acc. H-m (lit. J-is J-l 

1) Auf Grundform Hd-07n konnte edn-on-oen 'ebendasselbe' weisen, 
ed-on (fiir lat. Id esf gebraucht) zeigt aber keinen Nasal. Das pronomen 
infixum -d- {-id-1) fiir alle Geschlechter und Numeri — falls es hierher ge- 
hort — aspiriert, ging also vocalisch aus. Grundform ^idb ist wol ausge- 
schlossen, da vor ~u (aus ~d) das ^ bewahrt ware, (Nach Thurneysen.) 

2) Mir. i entstand erst aus si infolge des Nebeneinanders von e und 
se, iat und siat. (Nach Thurneysen.) 



772 Die geschlecht Pronom. Et}Tnologisches, Stammbildimg. [§410 — 411. 

aksl. j-1) verdankt, welche Formen iiberall nur Demonstrativ- 
bedeutung batten. Ob die got. Eelati\’partikel ei in sa-ei u. s. w. 
idg. % instr. von H-s (§ 421), oder loc. von (S. 768) 

war, lasse ich unentschieden. 

Jiingeien Ursprungs war die relativische Verwendung der 
Stamme und in mehreren Sprachen. S, die Syntax. 

411. Interrogativa und Indefinita. Die Stamme o - 
batten seit uridg, Zeit hocbbetont fragenden, unbe- 
tont indefiniten Sinn. Jiinger war, wie soeben in § 410 bemerkt 
wmrde, der Gebrauch dieses Pronomens als Relativum. 

Ai. has ha, av. ho ha. Gr. gen. bom. te-o att. 
TOO = av. ca-hya, Adverbia wie 'n:ob roT, dor. ttS att. tt^. Lat. 
qiio-d qua, umbr. poei p>oi “^qui^ pafs ‘^quas^ osk. pod ‘^quod^ 
paam ‘'quam^ Air. cia ncymr. pwy Ver? was?^ aus ^hue-i 
(§ 414), air. cd-ch acymr. pau^p ''quivis^ Got. lims hvo, gen. 
Iwi-s ahd. Jiwes. Lit. has aksl. hu-to Ver?^ Unflectiert ^qe 
Vie^ firgendwie^ indefinit, und ‘^gleichwie'* = \ind'’j : ai. av. ca 
gr. T£ lat. --qiie got. -It. 

Ar. ; neutr. ai. cisl av. cip apers. ciy verallgemeinernde 
Partikel %gend^, masc. av. cis apers. cihsiy\ ai. hi-m Vas?^ 
nd-his ‘^niemand^ mit h- statt c- nach ha-, s. I § 448 Anm. 
S. 335. Gr. z'ls tl Lat. qtiis qui-d, umbr. sve-pis ‘'si quis'* 
pif-i ‘'quos^ osk, ‘'qui^ pi-d ‘'quid^; lat. qtiem v^o\ fiir *quim 
= osk. pirn nach ovein : ovis (§ 214 S. 548), ebenso e7n fiir und 
neben im zu is (anders J. Schmidt Pluralb. 62 Fussn. 1). Air. 
ce ci ‘'welcher?'^ kann hergehoren, aber aucb pratonisch ver- 
kiirztes oia [^ce] sein. Germ, hvi- vielleicht in got. hm-leihs 
ags. liwi-h Vie beschaffen?\ Aksl. ci-to ‘'quid?". 

^qu-. Ai. hu-tra av. hu-pra Vo? wobin?", ai. hu-tas Vo- 
ber?". Aus dem Aksl. hieiher vermutlich -gda aus ^k[u)-dd in 
tu-gda ‘'dann" u. a. (Kozlovsky Arch. f. slav. Phil.X 658). Zwei- 
felhafter ist die Zugeborigkeit von lit. hu-r Vo, wohin" und 
lat. alisuhi uvdhi. pu-fe osk. pu-£ ‘'ubP. 

Anm, Etymologisch nicbt aufgeklart sind bis jetzt armen. o i 

^was?’ und lat. u-hi u-ter u. dgl. Bngge Beitr. zur etym. Erlaut. der ar- 
men. Spr. 2S f. mochte idg, als Nebenform von ^qo- ^qi- ansetzen, 



§411—412.] Die gescKlechtigen Pronomina. Casusbildung. 


773 


aber fiir das Armen, wenigstens ist damit nichts gewonnen, denn batte 
zu ho~ gefiihrt; vgl. hox> 'Kub’ u. dgl. I § 456 S. 33S, § 484 S. 360. Zum lat. 
u- vgl. ferner I § 431 Anm. 3 S. 323, Deecke Programm von Colmar 1887 
S. 37f., Kozlovsky Kuhn’s Zeitschr. XXX 563 f., Stolz Lat. Gr. 2 §46 
Anm. 1 S. 290. 

IndeEnit ‘"irgend einer^ (zu ‘'unus'*); ai. sama- 

gi. aixd- got. Sima-. 

2. Casusbildung. 

412. Mehifach ist oben davon die Rede gewesen, dass 
pronominale Flexionsendungen auf Nomina iibertragen wurden. 
Es geschah. das, wie wir sahen, zum Theil schon in der Zeit 
der idg. Urgemeinschaft. Umgekehrt setzten sich aiich nomi- 
nale Casussuffixe an die Stelle von pronominalen, namentlich 
im griech. und im kelt. Sprachzweig, deren Pronomina in der 
historischen Entwicklungsperiode nur mehr ganz wenige von 
den speciell pronominalen Casusendungen der uridg. Zeit auf- 
weisen. 

In manchen Casus hatten die Pronomina sicker schon in 
uridg. Zeit theils einen von dem nominalen abweichenden, theils 
einen mit diesem iibereinstimmenden Ausgang, z. B. nom. sing. 
^so (ai. so] neben "^go-s (ai. ha-s)^ abl. sing, ^'tesmbd (ai. tdsmdd] 
neben "^tod (ai. tad). Wir haben kein Recht zur Annahme, 
hier habe iiberall die pronominale Endung urspriinglich allein 
geherrscht, und die nominale sei erst durch Formiibertragung 
hinzugekommen. Im Gegentheil lasst sich, wie wir sehen 
werden, fiir mehr ere Falle dieser Art wahrscheinlich machen, 
dass Nomen und Pronomen von Haus aus dieselbe Casusbil- 
dung hatten und man zu der Flexions verschiedenheit erst in 
einer jiingeren Zeit kam; z. B. scheint die Ubereinstimmung 
'^tbd : ^ulqpd (ai. tad : vrkad) das UrspriingHche und ^tesmbd (ai. 
tdsmdd] eine XJmbildung von "^tdd nach dem loc. ^tesme ^tesmin 
(lit. tame ai. tdsmin) gewesen zu sein (§ 424 S. 787). 

Wir besprechen nunmehr im Einzelnen die speciell prono- 
minalen Casusbildungen. Dabei kbnnen der acc. sing. masc. 
fern, und der acc. plur. masc. fern, iibergangen werden, da hier 
Nomen und Pronomen seit uridg, Zeit Hand in Hand gingen. 



774 


Die geschlechtigen Pronomina. Casusbildung. [§ 412 — 414. 


Nur ist eine Bemerkung iiber got. pan-a ndtig, die in 

§ 417 Anm. folgt. Zum air. acc. plur. masc. inna ygl, § 326 
S. 673 und S. 792 Fussn. 1. 

Nomin. sing. masc. fern. 

413. Neben masc. Formen an£ -o-s wie '^qo-s Vex?"" (= ai. 
'kd’-s^ air, ne-ch aus ^ne-Ttuo~s^ got. hva-s^ lit. kd-s) stand 
""der^: ai. sd^ av. hd und ae'-sa — ai. e-sd (Jackson Amer. Or. Soc. 
Proceed. 1889 p, CXXVI), gr. 6^ got. sa, wahrscheinlich auch 
\dii. ipse aus *~so^ iste fiir ^isse aus "^is-so u. dgl. (I § 81 S. 73f.j 
§ 568 S. 426), umbr. ere ''is'' = '^eiso ai. e-m (vgl. § 409 S. 768). 
Vielleicht gab es aber auch bereits im XJridg. ein "^so-s: vgl. 
ai. sds gr. os (rj 6’ dc u. dgl.) lat. ipsu-s neben ipse. Das Fern, 
war ^sd: ai. sa gr. q lat. ipsa got. so. 

414. Formen von o- und a-Stammen au£ si -ei und -ai^ 
deren -i ein deiktisches Element war, vermutlich identisch mit 
dem -? des loc. sing, und plur. s. § 256 S. 609, § 356 S. 700. 
Vgl. auch den lit. masc. Vocat. au£ -ai wie tevai und den ai. 
£em. Vocat. au£ -e wie dsve (§ 201. 202 S. 540 £.). 

1. Stamm o-. Ai. ay[-drn) av. aem d. i. ay{-em) "dieseP, 
vgl. ai. sm-y[-dm) "selbsP und va-y[-dm) "wiP § 441. Wahrschein- 
lich hierher air. e "eP aus ^e-i (doch vgl. 416), vielleicht auch 
gr. oocLV = do' sl-v mit Paxtikel -m (sT-v : ai. ay-dm = boot. to6-v 
horn. To-v-Tj : ai. tuv-dm tv-dm)^ woran sich tooosTvo? u. s. w. als 
Neuschop£ungen anschlossen (vgl. J. Baunack Stud. au£ dem 
Geb. des Griech. I 46 ff.). 

Stamm '*qo- (interrog. und inde£.). Lat. qul^ alat. (Dvenos- 
inschr.) qoi osk. poi "quF, wahrend umbr. poei poi poe zwei- 
silbig und daher wol eine Verbindung des alten "^poi mit -ei 
-i (vgl. nom. ^\vlx. ptlr-i pur-e etc.) war. Air. cia (aus ^ce) ncymr. 
pwy "wer?' aus ^kue-i\ vgl. die haufige "Anlautaspiration' (I 
§ 658, 1 S. 512 £.) in cia cTiruth "wie'?'*, eigentl. Vas (ist) die 
Art?" und in ncymr. pwy hynnac Ver auch immer [pyn'tiao ] . 

Lat. In-c auS‘^^o^-ce, wie qul. 

> . As. ags. se "der", identisch mit dem indeklinabel gewordenen 
got. sdi^ das in ahd. de-se "dieser" (gen. desse) nord. run. sasi 



§ 414 — 415.] Die geschleelitigen Pronomina. Casusbildung. 


775 


^^diesei^ (fern, su-si neutr. pat-si) tonlos angehangt erscheint. As. 
ahd. the thie ags. pe fiir se duxch Anschluss an den Stamm to- 
(vgl. lit. ta-s fill idg. ^so-s u. dgL). Femer as. he hie ahd. 
lie^ vgl. § 409 S. 769. Ahd. jene-r war daduich entstanden^ dass 
an -e = *-oi das Nominativzeichen -r — (vgl. i-r e-r — got. 
^-6‘) angesetzt wurde (bei diesem XJrsprung des -er hegreift sichj 
dass es nicht zu verklirzt wurde^ vgl. muoter aus urgerm. 
^moder § 192 S. 529); hiexnach hlinter^ s. § 406 S. 761; iibex 
tmser gen. unseres neben hlinter gen, hlinies s. § 455. Andexs 
iibex Jemr Johansson Bezzenbeigex^s Beitx. XYI 121 ff., wo man 
noch andexe altexe Deutungen angefiihit und beuxtheilt findet. 
Ahd. der^ her waxen nicht aus ’^der^ ^dier veikiiiztj sondexn 
entwedei entstanden sie so, dass an die in tonlosex Stellung 
entspxungenen, dann abex auch betont gebxaiichten de, he = 
the he das Nominativ-r antxat (vgl. ahd. de-se gegen ags. de-s 
‘'diesex^), odex der wax fiix '^dar — lit. td-s eingetieten, indem e 
aus gen. des etc. eindxang, wie in den aec. de-n\ fiir die letztere 
Auffassung spxicht hwer wer (acc. tve-n) neben got. Jwa-s. 

Lit. tasai ‘^cliesex'* wax wol nicht tas H- sondexn tas-\-sai 
(vgl. Bezzenberger Beitx. z. Gesch. d. lit. Spx. 174). 

2. Femininformen auf idg. wie im nom. acc. plur. neutr. 
(§ 428). Av. pwdi '^tua'^ xwae{-ca) ‘'die eigene'* (Baxtholomae Ax. 
Foxsch. n 173), wonach auch Nomina wie ler^xde ‘'die geseg- 
nete^ (§ 190 S. 525). Vielleicht wax mit diesem -ai dex ax. Aus- 
gang des voc. sing, dex a-Stamme (ai. dsve) identisch, s. § 202 
S. 541. Lat. hae-c^ quae neben si qud^ aliqua^ osk. pai 2 )ae. 
Wahxscheinlich hiexhex auch pxeuss. stai neben sta ‘'die'* (lit. 
td io-Ji) quai quoi ‘'welche'*, wonach auch Subst. mensai ‘'Fleisch'* 
(lit. mesa) deiwutishai ‘'SeligkeiF u. a. (andexs J. Schmidt Kuhn^s 
Zeitschx. XXVII 389 ff.). 

415. Formen mit dex Partikel u, wol demselben Element, 
das im loc. plux. auf -s-u erscheint (§ 356 S. 700). Idg. ^so-ti 
in ai. s6 apexs. hauw gr. o5-to^. Auffallend sind ai. a-sdu (zum 
a- s. § 409 S. 767) und av. hdu als masc. und fern., umgekehxt 
apexs. hauw fiix beide Geschlechtex, woxaus man zunachst schlies- 
sen mochte, doxt sei die Femininfoxm idg. ^sd-u auch fiix "^so-u, 



776 


Die gesclileclitigen Pronomina, Casusbildung. [§ 415 — 417. 


hier dieses auch fiir jene gebraucht worden^ vgl. apers. fern. 
iyam = ai. iydm auch als Masc. Indessen kann man das masc. 
a-sau Tutu auch mit dem ved. masc. sa auf ein idg. neben 
beziehen (Bartholomae Bezzenberger’s Beitr. IX 310, Kuhn's 
Zeitschi. XXIX 498, vgl. auch Wackernagel E. Kuhn^s Littera- 
tuiblatt III 55 und Johansson Bezzenberger's Beitr. XVI 129) 
und apers. fern, liauw auf ein idg. "^sa-u mit derselben Ablaut- 
stufe, die das idg. fern, (§ 414) aufweist (vgl. Wackernagel 
Das Dehnungsgesetz der griech. Compp. S. 65). Gr. ao-tY] lasst 
sich ebenso gut auf *scm- als auf ^sau~ zuriickfiihren (I § 611 
S. 463), und es konnte oS-to^ auch als ^sbu- dem av. lidii 
gleichgestellt werden. 

Av. masc. avm neben aom d. i. avem ‘^der dort^ wie lidu., 
s. Bartholomae Kuhn's Zeitschr. XXIX 498. 

Anm. Zu dem Kebeneiiiander vgl. noch folgende Doppelheiten 

im Gebiet der pronominalen Pormbildung : : ^eg{h]b 'icL’ § 439, 

loc. ''^te : ^da’ u. dgl. § 424, acc. ^se : 'micb, 

dich, sick § 442, nom. du. 'wir beide’ : ^iu 'ibr beide’ § 457, 

nom. ; Hu § 440. Diese idg. Quantitatsschwankungen waren von 
derselben Art wie die auch sonst in Auslautsilben und in Silben, die 
mit Auslautsilben Ahnlichkeit haben, sich findenden, z. B. *ue : ^ue 'oder’ 
(gr. in rp£ lat. -ve : ai. vd ) , *pro : *prd (gr. Ttpo ai. prd : gr. Tzpoj-Tcspuci 
ai. prd-sdh-), Hiu : Hiu (ai. nu gr. vu : ai. nu ahd. nu], Vgl. liber diese jetzt 
Wackernagel Das Dehnungsges. S. 5 ff. 

416 . Bei dem Nebeneinander von ai. nom. ve-s und vi-s 

Wis' 11 . dgl. (§ 195 S. 533) liegt die Vermutung nahe, dass 
lat. eis ts und eis-dem (Biicheler-Windekilde Griindr. S. 28 1 
neben i~s = got. is auf eine alte hochstufige Nominativform 
"^eis zuriickgehe, auf die man auch air. e (vgl. § 414 S. 774) 
zuriickfiihren konnte. Doch begreift sich eis auch als ein Com- 
promiss zwischen "^e-i (§414) und is^ vgl. ahd. S. 77 5. 

Anm. Die Annahme, dass das in C. I. n. 198 dreimal vorkommende 
eis jedesmal Schreibversehen sei (Danielsson Stud, gramm. p. 23), halte ich 
fur sehr bedenklich. Dass eisdexn ein Compromiss von idexn == "^izdeni und 
dem nach is wieder hergestellten isdeni gewesen sei, leuchtet an sich eher 
ein. Doch ist diese Auffassung der Dorm unnotig, wenn es ein eis is gab, 

Nominat. Accusat. sing, neutr. 

417 . Charakteristisch ist -d gegeniiber dem sn der nomi- 
nalen o-Stamme (z. B, ^ju^o-m ‘^iugum^) und der Suffixlosigkeit 



§ 417.] 


Die gescMeehtigeix Pronomina. Casusbildung. 


777 


der andern Nominalstamme (z, B. "^peku z. B. 

‘'das'' *qi-d Vas\ Ai. td-d av. ta~p apers. ai-ta = av, 

ae-tap] ai. ci-d av. ci-p apers. ciy *'irg‘end\ Gr. to Troo-ocTrd-t; 
(§ 32 S. 54) thess. ttoV/ci aus ^ttoo xi; die Partikel */oo in gr. 
^TTt diTTircD? u. dgl. war wahrscheinlich Neutr. von ‘'snus" 

(Yerf. Gr. Gr.^ S. 134. 231) und nicht abl. sing, wie sd. mad 
(§ 474), vgl. av. ma-p ^meiim"; Tt tI = ai. ci-d. Lat. is-tud quo-d 
qiii-d^ iimbr. este ‘'istud^ aus '^es-to[d) (vgl. § 274 Anm. S. 625) 
pil’-i pirs-i ''quid, quodcunque^ osk. po-d ^quod" pi-d pi-d 
‘'quidb Air. ce ci ^quid" in ced aid "was (ist)" aus ce ed ci ed\ 
ob ed "es" zu lat. i-d gebore, ist zweifelliaft , s. § 409 S. 770 f. 
Got. pa-t-a i-t-a mit -a aus -d, wie z. B. hcarjato-h "jedes" 
zeigt, ahd. da-^ e-g, vgl. die Anm. Preuss. s-ta, Tea, aksl. fo^ 
je — ai. yd-d und c%-to {-to Partikel), ni-ct-ze "nihif ; im Lit. 
wurde "^td = '^to-d durch das neutr. plur. tal (§ 428) verdrangt, 
s. Job. Sebmidt Pluralb. 228 f., docb blieb unser pronominaler 
Ausgang in den Adj. wie gera., auf die er iibertragen worden 
war {§ 227 S. 565). 

Anm. ■Wahrend man bisher den Sehlussvocal von got. pata u. s. w. 
fiir eine angetretene Partikel erklarte, gleicbwie den im acc, masc. pana = ai. 

sieht Johansson Bezzenberger’s Beitr. XVI 129. 161 im got. -ta eine 
voUere Form des Suffixes -d (Ablaut und setzt pata = ai. tadd 

lit. tadd, ita == ai. ida u. dgl. Eine Stufe -de desselben Suffixes stecke in 
gr. i-U z 6 - 0 £ lat. ide-in. Got. pana aber sei keine Accusativform mit -m, 
sondern identisch mit pana- in pana-7ndis Aeiter, nock aus Ho^ie. Die 
letztere Herleitung uberzeugt mich ganz und gar nicht, weil es sich um 
eine Masculinform handelt und in ihrem Gebrauch nichts ist, was auf den 
Ursprung aus einem solchen Adverbium hinwiese. Die bisherige Erklarung 
von pan-a hat meines Erachtens keinerlei Schwierigkeiten. Ahd. den, mit 
e fur a aus den andern Casus, durfte die alte unerweiterte Form sein, die, 
wie die Praposition in — gr. und die Partikel got. an = gr. aN lat. an 
den Nasal festhielt. Weniger anstossig an und fur sich ist Johansson’s Deu- 
tung von pata. Aber pata kann von 'pana nicht getrennt werden, und wenn 
letzteres nicht erst eine jungere Neubildung nach dem als einfache Wort- 
form empfundenen pata war, worauf nichts hinweist, so wird man bei der 
bisherigen Auffassung von pata stehen bleiben mussen. Ahd, da^ war wol 
die nichterweiterte Form, die den auslautenden Dental lautgesetzlich vor 
vocalischem Anlaut bewahrte, ahnlich wie den sein -n festhielt. 

Einzelsprachlicbe Neubildungen mit dem -m der nomina- 
leu o-Stamme. Ai. M-m (vgl. Gaedicke Acc. im Yeda S. 6. 16) 



778 


Die gescMechtigen Pronomina. Caeusbildung. [§ 417 — 418. 


pali Um av. he-m yi-m aom. Gr. xauTo-v fiir xadto. Lat. ipsu-m 
iimbr. esom-e *"111 hoc\ Hieiher wol auch ai. [$)a Neutmni 
des Artikels und Eelativpronomen. 

Genit. sing. 

418. Im masc.-nentr. zwei Ausgange, die friihzeitig au£ 
die Nomina iibeitragen wniden, und ^-50, s. § 228 S. 568 f., 
§ 239 S. 584 f. 

Ai. td-sya av. ae-tahe ; ai. a-syd av. alie anhe [nJi aus 
dem fern, aillid — di, asyas iibeitragen ^ vgL § 420); ga{). aJiya 
axyd (I § 558j 3 S. 416); apeis. av. avaiihe [nh wie in 

mike)] ai. amusya. Armen, oroy zu or Velcher"*, doch vgl. § 239 
S. 585. Gr. horn. to-To att. tou = "^to-sio] horn, xio att. xoo = 
av. cahyd gGf. "^qe-sio. Air. ai ae^ tonlos d a (mit folgender ‘"As- 
piration'*) ‘"eius'* vermutlich aus vgl. ai. a-syd got. i-s ahd. 

e-s^). Endlich wahxscheinlich hieiher preuss. s-te-ssei s-tei-sei 
s-te-sse s-tei-se s-tei-si {stei- aus dem gen. plur. stei-son iiber- 
tragen) ‘'des'*, ame-ssa aina-ssei ‘"eines'*; wenn auch die schwan- 
kende Schreibung einen sicheren Schluss nicht zulasst (vgl. 
Leskien Declin. 113 f.). 

1) Um eng Zneammengeboriges nicht zu sehr zu zersplitterU; mogen 
hier einige Bemerkungen uber alle Possessiva der 3. Person im Irischen 
folgen, die ich nach Stokes Celtic Declension p. 104 sq. sowie nach Mit- 
theilungen Thurneysehs gebe. Die obigen Formen ai ae a a auch fiir das 
Femin. fauTTjc’b nber a a nicht "aspirierend’, also wol mit ai. asyas zu ver- 
binden. Ferner war ai ae der betonte gen. plur. (und du.) 'eorum, ea- 
rum^ neben unbetontem a 7 l-, a n-. Fur die Beurtheilung dieser Formen 
kommt noch in Betracht 1. die sing. masc. fern, mcymr. corn, y bret. e 
(plur. mcymr. eu bret. ho = urbritann. vgl. § 438), 2. das ir. substan- 
tivische Wort fiir "der, die, das Seinige, Ihrige^ : ai ae, acc. plur. masc. aii, 
dat. plur. aiih, womit wol mc^nnr. eidaw 'd. Seinige’, eidi 'd. Ihrige’ (fern.), 
eidunt "d. Ihrige’ (plur.) zusammenhing ; auch mit dem pronomen possess, 
verbunden: d-aii "suos^ c^nnr. y eidaio "sein Seinigerb Vermutlich wurden 

und '^esjias im Urinselkelt. in pratonischer Stellung zu *05^*0 ^asids (vgl. 
ir. as- neben Ss- 'ex^ I § 66 S. 56), deren a- dann auf die betonten Formen 
iibertragen wurde. Der aus diesen Formen entwiekelte gen. plur. "^as^dm = 
air. ai ae, d n- a n- vergleicht sich mit lat. cuium (Charisius) nach cuius fur 
quorum oder quium (Cato) (vgl. auch horn. '^[i.£ia3V neben IpeTo § 454), das 
Subsh ai ae aber mit lat. cuius "wem angehorend" aus gen. cuius (§ 419). 
Der substantivische acc. plur. aii bezeugt fiir diesen Stamm ^-Declination. 



§ 418 — 419.] Die geschlechtigen Pronomina. Casusbildung. 


779 


^-$ 0 . Got. pis ahd. de-s — ""'tesOj ags. dcs-s (neben ^es) 
= *t6so (ygl. gr. tio neben 7:oa);got. i~s ahd. neutr. es, Vgl. 
§ 239 S. 585. Aksl. ceso = got. hms ahd. Imes, ct-so (zu a- 
to ‘^quid^). Auch dem Griechischen (neben ^^-sio) zuzu- 

schieiben^ sehe ich anch nach Johansson Be der. verb, conti. 
p. 215 keine Notigung. 

In den Einzelspiachen sind ofteis Ansgleichnngen zwischen 
den pronominalen Formen des gen. sing, und des gen. plur. 
wahrzunehmen ; air. ai "'eorum'* = "^eswm nach ai *'eius^ = 
^'esio\ lat, cuium nach cuius ^ S. 778 Fussn. 1; preuss. steisei fiir 
stessei nach steison s. o. ; got. pize fiir "^paize (vgl. ags. dara 
aisl. peira) nach pis] av. aetaTdliqm fiir aetaesqm nach aetahe, 
§ 429. So liegt die Vermutung nahe. in got. pi-s aksl. ce- 
so u. s. w. sei aus ^sio umgebildet nach dem gen. plur. 

(§ 429). Entsprechend im Femin. "^sds (got. pizds) aus ^-sids 
(ai. tdsyds). 

419 . Das Armenische hatte in einem Theil der Prono- 
mina als Genitivzeichen ein r, das sicher zunachst mit dem -r 
des Gen. der Personalpronomina mes ‘'nostrf je-r Vestri^ ius 
‘'sui’ (§ 455) zu verbinden ist: oir zu o VeP, nor-in zu no-in 
‘^derselbe^ u. dgl. Vgl. weiterhin aisl. tar ahd. unser § 455. 

Den vielbehandelten italischen Formen i) lagen Loca- 
tivbildungen au£ -e-i zu Grunde, von welcher Formation aus 
wir vermutlich auch den gen. sing, der nominalen o-Stamme 
zu erklaren haben (§ 239 S. 585 f.). Der Loc. auf fungierte 
im XJrital. ebenso als Loc., Dat. und Gen., wie von uridg. Zeit 
her die Form des Personalpronomens Loc., Dat. 

und Gen. war (§ 447); vermutlich hatte ^te-i als Gen. zunachst 
nur die possessive Bedeutung und erhielt spater erst auch die 
andern Functionen dieses Casus. Vgl. auch thess. loc. toI rmd 
)(pdvoi als Gen. Der Trieb, den Gen. als solchen zu charak- 


1) Ausser der bei Stolz Lat. Gr.2 348 citiertea Literatur vgl. Merguet 
Die Entwiekel. der lat. Formenb. 83 ff. 92 f., Danielsson Studia gramm.. 
1879 p. 1 sqq., Bergu Die Gutturalen S. 136, W. Meyer Zeitschr. for rom* 
Philol. X 174, Henry Precis de grammaire comp. p. 248, Lxicbs Studemund's 
Stud. I 316 ff. 



780 


Die geechleclitigen Pronomina. Casusbildung. 


[§ 419. 


terisiereiij fiihrte nun in den ital. Dialekten zu verschiedenen 
Neuexungen. Duxch Anschluss an die Gen. au£ -us [homin-us] 
entstanden im Lat. die Foxmen wie isU-us^ eiius eius d. i. eei~\- 
us (vgl. loc. dat. eei el)^ dagegen mit dem Genitivzeichen -s 
umbi. erer irer osk. eiseis eizeis “^eius^ u. dgl. (vgl. Subst. umbx. 
popler osk. sakaiakleis), letzteie genau wie alat. gen. ml-s 
t%-s fill ml tl (§ 447). Die Neubildungen istlus eius wuxden 
auch femininisch verwendet, doch daneben auch istae utrae u. 
dgl. wie umbr. erar *'eius^ Das alte -ei {^istei) lebte neben 
-ei-tis [istlus] im Compositum foxt, istlmodl u. dgl. (vgl. unten 
quoi-quoi-modi)^ wahxend neutrl in neutrl generis u. dgl. wol 
Umschlag aus dei pionominalen in die nominale Declination 
wax (wie lit. masc. id fern. tds\ 

Die Foxmen quoins Jioius^ cuius liuius sind im Zusammenhang 
mit quoiei quoi hoi-ce^ cui liui-o und osk. pieis-um ‘^cuiuspiam^ 
piei ^cui^j feiner mit osk. poizad abl. ‘'qua^ piillad adv. ‘^qua^ 
umbx. pora abl. ‘'qua^ zu beuitheilen. Bereits in uxital. Zeit 
wuide eine eistaiite Casusbildung des Stammes etwa 
Oder ^kuo% als Interrogativ-, bezieh. Ilelati’vq)artikel fiir das 
flectierte Pxonomen so gebxaucht, dass die Casusbeziehung duxch 
ein beigesetztes fiectiextes Demonstxativpxonomen dargestellt 
wurde, vgl. lit. dial, ids cecorius, Mr iszrdlnino jo dukteri ‘"dex 
Fiixst, wo ex dessen Tochter befxeit hatte^ — ‘^dessen Tochtex 
ex befr. h.^ (Vexf. Lit. Volksl. 305)^). So lat. quoiei — qd 
ee% wozu spatex quoins als charaktexisiextex Genitiv kam (doch 
noch quoi-quoi-modl cui-cui-modl)^ osk. poizad — po eizcid 
[eizo- "is"), pul lad = pd + oUad (vgl. lat. olle)^ umbx. pora 
wol ehex = pd ora [over "ilHus) als = po + [erer "eius" 
= osk. eizeisY), Osk. piei (gen. pieis-] bexuhte wol auf einer 
Vexbindung des Adv. '*pl — lat. qul von St. ^qi- (§ 421) mit 


1) Dieselbe Erscheinung im Neugriech. (auxo; shai 6 avopas Troti tov 
eloa neben ttou eioa 'das ist der Mann, den icb geseben babe'), im Kelt, und 
im Hocbdeutscb. 

2) Aucb osk. puiiu bei Zvetaieff Inscr. It. inf. n. 103 scbeint in den 
Kxeis dieser Bildungen zu fallen (aus *po^e^o-], doch ist der Sinn der ganzen 
Stelle dunkel. 



§ 419 — 420.] Die gescMeclitigen Pronomina. Casusbildung. 


781 


e{%)e% wenngleich ich die Moglichkeit nicht ausschliessen moclite, 
dass es durch Ubertritt des Stammes pi- in die ^^-Declination 
entsprungen war. Nach quoi qzioius wuide im Lat. hoi-ce hoi- 
tis gemacht wie nom. plur. lies nach ques (§ 427), wobei die 
alte Bildungsgleichheit im nom. sing, (qui und h%~c[e]^ §11-1 
S. 774) mitgewirkt haben mag. 

Anm. Das lat. Adject, quoiu-s cuius Vein gehorig'’ scKeintj nach der 
Bedentung zu schliessen, erst vom fertigen Gen. quoius aus entstanden zu 
sein Tind im av. zia- 'noster , das aus dem gen. rib = ai. nas herausgebildet 
wurdC; ein genaues Seitenstiick zu baben, s. § 454 extr. 

Air. auch wie im Nomen, ind athar ‘'des Vaters'' aus 
'^sen-tl^ wie lat. istl-znodl gr. thess. toT. 

Im Lit. nominal zfd, jo u. s. w. Im Aksl. to-go je-go etc,, 
eine noch nicht geniigend aufgeklarte Neubildung, s. Leskien 
Declin. 109ff. 

420. Die zu den o-Stammen gehorigeu Feminina hatten 
im Uridg. den Ausgang ^-sids mit vorausgehender masculinischer 
Stammform. At. -asyds: ai, tdsyds asyds^ av. ae-tahha aiilid. 
Apers. ahijdyd fiir ^ahyd nach taumdyd (§ 229 S. 570), wie auch 
pali assa == ai, asyds nach kanndya zu assay a exweitert wurde ; 
mit rein nominaler Endung av. aetayd (nach haenayd] neben 
aetahhd. Ai. amu-syds wie amu-sya. Air. ai ae aus ^e-sids^ 
s. S. 7 78 Fussn. 1. Preuss. s-tessias stessies stesses steises [ei 
nach masc. steisei § 418 S. 778). Im Germ, ^-sias und ^-sds. 
Ags. dt^re — urgerm. ^paizioz^ got. pizds und blinddizds (§406 
S. 761), ahd. dera^ aisl, = urgerm. *paizdz. Das ai war 

aus dem gen. plur. iibertragen, wo es vom Alasc. ins Femin. 
iibergegangen war (§ 429), Der Verlust des i aber in got. pizds 
etc. ist entsprechend dem im Masc. zu beurtheilen, s. § 418 
S. 779. tiber aus -s- s. Kluge Paul’s Grundr. I 347. 

Diese idg. Femininbildung auf ^-si^ds war im Anschluss an 
das Masc. auf ^-sio entstanden. Entweder gab es einmal ein 
^tds wie ^ekuds^ das durch Einwirkung von ^tesio in ^tesids 
umgestaltet wurde, oder ^tesio fungierte zuerst fiir alle Ge- 
schlechter und wurde dann durch Umbildung zu ^tesids femi- 
ninisch gekennzeichnet. Vom Gen. auf -sids wurde ( 5 ) schon 
in nridg. Zeit in den Dat. und Loc. iibergefiihrt, s. § 425. 



782 


Die geschleclitigen Pronomina. Casusbildung. [§ 420 — 421. 


Aksl. tojq enthielt das -e von duhe^ aus odei 

S. § 229 S. 572f. Da der dat. loc. toji die Laute -o/- vom instr. 
ioja = ai. idija bekommen hatte {§ 425), so mag auch tojq nach 
diesem Vorbild entstanden sein. 

Rein nominale Formen. Gr. t%. Lai. iUae neben illlm 
n. dgl., umbr. erar ‘'eiiis\ Air. imia aus ^se7i-tas^ caclia ceclia^ 
naclia^ vgl. mna § 229 S. 569. Lit. tos. 

Instrument, sing. 

421. Ein speciell pronominales Suffix war -na^ vermutlich 
identisch mit dem Ausgang von Adverbien wie ai. cand got. 
'-liun ahd. -gin ‘'irgend^, ai. hind ^denn^, lat. pone superne^ got. 
pan "^dann^ lit. ten ‘'doTt\ Av. ha-na apers. tya-na aniya-nd^ ai. 
he-na te-na e-na^ letztere wol, wie ai. sane-mi aksl. U-mi (s. u.), 
mit demselben Diphthong, den der nom. sing. lat. qo-i qtil etc. 
aufweist (s. § 422 Anm.), ausserdem auch an ai. e-'cd ved. auch 
e-'ca "^so^ got. Iivdi-va *^wie^ erinnernd. Zu ai. kkna : av. hana 
vgl. lit. gen. heno : he7zd (hand) § 451 S. 825 f. Duxch Ubertragung 
des -ena auf die Nomina entsprang ai. vrkena etc., s. § 275 
S. 628. Gr. i-va, vgl. § 409 S. 770. Im Anschluss an ein ^ci-na 
(nom, ci-$) scheint der av. acc. cmem gebildet zu sein. 

Formen von o~Stammen auf ^-oi-mi. Ai. sane-mi Von 
Alters heF. Ags. ct^-m aisl. pei-m neben Substant. ags. miolcum 
(wie im plur. got. pdi-m neben Substant. milfa-m). Aksl. te-mi 
ji-rm, Hierzu das preuss. seii maim Vum meo"* = ‘'mecum'* (s. 
§ 449. 452), das wol nicht als idg. ^moi^mi (vgl. av. ma- gr. Ipd- 
‘^meus'') zu denken ist, sondern zu St. maia- gehorte und eine 
Contraction erfahren hatte wie gen. maisei (neben stessei steisei 
amassei) und nom. mais — aksl. moji ; unentschieden lasse ich 
aber, ob ^maiai-mfi) direkt zu maim geworden war, oder ob man 
etwa im Anschluss an maia-smu maia-n zunachst zu einem 
*maia-m{i] gekommen war und dieses in maim uberging (vgl. 
twaismu neben twaidsmu). Vgl. § 282 S. 637 f. Im Armen, mit 
-V aus *-ihi oz'o-v zu or VelcheF, nach Substant. gailo-r ; ebenso 
i-v Vomit? wodurch?"* zu i Vas?"* wie Substant. srti-i\ s. § 281 
S. 636. 



§ 421 — 422.] Die gescMechtigen Pronomina. Casusbildung. 


783 


Fexner gab es, wie es scheint, von iclg. Uizeit her von o- 
und 2 -Stammen auch rein nominal gebildete Instrnm. auf -o -e 
und -L Av. ta yci ana. Gr. ttcL (oo-tlO)), lak. 'aTj-Trozot. Lat. gxid- 
modo^ quo ^wohin^, iimbr. sei-podriili-pei hitioqne^; lat. qul Vie^ 
zu qui-s. Air. melt (gen. caicli) acymr. pau-p ""quivis, jedeF wol 
= *qd-qos^ eigentlich Vo oder wie wer^ irgendwo odex irgend- 
wie ixgendwer'’ nach Thnrney sen s Y exmntnng ; neuch 7ieock aus 
^^ne-qo^ cossind Vit denF aus ^co7i se7i-tu. As. htvd Vie^ ahd. 
diu, hiu-tu ‘^heute^ (§ 409 S. 769), got. Jive Vomtf pe so^; 
hi (zu got. hi-7nma) in ahd. hi-yialit ‘'diese NachF. Lit. tu Vit 
dem, sofoxt^ ju ""desto^ ; duxch Antritt des Suffixes -mi an diese 
Formation entsprangen iu-m% hu-mx, wie auch beim Nomen dia- 
lektisch -u-mi [mihumt) entstand, s. § 275 S. 629; preuss. s-tu 
hu. Nslov, hi Venn"' cech. hi ''ob^ == lat. qul^ und duxch An- 
fiigung von -mi aksl. ci-rm als instr. zu ci-to. Hiexnach kann 
die Paxtikel ved. I (auch in l-drs- Vn solchei^) gx. -i in 
o6toa-t umbx. pox'S-ei nom. plur. "^qui^ instr. zu lat. is gewesen 
sein; dex Nasal in ved. Ixn gx. ootogV war dann die Paxtikel -?n. 

422. Die a-Stamme hatten -am. Ai. tdya av. ae-taya^ ai. 
ay a av. ay a ay a. Aksl. tojq (mit Paxtikel -m], wozu alit. iaja, 
jetzt dialektisch tal (J. Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXVII 38 6 f.}; 
iiber tal anders Briickner Axchiv £ slav. Phil. VI 272. 

Im Ax. txat dieser Ausgang auf die Nomina iiber: ai. asvayd 
fiix cisva^ av. liaenaya fiir hapia^ ebenso aksl. rqJcoJq fiir rqkq. 
Im Lit. umgekehrt td wie ranhd^ entsprechend gr. \ dor. Totura 
und wol lat. hd-c u. dgl. S. § 276 S. 629 ff. Ob auch ved. tya 
statt tydyd und av. xja ha neben aetaya den Nomina gefolgt 
wareUj oder ob tya und yd duxch syllabische Dissimilation ent- 
spiungen und dann hd dem yci nachgebildet war (vgl. Ahnliches 
in § 247 S. 600, § 307 Anm. S. 654), ist unsichex. 

Ai. amuyd neben amusyds nach dem Muster -ayd. 

Anm. Dass ai. ayd sicb in ay-d zerlege nnd zum Stamm i- gebore, und 
dass erst nach ayd : asyds zu tdsyas ein tdyd gebildet worden sei, wie 
Sclimidt (Kuhn’s Zeitschr. XXVII 386) meint, ist mir ebenso wenig einleuch- 
tend wie seine Meinung {ebend. 292), dass e-na ebenfalls zu i- gehore, und 
dass erst durch das Nebeneinander von ma und asyd ein tma neben tdsya 
auigekommen sei. Wenn das V der Pluralformen wie got. pdd-m aksl. 

Brngmann, Gruxidnss. II, 2. 50 



784 


Die gescHeclitigen Pronomina. Casusbildung. [§ 422 — 423. 


te-mi ai. te~hMs, gr. to-T-jc akel. te-chu ai. te-su mit dem ~i des nom. plur. 
gr. To-i ai. te etc. identisch war, wie Schmidt Kuhn’s Zeitschr. XXV 5 f. 
lehrt und auch ich glaube ; waiter wenn die ^-Diphthonge in den obliquen 
Dualcasus, z. B. aksl. te-77ia ai. tdy~oh, das -i des nom. acc. du. neutr. und 
fern. (idg. und enthielten, wie wir in § 297 S. 650, § 311 S. 657 

annehmen zu miissen glaubten, so wird man kaum fehl gehen, wenn man 
auch den Diphthong von ai. e-7ia te-na und smic-^yii aksl. te-yni mit dem 
im nom. sing. mase. z. B. ai. ay[-dni) lat. qo~i qui osk. poi u. s. w., und 
entsprechend das i von ai. ayn tdyd aksl. tojq mit dem im nom. sing. fern, 
z. B. av. J>ivdi lat. quae (§ 414 S. 775) zusammenbringt. Ai. ayd liesse sich 
aUerdings an sich auch auf St. (lat. ed- got. ijd~) beziehen, doch ist 

kein Grund, es von tdyd u. s. w. zu trennen. 

Ablat., Dat. und Locat. sing. 

423. Im masc.-neuti. erscheint der Stamm haufig durch 
ein Element erweiteit, dasselbe, das, dutch keine Flexions- 
endung vermehtt, in dem acc, ay. ahma lesb. afXfjLs begegnet 
(§ 436.443). 

Ai. tdsmad tdsmdi tdsmm^ asmad asmdi asmin^ av. ae-tahmdp 
a^-talimdi ae-talimi^ cahmdi mit ^qe- wie aksl. loc. ce-mi. Ai. 
Neubildungen amusmad amu^mdi amusmin. Armen, abl. y ime 
dat. loc. um zu o VeF, y orme^ orum zu or ‘^welcheF; -wm- aus 
-osm- I § 561 S. 419. Gr. gort. loc. o-Tt[xi d. i. wol -ripit aus 
(Tiber den angeblichen dat. Tsp-iJiai "^cui^ s. Solmsen 
Kuhn^s Zeitschr. XXIX 79.) Umbr. e-smi-k ‘^ei^ esmei esme 
''huic^, pu-sme ‘'cui^. Got. pa-mma Jiva-mma i-mma. Preuss. dat. 
s-te-snm [steismu^ vgl. gen. steisei § 418), ha-smu^ antersmu (St. 
antera-)^ schi-smu [schi-s ‘"diesePj. 

Daneben im Germanischen und Baltisch-Slavischen Formen 
mit -m- statt -sm~- Ahd. demu liwemu. Lit. dat. tdmui tdm 
loc. tamim-pi tami tame tam^ aksl. dat. tomu loc. tor}[ii\ lit. szime 
neben sziame zu sz\-s, Gewiss hatten diese Formen s einge- 
biisst durch analogischen Anschluss an die Casus, deren Suffix 
mit m anlautete; vgl. ahd. plur. de-m, sing. plur. ags. aisl. 

pei-m^ lit. plur. te-ms du. tem-drem thn-dvem aksl. sing, te-jm 
plur. te~mu te-mi du. te-ma, Anders fiber das ahd. -m- Kluge 
Pauls Grundr. I 347. 

Was nun die Casussuffixe selbst betrifft, so war nur das 
des Loc. speciell pronominal. Dieser Casus hatte die Ausgange 



§ 423 —424.] Die gesclilechtigen Pronomina. Casusbildung. 


785 


^-smin und ^-smi, vgl. gr. a|jLaiv ujx|jliv und octjLj-ii oijLjit § 448. ^~smin: 
ai. tdsmin^ Kt. tamin in tamim~pi, wenn freilich -7npi auch aus 
dem gen. pliir. iibextxagen sein konnte, so dass man tmni-mpi 
zu tiennen hatte (s. Bxiicknex Axchiv f. slar. Phil. Ill 279 f., 
Osthoif Moxph. Unt. II 9)^). '^-smi in av. -talimi gx. o-tifn. Lit. 
tami aksl. tonii sind aus und aus ^-{s)?m exklaxhax, in 

jenem Falle waxe tami fiix lit. ta?ni zu schxeiben. Alit. jamije 
wie dieicije. Alit. nlit. tame^ woiaus hat denselben Aus- 

gang wie loc. mVke\ eine Vexmutung iibex den XJxspxung von 
tame s. § 424 S. 787 f. 

Dagegen waxen dex Abl. xind dex Dat. inbezug auf ihx 
Casussuffix von Hans aus in Ubexeinstimmung mit den Nomina. 
Ai. tdsmdd tdsmai av. -talmicip -taJimdi wie vrJcdd veh'hd^ vehr- 
hcii. Axmen. y wne wie y ahane, vgl. § 244 S. 595; welche 
Endung imi gehabt hatte, diixfte kaum mehx zu exmitt eln sein. 
Lmbx. esmi-k esmei esme wie Tefxi Tefrei Tefie "^Tefxo deo^, 
vgl. § 246 S. 598 f.; bei pusme kommt in Frage, ob nicht mit 
dex Endung die Paxtikel -e -ei (vgl. pur-e ‘'quod^) vexschmolzen 
wax. Got. Iwa^myia^ dessen -a nach Ausweis von livamme~li 
'jedem'* zunachst aus entstanden wax, kann als Ablat. auf 
^-ed und als Dat. auf angesehen wexden, wahxend ahd. 

Imemu ein Ablat. auf ^-dd gewesen zu sein scheint, vgl. § 241 
S. 591, § 246 S. 599. Lit. tdmui (vexkiixzt tdm) aksl. tomu wie 
mikui vluTcu] pxeuss. stesmu wie ivaldniku ‘'xegP. 

424. Neben den im letzten § bespxochenen Foxmen ex- 
scheinen auch Foxmen ohne -sm-. 

Ablativ. Ai. ad tad yad av. sammtlich advexbial. Gi. 
(5 oTTco ‘'unde^ Lat. istd qiid^ osk. eisud ''eo\ Lit. to, Als Abl. 
’'^tod S^'on da an, dann"* exklaxt man wol mit Eecht auch den 
Ausgang dex Impexativfoimen wie ai. bhdra-tdd gx. cpsps-rto lat. 


1) Die Form tami-pi spriclit nicht gegen die Auffassung des tamimpi 
als tamin-\-pi. Es kann von Anfang die Formen tami und Ha^yiin neben 
einander gegehen haben. Oder tami war aus Hamin entstanden^ dann wurde 
-pi nach diesem Lautwandel des selbstandigen Wortes von Neuem angefugt. 
Auch tam~pi war ja nicht aus tame~pi hervorgegangen, sondern nach Uber- 
gang von tame in tarn wurde -pi neu angesetzt. 


50 ^ 



786 


Die geschlechtigen Pronomina. Casusbildung. 


[§ 424. 


fer-td (Gaedicke Accus. im Veda 225, Tliurneysen Kuhnk 
Zeitschr. XXVII 179f.). — Eine ital. Xeubildung war lat. "^quld 
zu qui~s in ah aliqifi u. dgl. (Biicheler-Windekilde Grundr. 121 f.), 
vgl. marl[d) §243 S. 592. 

Dativ. Gr. tco. Lat. isto millo neben istl etc. Eine junge 
Neubildung war lit. dialekt. mirusiou-jui = hochlit. mirusidm- 
Jcim^ part, praet. zu mir-ti ‘^sterben^ (Geitler Beitr. zur lit. Dia- 
lektologie 27). 

Locativ. Gr. att. ttoT dor. 'irsT, e-xsT. Lat. liei-c osk. 

eisei ""in eo"" alttrei ^in alterok Got, pei aisl. pi — gr. tsi-oa:, 
aisl. hm = gr. ttsT, s. Bechtel Zeitschr. f. deutsch. Alt. XXIX 
366 f. Ein Loc. von St. o- diirfte auch vorliegen in gr. si sl-ra 
(neben instr. im Herakl. etc., s. Veif, Gr. Gr.^ 225) und in 
ai. e-sa- e-ta- osk. ei-zo~^ s. § 409 S. 768. 

Solche Locativformen waren auch die dativisch fungieren- 
den osk. altrei ‘^altexE piei ‘^cuE, lat. istei istl^ eei ei (auch eiei 
wurde geschxieben wie im dat. abl. plur. eieis neben eeis eis)^ 
qtioiei qiioi czdj letzteres aus quo (oder ^quoi) + (s. § 419 

S. 780); lat. lioi-ce liui-c war Neubildung nach quoi cui. Diese 
selben Formen hatten, wie wir § 419 annahmen, einst ausser- 
dem Genitivbedeutung (vgl. idg. ^mo-i loc. dat. gen. § 447) und 
wurden in dieser im Lat. durch -'m erweitert, wahrend im 
Umbr.-Samn. -ei in -eh umgestaltet wurde. Dass man htl etc. 
zugleich femininisch gebrauchte, wmi’ wol dadurch herbeigefuhrt, 
dass man den Ausgang -ei -I dem geschlechtig indifFerenten 
-ei -I der Formen zjil milii tihl sihl und der Dativform der i- 
Stamme gleich empfand. 

Vergleicht man nun die in diesem § aufgezahlten Formen 
mit den das Element -sm- enthaltenden (§ 423), so ist wahr- 
scheinlich, dass nur im Loc. zwei Formationen von Anfang neben 
einander standen, die auf -sinin -smi (ai. idsmin av. -talimi) 
und die auf -{ (gr. tcqA)^ und dass spat ex, aber bexeits in uridg. 
Zeit, -sm- auch auf den Ablat. und den Dat. llbertragen wurde, 
die bis dahin dieselbe Gestalt hatten wie die Nomina. Die 
ablativischen Adverbia wie ai. tad stammten noch aus der Zeit, 
ehe diese IJbertragung geschah; als Adverbia wurden sie von 



§ 424.] 


Die gesclilechtigen Pronomina. Casusbildmig. 


7S7 


der Neiierung, dem Eindringen des -s?7z-, nicht betroffen. Da- 
gegen bleibt von Formen wie lat. {std{d) iind gr. tq3 zweifelhaft, 
ob sie ebenfalls alt waxen oder duich j linger en Wiedeianschluss 
an die Nomina zustande gekommen waxen. 

Das Element -s?7i- identificiert man wol richtig mit der 
Paxtikel ai. S77ia, die vexstaxkend hinter Pronomina trat, z. B. 
fasya STTza. Nun werden wir in § 443, 2 sehen, dass gr. lesb. 
dixixs av. aJwia wahrscheinlich auf ein -\-S77ie^ d. h. die Grund- 
foim von got. acc. U7is mit angehangter Paxtikel '^'S77i€. ziixiick- 
geht, und dass von dieser Vexbindung axis die Formen ent~ 
standen, ftir die man Stamm *7^sme- (gr. d|jL|xo- ai. asma-) 

anzusetzen pflegt. So miisste denn unsexe Paxtikel aucb beim 
geschlechtigen Pionomen urspriinglich an eine selbst schon als 
Casus fungierende Form, und zwar an einen Loc., angetreten 
sein, Und es hindext nichts, von einem + S77ie auszugehen, 
dessen erster Theil Loc. war. Vgl. lit. te ""daP aksl. te Wd^ 
neben ; lat. ce in ce-do osk. ce in ce-hiust {-hiust 

VeneriP] lit. sze ‘'her'' (vgl. jedoch § 409 S. 769) neben gr. 
s-'/.sI xsT-vo-^; lit. 7ie got. ni ai. 77d ‘'nichP neben in lit. 

7iei 7ie-ha-s av, 7iae-eu lat. Tiei 7il ; lit. Je-, Paxtikel zur Bezeich- 
nung der Dauex der Handlung, neben hei hind"; aksl. kude 
neben kude Vo" u. dgl. ^). ^te und standen als Loc. neben 
einander wie gr. 6d-|a£v und s. § 256 ff. S. 009 fF. Den 

Ausgang von ^tes77ie haben wir noch im Baltischen, in lit, ta77ie 
[ge7'a77ie)^ das fiir ^tes77ie eingetreten war, indem durch An- 
schluss an Formen mit einem mit m- beginnenden Casussuffix 
s vexloxen ging und -e- durch -a- ersetzt wurde, vgl. preuss. 
ste-sr7iu gegen lit. idmui § 423 S. 7S4. Nach tdmtii: tcme wurde 
neben vilhui^ wie ich glaube, die Form vllke gestellt, wie um- 
gekehrt alit. nach entsprang, vgl. § 263 S. 617 f. 

Die idg. Form '^tes77ii[7i) = ai. ids7nm etc. neben wie 

^7ps77ii[7i) — lesb. afiatv neben ^z^ssiiie, Vielleicht standen 

'^sm-i und ^S77i~e von Anfang an neben einander als Erweite- 

1) Neben '^te, '^Jce, ^7ie aucli uridg. ^ke, ^ne (gr. ttj 'da!^ dor. 
vo-; dste; ille" ; dor 7.f|-vo-? 4lle%- ai. 7ia air. 711,], gleicbwie ; ""wie'micE 
ti. s. w.; woriiber § 415 Anm. S. 776. 



7S8 Die geschleclitigen Pronomina. Casusbildung. [§ 424—425, 

itingen von so class man nicht anzunehmen brauchte^ 

'^tesmi[n) sei erst auf Gmndlage von *tes77ie entstanden. 

Anm. Die vorstelienden Constructionen stiitzen sicli darauf, dass die 
Annalime einiger SpracMorscber, lit. tame und vilke seien aus "^taynen und 
’^vilken liervorgegangen, uiierwiesen ist. An den Pormen wie geramen~je 
-je (Arch. f. slav. Phil, IV 592, Eluhn’s Zeitschr. XXVII 385, Bezzenber- 
ger's Beitr. X 312 und anderwarts), auf die man die Annahme von -en in 
erster Linie grundet, ist vox* Allem auffallend, dass das zweite Element 
nicht die pronominale Eorm [-Jame -Jaiyi) hat, wie man erwarten sollte, son- 
dern gleichwie jamije ams'zinameje u. dgb (Bezzenberger Zur Gesch, d. lit. 
Spr. 154. 16S) nominale Endung. Leskien vermutet daher, dass ein '^gerame- 
jeynie) zu *gerame7n verkurzt und die beim Nomen abstrahierte Locativen- 
dung -je angefugt worden sei, wobei m in n iiberging. Auf die Schreibung 
-je fur -je ist kein Verlass, dock konnte eg eine Neuerung nach nominalen 
Locativformen auf -e sein. Auch die ostlit. Formen auf -i wie miszki 4m 
Walde"* beweisen nicht das behauptete -e??. -^kann nach den Lautgesetzen 
auf -en zuruckgefiihrt werden^ muss das aber um so weniger, als ein ostlit. 
-im-p[i) aus -em-p[i) -en-p(i), z. B. ^deoim-pj) , nirgends bis jetzt belegt ist, 
es heisst nur deve-pj], S. Leskien Ber. d. sacks. Ges. d. Wiss. 1884 S. 96 f. 
Ausser der von Leskien angedeuteten Moglichkeit, dass yniszki aus miszke 
entstand, kommt auch die in Betracht, dass yniszkl dem Vorbild von tami 
(mit idg. ’^-smi) gefolgt war, wie miszke dem von tame. 

SoUten nun trotzdem Hamen ^geramen und "^mlken von den Anhangern 
der hier kritisierten Theorie wirklich glaubhaft nachgewiesen werden — ■ 
ist preuss. schmnan Ench. 89 mehr als eine blosse Liederlichkeit ? — , so 
wiirde das an der Hauptsache nur wenig andern. Ich wizrde gleichwol fiir 
lit. tayyie (wie jene Gelehrte schreiben) von idg. Hesme ausgehen und -n 
fiir dieselbe Postposition erklaren, um die lit. tamim-pi ai. tdsmin reicher 
sind als gr. o-Tlp.i, und die dock wol auch in lit. te-n sze-n sz'e (erweitert 
zu tMai tenais u. s. w.) neben te sze (= lett. te sche) steckt. 

425, Bei den a-Stammen finclen 'wir theils vollkommene 
tibeieinstimmung mit den Nomina, theils das genitivische -si- 
bez. -s- vox dem Casusansgang (§ 420). Wir beginnen mit der 
letzteien Formation. 

1. Ablativ nnd Genitiv batten seit uridg. Zeit dieselbe 
Form, z. B. ai. gen. abl. tdsyas^ s. § 420. Nenbildungen waxen 
av. anJid^ avanlid^ yenliad-a (neben gen. anJiA etc.), wie haren- 
tyd^ haenaydp^ s. § 242 S. 592. 

Dativ. Ai. kdsydi asydi av, kahydi anlicii axijdi^ vgl. ved. 
suvapatydi § 247 S. 599 £. Goi. pizdi izdi wie gihdi, aber ahd. 
dem dero irii iro nach gehu gebo mit Instrumentalausgang, s. 
§ 276 S. 629. Preuss. stessiei stessei und, mit dem in letzter 



§ 425 — 426.] Die geschlechtigen Pronomina. Casusbildiing. 


789 


Instanz aus dem gen. plur. steiso7i stammenden -ei-, sieisiei steisei^ 
vgl. gen. steises § 420 S. 781, aisl. dai. pern neben gen. peirar, 
Locativ. Ai. kdsyam asydm^ vgL dsvdydm\ av. kanke ahlie 
mit -e — nrar. -{a (I § 125 S. 116) und nh aus dem gen.-abl. 
{kanliti)^ vgl. av. liaenaya apers. mhirdyd § 264 S. 61S. Diese 
Pronominalcasus waren durch die Foimen wie ai. brliatydm av. 
harentya beeinflusst: kdsyam kakihe : kdsycis kanlia und kasyTii 
kahycii = Irliatytm harentya : hrJiatyas hare^ityci und hrliaiycti 
harentyai. Got. pizdi wie gihdi. 

Ai. Neubildungen a^nimjds amusyai a^nusxjdm, 

2. Formen ohne -si- und -s~\ 

Ablativ wie Gen., gi. etc. Im Ital. Neubildung auf 
-ad\ lat. ista[d) Jia-c, umbr. eia-k ‘'ea^ osk. ekad "hac"’ eiza-c 
eisa-k ’^ea^, wie lat. ecjiid[d] § 243 S. 592, 

Dativ. Gr. t(i dor. wie istae illae (neben istl 

nil) wie eqiiae\ umbr. -e osk. -ai unbelegt. Air. -ind aus ^sen-ti 
wie tuaitli. Lit, tai wie rankai: im Slav, toji neben zmiji rcice 
durch tibertragung des -oj- des instr. tojq^ gleichwie gen. toje 
wahrscheinlich fiir "^ty (§ 420 S. 782). 

Locativ, seit uridg. Zeit wie der Dat. auf -di ausgehend. 
Gr. boot. Tai r?j, arkad. etc. zaX wie boot. s. § 247 

S. 599 if. § 264 S. 618f. Osk. ejisai ‘'in ea'' wie viai ‘'in viak 
Air. issmd ‘'in der'* = seyi-ti, wie tuaith. Lit. toj-e wie 
rankoj-e^ s. § 264 S. 619; aksL toJi wie dat. toji^ s. o. — 

1st unsere Ansicht richtig, dass der fern. Gen.-Abl. auf -sids 
im Anschluss an den masc.-neiitr. Gen. auf -sio geschaffen 
worden war, so sind die Dat. und Loc. mit -si- (-5-) durch 
Weiteivexbreitung dieses Elementes vom Gen.-Abl. aus zu Stande 
gekommen; zu '^tesicis bildete man HesiZii nach ’^ekiidi : ^ekuds 
(§ 420 S. 781). In iihnlicher Weise waxen lit. mdyiei [md7i)^ 
pxeuss. 7)1671726% aksl. 7)ime im Anschluss an gen. lit. ma7ie [ma- 
72es), aksl. me72e gebildet woxden (§ 445). 

Die Dualcasus. 

426 . Die eigentlichen Casussuffixe waren von idg. Drzeit 
her den nominalen gleich. 



790 


Die geschlechtigen Pronomina. Casiisbildung. [§ 426 — 427. 


Beim nom. acc. ist zii beachten, dass im Griech. fiir das 
femin. das Pluralform wurde (§ 286 S. 643)^ das masc. tco 
eintrat, z. B. toj arfjXd, vgl. gr. o6a> lat. chto lit. dial, du auch 
als Fern. 

Dat. abl. insti. Tiber die stammhafte Vexschiedenheit 
in masc. lit. te-m[-d'ceYri) te-m[-di^em) : viiM-m vUka-m und aksl. 
te-ma : 'oliiko-ma igo-ma s. § 297 S. 650 f., liber die im fern. aksl. 
te-ma : rqka-ma § 298 S. 651. 

Gen. loc. tiber die Stammyerschiedenheit in aksl. toj-u\ 
vluku rqku s. § 310. 311 S. 655 fF. 

Im Griech. toTv auch als Fern., yde tco^ s. § 312 S. 658 f. 

Nominat. plur. masc. fern. 

427, Die o-Stamme hatten -oi gegen nominales -os, 
Tiber den mutmaasslichen TJrsprung dieses -i s. § 186 S. 519. 
Ai. te ime^ ay. toi, ime^ apers. miaiy. Gr. xoi ol. Lat. M 
qtfi. Air, ind — ^sen-ti. Got. pdi^ ahd. de dia die\ nord. run. 
pai-R aisl. pei-r hatten ihr -r [— urgerman. -z) yon den No- 
mina. Lit. te preuss. stai quai quoi (s. J. Schmidt Kuhn s Zeitschr. 
XXVII 391), aksl, ti. Dieses pronominale -oi erscheint, wie wir 
§ 314 S. 662 sahen, in fiinf Sprachzweigen auf die Nomina yer- 
pflanzt. 

TJmgekehrt ging auch das nominale -os auf die Pronomina 
ii ber . Osk. p li s umbx. p u r - e -piir-i ‘'quP, osk. p u t ii r u s - p i d 
'utriquei 'Lunbr. eur-ont ‘'iidem'*. Auch im Arm., ork Svelche'' 
nok-a ‘'sie^ no-mk ‘^dieselben^, wofern Buggers Deutung des -k^ 
als -s + %i (s. § 313 S. 660) das Kichtige trifft. 

Anm. Betreffs ir. e (cjTiir. -loy in liwynt~wy^ corn. bret. y] halt Thurn- 
eysen fiir moglich^ dass es die masc. Singularform e sei (§ 414 S. 774), und 
dass der Pluralgebraucb durcli das Muster des Interrogates veranlasst wurde. 
Immerhin muss aber erwogen werden, ob nicht ein von uridg. Zeit her 
im pluralischen Gebrauch vorhanden war. Denn wenn im nom. sing, -o-?' 
und -e-i neben einander standen (§ 414 S- 774), so kann diese Doppelheit 
auch im Plur. erwartet werden (vgl. auch ‘^wir’ § 441). Uberdiess scheint 
preuss. gen. plur, stei-son einen nom. vorauszusetzen, denn sein ei einem 
idg. oi gleich zu setzen ist man nicht berechtigt (s. Braune Xuhn-Schlei- 
cher s Beitr. VIII 95), Was die ir. plur. Nebenformen iat eat und siat seat 
betrifft; so existierten sie im Air. nur in olseat-som "^sagen sie" zum sing. 



§ 427 — 42S.] Die gesclilechtigen Pronomina. Casusbildung. 


791 


olse-som ^sagt er , ebenso vermutlieli cateet coteet 'was sind^ zum sing, cate 
cote 'was ist’. Es war liier die Enduiig der 3. plur. des Verbums angetre- 
ten — vgl. ital. eglino — und spater haben sich iat siat abgelost. S. Zeuss- 
Ebel Gramm. Celt. - p. 372, Schuchardt Zeitscbr. f. rom. Phil. IT 153, 

Nom. plur. qiies zu qui~s^ wie oms. Hiernach. auch hes heis 
neben was dann weiter magistres u. dgl. hervonief. S. § 314 
S. 662. 

Unklar ist ai. ami, dessen -t in die andern Pluralcasus 
ausser Acc. [a^nun] iibexging: ami-sam -su -hhyas -hhis. 

Die d-Stamme batten -as, wie die Nomina. Ai. fas av. 
f&. Osk. pas pas ""quae^ Air. imia — ^sen-fas. Got. pos, ahd. 
deo dio [— ai. tyas). Lit. ids. Aksl. ty acc. wie rqky. Uber 
gr. Tai lat. istae s. § 315 S. 663. 

Ai. a7nus nach mids. 

Nominal. Accusat. plur. neutr. 

428. Neben dem aucb nominalen -a — in ai. ved. ta av. ta 
(ai. ta7ii av, yq7i yam und ycc s. § 338 S. 683), gr. rd in siri- 
(m, s. S. 6S4), lat. ista, si quit umbr. eu ‘"ea", air. miia aus 
^se7%-ta [-a eventuell aus 7ia = "^sfia entlehnt, s. S. 792 Fussn. 1), 
got. po ahd. dill (= ai, ved. iya], aksl. ta — batten die o-Stamme 
einen Ausgang -ai, entsprechend der Doppelbeit -a und -ai 
ini nom. sing, der a-Stamme (§ 414 S. 775). Lat. quai quae, 
hai-ce liae^'C, istae-c. Ags. da aisl. pe und abd. oberd. dei, 'das 
vielleicbt aus ^dei-u, einer Neubildung mit Anfiigung des -u 
von dm, verkiirzt war (vgl. aber aucb den du. zivei neben ags 
twd as. twe aus '^'dtioi § 293 S. 647). Lit, tal ^das", durcb das 
das singularische Neutrum verdrangt wurde (§417 

So 777), preuss. kai Svas\ Hierher wol auch die Adverbia lit. 
kai kat-p Vie"* preuss. kai-gi kai-gi (aus dieser Schreibung auf 
urspriinglicbes -cd zu schliessen ist unexlaubt, vgl. mdwi fiir 
77iaim u. dgl.) Svie^, weiter gr. xat und aksl. ce, die urspriinglich 
ebenfalls Vie"* bedeuteten (Verf. Gr. Gr. ^ § 35 Anm. S. 54, § 201 
S. 223); aucb lit. szet-p ’'m = sziai-p, nach dem terp fiir tai-p 
gebildet ward. 

Da diese Bildung auf -ai im Ar. nicht nachgewiesen ist 
(liber den angeblichen av, nom. acc. plur. neutr, vdstrdi bei J 



792 


Die gescWeclitigen Pronomina. Casusbildung. [§ 428 — 429. 


Schmidt Pluialbild. S. 232 f. sieh Bartholomae Stud, zur idg. 
Spxachg. I 75)j so ware es lautgesetzlich moglich, von idg. -ai 
auszugehen ; dieses ware in den europ. Sprachen zii -ai verkiirzt. 
Aber man darf diese Bildung schwexlich von dei gleichartigen 
des nom. sing. fern, trennen, und da hier idg. -cd durch das 
Ar. verbiirgt ist, so haben wir auch dort urspr. -ai anzusetzen. 

Der ^-Stamln ging mit den Nomina. Av. cl. Gxiech. 
meg. oa ‘^quaef und enklitiseh ion. ooa att. xia (s. I § 654 Anm. 
S. 503). Lat. adv. qtda neben quae qua wie masc. qties neben 
qul. S. § 339 S. 684f. 

Genit. plur. 

429. Ausgang der o-Stamme uiidg. daneben 

vexmutlich (vgl. preuss. steison § 427 Anm. S. 790); iibex 

die Quantitat des Schlusssilbenvocals vgl. § 344 S. 688 if. Die 
der Endung ’-som voraiisgehenden -oi und -ei waxen Ausgange 
des nom. plux. masc. Ai. te^am esam av. ae-taesqm aesqm, av. 
avaesqm apexs. avaimm] vexeinzelt av. ae-taidliq^n unter dem Ein- 
fluss des gen. sing, ae-talie., wie got. pize fiir ’^pdize nach pis. 
Ags. dara aisl. im Got. pize^ doch blieb dex Diphthong 

in dem nach ^pdize gebildeten hlmddize (§ 406 S. 76 i); ahd. 
de7^o. Breuss, steison., aksl. tecku] dass auch das Lit. einmal 
diese Foimation besass^ ist aus musujustl zu entnehmen, s. § 456. 

Xibei air. ai ae und cv n- a n- s. S. 778 Fussn. 1. 

Nominate Endung. Av. kqm. Gr. mv. Lat. umbr. 

erom ero ‘'eorum^ von St. ero-\ auch lat. edrum isfbrum u. s. w. 
gehoxen hieiher, da dex zugleich pxonominale und nominate 
Ausgang -drum nach -drum zu einex Zeit geschaffen wuxde, als 
-arum schon zugleich pronominal und nominal wax^ s. § 345 S. 691. 
Ail. i 7 i 7 ia n- wol aus ^sen-tcm = neben fer Lit. tu. 


1) jjDen gen. plur, masc. und neutr. inna n- mocbte icb am liebsten 
als "^-dan aus Horn auffassen, vgl. acc. plur. masc. in7ia aus "^-dds aus ^tos. 
Man wird beim Pronomen Vermiscbung der betonten und unbetonten Plesion 
annekmen mtissen, und ich denke mir, dass in dem pratoniscben Complex 
* sen-do- der etwas starker e Nebenaccent durck die jeweilige Endung be- 
dingt war. Bestand etwa die Endung aus langem Vocal + Cons., so war 



§ 429 — 431.] Die geschlechtigen Pronomina. CasusLildung. 


793 


Ausgang cler a-Stamme uridg. '^-a-6om. Ai. tasam asam 
av. aidluvnw nach dieseni Muster ai. amusam. Gr. horn, tacov att. 
Toov dor. Tav. Lat. tstcirum^ osk. eizazzm-c ‘'earuni\ Im German, 
und Slav, durch Anschluss an das Masc.-Neutr. : ags. Sara aisl. 
peira] got. pizd zunachst fiir ^pdizo nach pizds (dock noch 
hlinddizd] wie masc. pize nach pis (doch noch hlindciize]^ ebenso 
ahd. dero wie sing, dera: aksl. techa: vgk att. todtoov auch fern, 
gegen dor. Taorav § 34G S. 692. 

Wahrend nun in den classischen Sprachen der pronominale 
Ausgang auf die Nomina iibertrat (§ 346 S. 692 f.)^ haben wir 
nominalen Ausgang beim Pronomen in av. kam wie vanqm^ 
air. inna n- wie masc. inna n- (die Femininform konnte freilich 
lautgesetzlich auch aus '"^-cisom erklart werden), und lit. iu wie 
ranJiU. 

^-Stamm lat. quium^ wie ovium, neben quorum, 

Locat., Dat.-Ablat. und Instrument, plur. 

430. Die Suffixe dieser Casus waren die nominalen. 

Der Ausgang des Loc. der o-Stamme -oi-s [-m -si), ai. 

t^u u. s. w., war^ wie aus deni dem Ausgang des prono- 
minalen nom. plur. masc., hervorzugehen scheintj in uridg. Zeit 
einmal auf das Pronomen beschrankt gewesen und von diesem 
auf das Nomen iibergegangenj s. § 186 S. 519 § 357 S. 703. 
Arm. oro-c no-c-a mit -o- fiir -oi- nach gailo-c^ s. a. O. 

Ai. ih-su von fern, ^ta- Tvie dsvd-su u. s. f. Jedoch liber- 
nahm im Slav, die Form des masc.-neutr. techu auch die femi- 
nine Function, wie im gen. plur. (§ 429). 

Gr. TL-ai entweder zu zl-c, wie ocpi-at, zu o<pi-c;, oder man 
hatte es neben etc. gestellt nach der Analogic von Tsy.Tov- 

£c : Tsyto-ai u. dgl. (vgl. § 361 S. 706 liber -/.uzi). 

431. Im Dat.-Ablat. batten vor der ersten Volkertren- 
nung, wie es scheint, die pronominalen o-Stamme -oi- (das 
Preussische zeigt wie in stei-sozi^ § 429), die nominalen 


sie etwas mehr betont, gonst das erste Element, vgl. den span. Artikef 
Sing, el gegen Plur. los. Das neutr. plur. kann eventuell erst aus 7ia (== 
*snd] analogisch entstanden sein.'* Thurneysen. , 



794 


Die geschlechtigen Pronomina. Casusbildung. [§ 431 — 432. 


- 0 - ein Unterschied, der im Balt. -Slav., eventuell auch im Ger- 
man. (nemlich wenn germ. nicht bloss Instrumental suffix 
war, s. § 367 S. 710) blieb. Ai. te~bJiyas av. taeibyd^ wonach 
vrke-bhyas vehrkaeibyo. Lat. Jii-bus^ l-bus — ai. e-bhyas. Even- 
tuell got. pcU-771 ahd. de-m^ neben vulfa~7n loolfmi. Lit. te- 7 ns 
aksl. te-77iu^ neben mlkd-r7is vluko-7nu, preuss. $-tei-ma7is neben 
t€aika-7n77ians ‘'den Knecliten\ Vgl. § 368 S. 711. 

Ai. ta-hhyas av. cwd-hyb^ lat. ea-bus^ lit. td'Tiis wie ai. cisva- 
hJiyas av. hama-byb lat. equd-biis^ lit. ranko-77is, Dagegen fun- 
gierten die masc.-neutr. Formen got. pdi-7n ahd, de- 77 i und aksl. 
U-TTiu mit als Fern. 

Lat. qtii-bus wie ovi-biis^ got. ahd. i-77i wie cmsii-m ensti-77i, 

432. Im Instrum, der o-Stamme zweierlei Casussuffixe, 
wie bei den Nomina. 

1. Ausgang -bh in genauer Ubereinstimniung mit den No- 
mina: ai. this av. idis^ gr. toTc, lat. his els aloes ("illis'') umbr. 
esis-co ‘'cum els'* osk. eizois ‘'eis", lit. tals. Vgl. § 380 S. 717. 

2, Suffixe -bhl{s) -mi{s)j denen, wie im Dat.-Abl., urspriing- 
lich bei den Pronomina bei den Nomina -o- vorausging, 
eine Verschiedenheit, die im German, blieb. Ai. ved. te-bliis 
ved. class. e-hhU^ av. aeibis^ wonach ai. ved. vrhe-bhi^ av. vehr- 
haeihis apers. r7ia7'tiyai-bis . Got. pdi-77i ahd. de-77% ags. dm-77i 
neben got. vidfa-m etc., gleichwie im instr. sing. ags. d'^m aisL 
pehn neben ags, 77iiolcu77i aisl. at hqfdn77i (§ 282 vS. 638, § 421 
S. 782). Aksl, te-77n. Das -o- der Nomina war statt -oL ein- 
gedrungen in armen. o7^o-vK' vgl. gailo-vk (wie im instr. sing. 
07 ' 0 -'V ; gailo-v, § 281 S. 636, § 421 S. 782), gr. aOto-cpi vgl. llso-cpi, 
air. cos7iaib ‘'mit den" d. i. '''co7i se7i-tobis^ \g\.fe7'aib ^). — a-Stamme 
ai. ta-bhis d-blvis av. d-bis^ air. cos7iaib^ lit. to-77ils wie beim No- 

1) Das von Stokes Celt. Deck 105 im Paradigma von e aufgefuhrte 
%b ib gibt es nicbt. Es ist von Stokes aus mir. do}iafih dona hih abstra- 
biert. Dieses entstand aber, wie mich Tliurneysen belekrt, so. Die Be- 
standtbeile des air. donaib-\Ji]l [~[li]l Partikel) verscbmolzen im Mir. so, dass 
die Dativendung hinter -% treten konnte: donafl-h odei; indem air. do7iaih, 
wie gewobnlich; durcb dona h- ersetz, wurde; dona liih. Ein selbstandiges 
lb ist also ebenso wenig anzusetzen wie etwa im Griecb. ein oscoi wegen 
'rotaoeaai. 



§ 432 — i33.j Personalpronomina u. Possefssiva. Allgemeines, 


795 


men. Masculinform als Fern. : got. [fdi-m ahd. de-m. aksl. te-mi. 
— Got. ahd. i-m wie ansti-m ensti~m. 

[UbersichtstalDellen zu § 412 — 432 folgen S. 796 — 799.] 

Die ungeschlechtigen Personalia mit ihren 
Possessiva. 

433. Man hndet hier, wie bei den geschlechtigen Prono- 
mina, Casus von etymologisch verschiedenen Stammen zu einem 
Paradigma verbimden, z. B. ai. nom. vaydm ViPacc. asman Mns"*. 

Haiifiger als sons! erscheinen bei unsern Personalpronomina 
Formen ohne erkennbare Casussuffixe in bestimmter Casus- 
bedeutung gebrauchb z. B. gr. spe ps als acc., und erscheint 
dieselbe Form als Ausdriick fur mehrere Casusbeziehungen zu- 

1 ) Zu den S. 762 f. Pussn. 1 gegebenen Literaturnachweisen kommen hinzu 

Scliasler De origine et formatione pronominum personalium etc. 
1846. Scherer Zur Gesch. d. deutsch. Spr.2 333 fl‘. L. Ceci II pronome 
personate senza distiiizione di genere nel sanscrito. nel greco e nel latino, 
Giornale di filol. e ling., 18S6, p. 3 sqq. 83 sqq. 164 sqq. 193 sqq. J. Bau- 
na ck Remarques sur les formes du pron. personel dans les langues ar., en grec 
et en latin, Mem, d. 1. S. d. 1. V 1 sqq. Torp Beitrage zur Lehre von den 
geschlechtlosen Pron. in den idg. Spr,, Christiania 1888. Wackernagel Uh. 
einige enklit. Nebenformen der Personalpron., Kuhn’s Zeitschr, XXIV 592 ff. 
Verf. Zur Bildung des gen. sing, der Personalpron., ebend. XXVII 397 

Pr. Muller Das Personalpron. in den modernen eran, Spr., 1864. 

Dronke Beitrage zur Lehre vom griech. Pronomen aus Apoll. Dysk., 
Rhein. Mus. IX 107 ff. Cauer Quaestiones de pronominimi personalium 
formis et usu Homerico, Curtius’ Stud. VII 101 ff, Schmolling Uber 
den Gebrauch einiger Pronomina auf att. Inschriften, 1882. 1885. Wacker- 
nagel Zum [griech,] Pronomen, Kuhns Zeitschr. XXVIII 138 ff. J. Bau- 
nack De Graecis pronominibus possessivis eorumque ahlativo genetivi loco 
usurpato, Curtius’ Stud. X 63 ff. Miklosich Uber den reflexiven Gebrauch 
des Pronomens ou und der damit zusammenhangenden Pormen fur alle Per- 
sonen, Sitzungsber. d. Wien. Ak. 1848, S. 119 jff. Verf. Pin Problem der 
bom. Textkritik und der vergleich. Sprachwissenschaft (Reflexivpronominaj, 
1876. Rapp old Das Reflexivpron. bei Aesch., Soph, und Eur., 1873. 
Wackernagel Zum att. Reflexivpronomen, Kuhn’s Zeitschr. XXVII 279 ff. 

Curtius [Lat.] med^ ted, sed, Stud. VI 417 ff. Buchholtz Zum 
lat. Possessivpronomen, Philologus XXXVII 318 ff. P. d' Ovidio Sui pro- 
nomi personal! e possessivi neolatini, Archivio glottolog. IX 25 sqq. 

Gaidoz Des pronoms infixes, Revue Celt. VI 86 sqq. VII 81. 

Bugge Die Pormen der geschleehtslosen personlichen Pronomina in 
den germ. Spr., Kuhn’s Zeitschr. IV 241 ff. 

Bruckner Arch. f. slav. Phil. IV Iff. [Poxtsetzung auf Seite 800.] 



796 

1. o-Sttainie, 


tl)ersiehtstalbellen zur Lelire von der‘ 

Anliang zn 


Uridg. Altind. ; Avest. j Armen. j Griecli. j Lat. ;• 

Sing', nom. ‘so "^so: | 

' qo~s . 

\'qo-l j 

sd sd 'ae-sa hau ,1 '6 ip~se i 

yr 7 I HOI- , : 

ka-s :ko J . 0 -:; >p-su-s j 

ay'-dt/i] '.cte77i = ay\-e77i}\ loo-ef'; ;?j \qiii i 

ace. 

n. ^to~d. 1 

1 

td-'77i 'ae-te-7n ([2 or] 

td-d j 

^ 1 

-6-\ 

TO 

is~tn-77l 

is-tu-d 

gen. rto-slo '^te-sloid-sya \ae-talie ea- j 

! [auch *te-so"l : 

dto-i Ivgl. ?ne :vgl. me 

O7'oy 

TO to TOO, T£ 0 

thess. Tot 

isti-77iodl is- 

tlus 

instr. "qe-na ^qo~na: 'ketia .ka7ia 

toy-mi: sane-7)ii 

"te ^id: [ -td 

j . 

foro-r 

(Tgl. 

ird), Tt-fj-noyro 

quo 

abl. Hod: 

'*tea77idd ^te- 

S77ied . 

idd d^ 

tds77idd ao-taIi77id^ 

■ 

■ 

y 07‘77ie 

0) 'unde" 

is-td 

dat. 

*tesmdi '*te- 'tdsmai ae-tahmai 

sme[i : 

HbiV. 1 

07'U77l 

T^ 

is-tl 

is-td 

loc. 

*tes77ii *tes77ii7i, tdsmiii ae~iali7ni 

*tes7ne : ! 

'*te : 

'^toi *tei 

07'U77l 

(Ygl. d-Tt[J.t) 

TT^ adv. 

7:01 r. £t 

00 in ce-do 
Ifl-C \ 

Plur. nom. 

f e te tdi 

“orA* 

TO L 

is-tl \ 

acc. 

'^tO-7lS l't077Sl^ . 
n. Hd: 

n. 

tqs ta7i taji 

tu, tuni td, yaji 

's or . 9 

TO VC to6c 

TCt 

vgl. %ai 

is-tds 
is-ta qua 
quae 

gen. 

Ho^-sd77i {*tei- 

S077l] . 

te-hd77i ■ae-taesq77i, 

rkq77i 

xoroc 

7Td)V 

\eu77i, istdrum 

loc. 

-su -si: 

te-su ae-taesu 

foroc 

TO tC TOlO 1 

is-tis (?) 

dat.-abl. 

'^toi-hh- -771- 
[He^-hh- -771-]: 

te-hJiyas taeibyd 

f dat. oroc, abl. 

y 07'oc 

[toIC TOlCt] 

lil-bus l-bus, 
[isfis] 

instr. 

^idis: 

'^tojpbhl{s)-7ni{s]: 

iitzs mtiXifS 

te-hliis \aeihis 

\07'0-vJi 

TOtc [to tat], 
faUTO-cpt 

is-tis 


1) Eittzelspracliliclie Formen, die nur ilirem Gel3raTicli nacli in die im Paradigma ilmen zngewiesene Stelle ge-; 
horen. nnd Hirer Biidnng nacli einer andern Casnsrubrik znfallen, sind in eckige Klammern [ ] gesetzt. G cs p e rrteri 
Z^r-ucfc bezeicliuet, dasa die Form inbezng anf ihren Beclinations-Ausgang als lantgesetzliche Fortsetzung der nridg. ^ 


^Declination der gesclilechtigen Pronomina. >) 797 


§ 412-432. 

1 Umbr.-Samn. 

Ir. 

Got. 

: Abd. 

Lit. 

j Preuss. 

Aksl. 

|umbr. e~?^e 

Ifosk j:> 0 i 

ne-ch 
cia, e (?) 

sa 

he a- s 
sdi 

'hive-7' 

'■the ags. se 

h d-s 

\ha~s 

[ku-to] 

'^osk. ion~c 

Josk. 'po-d umbr. 
1 es - 1 e 

171 71- 

p an- a 
pat-a 

'.de-n 

tq 

ge7'a [tal] 

\s-ta~7i 

\s-ta 

tu 

to 

r 

ai ae 

pis 

\des 

\to] 

[s-te~ssei 

togo, ce-so 

0 

iiid 





vgl. 77li 

i 

'umbr. se,i“po- 
; druh-pei 

7ieuch 

pa 

jags, cl ^-771 
\din 

tu 

\ 771 ai 771 (?) 
'-.s-tu 

te- 171 1 

iosk. eisud 


pa 771771 a 

\de77iu 

to 1 

i 

togo 

jumbr. e-smei, 
i osk. altrei 

[nench] 

pa 771771 a 

'\de77\i(}^ 

td77lUl 

'\s-tes7nu 

tomu 

\ 

•osk. ee[-hnu$ti 
:osk. efsef 


pei ; 

ta77ii77\-pi ta- 
77ii, ta77ie 
te 


t077l% 

te 

:osk. Tpus 

ind, e 

pdi 

'■de dia 

tl 

'■s-tai 

ti 

■umbr. eo 
•umbr. eii 

i 71 n a 

17171 a 

pa7is 

p-o 

\[de dia] 

\diu 
jags, da 

tus tics 

tat 

',s~ta7is 

\hai 

ta 

vgl. ce 

:Umbr. 

I 

ai ae, a 7i-, 
^in7ia 71- 

pize 

\dero, vgl. ags. 

I ctdra 

•{tu 

\s-teiso7i 

te-chu 

iosk. eizois (?) 


[P)di77i\ 

'\de 771 ags. 

tusu tuse i 

te-chu 



pdi~77i (?) 

\de- 77 % ags. dce- 
! -w(?) 

te-77is 

.s-tei77ia)is 

de-mu 

(osk. eizois 

\eosnaib j 

i 

pdi -77% 

'\de-77x ags. 
j ddd-rci 

tats 


■te-77ii 


i’orm gelten darf. Ubergang voa der pronominalen Deelinatiou zar nominalea in 7 ]gt durcb vor- 

gesetzes f gekennzeiclinet. — Aus Mangel an Eanm sind die Dualcasus (vgl. § 42(> S. 7** ■ . .. weggelassen. 


79S 


UbersicKtstabellen zur Lebre 


2. «-StIlmme. 


Uridg. ) Altind. Avest. ' Griecb. Lat. 

Sing. n :^m. 

''"sa \s^i It a 

^qai'. ; fu'oi xicac- 

i ■ 

\'y dor. a 'ij^-sa 

^ \quae 

\ i 

i 1 

acc. 

^ta~7n ; 

]tu-m itT/n 3or. Ta-v 

‘ ! 

\ista-7n 

\ 

\ 

gen. 

*tosias ^tesias. \tdsyas actanhd 

yTy, dor. Ta; 

j:istae 

i 

j 

abi. 

*tosias '^iesius' \tdsyas ahlid^ i"b?- dor. 

1 i 

' 1 

'•\‘istd{cl) 

dat. 

"^toshii '^teaiay. 'tdsydi -kaltyai 

Daneben : \ 

zy dor. Td 

istae 

loc. 

^tosidi '^iesfdr. tdsymn kanhe 

' " 1 

Daneben 

boot, tai 


instr. 

'^taid . ae-taya 

Daneben ^ l/dy.) 

i 

, dor. T a u T d 

hd-c ; 

• 

: 

Plnr. nom. 

*tds-. ins iti 

[Taij 

[istae] 

acc. 

'"tus : ,tus tu 

i j 


is~tds 

gen. 

^ta-sdm : 

td-sa?7i unit am ^ -\k(un 

TdCDV TOJV Tdv 

is-tdr u m 

loc. 

1 

Has su si' \tu-si£ d-liu 

! 

T'?jGt, 'zaizi, Tai; 

[edhus] \ 

dat -abl. 

*ta-hli — m- ' 

tu~hhyas ava-hyo 

talcg Tctic] 

ed-hus \ 

instr. 

Hd-hhi[s) -mi[s) ; 

tu-hhis ci-his 

Tai; [tfjGt, xalGi] 

[edhus] \ 




Ton der nominaleu Casusbildung. 


799 


Umbr.-Samn. 

I Ir. 

Got. 

\ Abd. 

1 Lit. 

\ Aksl. 

osk. lo-c 

osk. 2 ^ae pai 

iyi d 

1 

so 

■ d i u 

td 

preuss. anal 

ta 

osk. pa am 

in n~ 

\]>T, 

\dea dia 

tq 

tq 


ai ei , dinyia 

\]>iT,0S 

der a, ags. d^re 

■\tdSj Tgl. preuss., 
s-tessias 

osk. ieha-c 



\tds 

toji 


-ind 

pizdi 

'■deru dero 

preuss. s-te$siei 
lit. taz 

toji 

osk. ejisai 

issind 

pizdi 

deru dero 

• 

toj-e 

doji 



[Jyizdi] 

deru dero 

alit. taj a 

td 

'tojq 

osk. pas 

in 71 a 

pds 

[deo dio 

tos 


osk. ekass 

inna 

pos 

'deo dio 

ids ids 

dy 

^osk. eizazun-c 
\ 

\hma 71- 

pizd 

dero 

■{td 

ie-chii 



[J)dhn] 

[deyn] 

td-su -se 

M-chit 

1 


pdi-7n{'^ 

,de~77i '(1) 

to-yns 

'.te-ynu 

1 

cosnaih 

pdi-m 

' de-7n 

to -7ms 

\te~7ni 


Brugmann, Grnndriss. II, 2. 


51 



soo 


Personalpronomina u. Possessiva. Allgemeines. 


r§ 433. 


gleich, z. B. ^mo-i (ai. me ii. s. w.) als Loc., Dat. iind 

Gen. Diese ilexivische Armut weist claranf hin, dass diese 
Pionominalclasse sehi altertiimlicbe Vexhaltnisse festhielt. In 
den einzelsprachlichen Perioden wuiden aber in ihr allerlei 
flexivische Unterscheidungen neu eingefiihrt und eine grossere 
Ubereinstimmung ihrer Declination mit der der iibrigen Prono- 
mina nnd der Nomina erreicht. Bei diesen Neubildungen ge- 
riet man bald in das Geleise speciell masculinischer, bald in 
das speciell femininiseher Casusformenj z. B. ai. acc. asman nach 
masc. tan^ dsvZoi (§ 443, 2y\ gr. gen. sus-To nach masc. ro-To i 7 r 7 ro-io 
(§ 450), ai. loc. asma-su nach fern, ta-sii, dlvd-sii (§ 44S), aksl. 
instr. munoja fern, tojq^ Tqkojq (§ 449) ^ ohne dass sich die 
geschlechtige Bedeutung der Miisteiformen den Personalia mit- 
theilte^). 

Die Pronomina wvr und ihr batten sicher in mehreren Ca- 
sus einmal singularischen Ausgang (vermutlich ohne darum eines 
Pluralzeichens zu entbehren! s. § 436 mit Anm. 2). Ihre Col- 
lectivbedeutung aber und der Umstand, dass sie oft mit plura- 
lisch flectiexten Formen appositiv oder piadicativ verbunden 
wurden, fiihrte ihnen im Ausgang pluralische Casuszeichen zu, 
wie z. B. im lon.-Att. fiir = lesb. ajxjxs (vgl. sps) die 

P'orm Yjpia; eintrat. 

Wahrend durch diese Pluralisierun^ des Aus 2 fan 2 :s der 
Formen von wir und ihr diese Pronomina sich von den Prono- 
mina ich und du entfernten, Tvurden anderseits auch wieder 
Bexiihrungen zwischen den beiden Paaren durch P'ormiiber- 
tragung neu hergestellt, z. B. vrurde nach ""du^ im Armen. 
duk ‘'ihr^, im Pali tumhe ^ihr^ (vgl. ved. yusme) gebildet (s. § 437). 

In der uridg. Zeit, da unsere Pronomina noch wenig Be- 
riihrung mit den andern Pronomina und den Nomina batten, 
bildeten sie eine kleine Welt fiir sich, und ihre weitere Ent- 
wicklungsgeschichte lasst uns das Wirken der formgestaltenden 
Krafte, das bunte Wechselspiel der Associationen reiner be- 
obachten als die Geschichte anderer Wortclassen. Diess wird 

1) Auf das einzige ai. ved. £em. ytihauh fur Vajas.-Sab. 1,13 

und 11; 47 ist nichts zu geben. S. Belbruek Synt. Porscb. V 204. 



§ 433—434.] Personalpronomina. Etymologisches u. Stammbildung, 801 


wol auch schon in der uns diirch den Plan unseres Weikes 
auferlegten knappen Darstellungsform^ bei der das blosse Deuten 
iind Einregistrieren meist die Stelle der Geschichtschreibung 
(d. h. der eigentlichen wissenschaftlichen Darstellimgsform) ver- 
treten muss, erkennbar sein. 

1. Etymologisches und Staynmhildung . 

434. Das Pronomen ich zeigt 

1. im Nom. '^egh- und ''eg- (iiber den Wecbsel gh : g s. 1 
§ 469,8 S. 348 f.). Ai. ahdm av. azem. Vom armen. es ist un~ 
klar, ob es auf "^egh- oder auf '^eg- zu beziehen ist^). Gr. eyo). 
Lat. ego. Got. ih ahd. iJilia zu ^eg-, dagegen nord. run. ^ga (jcz) 
neben %a zu ''^egli-\ westgerm. auch ''ih (ags. Ic nhd. frank. 
aicht)^ das nur als Dehnung nach der Analogic von '^pu be- 
greiflich ist. Alit. esz nlit. ctsz lett. es preuss. es as, der Zischlaut 
im absoluten Auslaut und vor tonlosen Consonanten tonlos ge- 
worden (wobei indess zu beachten ist, dass preuss. s sowol 5 
als z darstellt) ; der Anlass des Ubergangs des e- in a- in nlit. 
dsz preuss. as ist unklar. Das auf alteres ^^ezu weisende aksl. 
^azu jazii nsloY. ja (I § 76 S. 67) hatte Dehnung des e- nach 
dem y von ty erfahren, wie westgerm. Hk nach "^pu. 

Der Consonant von "^egJi- findet sich im dat. ai. mdhyam^ 
lat- mihl umbr. mehcy armen. wg (aus ^emegJi-) wieder. Es 
scheinen also Zusammensetzungen vorzuliegen: e -j- §h- und 
me gh- [eme -{-■ gh-) . Indessen begann vielleicht auch der 

1) Von aus erwartet man ^ez, ygl. lizum : ai. lehmi I § 410 S. 304. 
es konnte aus "^ez vor tonlosem Anlatit entstanden sein ; man fragt da frei- 
lich; warum gerade bier und nicht z. B. aueb bei Uez diese Sandbigestalt 
verallgemeinert wurde. Als Portsetzung von idg. "^eg- erwartet man zu- 
nacbst '^ec nacb I 409 S. 304. Indess konnte im Armen, s neben c gestan- 
den baben, abnlicb wie c neben j == §h, was nocb naber zu untersucben 
bleibt (vgl. aucb von Fierbnger Eubn’s Zeitscbr. XXVII 479j. Jedenfalls 
mussen die einscblagenden armen. Lautgesetze nocb genauer erforscbt sein, 
ebe man den Scbritt wagen darf, den Bartbolomae Bezzenberger's Beitr. XIII 
54 tbut: er scbliesst von es auf ein idg. das damals im absoluten Aus- 
laut aus '^eg entstanden sei. Icb glaube nicbt, dass sicb eine solcbe Form 
unseres Nominativs obne Vocal binter dem palatalen Verscblusslaiit als 
uridg. uberbaupt nacbweisen lasst, s. § 439. 

51 ^ 



802 Personalprononiina. Etymologigehes u. Stammbildung. [§ 434 — 435. 


Dat. einmai mit " ecjli- xind wxirde spater ini Anlaut nach. dem 
Muster der andern Casus obliqui umgestaltet. 

2. '^eme- ^ine- Ob ^eme- die urspriinglichste 

Form Trar, aus der '^me- diirch Ablaut schwachung her verging 
(vgl. ^'teiie- "^teuo- : "^tue- ^tuo~ § 435), oder ob in *e77ie- sich die 
Prouominalstamme e- und me- verbunden hatten (x"gl. gr. l-xst 
lat. e-qidde7n ti. dgl. § 409 S. 767 K und das oben unter 1. iiber 
Gesagte', ist nieht aiiszumachen, Ai. me av. 772e apers. 
77udy\ gen. ai. md77ia vielleicht fiir ^a77ia, s. § 450. Armen, gen. 
m aus 67716 \ '^7716- in 77ieJi. Vir^ >§ 437, 1. a.). Gr. iaot und pol. 
Lat. 77U. Air. 7776. Got. 77ii~h ahd. 777{-Ji. Lit. 777(me^ aksl. 77ie. 

435. Das Pro no men dti zeigt folgende eng zusammen- 
gehorige Staminformen : 

1. ^tene-^teiio-. Ai. fata sx.tava. Gr. raiv TcO-;. 'Ldd. tovo-s 
tuo-s. Air. do- meymr. ten. Lit. tave ideas. 

2. ^tue- Ai. tvd77i av. Jmcwi apers. puvmi. Armen. 

Jdz Ho (I § 360 S. 27S). Gr. cs aou Preuss. iieais aksl. teoji. 

3. Ai. te av. ie apers. taiij. Gr. tot. Lat. te till. 

Air. Halt Von diP aus ^ua ti (oder aus Got. pema^ 

ahd. di-Ji. Alit. ti preuss. tehheij aksl. ii tehe. 

4. ^tu '^tu, nom. und acc., ai. tni'(-d772) gr. a6 u. s. f., s. 
§ 440. 442. 

Gleichartige Stammvariation hndet sich beim Keflexivuni 
§ 438: ^setqe-, ^sue-, 'Ae-, doch kommt als Seitenstiick zii 

in der Casusbildung nicht vor (Torp Beitr. zur Lehre von 
den geschlechti. Pron. 14 vermutet diese Stufe in dem Prafix 
ai. su- etc. ^guP, doch diirfte dieses eher das Suffix -u- von 
rfis- u. dgl. enthaltenk Im AblautverhMtniss zu einander 
standen '"tet^e- -se7ie~ : ^tiie- '^me- : Aber zweifelhaft ist 

das Verhaltniss von "^te- "''se- zu diesen Formen. 

Anm. Angesiebts von Doppelbeiten wie gr. e- ~ und lat. 

sex (§ 170 S. 476) mochte man annehmen, dass in ^siie- in uridg. Zeit 

nnter irgend wclchen satzpbonetiseben Bedingungen geschminden sei. 
Db das im enklitiscben Gebrauch gesebak xrie icb I § 187 S. 163 nacb 
Wackernagefs Vorgang annabiH; ist zweifelhaft, Torp’s Einwand (a. 0. 10)^ 
dass das betonte avest. taihya kein u, dagegen das enklitiscbe ai. tva u 
zeige, liesse sicb leiebt durcb die Annabme beseitigen, die iirsprunglicben 



§ 435—436.1 Personalprononiina. Etymologisches \i, Stammbildung. b03 


laiitgesetzliclien Verhaltnisse seieii durch Formubertragung gestort TTorden, 
wie ausserdem ja moglicb ist, dass die Form ai. ted zu ihrer A^erwendung 
als Atonon erst zu einer Zeit kam, als jenes Lautgesetz, durch das u weg- 
iiel, nicht mehr wirksam war. Torp S. 5. 9. 12 und Johansson Bezzenber- 
gers Beitr. XV 313 f. XA^I 163 meinen, ^teite und'^5e?fe, aiis denen ^tiie 
'^iu '^si^ durch Ablautschwachung entstanden, seien aus '"te '^se und 
zusammengesetzt identificiert Torp mit dem Stamm von ai. vas lat. 

VOS; gleichwie er das '^-ue im gen. aksl. me-ne av. ma-aa mit ai. nas lat. nos 
zusamnienbringt}; und ^to- "^se- '"so- in ai. te prakr. se u. s. w. seien 
noch diese unerweiterten Grundformen. Fiir diese Auffassung wurde be- 
sonders gr. c-cpi sprecheii; wenn sieh erweisen liesse (was natiirlich wol 
immer unerweislich bleiben wird), dass sein c- eine Ablautphase zu dem 56^- 
von aksl. se-he lat. si-h~i u. s. w, war, 

436. Das Pro no men ivi?' zeigt folgende Stamme: 

1. %(?-. Ai. tay-cm. av. vaem. Got. 'teis ahd. wh\ 
Auch dualisch got. lit. ve-du, aksl. vL 

2. '^ne- ^ne-s- '"no-s-] da die 6-Exweiterung, wie bei 

'"ue-s- ‘^ihr^; niir im pliiralischen, nicht im dualischen Ge- 

branch erscheint, so war sie wol mit dem in den Pluralcasns 
der Nomina anftretenden Pluialzeichen s identisch. Ai. ?zaSj 
av. ?id. Lat. nos. Air. ni; liber sni s. unten Anm. 2. Got. uns 
— Aksl. 7iasu. Auch dualisch: ai. 7iazi^ gr. vcbi, air. ziatJiar^ 
got. ugh ~ '^7i-he (vgl. ?7ii-h), aksl. 7ia; das a- von ai. civcm diirfte 

gewesen und das -vcmi aus ijimctm = yU-\-am iibertragen 
sein^ s. § 457. 

Ferner '^}i-s77ze oder besser wol *7],s-sme (vgl. Anm. 2) mit 
derselben Partikel, die wir in ai. td-smad u, s. w. § 424 S. 787 
kennen lernten. Ai. asmcm ^iT. ahzna^ gr. lesb. apixs att. yjtxac. 

Das Pxonomen iJir zeigt folgende Stamme; 

1. Hu-. Ai. yuyehn., av. yics. Arm&n. jez mit e durch An- 

lehnung an ""nobis^ Got. Jus. lAi.Jus. Auch dualisch: ai. 
yuvdm. got. (§ 457 S. 830), \ii.Ju-du. 

2. und Hie-s~ Hw-s- (vgl. oben '^ne-s- ^no-s-]. Ai. 

av. m. Lat. tos. Preuss. wans., aksl. vy vasu. Auch dua~ 

lisch: ai. vcwi^ aksl. va. 

Entsprechend dem ^7}sme^ '*7is-sme ist wol nach Thurneysen 
Kuhn's Zeitschr. XXVII 175 ein ^usme^ "^us-sme (vgl. Anm. 2) 
anzusetzen. Daher lesb. opijjLs att. upac, weiter ai. yitsmtin av. 



804 Parsonalpronomina. Et\TQologi5clies u. Stammbildung. [§ 436. 

yuhmai-hija . in die ij- nach dein Muster des nom. ai. yuydin 
ay. ylis eingefiihxt war (vgl. altdan. vos{^ neben os{s) Mns^ nach 
dem nom. vl Svir^ 

Anm. 1. Da av. ^?'isma- regelmassig mit u gesclirieben ist, so ist hier 
auf die Langenbezeichnung vielleiclit mebr Gewicbt zu legen als in anderii 
Fallen : il yar aiis dem nom. yus yuze?n ubertragen. Unklar ist, wie sich zii 
yusma- die Nebenform xsma- verbielt (vgl. Bartbolomae Ar. Forsch. Ill 191). 

Anm. 2. '^ns~s?7ie und '^us-stne als Grundformen baben darum mebr 
fiir sicb als '^'n-sme imd ^u-sme, well nacb Ausyeis von ai. tdsinin n. dgl. 
(§ 423 1 S. TS4 ff.; das Element S7ne mit der IS’umerusbedeutung nicbts zii 
thun batte nnd die iiiclit mit ibm zusammengesetzten Formen toii 
nnd '^ye- sonst, yo sie pluraliscb, nicbt dualiscb auftreten, iiberall einmal 
-s, das Pluralzeicben . gebabt zu baben scbeiiien. Es ist biernacb nicbt 
ricbtig, yenn man sagt, Formen yie ace. ay ahna lesb. entbehrten 

eines Pluralzeicbens ; sie batten es y or dem -smc, und der acc. yar 

nicbts anderes als = got. acc. tins mit angebangter Partikel ^S77ie. Ygl. 
das in § 424 S. TST tiber die Entstebung von lit. tame auf Grund eines uridg. 
loc. *te-S7ne Bemerkte. 

3. In engereni Zusanimenhang mogen gr. du. a-ocu hhr 
beide^j air. si (in alter Enklise -h) = cymr. chid aus ^s-ties und 
got. iz-i'is gestanden haben. Charakteristisch ist ihr das einen 
besondern Stamm darzustellen scheint. 

Anm. 3. Das S von aisl. ySc yfivctr war an die Stelle von s {b] ge- 
treten : in ^inviR *iRvaR wurde das eine von beiden r durcb Dissimilation zu 
(T, yie freSinn fur frei'hin u. dgl. (s. Bugge Eubn’s Zeitscbrift IV 252; . 
Das sicb so ergebende got.-nord. konnte fui' "s-i/i- "^s-ye- eingetreten 

sein durcb Anlelinung an das im Mestgerman. vorliegende. allgemein zu 
flit, jiis) gestellte '*un-. Docb ist eine andere Auffassung yeit giaub- 
hafter. Das Urgermaniscbe batte neben einander "^ueis) und '^s-7ye{s]. Vor 
beide trat die Partikel e, die in gr. l-xsT, ai. a~chjd 'heute’ a-sciu 'jener’, lat. 
e-quidem umbr. e-tantu 'tanta’ ii. dgl, (§ 409 S. 76T ff.), vielleicht aucb in 
lat, e-nos im Arvallied (vgl. §437, l.a) vorliegt. So verbielten sicb nun 
"^e-ue- (yestgerm., abd. iu ags. eoio etc.) und ""e-s-xie- (got.-nord.) zu ein- 
ander yie umbr. e-tantu und e-s-tu ustum’ (vgl. aucb lat. istum), 

Nacb dieser Auffassung batten die Elemente vor ^ue[sj keine besom 
dere Beziebung auf die 2. Person, und so Hesse sicb c-cpd) yol aucb mit 
vermitteln (vgl. 'VYackernagel Eubn’s Zeitscbr. XXYIII 139 1). 

Die Ansicbt Torp’s S. 35, ^isid- sei aus Hus^tie- bervorgegangen , 
ist lautlicb ebenso misslicb yie seine Annabme, im lYestgermaniscben sei 
das s von got. izv als r zunacbst im gen. abd. iuwer as. iicar durcb Dissi- 
milation gescbyunden, und danacb sei aucb acc. abd. iuivih statt ^irwili 
u. s. y. gebndet yorden. 

Was die kelt. Form betrifft, so yare zyar die Mdglicbkeit nicbt aus- 
gescblossen, dass s- in urkelt Zeit aus dem Ausgang der 2. pers. plur. des 



§ 436—437.] Personalpronomina. Et^mologisches u. Stammbildung. 


805 


Yerbums abgelost ^nirde und mit dem Pronomeii verscbmolz (Torp S. 40), 
nur wissen Trir gar nicKt, ob diese Personalenduiig im Kelt, wirklicb. "^-tes 
(Tgl. lat. legit is) Trar. Das s- tou ir. s-7ii ist ini britanniscben ZT^eig nicbt 
nachweisbar. Es kann ans der baufigen Yerbindung mit is stainmen, indem 
issni ill is sni zerlegt wnrde, abnlich vrie im Mir. aUvS isse ise ^est is’ = is 
e, zugleicb Tielleicht aus olse "inquiP der nom. se fur e erwuchs (Thurneysen) . 
Es kann aber auch, und z’^var schon in urinselkeltischer Zeit, nach ^s-ue- 
Yos’ aiialogiscb eingefubrt sein (vgl. § 437), Dock yergleicbe man auch die 
s-losen Eonnen air. naihar nm* Yon uns beideii. 

437. Die Formation des stammhaften Theiles unserer Pro- 
nomina erfuhr in einzelsprachlichen Zeiten dadurch manche 
Xeuerung, dass das eine sich nach dem andern richtete. Wir 
stellen diese Analogiewirkungen, von denen einige schon be- 
rlihrt sind^ hier iibersichtlich zusammen. 

1. richtete sich loir nach icli^ ihr nach du. 

a. “ZhV nach ich. Pali mayam flir ai. xayam. Armen. meH'^ 
von diesem Nom. aus drang dann m- in die andern Casus ein 
fiir n~^ z. B. instr. me-tU^ gleichwie im Lit. z. B. dat. ^7m-mus 
nach mes in mu-mtis verandert wurde (s. u.). Ngriech. igsl; fiir 
r^lizic. Das lat. ends im Beginn des Arvalliedes fiir ?ids nach 
ego (Stolz Lat. Gr.^ S. 346), wenn es nicht vorgesetzte Partikel 
(vgl. e-quidem u. dgl.) vrar. Lit. ?ne$ aksl. 77iy (wonach im Lit. 
7n- auch im Dual, 7nn~dii). Im Balt, ging 7n- vom Nom. zunachst 
ziim Acc. liber: lit. 77ius preuss. 7nans^ vgl. aksl. noch 7iy\ im 
Lit. verbreitete sich m- dann auch noch auf die andern Casus, 
musu mu77is mu77iis musyje^ vgl. preuss. noch nonson 7iotimans 
(aksl. 7iasu 7ia7nu 7ia7ni), 

Anm. 1. Das m~ in aisl. mer iixr ve7' und in bd. dial, mir iner fiir wir 
war aus dem auslautenden Consonanten der vorausgebenden Yerbalform 
entstanden. Ebendaber der Dental ron aisl. per iter und bd. dir der Yosb 

b. ihr nach du. Pali tu7nlie fiir ved. yuime. Armen. duJc 
(in den andern Casus blieb jedoch im Gegensatz zur 1, Pers., 
wo n- durch das w- des Nom. verdrangt wurde). Ngriech. iozic, 
nach lad (mit i- nach syco). 

Anm. 2. Die umgekebrte Neubildung, die Yon ich und du nach wir 
und ihr, diirfte nur in den Casusendungen zu finden sein, z. B. pali gen. 
mamam tavam fiir mama tava nacb a^jihaham tumhaham, ay. dat. taihyo nacb 
yusmaoyo (§ 445;, mbd. gen. 7nmer diner fur nmi din nacb imser iuioer. 



S06 Personalpronomina. Etymologisclies u. Stammbidung. [§ 437 — 43S. 


2. richtete sich ich nach du. loir nach ihr unci urn- 
gekehit. 

a. ich nach du. Air. gen. (possess.) mo mu mcymr. meu 
nach do du mcymr. ten. Lit. gen. mcmej wol mit a fiir e (vgl. 
d.'ksl. me?ie) nach taves (anders Briickner Archiv IV 17). West- 
germ. hch^ aksl. {j)azu mit Vocallange nach ^tu, s. § 434 S. SOI. 

b. du nach ich. Ngriech. ia6 nach syo). Yielleicht umbr. 
Horn nach '^miom (wie umgekehit frz. mon nach toil)., s. § 442. 
Cymr. dy nach mij (y^-). 

c. loir nach ih\ Ai. du. cizcim vermutlich mit -cam nach 
yuv-dm. s. § 436 S. SOS. Gr. dor. anic att. -yysT:; mit " nach 
ops? o|x£ic. Air. s~ni neben iii vielleicht nach "s-zie-, s. § 436 
S, S04f. Im Balt, wurcle das u von Jii- heriibergenommen; preuss. 
nou-son non-mans [ou = Ti) nach iou-son iou-mans (vgl. aksl. 
na-su na-mu), lit. mu-su mu-ms etc. (mit m- fiir n-^ s. La) nach 
ju-su 'ju-ms etc. Lit. mes fiir ^mes wol nach Jus. 

d. ihr nach icir. Ai. yuy-dm mit -y- nach vay-dm. Armen. 

Jez Jer u. s. w. mit e statt u nach mez mer u. s. w. Ahd. ir ags. 
jl aisl. er nach icir ice ver [got. Jus) ^ entsprechend im Du. ags. 
^it aisl. it nach %cit vif (got. ^Ju-t). Ferner entstanden auch 
got. igqis aisl. ykkr hd. ink enk ags. inc nach got. ugkis aisl. 
okkr ags. unc\ entsprechend clem acc. ugk — {'§ 436 S.* SOS) 

mag es zuerst ein '^u-k{e) {u- als Tiefstufenform von ^ue-) ge- 
geben haben^ hieraus ^mk- '^inku-. indem nach dem Verhalt- 
niss uns- : izt- (westgerm. iiji-) i- als das charakteristische Element 
der 2. Person erschien, vgl. Torp a. O, 49, Johansson Bezzen- 
bergers Beitr. XVI 144. 

438. Als Beflexivum ixvagieien'^seiie- ^sue- '^se-^ die in 
demselben Verhaltniss zu einander stehen wie ^teue- 
s. § 435 S. 802. 

1.‘ '^seue-'^seuo-. Av. hava- ‘'eigenb Armen, gen. iu-r^ vgl. I 
§ 560 S. 417. Gr. ki siVj 46--. Lat. sovo-s suo-s^ osk. suveis 
gen. ‘'suP. Unsicher ist, dass hierher gehore mcymr. eiz bret. 
ho ""ihPj plur. zn y e ‘'eius^ (S. 778 Fussn. 1), kelt. ^souo- aus 
^seiio- nach I § 66 S. 56 f.^ so dass die A'ertheilung der beiden 
Pronominalstamme in Ein- und Mehrzahl die umgekehrte ware 



§ 43S.] 


Personalpronomiiia. Etymologiselies u. Stammbildung. 


807 


wie die fianzosische von suus und iTloriim\ denkbar ware auch^ 
dass eu imd ho zu ax. am- aksl. ovu (§ 409 S. 769) gekortenj 
ferner dass sie diialische Genitive m. xj e waien^ dem ai. ayhs 
entspiejshend (vgl. bair. du. und enh als plur. ""ihr^ und ‘^euch^). 
Lit. sax^e moa-s, 

2. '*' 6 X 10 -. Ai. svcl-s av. ga|), hva- apexs. uva- ""eigen^ 
;I § 558, 3 S. 415). Armen. m-M?i ‘'ipse^, gen. in-Uean. Gx. s, 
6-c. Umbx. svesu Wum^. Ah. fern fodeixi ‘^selbst\ Got. 

(gen. sx^esis) ^eigen^ Pxeuss. stfxiis aksl. svojt ‘'suus, eigenk 

3. "^se-. Pxakx. se^ av. he apexs. saiy] der Wechsel 
zwiscben h- und s- im Iran, wax von dem Auslaut des voxaus- 
gehenden Woxtes abhangig (vgl. I § 556, 1 S. 411), dock fan- 
den Vexallgemeinexungen der einen und dex andexn Form statt, 
indem der Ga{)adialekt die Foxmen mit s-^ das Altpexs. die mit 
h- ausmexzte. Gr. i ol aus *aoi neben /oi? Lat. $e sihx^ 
umbx. se-so 'sibF osk. sifei ‘'sibik Got. si-k ahd. si-h. Pxeuss. 
seilei aksl. sehe ‘'sibik 

Etymologisch nicht geniigend aufgeklaxt sind gx. ccpob acpL(v) 
etc. Diesex Stamm scheint von c-cpL(v) (mit dem Casussuffix 
-cpi -cpiv) ausgegangen zu seln, das, mit Foxmen wie s|jllv octijaiv 
associiext, Gcpi, acpo5 etc. nach dem Muster von ijjLs ajxi, sjjiou etc. 
nach sich zog. S. Vexf. Kuhn^s Zeitschr. XXVil 399 £., Gx. 
Gx.2 S. 134, Wackexnagel Kuhn’s Zeitschx. XXVIII 139 if. und 
oben § 435 Anm. S. 803, §.436 Anm. 3 S. 804. 

An den in § 437 bespxochenen analogischen Neuerungen 
wax auch das Reflexivum betheiligt, Theils activ, indem seine 
Foxmen im Vexein mit denen dex 2, Pexs. Umandexungen von 
Foxmen der 1. Pexs. hervoxxiefen, wie z. B. Kt. maxie sein a fiir 
e nach taxje und save exhielt. Theils passiv, indem die andexn 
Pxonomina Anderungen am Reflexivum bewixkten, z. B. gx. lesb. 
aacpi aacps (wenn diese Foxmen iibexhaupt anzuexkennen sind, 
s. Wackexnagel a. O. 141) mit d- nach dixai dp^xs. 



808 


Personalpronomina. Casusbildung. 


[§ 439—440. 


2. Casushildung^'j . 

a. Ich clu, die pluraiischen vnr Hit und das Reflexivum 
nebst den zugehoiigen Possessiva. 

Noniinativus. 

439. Ich. Uridg. vermutlich '^eg[Ji)o nnd ^eg[]i)d (vgl. 
und § 415 S. 776), zum Theil durch die Partikel -m erweitert. 

1. '^eg[h)o. Urgerm. woraus nach verschiedenen Be- 

tonungs- und Sandliiverhaltnissen got. ik^ ahd. ihha Hi li. nord. 
run. k ^ga eh ik aisL ek aschwed. iaJc^ vgl. Noreen Aikiv f. nord. 
Phil. I 175 ff. und PauVs Grimdriss I 49S, Brate Bezzenb. Beitr. 
XI 174 Burg Die alt. nord. Runeninschr. 20 £. 5k Kluge 
Pauls Grundr. I 347. 359 f. 394, Bremer Zeitschr. f. deutsch. Phil. 
XXII 249, Johansson Bezzenb. Beitr. XVI 166. 169 f. Lit. esz asz 
preuss. es as lett. e$. Vielleicht hierher armen. es. — "'eg{h)om. 
Ai. alidm av. aze7n apers. ada?7i. AksL azir, iiber das /a der 
modernen Dialekte s. Solmsen Kuhns Zeitschr. XXIX 79. 

2. ^eglid. Gr. syw. Lat. ego. Vielleicht hierher armen. 

es. — g{l})o77i. Gr. sycov boot, loiv id)v (vgl. Verf. Gr. Gr.^ 

S. 132). 

Im Air. fungierte der Acc., me 77ie-sse (§ 442), im Sinne 
von hcK, wie auch im Plur. die accusativischen 7ii und si-ssi 
si-b die alien idg. Nominative und "^nis verdrangten (§ 441. 
443). Man beachte auch, dass in der 2. Pers. iu hi- ^-tu von 
Mterer Zeit her zugleich Norn, und Acc. var (§ 440 S. SO 9). 

440. Du. Uridg. '^tic und ^fTi (vgl. § 415 Anm, S. 776), 
auch mit der ;7^-Partikel. 

1. '^tu. Ai. til (wie tU zur Partikel geworden, s. Osthoff 
Morph. Unt. IV 268). Gr. dor. to, att. au (a- aus den andern 
Casus, wo es aus hi- entstanden war, I § 166 S. 148). Air. 
iu~ssu tu-sso-). Aisl. du do ahd. du (got. pu-k acc., s. § 442). 

1) Da in diesem Abschnitt die den Einzelsprachen eigentumlicKen and 
die nach der Wahrscheinliclikeit der idg. Urzeit zuzuschreibenden Formen 
weniger leicht als in den beiden Torhergehenden Abschnitten S. 524 ff. und 
S. 773 ff. zu tiberschauen sind, so sei bier noch besonders auf die an seinem 
Seblusse S. 834 folgende Ubersichtstabelle anfmerksam gemacht. 

2) -Bii -so (nach palatalen Vocalen -siu -seo] ^^rar die particula augens 



440—441.] 


Personalpronomina. Casusbildung. 


809 


2. Ai. tu (wie tu^ s. 1), Lat. tu. Ahd. du aisL ^u. 

Pieuss. toil {ou — u), aksL t^. 

Nicht zii bestimmen ist die urspriingliche Quantitat in folgen- 
den Fallen. Ay. tU. Armen, du [d- wol nach -7i und -r laut- 
gesetzlich entstanden, s. Bartholomae Liter. Centralbl. 1890 
Sp. 321 nnd ygl. -d ‘^deF § 409 S. 767). Air. tu^ das altes 
sein konntC; Ayeil au£ kurzen Vocal ansgehende, haupttonige 
Monosyllaba gedehnt wurden (Thurneysen Kiihns Zeitschr. 
XXXI 91), ygl. 7ne aus ^77ie § 442. Got. pu (ygl. pii-s pii-k mit 
n). Lit Ui. 

Mit der m-Partikel : ai. tuvdm — a77i^ Ud77i = tii + a77i^ 

ay. ga{3. tve77i jiingay. tTm apers. tuvam (lies tiwa'ni) alle drei = 
yed. tuvd77i] gr. horn, tuv-y] boot, rouv lakon. To6v-r^ (die zwei 
letzten mit unermittelter Quantitat des oo). OfFenbar bestand in 
der Gestaltung der Partikel eine besondere Beziehung zur 
1, Pers. (ygl. ai. ahdm und gr. iyoov), und so erklart J. Schmidt 
Pluralb. 220 yielleicht mit Eecht die Formen ai. iui^dm horn. 
rdv-Tj u. s. w. fiir jiingere Bildungen nach dem Muster der 
l.Pers.; hierfiir spricht auch, dass die ar. Formen fiir ‘^ihp mit 
-am dieses Element erst nach vay-dm bekommen hatten (§ 441). 

Die Form '^tu erscheint in drei Sprachzweigen auch in 
accusatiyischer Verwendung, s. § 442. 

tiber osk. tiium tin ""tu^ s. § 442. 

441. Wir und iJi7\ 

Idg. "^716-1 ViP, yon welch er Form zweifelhaft ist, ob man 


der 2. Pers. sing., wie -sa (nach pal. Voc. ~se] die der 1. Pers. sing., in ine-sse 
dck. Beide Partikeln auch hinter den Verbalformen der betreffenden Person, 
aber auch ausserhalb des Pronomens und Verbums. Sie waren jedenfalls 
pronominale Casus oder Adverbia und stellen si eh zu -sm und -som, vgl. 
auch gall, sosin 'dieses’. Was die Beziehung des -sa -se und des -su -siu 
auf die verschiedenen Personen betrifft, so schreibt mir Thurneysen: ;.Denk- 
bar scheint mir, dass -sii beim Yerbum ursprunglich Pronomen -tu war 
(hierauf weist das Brittische), z. B. do-hir-siu aus "^do-beres-tu "^do-heressu, 
und sich dann mifc der deiktischen Partikel -su vermischte. Diess konnte 
die besondere Beziehung von -sa -se auf die 1. Person zur Folge haben, 
ahnlich wie im Italienischen vi = ihi und vos den Gebrauch yon d fur 
'uns* nach sich zog.'* 



810 Personalpronomina. Casasbildung. [§ -i41, 

sie den Singiilarformen wie '^e-i W Sver^ (§414 S. 774 £.) 

Oder den Pluralformen wie "die"' :§ 427 S. 790) an die Seite 
zu stellen habe, wie es auch yon 'Vw-.s ‘'ihP zweifelhaft ist, ob 
es das -5 des nom. sing. (vgj. z. B. gr. d^pa-c) odei das Plural- 
zeichen s gehabt babe. Ai. taij-am ay. vaem d. i. vaijem apers. 
Dciycmi, Got, veis nord. run. mR asehwed. vi[r) aiis ^uei-$ mit 
-5 nach der Analogic von got.) jTis. Auf eine Gnindfoxm ^ue-s 
(vgl. du. got. m-t)j ebenfalls vielleicht eine Neubildung nach 
der 2. Pers. (wie iimgekehit ai. yu-y-drn nach va-y-dm), weisen 
ahd. icir aisL ver, ferner auch arnien. meJi lit. m^s (s. u.) . 

Idg. ^iu-s hhr^ (sing, oder plur. -5? s, o.). Ay. tjus^ daneben 
yuz-em mit -em nach vaeiyi d. i. vayem (warum ~em gerade an 
die satzphonetische Nebenform ^ydz^ I § 646; 3 S. 493, nicht 
an yuh antrat, ist dunkel) ; ai. yuydm nach my dm. Got. jus \ 
daneben ags. je as. gi ye., ahd. w', aisl. er nach ice we, ici 
■ice^ wi)\ ver (wie im Dual ags. ji-t aisl. i-t nach wi-t vi-t, 
§ 457): zuerst wuide *m-z zu ^(e-z, und dann wuide ini Ahd. 
und im Nord., yielleicht untex dem Einfluss von iuiver und 
ydmr u. s. w., auch noch das anlautende i- beseitigt. lAt. Jus 
preuss. ions, 

Armen. meJc und duJc^ deren Anlaut aus den Pronomina 
icJi und du genommen war § 437, 1 S. S05), waren wol zunachst 
fiir oder '^yeJc (I § 162 S. 146) und juK' eingetreten. Zum 
-U s. § 313 S. 660. "velc wiirde dem ahd. icir entsprechen. 

Griech. lesb. dgpLS-; dor. dai-; w'aren Neu- 

bildungen nach den andern Casus, acc. lesb. daas uans u. s. w. 
Im lon.-Att. wurden zu ogcT; nach Formen 

wie aacpci; auf Grund yon */jjjL£a)v uptiov : aacpicjQv; so auch ocpsT^ 
zu acpswv. 

Lat. lids cos (zweifelhaft ist palign. cus Vos^, Bugge Altit. 
Stud. 75) waren die Accusativformen = ay. n& cci. Ebenso air. 
ni si-ssi, = ai. nas ms. S. § 443. 

Lit. mes preuss. mes (nebeny^s ious) "wol fiir "^ues (§ 437, l.a 
S. 805, 2. c S. 806) = ahd. wir. Dass aksl. my vy die Accusatiy- 
formen ny vy waren [my mit m- durch Verschmelzung mit einer 
dex baltischen Foxm entsprechen den Bildung), deren An wen- 



§ 441 — 442.] Personalprouomina. Casusbildung. Sll 

dung als Nom. wol durch den nominativischen Gebrauch von 
rqhy (§315 S. 663, nij vy : namii va77iu 7iami rami = rqky : 7'qkamu 
7'akami] veranlasst war, ist wahrscheinlicher, als dass ein "^'ius 
— lit. jus nach den andern Casus zu = liistorisch vy um- 
gestaltet und daxnach 7ny (vgl. lit. mii'7ns preuss. 7iou-ma7is nach 
ju~7ns iou-mans^ §437, 2. cS. 806) geschaiFen wurde. 

Accusativus. 

442. Icli und du und Eeflexivum. (Jridg. ''^eme '^me^ 
’*tue ^sye '^se und ^77ie^ ^se (vgi. § 415 Anm. S. 776), 

letztere vier auch mit der ^►?^-Pa^tikel. 

1. ^6 7716 '" tue vielleicht auch ^setie, 

Armen. is, z kez wahrscheinhch aus ^eme-ghe ^Uie-ghe, s. u. 
Gr. spi jjL£, kret. xji (bei Hesych, wo irrig rps geschrieben steht) 
ion. att. as dor. ts, ji s, horn, ss (= idg. ^seuel); kypr. [xs-v 
und das au£ einer spaten metr. Inschrift (214 p. Chr.) erschei- 
nende epsv wol nicht mit Partikel -m wie ai. 77ia77i u. s. w., son- 
dern mit dem Accusativzeichen. Air. 7ne-sse (iiber -sse S. 809 
Fussn. 1) und mit unurspriinglicher Dehnung des e me (vgl. die 
Bemerkung iiber iu § 440 S. 809), die auch als Nom. gebraucht 
wurden (§ 439 S. 808); unbetontes z. B. in fri-m '^contra 
me"*; unbetontes kann aus fri-t (neben f 7 'iut) u. dgl. nicht 
mit irgend welch er Sicherheit erschlossen werden, s. Anm. S. 812. 
Got. mi-k si-k, ahd. mi-h di-h si-h, aisL mi-k pi-k si-k, -k = 
gr. -ys in sps-ys u. dgl.; iiber got. pu-k s. S. 812. 

Armen, is wol aus (I§ 202 S. 171) fiir zu erwaiten- 
des wie im Dat. wj neben Jlez. Bei dem Zusammenfallen 
des nom. und acc. sing, in der Declination der Nomina und 
der geschlechtigen Pronomina ist die Annahme wenig kiihn, 
das -s sei aus dem nom. es (vgl. § 434 S. 801) eingedrungen. 
Das -z des Acc. war demnach wol die Partikel "^gke = ai. 
ha (vgl, I § 410 S. 304), s: is also wie gr. sps-ys und a kez wie 
gr. as ys aisl. pi-k. Das -j -z der Dativformen bringe ich mit 
den Ausgangen von lat. mi-lu ai. md-hyam zusammen (§ 446). 

2. *me, se. Ai. md tvd, av. 77id piod. Lat. 

77ie te se: die alat. Acc. 772ed ted sed waren wol die Ablativ- 



812 


Personalpronomina. Casusbildung. 


[§ 442 . 


formen (§ 444), die dadurch zu accusativischem Gebraiich kamen, 
dass -d vor Consonanten schwand (vgl. se-grego neben sed-itio)^ 
dass so die Ablativ- und Acensativfoimeu theilweise zusammen- 
iielen (abl. me and acc. m^) and nan das Spracligefiihl ansicher 
warde, s. Osthoif Zar Gesch. des Perf, 127 f., Stolz Lat. Gramm. - 
S. 345 f. ; minder wahrscheinlich ist die Meinang M. Mailer’s 
Fleckeisen's Jahrbb. CXIII 702 £ and Torp’s a. O. 10 £, die 
Aec. med etc. stammten aas der Zeit, als das ablativische -d der 
Personalpronomina noch eine weitere Gebraaclissphare hatte^ der 
Acc. med sei also etwas sehr Altertiimliches. 

Mit der ?? 2 -Partikel idg. "^mem a. s. w. Ai. mam team.^ av. 
ma^m pwam apers. mam puvdm (d. i. pvam, I § 473^ 2 S. 350). 
Aksl, me te se, preass. mien tien sien sin [ie and i bezeichnen 
geschlossenes e). Dagegen lit. mane iavq savq fiir ^7ne ''^sq 
(Vocalverkaxzung nach I § 664, 3 S. 525) nach dem Genitiv (s. 
§ 450), da man kaam an altererbte Acc. '"^teuem ^se^iem denken 
darf; die dialektischen ma7ii tavi sam (Karschat Gramm. S. 234£, 
Bezzenberger in s. Beitr. X 310) nach der ^-Declination im An- 
schlass an mayigje ma?iimi etc. 448). 

'^tu in accasativischer Fanction: gr. dor. tu, air. tu tn-ssu 
(uber die Partikel -S 2 i s. S. 809 Fassn. 1 ) friut "^contra te^ aas 
'^fri{th)-tu, got. pu-k (= gr. nom. aa 73 ). 

Anm. Im Iriscben sind, wie in Anknupfung an friut bemerkt sein 
mag, in den Verbindimgen von Prapositionen mit den Personalpronomina 
sehr viele Ausgleichnngen eingetreten. Es haben sich, ide es scheint; erstens 
die yerschiedenen Pronomina, zyeitens die yerschiedenen Casus derselben 
(Acc. und Dat.) und drittens die yerschiedenen Prapositionen gegenseitig 
beeinflusst. So scheint das a yon liiimm neben lemm limin ^durch micli 
die betonte Form der Praposition, pratoniseh la-] und das von friwmn 
neben frimm 'gegen mich’ [fri-] aus der 2. Pers. zu stammen; yielleicht TOr 
schon yor der Wirkung des yocalischen Auslautgesetzes hier ein nach 

'^-tu gebildet worden (ygl. gen. mo mu nach do du § 450). Da nun beim 
Pronomen ieh Aec. und Dat. (ursprunglich und '^-rnoi ^-mef} friihe 

gleich warden, und da bei den Pronomina %cir und ihr die Formen -n und 
-h (aus '^7ies und *s-ues) yon aUem Anfang Acc. und Dat. waren, so ist 
nicht auffallend, dass z. B. statt des zu erwartenden = '^do 771 % "zu 

mir {do cum dat.) dom dam=^ do-mu erscheint. Auf die Herstellung yon 
liumm friumm u. dgl. mag aber — worauf Thurneysen hinweist — ■ auch 
ocum "bei mir’ (Praposition oe{u]-] yon Einfluss gewesen sein, ygl. omit ; 
friut torut [tar "trans’) immut [wib "circa”) u. a. 



§ 442 — 443 .] 


Personalpronomina. Casusbildung'. 


813 


Umbx.-Samn. Umbr. tiom teio tio tiu und osk. siom 
‘"se" waren wol nom. acc. neutr. des Possessii^ was ganz sicher 
stiinde, ■wenn Biicheler’s Auffassiing von osk. tiium und tiii 
als nom. (‘'tu^) lichtig ist (bestritten wird diese von Bugge Alt- 
ital. Stud. 32 f.). Ahnliche Vertretungen der Personalia duich 
die Possessiva in andern Sprachen weiden uns unten begeg- 
nen, s. § 452. Zweifelhaft bleibt , ob tiom siom als Neubil- 
dungen nach '^miom = lat. meii-m anzusehen sind (Veif. Kuhn’s 
Zeitschr. XXVII 403 f.), oder ob es neben itak '^meio- alteierbte 
^teio- ^seio- gab, die der umbr.-samn. Zweig neben tovo- sovo- 
bewahrte (Torp a. O. 2S). 

443 . JVi7' und nebst den pin ralisiert en Fornien 
des Beflexivum. Zweierlei Ausdruck fiir ^nos'’ Vos^ kann 
als uridg. gelten : 

1. Pormen von und von "^ue- auf -5 (§ 436 

S. 803) in drei verschiedenen Ablautphasen. Diese Formen 
batten von Haus aus nicht speciell accusativischen Sinn, wie 
ihr weiterer Gebrauch in verschiedenen Sprachzweigen zeigt. 
(Zu nominativischer Verwendung aber kamen die Formen aller- 
dings w’ol erst nach der Auflosung der idg. Urgemeinschaft, 
im Lat. und Kelt., s. § 441 S. 810.) 

a. Av. = urar. ^nas ^va$. Lat. ?ids vd$, auch als 

Nom.; diese letztere Verwendung mag im Urlat. aufgekommen 
sein, als der nom. plur. der nominalen o-Stamme noch auf ^-ds 
ausging und im acc. plur. derselben *-07is schon zu gewor- 
den war. Vgl. auch aksl. gen. loc. 7iasu vasu aus ^Tias-su ^vas-su 
(§ 448). 

b. Ai. 7ia$ vas, av. 720 auch als Dat. und Gen. Air. m 
s-Tii ‘^nos^, si-ssi Sms^ (in alter Enklise -71 und -5), cymr. corn, 
bret, Tii tixj ‘^nos^, cymr. clmi corn, tvhy mbret. Imi wol aus 
urkeltisch "^-nes und "^s-iies^ vgl. § 436, 3 mit Anm. 3 S. 804 f.; 
diese Formen auch als Nom. Got. izms aisl. ijdr Vos^ urgerm. 
*i-z~uiz = '^e-s-ties, vgl. ebend. Diese Formen auch als Dat., 
wie ahd. iu ags. eow aus S-imiz — ^e-ues. Die Erhaltung des 
i der letzten Silbe von got. izvis erklart sich aus Einwirkung 
von mis sis oder vielleicht aus einer Betonung izvis. 



814 


Personalpronomina. Casusbildting. 


[§ 443. 


c. Got. aschwed. os its axis diese Formen auch 

als Dat.j wie die entsprechenden ahd. tizis ags. us. Nach der 
Analogic von izvis ydr nnd zugieich von Dat. znis etc. entstan- 
den die Acc.-Dat. got. unsis aisl. ess^ vrahrend die Acc. ahd. 
unsill ags. Tisic (gleichwie imoih eoicic) der Analogic von mih 
mec etc. gefolgt waren (vgl. aimen. jez Vos^ nach Icez ‘'te^) . 

Durch Ubertiitt in die Analogic des acc. plur. der Nomina 
nnd geschlechtigen Pronomina entstanden die balt.-slav. Accu- 
sative aus den Formen '"'■nos deren Existenz fiir die balt.- 

slav. Urzeit sich aus askl. nasu vasu etc. (§ 448) ergibt. Preuss. 
ma?is Olios'" y zunachst fiir "'naus (nach nom. mes)y und zcazis Vos'*. 
Entsprechend aksl. 7iy vy, wie 7U{lcy vluky (§ 326 S. 673, § 327 
S, 675); wie 7'ahy wurden diese Formen (mit Abanderung von 
ny in my) auch nominatmsch gebraucht, s. § 441 S. SlOf. ; dass 
sie ferner als Dat. fungierten, war veranlasst durch die acc. 
dat. dll. 7ia und 'ca (§ 457). Im Lit. Jus Vos'* zu nom. Jus nach 
siinus : simuSy dialektisch auch gen. Jim-dwJuid nach simim] 
nach Jus wurde eine dem preuss. majis entsprechende Form fiir 
Vns'* in mus umgebildet (§ 437, 2. c S. S06). 

2. XJridg. "^zis-sme ^u$-s772ey von der unter 1. c besprochenen 
Bildung nur durch den Zutritt der Partikel ^s?7ie verschieden. 
S. § 436 mit Anm. 2 S. S03 f. Gr. lesb. aixjjis upps boot. dor. 
dpi boot. oOpi dor. ops; pluralisiert ion. att. Y]piac r^\xac. upia; 
opdi; (vgl. nom. iipsi; upsV) rind r^pac opa; (vgi. nom. dor. 
dpi? opi?) . Av. alwia\ ai. asonhn yusman nach dem acc. plur. 
der o-Stamme. Da av. aluna lautgesetzlich auch aus urar. ^asma 
herleitbar ist, so fragt sich allerdings, ob nicht in urar. Zeit 
eine Anlehnung an ziid tvd stattgefunden hatte (vgl. abl. ai. 
aszndd : mdd)\ auch konnte bereits in uridg. Zeit eine Doppel- 
heit 'V(s)s??^e ^n[s)smey '^u[s)s77ie ^''u{s)s7ne bestanden haben, 

Abseits von alien bis jetzt besprochenen Accusativformen 
stehen armen. mez Vos'* z Jez Vos'*. Sie waxen nach V m-J 
[z is) ‘'me'* und ke-z ‘'te'* gebildet, iihnlich wie ahd. unsili 
imoih nach 7nih di-h. 

Beflexiwim. Gr. acpia? acpa? zu api wie f^pia? zu spi. 
Armen, na'eans. 



§ 444.] 


Personalpronomina. Cagusbildung. 


815 


Ablativus. 

444. Ablativformen mit -cl ini Ai. und Ital. 

Ai. mad Udd^ av. 77m^ pivaf, apers. 77ia und Heflexiv sa 
(§ 43S, 3 S. S07). Lat. me{d) te{d) se{d)\ umbr. sei-podruhpei ‘^se- 
paratim utioque^ se-pse ‘'singillatim'' (vgl. lat. ace. se-pse "^sese, 
semet^). Lat. se~d, Conjunction, = apers. sa. Ob von uxidg. Zeit 
her '^7?ied und *med u. s. w. neben einander bestanden, oder ob 
im Urital. "^yjie-d u. s. w. nach dem Acc. und zugleich durch 
Einwirkung der sor.stigen Ablativformen mit langem Vocal vor 
-d [-ed -od^ -ad, ~%d) e angenommen batten (lat. s^d hatte sich, 
durch die Bedeutungsentwicklung isoliert, von dieser Neuerung 
frei gehalten), bleibt zweifelhaft ; vgl. denselben Zweifel bei av. 
maihya : mci-vya § 445 S. 816. 

Ai. asmdd yusmdd^ av. alimap yTismap xsiyiap. Diese Bil- 
dungen diixften als uridg. gelten, wenn es sicher ware, dass die 
nachhomer. Tipsoarcd-c utxcoaTro-c; ‘^aus unserm, aus euerm Lande 
gebiirtig^ nicht erst jiingere Schopfungen nach dXXoo-aTro-c; u. 
dgl. waren (§32 S. 54). 

Dass die c7-Bildung urspriinglich eine weitere Bedeutung 
hatte, scheint aus ai. mad-\ya-s ‘'mein^ asmad-iya-s ‘'unser^ mdt- 
sakhi-s ‘'mein Genosse'' u. dgl. (Whitney Ind. Gr. § 494. 1098) 
zu schliessen. Man hat ofters dieses -d fiir identisch mit dem 
des nom. acc. sing, neutr. der geschlechtigen Pronomina (lat. 
quo-d qui-d) erklart. 

Unklar sind die armen. Abl. y irien (vielleicht mem und 
instr. mev fiir *imen nach ahnlich wie lat. vejil 

osk. kiim-bened mit 7i fiir m nach -ve?itu-s veyiio^ vgl. I 
§ 207. 208 S. 175f.) i Jden und i menj i jenj (zum -/ vgl. loc. 
i telvoj abl. i tehoje gen. dat. kyioj abl. i hnoje). Vgl. Torp 
a. O. 27. 

Formen mit Adveibialsuffixen (vgl. § 244 S. 594 ff.). Ai. mat- 
fas tvat-tds asmat-tds yusmat-tds, vgl. ohen mad-iya-s u. s. w. 
Gr, sps-bsv ai-&sv s-Osv, die, infolge der Verschmelzung von 
Gen. und Abl. in anderen Fallen, auch genitivisch gebraucht 
wurden (§ 244 Anm. 2 S. 596). 

Bmgmarin, Grundriss. II, 2. 


52 



816 


Personalpronomina. Cagusbildung. 


[§ 445. 


Dati vus. 

445. Ai. mdliyam^ ved. auch mdhja^ armen. inj aus "^imj 
— "^^emegh- und lat. milu iimbi. melie weisen au£ eine idg. 
GnindfoTm mit '^[e]7negli-^ dessen gh, mit dem gh von noni, ai. 
ah mi u. s. w. identischj die Stelle einuahm, die bei ^ibi"* das 
hh- des Z'A-Suffixes hatte. Dei Casusausgang der idg. Form ist 
nicht zu ermitteln, da Ausgleichungen mit dem Ausgang der 
5/^-Suffixe stattgefunden haben. Av. maibijd mdi^ya (iiber das 
7i dieser Form s. u.) maihyd zeigen noch weiter gehenden An- 
schluss an die 2. Person. 

Ai. tii-hliyam^ asmd-Wnjam^ yuhnd'-hhyam^ daneben im Ved. 
auch Formen auf -hJiya. Av. taihyd tailydj ahmaihyd, yusmaibyd 
xsmaihjd xhnd-vya yumiaoxjd (= "^-a-vyd , I § 160 S. 145), 
hxd-iya. Was zunachst die Stammform betiifft, so scheint av. 
taihyd altertiimlicher als ai. tii-hhya[m)^ vgl. umbr. te-fe aksl. 
te-he\ tilhhya[m\ diixfte ti von tuvdm imam tiivd bezogen haben, 
vgl, got. pus nach pu-k [pu)* Ob das d in Iwct-aya xs7nd-vya 
und in dem oben erwahnten 7nd-tya eine iran. Neueiung fiir a 
war (vgl. acc. 77iam 77id^ eventuell auch almia ~ urar. ^asmd 
§ 443, 2 S. 814, aluiidkem], oder ob es fiir ^mihi^, ^tibi^, ^sibi^ 
eine iiridg. Doppelbildung gab, eine Form mit e und eine mit 
e. was dann ein Schwanken auch fiir die Formen von ahna>- 
yiwna- nach sich zog, ist nicht zu ersehen ; vgl. den namlichen 
Zweifel bei lat. se-d se-[d) § 444 S. SI 5. Die Suftixe ved, -hJiya 
av. ~hyd stellen sich zu gall, -ho § 367 S. 709. Ai. -hhya77i mit 77i- 
Partikel. Av. -hyd kam zunachst in "^aJmaoyd und yuhnaoyo auf, 
um diese Casus pluralisch zu kennzeichnen (freilich sind diese 
Formen im GaJ)adialekt nicht iiberliefert), hiernach dann mai- 
hyo taihyo (vgl. § 437 Anm. 2 S. SO 5), 

Engstens gehoren zusammen lat. ti~hei ti-hl si-hei si-hi (das 
i der ersten Silbe erklart sich am einfachsten aus dem Ge- 
brauch als Atona, plied igitu7' u. dgl. I § 65 Anm. 2 S, 54, 
§ 679 S. 549), umbr. tef e tefe ‘'tibf osk. sifei palign. sefei und 
preuss. te-hhei se-hhei] lit. tdvei sdvei (Schleicher in Kuhn- 
Schleicher's Beitr. I 238, 77id7iei Leskien-Brugmann Lit. Volksl. 



§ 445.] 


Personalpronomina. Casusbildung. 


817 


S. 49 n. 83) mit -av- flii -eh- nach dem gen. tave sate, Diese 
Foxmen zeigen hintex -hh- den Ausgang dex idg. loc. dat. gen. 
"^mei *t[n)ei '^s{u)ei (§ 447), unci den dex ital. loc. dat. dex ge- 
schlechtigen pionominalen o-Stamme, wie osk. alttx ei ‘'in altero'* 
altrei ‘'altexi'' (§ 424 S. 786). Schwieiigkeit niacht die Fornien- 
mannigfaltigkeit dex lit. Dialekte : aussex -ei auch mane tave 
save (vgl. Bezzenbexger in seinen Beitx. XV 301 ; wie naiJie 
(§ 263 S. 617)j md7ii tcivi sdvi wie mi ti si (§ 447, dock vgl. 
auch Bezzenbexgex a. O.), fexnei 77idn mq, tdv tdu, sdv sdu. 
Schon im altesten Lit. batten unsexe Dative, die uxspxiinglich 
auch Loc. waxen, in locativischer Function Umandexungen ex- 
fahxen nach dex Axt dex substantivischen Locative : alit. faiveie 
wie dietoeie^ jetzt tavyje wie nahtyje u. s. w. (vgl. § 263 S. 617^ 
§ 44S). Aksl. dat. loc. ie-he se-he^ dexen -he nicht auf ^-hliei 
zuiiickfiihxbai ist^ diixften zu ""'moi *t{njoi '^s{z{)oi^j den Neben- 
foxmen von etc. (s. § 447), gehoxen, vgl. loc. vluce — '^'ulqoi 
§ 263 S. 618: iibex ihx Vexhaltniss zum insti., iohqjq sohojq^ s. 
§ 449. Man konnte hiexnach "^tehliei und '"'iehhoi als Compxo- 
missbildungen auf Gxund einer etwa wie av. taibyd gestalteten 
Foxm und jenex klixzexen loc. dat. auf -ei und -oi bezeichnen. 
Auch waxe sehx wol moglich, dass im Uxidg. '^meghei '^mieghoi 
(lat. miln] und ^te-hw ^se-hij) odei dgl. (av. taihya hva-vya) 
neben einandex lagen, und dass in den Einzelspxachen in vexschie- 
denex E-ichtung ausgeglichen wuxde : ai. mdliya^n fiix ^malie 
nach tubJiya77i^ lat. tihei fiix ^tehie oder dgl. nach 77%ihei u. s. f. 

Lat. 7iohis vohls^] sind aus Grundformen ^7ioz-hh~ *7idz-hh- 
nicht heileitbax, denn -zhli- waxe zu -sp- gewoiden. Jedenfalls 
-his zu -hi nach isU : istis. Entwedex waxen die Foxmen im 
Anschluss an die pluxalischen 7ios vos neu gebildet woxden, 
odex sie waxen dualische Foxmen (uxspxiinglich no-h- vd-h-), 
die nux im Suffix pluialisch gestaltet woxden (vgl. § 458). 

Pxeuss. 7ne7inei lit. 77id7iei [77id7ii etc.) aksl. mme mit -7i- nach 
dem gen. lit. 77ia7ie aksl. 777e7ie (§ 450). Pxeuss. 7iozi-77ia7is 7iou- 
77ms iou-mans ion-mas lit. 7nu-77is ju-77is^ aksl. 7ia-7nu va-mu mit 

i) Zweifelhaft ist palign. vm 'vobis’ aus Bugge iiltital. Stud. 

75. 77. 


52 + 



818 


Personalpronomina. Casusbildung. 


[§ 445—447. 


dem nominalen Suffix des dat. plur. (§ 367 S. 709 f.). Dazu, dass 
diese Formen wie die instr. aksL ncmii vami kein 5 vor dem 
Casussuffix katten im Gegeusatz zu den gen. und loc. urbalt.- 
slav. ’^nos-Am '^uds-som und ^nos-su *uds-su (§ 44 8)^ wirkten 
die entsprechenden Dualformen (lit. mum jum aksl. nama vama^ 
§ 458) mit; Formen mit S7n- batten -s~ lautgesetzlich bewahrt 
(I § 584, 2 S. 440). Im Balt, drang fiir ein aus dem 
Nom., und im Lit. wiikte dann, wie bei Jus und jum\s^ das 
Muster der z^-Stamme; fiber die anderen Neuer ungen im Stamm 
s. § 437, 1. a und 2.c S. 805 £. Von lit. mu-ms^ mu-m%s gingen 
aus die dial. loc. mumyse instr. mumim{s) acc. mumis^ vgl. du. 
gen. mumu etc. §458. 

4d6. Arm. inj ist, wie wir § 445 S. 816 sahen, mit ai. 
maJiyam lat. mihl zu verbinden. Durch Fbertragung seines Aus- 
gangs auf die andern Pronomina entstanden Kez ""tibi"* mez ‘'nobis^ 
Jez Vobis^ (zu dem Wechsel -cj s. I § 410 S. 304), die urn- 
gekehrte Neuerung wie in av. maibya nach taibija. Eeflexiv 
sing, iu-r plur. im'eanc^ wie Gen., s. § 455. 

Die german. Formen mit -s got. mis pus (doch wol fur ^pis 
nach puJc^ vgl. ai. tu-bhyam § 445 S. 816) sis^ ahd. mir dir^ ags. 
me me de de (zum Lautlichen s. Sievers Ags. Gramm. ^ § 121, 
Behaghel Germania XXXI 381), aisl. mer pei' se7* waren wol 
Neubildungen nach ‘^/zes ‘'nobis^ '^T.ies Smbis^, die aussergermanisch 
durch ai. 7ias tas. av. no vo und durch air. -n -b aus ""zzes ^s-ties 
(z. B. uain ‘'a nobis^ uaib ‘^a vobis"") vertreten waren, und von denen 
das letztere im German, selbst in got. izeis ahd. iu ags. edw 
steckte, wahrend hier fiir ^7ies nur noch dessen idg. Nebenform 
^ns — got. ims erscheint (§ 443 S. 814). Vielleicht entstand zu- 
erst sis (plur. und sing.), dem dann 7nis und '^pis folgten. Vgl. 
gr. nach appitv § 448. 

Possessivum fiir Personale : av. ahmdi^ das sich zixm gr. loc. 
a\i\iv 7 vexhielt wie ai. tdsmdi zu tdsmm^ s. § 448. 452. 

Locativus. 

447. Formen auf -7, die zugleich die Function des Dativs 
und des gen. possess, hatten, '^t[u)ei ^s[u)ei^ *7no^ 



§ 447.] 


Personalpronomina. Casusbiidung. 


819 


*t{u)oi *s{2i)o7\ Sie gehorten engstens zusammen mit iirital. 
^alt{e]re% das damals Loc.^ Dat. und Gen. war (s. § 419 S. 779 f., 
§ 424 S. 786 f.). Man kann sie auf die Possessivstamme 
u. s. w. beziehen (vgl. § 452). 

Ai. loc. ved. me tve^ dat. gen. me te prakr. se [se auch ved.?? 
s. Bartholomae Stud, zur idg. Sprachgesch. I 114), av. loc. pwdi^ 
dat. gen. 7ne moi^ te toi^ he hoi se (§ 438, 3 S. 807), apers. dat. 
gen. maiy dat. taiy. Ai. me te im Ved. wahischeinlich 
auch als Acc, (Delbriick Synt. Forsch. V 205 f.), was man als 
Einwirkung der Gebrauchssphare von nas ms und nati vam 
ansehen kann, vgl. auch S. 820 lit. mi ii und S. 822 gr. tiv siv 
als Acc. 

Gr. loc. dat. spot pol, ooi aus ^zfoi neben urgr. toI (zui 
Partikel gewoiden), foX ol oi (vermutlich urgriech. und 

^aoi, obwol es fiir letzteres keine sicheren Anhaltspunkte gibt, 
vgl. Ver£. Gr. Gr.^ S. 134), homer, auch koX d. i. ^as/oi. Diese 
Dative in der Dichtersprache oft auch noch als gen. possess., 
z. B. 50 fXT^ripi jjLoi ""matri meae^ wie ai. me girali ^ymni mei^, 
c 68 (pdvsv 0 £ ot supss; (Bpoi. 

Lat. mi dat. neben mihl^ als gen. possess, in ml fill, aiiime 
ml, ml domina, ml hospites u. dgl.; die allgemein iibliche Her- 
leitung des ‘'Vocativs'' ml aus %ie{i)e (zuletzt Thurneysen Kuhn’s 
Zeitschr. XXX 500) ist lautlich nicht zu rechtfertigen. Von 
den Gen. ml und ^tl gingen die alat. Gen. mis tls aus, die durch 
Anhangung von -s oder von -es entstanden (vgl. istlus — *istei 
+ c? 5§419 S. 780 und dor. Ipsoc fiir Ipso § 450). Weiter hier~ 
her das zur Conjunction gewordene sei si. Aus dem Umbr. gehort 
$e-so ""sibP hierher, da sein zweiter Theil doch wol eine ange- 
hangte Partikel war (vgl. die ir. particulae augentes -su -sa 
-som). Ferner aus demselben Dialekt sve-su und sve-so, die 
jedenfalls sve- als gen. possess, enthielten, mag man in -so die- 
selbe Partikel wie in se-so ""sihi sehen, oder mit Biieheler einen 
flexibeln Stamm sve-so- ansetzen (Biieheler nimmt sve-su Ib 
45 II a 44 als Wum"*, Vllb 1 als abl. Wo^); im letzteren 
Fall batten wir eine Verbindung des gen. poss. mit so- 
(alat. su-m sa-m sos), vgl. lat. stio sihi gladio himc iugulo, aksL 



820 


Personalprononiina. Casusbildung. 


[§ 447—448. 


pisachq stojq si reel ‘'sciibebant suam linguam^ u. dgl. (Verf. 
Ein Problem cl, homer. Textkr. 132ff.). 

Air. -711 -t, z. B. -uauji ‘'a me^ uait te^ 

Lit. clat. xmd acc. atonisch mi ti si (zimachst aus ^me etc. 
nach I § 664, 3 S. 525), z. B. saiigok-mi ‘^behiite mich^ suka-si 
suka-s 'se iind ‘'sibi torqueP; ygl. auch prenss. -si, z. B. {sien) 
gnki-si ^sie versundigen sich^ neben -sm — sien (-si = "^-se^). 
Der Gebrauch als Acc. ist secundar, vgl. S. 819 ved. acc. me U 
und S. 822 gr. acc. tL siv. (Die Annahme, das accusativische 
lit. 7ni sei aus '^me = gr. us entstanden, ist unzulassig.) Aksl. 
atonisch mi ti si, Dat. und possessiv 'sogen. ""dat. possess.^ 
z. B. drug a. mi ‘'oiAoc ^xoo^ 

Andere Locativformen auf -i: 

Ai. ved. asme yusme, die auch als Dat. und Gen. gebraucht 
erscheinen (vgl. Delbriick Synt. Forsch. V 206 f.) und wol als 
Vertreter der idg. Grimdformen zu gelten haben. Ferner ai. 
mdyi tvdyi neben ved. me iek, die dem Bestreben entsprangen, 
die Formen noch deutlicher als Loc. zu kennzeichnen und so von 
dat. gen. (acc.) me te zu scheiden; mdy-i zu instr. maijd nach 
dhiy-i: dliiy-a u.dgl. (Wackernagel Kuhn's Zeitschr. XXVIII 138). 

Aksl. mme tebe sebe, s. § 445 S. 817. 

448. Lit. 7nanyje tavyje savyje wie instr. maniml etc. nach 
der '/-Declination h . Vgl. auch § 445 S. 817. 

Ai. asmas’u yiismasu, fiir asme yusme, entstanden im An- 
schluss an instr. asmd-hhis yusma-hliis nach dsvd-su : dsva- 
bJiis. Dafiir im Pali und Prakr. amliesu tumhesu nach den ge- 
schlechtigen prononiinalen und den nominalen o-Stammen. 

Aksl. nasu vasu, lit. alt und heute dial, nmsu Jusu (iiber 
mu- ju- fiir urbalt.-slav. s. § 437, l.a und 1. cS. 805 f.) 

waxen aus urbalt.-slav. ^nbs-su '^ubs-su hexvorgegangen, wie die 


1} Biese Neubildung niebt, wie ofters behauptet wird, infolge von An- 
lehnung von mdnei an ahei. Benn dieses ist dkiai, vgl. 249 S. 604. Bage- 
gen konnten die alit. maneje taceje, wenn es diese Formen gab (Leskien 
Beclin. 141, Bezzenberger Beitr. z. Gesch. d. lit. Spr. 161) zu mdyiei gebil- 
det worden sein nach zhneje : zkniei-, vgl. Bruckner Arch. f. si. Pb, IV 17. 



§ 448.] 


Personalpronomina. Casiisbildung. 


821 


Gen. aksl. ?iasu vasu pxeuss. nouso7i iouso?i lit. 77iuscl JilsTi aus 
^nos-iom '^uds-swji. Vermutlich waxen ^uds im Uibalt.- 

Slav. ansser Acc. (§ 443 1. aS. 813) anch Gen. (vgl. ai. acc. gen. 
7ias vas), unci sie exhielten nun nach dex Analogic von pxeuss. 
stei-$o?i aksl. te-chu den Aiisgang wie gx. als Gen. zu 

■^ips-aio ijislo (§ 450), ai. me als Loc. zu yndxj-i (§ 447), lat. 

als Gen. zu '"isfei-os isfms (§419 S. 7 79 f.) exweitext wurde 
u. dgl. m. Die neue Genitivbildung fiihxte dann die Bildung 
eines Loc. nach aksl. te-cliu hexbei. Die lit. Locativfoxmen 
exlitten manchexlei Umbildungen, da sie in deni Paxadigma, 
wie es sich weitex entwickelt hatte, zu undeutlich waxen, 
auch an den nominalen Loc. keine Stiitze mehx batten; alit. 
inusuie iiisuie (vgl. sTmuJe)^ jiingei musyje JUsijJe (vgl. rnamjje 
etc.), mnsime Jusime (vgl. szme), mususe jTcsnse ( : 77iusa = eilkuse 
; vi-tku), 

Ganz abseits von den andexn Spxachen stand das Gxie- 
chische mit seinen Foxmen auf -iv -i imd -iv. Dox. iaiv igiv 
TLV Tlv, taient. Ttv-r^ (vgl. sycov-tJ, horn, tslv aus 

goxt. /lv, boot. £tv aus ^gs/iv. Lesb. apfiiv utigiv, dox. aaiv djitv 
dglv ugiv uglv, ion. att. r^giv r^wiv utiiv bjiiv, bom. auch 
ogtv; dex zuxuckgezogene Accent wax aussex in den lesb. Por- 
men Substitut dex Enklisis (I § 676 S, 544). Obne -v lesb, bom. 
ajitii ujigi, Zusammenhang mit den in § 423 £ S. 784 IF. exoxtexten 
Foxmen wie ai. tdsmin av. aetahmi gx. liegt auf dex Hand. 

^7%s[s)mm ^us[s)mi — atxjit afigiv ujifii oiigiv 

vexbielten sich zu '^7is[s)me '^us[s)me = a|i[i£ ujitis wie ^tesini 
'^tesmin — av. aetahmi ai. tdsmm zu *tes77ie^ Ht. tame (fiii ^tes77ie)^ 
und weitex agpiv zu av. alwidi wie ai. tdsmm zu tds77iZii. Da 
dex locativiscbe Ausgang -m bis jetzt nui in -smin als aus uxidg. 
Zeit iibeikommen sichex nachgewiesen ist^), so balte icb agpiv 
ilggiv fiix altex als igiv tcv /tv. Exst nach ctjiaiv : ajijis W'uxde 
zu £[i£ ein igtv gebildet u, s. w., wobei vielleicbt das zugleicb 

1) 'VYas Bartbolomae Bezzenberger’s Beitr. XV 18 anfiibrt, ist alles 
ausserst uneicher. Uber Tiptv s. § 135 S. 403. Auch ay. Jnvl bei Bar- 
tholomae Ar. Porsch. Ill 28 diirfte meine Ansicht iiber die Entstehung von 
Tiv T£iv Yorlaiifig nicht gefahrden. 



822 


Personalpronomina. Casusbildung. 


[§ 448—449. 


pluralische und singularische a-cpiv . das neben appiv als acp-iv 
empfunden wurde (§ 43S S. 807, § 449), vermittelte, falls nem- 
lich sein Anschluss an appiv uppiv schon voi der Existenz von 
spiv zvi /iv erfolgte; vgl. uigerm. ^piz %ihi nach ''{zviz S^obis" 
(§ 446 S. 81S) und § 437 Anm. 2 S. 805. XJnaufgeklart bleibt 
hierbei freilich das i von fjpTv eptv etc. 

Anm. Man konnte u. a. daran denken, an sei die deiktische 

Partikel -tv (vgl. outoct-lv neben ouToa-t) angesetzt worden. Vgl. dor, epe-t 
T£-L und das kypr. pi 'me’ (Meister Gr. Dial. II 211), das man als p’t an- 
seben darf. Der Bedeutungsunterscbied zmscben "^daplv und ^daptv ^dcpi 
hatte sicb spater verwischt. 

Die Foimen viv und siv finden sich einige Male auch als 
Acc., was diirch analogische Anlehnung an plv viv (vgl. auch 
^f^dpLv (5dcjiv etc.) bewirkt scheint. Vgl. auch ai. ved. me te und 
lit. mi ti si als Acc., § 447 S. 819 f. 

Pluralisiert lesb. appsaiv, ahnlich wie acpi-ai § 449. 

Instxunientalis. 

449. Ai. may a tvdya^ ved. auch ivd tmd. Ob 77idyd tvdyd 
zu mam tvhm neu gebildet waren nach dseayd ; dsvdm (vgl. 
asmasu zu asmahhis nach dsvdsu : dsvahhis^ § 448 S. 820), oder 
ob sie zu Possessivstammen "^meio- "^t-ueio- (vgl. lat. meu-s aksl. 
tvoji) gehorten, bleibt zweifelhaft. Ved. yusma-datta-^^von euch 
gegeben^ ^de Ua-datta-\ aus '^asma yusma entstanden durch 
Anhangung des Suffixes des instr. plur. asma-lliis ijimna-hhiL 
Ai. tm yimiia kann man auch auf die Possessivstamme 
^{i^u[s]smo-’ beziehen, gleichwie tve u. s. w. (§ 447 S. 819). Im 
Av. wurde bei den Personalia der Instr. aufgegeben (Bartho- 
lomae Ar. Forsch. 11 127). 

Armen, me-v (fur '^ime-v nach vgl. § 444 S. 815) 
me-vJc je-vH. Reflex, sing, iure-v. 

Gr. a-cpiv und a-<pi. liber die Casussuffixe s. § 281 S. 636 f., 
iiber den Stamm § 436 Anm. 3 S. 804, § 438 S. 807. Von acpi 
wurde ein pluralisches go(~zi gebildet, wie ai. yiisma-hhis von 
yusma u. dgl. 

Lit. ma7iimitav%7ri}i savimi nach der ^-Declin., wieloc. manyje 
etc., § 448 S. 820 ; dialektisch auch mam tavl savl wie aki 



§ 449—450.] 


Personalpronomina. Caauabildung. 


823 


(§ 278 S. 631. 633). AksL munojq tohojq sohojq wurden zu loc. 
dat. mme tehe sehe (§ 445 S. 817) hinzugebildet nach rqkojq : 
rqce. Lit. nm-mis mu-m% ju-mis jii-mi aksl. na-mi va-mi wie 
dat. mu-ms ju-ms na-mu va-mu § 445 S. 817 f. 

Preuss. sen maim ‘'mecuni^ war eigentlich ‘'cum meo'* (§421 
S. 782), Ygl. gen. maisei § 452. 

Genitivus und die adj ectivischen Possessiva. 

450. Die Genitive standen von uridg. Zeit her in engster 
Beziehung zu den Possessiva, die zum grossten Theil von den 
als Gen. fungieienden Formen aus gebildet waren, und die wir 
dahei hier mit behandeln. 

I, Idg. ^eme ^teue '^seite^ xeine Stammformen wie acc. 
sing. gr. sjx£ u, s. w. Neben ^eme ein ^me-ne^ dessen Aus- 
gang an die Formen wie ai. ca-~7id av. ka-na (§ 421 S. 782) ei- 
innertj vgl. auch die § 435 Anm. S. 803 erwahnte Torp^sche 
Hypothese. 

Armen, im. Av. ma~na apers. ma-nd\ cymr. 7ny n-\ lit. 
mane (fiir '^me-7ie nach tave save) preuss. '^7ne-7ie (aus dat. men7iei 
zu erschliessen) , aksl. 7ne-7ie. 

Ai. tdva av. tava (aus urar. "^sava das av. Possess, hava- 
§ 451); armen. k^o wol mit Ersatz des t- [d-) durch k^- — *tu- 
nach den andern Casus^ sonst mit gleicher Lautbehandlung wie 
nor ‘'neu'’ (§75 S. ISO); meymr. teu (urbrit. ^tou)^ air. do duzM- 
nachst aus hochtonigem "^tou (iiber den Wechsel von do- 
und do-mdthir und co-t-mdtliir s. I S. 568); lit. tave save^ 
aksl. tehe sehe fiir "^tove ^sove zugleich nach tehe sehe und 
nach 77ie7ie. 

Altind. 7ndma war entweder redupliciertes ma (vgl. tvq- 
tvam u. dgl. § 54 S. 95), sodass man idg. '^7ne neben *eme an- 
zusetzen hatte (vgl. auch av. 7na-^ §451), oder es war ^ama = 
armen. hn nach ma 7ne etc. umgebildet. Vgl. Yerf. Kuhn^s 
Zeitschr. XXYII 401, Torp a. O. 20 £. , Wackernagel Kuhn'^s 
Zeitschr. XXVIII 138. 

Im Griech. wurden die Gen. durch -ato erweitert, 
ato u. s. w., wodurch Unterscheidung vom Acc. herbeigefiihrt 



824 


Personalpronomina. Casiisbildiin g. 


[§ 450— 45L 


wuide. sasTo iaio ejJLsij suou jjlcO aoo^ asTo aio asO coo^ oio so so 
oS. Indem nun noch ein antiat (nach u. dgl.), ent- 

sprangen Forinen wie doi. spso; spso;, 'zioz tsos. 

Durch die gxiecli. Genitivbildung scheint aii£ arinen. 
gen. Tmyoij^ Stilus'* Licht zu fallen. Es kann das oben erklarte 
Ho zimachst zu ^Ho-ij erweitert sein and davon alsdann das 
Possessivuin Hoy in derselben Weise ausgegangen sein, wie von 
im das Poss. wio- gebildet wurde {§ 451). Dock lasst sich der 
zu Grunde liegende Gen. auch als d. h. als dei fiir 

den iirspriinglichen substantivischen Gen. eingetretene Gen, des 
Possessivum angesehen werden (§ 452). 

Ob lat. mel till sul und lit. 7721010 tavo scivo (auch 7n(oio 
tcioo savo betont) directe Umbildungen der uridg. Gen. der sub- 
stanthdschen Personalia vraren oder erst in jiingerer Zeit als 
Gen. der Possess! va (lat. meu-771 etc., lit. 7 nana-s etc.) an ihre 
Stelle traten, wie lat. 7 io$trl vestrl ja sicher Possessiva waxen, 
ist zweifelhaft. 

Im Kelt, wirkten die Formen der 1. und der 2. Pers. auf 
einander ein. Im Ir. entstand 7 no 77111 nach do du (vgl. air. 
friimim nach friut § 442 Anm. S. 812), ebenso mcymr. 77 xeii 
nach ten. Umgekehrt vermutlich cymr. dy (pratonisch) nach 
iny (;^-), vgl. bret. da und 772a (aber corn, de und oxc). 

Im Balt. -Slav, wurden unsere Genitivformen Aiisgangs- 
punkt flir Neuerungen in den andern Casus: lit. mane mcinei 
manxjje maniml., tave u. s. w., preuss. dat. meniiei^ aksl. onme 
mioiojq. Vgl. prakr. acc. 7 namam loc. inainammi abl. 7 na 7 nado im 
Anschluss an gen, ai. 7 nd 7 na^ aksl. dat. cesomii loc. cesonit (neben 
cemi) im Anschluss an gen. ceso ‘'cuius^ 

451. Die in § 450 besprochenen Genitivformen, als ad- 
jectivische o-Stamme flectiert, bildeten Possessiva. 

'*67716- *me7ie- : av. 7na-, armen. im gen.-moy^), gr. 

£{xd-;, lit, mana-s (mit a in der ersten Silbe nach tdva-s sdva-s). 

1) Ob der Kominativ mi nnverandertes im == idg. "^eme war, wie im 
Altsacbs. die gen. plnr. usa iwa unverandert als nom. sing, des Possessivs 
fungierten (§ 455), oder ob mi einmal als Nom. cbarakterisiert war, ist nicht 
mebr zn seben. 



451.J 


Personaipronomina. Casusbildunj 


825 


^^'sezie-\ dazu *S‘He-^) ^se-. Av. ]iava-\ ai. 

tvd-s svci-s av. p^ca-‘ Jwa- apers. uva-. Armen. Jco- == in 

Jcoy ''tuus^^ s. § 452. Gr. Tsd-; cd-; J~d-; o-^; pronominale 

Declination (wie im Ar.^ z. B. ved. std-s-mhi av. ma-p pica-limi) 
tritt in dem Adverbiiim '"/oo in otti otitto); etc. zu Tage (§417 
S. 77 7). Lat. tovo-s tuo-s sovo-s suo-s, umbr. totei' ‘^tui^ osk. 
tuvai dat. ""tuae^ osk. soveis ‘'sui^; alat. su-7n sis sa-m und viel- 
leicht nmbr. 50- in sve-su (§ 447 S. 819). Lit. tccva-s sat as, 

Daneben aber wurden Possessiva auch mit ableitenden 
Suffixen gebildet, theils von nnsern Genitiven, tbeils von andern 
Formen ans: 

Ai. mdma-has mccmakds tavakds (die zwei letzten Viid- 
dhiableitnngen, vgl. § 60 S. 106 f.) von 77id77ia tdta^ s. § 56 S. 242. 
mad-ltjas ttad-lyas von 77idd it did (vgl. § 444 S. 515), s. § 6B 
S. 125. 

Ob lat. 77ieus aus '^meios (iiber 77iiis — 77iels u. dgl. s. 
Thuineysen Kuhn’s Zeitschr. XXX 500), preuss. Tnais^ acc. 
plur. 77ia{a^7i$, itvais stvais, aksl. 77iojl ttojl stojl das Suffix 
-{o- batten, wie aksl. 7iasi vast aus '^7ias-io- ^tids-io- (s. § 63 
S. 125), Oder ob — wie Liden (Arkiv f. nord. fil. Ill 242) und 
Johansson (Bezzenbergei's Beitr. XIV 171, XVI 135) annehmen 
— '^meio- *77ioio- etc. durch Ubertritt der possessiven ^77iei ^onoi 
(§ 447 S. SIS ff.) in die o-Declin. entstanden waren, lasse ich 
dahingestellt. Zu der letzteren Auffassung vergleiche man die ahd. 
frank, ims-a- as. us-a- preuss. 7ioiis-a- "^unser^ u. dgl. (§ 454). 

Air. 77iui ‘'der, die, das Meinige^, ^tiii (mir. tai) ‘'der, die, 
das Deinige^ waren nach ai ae ‘'der, die, das Seinige'* (S. 7 78 
Fussn. 1) gebildet (Thurneysen). 

Ob got. 77ievns perns sebis ahd. mm dm sm Suffix -mo- 
(§ 68 S. 149) batten, oder ob an die possessiven ^iiiei Suffix 
-710- gefiigt war (vgl. ai. p%ma-7id- ‘'vormalig'* u. dgl. § 66 S. 134 fi*.), 
wie Liden a. O. will, lasse ich unentschieden. Fiir jene AuL 
fassung konnte man sich auf lit. hmo ‘'wessen'* von einem Jcma- 

1) *8ue wol in ^sue-sor- 'Schwester’ und "^sue-hm'o- ‘^ScbwabeP. Darf 
man daber aus mbd. stca-gei' auf ein idg. ^sue neben "^siie scbliessen, wie 
acc. ai. ma neben gr. pe u. dgl. ? 



826 


Personalpronomina. Casusbildung. 


[§ 451--452. 


Vem gehorig"* berufen wollen, da dieses das Suffix -ena- zu 
enthalten scheint, das zu -mo- in engster Beziehimg stand 
(§ 6S S. 150). Doch kommt dialektisch auch ke^io ijiano) vor 
(Verf. Lit. Volksl. u, March. 304), was an das Nebeneinander 
von ai. hena und av. kana (§ 421 S. 782) erinneit, vgl. Johans- 
son Bezzenberger^s Beitr. XVI 15S. 

452. Es begegnete uns mehrfach die Erscheinung, dass 
man fiir "^ego" ‘'tu^ u. s. w. ^meum^ ''tuum'' u. s. w. sagte, statt 
des Begriffes der Personlichkeit den concreteren des zu der 
Person Gehorigen und ihre Sphare Bildenden setzend. So 
umbr, tiom "^te^ § 442 S. 813, preuss. sen mawi ‘'mecum^ § 449 
S. 823, av. alimai "^nobis^ § 446 S. 818, idelleicht auch gr. lesb. 
ocfjLijLiv 'nobis^ § 448 S. S21 f. Solche Ausdrucksweise war da- 
durch erleichtert, dass es Eormen gab, die in gleicher Weise 
als substantivisches Personale und als substantiviertes Neutrum 
des Possessivum angesehen warden konnten, wie loc. ai. tve 
(vgl. sve ‘^in suo^ ^) 

So ist denn begreiflich, dass auch der Genitiv der Posses- 
siva fiir den Gen. der Personalia eintrat. Gr. tsoTo tooo soTo 
£ oa von TEo-v sd-v. und durch Anfiigung von -c (vgl. Ifxso-; 
§ 450 S. 824) dor. itxoo-' boot, ted)-; Tid)-; (Verf. Kuhn^s 

Zeitschr. XXVIl 407 £. 414 ff.). Preuss, maisei twaisei. Even- 
tuell hierher auch das armen. '^koij, auf dem koy ‘^tuus^ beruhte, 
und lat. niel tui sici lit. mMo tcivo savo (s. § 450 S. 824). Dafiir, 
dass diese lit. Eormen erst von mana- ^meum'' etc. aus gebildet 
waren, spricht kend ‘'wessen'', falls es von einem possessiven 
Adjectiv k-ma- ausgegangen ist (§451 S. 825 £.). 

Ein Casus des Possessivum ist auch in got. meina peina 
sema ahd. min dm sm zu suchen. Aber welch er? 

Anm. Bezzenberger’s Ansicht ist; dass meina Ablativ sei ^Unters. ub. 
die got. AdverbiaTj, wonacb ^mindd oder ^nnned seine Grundform gewesen 


1) Unklar ist tibrigens nocb, wie das Adj. ai. sva- und av. hva- ‘^eigeU; 
mein, dein, sein zu der substantivischen Verwendung kam, wonacb sed-s 
hvo ^er selbsP, svu ^sie selbst’ bedeutete. Denn dieser Gebraueb war dock 
'wol eine secund^e Entwicklung. Man mdcbte glauben, das idg. substan- 
tiviscbe Befiexivum (gr. Hat. se etc.) sei im Ar. in die Elejion des Posses- 



§ 452—454.] 


Personalpronomina. Casusbildung. 


827 


ware und es zu lit. mano stimmte, vgl. § 228 S, 569, § 241 S. 589. Dr. K. 
Bojunga lialt es fiir nom. ace. plur. nentr. (vgl. ai. asmdha-m). Johansson 
Bezzenberger’s Beitr. XVI 163 f. ertlart meina als ,,em local-instr. 

Casus mit der Bedeutung hei, 7nit 7nir u. dgl. oder, nocli genauer, ein Loc. 
[mei-mojr-mi] , mit verstarkt (= asmi- : as7ni-n, oder umgekehrt 

\ jmdnif\ vgl. seine Auffassung von unsara a. 0. S. 136 f. 

453 . TJbex aimen. mr s. § 455. 

Ratselhaft sind noch lit. manqs taves saves neben mane 
tave save] sie erinnern an aksl. toje rcikij dusq (§ 229 S. 5 72 £, 
§ 420 S. 782). Daneben aiich manes taves saves, die wie Ei- 
weitexungen von 77iane etc. mittels -s wie gx. sjaao-; (§ 450 
S. 824) odex wie Compxomisse zwischen mane und manes etc. 
aussehen; fexnex mams taves saves, den Foxmen maniml ma- 
mjje etc. zu Lieb. Vgl. Biiicknex Axch. f. sL Pb. IV 11 ff. 

Endlich ist hiex daxan zu exinnein, dass die Foxmen wie 
ai. me, ihrex Bildung nach Locative, von uxidg. Zeit hex auch 
possessiv gebxaucht w’uxden und somit als genitivi possessivi 
bezeichnet wexden diixfen. S. § 447 S. 818 ff. 

454 . II. Wax dex acc. *7^sme {= gx. ccpps) eine Vexbin- 

dtmg des acc. ^7^s {= got. uns) mit dex Paitikel '^sme (§ 443, 
2 S. 814), so daxf man mit Rlicksicht auf ai. nas, das auch 
Gen. wax, exwaxten, dass auch idg. "^i^sme zugleich genitivisch 
gebxaucht war. Dann standen zu diesem idg. Gen. die griech. 
^dpps-To "^uptjLS-To, die spatex zu pluxalisieit 

wuxden (horn, rjpetmv opetcov i^pecov bpscoV;, att. iQpmv Ufxwv, dox. 
apscov opicnv aptmv upicov), in demselben Vexhaltniss, wie sps-io 
zum idg. Gen. ^^eme. Den Foxmen auf -eimv schloss sich ocpsicav 
acpdiv an. Fexnex hiexhex die Possessiva av, ahma- lesb. appo-c; 
uppo-s dox. apd-^ bpd-c, "^vie av. ma~ gx. spd-;. 

Eine gewisse Bestatigung exhalt diese Auifassung duxch 
die balt.-slav. und duxch german. Foxmen. Wie schon in § 448 
S. 820 f. bemexkt wuxde, waxen aksl. nasu vasu pxeuss. nouson 
iouson lit miisu Jusu wol auf Gxund dex genitivisch gebxauchten 
^nos *uds entspxungen. Duxch XJberfiihrung diesex in die o~ 
Declination entstanden die adjectivischen Possessiva pxeuss. 

sivum iibergefuhrt worden und babe im Anschluss hieran auch einen Nomin, 
bekommen. 



828 


Personalpronomina, Casusbildung. 


r§ 454—455. 


nozis-a- ious-a- (masc. dat. 7iotisesnm acc. iotisan^ feni. nom. nousa 
ioiisa etc.) und lit. musas-is jTisas-is fern. 7nus6-Ji jus6~ji^ wahrend 
aksl. 7icm vast aus ^nas-io- ^vas-io- Suffix -io- batten. In 
gleicher Weise adj. possess, westgexman. tmsa- ^unsex" von lois 
= z. B. flank, gen. wises^ im As, usa afries. use gen. plux. 
(§ 345 S. 691) wie lat. 7iostrum neben nost7% wonacb dann auch 
iwa- ""euex^; gexm. zms-era- neben wisa- wie gx. Y]p,s-T£po-? neben 
apo-;; (§ 455). 

Av. 7ia- ‘'unsex'' entstand so, dass dex possessive Genitiv 
710 = ai. ?ias, von einem nom. sing. masc. abbangig, wie dex 
nom. eines adjectmscben e-Stammes [zna'- ‘'mens" u. s. tv .) be- 
txacbtet und biernacb Tveiteidecliniext wuxde. Vgl. lat. cuiu-s 
‘'wem geboxig" aus cuius § 419 Anm. S. 781. 

455. Ein r-Suffix zeigen die Gen. aisl. ^unsex'’ aus 

zu got. veis Virb und abd. unsei' iuioer. Vexmutbcb das- 
selbe Element, das die axmeniscben geschlecbtigen Pronomina 
aufweisen (§ 419 S. 779), und das biei auch im Pexsonalpio- 
nomen exscbeint: sing, iur ‘'sui", pluxalisiext iuremic^ und 7 ner 
‘'nostxi" jei' S'estiP. Vielleicbt wax das r aucb identiscb mit dem 
von Adv. wie got. her ‘'hiex" par ‘'da" (vgl. S. 529 Fussn. 1.), so dass 

uxspxiinglicb etwa ‘'bei uns" bedeutete und sein genitivi- 
scbex Gebiaucb sich mit dem des ai. loc. me u. dgl. vexgliche 
(s. Johansson Bezzenbergex's Beitx. XVI 123 ff. , bes. S. 134. 
143). Dass -er in abd. imser imver nicbt vexkiixzt wuide (vgl. 
fater aus uxgeim. "^fadey^ lasst sich daxaus exklaxen, dass diese 
Formen, die wie die as. gen. plux. usa iwa (§ 454) auch dixect 
als nom. sing, des adjectiviscben Possessivs gebxaucbt wuiden, 
untex den Einfiuss dex Foxmen wie Je-ner hlinter gexieten, dexen 
-er aus ^-ai-z hexvorgegangen war (§414 S. 775); man beacbte 
den vexscbiedenen Uxsprung dex Aiisgange von unser und mi- 
sey'er. Axmen. iur yner jer auch als adj. possess., gen. iuroxj 
meroy jeroy (vgl. § 450 S. 824), und aisl. rarr-r ‘'nostex" vom 
Gen, var. 

]Mit compaxativiscbem Suffix gr. 7]|xs-Tspo-c dps-tspo-c tind 
xeflex. ocpe-Tspo-j; (auf Plux. und Sing, bezogen) und lat. 7ios~ier 
res-ter [roster wol erst nacb nosier gebildet), umbr. restra abl. 



§ 455—456.] 


Personalpronomina. Casusbildung. 


S29 


S-estra^, vgi. § 75 S. 181. 183. § 139 S. 421. Wie nun gr. 

Tspoo dem Sinne nach kaum unterschieden von Tjgwv voikommt 
(Terf. Kuhn s Zeitschr. XXVII 403. 410, vgL tsoTo § 452 S. 826), 
so wurden nostri vestrl mit den pluralisierten nostrum vestru?n 
(zuerst wol in Wendungen wie 7yiultl yiostrum) die Gen. zu 'uos 
ros. Dasselhe -tero- in dem air. dualischen 7ia-thar u. a. § 459. 

Anm. Der Vocalunterscliied zwisclien lat. noster und vaster war wol 
uralt. (1st osk. nistrus Zvet. n. 129, 2 mit Bugge als 'nostros' zu erklaren 
[anders Buch-eler, s. I § 65 S. 55],. so ware das vorauszusetzende ^nesfro- 
als Neubildung nd^oh vestro- anzuseben.) Vielleicbt ahnlich air. Gen. l.Pers. 
naUhar neben 2. Pers. se-thar (se~ == ’^s-iie-), vgl. auch § 457 iiber ai.?iuu : va77i. 

Duich diese Formen mit -t[e)ro~ wird erwiesen, dass wir 
das ebenfalls comparativische -[e)ro- (§75 S. 177 if.) in folgen- 
den Formen zu sehen haben. Air. gen. ar 7i- und far n- mit der 
Endungdes gen. plur. wie lat. 7iostrw7i, als Possessiva fungierend; 
ar 71- wahrscheinlich (nach Torp. a. O. 41) aus ^esro- = ^7}s-ro- 
(zu -r- aus -sr- vgl. 7nvr aus ^mensr- I § 574 S. 432) mit 
Schwachung des Vocals der ersten Silbe zu a in proklitischer 
Stellung (anders Thurneysen oben § 75 S. 184 Fussn. 1), und 
far n- entweder entsprechend aus '^s-iies-ro- oder aus "^s-ue- 
ro-^ in welchem letzteren Falle es urspriinglich dualisch ge- 
wesen ware wie sethar Vester^ (pl^r.), s. § 459. Got. imsar 
izvar^ aisL yS[v)ar-7\ ahd. mit starker Endung imserer imoerer^ 
wozu der Gen. der Personalpronomina got. U7isara izvara aisl. 
yd{v)ar^ wie got. mema zu fnein-s^ aisl. mm zu mm-7i (§ 452 mit 
Anm. S. S26f.); da izvar iuwerer aus "^es-ties-ro- "^e-ues-ro- nicht 
herleitbar sind, so waren sie entweder urspriinglich dualisch, 
wie erentuell air. far 7i-^ oder iiberhaupt erst nach unsar U7i- 
867' er gebildet. 

Diese Formen mit -[e)7'o- und die substantivischen aisl. uar 
ahd. tmser scheinen sich ahnlich zu einander verhalten zu 
haben wie gr. uTuspo-:; lat. s-iipey'u-s und uTrsp s-uper u. dgl. 
(§ 75 S. 177 ff., § 258 S. 611). 

456. Ein Stammbildungssuffix -aha- zeigen die ar. Genitive: 
ai. asynaham yusmakaiyy^ woneben ved, auch asmaha %jupnaha 
wol nach mama tdva (wie umgekehrt pali mayyiayyi tavarn nach 
amhahani tumJidha7yi)\ av. aJiynaheyyi yusmdkeyn xhnZihem apexs. 



830 


Personalpronomina. Caeusbildung. 


[§ 456-457. 


amaxam (iiber das -x- diesei Form Baxtholomae Ar. Forsch. I 
79). Dazu als Possessiva ai. asmaka-s yusmdka-s^ av. ahmdka- 
yusmZika- xsmcika-. Die Formen auf -dkam konnen kaum 
etwas andeies als nom. acc. sing, neutr. gewesen sein, wenn 
auch die syntaktische Ratio noch iinklar ist^ vgl. yuvahu als 
gen. du. neben adj. yzivaku-s (§ 458. 459). Vgl. § 36 S. 242 f., 
§ 89 S. 257, Benfey Abh. d. Gott. Ges. d. Wiss. XIX 4. 46, Yerf. 
Kuhn’s Zeitschr. XXVII 400 ff., Toip. a. O. 31. Anders, aber 
mir zu ‘'glottogoniscK, Johansson Bezzenberger’s Beitr. XVI 139f. 

Anm. Es ware gut moglicb, dass asmokam urspriinglicb adverbial 
war, etwa 'unserseits’ bedeutend. Die attributive Verb in dung mit Nomina, 
z. B. asmakq gaijatrdh 'unser Gesang’, war dann dieselbe wie td imi vidurq 
lokah Qat. Br. 1, 4, 1, 23 'diess sind die weit auseinander (liegenden) 
Welten^ gr. 6 vuv "/povoc u. s. w. (s. Gaedicke Accus. im Veda 233, Del- 
brtick Synt. Forsch. V 72. 203, Paul Principien^ 314). Auch hatte der Ge- 
hrauch von mama tdva av. 7na7ia tava vorbildlich mitgewirkt. 

Als Possess, im Ai. auch asmad-iya-s ytmnadAya-s^ vgl. 
mad-iya-s tvad-iya-s § 451 S. 825. 

b. Die dualischen ^oir iln\ das dualische Reflexivum 
und die zugehorigen Possessiva. 

Nominativus und Accusativus. 

457, Das Hauptcharacteristiciim der Dualcasus war die Ab- 
wesenheit des s der pluralisch fungierenden ai. na-B va-s u. s. w. 

Dem pluralischen nom. ViP entsprac-h nom. ^ue 

(vgl. ^me ^me gr. ps ai. md u. dgl. § 415 Anm. S. 776). got. 
aisl. xi-t ags. lit. dial. ve~dii fern, ve-dvi^ wofiir hochlit. 

mu~du -dm {ve-du war urspriinglich nur nom., mu-du nur acc. ; 
in den einen Dialekten wurde mudu durch vedu verdrangt, 
in den andern vMu durch mudu)] wie lit. -du wird auch got. -t 
zum Zahlwort zwei (got. tvdi) gehort haben, doch ist die Art 
der Verkiixzung, durch die -i entstand, unklar. ^‘ue: aksl. 
ai. ved. xam mit Partikel -m. 

Dem pluralischen nom. ‘^ihP entsprach ^iu (vgl. 

^tu ‘^du^ u. dgl. § 415 Anm. S. 776). '^iu: lit. ju~du (auch 

als acc.), got. ^Ju-t (zufallig unbelegt), wofiir ags. ^it as. git hd. 
hair, eg aisl. it durch den Einfluss von wit vit (vgl. § 441 
S. 810). ai. yuvdm = yu-h am. 



§ 457.] 


Persoiialpronomina. Casusbildung. 


831 


Gegeniiber dem plui. acc. etc. ai. 7ias lat. nos u. s. w. ei- 
scheinen folgende Formen: ai. enklit. nau acc. gen. dat. wie 
nas\ gr. vd) acc. nom., woneben horn, voa-i vielleicht init deikti- 
schem -i (vgL Verf. Gr. Gr. ^ S. 132); aksl. na acc. dat. Es gab 
also im Uridg. ein enklit. ""'no (*ndu), das im Griecb,, betont ge- 
brauchtj auch in den Nom. eindrang, wie im Plural lat. nos auch 
Norn, wurde. Wie nun im Plural ‘^ns (got. u? 2 s) neben ' noSj so 
im Dual % neben in acc. got. ags. 2 m~c mit Partikel 
-k wie mi-k. Ferner hierher wol auch ai. ved. acc. amm: es 
lasst sich auf a- — zuriickfiihren , indem man annimmt^ es 
sei nach yiwam erweitert worden^ vgl. u. 

Gegeniiber dem plur. acc. etc. ai, vas lat. vos u. s. w. er-* 
scheinen folgende Formen: ai. enklit. vam (mit m-Partikel) 
acc. gen. dat. wie vas'^ aksl. va acc. dat. nom. (der Gebrauch 
als nom. unurspriinglich). Weist der Gegensatz ai. 7itm : vam 
darauf hin^ dass die Grundform der 2. Pers. nicht war? 
(vgl. § 455 Anm. S. S29). Entsprechend dem % (got. iig-h) 
mag es im Germ, ein ’'w gegeben haben, acc. woraus duxch 

analogische Umgestaltimg ags. me u. s. w., s. § 437^ 2.d S. 806, 

Ai. ved, 1, Pers. nom. avdm acc. dva7n^ 2. Pers. nom. ymdm 
acc. ytivam^ die Accusativformen in der spateren Sprache auch 
als Nom. Av. acc. ava. Wahrscheinlich hatte (im Urar.) der nom. 
yuvdm einen acc. yuvam hervorgerufen nach der Analogic tuvdm 
tvdm : imam tv am. Auf acc. "^yuvd nach tuva tva weist av. avd. 
Vgl. auch abl. yuvdd nach tuvdd tvdd. Gleichartige Formen 
nun auch fiir die 1. Person zu gewinnen^ bildete man^ wie es 
scheint, dvdm ai. dva^n av. dva (vgl. auch abl. Iivdd) von einem 
d- = aus ; d- = zu in got. ug~k^ wie zu 
Ahnlich im Plural in umgekehrter Eichtung ai. yu-ydm nach 
vay-dm. An die genannten dualischen Casus schlossen sich die 
iibrigen an^ s. § 458. 

Von alien bisher genannten Formen ist zu trennen gr, acpco 
"^ihr beide^, homer. acpa>i (wie s. o.). Eine Vermutung iiber 
seinen Ursprung s. § 436 Anm. 3 S. 804. 

Reflexiv: horn. acc. aeptos^ gewissermassen eine Dualisierung 
von acps durch Einschub von o), wie ccpmiv nach acptv. 

Brugmann, Grundi’iss. II, 2. 53 



S32 Personalpronomina. Casusbildiing. [§ 458. 


Die iibxigen Casus und die Possessiva. 

458. Ariscb. Nichts Dualisches zeigen im Casussuffix 
folgende Formen. Ablat. ai. ved. cmdd yuvdd: vgl, tvdd. Instr. 
yiwa in ved. yiiva-daUa-s : vgl. tda-datta-s ytdma-daUa-s . Gen. 
av. yiwahem^ wie yuhndkem^ dagegen ai. ved. yuvaku yuvakus 
mit dem Adj. yiivakii~s gegen yusmakam mit dem Adj. yusmaka-s] 
diese rt&-Bildimg und dex Gebxauch des Adj. yuvaku-s lassen 
ixgend welche engeie Beziehung zu yuvdyu-s yuvayu~s tvdyu-s 
u. dgl. vexmuten (vgl. § 456 S. 829 f. und die doxt citiexte Lite- 
latux). Dagegen mit dualischer Casusendung gen. loc. dvdyds 
yuvdyds^ woneben ved. yuv6s^ das entwedex nach : enayos 
(§ 307 S. 654) zu beuxtbeilen ist oder dixect zu "^yu (woraus yuvdm) 
gebildet wax (vgl. sunti : sunv-6s)^ und dat.-abl. instx. dva-lhycm 
yuva-bliymn neben yuvd-ihymi (vgl. J. Schmidt Plur. 20). 

Giiech. Horn, vdiiv acpwtv att. vwv acpcpv. Vgl. toT-iv § 312 
S. 659. Wax vd)tv aus ^'vco-civ heivoigegangen? Moglich ist 
auch, dass v^iv wie spiv nach. dem Mustex von aji|jnv gebildet 
wuide und, mit den Foimen wie toTiv itituouv associiext, sich 
dexen Gebxauchsumfang aneignete. 

Lat. 7w-Ms td-hls konnen als alte Dualcasus betxachtet 
wexden (vgl. aksl. 7ia-7na 7)a-7na], die im Suffix nach dem 
Mustex wtis pluxaJisch gefoxmt wuxden, s. § 445 S. SI 7. Dex 
Ubextxitt in den Pluxal beim Abstexben des Duals hatte an baix. 
eg enk als Plux. (Ahnliches in noxd. Dialekten, s. Johansson 
Kuhn’s Zeitschx. XXX 551) ein Seitenstiick. Vgl. auch lat. du. 
dtiaej equae als Plur., § 286 S. 643, §315 S. 663. i) 

Air. gen. Jidtlim' 7id7' mix. fathar s. § 459. 

German. Im Anschluss an ^im-ke = got. ugk (§ 457), 
dessen k dem s von wis paxallelisiert und so mit zum Stamm 
geschlagen wuxde, entstanden got. ugkis ugkai'a nach unsis 
imsm'a^ as. gen. imhero gen. plur. des Possess, wie usa^ dat. 
m%k aus ^imkiz wie in aus "^iuuiz^ ahd. gen. mikei' nach imse7\ 
Entspxechend in dex 2. Peis. got. igqis igqara [-ku~~ nach -zv- 


1) So jetzt auch Bartholomae Stud, zur idg, Sprachgesch. I 7. 



§ 45S— 459.] 


Personalpronomina. CaBusbildiing. 


833 


in izvis izvara] as. ink. Ags. acc. uncit neben dat. imc inc, 

mit -it nach den nom. wit ^it. 

Balt.-SlaY. Aksl. na-ma va-ma wie rctha-ma^ abex na-ju 
va-Ju gegen rqkti ioju. ImLit. eine Fiille von Foimen^ iiber 
die veischiedenen Dialekte vextheilt. Dat. instr. Quu-mju-m zu 
mu-du ju-du (§ 457 S. 830), wie im Plur. mu-ms Ju-ms und 
mu-m\s Ju-mts] auch mum-d^em jum-dnem. mum VL'nAjum dien- 
ten nun wieder als Basis fiir gen. alit. mumu jumu mit dem 
-u des gen. plur. (vgl. gen. du, dnemu Bruckner Archiv f. slay. 
Phil. Ill 310) und fiir dat. mumem\ auch gen. muma juma (als 
gen. possess.) kommen vox, die, da sie Gegenden angehoxen, in 
denen mano tcwo lautgesetzlich zu mZma tava gewoxden sind, 
sichex nach dexen Muster gebildet sind. Andexwarts wurde die 
Flexion nur an dem mit ve- mu-^ ju- vexbundenen -du voll- 
zogen, doch in verschiedenex Weise. Hochlit. gen. 7nu-dveju 
ju-dveju dat. instr. mu-dvem Ju-dvem loc. mu-dvese Ju-dvese. Da- 
gegen andexwarts so, dass ve-du mu-du^ ju-du bei innigerer 
Verschmelzung der] beiden Bestandtheile gewissexmassen als 
ved-u u. s. w. dex Analogic von sunu vexfielen: gen. vklums 
mudumSj judums (vgl. sunu-ms § 310 S. 655), dat. instr. x^edum 
mudum, judum^ wie in denselben Gegenden auch gen. tudums 
dat. instr. tudum zum nom. tk-du (zu id-s ‘'der^) vorkommen. 

459. Possessiva. Ai. ved. yuvaku-L Gr. horn. v(!>’i-rspo-(; 
acp(oi-t£po-c, vgl. 7]!X£-r£po-?. Air. na-thar und na-r in cechtar 
nathm\ cechtar ndr jeder von uns beiden^, vermutlich gen. plur. 
wie ar n- (§ 455 S. 829); na- aus *no-. So wild auch das air. 
se-thar [sethar[-si] Wb. 1^ glossiext betontes Vestram'', pluraUsch), 
das zu "^s-ue- gehoxt, urspriinglich dualisch gewesen sein, wie 
noch mix. 7ieclitar fathar ‘'dex eine von euch beiden'' [fathar wol 
eine Umbildung von setJiar nach /hr), eventuell auch mix. \sar 
in mdala-sar ‘'dex eine von euch beiden'' und der possessive 
Gen. far n- (vgl. a. O.). Got. igqar [ugkar unbelegt, doch 
aus gen. ugkar a zu entnehmen), aisl. okkar-r ykkar- 7 % as. gen. 
plur. mikero. 


53 * 



tibersichtstabelle zur Declination der Personalpronoiniha und des itenexiYuffii. 

(Anliang zu § 439 — 459).*) 


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Verbale Stammbildung und Flexion, (Conjugation). 


460 . Die ein Verbalsystem bildenden Woxtfoiinen sind 
zweieilei Axt. Die einen sind die Vexbalfoxmen im engexen 
und eigentlichen Sinne: die Foimen des Indicativns, Conjunc- 
tivns, Injnnctivus, Optativus (Piecativxis), Impexativiis. Sie 

1) All gem ein idg. Bopp Vergleicli. Gramm. IP § 426 ff. S. 255 
in § 672 £ S. 1 ff. Schleicher Compendium^ S. 644 £ Fr. Muller 
Grundr. der Sprachw. Ill S. 550 ff. Bopp Uber das Conjugationssystem 
der Sanshritsprache in Yergleichung mit jenem der griech.; lat., pers. und 
german. SprachC; 1816. W. Wackernagel Uber Conjugation und Wort- 
bildung durch Ablaut im Beutsch., Griech. und Lat., Seebode und JahAs 
Jahrbb., Supplementb. I (1831) S. 17 ff. F. Graefe Bas Sanskrit-Verbum 
im Vergleich mit dem griech. und lat., aus dem Gesichtspunkte der class. 
Philologie, St. Petersb. 1836, A. Kuhn Be conjugatione in -jat linguae 
Sanscritae ratione habita, Berl. 1837. C. W. Bock Analysis verbi oder 
iN'achweis der Entstehung der Formen des Zeitwortes namentlich im Griech., 
Sanskr., Lat. und Tiirk., Berl. 1845. M. Eapp Ber Verbal-Organismus d, 
indiseh-europaischen Sprachen, 3 Bde., 1859 (I. Bas ind., das pers. und das 
slaw. Verbum, IL Bas griech. und das roman. Verbum, III. Bas goth., das 
skand. und das sachs. Verbum), Fr. Muller Ber Verbalausdruck im arisch- 
semitischen Sprachkreise, Wien 1S5S. Stenzler Uber die verschiedenen 
Conjugationen u. s. w. (s. S. 510 Fussn. 1). Schleicher Bie Unterschei- 
dung von Nomen und Verbum in der lautlichen Form, 1865. A,scoli 
Studj Ario-Semitici, Articolo secondo, letto alia Classa di lettere etc. [del 
B. Istituto Lombardo] (iiber das idg. Verbum mit Bucksicht auf die Frage 
der Verwandtschaft des Idg. mit dem Semit.), IVIilano 1865. Merguet 
Welche Beweiskraft hat das Verbum possum fur die Entstehung der Ver- 
balendungen aus Hilfsverben, Gumbinnen 1869. Bers. Bie Ableitung der 
Verbalendungen aus Hilfsverben, Berl. 1871. Bers. Bie Hilfsverba als 
Flexionsendungen, Fleckeisenk Jahrbb. 1874 S. 145 ff. Bers. Bemerkungen 
zur lat. Formenbildung, Kuhn’s Zeitschr. XXII 141 ff. Pauli Bie Ablei- 
tung der Verbalendungen aus Hilfsverben, ebend. XX 321 ff. Leo Meyer 
liber Vocalsteigerung, insbesondere in der Verbalflexion, ebend. XXI 341 ff. 
Westphal Bas indogerm. Verbum nebst einer Ubersieht d. einz. idg. Spra- 
chen und ihrer Lautverhaltnisse, 1873. A. Kerber Gedanken ub. dieEnt- 
wickelung der Conjugation, Erstes Heft: Einleitung, Prasens, Bathenow 



§ 460.] Conjugation. Vorbemerkungen. g37 

machen das sogen. verbum finitum aiis. Die andem sind 
verbale Nomina: die Fornien des Infinitivus (Supinum), Gerun- 
dium (Absoliitiviis), Participium (Gerundi\aim]. Sie bilden das 
sogen. verbum infinitum. 

1873. Grotemeyer Ub. die Verwandtscbaft der idg. imd semit. Spracben, 
3. Tbeil: Das Verbum, Kempen 1876 (vgl. auch 4. Tbeil, ebend. 1877). W. 
Soberer Zur Gescb. d. deutscb. Spracbe- S. 212 ff. Verfasser Das ver" 
bale Suffix d im Idg., die griech. Passivaoriste und die sogen. aobscbe 
Flexion der verba contracta, Morpbol. Unters. I 1 ff. J. ScbrammenUb. 
die Bedeutung der Formen des Verbum, Heiligenstadt 1884. Moulton 
Notes in Verbal Morphology, Americ. Journ. of PhiloL X 280 fif. H. D. 
Muller Zur Entwickelungsgeschicbte des idg. Verbalbaues, 1890. 

Ariscb, Bartbolomae Zur [ar.] Verbalflexion, Ar. Forscb. II 61 fi:‘. 
Ders. Zur [ar.] Verballebre, in: Beitrage zur Flexionslehre der idg. Spra- 
cben, 1888, S. 1 ff. (= Xubn’s Zeitscbr. XXIV 271 ff.). Whitney Indische 
Gramm. S. 193 fiP. Ders. The System of the Sanskrit Verb, Proceedings of 
the Americ. PhiloL Assoc., 1876, p. 6 sqq. Ders. Die Wurzeln, Verbal- 
formen und primaren Stamme der Sanskrit-Sprache (Anbaiig zur Ind. Gramm.), 
1SS5. Delbriick Das altind. Verbum aus den Hymnen des Pdgveda seinem 
Baue nacb dargestellt, 1874. J. Avery Contributions to the History of 
Verb-Inflection in Sanskrit, Journ. of the Americ. Orient. Soc. X 217 sqq. 
Neisser Zur ved. Verballebre, Bezzenberger’s Beitr. VII 211 fiP. Bartbo- 
lomae Handb. der altban. Dialekte S. 113 ff. Ders. Das altiran. Verbum 
in Formenlehre und Spitax dargestellt, 1878. Spiegel Gramm, der alt- 
baktr. Sprache S. 205 ff. Ders. Die altpers. Xeilinschr. ^ S. ISIS'. Ders. 
Der Organismus des neupers. Verbums, Kuhn-Schleicher’s Beitr. II 464 ff. 
H. A. Barb Der Organismus des pers. Verbums, Wien 1860. Fr. Muller 
Die Conjugation des neupers. Verbums, sprachverglei ebend dargestellt, Wien 
1864. Ders. Die Conjugation des avgbamschen Verbums, spracbvergleichend 
dargestellt, Wien 1867. Ders. Die Grundzuge der Conjugation des osse- 
tischen Verbums, Wien 1864. Salemann Versuch uber die Conjugation 
im Ossetischen, Xuhn- Schleicher s Beitr. VHI 48 ff. 

Armenisch. Fr. Mull er Beitrage zur Conjugation des armen. Ver- 
bums, Wien 1863 (vgl. auch desselben Gelehrten Armeniaca FL, Wien 1870, 
S. 1 ff.). 

Griechisch und Lateinisch. V. Henry Precis de grammaire 
comparee du grec et du latin ^ p. 264 sqq. Xing and Cookson The 
Principles of Sound and Inflection as illustrated in the Greek and Latin 
Languages p. 373 sqq. G. Curtius Die Bildung der Tenipora und Modi 
im Griech. und Lat. , sprachvergleichend dargestellt, 1846. Landvoigt 
Die Formen des giiech. und lat. Verbums untereinander verglichen, Merse- 
burg 1847. Birkenstamm Uber die lat. Conjugation in Vergleichung mit 
der griech., Rinteln 1869. Frohde Zur griech. und lat. Conjugation, Bez- 
zenberger’s Beitr. IX 107 ff. 



838 


Conjugation. Vorbemerkungen. 


[§ 461. 


461 . Die Formen des veibiim finitum beruhen auf 
dem Subjects- und PrMicatsverhaltniss. Es entsprang diese 
Formkategorie in der nridg. Zeit so, dass sich eine irgend ein 
Sein Oder Thun bezeichnende Wortform und ein personliches 

Griecbiscb. Eubner Ausfubrl. Gramm, der griecb. Spr. S.490F. 
G. Meyer Griech. Gramm. “ S. 402 £P. Verfasser Griech. Gramm. (I. Mul- 
ler’s Handb. der klass. Altertumswiss. S. 144 ff. Pezzi La lingua greca 
antica p. 216 sqq. Monro A Grammar of the Homeric Dialect p. 1 sqq. 
Lobeck Ehematicon, sive verborum Graecorum et nominum verbalium 
technologia, 1846. Curtins Das Verbum der griech. Sprache, seinem Baue 
nach dargestellt; 1“ 1877, II- 18S0. Ahrens Uber die Conjugation auf [ja 
im Homerischen Dialekte, Nordhausen 1838. L. Junius On the Evolution 
of the Greek Verb from Primary Elements, London 1843. A. Haacke 
Die Flexion des griech. Verbums in der att. und gemeinen Prosa, Nord- 
hausen 1850. In am a Osservazioni sulla teoria della conjugazione greca, 
Rivista di filol. I 149 sqq. Pick Zum Aorist- und Perfectablaut im Griech., 
Bezzenberger’s Beitr. IV 167 ff. Bloomfield The L\blauP of Greek Roots 
which show variation between e and o, Americ. Journ. of Philol. I 281 sqq. 
J. Wackernagel Der griech. Yerbalaccent, Kuhn’s Zeitschr. XXIII 457 ff. 
Vogriuz Beitr%e zur Formenlehre des griech. Verbums, 1886. Von der 
Pfordten Zur Geschichte der griech. Denominativa, 1886. Johansson 
De derivatis verbis contractie linguae Graecae, Upsala, 1886. Lautensach, 
Verbalfiexion der att. Inschriften, Gotha 1887. G. Mekler Beitrage zur 
Bildung des griech. Verbums (i. Verba contracta mit langem Themenvocal, 
2. Die Flexion des activen Plusquamperfects), Dorpat 1887. — G. Traut 
Lexicon uber die Formen der griech. Verba, 1867. Veitch Greek Verbs 
Irregular and Defective, their forms, meaning and quantity, embracing all 
the tenses used by the Greek writers, with references to the passages in 
which they are found, Hew ed., Oxford 1887. A. A. Zu7.ei.Xap to; "AvA- 
(j.aXa y.al iXkizfi ptjtjiaTa cuY^potcecuv y.al xoit^tcBv 'Xi\XqvvAfi<; 

5. AufL, Athen 1877. C. Thiemann Homerisches Verhallexicon, 1879. 
Fr oh wein Verbum Homericum, die homer. Verbalformen zusammengestellt, 

1881. r. Zt]*/. to'fjc As^r/.ov aTraVTu^v 'zinv pTj!j.dTUJV ’ATTiafj:; oiuXeaTou, 

Tcepisyov y.al tuttou^ e? ’AxTLy.ojv ^7itYpa:pa)V y.xX., Athen 1888. A. Hogue The 
Irregular Verbs of Attic Prose, their forms, prominent meanings, and im- 
portant compounds, Boston 1889. 

Lateinisch. Kiihner Ausfuhrl. Gramm, der lat. Sprache I S. 428 ff. 
Stolz Lat. Gramm. (I. Muller’s Handb. der klass. Altertumswiss. F)S.356ff. 
Neue Formenlehre der lat Spr. II ^ 259 ff. Merguet Die Eiitwickelung 
der lat. Formenhildung S. 167 ff. K. L. Struve tiber die lat. Declination 
und Conjugation, 1823. K. Hagena Uber die Einheit der lat Conjug., 
Oldenburg 1833. Heffter Uber den Ursprung von Bildungen von Verben 
und der Conjugationsformen in der lat. Sprache, Seebode und Jahn’s 
Jahrbh., IV. Supplements (1836), S. 114ff. Fuchs tiber die sogen. unre- 



§ 461 .] 


Conjugation. Vorbemerkungen. 


839 


Pxonomen, die zusammen als Satz fungierten, und von denen 
dieses das Subject, jones das Pradicat war, zu einer Wortein- 
heit vexbanden. Die Pxonomina, die die Beziehungen auf die 
vexschiedenen Pexsonen andeuteten^ die sogen. Pexsonalendun- 


gelmassigen Zeitworter in den roman. Sprachen, 1840. Seemann De con- 
jugationibus Latinis^ Culm 1846. A. Tobler Darstellung der lat. Conjugation 
und ihrer romaniscben Gestaltung, Zurich 1857. Westphal Die Verbal- 
flexion der lat. Spr., 1872. L. C. M. Aubert Den latinske Verbalflexion, 
Christiania 1875. E. Eisenlohr Das lat. Verbum, Heidelberg 1880. Stolz 
Zur lat. Verbal-Elexion I, 1882. A. Probst Beitrage zur lat. Gramm., I. 
Zur Lehre vom Verbum, 1883. M. Engelhard! Die lat. Conjugation, 
nach den Ergebnissen der Sprachyergleichnng dargestellt, 1887. — G. Hoff- 
man e Lexicon lateinischer Wortformen, 1874. Georges Lexikon der lat. 
Wortformen, 1889 (noch unvollendet). 

Heltisch. Zeuss-Ebel Gramm. Celt. p. 410 sqq. Windisch 
Die ir. Auslautgesetze , Paul-Braune’s Beitr. IV S. 204 ff. Lottner Die 
altir. Verbalclassen, Huhn-Schleicher’s Beitr. II 322 ff. Stokes Bemer- 
kungen iiber das altir. Verbum, ebend. Ill 47 jff. VI 459 ff. VII 1 ff. Ders. 
The Old-Irish Verb Substantive, Kuhn’s Zeitschr. XXVIII 55 ff. E b e 1 Celtische 
Studien: Aus der Conjugation, Kuhn-Schleicher’s Beitr. Ill 257 ff., Das 
Verbum, ebend. V 1 ff. Zimmer Keltische Studien, Kuhn’s Zeitschr. XXVIII 
313 ff. {Das sogen. ^Futurum); 328 ff. (Das sogen. 6-Prateritum) ; 335 ff. 
(Das sogen. •w-Imperf.) ; 342 ff. (Deponentiale Conjunctivformen auf -re) ; 
348 ff. (3. sing, praet, pass, auf -as)] 352 ff. (3. plur. praet. pass, auf -ait)] 
363 ff. (3. sing, praet. auf -ta, -tha)] XXX 112 ff. (Die Schicksale des idg. 
5-Aorists im Ir. und die Entstehung des kelt. 5-Prateritums) ; 198 ff. (Das 
sogen. z5-Prateritum der kelt. Sprachen). Loth Essai sur le verbe neo- 
celtique en irlandais ancien et dans les dialectes modernes, son caractere, 
ses transformations, Paris 1882. Ebel De verbi Britannic! future et con- 
iunctivo, Schneidemuhl 1866. Stokes Die mittelbretonischen unregel- 
massigen Verba, Kuhn-Schleicher s Beitr. V 306 ff. Loth L’optatif, les 
temps secondaires dans les dialectes britanniques, M6m. de la Soc. de lingu. 
V 133 sqq. Ernault Etudes bretonnes, VI; La conjugaison personelle et 
le verbe Avoir’, Kev. Celt. IX 245 sqq., VII: Sur Tanalogie dans la conju- 
gaison, ibid. XI 94 sqq. Nettlau Observations on the Welsh Verbs, Y 
Cymmrodor IX p. 56 sqq. Rhys Notes etc., Revue Celt. VI 14 sqq. 

Germanisch. Grimm Deutsche Gramm. I-(1870) S. 754 ff. Kluge, 
Noreen, Behaghel, J. te Winkel, Siebs, Paul’s Grundriss I 369 ff. 
509 ff. 592 ff. 663 ff. 749 ff. Braune Got. Gramm. ^ S. 66 ff. Ders. Althochd. 
Gramm. S. 209 ff. Ch. S. Th. Berndt Die doppelform. Zeitworter d. 
deutsch, Sprache mit Zuziehung der verwandten Sprachen, Aachen und 
Leipz. 1837. H. Schweizer Die zwei Hauptklassen der unregelmassigen 
Verba im Deutschen, HOfers Zeitschr. fur die Wissensch. der Spr. ni74ff. 
Ch. W. M. Grein Ablaut, Reduplication und secundare Wurzeln der star- 



840 


Conjugation. Vorbemerkungen. 


[§ 461. 


gen, hatten immer die zweite Stelle in diesex Vexbindxmg, z. B. 

(= ai. e~mi gr. das axis Wuizel ei- "^gehen^ nnd 

dem zu ai. ma gi. [jls ‘'me'* gehoxigen besteht (dass das i 
von -mi uxspxiinglich kein Theil des Pxonomens dex exsten Bex- 
son selbst wax, wird sich sp^ex exgeben). Die Pexsonalendun-^ 
gen sind das hauptsaclilichste formelle Chaxactexisticum des 
Vexbum gegeniibex dem Nomen und Pionomen, 

Nun waxe es abei falsch, wollte man alle Elemente, die 
in der geschichtlichen Zeit unserex idg. Spxachentwicklung als 
Pexsonalendungen an Verbalformen fungi eien, fiir wixkliche 
Pexsonalpionomina exklaien. Nachdem die Kategoxie des Vex- 
bum mit Hilfe von wixklichen Peisonalpxonomina einmal ge- 
schaffen wax, konnten sich. Foimen von andexex etymologischer 
Oxganisation angliedexn und so gebxaucht weiden, als hatten 


ken Verba im DeutBchen, 1862. Braun e Ub. den grammatischen Wecbsel in 
der deutscb. VerbalflexioU; Paul-Braunek Beitr. I 513 ff. Xluge Beitrage 
zur Gescbicbte der germ. Conjugation (Quellen und Forschungen XXXIl), 
1879. Grein Das goth. Verbum in sprachvergleicbender Hinsicht, 1872. 
C. H. F, Walter Die starke Conjugation im Tatian^ 1868. J. Xelle 
Otfrid’s Verbalflexion ausfuhrlich erlautert, Zeitscbr, f. deutscb. Altert. XII 
Iff. Ders. Verbum und Nomen in Notkefs BoetbiuS; Sitzungsber. der 
Wiener Ak. CIX (1885) S. 229ff. Ders. Verbum und Nomen inNotkers 
Aristoteles, Zeitscbr. fiir deutscbe Phil. XVIII 342 ff‘. Ders. Verbum und 
Nomen in NotkeFs Oapella, Zeitscbr. fiir deutscb. Altert. XXX 295 ff. C. 
Giintber Die Verba im Altostfries.; ISSO. 

Baltiscb-Slaviscb. A. Ludwig Der Infinitiv im Veda, mit einer 
Systematik deslit, und slav. Verbs, 1871. Schleicher Lit. Gramm. S. 221 ff. 
Eurscbat Gramm, der littau. Spr. S. 270ff. Bczzenberger Beitrage zur 
Gescb. der lit. Spr. S. 192 ff. Miklosicb Vergl. Gramm, der slav. Spr. 
in^ 62 ff. Leskien Handbuch derabulg. Spr.^ S. 99ff. Miklosicb Lebre 
von der Conjugation im Altsloven., Denkscbriften der Wiener Ak. I (1850) 
S. 167 ff. P. Pfubi De verborum Slavicorum natura et potestate, Dresd. 
1857. Miklosicb Beitrage zur altsloven. Gramm, (part, praet. act. I; part, 
praes. act. auf e statt auf y; Aorist; die Personalsuffixe des Dualis; Impe- 
rativ), Wien 1875. Leskien Die Prasensbildungen des Slav, und ilir Ver- 
baltniss zum Infinitivstamm, Arcbiv fur slav. Pbilol. V 497 ff. 0. Wiede- 
mann BeitrS-ge zur abulg. Conjugation, St. Petersburg 1886. A. Kalina 
Przyczynek do historyi konjugacyi slowiangkiej, Warschau 1889. 

Arbeiten, die sicb speciell nur mit Tempusbildung, Mo- 
dusbildung, Perso^alen dungen u. s. w. befassen, werden zu 
Anfangder betreffenden Abscbnitte aufgefiibrt. 



§ 461—462.] 


Conjugation. Vorbemerkungen. 


841 


sie Personalpronomina am Ende. So schloss sich z. B. im Lat. 
.die Paiticipialfoxm legi-mini — gr. ksyd-psvoi -psvai den Indi- 
cativformen hgor etc. an (s. § 71 S. 255)^ und fiir das Sprach- 
gefiihl des Eomers war -mini ein Element von derselben Art 
wie -muT -ntur. Als Imperativformen mit Beziehnng auf eine 
bestimmte Person eischeinen ofters in nnsern Sprachen Infini- 
tive, d. h. Casus von nomina actionis, verwendet. Und so war 
wahrscheinlich auch schon ein Theil der aus uridg. Zeit iiber- 
kommenen Personalendungen etymologisch etwas Anderes als 
personlicbe Pronomina. 

Anderseits ist zu beriicksichtigen , dass es auch Formen 
ohne alle Pexsonalendung gibt, die seit uxidg. Zeit wie echte 
Vexbalfoxmen fungiexten. Die 2. sing, imp ex. uxidg. ^hliere (== ai. 
IMra gr. cpsps u, s. w.) war nichts als der Pxasensstamm. Sie 
muss als Ubexbleibsel aus jenex Voxzeit gelten, da die Tempus- 
stammformen noch als selbstandige Wortex verwendet wexden 
konnten. Urspriinglich hatte "^hhere ohne Zweifel einen wei- 
teren Gebxauch, erst allmahlich vexengte sich dieser zu dem 
seit dem Ausgang der idg. Uxgemeinschaft zu constatierenden. 
Die Form wax schliesslich gexade duxch die Abwesenheit einer 
Flexionsendung in ihrem Vexbalsystem deutlich gekennzeich- 
net, gleichwie z. B. voc. iTiTrs odex nom. in ihxen Nomi- 

nalsystemen (s. § 186 S. 521). 

Anm. Waren also, wenn wir von den wenigen Formen wie "^hhere 
abselien, die Personalendungen ursprunglicli ein notwendiges Erfoxderniss 
fiir die Function des Verbum als normaler Satz und weiterhin auch fiir 
seine Verwendung als Pradicat oder Copula im normalen Satze, so waren 
sie doch kein absolutes Erforderniss fiir die Satzbildung iiberhaupt. Zu alien 
Zeiten der idg. Sprachgeschichte sind auch Satze ohne verbum finitum ge- 
bildet worden. S. Paul Principien^ S. 99 ff. 

4:62. Das veibum infinitum bilden nominale Formen, 
meist nomina agentis oder actionis, die im Unterschied von 
den Nomina im engeien Sinn an chaxactexistischen Eigenschaf- 
ten des Verbum theilnehmen, an der Zeitstufe, der Actionsaxt, 
der Diathesis (genus vexbi) und der Eection der abhangigen 
Nomina. Die Paxticipia waren schon in uxidg. Zeit eine fextige 
vielgliedxige Foxmenkategoxie, und diese erfuhx in den einzel- 



842 


Conjugation. Vorbemerkungen. 


[§ 462—463. 


spraclilichen Entwicklungen keine wesentlichen Andemngert. 
Dagegen entstand die Hauptmasse der sogen. Infinitive erst 
nach der Auflosung der idg. Urgemeinschaft. 

Dass zwischen verbum finitum und verbum infinitum in- 
sofern keine scharfe Grenze zu ziehen ist, als Formen des 
letzteren dieselbe Function bekamen, die die Formen mit echter 
Personalendung batten, ist soeben in § 461 bemerkt worden. 
In § 144 S. 428 £. und § 156 S. 440 ff. sahen wir, dass anderseits 
auch die Grenzen zwischen dem verbum infinitum und den 
Nomina im engeren Sinn immer fiiessende gewesen sind. 

Die Geschichte der Formen des verbum infin. ist in dem 
Abschnitt fiber die nominale Stammbildung und Flexion (§ 9fF.) 
so weit besprochen worden , als es sich um die an ihnen zu 
Tage tretenden nominalen Stammbildungs- und die Casussuffixe 
handelt. In diesem Capitel fiber das Verbum sind sie mit 
Dficksicht auf die Elemente zu erortern, die sie als Glieder 
eines verbalen Formensystems, z. B. eines bestimmten Tempus- 
systems (gr. Xcfctov zu Xzit.o), kirtov zu IXit:ov, zu 

u. s. f.) erscbeinen lassen. Im Interesse der Ubersichtlichkeit 
werden wir aber die verbalen Nomina bei der Behandiung der 
einzelnen Formengruppen des verbum finitum nur gelegentlich 
heranzieben und erst hinterber im Zusammenbang ausffibr- 
licber besprecben. 

463. Verbale Composita. die aus der Verbindung eines 
ecbt verbalen Stammes mit einer Form des verbum finitum 
besteben , Gegenstficke zu den Nominalcomposita wie apers. 
Jiama-pita = gr. ojjLo-TraTop, hat es als eine lebendige Bildungs- 
kategorie weder gegen Ausgang der idg. Urgemeinschaft noch 
jemals spater gegeben. Eine Ausnahme macben nur redupli- 
cierte Verbalformen wie ai. dcir-darii ‘'er zersprengt, zerbrichF, 
insofern man diese ja auch als Compp. bezeicbnen konnte (§464). 
Dabei ist jedocb zu beacbten, dass Beduplicierung von unflec- 
tierten AVurzelA im Allgemeinen sicber alter war als die Ver- 
schmelzung von Wurzeln mit Personaipronomina zu Verbal- 
formen. 

Ob die -5- in Tempusformen wie gr. o£r/-aoa l-ostx-aa das 



[§ 463. 


Conjugation. Vorbemerkiingen. 


843 


verbum substantivum die -dJi- in ai. sa-dhati gr. so&co (W. ed-) 
l-a^£-&ov aksL i-dq n. dgl. das Verbum dlie- waren und 

uxspiiinglich als sogen. Hilfszeitwoiter fungierten, muss dahin 
gestellt bleiben. Wenn sie dieses Ursprungs waren j so wurden 
sie jedenfalls schon geraume Zeit vor der Auflosung der idg. 
Ureinheit zu suffixalen Elementen erniedrigt und konnten nicht 
mehr das Muster fiir die Zusammensetzung anderer Verba mit 
Verba abgeben. 

Auch wurden in der contxolierbaren Zeit der idg\ Sprach- 
geschichte weder Nominalstamme mit folgenden echten Yerbal- 
formen noch echte vexbale Stamme mit folgenden Nomina zur 
Worteinheit verbunden. Dem zweiten Tbeile dieses Satzes 
widersprechen nicht gr. dp)(£-xa7w0^ (zu sraxai^i-Kay.o;, (zu 

iizi-X^aipw) ^ STyja-aydpTj^ (zu s-atr^aa), hd. loetz-stein melh-fass (zu 
melJce] u. dgl. Denn hier handelt es sich nur um Um- 
deutung und Nacliahmung alterer fertiger Composita, dexen 
erster Theil ein Nominalstamm war, nicht um ein wirkliches 
Zusammensetzen von verbalen Stammen mit Nomina, s. § 30 
S. 49 jf., § 41 S. 71 § 47 S. 82.1) 

Die Formen des verbum finitum treten mix in folgenden 
Fallen deutlich als Theile von Composita auf, wo iibxigens ge- 
wohnlich das eine von beiden Gliedern zu einem suffixalen oder 
prafixalen Element herabgedriickt erscheint. 

1. In Verbindung mit adverbialen Wortern, z. B. gr. aic- 

sipi lat. ab-eo^ lat. ne-scio^ uridg. '^'e-drJco77i = gr. £-5pay.ov (ich 
halte das Augment fiir eine Partikel mit temporalem Sinn); 
preuss. qiLoiU-lai ‘'ex moge wollen, er wolle'', uridg. *bJieret-ii 
— ai. Iharat-u^ auch 'wax wol das -i in *hheres-i 

(neben ^Jih'et ^blieres) eine deutende Partikel. 

2. In Verbindung mit vorausgehenden Casusformen, die 


1) Vgl. jetzt aiicb. W. Christ Die verbalen Abhangigkeitskomposita des 
Griechischen^ Berichre der k. bayer. Akad. 1890 S. 187 ff. Der hier (S. 184 ff.) 
wieder befiirworteten Ansicht, dass AY£-Xaog dem Zuruf a'(e Xaov seinen 
Ursprung verdankte^ und dass dp^^i-Ostwpo^ neben durch laut- 

liehen Ubergang von e in i entstanden sei, kann ich nicht beitreten. 



844 


Conjugation. Vorbemerkungen, 


[§ 463. 


zur Zeit, als die Verschmelzimg geschah, entweder noch leben- 
dig-e Casus waren oder infinitivische Gebilde, z. B. ai. datasmi 

D ^ ' 

(fut. periphiast.) aus data asmi ‘'dator sum\ lat. possum aus 
2 ) 0 tis sum^ vemm-do mn-do pessun-do^ lat. are-ham are-facio aksL 
nese-acliu (§ 275 S. 627 f.), franz. aimer ai (afranz, amerai) aus 
amdre hdbeo^ lit. opt. 1. plur. siiJctum-hime u. dgl. m. 

Dass zwischen 1. und 2. keine genaue Gienze zu ziehen 
ist, zeigen Falle wie ai. astam-dti %eht unter^ (von der Sonne) 
mit dsta-m ''nach Hause, heim'' als erstem Glied. 

Anm. Da bei den verbalen Zusammensetzungen eine unserer ersten 
Classe der Nominalcorapp. (op-o-TrocTcop) entsprechende Classe, die bei jiin- 
geren Znsammenruckungen in dieser oder jener Ricbtung vorbildlicb wirken 
konnte, nicbt Yorhanden war, so erscbeint es angemessen, die verbalen Zu- 
sammensetzungen nicht in einem besonderen Capitel, wie die nominalen, zu 
behandeln, sondern die verscbiedenen Erscbeinungen jedesmal da zu be- 
sprecben, wo sie ihren naturlicken Anschluss haben, bei der Tempusbil- 
dung, den Personalendungen u. s. w. 

Nur sei bier noch auf eine Erscheinung im Gebiet der verbalen Com- 
position hingewieseu, die von allgemeinerer Bedeutung ist und gut den fur 
das Verstandniss der Wortbildung uberhaupt wichtigen Satz illustriert, dass, 
wenn eine syntaktische Verbindung zu einer AVorteinheit verschmolzen ist, 
diese neue Einheit nach Analogic des einfachen Wortes behandelt und auf 
sie das ubertragen werden kann, was inbezug auf dieses moglich ist. Lit. 
du-h 'gib’ ei-h 'geh’, bestehend aus 2. sing, (vgl. lat. ce-Jo) -[-Parti- 
kel wurden Grundlage fur 2. plur. dilkite eikite u. s. w. ; ferner elksz 
"komm her', bestehend aus e1-Jc-\-sze ‘her, Grundlage filr eiksz-te. Preuss. 
quoiti-lai ^ QY {lai = aksl. li 'vel, aut'j fiir 2. sing, quoitilai-si 2. plur. 

quoitllai-ti. Slav, daj-mi und neugr. o6;-u.oo '"gib mir’ fur 2. plur. daj-mi-te 
und oo^-ixou-Tc, Von gleicher Art waren griech. 3. plur. dYstm-v dYSTw-cav 
(2. sing. Hesych) lat. 2. plur. agiib-te, da idg. ^age-tod die Ver- 

bindung der Imperativform mit adv. (abl.) ^^d<^'von da an, dann’ war. 
Nach Osthoff und Bugge hierher auch gr. 6£od)7-ap.£v 0£0w-4aT£, da o£oa) 7 .£ 
altes ^oeooj = ai. dada{u) -j- Partikel v.s — lat. ce in cedo gewesen sei. Ana- 
loga aus dem Gebiet der Pronomina und Nomina sind : gr. outo-; auTY] acc. 
TouTo-v boot. ouTo-v ctc. auf Grund von nom. ^ou~to ^au-To, deren zweiter 
Theil Partikel war (vgl. aksl. kii-to 'wer’), s. § 4 S. 8, § 415 S. 775 f. ; mir. 
instr. plur. donafl-h auf Grund von air. donaih~[h)i, s. S. 794 Fussn. 1; ahd. 
gen. deses dat. desemo nach de-se 'dieser’ mit Partikel se, s. § 414 S. 774 f.; 
ai. dat. asma-hliyam lesb. nom. djxp-e-c nach acc. ^gs-sme (lesb. dp-ps) mit 
Partikel sme, s. § 436 S. 803 f., § 443 S. 814; poln. gen. sing, sztukami^sy 
nach nom. sziukamifsa 'ein Stuck Eleisch’, wo mifsa der gen. von mi§so war. 



§ 464,] 


Keduplicierte Verbalbildungen. 


845 


Keduplicierte Verbalbildungen. 

464. Reduplication^ d. h, Wiederholung eines Sprachele- 
mentes in gleicher gxammatischer Function zui Bezeichnung 
yon mehrmaligem Geschehen Oder Sein, yon Intensitat u. dgl. 
war ohne Zweifel alter als die im Bereich unserer Sehweite 
Kegende Art der Casusbildung und der Bildung der Formen 
des yerbum finitum. Sie hatte also von Anfang an keinen 
specielleren Bezug zur Verbalbildung als zur Nominalbildung, 
und Verbaltypen wue ai. dar-dar-ti ‘'ex zersprengt^ zerbrichF 
da-dhi^s-hnd Svir haben uns erkiihnF ei-hit-i ‘'er kennF und 
Nominaltypen wie ai. dar-dar-a~s ‘'zerbrochen'* da-dhrs-d-s ‘'kiihn'* 
ci-Mt ‘'kennendj kundig'* konnen von Anfang an ganz unab- 
hangig von einander ins Leben getreten sein. Vgl. § 6 S. 

§ 51 if. S. 89 ff.t) 

Die Wurzelreduplication im Yerbum erlangte nun aber, 
und zwar schon geraume Zeit vox der Auflosung der idg. TJr- 
gemeinschaft, dadurch eine hob ere Bedeutsamkeit^ dass sie in 
den Dienst der Tempusbildung gestellt und dazu benutzt wurde^ 

1) Schriften uber Doppelsetzung im AUgemeinen sind S. 11 Fussn. 2 
aufgefubrt. Uber Reduplication im Verbum bandeln folgende Arbeiten. A. 
Williams On Verb-Reduplication as a Means of Expressing Completed 
Action, Transactions of the Anieric. PhiloL Assoc. 1875 p. 54 sqq. Pauli 
Das praeteritum reduplicatum der idg. Sprachen und der deutsche Ablaut, 
Kuhn's Zeitschr. XII 50 ff. Osthoff Zur Geschichte des Perfects, S. 264 ff. 
und passim. — Ernault Du parfait en grec et en latin, p. 1 sqq. — Ebel 
Keduplicierte Aoriste im Griech., Kuhn's Zeitschr. n46ff. VonderPford- 
t e n Zur Gesch. des griech. Perf. S. 42 ff. — D e e c k e De reduplicate 
linguae Latinae praeterito. Lips. 1869, — Stokes Reduplication im altir. 
Verbum, Kuhn-Schleicher’s Beitr. 11 396 ff. Windisch Das reduplicierte 
Perfeetum im Ir., Kuhn's Zeitschr. XXIII 201 ff. — A. Mo Her Die redu- 
plicierenden Verba im Deutschen als abgeleitete Verba, eine et 3 Tnologische 
Untersuchung, Potsdam 1866. Scherer die reduplicierten Praeterita, Zeit- 
schr. f. osterr. Gymn. XXIV 295 ff. und Zeitschr. f. deutsch. Altert. XIX 
154 ff. 390 ff. Sievers Die reduplicierten Praterita, Paul-Braune's Beitr. 

I 504 ff. Pokorny Uber die redupl. Praet. der german. Sprachen und ihre 
Umwandlung in ablautende, Landskron 1874. Holthausen Die redu- 
plicierehden Verba im Germ., Kuhn's Zeitschr. XXVII 618 ff. Hoffory 
Die reduplicierten Praeterita im Altnord., ebend. 593 ff. — Vgl. auch die 
Literaturangaben unter Tempusbildung. 



846 


Heduplieierte V erbalbildungen. 


[§ 464 — 465 . 


bestimmte typische Actionsarten und weiter auch Zeitstufen zu 
unteischeiden. Sie wurde in dieser Hinsicht zu einem im wei- 
testen Umfange productiven Bildungsprincip und blieb das in 
den meisten Sprachzweigen bis tief in die histoxische Zeit hinein. 
Diese Prodiictivitat der Reduplication in der Verbalbildung gab 
der gleichartigen Reduplication im Nomen , die fiir sich wol 
nur in beschranktem Umfang ein wirklich lebendiges Bildungs- 
mittel geblieben war^ vielfach Stiitze und langexe Lebensdauei 
und Hess in jiingeien Zeiten^ untex Beikilfe dex Foxmen des 
vexbum infinitum, xedupHciexte Nominalfoxmen da wiedex ent- 
stehen, wo dex uiidg. xeduplicierte Nominaltypus bexeits jede 
Txiebkxaft vexloxen hatte. Z. B. gx. '/sxpay-po-c (Euxip.) ^csxpdy-pa 
(Axistoph.) ‘'Geschxei^, xsxpaX"TV]-c; ‘'Schxeiex'* (dels.) zu xs-ocpdy-tac 
yi-xpay-a, TusTrotfi-Tjai-c; ‘'Veitxauen^ (Josephus, Philo) zu Trs-Tcoifi-d)^ 
TTs-TTOifi-a^ nhd. zitterig zu zittere = uigeim. 

465. Bezliglich dex Gestaltung dex RedupHcationssilbe 
lassen sich folgende aus uxidg. Zeit erexbte Typen untei- 
scheiden : 

I. Die RedupHcationssilbe zeigt denselben Vocalstoff wie 
die Wuizelsilbe. Beide stehen entwedei auf dexselben Ab-„ 
lautstufe Oder auf vexsehiedenen. 

a. Die Wuxzel beginnt und schHesst consonantisch und die 
RedupHcationssilbe geht auf einen Consonanten aus, dex vom 
Ende der Wuxzel genommen ist (als Consonant gilt uns auch 
dex zweite Theil dex Diphthonge ai aii u. dgh). 

1. Axisch. Ai. iad-badhe 3. sg. von hadh~ diTkagen , ddr- 
dar-si 2. sg. von dar- (W. der-) "spalten, zexbxechen^, tar-tur- 
ya-nte 3. pi. von tar- (W. ter~) ‘"iibexschxeiten^, vdr-vrt-ati 3. 
pi. von mrt- (W. iiert-) Vertex e^, mar-mp-yd-te 3. sg. von marj- 
(W. merg-) Vbwischen^ ja7d-ghan-ti 3. sg. von ]ia7i- (W. 'g7^e;^-) 
‘^schlagen, todten^, nam-nami~ti 3. sg. von nam- (W. nem-) Veu- 
gen"", ddn-das-ma-s part, von dqs- (W. da^n%-) ‘^beissen'', jan- 
jabh-yd-te 3. sg. von jamhh- (W. gemhh-) ^^schnappen^ re-ve-ti 
3. sg. von m- Vppetexe^, ve-vl-ya-te 3. sg. von vl- ‘^fiattexujf 
ne-nik-te 3. sg. von nij- (W. neig-) Vaschen^. nd-nu-mas 1. pi.; 
von nu- ‘'schxeien^, cb-sku-yd-te 3. sg. von sku- ‘^bedeck enV