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Full text of "Die Entstehung des Absoluten Infinitivs im Griechischen"

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II.— DIE ENTSTEHFNG DES ABSOLUTEN INFINI- 
TIES IM GKIECHISCHEN. 

Der Gebrauch des sogenannten absoluten Infinitivs im Grie- 
chischen beschrankt sich bekannterweise bloss auf einige f ormel- 
hafte Infinitivkonstruktionen. Fur die Erklarung dieser eigen- 
tiimlichen Ausdrucksformen wurde bisher die ihnen zugeschrie- 
bene limitative oder konsekutive Bedeutung zugrunde gelegt. 
Nach der von Grunenwald (Der freie formelhafte Infinitiv der 
Limitation im Griechischen, Wiirzburg 1888) angebahnten und 
jetzt allgemein herrschenden Ansicht (Brugmann-Thumb Gr. 
Gr. 4 595) haben wir es mit limitativen, nach der auf G. 
Hermann (Opuscula, Leipzig 1827 vol. I. p. 227) zuriick- 
gehenden Meinung mit konsekutiven Infinitiven zu tun. 

Meines Erachtens ist die erste Erklarungsweise annehmbar 
trotz Stahls (Krit.-hist. Synt. d. gr. Verb. Heidelberg 1907, 
501, 2 u. 607, 3) diesbeziiglicher Auffassung. Er meint die 
infinitivische Ausdrucksform sei bedingt durch die ihr an- 
haftende konsekutive Bedeutung. Ja, ein konsekutiver Gedanke 
kann allerdings durch den Infinitiv ausgedriickt werden, allein 
nicht jeder konsekutive Gedanke erscheint in dieser Sprachform. 
Bekanntlich wird der Infinitiv nur zur Bezeichnung einer innern 
Eolge verwendet, d. i. nach Stahls Terminologie nur in syn- 
thetischen Folgesatzen (492, 2). Wie aber beispielsweise ein 
<os eiirelv oder is eiKaoai mit dem iibergeordneten Satz so enge 
verbunden sei, dass es einen synthetischen Eolgesatz bezeichnen 
konne, ist nicht einzusehen. Hangen doch derartige Kedeweisen 
mit dem iibergeordneten Satz so lose zusammen, dass sie bloss 
eine aussere Folge, d. i. " ein fiir sich bestehendes Ergebnis " 
bezeichnen konnen. In diesem Falle ware ein Folgesatz mit 
dem verbum finitum auf dem Platze. 

Also Stahls Theorie ist meiner Ansicht nach zu verwerfen. 
Bichtiger ist die Annahme einer limitativen Bedeutung. Dies 
gibt auch Stahl zu, indem er behauptet, dass die durch die 
fraglichen Sprachformen "bestimmte Aussage nur eine gewisse 
relative Geltung hat, wodurch eine Art einschrankender Be- 
deutung entsteht." Wir haben es also mit Aussagen zu tun, 
220 



DIE ENTSTEHUNG DES ABSOLUTEN INFINITIVS. 221 

die urspriinglich eine einschrdnkende Bedeutung hatten. Auffal- 
lend ist der Sprachgebrauch, wonach ein einschrankender Ge- 
danke, der sonst in der Form eines Nebensatzes mit entspre- 
chendem verbum finitum erscheint, hier durch den Infinitiv 
ausgedriickt wird. 

Angesichts dieser Tatsache erhebt sich die Frage, was wohl 
die Ursache dieser sprachlichen Sondererscheinung sein mag. 
Die ihr zugeschriebene limitative Funktion ist es sicherlich 
nicht. Die Erkenntnis der Funktion eines Ausdruckes ist bei 
weitem keine Erklarung seines sprachlichen TJrsprunges. Dieser 
kann nur auf sprachlichem Wege ergriindet werden. Es tritt 
somit folgende Frage an uns heran. Kann im Griechischen 
eine solche sprachliche Verbindung nachgewiesen oder rekon- 
struiert werden, aus welcher der absolute Infinitiv hervor- 
gegangen sein mag? 

Es ist eine eigentiimliche Erscheinung, dass die Aussagen 
is eiKauai, <!)? aKovcrai, <I>s eiSerai, is od. ocrov l&eiv, <I>s elirelv durch 
den blossen, alleinstehenden Infinitiv bezeichnet werden, da 
doch nach dem allgemeinen Sprachgebrauch der Infinitiv nur 
mit einem verbum finitum zusammen zum Ausdrucke des 
Pradikatsbegriffes verwendet wird. Dem scheint der Gebrauch 
des imperativischen Infinitivs zu widersprechen, der bekannter- 
weise ohne verbum finitum gebraucht wird. Allein auch dieser 
Infinitiv diente urspriinglich zur Erganzung eines verbum 
finitum, das aber "nicht ausgesprochen, sondern nur hinzuem- 
pfunden wurde " (Delbriick, Grundr. 2 2, 339 u. Brugmann- 
Thumb, Gr. Gr. 4 594). Man kann somit kaum fehlgehen, wenn 
man annimmt, dass auch der absolute Infinitiv urspriinglich zur 
Erganzung der Satzaussage diente. 

Den oben erwahnten Ausdrucksformen entsprechen in den 
iibrigen indog. Sprachen Infinitive verbunden mit einem verbum 
finitum, das den Charakter eines sogenannten Hilfszeitwortes 
hat. So heisst z. B. <os eiKaaai urspriinglich ' soweit man vermuten 
kann/ lat. quantum (ut) conici potest od. quantum (ut) 
conicere licet; o>? elirdv urspriinglich ' soweit man sagen kann ' 
od. ' soweit es sich sagen lasstf lat. urspriinglich nicht ut ita 
dicam, sondern quantum (ut) did potest. Vgl. ai. yac chrotum 
sahyam = soweit zu horen moglich (ist) = o>s cucoiJfTat. 1 

1 Der griechischen Ausdrucksweise steht am nachsten eigentumlicher- 



222 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

Wie ersichtlich, erscheinen die den griechischen entsprechen- 
den Infinitive sonst in Verbindung mit einem verbum valendi. 
Somit ist es nicht unwahrscheinlich, dass dieselbe Spracher- 
seheinung urspriinglich auch im Griechischen vorhanden war. 

Die angefiihrten Infinitivkonstruktionen sind also dem Sinne 
nach gleichbedeutend mit subjehtlosen einschrankenden, Urteils- 
satzen die ein Konnen oder eine Moqlichkeit bezeichnen. Den 
Pradikatsbegriff derartiger Aussagen bezeichnet ein durch den 
Infinitiv erganztes verbum valendi. Bei dem oft wieder- 
kehrenden Gebrauch dieser Ausdrucksweise ist es natiirlich, dass 
die erwahnten Infinitive als Erganzung des 2o~n, seltener des 
gleichbedeutenden -napitm auftreten. So z. B. Aesch. Pr. 1055 
Zcmv aKovaai, Aesch. Sept. 923 irdptcrri. 8' inrdv, Plat. Gorg. 524 c 
eanv I8uv, Theaet. 201 b taTtv eeSevcu. 

Auffallender und hinsichtlich ihres Wesens beachtenswerter 
sind Verbindungen wie Aesch. Ch. 977 o>s «m<cao-ai irdpcnriv, 
Pers. 726 &>? i&elv irdpto-nv, dann folgende auf die Vergangenheit 
Bezug nehmende Aussagen: Thuk. VIII 46, 5 5<ra ye dm twv 
iroiovp,iv<nv rjv eludo-ai U. Aeschin. 2, 34 ws t)v varepov aKovaai. 

Auf Grund dieser Belege lasst sich folgende Tatsache fest- 
stellen. Die angefiihrten Infinitive, welche sonst als absolute 
Infinitive gebraucht werden, treten auch in einschrankenden 
TJrteilssatzen auf, die mit o>s, oo-ov (oo-a) eingeleitet werden. 
Das verbum valendi ist mit Bezug auf die Gegenwart wdpeo-n, 
mit Bezug auf die Vergangenheit das einfache fy. Das einfache 
«m findet sich scheinbar nicht vor. Allein in Anbetracht dessen, 
dass Trdpevri als verbum valendi, im Vergleich zu dem gleichbe- 
deutenden eon, nur selten, zum grossten Teil in der Dichter- 
sprache iiblich ist, kann man kaum fehlen, wenn man annimmt, 
dass die mit &>?, oo-ov (ova) eingeleiteten Infinitive in Aussagen 
auf die Gegenwart bezogen auch mit Ian verbunden verwendet 
werden konnten. Dafiir spricht das f riiher erwahnte oaa ye . . . 
ijv ebcdo-ai u. o>s fy . . . aKowat. Wenn also diese Redewendungen 
moglich waren, warum sollten dann solche Ausdrucksweisen wie 
&)s eo-riv a.Kovo-m u. ws (oV) lanv tuidaai unmoglich gewesen sein? 

weise die ungarische. So lautet iis eUaaai, * amennyire gyanitani ' 
( wortlich : soweit vermuten ) . Daneben ist gebrauchlich ' amennyire 
gyanitani lehet ' (wortlich: soweit vermuten kann). 



DIE ENT8TEEUNG DE8 ABSOLUTEN INFINITIES. 223 

trbrigens ist es hinsichtlich der Feststellung des Ergebnisses 
meiner Untersuchung ziemlich belanglos, ob das urspriingliche 
verbum valendi «rn od. Trdpea-n war. Die Hauptsache ist die 
Tatsache, dass die fraglichen Infinitive mit o>? zur Erganzung 
eines verbum valendi verwendet werden konnten. Dafiir spricht 
ausser dem Gesagten meines Erachtens noch folgender Umstand. 
In dem Ausdrucke &>s oweAoim dudv ist die syntaktische Zuge- 
horigkeit des Dativs vweXovri nicht gar so leicht zu verstehen. 
Dass er nicht von elweiv abhangen konne, liegt auf der Hand. 
Seine Zugehorigkeit erklaren meiner Ansicht nach ahnliche 
Dative, wie Horn, o 393 fori 8k Ttpwoixh/ounv anovav, Soph. Ai. 1418 
TToWa /Sporots Io-tiv iSowi yvwai, Plat. Theaet. 201b iSovri fwvov (Cttlv 
eiSivcu. Die hier angefiihrten Dative gehoren offenbar nicht zu 
den betreffenden Infinitiven, sondern zu dem durch die Infini- 
tive erganzten tan. Dasselbe gilt auch in Bezug auf avveXovn. 
Diese Dativform wird sogleich verstandlich, wenn man sich 
t'nrelv mit eem verbunden vorstellt. Demnach kann &>s avveXovn 
ihrdv auf ein us eon avveXovTi eiirelv zuriickgefiihrt werden, das 
urspriinglich soviel bedeutete, wie ' soweit es einem, der die Eede 
zusammengefasst hat, d. i. soweit es einem, der sich kurz fasst, 
zu sagen moglich ist.' 

Aus den bisherigen Erorterungen ergibt es sich, dass die frag- 
lichen Infinitive als pradikative Erg'anzungen eines verbum 
valendi aufgefasst werden konnen, welches unausgesprochen 
blieb. Es hat also mittels Ellipse Verselbstandigung der be- 
treffenden Infinitive stattgefunden. In ahnlicher Weise ist der 
imperativische Infinitiv und der ace. c. inf. in Gesetzen und 
Vertragen zu einer Form der selbstandigen Aussage geworden 
(Brugmann-Thumb 594 u. 597). Selbstverstandlich ist es nicht 
notig, vielleicht gar nicht zuliissig, fiir jede der angefiihr- 
ten Einschrankungsformeln die elliptische Entstehungs weise an- 
zunehmen. Hochstwahrscheinlich hatte sich zuerst eine der 
altesten Eedeweisen, moglicherweise das schon bei Aeschylus 
(Griinenwald 22) vorkommende a>s dweiv verselbstandigt und 
danach sind die iibrigen entstanden. 

Jedenfalls ist die analogische Formiibertragung fiir die 
iibrigen, bis jetzt noch nicht behandelten Infinitive anzunehmen. 
Hieher gehoren in erster Reihe diejenigen, neben denen auch 
die gleichbedeutenden Aussagen mit dem verbum finitum im 



224 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

Gebraueh waren. Beachtenswert sind: das oft wiederkehrende 
d>s c/xoi oWTv neben <5s p.01 SokH, das seltene oa-ov ipZ dSemi (Grii- 
nenwald 19) neben <us olSa od. cos iyu> olSa, ferner Her. II 125 <5>s 

t/u-c ev p*p.vrjo-6ai neben Xen. Comm. II 1, 21 ocra eyco p,ep.vr)pjxi. und 

schliesslich Her. VII 24 <i>s c/t€ o-vp.ftaWop.evov evpto-Ktiv neben VII 
184 <5>s eyco o-vju./JaAAo/itej'os tvpUrKw. Alle diese Inflnitivkonstruk- 
tionen sind naeh dem Muster der oben besprochenen entstanden, 
ohne jedoch die ihnen entsprechenden Ausdrucksformen mit 
dem verbum iinitum ausser Gebraueh zu setzen. 

Als Analogiebildung ist ferner zu betrachten das restringie- 
rende 6\lyov (fuKpov) SeiV, neben dem auch oXiyov Set gebrauehlieh 
war. Aus dem letzteren entstand infolge seiner Bedeutung (es 
fehlt wenig = fast, beinahe) nach dem Muster von cos eVos eureiV, 
das unter Umstanden dieselbe Bedeutung (ungefahr) hatte, die 
infinitivische Einschrankungsformel oAiyov (fuKpov) Sdv. Un- 
sere Annahme wird durch die Tatsache unterstiitzt, dass oXiyov 
Selv viel spater erseheint als J>s tiros dirdv. Jenes wird zuerst von 
Isokrates gebraueht (Griinenwald 8), dieses aber findet sich 
schon bei Aeschylus. 

Wie gross die Analogiewirkung auch auf diesem Gebiete war, 
ist daraus zu ersehen, dass selbst das cos «m, gleiehviel ob es ein 
Konnen oder ein Sein bedeute, zu cos thai umgestaltet wurde. 
Her. IV 99 cos dvai (=e£eij'cu ) tolvto. 0-p.t.Kpa. /xtyaXouri o-vpftaWew 
(vgl. Thuk. IV 36, 3 ohne eivcu: cos p.iKpbv jaeydXcp ei/cdcrcu), Her. II 
8 ovKiri TroWbv xwpiov cos e?rai Aiyvirrov. 

Analogiewirkungen ist ferner zuzusehreiben die Entstehung 
von ckcov elvai und von Ausdriicken, wie to «r' eWVois elvai, to vvv 
dvai u. a. Auffallend ist in dem Ausdrucke law elvai der Nomina- 
tivgebrauch von ckcov. Es ware hier nach dem allgemeinen 
Sprachgebrauch ein Accus. inovTa, pi. IxoVras zu erwarten (vgl. 

Her. IV 81 cos %Kv6a<; dvai, Plat. Gorg. 517 b cos ye SiaKOvovs dvai). 

Die Erklarung hiefur ist die, dass enwv nur in Bezug auf das 
Subjekt gebrauehlieh ist. Der aec. ocoVra, exo'vTas kommt nur in 
der or. obliqua vor (s. Beispiele bei Griinenwald 2, 3). ITr- 
spriinglich hatte der Ausdruek ebenfalls eine einschrankende 
Bedeutung. Demnach heisst Plat. Symp. 214 e Iku>v elvai oiSev 
$evo~opai 'wofern mein Ereiwilligsein in Betracht kommt, d. i. 
wofern es von meinem Willen abhangt, werde ich nicht liigen.' 
Auch die Bedeweisen wie to eV eiewois, to vvv elvai und aim- 



DIE ENT8TEEUNG DE8 ABSOLUTEN INFINITIVS. 225 

liche sind urspriinglich Aussagen mit einschrankender Bedeu- 
tung. Also Xen. Hell. Ill 5, 9 to /xev «r' tKtivots dvai cnroXiaXaTe = 
insoweit es von jenen abhangt, seid ihr verloren (ist es um euch 
geschehen). Derselbe einschrankende Gedanke wurde in Bezug 
auf die Vergangenheit ausgedriickt: oaov rjv eir' wttVois (The- 
saurus s. v. oaov) . Demnach hiesse es mit Bezug auf die Gegen- 
wart oaov ianv lit' iKexvom ; allein statt dessen wurde ebenso, wie 
dem fruher erwahnten oaa ye . . ijv dKaaai und <!>s rjv . . aKovaat 
entspreehend die Infinitivkonstruktion <os tUdaai u. a>s aicovaai, 
der Infinitiv gebraucht, doch ohne o>« od. oaov und was noch auf- 
fallender ist, fast immer mit vorgesetztem Artikel, so z. B. to «V 
bitivia («K«ivots) dvai, to «ri a<f>a<; e!iui, to vvv dvai. Das Fehlen des 
<«>s oder oaov bei diesen Ausdrucksformen ist keine vereinzelte 
Erscheinung. Auch andere Eedeweiseu konnten ohne die restrin- 
gierende Partikel verwendet werden, wie Sokuv, aKovaai, efaelv, so 
immer 6\iyov Selv u. aw dvai. Es liegt nahe die Vermutung, 
dass das partikellose iw dv<u diesbeziiglich zum Muster fur die 
iibrigen Ausdrucksweisen mit Avon diente. Dafiir spricht, dass 
ikwv thai schon bei Herodot vorkommt, wahrend to . . . dvai 
ausschliesslich in der attischen Prosa im Gebraueh war. Auf- 
fallender ist, wie gesagt, der Gebraueh des Artikels. Nach 
Griinenwald (7) und Kiihner-Gerth (II 2, 19 u. II 1, 271) 
gehort to zu den dem dvai vorgesetzten prapositionalen oder 
adverbialen Ausdriicken und zwar deshalb, weil diese auch selb- 
standig, ohne dvai mit dem Artikel erscheinen, wie to iw ifioi, to 
iw i/xf, to Kara, tovto, to «t o.£t(3, to vvv, to av/nrav U. a. 

Dass diese auch selbstandig gebraucht, mit dem Artikel er- 
scheinen, beweist bei weitem nicht, dass derselbe zu ihnen gehore. 
Es ist nicht ausser Acht zu lassen, dass die betreffenden, schein- 
bar selbstandigen Ausdrucksformen eigentlich elliptische Sprach- 
erscheinungen sind. Man vergleiche Xen. An. VI 6 t6 im tovtw 
a.Tro\ii>\aii£v mit Hell. Ill 5, 9 to ftjev or' e/ceivots dvai airo\(i>X.aTt. 
Der Artikel steht also deshalb vor den praepositionalen und 
adverbialen Ausdriicken, weil er auch vor ihrer Verselbstandi- 
gung dort stand. Doch damit ist die Zugehorigkeit des to noch 
immer nicht festgestellt. Diesbeziiglich verweise ich auf Fol- 
gendes. Neben den praepositionalen Ausdriicken mit vorge- 
setztem to gibt es auch welche ohne Artikel, wie koto, ovra/uv, ets 
ovva/uv und KaTa tovto. Diese sind offenbar deshalb ohne Artikel 



226 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

gebrauehlich, weil sie audi mit naehgesetztem eivai ohne Artikel 
verwendet werden. Plat. Polit. 300 c els ovva/uv eivai, Prot. 317 a 
Kara tovto eivai, Is. II 32 Kara Swajuiv eivai. Aus der Vergleichung 
der artikellosen Ausdriicke mit denen, die den Artikel vor sich 
haben, wie Kara tovto eivai U. Xen. An. I 6, 9 to KaTa tovto eivai, 
geht hervor, dass die letzteren mittelst to substantivierte Infini- 
tivkonstruktionen sind; folglich gehbrt der Artikel zum In- 
finitiv. Dasselbe bezieht sich auch auf to vvv eivai. Richtig be- 
merkt Stahl (674, 2) : " Man hat zwar auch to vw allein gesagt, 
aber auch to, v£iv, doch niemals to. vvv eivai in einschrankendem 
Sinne." Auf die Entstehung des einschrankenden to . . eivai 
war hochstwahrscheinlieh der allgemeine Gebrauch des substan- 
tivierten Infinitivs von grossem Einfluss. Nach Griinenwald's 
Zusammenstellung kommt to eivai ausschliesslich in der attischen 
Prosa vor, also dort, wo der durch den Artikel substantivierte 
Infinitiv eine oft wiederkehrende Spracherseheinung war. Mog- 
licherweise beeinflusste seine Entstehung auch der Umstand, 
dass to eivai auch sonst, nicht als freier Infinitiv, gebrauehlich 
war, wie Z. B. Thuk. 7, 67 to /cpaTiOTovs eivai, Dem. 1, 4 to yap aval. 
Zum Schlusse noch einige Wtate iiber den Gebrauch der 
Partikel cos. Nach Brugmann-Thumb (595) ist <!>s in <Ls SomIv 
und in cis eucdo-ai jiingerer Zusatz. Griinenwald (13) bezieht 
dieses bloss auf SokcIv. Diese Behauptung beruht offenbar auf 
dem Umstand, dass lfu>\ Soiceiv friiher vorkommt und ofter ge- 
braucht wird, als cos ejuoi SoKelv. Dass der oftere Gebrauch des 
partikellosen SokcIv nachzuweisen ist, unterliegt nach Griinen- 
walds Zusammenstellung keinem Zweifel. Diesem Umstande 
ist jedoch, meines Erachtens, keine Bedeutung beizumessen. Er 
selbst behauptet (18), dass das verhaltnismassig seltene Vor- 
kommen von <is i/wl SokcIv ebenso Zufall ist, wie es ein Zufall ist, 
dass sich etxaaai, eine Stelle ausgenommen (Soph. 0. R. 82), 
immer mit cis findet. Folglich ist der oftere Gebrauch des par- 
tikellosen SoKtlv ebenfalls nur dem Zufall zuzuschreiben. Fiir 
den friiheren Gebrauch des alleinstehenden ifnol Sokuv findet sich 
der einzige Beleg aus der Zeit vor Herodot bei Aeschylus (Pers. 
246). Dieses einmalige Vorkommen von ifwl SokcIv ist kein 
Beweis fiir die Berechtigung der oben erwahnten Behauptung, 
dass cos jiingerer Zusatz sei. Ist es denn anzunehmen, dass 
Aeschylus, dem <Ls eUelv (Pers. 714) und cos e/xol SokcI mit dem 



DIE ENTSTEHUNG DE8 ABSOLUTEN INFINITIES. 227 

verb. fin. (Sept. 369) gelaufig war, <i>s i/wl SoKtlv nicht gekannt 
hatte? Der einmalige Gebrauch des partikellosen i/wl SoKtlv 
beruht ebenfalls auf einem Zufall. Soviel ist gewiss, dass 
Herodot, dessen Geschichte nicht bedeutend spater entstand ala 
die Perser von Aeschylus, neben i/xol SoKhtv auch is i/wl SokIuv 
gebraucht. Meiner Ansicht naeh ist SokcZv und dxao-ai aus is 
SokcIv, beziehungsweise aus is dudo-ai hervorgegangen. In ahn- 
licher Weise wurde beispielsweise das einschrankende is Ta\os zu 
dem gleichbedeutenden i-axos. 

Arnold Roseth. 

Budapest, Hungary.