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Full text of "Eine Geniza-Studie"

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EINE GENIZA-STÜDIE 187 



EINE GENIZA-STÜDIE. 

Eines der interessantesten Stücke unter den bisherigen 
Geniza-Funden ist unstreitig das unter dem Titel " The 
oldest collection of Bible-difficulties by a Jew " (in J. Q. R., 
XIII, 358-69) von Schechter veröffentlichte, leider nur 
unvollständig erhaltene Gedicht eines ungenannten Autors 
aus unbestimmter Zeit. Dem, was der gelehrte Heraus- 
geber selbst in seiner Einleitung und in seinen Noten zum 
Text bemerkt hat, haben auch Bacher (das. p. 741-5), 
Poznanski (das. p. 746-9) und ich (das. XIV, 129-33) 
Textesverbesserungen, Vermutungen über die Person des 
Verfassers, über die Tendenz und Abfassungszeit des 
Gedichtes und anderes mehr hinzugefügt. Sodann hat 
M. Seligsohn (in R. i£. «/"., XL VI, 100-22) eine sorgfältige 
französische Übersetzung des Textes in der bereits von 
Bacher und Poznansky hergestellten Ordnung der bei 
Schechter durcheinandergeratenen Blätter veröffentlicht, 
wobei er nicht allein die Nachweise und Textesberichti- 
gungen seiner Vorgänger benutzt, sondern auch neue Ver- 
besserungen und Belege nebst wertvollen Erläuterungen 
in kurzen Fussnoten hinzugefügt hat. In seiner Einleitung 
begnügt er sich damit, die Behauptungen und Vermutungen 
seiner Vorgänger wiederzugeben, ohne die Streitfrage der 
Abfassungszeit, ob vor oder nach Saadja, entscheiden zu 
wollen. Inzwischen hat Bacher (in /. Q. R., XV, 83), nach- 
dem er ursprünglich für die Annahme der vorsaadjanischen 
Abfassung eingetreten war, meiner entgegengesetzten Ansicht 
nachträglich sich angeschlossen, weil die Schilderung der 
Hochschule, die der unbekannte Verfasser am Schlüsse 
seines Gedichtes entwirft, nicht mit den Einrichtungen 
der babylonischen Hochschulen sowohl vor Saadja als 
auch nach Saadja's Zeit, sondern aufs genaueste mit dem 



l88 THE JEWISH QUARTEKLY REVIEW 

übereinstimmt, was seither aus anderen Geniza- Funden 
über die palästinischen Hochschulen um die Mitte des 
ii. Jahrh. bekannt geworden ist. 

Von dieser Selbstberichtigung Bachers, ebenso wie von 
Seligsohns Übersetzung scheint D. Kahana keine Kenntnis 
gehabt zu haben, als er in der hebr. Zeitschrift pari (auch 
mit deutschem Titel) : Hagoren, Abhandlungen über die 
Wissenschaft des Judentums (Bd. V, S. 5 ff.) die ursprüng- 
liche Annahme Bachers zu der seinigen machte und diese 
mit allem Nachdruck gegen meine Ansicht zu vertreten 
unternahm. Ich beabsichtige im Folgenden, ausser einer 
Widerlegung der Behauptungen Kahanas und einer kurzen 
Kritik seiner von ihm mit Vokalzeichen versehenen Textes- 
ausgabe hauptsächlich auch einen Beitrag zum besseren 
Verständnis des stellenweise schwierigen Textes zu bieten. 
Ich werde der Kürze halber den Geniza-Text stets nur mit 
Angabe der Seiten- und Zeilenzahl des Originals in /. Q, R. 
citieren, Seligsohns Übersetzung in B. $. J. mit S, Kahanas 
Artikel in Hagoren (V, 5-42) mit K anführen, und zwar 
mit Hinzufügung entweder nur der Seitenzahl oder auch 
der Zeilenzahl. 



I. 

K, 5 ff. meint, der Fragesteller, der die Schwierigkeiten 
der Bibel schonungslos aufzeigt, müsse ein Freidenker 
gewesen sein, der vor Saadja gelebt habe, ein freisinniger 
Bibelkritiker und Zweifler von der Art eines Spinoza oder 
Reimarus. K hält die Gründe Bachers in J. Q. JB., XIII", I.e., 
für stichhaltig und meint, auf solche Ketzer habe Saadja in 
seinen Schriften mehrfach hingewiesen. Der Verfasser 
des Gedichtes sei zwar unzweifelhaft ein Rabbanit, kein 
Karäer gewesen, aber er habe heftige Vorwürfe gegen die 
Gesamtheit seiner Glaubensgenossen geschleudert und durch 
Aufdeckung von Widersprüchen in der heiligen Schrift 
diese bekämpft und heruntergesetzt. K glaubt sogar den 
Namen des Verfassers rplty p "ITJ&N, sowie auch den Namen 



EINE GENIZA-STUDIE 189 

des Hauptes der freisinnigen Gesellschaft np)"\2 }3 glücklich 
herausgefunden zu haben. Diesem letzteren habe seine 
Partei den ehrenden Beinamen p^isn gegeben. Man ist 
nicht wenig erstaunt, ja man traut seinen Augen kaum, 
wenn man solches liest. Aus den Worten des Gedichtes 
(10, 1 ff.) : " Gott möge mich bedenken inmitten seines 
auserwählten Volkes und seiner Herde, der Gesellschaft des 
Gerechten und seines Geschlechtes und des Eleazar b. 
Azarja" — aus diesen Sätzen soll nach K hervorgehen, 
dass der Verfasser Eleazar b. Azarja geheissen habe 1 " Ich 
habe geeifert gegen eine Partei, die mir gegenüber sich 
spreizt und heftige Worte ausstösst gegen die Weisen 
meiner Nation und sich rühmt : Keiner kann mir erwidern 
und keiner sich mir entgegenstellen aus den Zelten Ben 
Berokas" — aus diesen Worten (7, 21 ff.) soll hervorgehen, 
dass der Autor Mitglied einer Sekte oder freisinnigen 
Partei gewesen ist, deren Haupt Ben Beroka geheissen 
hat. Selten sind von einem Mann der Wissenschaft so 
vage, völlig aus der Luft gegriffene Behauptungen mit 
solcher Sicherheit vorgebracht worden. Es verlohnt wirk- 
lich nicht, sich in eine Widerlegung einzulassen. Das 
Akrostich mit dem Namen des Verfassers war ursprüng- 
lich ohne Zweifel in den 22 Endstrophen der 22 Stücke, 
aus denen das Ganze bestanden hat, sogar zweifach ent- 
halten. Aber von den 22 Stücken sind nur zwei voll- 
ständig erhalten, von vieren besitzen wir nur die zweite 
Hälfte und von weiteren vier nur die erste Hälfte 
(s. J. Q. B., XIV, 129). Und so ist vorläufig, so lange nicht 
weitere Geniza- Funde das Fehlende wenigstens teilweise 
ergänzen, jede Möglichkeit ausgeschlossen, den Verfasser zu 
ermitteln. 

Ich halte K gegenüber meine Ansicht aufrecht, dass der 
Verfasser des Gedichtes ein frommer bibelgläubiger Jude 
gewesen ist und etwa hundert Jahre nach Saadja gelebt 
hat. Alles was K für seine und gegen meine Ansicht 
vorgebracht hat, beruht, wie ich im Folgenden zeigen will, 
auf Missverständnissen. 



190 THE JEWISH QUARTERLY EEVIEW 

Für die Annahme, dass der Inhalt des Textes auf einen 
vorsaadjanischen Ursprung hinweist, ist K den neuen 
Beweis schuldig geblieben. Zwar meint er (S. 7, Z. 6 ff.), 
dass der Verfasser, wenn er der nachsaadjanischen Zeit 
angehörte, nicht erst Fragen gestellt hätte, deren Beant- 
wortung, wenigstens teilweise, schon durch Saadja und 
Abraham Ibn Esra erfolgt wäre. Aber dieses Argument 
ist überhaupt nicht zwingend und wird vollends entkräftet, 
wenn, wie ich behaupte, der Fragesteller in seinen kriti- 
schen Bemerkungen nicht etwa ungelöste oder für den 
Bibelgläubigen geradezu unlösbare Schwierigkeiten auf- 
wirft, durch die er die heilige Schrift discreditieren will, 
sondern nur seinen Widerpart mit Fragen bedrängt, die 
dieser aus Unwissenheit nicht zu beantworten vermag. 
Auch aus dem bereits von Bacher herangezogenen Satze: 
nwb anjn ubd 1 » ab tnpcai (7, 27) ist kein Schluss auf die 
Abfassungszeit zu ziehen. Denn vor allem ist der Sinn 
dieses Satzes dunkel und der Text wahrscheinlich verderbt. 
Aber selbst zugestanden, dass der fragliche Satz bedeuten 
könnte " in der Bibelauslegung vermögen wir die Meinung 
der Weisen der Hochschule nicht genau anzugeben " \ 
wäre damit nichts weiter bewiesen, als dass diese Behaup- 
tung nicht auf die babylonischen Gaonen nach Saadja 
sich beziehen kann, da deren Bibelauslegung seit Saadja 
allgemein bekannt war. Nichts aber hindert uns, eben 
diesen Ausspruch auf die palästinischen Gaonen anwend- 
bar zu finden. Auch der Umstand, dass Saadja gegen 
Chiwi und andere Zweifler ähnlichen Schlages polemisiert 
bat, beweist noch nichts für die Annahme K's (S. 8 oben), 

1 Statt ■UBD' »S wäre dann allerdings uto' «S erforderlich. Was K. 7, 
10, um den Ausdruck -ow zu belegen, aus Saadjas 'i!»n nro anführt : 
ruh DJ tid :ed> n:n mpnn ,, d:so ist völlig unangebracht, ja sogar irre- 
führend. Ein Blick auf diesen Text und das Facsiinile dazu (in J. Q. R., 
XIV, 45) überzeugt uns, dass die Worte njn mpnn >d»o, die durch das 
Zeichen : deutlich vom folgenden getrennt sind, zum vorhergehenden 
Satze gehören. Aus den folgenden Worten aber rren DJ tid "UBC ist auch 
nicht das mindeste für das Verständnis des Ausdrucks •ODD' in unserem 
Text zu entnehmen. 



EINE GENIZA-STUDIE 191 

dass der Verfasser des Gedichtes ebenfalls zu den von 
Saadja bekämpften Ketzern gehört hat, und dass die aus- 
giebige Lobeserhebung, die er in seinem Gedichte den 
babylonischen Gaonen spendet, nur ironisch aber nicht 
ernst gemeint sein kann. Nur eine unbefangene, nicht 
von vorgefasster Meinung ausgehende Prüfung des Inhaltes 
kann darüber entscheiden, ob hier ein Bibelverächter oder 
ein Bibelgläubiger das Wort führt. Die Übersetzung 
Seligsohns ermöglicht es auch denen, die des Hebräischen 
nur wenig kundig sind, sich ein Urteil über diesen einen 
Hauptpunkt zu bilden. Dafür aber, dass der Verfasser 
nicht vor, sondern nach Saadja gelebt hat, sprechen ge- 
wichtige, ja ausschlaggebende Gründe. Vor Saadja's Zeit 
war die Accentuationslehre noch nicht so ausgebildet, dass 
von rbw\ nrriD, von nanxoi nm oder von nhaoi 'nwx (1, 
3 und 4) wie von allgemein Bekanntem die Rede sein 
konnte. Auch die Worte rmh 11D 1 DH DK K>N13 pin hl 11JI1 
DJW (7, 19) zeigen eine grammatische Sicherheit, die über 
den vorsaadjanischen Standpunkt weit hinausgeht. Der 
Verfasser spricht (12, 25) ausdrücklich von manne nnb, 
worunter nur Bibelexegeten verstanden sein können, ferner 
von Lehrern, deren Fragen er vorbringt (Clion niiw 9, 24, 
auch in der vorhergehenden Zeile ist von den Lehrern die 
Rede), und von seinen Lehrern, die er aufgesucht, um die 
Weisheit der Schrift zu studieren (8, 20 und 21 : YdSh 
rw^nb Nlpon noan . . . nio^). Ja noch mehr. Der Ver- 
fasser erzählt (8, 23 ff.), dass er nicht allein den hebräischen 
Text, sondern auch die fremdsprachliche Übersetzung 
(rj&n) und die Erklärung (|1*WBni) gründlich und geläufig 
auswendig gelernt und dass seine hervorragende Bibel- 
kenntnis es ihm ermöglicht habe, drei grosse, in Israel 
bekannt gewoi-dene Bücher zu verfassen (7 , 25 ff.). Dadurch 
ist mit einer Deutlichkeit, die jeden Zweifel ausschliesst, 
bewiesen, dass der Verfasser nicht vor Saadja gelebt haben 
kann. 

Aus dem ersten uns erhaltenen Abschnitt (mit dem 
Schlussreim nrr) geht hervor, dass der Verfasser seine 



192 THE JEWISH QTJARTERLY EEVIEW 

Angriffe gegen eine Schule von Accentuatoren und Punkta- 
toi'en gerichtet hat, die nur auf Vocalisation, Versteilung, 
Interpunktion und Cantillation der heiligen Schrift Gewicht 
legten, aber im Inhalt, namentlich auch im gesetzlichen 
Teil der Bibel nicht Bescheid wussten. Diese Schule ist 
es, die 1, 19 und 7, 21 nyhvn "die hinkende" genannt wird, 
ohne dass wir bestimmt anzugeben wissen, was diese 
jedenfalls aus Micha 4, 6 ; 7 und Zeph. 3, 19 entnommene 
Bezeichnung hier bedeuten- soll. Dass na als Substantiv 
hinzuzudenken ist, geht aus der Benennung einer Partei 
mit yb)i D3 in Megillath Ebjathar (J.Q.R, XIV, 458, 9) 
hervor, wie andererseits auch im Arabischen eine Sekte nur 
durch ein Adjektiv im Femininum ohne Hinzufügung des 
im Geiste zu ergänzenden Substantivs bezeichnet zu werden 
pflegt. Ein unbegreifliches Missverständnis K's (10, 5, v. u. 
und 15, Anm. 4) ist es, njMXfl auf die ganze israelitische 
Glaubensgenossenschaft zu beziehen. Eine geradezu ge- 
waltsame Missdeutung liegt darin, die Textesworte: Wp 
npa-incn rawn nifSvn bv »non nn^y »et«} wjj 1 nwrpb »nwp 
*n»lN '•Dan bv "Wan p5>»l Vfoyb (7, 21 ff.) so zu erklären, dass 
WS und '•nDlK nicht das Volk Israel, sondern die engere 
Gemeinde und Partei des Verfassers, nyhv hingegen die 
Gesamtheit Israels bezeichnen soll, während doch das 
Umgekehrte das allein mögliche scheint. Der Verfasser 
in seiner Polemik spricht bald von bald zu der Gegenpartei 
oder dem Gegner (iu der Einzahl), oder auch den Gegnern 
(in der Mehrzahl). Die Gegner werden als unwissend, 
namentlich in den gesetzlichen Bestimmungen der Religion, 
hingestellt (1, 12 ff.), als unruhige Elemente, treulos und 
verlogen, dreist und auf ihr Wissen eingebildet, wogegen 
sie die Worte der Lehre verschmähen (daselbst und 9, 23), 
als hochmütige und prahlerische Buben (m?j? ^3 1, 24) 
geschildert. Der Verfasser setzt dem Gegner scharf zu : 
"Windige Eeden sollen dir nicht helfen, noch auch viel 

1 Statt rrernp 1 ) muss entweder rampS oder 'icnpS gelesen werden. Ich 
ziehe das letztere vor, weil es mir sinngemässer scheint, vgl. » 'ünp 
io, 8. 



EINE GENIZA-STÜDIE 193 

Wortemachen " (2, i). Der Gegner wird 10, 4 ein 
"Frevler" genannt, der gegen ihn (den Verfasser) mit 
Worten andringt, um zum Abfall von Gott zu reden. 
"Das ist die verkörperte Schlechtigkeit, die Unheil plant, 
deren Zunge wie ein scharfes Messer ist. Gegen die 
Geweihten Gottes (A 'Wp) reissen sie den Mund weit auf 
und sprechen davon, ihr (d. h. der Schlechtigkeit) ein Haus 
in Babel zu bauen. Über den Gerechten bringen sie hoch- 
mütig und geringschätzig üble Nachrede aus (10, 9 ff), 
sie entweihen die Feste Gottes (10, 10, vgl. 5, 9), verachten 
das Wort Gottes und seiner Weisen (10, 11). Gott ver- 
damme sie, deren Zunge Tod bringt, die ihn nicht fürchten 
und von ihrem Frevlerwege nicht umkehren" (ig, 12 ff). 
Diese Schilderung und Verurteilung der Gegenpartei soll 
nach K's Auffassung auf die Gesamtheit der bibelgläu- 
bigen Juden sich beziehen, denn unmittelbar daran schliesst 
sich die Strophe (10, 14 ff.), die von K (S. 6 unten) als eine 
gegen ganz Israel geschleuderte Verwünschung und als Be- 
weis der seh] immsten Ketzerei des Schreibers betrachtet und 
bezeichnet wird: *rin hü Ö1YIX rcbwTft ö^sa npn 1iy brißl 
nytn e>to mya *a d^hn an* on \n b bx w Nvn udö Derart. 
Diese Stelle ist ohne Zweifel, wie K hervorhebt, nach 
Ez. 5, 4 gearbeitet. Aber das ist durchaus nicht etwas 
blasphemisches oder auch nur anfechtbares. Denn der 
Verfasser, der die Bibel wörtlich auswendig gelernt hat und 
fliessend herzusagen weiss (8, 22 ff), verwendet in seinem 
Gedicht so viel wie möglich Bildstellen, an denen er fast 
nichts ändert, ausser wenn der Zwang des Reims oder des 
vom Akrostich geforderten Buchstabens eine Änderung 
durchaus nötig macht. Weitaus die meisten Correcturen 
und Conjecturen zum Texte sind nur möglich geworden 
mit Hilfe der leicht zu ermittelnden Bibelstellen, die dem 
Autor während des Niederschreibens offenbar vorgeschwebt 
haben. Auch der Schluss, der sicher in Anlehnung an 
Ez. 5, 4 gearbeiteten Strophe: nyEH CN3 mya 13 ist wiederum 
eine Bibelstelle (Jes. 9, 17). Was bedeutet aber in Wirk- 
lichkeit die von K als ungeheure Blasphemie eines Frei- 



194 THE JEWISH QUAETERLY REVIEW 

denkers aufgefasste Strophe ? Einen weiteren Fluch gegen 
die feindselige Partei, von der unmittelbar vorher die Rede 
ist, eine Fortsetzung des vorhergehenden Absatzes, der mit 
Wfbx DCWNn beginnt. "Von ihnen nimm noch einige 
nach gerechtem Richterspruehe und wirf sie mitten in die 
Kohlenglut. Von jenem (sc. dem Frevler, der vorher 10, 4 
erwähnt ist) geht Feuer aus über alle Kinder Jakobs 
(D^riN 3W DD nach I Mos. 25, 38), denn die Schlechtigkeit 
(von der 10, 7 die Rede ist) brennt wie Feuer." Der Sinn 
liegt auf der Hand. Gott möge einige und zwar die 
Hauptschuldigen in dem Feuer des Streites, das sie ange- 
zündet haben, umkommen lassen (vgl. Jes. 50, 11). Wie 
K aus dieser Stelle einen gegen ganz Israel gerichteten 
Fluch herauslesen will, ist mir unbegreiflich. Als ob der 
Verfasser des Gedichtes durchaus ein Ketzer sein müsste, 
wo doch Sätze, wie z. B. ip*ra ttrv nDX » inario pIX (2, 2), 
l^an anaion i>aa » xn le» (2, 22), noan mrb nvh) rr\ msp 
riN^s topDn (9, 30), anneb ])fb •b jro fyn dti^n nr (10, 16), 
WM pa wav iSDa ainan ■'jnvi (12, 13 und 14) und die Worte 
des Gebets 9, 27 ff. die Frömmigkeit und die Bibelgläubig- 
keit des Verfassers durchaus bezeugen. Von einer Ver- 
spottung der heil. Schrift durch ihn kann auch nicht 
entfernt die Rede sein, von Bibelfeindlichkeit findet sich 
bei ihm keine Spur, an eine Unaufrichtigkeit seines (7, 
25 ff.) der talmudischen Hochschule und ihrem Collegium 
gespendeten Lobes kann nicht ernstlich gedacht werden. 
Auch nicht eine einzige Stelle lässt sich ausfindig machen, 
die zu der Annahme berechtigt oder gar nötigt, dass der 
Verfasser die Bibel habe angreifen wollen. Was K (S. 6 
unten) als gegen die Bibel gerichtete Bemerkungen des 
Verfassers ansieht, ist nur scheinbar eine Bekämpfung der 
Bibel, in Wahrheit aber eine Biosstellung jener Unwissen- 
den, die nicht im Stande sind, die scheinbaren Wider- 
sprüche in der Bibel zu beseitigen, die vielen dem Forscher 
sich aufdrängenden logischen, theologischen, historischen 
und auch philologischen Schwierigkeiten dieses Buches zu 
lösen. Nur für den, der auf die schwierigen Fragen, die 



EINE GENIZA-STUDIE 195 

jeder Bibelkundige zu beantworten hat, die Antwort 
schuldig bleibt, also z. B. für die Partei, die sich mit der 
äusseren Textesgestalt, nicht aber mit dem Inhalt der Bibel 
beschäftigen will, ist und bleibt manche Bibelstelle sinn- 
verwirrend fohzb nyin 3, 11), ja zum Verrücktwerden 
(BW nn nw vbn 4, 4), verkehrt (nrfa im ron 4, 14), ganz 
entsetzlich und schrecklich (n'ni'Wi not? run 10, 21), 
wie unordentlich durcheinandergeworfen oder wie ein 
Kuchen, der, weil nicht umgewendet, nur von einer Seite 
ordentlich gebacken ist, von der anderen Seite wie roher 
Teig schmeckt (naian ^a rutya 5, 17) und dergleichen. Das 
von K (nach Jes. 25, 7) zutreffend ergänzte [roiwn] n3Don nsr 
(5, 26) bedeutet nicht etwa, dass die heil. Schrift die vor- 
gezogene Decke ist, die unser Sehen hindert, sondern dass 
an den beiden daselbst angeführten Bibelstellen manche 
Schwierigkeit sich darbietet, die wie ein Vorhang, der den 
Einblick hindert, erst entfernt werden muss. Die 7, 10 
aufgeworfene Frage : B^JJID riDI nriü •roi'J ro (" was wir aus 
den doppelten Relationen der Bibel lernen sollen und 
welchen Nutzen sie haben 1 ?") ist von K (6, unten: "am !>jn 
*)DN' 1 BHj?n) gründlich missverstanden worden, als ob gefragt 
worden wäre, was wir aus den heiligen Büchern lernen 
können und wozu sie uns dienen sollen. Man darf auch 
nicht vergessen, dass der Verfasser durch die gehäuften 
Schwierigkeiten des Reimzwanges und der Akrostich-Not 
zuweilen zum Gebrauche von Ausdrücken verleitet oder 
gedrängt wird, die nicht so schroff gemeint sind, als sie 
klingen und in zwangloser Prosa gewiss zum Teil milder 
ausgefallen wären. Wie dem aber auch sei, nichts be- 
rechtigt zu der Annahme K's (8, 1 1 ff.), dass der Verfasser 
mit einigen seiner Glaubensgenossen über die biblischen 
Accente disputiert, gegen die Gesamtheit seiner Glaubens- 
brüder hart und heftig geschrieben, als Freigeist viele 
bibelkritische Fragen aufgeworfen und gleich Spinoza und 
anderen über die Widersprüche der Bibel gespottet, auch 
über die Buchstabenumstellung und den Buchstabenwandel 
im Hebräischen sich lustig gemacht, schliesslich gar sich 



196 THE JEWISH QUARTERLY EEVIEW 

dessen mit Hochmut gerühmt habe, dass sein Mund wie 
ein scharfes Schwert und wie ein spitzer Pfeil treffe und 
niemand ihm und seinen Angriffen gegen die Bibel Stand 
halten könne. Hier liegt eine von vorgefasster Meinung 
getrübte, ja grundfalsche Auffassung des Gedichtes vor. 
Wer unbefangen liest und gewissenhaft prüft, wird zugeben 
müssen, dass der bei oberflächlichem Lesen auftauchende 
Verdacht der Ketzerei des Verfassers sich bei näherem 
Zusehen völlig verflüchtigt. 

Die Abfassungszeit des Gedichtes ist dadurch, dass die 
darin enthaltene Schilderung des Hochschulwesens das 
palästinische Gaonat von der Mitte des 11. Jahrb. an zum 
Gegenstande hat (s. Bacher in J. Q. R., XV, 83), näher 
bestimmt und ziemlich eng begrenzt worden. Ich vermute, 
dass der anonyme Verfasser mit seiner Schrift den Qaon 
selbst gegen die Angriffe einer starken Gegenpartei (nyhvn 
oder damit übereinstimmend j>?¥ na genannt, s. oben) in 
Schutz nehmen wollte, indem er diese in ihrer Unwissen- 
heit, Anmassung und Schlechtigkeit an den Pranger stellte. 
Mag in dieser Schilderung manches noch so stark aufgetragen 
sein, man hat nicht das Recht, sie als völlig aus der Luft 
gegriffen zu betrachten. Und es ist nicht Zufall, dass die 
Schilderung der Gegenpartei in Megillath Ebjathar (J. Q. B., 
XIV, 456 ff.) in vielem mit der Schilderung der Gegenpartei in 
unserem Gedichte übereinstimmt, denn hier wie dort handelt 
es sich um dieselbe Partei. Wenn in der Einleitung zu Meg. 
Ebjathar Gesetzesübertreter und ähnlich Schuldige mit der 
Bezeichnung " Kreis des Frevels " (njflsnn b)Zl nach Mal. 1 
14) bedacht und als " Verächter des Wortes Gottes " 
(nn 'n "Ol "O nach IV Mos. 15, 31) mit der schwersten 
Strafe bedroht werden, führt unser Gedicht uns eben 
solchen Frevel (rwin) (so namentlich 10, 3 ff.) und eben 
solche Verächter des Gotteswortes (nn Qlb TOJffl 11 ~\Ti 
10, 1 1) deutlich vor Augen. Das Haupt der gaonfeindlichen 
Partei, Daniel b. Azarja, so lesen wir in Meg. Ebj. (das. 
458, 9), war aus Babylonien nach Jerusalem gekommen. 
Und unser Gedicht (10, 9) weist ausdrücklich darauf hin, 



EINE GENIZA-STUDIE 197 

dass die Gegner von Babel ihren Ausgang zum Bösen 
genommen haben. Auf die in Meg. Ebj. (das. Z. 10) 
erzählte gewaltsame Sperrung der Lehrhäuser an Fest-, 
Sabbath- und Neumondstagen mag sich der in unserem 
Gedichte (namentlich 10, 10) erhobene Vorwurf beziehen, 
dass die Gegenpartei die Gottesfeste entweiht habe. Von 
einem heftigen und hässlichen Streite gegen das Gaonat 
in Palästina ist auch in Saadyana XLII und XLIII 
(J. Q.R., XIV, 481 ff. und 484) die Rede. Durch Heran- 
ziehung dieser Geniza-Tezte wird uns manches in unserem 
Gedichte verständlicher. So z. B. das Gebet 9, 27 ff. Mips 11 
nmv p -irj&to nm p-rcn muri my "pro. Unter pnvn mun 
ist das Collegium des Gaon zu verstehen, wie auch unter 
piBTTpn p-ran mun (7, 26) und nhbn p*vn mun (8, 9). mun 
war die offizielle Bezeichnung des Hochschul-Collegiums, 
so z. B. munn jwj (in J. Q.B., XIV, 47 a, Z. 12) und ^a 
Bmum TWipn nwn (das. 484, 4 in einer datierten 
Urkunde vom Jahre 1058 '). Der p»*t¥, von dem unser 
Gedicht (10, 2 und 10) spricht, ist kein anderer als der 
Gaon. Die ^ »BTip (10, 8) sind die Mitglieder der "hei- 
ligen" Hochschule (nwpn rat^n in J.Q.B., XIV, 484). 
Auch auf die von K völlig missverstandene Erwähnung 
des Eleazar b. Azarja in unserem Gedicht (9, u) 
fällt ein neues Licht aus der Stelle in Meg. Ebj. (2, 25), 
wo erzählt wird, dass der Gaon Elija, der im Jahre 1 084 l 

1 Eine chronologische Schwierigkeit in Meg Ebj. ergiebt sich aus dem 
Bericht, dass Elija, der anscheinend erst nach dem Tode des Daniel b. 
Azarja im Elul 1373 Gaon geworden und im Kislew 1395 gestorben ist, 
das Gaonat 23 Jahre (vgl. J. Q.B., XIV, 458, 15 und 16, und das. 459, 23) 
bekleidet haben soll. Da die Zahl 23 durchaus correct scheint, sind 
zwei Erklärungen möglich. Entweder ist als erstes Amtsjahr des Gaons 
Elija, weil nach der seleucidischen Zeitrechnung bei den Juden das Jahr 
im Frühling beginnt, die Zeit von seinem Amtsantritt im Herbst 1373 bis 
zum Frühling 1374, und als letztes (dreiundzwanzigstes) Amtsjahr die Zeit 
vom Frühling bis zum Kislew 1395 voll angerechnet worden. Oder versah 
Elija schon während des letzten Jahres des Gaons Daniel, als dieser 
geisteskrank geworden war, die Geschäfte des Gaons und wurde als 
Gaon betrachtet. Die Stelle (Meg. Ebj. 3, 14 und 15) otiin rravon bapi 
»in 'ta o"3» jron irr 1 )« was wäre dann so zu verstehen, dass Elija nach 



ig8 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

starb, neben seinem Ahnherrn Eleazar b. Azarja (auch 
hier, wie in unserem Gedicht ohne die sonst übliche Hinzu- 
fügung des Titels U"i) begraben wurde x . Schon Bacher (in 
J. Q. R., XV, 83) hat darauf hingewiesen, dass die Schil- 
derung der Zusammensetzung und Tätigkeit des Colle- 
giums der palästinischen Hochschule in unserem Gedichte 
(7, 26 ff'.) aufs genaueste den aus anderen Geniza-Frag- 
menten hierüber ermittelten Einzelheiten entspricht. Auch 
die Ältesten (D^pf) und ihre Machtvollkommenheit den 
Bann auszusprechen finden wir 8, 10 und Saadyana XLIII 
(/. Q. R., XIV, 484, 13 2 ) wieder. 

Ich glaube daher nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, 
dass unser Gedicht aus der Zeit der in Meg. Ebj. (3, 9 ff.) 
berichteten Anfeindungen gegen den Gaon Joseph stammt. 
Der terminus a quo ist das Jahr, in welchem der aus 



dem Tode des Gaons Daniel die Gaonswürde (die er bis dahin, nicht 
ohne Widerspruch, bekleidet hatte) unumstritten erlangte, also im 
Ganzen 23 Jahre als Gaon fungiert hat. Die folgenden Worte des 
Textes, Z. 16 : wYma n« >3 *an scheinen unheilbar verderbt. 

1 "Vielleicht ist auch die Erwähnung des Namens Ben Beroka in 
unserm Gedichte (7, 23) anders zu erklären, als durch den nahelie- 
genden aber wenig befriedigenden Hinweis auf den bekannten Mischna- 
Lehrer R. Jochanan b. Beroka. In Saadyana XLIII (J. Q. S., XIV, 484) 
lesen wir nämlich, wie im Jahre 1058 in Jerusalem Ephrajim b. Schemarja 
aus npil sich bei Strafe des Bannes vorpflichtete, alle unglimpfliclien 
Reden, besonders gegen die heilige Hochschule und das Collegium, hinfort 
zu unterlassen und aller Feindschaft gegen den Gaon Daniel und den 
Ab Beth Din Elija für immer zu entsagen. Vielleicht war es der Ort 
npia, den die gaonfeindliche Partei im Sinne hatte, als sie, wie es in 
unserem Gedichte heisst, den Gelehrten Israels gegenüber sich brüstete : 
np-n p y bnm vtaxch iowi wo Dt*» (statt ja müsste allerdings »Ja gelesen 
werden) " niemand kann erwidern und mir sich entgegenstellen aus den 
Lehrhäusern (oder Familien) derer von Beroka" ? Oder ist bei npna ja 
vielleicht gar an den in Bibel und Talmud erwähnten Ort pna »ja, 
bekannt als Sitz des Lehrhauses R. Akibas, später im Arabischen ja» 
pia» genannt (s. Neubauer, Geographie, p. 82), zu denken? 

s Das. 484, 1 ist wohl nach Jos. 22, 22 zu lesen : »:s « D>rr)N b« " orrtM 'w 
T5>o und st. nviott) einfach rr>row> ; Z. 2 st. uurt 1. ■vtdi ; Z. 7 st. lrvon 
1. irrem ; st. jna 1. pro (mit " ja") ; Z. 10 st. iiDEfo vnj>» 1. Tot* »js ttow 

und St. TONI TOM DN1 1. YEN YQrt DM1 ; Z. II St. 0»ri1B 1. K1TOJ Z. 14 St. CTCH 
1. DHB1. 



EINE GENIZA-STUDIE 19g 

Babylonien nach Jerusalem gekommene Daniel b. Azarja 
mit Hilfe der jfof na (oder nyhtfn) genannten Partei seine 
Feindseligkeiten gegen den Gaon Joseph eröffnete, also 
ca. 11 50. Der terminus ad quem ist das Aufhören des 
Streites nach dem Ende 1054 plötzlich erfolgten Tode 
Josephs. Daniel b. Azarja hatte das Ziel seines Ehrgeizes 
erreicht und war unbestritten der Amtsnachfolger Josephs 
geworden, den er vermutlich schon vorher gewaltsam aus 
seinem Amte gedrängt hatte. Elija, der Bruder des ver- 
storbenen Gaon musste sich mit der Würde des Ab Beth 
Din begnügen. Der unterlegene Teil war zum Frieden 
gezwungen worden 1 . Seit dem Tode des angefeindeten 
Gaon und dem Siege des babylonischen " Fürsten " Daniel 
gab es keine Veranlassung mehr zu solch heftiger Polemik, 
wie unser Gedicht sie noch zeigt. Nur von Gegnern der 
gesamten Hochschule und ihres Collegiums, die sowohl 
den neuen Gaon als auch dem zweiten Vorsitzenden Elija 
feind waren, berichtet die Urkunde Saadyana XLIII (vom 
Jahre 1058). Die spätere Anfeindung des Gaon Ebjathar 
durch den in Egypten zum Exilarchen proclamierten 
Babylonier David b. Daniel Ende des 11. Jahrhunderts 
kann nicht die Veranlassung zur Entstehung unseres 
Gedichtes gewesen sein, da dieses in keinem Punkte eine 
Spiegelung der hierüber in Meg. Ebj. berichteten Tatsachen 
enthält. 

II 

Der von K mit Vocalzeichen versehene Text lässt jede 
philologische Akribie vermissen und weist viele Fehler 
auf. 2 An zwei Stellen hat der Herausgeber durch Hin- 

1 Das Nähere dieses Streites s. Megillath Ebjathar, dazu Bachers vor- 
trefflichen lichtvollen Artikel " Ein neuerschlossenes Capitel der jüdi- 
schen Geschichte" in J. Q. JK., XV, 79 ff. und Poznanski' s "wertwollen 
Beitrag in R.E.J., LI, 54. 

2 So 1, 1 nonori st. nnnon, vgl. »nnorro 8, 21. — 1, 3 <ap st. ,35 ; 1, 4 
nyi«n st. to-ind; r, 7 cran st. D'ain, vgl. -]»rt (Midr. Tanch. Debarim) 
" einer der schwerfällig im Sprechen ist " ; i, 7 naopa st. rcrnga oder 

VOL. XX. P 



200 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

zufügung falscher Vocalzeichen den einfachen Sinn des 
Textes in baren Unsinn verwandelt : 3, 15, wo er statt 
des Hiph. ö^n (synonym mit 3D3) ein Nomen D^Chn setzt, 
und 9, 18, wo er statt njnaj* (n. pr.) n^ap liest. Die 
Anmerkungen K's geben meist nur den Nachweis der vom 
Verfasser des Gedichtes benutzten oder besprochenen 
Bibelstellen und bieten ausserdem noch einiges zur Ver- 
besserung und Erläuterung des Textes, enthalten aber auch 
viel unrichtiges und lassen manches Schwierige unerklärt. 
Weit besseres hat Seligmann in B. £. J., XLIV, 100 ff. 
bereits geleistet, seine Übersetzung ist fast durchweg richtig, 
seine Anmerkungen grösstenteils zutreffend. Ich beab- 
sichtige im Folgenden die guten von S und K gegebenen 
Textesberichtigungen hervorzuheben und zu einigen Stellen, 
wo die Wiederherstellung des richtigen Textes oder Er- 
mittelung des rechten Sinnes bis jetzt noch nicht gelungen 
ist, neue Besserungsvorschläge und neue Erklärungsver- 

miapi; 1, 10 pnan st. pinan (vgl. II Sam. a, 39); 1, 11 piw st. nn»; 
1, 14 rn?j st. vw (vgl. I Kön. 5, 7) ; a, a yrh st. ^rnS ; a, 4 toio st. toiD ; 
a, 7 Jfor st. j£rn (vgl. Jj. 38, 34) ; a, 8 ^gni st. tjooi (vgl. Jj. 38, 8 -p'i 
d< D'rfm) ; a, ir -itf'i? st. Ttina» Sing, von Dn^p ; 3, sa rmwan st 
rmtfan ; a, 34 ms; st. rres ; 3,. 11 rorem st. nwan ; 4, 13 rnn st. rort» wie 
der Reim es erfordert ; 5, 15 D«ra st. o;ns ; 5, ai neteo st nrtpo (vgl. 
Spr. 13, 6) ; 5, 37 jn?;a st. ;n?a ; 6, 15 YnpB st. YnpB ; 9, s rrata ! > st. rfifKh i 
9, 10 ^sto und Vi*« st. Ssto und lisa (Iinper.) ; 9, 19 rwVi st. rwto ; ir, 8 
dn: st. DM3 . 11, 23 nW> st. nW>; n, a8 rwirö st. rwrch; ia, 11 -rai st. 
•vot . ia, sa rrcan st ncsn ; 13, 26 rrtoni«b st. rrt5Y*A (Inf. von ib-in, das eine 
Denominativbildung von iroiN Ps. ai, 3 ist und ' ' sprechen " bedeutet. 
Derselben verlängerten Infinitivform begegnen wir in minD 1 » 7, n). 
7, 9 Sbjdö st. 'rfoa (vgl. Ez. ai, 5). An manchen Stellen ist auch der 
Abdruck des Textes bei K ungenau, so 2, n N'Sirrj st. wsirt ; 2, 10 rrtw 
(Druckfehler) st. mw ; 5, 4 rrir und i3iro st rrrr und ura (1. YaDa); 
5, 5 Vm st. im; 5, 25 >-u S» st nai ta>; 5, 21 mna st nnas ; 10, 11 Drrt 
st. DaS ; 4, ai fehlt bei K : mrro V» nirro Via und 4, 23 sind die Worte 
ron» D'p'W natoo rmni pi bei K ganz weggelassen ; 6, 16 rMs> st. 
nW»n ; 13, 10 wnn st. 1:1min ; 12, 27 ruinin st. rraiDnnn ; 7, 10 D'^id 
st. ofrsvß; 11, 36 -pn^N fehlt bei K. 



EINE GENIZA-STUDIE 201 

suche beizubringen. Ich citiere den Geniza-Text nur nach 
dem ersten Abdruck in /. Q. B. und zwar mit Angabe der 
über jeder Textesseite stehenden Seitenzahl und weiterer 
Hinzufügung der Zeilenzahl. 

i, 1 möchte ich gegen K und S tnbv st. n^y lesen, vgl. 
Jj. 10, i. nro^n i, 5 ist keinesfalls mit K nffl?Jji zu lesen, 
aber auch schwerlich mit Bacher als Particip pass. von 
rbn\ (I Mos. 47, 13) zu erklären. Vielleicht ist es in nn?3l 
zu emendieren. — i, 12 W* ist von S unrichtig mit " ils 
restent cois " übersetzt, von K richtig nach II Chr. 29, 11 
erklärt. 1, 13 TOD *e»ro» will mir nicht richtig scheinen. 
Ob nicht TOö ^rro nach Jes. 48, 4 nwm 1TOD1 zu lesen ist 1 
Die Lücke 1. 16 wird von K nach Jj. 37, 2 richtig durch 
das Wort «na ergänzt. 1, 20 will K '•ma in rwma, S in WK3 
ändern. Ich lese : txbü hp rnöN Waa nach Ri. 17, 2 (moN Ml 
^aa) und Jj. 33, 8 (VWK j^o inpl »3TK3 niDN IN). 1, 23 und 
24 hest und ergänzt K : H ^0^> prtfo]? \W p3K, S nW p3K 
^lob D^t?, beides wenig befriedigend. Ich vermute: P3N 
norta • ^3'f ö mW. Zu ^WD mW, das den rechten Reim 
s b- gäbe, vgl. onion mW 9, 24 und zu dem folgenden rranbo 
m?y ^3 !5J> vgl. Hos. 10, 9. — 1, 25 ist eine Lücke, die K mit 
QNti'K ergänzen will. Aber der Reim fordert tt<p~, S ver- 
mutet Q^plDsa. Die Lücke 1, 26 wird von K mit * »ödpd 
ergänzt. Aber ich glaube, dass auch hier der Reim ein 
Wort auf t^p" erfordert, also wohl D^prui ö^üBBtOl oder, 
wenn die Lücke für diese Ergänzung zu klein ist, ö'pnai 
allein. 1, 27 liest und ergänzt S: D"ui> naxn i6 *B>SD, 
K Dlib [d]n3ND^> [pl roian ptt], beides gezwungen. Ich 
vermute : D~iab Dn3Nr6 [pJVn], da die Lücke für drei Worte, 
wie K sie vorschlägt, zu klein ist. i, 28 ergänze ich durch 
[nriN DJ * Dirr»]. 2, 9 liest S "\üxn st. 1W> , aber die Änderung 
ist völlig überflüssig (vgl. ausserdem Koh. 2, 9). Zu ~\W0ü 
2, 10 vgl. rntnvü in einem Geniza-Texte in J. Q. R, XIV, 
237. a, 14 D'nn» wird von S in QliOD emendiert und dieses 
Wort dann zum vorhergehenden Satze nw &6 TIN "O gezogen. 
Dagegen spricht aber erstens, dass dieser Satz den Gedanken 
völlig zum Abschluss bringt und keines ergänzenden 

p 2 



202 THE JEWISH QUAETEKLY BEVIEW 

Wortes weiter bedarf. Zweitens, dass die Zugehörigkeit des 
ersten Wortes einer Strophe zum Vorhergehenden wohl 
ausnahmsweise dort vorkommen mag, wo der Zwang, die 
Strophe mit einem bestimmten Buchstaben zu beginnen, 
einen besonders schwieligen Notfall schafft, nicht aber 
hier, wo die neue Strophe mit D anzufangen hat, einem 
Buchstaben, der nicht die mindeste Verlegenheit bereitet, 
vielmehr die allergrösste Auswahl passender Worte ge- 
stattet. K schlägt vor, Dinpo zu lesen. Aber trotz seines 
beigebrachten Belegs aus Ben Ascher hat diese Vermutung 
alles gegen sich, namentlich dass kein rechter Sinn dabei 
herauskommt. Auch meine frühere Vermutung DTlino in 
DTin» zu ändern, ziehe ich als eine völlig unhaltbare zurück 
und schlage vor, dafür rvnriü zu lesen, was einen angemes- 
senen Sinn gäbe, i, 18 st. rw vb W muss wohl tw li? *lt?K 
gelesen werden. Die mit W beginnende Strophe 2, 21 ff. 
übersetze ich : " Richtig ist das Wort Gottes, durchforschet 
nur die ganze Schrift. Aber kommen denn auch die Jahre 
zurecht ? Da (bei dieser Frage) schweigen sie, wenden den 
Rücken und nicht das Angesicht, sobald sie (sc. die Jahre) 
untersucht werden nach Zahl und Mass " (mpm im Sinne 
von wn mn nipn Jos. 2, 18 und Jer. Nasir 51 mpn jnun 
Wrw5>). Vielleicht aber ist st. ICSW zu lesen iB>anJ (oder 
vielleicht auch noch pana in DSta zu ändern). Dann wäre 
der Sinn des letzten Satzes : " Sie verfangen sich im 
Zählen und Messen" (oder: "sie verfangen sich hoff- 
nungslos"). Die Lücke 2, 25 ergänzt K richtig durch 
vnKD. Die Lücke 2, 26 nach JTC2 will K mit iny ab vj 
ausfüllen, aber der klare Sinn, den S in seiner Über- 
setzung richtig wiedergiebt, erfordert eine ganz andere 
Ergänzung. Gemeint ist offenbar, dass die Worte J)V3 rao 
(I Mos. 37, 26), die Jehuda zu seinen Brüdern gesprochen, 
seine Anwesenheit beim Verkaufe Josephs beweisen. Ich 
vermute also : [ra ID^J. 2, 27 und 28 sind Lücken, die den 
Sinn nicht verdunkeln. Vielleicht ist Z. 27 rtwb das 
fehlende Wort. 3, 9 niv mtft • Denana nmts> ^Din nt^Di ist bei 
S unrichtig übersetzt, weil er die Stelle V Mos. 7, 1 zur 



EINE GENIZA-STÜDIE 203 

Erklärung nicht herangezogen hat. Daa Wort flKnBTO ist 
entweder mit K nehana zu lesen und wie «iDan ntna 
(Esth. 4, 7) mit " Summe " zu übersetzen oder nBhana, was, 
wie das unmittelbar darauffolgende B*"ian zeigt, die Ab- 
grenzung und Bestimmung einer Zahl bedeutet. 3, 13 
DnJD wird von S höchst ansprechend in Q'nnn verbessert. 

3, 14 tWV\ DntPP nDna MW möchte ich durch den Hinweis 
auf II Mos. 33, 11 erklären, wo Josua als "IJN bezeichnet, 
also allem Anscheine nach zu denen unter zwanzig Jahren 
gerechnet wird. 3, 20 macht auf die Schwierigkeit auf- 
merksam, die darin liegt, dass König David im Ganzen 40 
Jahre regiert hat und andererseits Absolom, der ihm (vgl. 
II Sam. 3, 3) während seiner Regierungszeit in Hebron als 
dritter Sohn geboren ward, bei seiner Empörung 40 Jahre 
alt geworden ist. Die Worte wh mbn Vsb hat S irrtüm- 
lich in 'b 'ü \33^ corrigiert. K hat richtig auf Ez. 28, 17 
als Belegstelle hingewiesen. Die Lücke 3, 28 ergänzt K 
sinngemäss mit [TW * fUlBNa]. 4, 3 st. ttOV, das S WOfc> liest, 
aber nicht ohne Zwang zu übersetzen vermag, K T\ßtf 
punktiert und, weil es keinen Sinn giebt, völlig unerklärt 
lässt, ist einfach Tfip zu lesen. 4, 7 st. n*DTWpa lese ich 
iTD~i ncpa . Der Autor will nicht, wie S übersetzt, sagen, 
dass Jehu's Sohn durch einen trügerischen Bogen, d. h. 
durch Verrat zur Regierung kam, was ja auch tatsächlich 
nicht der Fall gewesen ist, sondern dass der widerspruchs- 
volle biblische Bericht z. St. anscheinend einem trügerischen 
Bogen gleich unzuverlässig sich erweist und nicht das 
Rechte trifft, nDtM na«i»»m und die Arbeit (der chrono- 
logischen Ausgleichung) eine unangenehme ist. 4, 7 ist, 
wie S richtig bemerkt, nach rwriK hinzuzufügen rriNim ibo. 

4, 13 ergänze ich die kleine Lücke durch p"i. 4, 16 st. 
np~D liest K mit Recht np"D. 4, 18 scheint mir sowohl von 
S als auch von K unrichtig erklärt, ^tw ^bv bwü nm 
bedeutet nämlich nach Ez. 16, 44 nicht "welcher Herrscher 
regiert über mich", sondern "welcher Dichter wird auf 
mich anwenden das Wort . . .?" Hier also: "welcher 
Dichter wird mir nachsagen das Psalmwort DJVN TN (Ps. 1 9, 



204 THE JEWISH QUAETEELY EEVIEW 

14), wenn dies und das mir ein Geheimnis bleibt ? " 4, 24 
ist die Lücke mit Sicherheit durch nmi nJN"D (vgl. 10, 10 
und ii, und Ez. 12, 18) und ein die neue Strophe begin- 
nendes p zu ergänzen. 4, 22 ist statt )W3 zu lesen rw». 
Damit ist die von S p. 1 10, Anm. 7 hervorgehobene Schwie- 
rigkeit des Textes beseitigt. 4, 25 st. ITTa lese ich DV1 
und ergänze die Lücke mit &V31. 4, 26 lese ich: pl 
[e>nr&] nyatso [wnn] tnr6 -it?y3. S hat das richtige, K lässt 
uns auch hier im Stiche. 4, 27 ist nach mtso das fehlende 
Schlusswort der Strophe ntl31 (vgl. 10, 10 und Ps. 31, 19). 
Die folgende Strophe muss mit dem Buchstaben b beginnen. 
Ihr Inhalt war zweifellos der Hinweis auf die Abweich- 
ungen der Berichte der Chronik im Vergleiche mit den 
Erzählungen der anderen historischen Bücher. 5, 3 tyi 1J3K 
wird von S in ^Ji *33K corrigiert. 5, 3 liest S m» roi st. 
DT3 n3J und übersetzt : " II faut en conclure." Ich meine, 
dass st. nta n33 zu lesen ist nr nsj oder rrh nsj in der 
Bedeutung von "diesem gegenüber" und dass die Über- 
setzung so lauten soll : " Im Gegensatze zu diesem Gerät, 
das gehörig verschlossen ist (und darum nach IV Mos. 19,15 
rein bleibt), steht der Mensch, der mit einem Todten in 
einem Zelte zusammen ist (und dadurch nach IV Mos. 19, 
14 unrein wird)." 5, 4 statt ^31 ^OtJVi j3 möchte ich 
^3 i^|B>n p lesen, da 5, 1 die Dy •fysvo und in der folgenden 
Strophe die D'O'OD i>3E> angeredet werden, vgl. auch 4, 20 
im^3B>n. 5, 8 will K *J? " bzb, wo durch zwei Punkte nur 
zwei oder drei Buchstaben als im Texte fehlend angedeutet 
sind, nach Ez. 32, 5 (imon nvton TtN^öl) ergänzen und 
schlägt vor vb [niD"l N]W> zu lesen. Welchen Sinn aber 
diese schon durch ihre räumliche Ausdehnung unmögliche 
Ergänzung haben soll, hat K anzugeben unterlassen. Eher 
ist S J?[& H]bnb das richtige, vgl.Ps. 65, 10 : ttö n!?D D\"6n ibö. 
Einen sehr guten Sinn gäbe es yn[l , '*t]yio^ zu lesen. Ob 
aber diese Vermutung das Richtige trifft, kann nur eine 
genaue Prüfung der Buchstaben der Handschrift ent- 
scheiden. 5, 10 ist nach Jer. 7, 27 zu ergänzen, also nicht 
vb [Dm], sondern &6[l]. 5, 11 und 12 ist bei S derart geän- 



EINE GENIZA-STUDIE 205 

dert, dass bei sämtlichen Verben die erste Person eingesetzt 
wird. Aber statt noanN VH3R ist ebenso gut noanx m»N 
denkbar und statt TlETD, aus * 1B>na emendiert, kann auch 
ntf>na das Eichtige sein. Entscheiden kann vielleicht auch 
hier die Handschrift. K ergänzt die Lücke in 5, 12 mit 
i>NU1, das sich nicht empfiehlt, wogegen bwi in jeder Be- 
ziehung besser passt. Auch ist die unveränderte Beibe- 
haltung des Wortes 1BTD bei K nicht gerechtfertigt, da aus 
dem Zusammenhange nicht zu ersehen ist, auf wen die 
3. P. PI. sich hier beziehen soll. 5, 13 irunn ist bei K in 
i:nn geändert. Ob mit oder ohne Absicht, lässt sich nicht 
ermitteln, da K auf jede Erklärung der Stelle verzichtet. 
Bei S ist alles richtig aufgefasst und gut übersetzt, irunn 
ist beizubehalten. Von S stammt die einleuchtende Ver- 
besserung von TTttn? 5, 14 in *vntn t6, ebenso dass statt 
VONö mwKl gelesen werden muss l'OK ninNI. 5, 16 st. 
mnrro 1. rnntnai. 5, 18 ist eine Lücke am Anfang, die K 
mit nap, S mit SPIIp ausfüllen will. Ich schlage vor, statt 
DJ • • • zu lesen : D*l [hp], vgl. V Mos. 27, 14. Vielleicht 
auch napa st. nap ^ ; 5, 23 st. nntj p« 1. rem tpk oder ru« 
na». Die Lücke am Anfang von 5, 24 ist von S und K 
mit MIN ergänzt, das folgende <ö1B>ö von K richtig in 1D1ß>D 
verbessert worden. Die mit min beginnende Strophe 5, 
24 ff. ist von S teilweise unrichtig erklärt, von K stark 
missverstanden worden. Ich lese st. Tin* (5, 25) Tm" 1 und 
übersetze sodann : " In der Vorschrift vom Jungen ("W oder 
atra oder ty), das geboren wird in der Herde (III Mos. 22, 
25), wird auch Kalb und Zicklein mit dem Namen der 
Thiergattung "I1K> beziehungsweise N> ausgezeichnet, ähnlich 
wie es beim Lämmchen, das im Hebräischen genau wie das 
Lamm 3^3 heisst, der Fall ist. Und wo er (sc. aman " der 
Bibeltext ") in Bezug auf Ochs und Lamm anscheinend 
das Männliche und sein Junges (13a nsl mix) betreffende 
Bestimmungen festgesetzt hat (T!?l ist ein von TU in 
talmudischem Sinne gebildeter Piel), will er eigent- 
lich über Kuh und Mutterschaf und ihr Junges eine An- 
ordnung treffen. Das ist ja wie eine Verschleierung des 



206 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

richtigen Sachverhaltes." Die Worte nsDßn riNT, nach 
denen im Texte eine Lücke folgt, sind von K richtig mit 
Hinweis auf Jes. 25, 7 durch [ruiDin] ergänzt, von S aber 
gründlich missverstanden und mit dem Folgenden zu einem 
Nonsens zusammengezogen worden. S hätte vor diesem 
Irrtum sich bewahrt, wenn ihm nicht zufällig entgangen 
wäre, dass nach der akrostichischen Anlage des Gedichtes, 
die Endstrophe, deren letztes Wort mit der Silbe n3~ 
schliesst, mit einem 3 beginnen muss, also erst mit 5»nN3 
anfangen kann. 5, 28 Anf. 1. [nnjjn] (K). 6, 3 st. des 
völlig unverständlichen nDJD ist vielleicht MOM zu lesen und 
nach ncru das Wort roö?B« einzuschalten. 6, 5 das Wort 
C;>B> fehlt bei K im Text und ist auch bei S unübersetzt 
geblieben. 6, 6 das erste Wort Ö3twi wird von K in ö3E>n 
emendiert. Ich halte es aber für richtiger OWn zu lesen 
wie in III Mos. 25, 8, worauf hier Bezug genommen wird. 
6, 8 st. wwb nvn liest K W >& nvn (unmöglich richtig), 
S wyb nvn. Vielleicht ist wyb b nvn zu lesen. 6, 12 
Qnwta bedeutet hier " mit Sonnenaufgang ". 6, 15 1313 
ist wohl ^3*13 zu lesen. Der Sinn ist : " Wenn Bileam im 
Auftrage Gottes geflucht hätte, dann hätte ja dieser durch 
sein Wort sein Volk vertilgt." 6, 23 "X ' 113 wird von K 
[l]s [3]n3 gelesen. Aber erstens giebt diese Ergänzung 
keinen rechten Sinn und zweitens erfordert hier der Reim 
ein Wort auf tvv. Ich vermute ö'nro oder, wenn die 
Lücke in der Handschrift für mehr Buchstaben Raum lässt, 
oniTOS, wie 11, 7 und 12, 10. Die Lücke 6, 26 ergänzt K 
mit nnn, das völlig sinnlos ist. Ich vermute : [mwi]. 
9, 5, das K nD1Dj£ liest, S allzufrei übersetzt, möchte ich 
notoV.? lesen, eine Infinitivform, deren der Verfasser sich 
auch sonst (7, 11 ; 12, 26) bedient. Der Sinn ergiebt sich 
aus Ps. 68, 20. 9, 6 wird nDlD3 von S und K vortrefflich 
in nD103 emendiert. 9, 9 3H3 1. airu (Imper.). Auch die 
Anfangsworte der folgenden Strophen b$P und "py (1. ^iV) 
sind Imperative, desgl. n«3 Zu und 1B>B Z. 13. Die Lücke 
9, 21 wird von S und K übereinstimmend mit ö}?3 ergänzt, 
das folgende «133 von S völlig zutreffend in sp3 geändert, von 



EINE GENIZA-STUDIE 207 

K unverändert (aber auch unverständlich) beibehalten. 
Übel-flüssig ist es, das nächstfolgende min in ntnn zu ändern, 
da ersteres durch V Mos. 14, 13 gerechtfertigt ist. Wenn, 
woran ich nicht zweifle, das Wort Bin das hier zu ergänzende 
ist, haben wir hier die älteste Erwähnung des Gebrauchs 
der Sehreibfeder bei den Juden. 9, 21 ist nzb[i np]b twavi 
nnb zu lesen. Von DW1 war schon 1, 13 die Rede. K will 
die Lücke in Z. 22 mit 1T3rp N[lKO] ergänzen. Ich ziehe es 
vor, dh^d njn ^33 itos» K[ici>] nach Jj. 35, 16 zu lesen. 
9, 23 wird von K (nach Jer. 8, 9) 1DKO tf-|1Dn [»W n]jm 
ergänzt. Ob die Lücke für so viele Buchstaben Raum 
lässt? [n3l]3l wäre kürzer. Schwierig sind die zwei 
Strophen von 9, 24 an. Statt ^"ivn T\"by in Z. 25 schlägt 
S vor, nach Ri. 20, 9 bltol n^y zu lesen. Ich halte diese 
Vermutung für glücklich, im Übrigen jedoch die Auffassung 
und Übersetzung dieser Stelle bei S für völlig verfehlt. 
Unhaltbar ist auch die Erklärung, die K z. St. giebt. Ich 
meine, dass hier nicht eine Aufzählung schwieriger Bibel- 
stellen, sondern, was auch der Zusammenhang ergiebt, eine 
Aufforderung zum Angriffe gegen die feindliche Partei 
vorliegt. " Die Fragen der Lehrer treffen sie wie Männer 
mit dem Bogen. Wahrlich, Wehen erfassen sie, die Be- 
wohner Palaestinas. Auf (zum Kampfe) gegen sie (Tfbv be- 
zieht sich auf die Gegenpartei, die mit nj£ixn bezeichnet wird) 
durchs Loos, bis dass man nur .ihre Trümmer zurücklässt, 
wie einst die Steine bei Kir Charescheth" (II Kön. 3, 25). 
Von den beiden folgenden Worten 1DD0? KW1 ist das zweite 
ziemlich sicher nDtti» zu lesen. Ich vermute, dass der Copist 
der Handschrift das 1 aus Versehen weggelassen und dann 
über der Zeile nachgetragen hat, so dass ursprünglich riöib 
geschrieben stand, woraus dann irrtümlich 1HD3? geworden 
ist. Das vorhergehende Wort aber bleibt zweifelhaft. Ob 
1NtW1 oder *|B03 zu lesen ist? Die folgende mit nmn 
beginnende Strophe verspottet die Gegner. Ich übersetze : 
" Die Belehrungen ihrer Fragen sind unbrauchbares Zeug 
und Gemisch (0^31 WöjlB>) und diese ihre Offenbarung 
lehren sie (Wjh) V brmsn 9, 27, vgl. DID^n n Tin» Ps. 132, 12) 



208 THE JEWISH QÜAETEKLY REVIEW 

den Vater und sein Kind, während diese in Jerusalem über- 
nachten, um in Lust sich zu ergötzen" (Z. 27 1. DUilflO] 
nobynrh nach Spr. 7, 18 : mtoo nD^yro). — 10, 5 st. 
na üvb) lese ich naich, das erste Wort der folgenden Zeile 
ist wohl na zu lesen. K liest na ffwi, was nicht richtig 
sein kann. 10, 6 will K tOJ» ftt»!? neb ">B>N lesen, was aber 
durchaus keinen Sinn giebt. Unzweifelhaft richtig scheint 
mir N"Tp* ntopnpp "ICN , wozu das Wort n^a des vorhergehenden 
Satzes das Subjekt ist, vgl. Spr. 18, 6 N"ip> rtmbmh vai. 
10, 7 nam, wofür K naiSJ vorschlägt, möchte ich in nattil 
(vgl. Ez. 5, 15) verbessern. 10, 8 st. "TONI 1. n»K*1. 10, 12 
st. ^vn ist wohl Dnvn zu lesen. Die Vermutung von S, 
dass es QW statt DPW heissen soll, ist sehr ansprechend. 
10, 18 st. wovh 1. njnoB^, vgl. Ez. 16, 56 \ 10, 22 st. T3> 
1. *ibo* und Z. 23 st. D^D3 1. D^KO. " Ist es so recht, dass Worte 
des Gottespropheten wie Reden ohne festen Grund ("lojflß v3, 
vgl. Ps. 69, 3 IDJJö PNI) sein sollen ? " Bei dieser Erklärung 
würde man allerdings 1BOVI erwarten. Aber 1SW ohne n 
steht als Frage auch 11, 18 und desgleichen prp 12, 20. 
— '•IM nty? 10, 25 scheint mir fehlerhaft, vielleicht ist 
nny ß»«^ dafür zu lesen (vgl. Jer. 22, 30). 10, 27 st. n*VöK 

1. n*ii»N ; 10, 28 st. niioji 1. n-iiona (S liest niion). n, 3 st. 
tfjfflBO, das keinen Sinn hat, 1. 0WB5O, vgl. Ez. 4, 15. Die 
Lücke 11, 4 will K durch \rwth DV] ausfüllen. Es scheinen 
aber hier nur vier Buchstaben zu fehlen. Ich schlage vor, 
[*]M] einzuschalten, womit ein befriedigender Sinn herge- 
stellt ist. 11, 15 st. na 11 nisi» m« rotnrfc liest S na 11 n\x nwnni». 
Vielleicht aber ist na 11 rtixb niD niiOni» zu lesen. 11, 25 st. 
WIHD3 1. ntPjBM (vgl. Koh. 8, 14). Die Lücke 12, 1 ergänzt 
S durch "löN?, K weniger ansprechend durch iTfHD?, Die 
Lücke 12, 3 ergänzt K trefflich durch D^O, doch möchte ich 
st. DDn N^ daselbst Dion vb bv lesen, wie Jj. 16, 17. Die 
Lücke 12, 5 ergänze ich durch [d\Jb6b> Dttjn, S liest a'fe'ta] 
(zu kurz), K [d»]b6b> rmnbül (zu lang). 12, 6 fehlt ein Wort 
am Anfang, S vermutet [1C3] K [1 nm], 12, 7 st. IN 1. TN, 

1 S p. 116, Anm. 7 1. Jer. 33 st. Jer. 23. 



EINE GENIZA-STUDIE 209 

das Wort pinvi ist finn zu lesen, vgl. n^nni Ez. 9, 4. Zu 
linNl D^S vgl. Ez. 2, 10. K hat PJTW? gelesen und die ganze 
Stelle nicht verstanden. 1 2, 9 möchte ich "jri? N*n [n»]rnö 
epa pai lesen. Zu N"n no n*iö vgl. Jer. 8, 9 n» nosm und 
Ps. 39, 5 nm no 10» rno. 12,11 "tano moyn i>y new irjya -im, 
das zum Vorhergehenden gehört, wird von S irrtümlich als 
besonderer Fragesatz aufgefasst. 1SX1D ist von iTvax abge- 
bildet, hat aber mit ia5T1 Ri. 7, 2, das von K. z. St. herange- 
zogen wird, nichts zu tun. 12, 21 ff. bis zum Schlüsse der 
Strophe wird von S irrtümlich als Aufzählung schwieriger 
Bibelstellen betrachtet. Der Sinn ist : " Ich werde nicht 
an Falsches glauben, als einer, der sich irre führen lässt, 
denn Irrtum wäre der Lohn davon und die Welt würde 
durch Lüge verderbt." Also eine Expectoration des Ver- 
fassers, der auch hier seine Gedanken in die Gewandung von 
Bibelstellen kleidet. 12, 26 st. na^lXD, das keinen Sinn 
giebt, vermutet S na?1DD. Aber auch nainriD ist möglich. 
12, 27 st. Dina 1. Vir© (Imper. PI. wie 12, 10 und 13) und 
st. "nriB 1. nma. 12, 28 niWN ist durch den Hinweis auf 
PB*N Spr. 20, 20 noch nicht erklärt. Völlig ohne jeden 
Beleg, und darum auch ohne Halt, ist die Angabe von S, 
dass roitw* im Talmud wörtlich" dunkles Silber" bedeutet. 
Ob nicht doch TNStih fpsn zu lesen ist? Der Sinn der 
Worte von Qina an wäre dann : " Erklärt es mir richtig, 
ihr Erklärer, nicht aber mit dem Silber der falschen Zungen 
(vgl. Spr. 0,6, 23 in 3?1 r\)pb)1 DTiat?), das ein oberflächlicher 
Überzug nur ist auf einem irdenen Scherben." 7, 13 st. 
H7 p« möchte ich pp pK lesen. S liest O^O* UPS st. rb p« 
311137, eine sehr gezwungene Vermutung. 7, 14 ?i?i, das bei 
K ?3J»? punktiert ist, muss 7y?i heissen, da es eine Infinitiv- 
form sein soll. V73B> P*ö*tt, von S unübersetzt gelassen, 
bedeutet " bei Gleichheit ihrer Bedeutungen." Der Versuch 
S's, aus den Worten 31BOJ? bis mnn einen polemischen Sinn 
herauszulesen, ist von vornherein verfehlt und darum auch 
völlig missglückt. Die drei Worte V7KO, V*?"«? und V7D3 
sind nur des Reimes wegen zu den gewählten Beispielen 
von Metathesen hinzugefügt. Der Schluss der Strophe 



2IO THE JEWISH QUARTEELY EEVIEW 

aber nnnn pnnn innxi n^nna ny -0tt bedeutet : " was er 
ursprünglich nach vorn (an den Anfang des Wortes) 
gestellt, hat er nach hinten (ans Wortende) mit Absicht 
gerückt." Die Redewendung mnn pnnn innxi aus Neh. 3, 
20 ist in ähnlichem Sinne bereits 5, 17 gebraucht. 7, 17 
st. minn l. nmcn. 7, 24 st. no»<n 1. in»sn (vgl. Jj. 32, 13). 
8, 10 ^*un ist nicht, wie S und K es tun, -""an zu lesen, 
sondern ^"ran, vgl. Zech. 4, 10 -TO i^an pNn nx i*ni. Der 
Sinn der Strophe wird dadurch klar. 8, 13 neilnn wird 
von S als Anspielung auf Ps. 129, 3 auf bx"\W< nu bezogen 
und mit " qui est labourä " übersetzt. Aber ne>nn, das 
ausserdem noch 4, 20; 12, 15 und 7, 27 vorkommt, 
bedeutet an allen diesen drei Stellen, also vermutlich auch 
hier nichts anderes als naina " geschrieben " (vgl. übrigens 
z. St. auch Ez. 13, 9). 8, 17 ^lübzb möchte ich ^tobd? lesen, 
vgl. 8, 21 ^lO?. 8, 22 wird die Lücke von S sinngemäss 
mit £M?i|B ergänzt, K's Vorschlag, n^oa zu lesen, ist ganz 
unannehmbar. 8, 24 st. DW Micna, wofür ich, durch das un- 
mittelbar Vorhergehende p"\n an LTI Mos. 30, 34 ff. erin- 
nert, D^dd M^ia vorgeschlagen habe, will S DVDD pyna lesen. 
Aber wo ist ein Beleg für diesen Gebrauch von pn zu finden % 
^xna ist freilich auch nicht unzweifelhaft sicher, und so darf 
man vielleicht gar auf Grund der angeführten biblischen 
Belegstelle, wo neben D'öd sowohl p*in als auch np"> (zwei- 
mal) gebraucht wird, das Wort WD in npjT| emendieren. 

Von dem hochinteressanten Gedicht ist etwas weniger 
als ein Drittel uns erhalten. Es steht zu hoffen, dass zu 
willkommener Ergänzung des bisher Aufgefundenen noch 
manches Stück aus den schier unerschöpflichen Schätzen 
der Geniza hervorgeholt werden wird. Vielleicht geben 
uns neue Funde erwünschten Aufschluss über die Person 
des Verfassers und seine Gegner und an die Stelle der 
vorläufig noch allzuzahlreichen Vermutungen tritt dann in 
vielen Stücken volle Gewissheit, und auf Manches, das jetzt 
noch dunkel bleibt, fällt dann neues, helles Licht. 

N. Pobges.