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Full text of "Ibn Hazm Über Jüdische Secten"

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IBN HAZM ÜBER JÜDISCHE SECTEN 765 



IBN HAZM ÜBEE JÜDISCHE SECTEN. 



'Abu Mtthammed 'Ali ibn Ahmed ibn Hazm (994-1064) war einer 
der hervorragendsten arabischen Schriftsteller in Spanien und, 
obwohl christlicher Abstammung, ein eifriger und phanatischer 
Muslim 1 . Er gehörte zur Schule der Zähiriten, nach denen nur 
der äussere Sinn (ytü», entsprechend dem hebr. n?H) von Koran 
und Tradition massgebend sein muss, und dehnte zuerst dieses Princip 
auch auf die Dogmatik aus. Von seinen verschiedenen Schriften ist 
die bedeutendste das J-=^j JÜ^ i-As!> "Buch der Religionen und 
Secten," das auch für die Geschichte des Judentums von grossem 
Interesse ist. Denn, erstens, erzählt hier der Verfasser von seinem 
vielfachen Verkehr mit Juden in Spanien und berichtet u. A. über ein 
Gespräch, das er mit seinem Zeitgenossen, Samuel Hannägid, über 
Gen. xlix. 10 geführt hat 2 , und, zweitens, enthält ein grosser Teil 
dieses Werkes die erste systematische, alle Hauptpunkte umfassende 
Polemik gegen Bibel und Talmud, die als grundlegend betrachtet 
werden kann. 

Das Werk ibn Hazms war bis vor kurzem nur handschriftlich vor- 
handen, doch sind wir, besonders was seine antijüdische Polemik 
anbetrifft, durch die Nachrichten Steinschneiders 3 und die Mit- 
teilungen Goldzihers*, Schreiners 8 und Hirschfelds 6 , ziemlich gut 

1 Die Litteratur über ihn verzeichnet Brockelmann, Gesch. d. ärab. 
Litteratur, I, 400. 

a S. Goldziher, Jeschurun, deutscher Teil, VIII, 76 ; Adolf Posnanski, 
Schüoh, I, 105, x. 

s Polem. u. apolog. Literatur, p. 99 ; vgl. auch pp. 22, 138 u. 411. 

4 Jeschurun, I.e. ; ZDMG., XXXII (1878), 363 ff. 

5 ZDMG., XLII (1888), 612 ff. ; Kohut's Semitic Studies, pp. 496 ff. 

6 J. Q. B., XIII (1901), 235 ff. (nach einer Handschrift im British 
Museum). Als aber Hirschfeld seine Mitteilungen machte, war der 
betreffende Band der soeben zu erwähnenden Ausgabe schon erschienen, 
wovon er also augenscheinlich nicht gewusst hat. 

3 E2 



766 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

unterrichtet. Goldziher hat besonders ibn Hazms Polemik gegen 
die Agada veröffentlicht und übersetzt, doch hat sowohl er als auch 
Schreiner auch Stellen aus seinen sonstigen Angriffen auf Juden und 
Judentum mitgeteilt und besprochen. Unlängst aber ist nun die 
Schrift ibn Hazms in Kairo vollständig in fünf Teilen erschienen ', 
wovon die das Judentum betreffenden Abschnitte die grössere 
Hälfte des ersten Teiles ausmachen (pp. 98-224). Ich will nun 
von dem reichen Inhalte dieser Abschnitte vorläufig eine Stelle 
hervorheben, die über die jüdischen Sachen handelt und ungemein 
interessant ist. Auch diese Stelle hat zwar bereits Schreiner mitgeteilt 
und übersetzt 2 , aber, erstens, hat er nur einen Teil davon edirt und, 
zweitens, hat er nicht genügend auf alles bemerkenswerte in den 
Angaben ibn Hazms hingewiesen. Es folge nun hiermit der ganze 
Passus, sowoM nach der Ausgabe (p. 98), als auch nach den Hand- 
schriften in Leyden (Cod. Warn. 480, fol. 39 a) und Wien (no. 216, 
fol. 55 b) 3 : 

&Jjü **,j lyAJW ^kj <jji y*»s* "(Je }£r*\ 5 j3 j^iU ^Jl 4 UU 
Cfjjl» iji\ ilyül jji äljjj ^j üjjaxi "$j fjaXäW o-J iy> yj>j>tl % 
'Ustiilj 7 cJ l»JL. i.b. 8 JW*£> Sj>->-i> &)■>.&*£* 7 (.iLJI sJtC X-£y> J*Jj 

I3 dpj h \ s "j^3 m? ™hf)) "«iy^-j u°y^) 10 ^'j u»yij 

1 Teil I, 1317 d. H. (1899, 1900), 224 SS. kl. Fol. ; Teil II u. III, 1320 
(1902, 1903), 193 u.264 SS. ; Teil IV u. V, 1321 (1903, 1904), 227 u. 144 SS. 
Der Titel lautet hier vollständiger (wie bei ibn Challikan, s. Stein- 
schneider, 1. c.) : Js?Jlj *y % } Jlil J J-äJI <^kf. 

* Monatsschrift, XXXIV (1885), 139-41. 

3 Ich bezeichne die Edition mit E und die Handschriften mit L resp. 
W. Die Varianten aus diesen Handschriften verdanke ich der Güte des 
Herrn Dr. Isr. Friedländer. 

«Lu.WU. s Fehlt in L u. W. * L [ j l) . 

T Fehlt in W. 8 E u. L a y^. 9 W Uij. 

10 E u. L y-Ullj .fc-Jtj. " W u ^5*».j , L ohne Punkte. 

» W fehlt, L \y>.jy n W uy ^y_ Ü »b/£\y 

" W ±j\j c) iflJ,». 15 W JLSjiUlj. >« E u. L \yJ>y 



IBN HAZM ÜBER JÜDISCHE SECTEN 767 

^lilc V 1 *" 1 **) 3 iöU»5V, ^1 Ä4V- \ff) 2 <sÜS a c 4ül Jl» «oll 
ujj«a 51 ^4öl f*V»j 5 u»Mj c^lr 5 ^' ■IH«^ pfe*"" 5 } Lf-^feil tj^l jJI 

^Ui» 9 jyb ^JUll ** 5 »i^JW -& 3 T i^.ib r )l 5 ^JlLj iUi^lk, 
^iP o' ujl^j* W (J^j &ic 41)1 J*»* Jl^j "j,^/» ^ * ls-^ 1 i£p. 12 cy^ 

er 6 J/^ v)j-» t^. J ^ j»^M ü^ 1 *^ "jW 1 er 1 . J ^ mjj' 

"Was die Juden anbetrifft, so zerfallen sie in fünf Secten, und 
zwar : (1) Die Samaritaner. Diese behaupten, dass als heilige Stadt 
Nablus, das von Jerusalem 18 Meilen entfernt ist, zu gelten habe ; 

1 W &a *>Ss. 3 W «ull ^J \jji. 3 W ä-jUlj, L ohne Punkte. 
* W 11 L*«»ö. 5 E (jAl« u»\f&\ } über (j»M s. weiter unten. 

e W ^jljLJ üjli* j^jtjiUi,« ^a^LcIj ^»L^e« ^jLL>» J«-4-J1 JL*. 

C)*J liJ/^J («^J'j _/*•$ (•*) ^}4~1 ^)L" ('• i=>l}LJ). 

7 W Ä*jlj-J1j, L ohne Punkte. 

8 E u. L d*i>ii.5)| , W fügt hinzu (?) c-s^-Jl» &j~4j . 

10 W jjuJJul c**j i-A» J^ cJ* <•*** ö^- 5 *^ ljufc (!• ^y/»-j) <^*»»j 
ä-jb J1« Ui> i-p*?») (S& ÄjU js? ,Jlil1 . 

11 Fehlt in W. « W ^g*. « W .5UI UW*. 

14 Von da ab bis zu Ende lautet in W : i_>jj\ jj jj»u ^ oJI JU< yÄS U> 
^ ( sic ) (^^y JL" 4Ül JU-jbj J-jjl^-l ^.^^i ^ Uaj (?) jzyi) 

<->\j* ^ ,J (sic)^jßli. 

15 E u a ft c. 



768 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

letzterer Stadt aber legen sie keine Heiligkeit bei und ehren sie nicht. 
Sie haben eine Thora, die anders ist als diejenige der übrigen Juden. 
Sie beachten keine Prophetie, die in Israel nach dem Tode Moses 
und Josuas entstanden ist, verneinen die Prophetie Samuels, Davids, 
Salomos, Jesajas, Elias, Elisas, Arnos', Habalraks, Zacharjas, Jeremias 
u. A., und glauben auch nicht an die Auferstehung. Sie wohnen in 
Palästina und erlauben nicht aus diesem Lande auszuwandern. 
(2) Die Sadducäer, die so nach einem Manne, Namens Sadoq, benannt 
werden. Sie allein unter den Juden behaupten, dass Ezra ein Sohn 
Gottes gewesen. Erhaben ist Gott über derartiges ! Sie hielten sich 
auf in der Gegend von Jemen. (3) Die Ananijja, die Anhänger des 
jüdischen Davididen Anän ; die Juden aber nennen sie Karäer und 
Lamasäs(?) 1 . Sie behaupten, dass sie nichts von dem, was in der 
Thora und in den Schriften des Propheten enthalten ist, übertreten, 
dass sie aber die Worte der Rabbinen fliehen und sie als Lügen 
bezeichnen. Diese Secte wohnt im Iräq, Egypten und Palästina, 
und in Spanien sind sie in Toledo und Talavera. (4) Die Rabbaniten, 
oder die Aschmathija. Sie folgen den Worten der Rabbinen und 
bilden das Gros der Juden. (5) Die 'Isawijja, die Anhänger des Abu 
'Isä, eines aus Ispahan stammenden Juden. Sein [voller] Name war, 
wie ich hörte, Muhammed ibn 'Isä. Sie anerkennen die Prophetie 
Jesus, des Sohnes Mirjams und des Muhammed, behaupten aber, 
dass Gott Jesu zu den Söhnen Israels gesandt hat, so wie es im 
Evangelium berichtet ist, und dass er einer der israelitischen Propheten 
gewesen, dagegen war Muhammed ein Prophet, den Gott mit den 
Geboten des Koran zu den Söhnen Ismaels und zu den übrigen 
Arabern gesandt hat. Denn ebenso waren z. B., nach der Ansicht 
aller jüdischen Secten, Hiob ein Prophet unter den Söhnen Esaus 
und Bileam unter den Söhnen Moabs." 

Gehen wir nun die einzelnen Secten durch : — 

(1) In den Angaben über die Samaritaner ist ganz neu und ander- 

1 Ibn Hazm weiss also nicht von dem Unterschied zwischen 'Ananijja 
und Karäern, der noch bei späteren Autoren vorkommt. Was den 
Ausdruck jjj.1 anbetrifft, so ist dafür vielleicht yuL-oiUI oder JL«.Lj>}UI 
zu lesen. So hiessen nämlich nach al-Berüni {Chronologie oriental. Volker, 
ed. Sachau, p. 21, citirt von Maqrizi, bei de Sacy, Chrestomathie arabe, 
P, 113 ; vgl. auch die unten zu erwähnende Schrift des as-Su'üdi, p. 190) 
die Samaritaner, und diese Benennung hängt mit dem im Koran 
(Sure XX, 97) vorkommenden Ausdruck ^L*« 5) " keine Berührung " 
zusammen (s. Sachau 's engl. Übersetzung des al-Berüni, p.374). Ibn Hazm 
hat dann irrtümlich diese Benennung auf die Karäer übertragen. Über 
den Ausdruck im Koran s. Geiger, Was hat Mohammed etc., p. 167 (a. Aufl., 
p. 162) u. Fraenkel, ZDMG., LVI (1902), 73. 



IBN HAZM ÜBEK JÜDISCHE SECTEN 769 

weitig nicht belegt die Nachricht, dass es bei ihnen verboten war aus 
Palästina auszuwandern. Ibn Hazm wiederholt diese Nachricht 
noch einmal indem er sagt, dass die Juden und die Samaritaner sich 
gegenseitig der Fälschung der Thora beschuldigen. Die Thora der 
Samaritaner sei aber unzugänglich, weil diese es für unerlaubt 
halten, aus Palästina auszuwandern '. Ausserdem werden die Samari- 
taner noch an zwei Stellen erwähnt, wobei an der ersteren 2 gegen 
ihre ausschliessliche Anerkennung der Prophetie Moses polemisirt 
wird, und an der anderen, aus Anlass der Erzählung von der Ver- 
nichtung des Zetanstämmereiches, von ihrer Entstehung und ihren 
Ansichten nochmals kurz gesprochen wird 3 . Die anderen arabischen 
Autoren, die über die Samaritaner berichten, wie al-Berüni, Schah- 
rastäni und Maqrizi, haben die oben hervorgehobene Einzelheit nicht. 

(2) Ebenso neu ist die Nachricht, dass die Sadducäer sich in Jemen 
aufgehalten haben. Bemerkenswert ist auch, dass die von Muhammed 
in Koran (ix. 30) erhobene Beschuldigung gegen die Juden, dass sie 
Ezra für einen Sohn Gottes halten, von ibn Hazm auf die Sadducäer 
beschränkt wird 4 . Die anderen erwähnten arabischen Autoren 
wissen überhaupt nichts von den Sadducäern. 

(3) Von den Nachrichten über die Karäer ist nur die über ihren 
Aufenthalt in Spanien von Interesse. Die älteste bisher bekannte 
war die des Abraham ibn Däud im n?3j?n *1DD 5 über ibn al-Taras, 
einem Schüler des Jeschua ben Jehuda (blühte 1054). Der älteste 
spanische Autor, der gegen karäische Ansichten .polemisirt, ist, 
soweit bis jetzt bekannt, Jehuda ibn Bal'äm 6 . Sonstige Nachrichten 
über die Karäer in Spanien, aber recht spärliche, hat Loeb (Revue, XIX, 
206) zuzammengetragen. 

(4) Die Babbaniten erhalten auch von ibn Hazm die Benennung 
ä~**J, was nur, wie schon de Sacy hervorgehoben, von NDDyDB' 
abgeleitet werden kann, also etwa Anhänger der Tradition. Wenn 
aber auch die Karäer von Maqrizi als iL**-! benannt werden, so 

1 Ed., p.117 (vgl. ZDMG., XXXII, 383, u. .7. Q.B., XIII, 235) : «ib Jj 

2 pp. I03, 104. 3 p. I95. 

* Ibn Hazm erlaubte sich vielleicht darum hier vom Koran abzuweichen, 
weil nach Manchen dieser Ausspruch nur die Anschauung eines Juden, 
Namens Pinchas b. Azarja, wiedergiebt, s. Geiger, 1. c, pp. 16, 194 (2. Aufl., 
pp. 15, 191). 5 Ed. Neubauer, p. 79. 

6 S. seinen Comm. zu Jer., XVII, 21 (bei Harkavy, D'3tt> DJ 0'«nn VII, 19 ; 
vgl. Reo. d. it. Juives, XLV, 193), aus dem hervorzugehen scheint, dass 
es sich um Karäer in Spanien handelt. Über die Erwähnung von 
Karäern in der Bachja ibn Paküda beigelegten Psychologie ddjSn \jnso, 
s. Schreiner, Z./.H.B., I, 126, no. 3. 



770 THE JEWISH QUARTERLY REVIEW 

beruht das auf einem Missverständnis 1 . Bekanntlich werden auch 
von Mas'üdi 2 , der ein Jahrhundert vor ibn Hazm geschrieben, 'Abu 
Katir Jabjä ibn Zakarjä und sein Schüler Saadja als u^ftiU • JU*--! 
bezeichnet. 

(5) Ueber die Isawijja und ihren Stifter sind wir jetzt ziemlich 
genau unterrichtet, besonders durch die Angaben Qirqisänis (Absch. I, 
Cap. n), zu dessen Zeit (937) in Damaskus noch ein kleiner Rest 
von ihnen, etwa 20 Personen, existirt hat 8 . Neu wiederum ist die 
Nachricht, dass der volle Name Abu Isäs Muhammed ibn Isa gelautet 
hat. Dies wäre das einzige Beispiel, wo ein Jude den Namen des 
Stifters des Islam getragen hätte 4 . Vielleicht wurde ihm dieser 
Name später künstlich beigelegt, um damit anzudeuten, dass er sowohl 
Muhammed als auch Jesus ('Isä) als Propheten anerkannt hat B . Diese 
Thatsache war auch wohl die Ursache, dass über diesen Sectenstifter 
mehr wie über alle andere in der arabischen Litteratur gesprochen 
wird. Zunächst polemisirt gegen ihn ibn Hazm selbst 6 und 
wendet u. A. ein, dass, wenn man einmal Muhammed als Prophet 
anerkennt, man auch an den Koran glauben muss. Hier aber heisst es, 
dass Muhammed zu allen Menschen gesandt worden sei 7 . Dann 
erwähnen noch Abu 'Isä und seine Secte: al-Berüni (schrieb im J. 
1000) 8 ; al-Guweini, genannt Imäm al-Haramein (1028-85) 9 ; Fachrad- 
din ar-Räzi(ii49-i205) in seinem ausführlichen Koräncommentar 10 ; 
Schahrastäni (gest. 1153), der auch den hebr. Namen 'Abu 'Isäs 
anführt"; al-Igi (gest. 1355) im Kitäb al-mawäqif ,2 ; Maqrizi 

I Andere, unwahrscheinliche Deutungen s. bei Pinsker, pp. 6 ff. 
' Kitäb al-tanbih, ed. de Goeje, pp. 112, 113. 

s Vgl. ed. Harkavy, pp. 264, 284, 311, 317. Der Widerlegung 'Abu 
'Isäs widmet Qirqisäni Cap. 13 u. 14 des III. Abschnittes (s. Steinschneider- 
Festschrift, p. 198), und zum Teil richten sich gegen ihn auch Cap. 15 
u. 16 desselben Abschnittes (vgl. Hirschfeld, Arabic Chrestomathy, p. 116, 
wo 1. in der vorletzten Zeile : TI9 ['3»] asrtSN NON). Ebenso erwähnt ihn 
Qirqisäni in Absch. II, Cap. 15, s. meine Mitteilung, Z./.H.B., III, 176. 

* Vgl. Steinschneider, J.Q.B., IX, 609. 

5 Man braucht also nicht mit Steinschneider (ib., XII, 202) anzunehmen, 
dass er zum Islam übergetreten sei. 6 pp. 114, 115. 

' Sure, VII, 157 : U^ JvJß 4]1 Jj~, ,jl y-Uil [4A G Ja. 

8 1. c, p. 15. 9 S. ZDMG., XLII, 660^ Z. 1. 

10 Mafätih aX-geib, V, 319. S. ib., 619, n. 5. 

II Kitäb al-milal w'al-nihat, ed. Cureton, I, 168. Der hebräische Namen 
lautet; 4ll Jolß (j\ |»**)i1 -MjC &»J J-sj (jl^iH <->j-5jü ^ (J 3 ^^ 
also Isaak ben Jakob oder Obed Elohim, d. h. Obadja (s. Haarbrücker, 
Übers., I, 254). Letzten Namen hat auch Qirqisäni. 

18 Ed. Soerensen, p. 216. 



IBN HAZM ÜBEE JÜDISCHE SECTEN 771 

(1364-1442), der aus ibn Hazm geschöpft hat 1 ; 'Abü-1-Fadl al-Mäliki 
as-Su'üdi in seiner Streitschrift gegen die Christen (verf. 1535), wo er 
gegen die 'Isäwiten u. A. denselben Koränvers citirt, wie ibn Hazm 2 
und wahrscheinlich noch Andere. Ebenso erwähnt die Isawijja und 
ihren Glauben an die Prophetie Muhammeds 'Abdalqähir al-Bagdädi 
(gest. 1037), in seiner Schrift über die Secten, betitelt Kitäb al-farq 
bein al-firaq *, und fügt hinzu, dass ein Teil der jüdischen Secte der 
Scharakanija mit ihrem Stifter Schärakän behauptet haben, dass 
Muhammed von Gott zu den Arabern und zu anderen Völkern gesandt 
wurde, aber mit Ausnahme der Juden 4 . Interessant ist auch, was 
ibn Qajjim al-Gäuzijje in Kairo (1 292-1 350) erzählt, dass ein gelehrter 
ägyptischer Jude ihm gegenüber in einem Disput geäussert habe, Mu- 
hammed sei ein wahrer Prophet, doch wurde er nur zu den Völkern 
gesandt, die noch kein Offenbarungsbuch besassen (jl C**> UM sM 
^ i_>U> "3 (jjJJI f j~*'$\); al-Gauzijje antwortet dann mitden selben 
Argumenten, wie ibn Hazm, und darauf kann der Jude keine Entgeg- 
nung laut werden lassen 5 . 

Wir wissen nichts über die Quellen, aus denen ibn Hazm seine 
Angaben geschöpft hat. Vielleicht waren es mündliche, da er, wie 
oben bemerkt, viel mit Juden verkehrt hat, aber dann ist wiederum 
die Frage, woher sie denn diese hatten. Gewiss ist, dass ibn Hazm 
karäische Quellen benutzt und dass er ihnen ohne Zweifel seine 
Kenntnis der von ihm angegriffenen Agadot entnommen hat 6 , in 
dem von uns behandelten Abschnitt aber merkt man keine besondere 
Voreingenommenheit für den Karäismus oder überhaupt für irgend 
eine der aufgezählten fünf jüdischen Secten. 

Waeschatt, Januar 1904. SAMUEL Pozna * SKI - 

1 Bei de Sacy, I.e., F, 116 ; vgl. auch Schreiner, Monatsschr., I.e., 141. 

* Disputatio pro religione Mohammedanorum adversus Christianos, ed. van den 
Harn (Leyden, 1890), pp. 189, 190 ; as-Su'üdi bemerkt noch zu diesem 
Koränvers, dass hier has Wort ^U mit dem Artikel versehen ist, um zu 

zeigen, dass das ganze menschliche Geschlecht inbegriffen ist : 1 sJ^ll« 

+i\ ^u ^ ^«jil JLk^y ,_^U1 jj ^Mllj . Wie weit aber seine Kenntnisse 
confus waren folgt daraus, dass er die Anhänger des 'Abu 'Isä in zwei 
Secten teilt : in die Isfahänijja, nach denen 'Abu 'Isä noch vor Mose als 
Prophet aufgetreten sei, und die "Isawijja, die u. A. auch Jesu und 
Mahammed als Propheten für andere Völker anerkennen. 

3 Mitgeteilt von Schreiner, Rev. d. M. Juives, XXIX (1894), 206 ff. 

4 Schreiner identificirt, und wie es scheint mit Kecht, die Scharakanijja 
mit der von Jefet b. 'Ali und anderen karäischen Autoren erwähnten Secte 
der Schadganijja. 5 Vgl. Goldziher, Jeschurun, IX, 23. 

6 S. Steinschneider, Polem. Liter., p. 411 unt.