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Full text of "Neue Masoretische Studien"

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NEUE MASORETISCHE STUDIEN 357 



NEUE MASORETISCHE STUDIEN. 

1. Zur Buchstabenzahl der Heiligen Schrift und ihrer 
einzelnen Bücher. 

Ohne handschriftliche masoretische Angaben zu kennen, habe ich 
in dieser Review (VIII, 343-56) auf Grund selbstständig gemachter 
Berechnungen und Untersuchungen der überlieferten Gesatnmtsum- 
men der Buchstabenzahl des Pentateuchs und der andern zwei Theile 
der heiligen Schrift nachgewiesen, dass die Tora in runder Zahl 
300,000 Buchstaben enthalten müsse. Chr. A. Ginsburg hat nun 
in seiner neuen Pentateuchausgabe (1894) und in seiner Einleitung 
zu dieser hebräischen Bibel (Introduclion to the massoretico-erüical 
edition ofthe Hebrew Bible, London, 1897) aus Handschriften die hier- 
her gehörigen Daten mitgetheilt, durch welche meine Behauptung, 
dass die Angabe Norzi's im Minchath Schai am Schluss des Penta- 
teuchs, nach welcher die Gesammtzahl der Buchstaben in der Tora 
304,805 betrage, die einzig richtige ist, aus der die übrigen als 
Varianten entstanden sind, vollkommen bestätigt wird. Denn auch 
in der mit peinlichster Genauigkeit die Buchstabensumme einer jeden 
Zeile zählenden Handschrift Ginsburgs wird in der masoretischen 
Schlussbemerkung zum Pentateuch die genannte Endsumme angege- 
ben. Bloss in den Einsern heisst es 7 statt 5. Trotz dieser von ihm 
selbst für einzig richtig gehaltenen Summe citirt Ginsburg, Intro- 
duction, p. 87, ohne Bemerkung aus einem yemenitschen Bibelcodex 
die falsche Angabe, der Pentateuch zähle 400,900 Buchstaben 1 . 
Diese Angabe wird als eine aus Ben-Ascher's Bibelcodez entnommene 
bezeichnet und sie findet sich thatsächlich in Manuel du lecteur 
(ed. Derenbourg), p. 150, und mit dem kleinen Unterschied, dass 
45 noch hinzugefügt ist, in Ben-Ascher's Dikduke Hateamim (ed. Baer- 
Strack), p. 55, worauf Ginsburg hinzuweisen unterlassen hat, ebenso 
wie Baer in seiner Anmerkung zur Stelle auf Norzi's richtige Angabe. 
Wir haben in unseren Studien alle diese Daten besprochen und 
machen den Leser hier darauf aufmerksam, denn G. hat in seinem 

1 Mnemonikon: fh. Ginsburg sagt an derselben Stelle zwei Mal 
409,000. Dies ist jedoch falsch, denn n » 400 nta und y- —900. 



358 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

" Introduction " die ganze Frage der Buchstabenzahl in vier Zeilen 
(p. 113) abgethan. 

Da unsere Berechnungen des Buchstabengehaltes der Tora aus 
verschiedenen gedruckten Bibeln durch die Angabe eines genauen, 
jede Zeile besonders zählenden Bibelcodex bestätigt werden, muss 
auch unsere Berechnung der Buchstabensumme der Propheten und 
Hagiographen, welche mit denselben Mitteln nach derselben Methode 
ausgeführt worden, für richtig angenommen werden, wodurch unsere 
Vermuthung, dass das bekannte, die Summen der im K~\pü vorkom- 
menden einzelnen Buchstaben angebende Poem sich bloss auf die 
Propheten und Hagiographen beziehe, an Wahrscheinlichkeit be- 
deutend gewinnt. Leider kennt auch Ginsburg, derzeit der einzige 
Kenner der masoretischen Handschriften, keine diesbezüglichen An- 
gaben, er hätte sie sonst, so wie bei den einzelnen Büchern des 
Pentateuchs, auch bei den anderen Schriften der Bibel vermerkt. 
Das Poem WJ3 J13D Sit* beweist aber unzweifelhaft, dass solche 
Buchstabenzahlangaben auch für diese Schriften existirt haben, und 
es ist keine ungegründete Hoffnung, dass dieselben noch zum Vor- 
schein kommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird man nicht 
umhin können, sich an die Berechnungen zu halten, da die Kenntniss 
der Summe der einzelnen Buchstaben auch für andere Fragen von 
Wichtigkeit ist, wie eine Controverse zwischen Kautzsch und Shapira 
über die moabitischen Thonscherben aus dem Jahre 1878 beweist. 
Ersterer gründete nämlich seine Beweisführung auf das percentuelle 
Verhältniss der auf den moabitischen Alterthümern und in der Bibel 
vorkommenden Buchstaben zu einander. Shapira wollte nun be- 
weisen, dass die Saadianischen Zahlen incorrect sind (Athenaeum, 
1878, Feb. 23, No. 2626, Seite 253) : " I must declare that Saadia 
Gaon . . . made a great blunder — neither the total of the letters 
nor the numbers of each letter are correct." Es ist nämlich — so 
behauptet Sh. — unmöglich, dass N 5^ %, 1 3f %, f 2-80% der Ge- 
sammtbuchstaben ausmachen sollen. Er zählt von den Anlangen der 
biblischen Bücher je 1000 Buchstaben und bringt aus diesen Zahlen 
andere percentuelle Verhältnisse heraus. So z. B. sollen nach Saadia 
zwischen 100 Buchstaben bloss 5*20 N vorkommen, während nach 
Shapira sich 8725 finden ; umgekehrt sollen nach S. 3-60 1 vorkommen, 
während sich bloss 0745 finden. Shapira verfährt ganz willkürlich, 
indem er Mischle und Job, deren Anfange ihm nicht in den Kram 
passen, ausschliesst und für N die aramäischen Capitel ii-vi aus 
Daniel heranzieht, wo 108 + 104 + 94 + 102 + 109 N angetroffen werden, 
während die Zahl derselben in den andern Büchern zwischen 65 und 
100 auf 1000 variiren, welch letztere Zahl nur in den Büchern der 
Könige erreicht wird. Wie jedem bekannt, wird im Aramäischen 



NEUE MASOEETISCHE STUDIEN 359 

statt n oft K gesetzt (status emphaticus N nicht H), es gelingt also 
Shap. das Kunststück, möglichst viele N und wenig n herauszu- 
bringen. Dass jedoch das percentuelle Verhältniss der einzelnen 
Buchstaben, vorzüglich wenn wir diejenigen des Pentateuchs mit 
denjenigen der Propheten und Hagiographen vergleichen, Bedenken 
erregt, haben wir in dieser Review, VIII, 348 und 352 f. unabhängig 
von Sh. behauptet. Im Allgemeinen stimmen wir also ihm bei, 
wenn wir auch seine tendentiöse Beweisführung nicht billigen. Im 
Grossen und Gänzen stimmt Sbapira's Berechnung der Total-Bueh- 
stabensumme der ganzen Bibel mit der von uns auf anderem Wege 
ermittelten überein. Er schreibt an der angeführten Stelle wörtlich : 
" In reality the Hebrew Bible has as near as possible about 1,200,000 
letters, as follows : — Genesis about 79,000 ; Exodus, 67,000 ; Leviticus, 
47,000 ; Numbers, 66,000 ; Deuteronorny, 54,000 ; Joshua, 39,500 ; 
Judges, 39,000; 1 and 2 Samuel, 95,000; 1 and 2 Kings, 99,000; 
Isaiah, 68,000 ; Jeremiah, 86,000; Ezekiel, 75,000; Minor Prophets, 
57,000 ; Psalms, 80,000 ; Proverbs, 28,000 ; Job, 32,000 ; Song of Solo- 
mon, Buth, Lamentations, Ecclesiastes, and Esther, 40,000 ; Daniel, 
Ezra, and Nehemia, 60,000; 1 and 2 Chronicles, 99,000 : making a total 
of 1,211,500 (we may reduce about 3 per cent. more, for the begin- 
ning of portions)." Unsere Rechnung hat ein ähnliches Resultat 
ergeben für die Gesammtsumme : 1,100,000 (Jewish Qtjakterly 
Review, VIII [1896, Januar], p. 351 f.). Der Pentateuch hätte nach 
Shapira's Berechnung 313,000 oder nach Abzug von 3% beiläufig 
304,000, was der richtigen masoretischen Angabe ganz nahe kommt. 
Ginsburg citirt in der masoretischen Schlussbemerkung zu den ein- 
zelnen Büchern des Pentateuchs aus seiner erwähnten Bibelhand- 
schrift die folgenden Zahlen : Genesis 78,064 ; Exodus 33,529 ; 
Leviticus 78,064 ; Numeri 63,532; Deuteronomium 54,892 ; der ganze 
Pentateuch 304,807. Die Addition der Einzelsummen ergibt jedoch 
308,081. Wo steckt der Fehler ? Er springt in die Augen : 1. Leviticus 
hat die Zahlangabe von Genesis; 2. Exodus hat die viel zu geringe 
Zahl 33,529, was ausgeschlossen ist, denn Exodus ist ja viel umfang- 
reicher als die andern Bücher der Tora mit Ausnahme der Genesis 
und Numeri. Da für die alten Masoreten zu unserem Glück und für 
die modernen Masoreten zu unserem Unglück die Kunst des Addirens 
nicht existirt, wofür wir im Laufe unserer Studien Beispiele geliefert 
haben, habe ich die Mühe nicht geschont, die Einzeldaten über die 
Buchstabenzahl eines jeden Wochenabschnittes, welche Ginsburg am 
Schlüsse derselben vermerkt, zusammen zu rechnen und dabei die 
folgenden Summen gefunden: 



360 THE JEWISH QÜARTERLY REVIEW 







Grinsburg. 


Genesis .... 


78,033 


78,064 


Exodus .... 


63,499 


33.529 


Leviticus. . . . 


41,972 x 


78,064 


Numeri .... 


63,732 


63,532 


Deuteronomium . 


54,892 


54.892 


Totalsumme . . 


302,128 


308,081 



Es ist evident, dass die Summen der einzelnen Bücher nach unserer 
Addition der Buchstabenzahlen der Wochenabschnitte angegeben 
werden müssen, denn so erhält man die über jeden Zweifel erhabene 
Totalsumme 304,807 für den ganzen Pentateuch, da Abschnitt "V13 
nach seinem Umfange 2679 Lettern haben mag. Bei Exodus ist aus 
*|i>N WWW übv entstanden s^N QWb&) wbw, wie bei Levita in der 
Angabe der Letterzahl des Pentateuchs aus X111 ÜW?W geworden 
ist Kin D'W* (Review, VIII, 347). Merkwürdigerweise sind die 
fehlenden 30 Tausender durch 30 Einser ersetzt: 529 statt 499. 
Die Divergenz bei Genesis könnte in ähnlicher Weise erklärt 
werden, wenn man annimmt, dass 64 ursprünglich 63 war, so dass 
DWC1 BvB> in VW) VO& verschrieben oder verlesen wurde. Bei 
Leviticus dürfte die Handschrift eine andere Zahl haben, die Ueber- 
nahme der Buchstabensumme von Genesis mag dem Herausgeber zur 
Last gelegt werden. Bei Numeri stimmen die Einzelzahlen bis auf 
die Hunderter überein, es ist also klar, dass 532 emendirt werden 
muss in 732. Bloss bei Deuteronomium ist kein Versehen zu con- 
statiren, man sieht hieraus, dass die peinlichste Sorgfalt der Masoreten 
durch gedankenlose Abschreiber und kritiklose Bearbeiter in die 
Brüche geht. Baer hat (Orient, XII, 202, vgl. Review, VIII, 350) 
angegeben, in der Parascha IVCtOa wären 7213 Lettern, deren 
Merkwort "WIN VlN sei, wodurch ein Druckfehler ausgeschlossen ist. 
Ginsb. zieht jetzt an's Licht die Zahl 7234. Worte sollen in diesem 

1 Ohne die Buchstabenzahl der Parascha vn, welche Ginsb. nicht an- 
merkt. Ein Druckfehler ist bei tri, die Zahl rp» D'arc statt D»rt» rrcro. 
Von zwei Paraschen, die manchmal zusammengelesen werden, sind bloss 
"1V1 WXSi zusammengezählt. 

2 Levita's 600,000 Buchstaben findet man auch in der zweiten Ausgabe 
der ganzen hebräischen Bibel (Neapel, 1491-93), wo es von der Tora 
heisst : Hin D*wo rrnvrrofl (bei Ginsb., Introduction, p. 849, n. 4). Da 
Levita die genauere Zahl 600,045 hat, wird er sie nicht aus dieser Bibel- 
ausgabe geschöpft haben, sondern aus einem handschriftlichen Codex, 
der demjenigen, aus welchem die Neapolitanische Ausgabe geflossen ist, 
ähnlich sein mochte. 



NEUE MASOEETISCHE STUDIEN 361 

Wochenabschnitt nach Baer (I.e.) 1930, nach Ginsb. 1931 sein. Ueber 
die Angabe Levita's und Anderer, Genesis habe 4395 Buchstaben, 
haben wir schon bemerkt, dass sie sieh auf TP1 beziehe (I.e., besonders 
335, n. 1). Die Verwechslung des letzten Abschnittes mit dem ganzen 
Buche erklärt sich aus dem Umstände, dass die Angabe am Schlüsse 
des Buches angebracht ist, wo die auf das ganze Buch Bezug 
habenden masoretischen Notizen verzeichnet sind. Bemerkenswert 
ist, dass Ginsb.'s Codex 4448 (nicht 4395) angibt. 

2. Zur Wortzahl der Bibel. 

Die Daten über die Wortzahl, von denen Jakob ben Chajim nur 
einige bekannt waren, hat Ginsb. ebenfalls ans Licht gezogen und sie 
sammt und sonders in seiner Bibelausgabe verzeichnet und in seiner 
"Einleitung" (109-113) besprochen. Von den Angaben der Tradition, 
die wir zusammengestellt haben (1. c. 356-359), spricht er nicht. Die 
Masora kennt nur die Wortzahl des Pentateuchs und aus b. Kidduschin 
30 a ist zu entnehmen, dass man die Wörter der übrigen heiligen 
Schriften auch in vormasoretischer Zeit nicht gezählt hat, denn es 
wird bloss für die Tora eine Wortmitte angegeben, von den Psalmen 
bloss die Buchstabenmitte, von den übrigen Büchern auch dies 
letztere nicht. Wenn man die Wörter aller Bücher ausgezählt hätte, 
wäre dies in jenem Zusammenhange nicht verschwiegen worden. 
Die Wortzahl der Tora soll nach Dikduke Hateamim, p. 55 oben, 
79,856 und nach Norzi, Ende des Pentateuchs, 79,876 betragen, welche 
zwei Daten nur die Variationen eines Datums sind (I.e. 358). Als 
eine dritte Angabe erscheint nun in Ginsburg's Bibelcodex 81,404. 
Wenn wir aber, wie bei den Buchstaben, nachrechnen, stellt sich die 
Sache folgendermassen dar: 

I. IL 
Addition der Einzeldaten. Ginsburg, am Ende der Bücher. 

Genesis 20,633 20,612 

Exodus 16,713 16,713 

Leviticus 11,690 20,613 

Numeri 16,408 16,408 

Deuteronomium . . 14,294 14,294 

Totale .... 79,738 88,640 

Weder die Addition der Einzeldaten der Wochenabschnitte, welche 
I. bietet, noch die Addition der Endsumme der einzelnen Bücher, 
welche IL zeigt, gibt die vermerkte Gesammtsumme 81,404. Auf den 
ersten Blick fällt die merkwürdige Thatsache auf, dass bei Leviticus, 



362 THE JEWISH QÜAETERLY BEVIEW 

so wie bei den Lettern, die Wortzahl von Genesis vermerkt wird. 
Wenn man statt dieser falschen Summe die richtige, die aus der 
Addition der Wortzahl der einzelnen Wochenabschnitte sich ergebende, 
nämlich 11,690, setzt, erhält man die Gesammtzahl von 79,717, welche 
von der von uns nachgerechneten (79,738) bloss um 21 differirt. 
Diese Differenz entsteht aus der Abweichung der Gesammtsumme der 
Genesis, welche am Ende des Buches mit 20,612 angegeben ist 
während nach der von uns vorgenommenen Addition 20,633 heraus- 
kommt. Exod., Num., und Deut, zeigen keine Divergenz. Es scheint 
mir nun ganz sicher, dass die richtige Wortzahl am Ende des Buches 
gegeben ist und dass bei irgend einem Wochenabschnitt dieses 
Buches durch Abschreibefehler die Zahl um 20 erhöht worden. Für 
diese Annahme spricht auch der Umstand, dass die bei Leviticus 
am unrechten Orte angemerkte, weil von Genesis hergenommene, 
Zahl ebenfalls 20,612 und nicht 20,633 bietet. Ich halte es für 
höchst wahrscheinlich, dass der Fehler sich bei rvB^l eingeschlichen 
hat, wo es statt 1996 heissen muss 1976 (fKfltn DW")1=1S=tö); denn 
in einem Madrider Manuscript (Introduclion, 112) ist thatsächlich 
1976 angegeben, was Ginsb. nicht nach seinem Mscr. für fehlerhaft 
erklärt hätte, wenn er sich der Mühe unterzogen hätte, die Einzel- 
zahlen zusammen zu rechnen. Ferner ist für rWKT3 flBHa mit Baer 
1930 statt 1931 anzunehmen. Nach Abzug dieser 21 Wörter ist die 
Summe der Einzeldaten 20,612, welche am Ende des Buches als die 
Wortsumme der Genesis angegeben ist. Es gibt also im Wesent- 
lichen drei Zahlangaben für den ganzen Wortgehalt des Pentateuchs: 

I. 79,856 (Dikd. Hat. oder 79,876 Norzi). 

II. 79,717 (Einzeldaten der Wochenabschnitte und Bücher nach 
Ginsburg's Ms.). 

III. 81,404 (Gesammtsumme am Ende des Pent. ibidem). 

Da I. und IL einander nahe kommen, aus verschiedenen Quellen 
stammen und auf einer Auszählung der Worte per Zeile beruhen, 
wäre man geneigt in ihnen die richtigere Wortsumme zu erblicken 
und anzunehmen, dass III. auf einen Additionsfehler zurückgeht, was 
bei den Masora-Abschriften, wie wir schon gesehen haben, nicht zu 
den Seltenheiten gehört. Wir stellen vorerst hier noch die Wort- 
zahlen der Paraschas nach Ginsburg zusammen : 



NEUE MASORETISCHE STUDIEN 



3 6 3 



Genesis. Exodus. Leviticus. Numeri. Deuteronomium. 



193 1 


I763 


I673 


1823 


1861 


1748 


1313 


2264 


1686 


1655 


1238 


1840 


2085 


l68l 


IOIO 


1540 


1402 


II05 


IO74 


1409 


1432 


I462 


II70 


1245 


2022 


1145 


868 


1455 


1996 


1412 


1614 


1887 


1558 


20O2 


717 


1484 


2022 


1558 


1013 


1461 


I480 


Il82 






IIS8 









20,633 



16,713 



11,690 



16,408 



1548 
1878 

1747 
1932 

1523 
1582 

1747 , 

1210 (t^i D-aw) 

615 
512 



14,294 



Von der allgemein anerkannten Wahrheit ausgehend, dass bei 
einer Statistik von grossen Zahlen die Unterschiede im Einzelnen 
verschwinden, habe ich die Zahlen der Lettern mit denen der Wörter 
verglichen und gefunden, dass das Verhältniss der Buchstaben zu 
den Wörtern in den einzelnen Büchern der Tora das folgende ist. Es 
fallen auf je ein Wort : Genesis 378, Exodus 3-79, Leviticus 379, 
Numeri 389, Deut. 3-86 Buchstaben. Auffallend ist also das gegen- 
seitige Verhältniss in erster Reihe in Numeri und in zweiter Reihe in 
Deuteronomium. Es ist also möglich, dass die 1687 Wörter, mit 
denen die am Schlüsse des Pentateuchs angegebene G-esammtsumme 
die aus den Einzeldaten sich ergebende überragt (81,404 gegen 79,717), 
in diesen zwei Büchern zu suchen sind. Namentlich scheint in den 
Paraschen "D1D3 (7393 Lettern und 1823 Wörter) und DWB (7853 L. 
und 1 887 W.) ein Missverhältniss obzuwalten, denn auf jedes Wort fallen 
sogar etwas mehr als 4 Buchstaben. Oder hängt dieser Umstand mit 
der Eigenthümlichkeit der Rede der in beiden Paraschen vorkommen- 
den Zählungslisten zusammen? Nicht wahrscheinlich. Auch eine 
Vergleichung der Lettersumme des Pentateuchs mit der Wortsumme 
macht es wahrscheinlich, dass die Endsumme der Wörter die ursprüng- 
lichere und richtigere ist, so dass auf 304,807 Lettern 81,404 Worte 
•fallen und nicht 79,717, denn im letzteren Falle würde jedes Wort 
fast ganze 4 Buchstaben umfassen, was sich uns als unwahrscheinlich 
herausgestellt hat. Wir können noch eine andere Rechnung auf- 
stellen, welche erstens beweist, dass die grössere Wortsumme 81,404 
die richtigere ist, und zweitens, dass die fehlenden Wörter in Numeri 
und Deuteronomium zu suchen sind. Der Talmud b. Kidduschin 30 a 
gibt bekanntlich an, t?TI B*TI Lev. x. 16 bilde die Mitte der Wörter» 



364 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

in der Tora. Nach den masoretischen Angaben finden sieb, bia zu 
dieser Stelle: — 

Genesis 20,612 



Exodus 

Wochenabschn. NlpM 

W • 

Totalsumme 



16,713 
1,673 
I.3I3 

40,3" 



Hierzu kommen noch die Wörter von "Wt? bis BH'J inclusive. 
Beiläufig kann dies in folgender Weise berechnet werden. Dieser 
Wochenabschnitt hat in meiner Ausgabe der englischen Bibelgesell- 
schaft 169 Zeilen und nach der Masora 1238 Wörter. Auf eine Zeile 
fallen also durchschnittlich 7 Wörter, wenn die kleinere Durchschnitts- 
zahl genommen wird. Da bis BHl 77 Zeilen gezählt werden, dürften 
bis hierher .539 Wörter vorhanden sein. Wir haben nicht nachgezählt, 
da es auf 20-30 Wörter mehr oder weniger nicht ankommt. Also 
40,311 + 549 = 40,860 = die erste Hälfte der Wortzahl der Bibel. Dies 
multiplicirt mit 2 ergibt 81,720. Man sieht also, dass die höhere 
Zahl der Wahrheit näher kommt und dass in Numeri und Deut, mehr 
Wörter enthalten sind, als die Detailzahlen der Masora angeben. 

3. Zur Verseintheilung. 

Meine masoretische Studie über die Verseintheilung, welche in 
dieser Review, IX (1896, Oktober) 122-144 und X (1897, April) 
471-490 erschienen ist, hat Ginsburg in seiner " Introduction " nicht 
mehr berücksichtigen können. Er behandelt Seite 68-107 von den 
sechs Capiteln meiner Abhandlung bloss das in den zwei letzten 
verarbeitete Material, und auch dies nicht vollständig, da er sich 
lediglich auf die Vorführung der in den von ihm benutzten Bibel- 
handschriften und alten Bibelausgaben vorgefundenen Angaben über 
die Zahl der Verse der einzelnen Bücher der heiligen Schrift, sowie 
der Endsummen der drei Theile und der ganzen Bibel, beschränkt. 
Ich habe dasselbe Material aus Ginsburg's The Massorah und aus 
anderen Werken der Litteratur geschöpft und finde jetzt, dass dasselbe 
trotz der von G. herangezogenen und fast ausschliesslich verwendeten 
Handschriften kaum vermehrt worden. Das eigene Masorawerk nennt 
G. nicht, natürlich werden die dort gemachten verschiedenartigen 
Fehler, die ich berichtigt habe, nicht verbessert 1 . Es freut mich, 

1 Siehe z. B. J. Q. R., X, 478, n. 1 und 2 ; 483 (fi'iifi zu emendiren in 
rnöcfi). Im Allgemeinen die Emendationen 479 ff. Man vgl. Introduc- 
tion, 75, 77, 80, wo bei mihi, Ha, mpß> S'-nn, im, die in The Massorah 
vorkommenden irrigen Angaben, welche ich 1. c, p. 479, besprochen habe, 
mit Stillschweigen übergangen werden. 



NEUE MASORETISCHE STUDIEN 365 

dass G. in vielen Punkten dasselbe lehrt, was auch ich gefunden habe, 
in mehreren Einzelheiten fordert jedoch seine Darstellung die Kritik 
heraus, welche ich bei der Autorität, die Ginsburg als Masoret ge- 
niesst, nicht verschweigen zu dürfen glaube. 

Als ein unkritisches Verfahren muss es bezeichnet werden, wenn 
aus geringfügigen Abweichungen in den Verszahlsummen sofort auf 
differirende Zählungen, Verseintheilungen oder gar Masoraschulen 
gefolgert wird, statt zu constatiren, dass der Abschreiber, der selbst 
ein Masoret gewesen sein mag, falsch gelesen oder gerechnet hat. 
So z. B. hat Wochenabschnitt "|n?yrD nach allen Mss. 136 Verse, 
bloss ein Ms. gibt 135, es ist also evident, dass hier ein Irrthum in 
der Zählung vorliegt. G. jedoch sagt : " This probably exhibits a 
Variation in the verse-divisions which obtained in another School " 
(p. 80). Wenn für fltO einige Codices 126, andere 127 Verse angeben, 
ist's klar, dass hier Variationen zwischen fäp und fap vorliegen, wie 
ich schon J. Q. R., X, 482 bemerkt habe ; G. (83) hingegen spricht 
von " a School which counted one verse more in this Parasha." Baer 
hat für die Verszahl des Jesaia 1292 angegeben mit dem selbst fabri- 
cirten Merkwort 1*31N gegen die masoretische Ueberlieferung, welche 
bloss K¥1M oder n¥"IK kennt. Schon Geiger hat diesen Vorwurf gegen 
Baer erhoben (Jüdische Zeitschrift, X, 1 95 f. ). Ginsb . erhebt, ohne Geiger 
zu erwähnen, dieselbe Einwendung, wozu er aber wenig Berechtigung 
hat, denn er selbst hat, The Massorah, II, fol. 452, col. b, dieselbe Summe 
verzeichnet. Aus der Endsumme für die Verszahl der Propheten und 
aus der überall gleichen Versmitte des Buches ist mit Sicherheit 
zu entnehmen, dass 1291 die richtige Summe ist. Da aber das 
Mnemonikon N2HK (1 Könige, xvi. 9) dem Abschreiber als Unform 
erschien, setzte er an dessen Stelle TOTU*. G. (Introduction, 92) folgert 
trotzdem, dass es eine Schule gegeben haben müsse " which divided 
some of the verses differently, so as to obtain four more verses than 
the majority of the MSS. give " und führt auch in seiner Edition 
WIN als andere Lesart an. Abweichende masoretische Schulen nimmt 
G. noch an bei Samuel (p. 99), wo die eine Angabe 1504, die andere 
1506 hat 1 ; ferner etwas Aehnliches bei Arnos (p. 96). Ganz eigen- 
tümlich ist es, wenn G. (p. 99) für die zwölf Propheten ein Ms. citirt, 
welches mit allen übrigen und mit den Editionen die Verssumme mit 
1050 und ebenso übereinstimmend die Versmitte mit Micha, iii. 12 
angibt, in den den einzelnen kleinen Propheten hinzugefügten Vers- 
summen jedoch einige fehlerhafte Daten hat, so dass durch Addition 

1 Beispiele für die Verwechslung von l (4) und 1 (6) findet man nicht 
selten : Arnos 144 statt 146 (IntroA., p. 99) ; D'WVI? 66 statt 64 (J. Q.R., 
X, 481). 



366 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

bloss 1044 Verse herauskommen, und hieraus auf eine differirende 
Versabtheilung schliesst. Wie weit es Gh in dieser Beziehung treibt, 
zeigt seine Besprechung der Verszahl von Ezra-Nehemia, wo die 
Kritiklosigkeit ganz besonders in die Augen springt. Es wird Seite 
104 aus drei Codices als Verssumme 685 und aus zwei Codices 688 
angeführt. Als Versmitte ist in allen Nehemia, iii. 32 vermerkt. 
Bis zu diesem Verse zählt man inclusive 343 Verse. Da der die Mitte 
bezeichnende Vers bei geraden Verssummen schon zur zweiten Vers- 
zahlhälfte gezählt wird, dürften in Ezra-Nehemia nicht 686, sondern 
bloss 685 Verse enthalten sein, was von den Masoreten, welche bloss 
688 und 686 vermerkt haben, mit Ausnahme von Jakob ben Chajim, 
der 688 und 685 gibt, nicht angegeben worden (vgl. meine Erörterung 
Review, X, 487 f.). Ich bin also der Meinung, dass die ursprüngliche 
Versangabe 685 gelautet hat : nänn, woraus nö'V) entstanden ist. Für 
diese Annahme spricht auch die tradirte Endsumme von 8064 Versen 
für sämmtliche Hagiographen, welche bei der Annahme, Ezra-Nehemia 
habe 686 (nicht 685) Verse, nur dann herausgebracht werden kann, 
wenn für Proverbien 914 angenommen wird, was angesichts der 
Thatsache, dass schon der Midrasch von 915 Versen spricht, seine 
Schwierigkeiten hat (cf. Review, ib.). Falsch ist aber Ginsburg's 
Behauptung, dass die Versabtheilung der Editionen die Zahl 685 zeigt, 
denn man findet in den meisten Ausgaben 686, bloss Ginsburg's 
Bibelausgabe hat 685, weil in dieser der ganze Vers vii. 68 ausgeschieden ist 
(Note z. St. und Introd., p. 830). G. gibt für sämmtliche Capitel dieselben 
Verssummen, welche alle Editionen haben, bloss für c. vii verzeichnet 
er 72 statt 73. Es scheint mir also wahrscheinlich, dass iisin in nä'ili 
corrumpirt worden (vgl. Minchath Schai z. St. ; warum würdigt G. in 
Introd., p. 104, den von ihm eliminirten Vers keines Wortes?). Das 
Merkwort DI1D (Gr., 104, n. 3, wo fcOt]Fl Druckfehler ist ; ebenso iiyifl 
ib., n. 2, statt nänn) ist erst nach dieser Corruption geprägt worden, 
wie bei KT 1 ! das Mnemonikon VTpHT, nachdem, aus dem einzig 
correkten top, itbp geworden (Review, X, 479). Die Zahl 688 ist mit 
der allgemein tradirten Summe 8,064 (63) für sämmtliche Bücher der 
Hagiographen nicht vereinbar. Wie kann man also hier von "zwei 
Masoraschulen " reden ? 

Als Versmitte verzeichnen die Masoreten bei ungeraden Verssummen 
denjenigen Vers, welcher zwischen den zwei Vershälften die richtige 
Mitte bildet und weder zur ersten noch zur zweiten Hälfte gezählt 
wird. Hingegen bei geraden Summen, wo dies nicht möglich ist, 
wird der erste Vers der zweiten Hälfte angegeben 1 . Jeder wird es 

1 Die Wortmitte des Pentateuchs wird Kiddushin, 30a und sonst mit 
TÖYj thi (Lev. x. 16) angegeben, d. h. das erate Wort gehört zur ersten 



NEUE MASORETISCHE STUDIEN 367 

für selbstverständlich finden, dass man als Fundort denjenigen Bibel- 
vers angibt, welcher von der Masora citirt wird. Unser Verf. befolgt 
ein eigenthümliches Verfahren. In den masoretischen Schlussbe- 
merkungen seiner Bibelausgabe werden richtig consequent die 
Versnummern verzeichnet, welche die die Versmitte bezeichnenden 
Bibelworte enthalten. In seinem Masorawerke (II, fol. 450-453) 
geschieht dies bloss bei den Versmitten der fünf Bücher der Tora und 
bei Ezra-Nehemia. Bei den Propheten und allen anderen Hagio- 
graphen hingegen wird zu der richtig angeführten Bibelstelle der 
Masoreten stets die vorhergehende Versnummer verzeichnet, z. B. zu 
Josua "xiii. 25 p3B71Dl VSrfl " u. s. w. Man könnte diese Eigentüm- 
lichkeit hinnehmen, wenn Gr. hiermit andeuten wollte, dass die an- 
geführten Bibelworte schon in dem zur zweiten Hälfte gehörenden 
I. Verse enthalten sind. Allein er thut dies auch bei solchen biblischen 
Büchern, deren Verssumme eine ungerade Zahl ist, wo also dies nicht 
der Fall ist. Die Verssumme ist eine ungerade Zahl in Jeremia, 
Jechezkel, Psalmen, Proverbien, Job (nach Gr. 1075), Hohelied, Ruth, 
Esther und Chronik. Es ist also falsch, wenn als Versmitte für 
Jeremias xxviii. 10 statt xxviii. 11 verzeichnet ist, denn nur die 
letztere Stelle bildet die richtige Mitte, weil sie weder zur ersten 
noch zur zweiten Hälfte der Verse gehört. So verhält es sich auch 
bei den anderen Büchern. Die ganze Bibel hat nach Gr. (1. c, fol. 453) 
23,203 Verse, dennoch vermerkt er bei der richtig citirten Versmitte 
WD *V3 *Vpfl3 Jer. vi. 6 statt vi. 7. Die für Daniel citirte Versmitte 
v. 29 habe ich schon Review, X, 488, n. 6, gerügt, jetzt erfahre ich 
aus Introduction, dass G. dies aus einer verballhornten Angabe des 
Jakob ben Chajim herausgelesen hat l . In seiner Introduction befolgt 

Hälfte, das zweite zur zweiten Hälfte, und nicht, dass «rn am Ende und 
10*11 am Anfange der Zeile geschrieben werden müsse, wie man schon in 
alter Zeit interpretirt hat (Näheres in mein Zur Einleitung in die Heilige 
Schrift. 109 ff.). Hieraus folgt, dass die Wortzahl der Tora eine gerade 
sein müsse, wie die beiden oben c. 2 angeführten Angaben thatsächlich 
tradiren. Richtig fasst G., Introduction, p. 86, diese masoretische Angabe, 
aber auf die Missdeutung der fraglichen Notiz macht er nicht auf- 
merksam, weder an dieser Stelle, noch in seiner Hebrew Bible, wo 
ohne Wort angemerkt wird : iöüj rri p'D nT£\u tOMii am. Dies ist überdies 
noch falsch, denn es muss heissen : rrom wo «h-j nwo ")1D3 tf-n. G. muss 
nämlich u}-n meinen, denn er fügt hinzu rwra minn >sn vm. G. müsste 
sich mehr um die neuere Litteratur kümmern, in seiner Introduction hätte 
meine im Jahre 1897 erschienene Schrift Zur Umleitung schon berücksichtigt 
werden können. 

1 Daniel hat bei G. kein Glück, denn in seiner Introduktion, wo er seinen 
Fehler verbessert, gibt er nach der in The Massorah befolgten Methode 
vi. n als Yersmitte, durch einen Druckfehler auch vi. 17, während es 



368 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

unser Verf. die combinirte Methode, in den meisten Fällen die seiner 
Ausgabe, bei Josua, Richter, Koheleth, Daniel und Chronik die seines 
Masorawerkes, so dass er in der Einleitung andere Versmitten ver- 
zeichnet als in seiner Bibel ! Bei Jeremia wird (Introd., 92-93) gar 
keine Versmitte angegeben und bloss als "inexplicable fact" erwähnt, 
dass die editio princeps der Propheten (Neapel, 1486-87), die erste 
Ausgabe der ganzen Bibel (Soncino, 1488) und die zweite (Neapel, 
1491-93) vor xxvi. 1 '''in setzen. Nun ist xxvi. 1 die Versmitte von 
Ezechiel und es liegt für jeden, der die geschriebenen und gedruckten 
masoretischen Notizen nicht für unfehlbar hält, auf der Hand, dass 
hier ein Irrthum vorliegt : die Versmitte von Ezechiel wurde bei dem 
neben ihm stehenden Propheten, Jeremia, angebracht, weil der Cor- 
rector sich in der masoretischen Liste versehen hat. Die zwei späteren 
Ausgaben sind von der älteren abhängig. Dass diese 3 ersten Aus- 
gaben in dem behandelten Punkte nicht zuverlässig sind, beweist 
auch die Thatsache, dass sie, für Jesaia, xxxvi. 1 als Mitte' des Buches 
bezeichnen. G. (p. 92) weiss sich dies nicht zu erklären. Uns scheint 
es, dass die Herausgeber zu dieser irrigen Angabe verleitet worden 
sind, weil mit c. xxxvi. die Prophetien zu Ende sind und die historischen 
Capitel beginnen, hier also inhaltlich gleichsam die zweite Hälfte 
des Buches seinen Anfang nimmt. In der Tabelle (Introd., p. 850), 
wo die Versmitten aus der Bibelausgabo, Neapel, 1491-93, verzeichnet 

richtig heissen muss vi. 12, da Daniel 357, also eine ungerade Verszahl 
hat. Als Verssumme citirt Q. aus 3 Bibelcodices 357, addirt auch richtig 
die angeführten Verssummen der 12 Capitel des Buches und setzt zum 
Schluss "= 357." So auf S. 103. Auf der nächsten Seite heisst es jedoch 
schon, dass bis vi. 11 179 Verse gezählt werden (was falsch ist, denn es sind 
nur 178), ebenso wie für die zweite Hälfte, " making a total of 358. This is 
exactly the number of verses according to the computation of our present 
text." Wie kann man sich in 12 Zeilen so widersprechen? In der 
Bibelausgabe wird richtig 357 vermerkt. Introd., p. 850, ist unter M. T. 
"vi. 1 " Druckfehler statt vi. 1 1 , richtiger 1 2, wie in Sehr. Biole z. Stelle und 
in Schlussbemerkung. — Die Versmitte iii. 32 für Klagelied in The Massorah 
ist Druckfehler statt iii. 33 nach G-.'s Verfahren (statt iii. 34). Introd., 
p. 104, wird xxv. 23 als Versmitte für die Chronik citirt, und gesagt, dies 
stimme mit der Totalsumme, welche die Verszahlen der einzelnen Capitel 
ergeben. Die Addition p. 105, wo c. xxvii. in 24+ 10 Verse zerlegt wird, 
zeigt jedoch, dass Cr. selbst c. xxvii. 24 für die Versmitte hält, was auch 
richtig ist, wenn man 24 in 25 verbessert, da Chronik eine ungerade 
Verssumme hat. Auch in den zwei Tabellen, welche die verzeichneten 
Versmitten der editio princeps der ganzen Bibel (Soncino, 1488) und der editio 
secunda (Neapel, 1491-93) den Versmitten des textus receptus gegenüber 
stellen {Introd., p. 830 und 850), heisst es : " Mas. Text. 1 Chronik, xxvii. 
25." Die zweite Ausgabe hat xxv. 23, wie die p. 104 genannten 3 Codices. 



NEUE MASOEETISCHE STUDIEN 369 

werden, ist xxvi. 1 für Jesaia ein Druckfehler, es passirt also Ginsburg 
dasselbe, was dem alten Drucker. Dieser gab die Versmitte des 
Ezechiel, xxvi. 1, für Jeremia, G. gibt dieselbe aucb schon für Jesaia. 

An der Hand der soeben erwähnten Tabelle und der Hebrew Bible 
will ich die Verwirrung beleuchten, welche G. durch sein inconse- 
quentes Verfahren anrichtet. Nach Introd., p. 850, ist die Versmitte 
in M. T. 1 Sam. xxvüi. 23, ebenso nach Hebrew Bible zur selben 
Stelle : "ISDfl ""VPI ; in der masoretischen Schlussbemerkung jedoch 
heisst es, Versmitte sei 1 . Buch, xxviü. 24 ; Introd., p. 89 f., wird dieselbe 
Versmitte gemeint, aber Vers 23 angegeben (nach G.'s Methode, den 
vorhergehenden Vers zu nennen), obgleich Ginsb. selbst einige Zeilen 
weiter aus einem Codex als abweichende Versmitte Vers 23 citirt (statt 
22 nach seiner Methode). G. hält für die Versmitte des textus 
receptus 1 Sam. xxviü. 24, wird aber durch seine eigene Methode 
irregeführt und verzeichnet in Hebrew Bible zu Vers 23 1SDH »XTt; 
hierdurch verleitet, gibt er in der Tabelle (Introd., p. 850) ebenfalls 
Vers 23 als Versmitte des masoretischen Textes. Jetzt kommt die 
Komik : die editio Neapel, 1491-93, hat ebenfalls V. 24, wie der mas. 
Text, als Versmitte, dies wird jedoch als Abweichung verzeichnet. 
G. verwirrt nicht nur den Leser, sondern auch sich selbst, indem er 
dieselbe Versmitte bald als Vers 23, bald als 24 bezeichnet und so 
Differenzen statuirt wo keine sind.— Jesaia, xxvi. 1 ist Druckfehler 
für xxxvi. 1, die editio Neapel stimmt hier mit editio Soncino (Introd., 
p. 830) überein, welche ebenfalls xxxvi. 1 als Versmitte hat, wie aus 
Introd., p. 93, zu ersehen ist. Dies habe ich schon oben bemerkt. — 
Ebenso ist schon bemerkt worden, dass Jeremia, xxvi. 1 in beiden 
Editionen durch ein Versehen entstanden ist, da xxvi. 1 die Versmitte 
von Ezechiel ist. Bezeichnend für die Inconsequenz ist, dass in 
Hebrew Bible bei Jesaia xxxvi. 1 nicht vermerkt ist : manche Bibel- 
ausgabe verzeichnet hier die Versmitte, während bei Jeremia xxvi. 1, 
welche Versmitte ebenso falsch ist, dies ja vermerkt wird. Was die 
recipirte Versmitte von Jeremia betrifft, wird an der Hauptstelle 
(Introd., p. 93) überhaupt keine erwähnt ; in TheMassorah, II, fol. 452, 
wird citirt xxviü. 11 und als Fundort xxvüi. 10 angegeben; in 
Hebrew Bible zu beiden Versen IDDH 'Sn N"D angemerkt, in der 
masoretischen Schlussformel zu diesem Buche jedoch bloss xxviü. 1 1 
angegeben ; in der Tabelle, Introd., p. 850, als M. T. xxvüi. 10, in der 
andern Tabelle, p. 830, ebenfalls als M. T. xxvüi. 10 oder 1 1 ange- 
geben.— Nach Introd., p. 850, hat die zweite Ausgabe der Bibel gar 
keine Versmitte für Ezechiel, nach ib., p. 94, jedoch xxv. 15 ; in Hebrew 
Bible wird diese Abweichung nirgends angemerkt, obgleich sie sich 
nach p. 93 in allen drei ersten Ausgaben der H. Schrift befinden soll. 
Bei Koheleth hingegen wird auf Grund der zweiten Ausgabe, wie aus 

VOL. XVI. B b 



370 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

der Tabelle, p. 850, hervorgeht, auch bei vii. 1 angemerkt "ISDfl "W 
und zwar ohne Hinweis auf die Quelle, obgleich nach Introd., p. 103, 
die MSS. einhellig vi. 9 (soll heissen 10) verzeichnen. Bei vi. 10 steht 
auch einfach "IBDfl V ST\ ) als wären beide Angaben gleich berechtigt, 
wofür sie auch G. nicht hält, denn die Versmitte vii. 1 würdigt er, 
Introd., p. 103, gar keiner Erwähnung. Bei Esther ist G. nicht wort- 
karg, da citirt er in Betrete Bible die abweichende Versmitte bei 
vi. 1 aus der dritten Ausgabe. 

In der mehrfach erwähnten Neapolitaner Ausgabe wird bei Josua 
als Versmitte xiii. 17 vermerkt, während die richtige Versmitte xiii. 26 
ist *. Die Entstehung dieser irrthümlichen Angabe erklärt sich befrie- 
digend aus dem gleichen Anfangswort der zwei Verse : xiii. 17 JUBT1, 
xiii. 26 J13BTIÖ1. Aehnlich wird auch die abweichende Versmitte 
derselben Ausgabe bei Ruth zu begreifen sein. Der die Mitte be- 
zeichnende Vers wird nicht immer mit den ersten, sondern auch mit 
den charakteristischen Worten citirt. Beim Prediger z. B. wird 
vi. 10 bald mit 13D HW HD, bald mit p!> bvC vb) angeführt. 
Man mag also den mittleren Vers von Ruth mit "ICK D*"BUri DJ? 
ppmn , ? (ii. 21) angegeben haben, was der Drucker oder ein 
Abschreiber mit THJÜ DJ? ppain nai verwechselt hat. In derselben 
Ausgabe wird ja auch, wie wir gesehen haben, die Versmitte des 
Ezechiel irrthümlich bei Jeremia angemerkt. 

Die Versmitte des Pentateuchs soll nach einer Angabe (Soferim, 
ix. 10) Lev. viii. 23 öfWI sein. Die Vermuthung, welche J. Q. B., 
IX, 486 ausgesprochen wurde, dass / B> V I (= OK'Jl Lev. viii. 23) fälsch- 
lich in DnB^I aufgelöst worden, findet sich schon bei Jakob Brill 
in der von Weiss und Friedmann redigirten hebräischen Zeitschrift 
Beth Talmud, I (1881), p. 110. Norzi (Minchath Schai zu Lev. viii. 8) 
corrigirt ohne Weiteres die Versmitteangabe des Traktates Soferim 
nach der Masora und bemerkt über die Versmitteangabe des Talmuds, 
Kidduschin, 30 a, sowie über die andern Schwierigkeiten, welche diese 
Talmudstelle in Bezug auf die Verszahl des Psalters und der Chronik 
bietet, der Prophet Elia wird sie lösen. N. Brüll {Jahrbücher, IX, 124) 
will die Schwierigkeiten der genannten Talmudstelle, über welche wir 
J. Q. JB., IX, 475, n. 3 ; 477, n. 1, gehandelt haben, in folgender Weise 
lösen. Die Angabe, der Psalter habe 5896 Verse, erhält man, wenn man 
die Verssnmmen von Psalmen, Sprüche, Job, Hohelied und Prediger 
addirt = 5851. Abgesehen von allem Anderen, haben diese Bücher 
bloss 4856: Brüll hat §ich in der Addition mit 1000 geirrt. Die für 

1 Auch Norzi zur Stelle erwähnt diese Abweichung. Aus der Vers- 
summe beweist er, dass die bekannten zwei Verse in c. xxi. nicht zum 
Buche gehören, wie <J., Introd., p. 88. 



NEUE MASORETISCHE STUDIEN 371 

Chronik tradirten 5880 Verse sollen die Verssummen der Bücher : 
Chronik, Daniel, Ezechiel, zwölf Propheten und 5 Megilloth ergeben 
=5869. Brüll hat sich auch hierin geirrt, denn die Addition der Verse 
dieser biblischen Schriften ergibt bloss 5190. Es wäre übrigens un- 
begreiflich, wie dieselbe Baraitha die Verse von Hohelied und 
Prediger zweimal zählen kann, ein Mal bei Psalmen und ein anderes 
Mal bei Chronik. 

Zum Pentateuch— 1xl Genesis, xxxv. 22, worüber J. Q. R., IX, 479, 
gehandelt worden, vergleiche man noch DMItUil flUlBT) , ed. Harkavy, 
pp. 96 und 309 (Nr. 308), ferner Minchath Schai zur Stelle. Ueber 
die Verstheilung des Dekalogs spricht Ginsburg, Introduction, pp. 76 
und 78, wogegen ich auf meine Ausführungen (1. c.) verweise. Man 
kann den Dekalog in 10 oder 13 Verse theilen, nicht aber in 12, wie 
G. behauptet. Wenn aber auch dies angenommen wird, kann man 
doch nicht sagen, der Unterschied zwischen der Verssumme 5845 und 
5843 für den Pentateuch gehe auf diese verschiedene Versabtheilung 
zurück (G., p. 85), denn das Zehnwort kommt ja im Pentateuch zwei 
Mal vor (Ex. xx. und Deut, v.) ; man kann doch nicht annehmen, 
derselbe Masoret habe den Dekalog ein Mal für 10 und ein anderes 
Mal für 12 Verse genommen? — Ueber Ex. xv. 1 und Deut. xvi. 3 
handelt Geiger Jüdische Zeitschrift, X, 193. — Die Masora verzeichnet 
im Pentateuch separat, wo je 1000 Verse beginnen und enden, welche 
Angaben auch wir besprochen haben (1. c). Für das dritte Tausend 
wird angegeben : ffplD^S r{?t< "talKn t6 EnKOD *IJ> *P "S Jöl, d. h. von 
Ex. xvii. 16 bis Lev. xi. 8, beide inclusive, sind 1000 Verse. G., p. 86, 
n. 1, meint, es sei schwer zu sagen, ob auf Lev. xi. 8 oder xi. 11 
hingewiesen sei. Es ist aber nichts leichter als das, denn erstens 
zeigt dies die einfache Addition, zweitens beginnt Lev. xi. 11 mit 
D37 W 1 fpCl. Wenn dieser Vers gemeint wäre, würde die Angabe 
mit diesen Worten gemacht worden sein (J. Q. R., IX, 481 unten, ist 
xi. 7 in xi. 8 zu verbessern). Bei VüW (Introd., p. 78) ist i<"\2]} = 
91 Druckfehler für map, ebenso 44 Verse für ronan riNH (p. 85) statt 
41 ; p. 103 ist für nKW zu lesen CEtPI (G. verbessert einen Schreib- 
fehler mit einem Druckfehler); p. 106 lies JJHJ? statt JflJ*17. Ueber 
die letzten 8 Verse der Tora (J. Q. R., IX, 132, n. 5) siehe noch 
Israelsohn, Revue des Müdes Juives, XX, 304-307. Ueber die Verse, 
bei welchen die Abtheilung keine entschiedene ist (inan DPI? px "1B>N), 
was 1. c. I29,.n. 7, und 139, n. 2, berührt worden, siehe Aruch s.v. 'pJH 
(Kohut, III, 226) und Norzi zu Ex. xxiv. 5 ; xxv. 34 ; Deut. xxxi. 16 ; 
Hohelied, i. 2. Zu Deut. xxv. 2 (1. c. 140, n. 4) siehe noch Norzi z. 
St. Ueber p1DS *|1D auch Responsen der Gaonim, ed. Harkavy, Nr. 217 
(p. 103, Zeile 6). 
Die Differenzen zwischen dem Talmud und der Masora in Bezug auf 

Bb % 



372 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

die Versabtheilung haben wir J.Q.E., IX, 140-142, besprochen. Zu 
den angeführten 10 Beispielen kann ich jetzt noch eines hinzufügen, 
nämlich Obadja, Vers 9 und 10, wo nach Halichoth Kedem, p. 19, mit 
Berufung auf Eichhorn's Einleitung in das Alte Testament, I, 77, 
zwischen der Masora und dem pal. Talmud, Pea I, eine Differenz 
obwalten soll. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Madin- 
chae" (Ostländer=Babylonier) und den Maarbae" ( Westländer = Paläs- 
tinenser) habe ich I.e. nur mangelhaft verzeichnet. Ohne auf kritische 
Sichtung und auf Vollständigkeit Anspruch zu erheben, hole ich hier 
auf Grund der Mittheilungen Ginsburg's in seiner Introduction das 
Folgende nach. Nach Madinchae' sind je zwei Verse : Gen. xxxv. 2 ; 
Jer. xxxiv. 2 und xxxviii. 2 ; Psalm xc. 1. Hingegen sind nach 
Madinchae" je ein Vers: Richter, viii. 29, 30; Psalm xxii. 5, 6; lii. 1, 2; 
liii. 1,2; cxxix. 5, 6, und noch mehrere. Wie bekannt, folgt unsere 
Textrecension so in diesem wie in anderen Punkten den Maarbae. — 
Die Vermuthung, S. Baer habe manche mnemonische Zeichen selbst 
erfunden (1. c. p. 478, n. 3), finde ich bei Ginsburg bestätigt. Die 
D^D Hosea ri'tnp (Introd., p. 95) ; Joel V'lV (ib., 96) ; Maleachi 
Y'?n (ib., 98) und andere finden sich in den Handschriften und alten 
Drucken nicht, wie Ginsburg ausdrücklich bemerkt. 

Ich betone zum Schluss dieser vor etwa fünf Jahren geschriebenen 
Abhandlung noch einmal, dass ich lediglich die Geschichte der 
Verseintheilung gegeben habe. Das Princip, nach welchem die 
Tradition und ihre Erbin, die Masora, in den prosaischen Büchern 
verfahren sind, ist noch aufzuhellen. Auffallend kurz scheinen mir 
z. B. Num. i. 6-16; x. 13-28; xxxiii. 10 ff.; Deut. xiv. 11-20 (vgl. 
Lev. xi. 14-20), und noch viele andere. 

Ludwig Blau. 
Budapest.