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Full text of "Die Endung des Partizipium präteriti der germanischen starken Verben"

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II.— DIE ENDUNG DES PAKTIZIPIUM PRATERITI 
DER GERMANISCHEN STARKEN VERBEN. 

Jede bisher vorgebrachte Erklarung dieser Prage geht von dem 
von Paul 1 aufgestellten Gesichtspunkt aus, dass hier alte (d. h. 
vorgerm.) Stammabstufung zwischen indogerm. e:o = germ. 
e(i) : a vorliege. Piir diese Auffassung aber bieten weder die 
verwandten Sprachen noch das Germanische einen geniigenden 
Anhalt, da ja beim Part. prat. Stammabstufung im eigentlichen 
Sinne des Wortes (d. h. fest geregelter, mit dem indogerm. 
Akzent zusammenhangender Wechsel des Suffixvokales) nirgends 
begegnet. Vielmehr sprieht das Zeugnis der germanischen Spra- 
chen insof em gegen Pauls Ansicht, als im Part. prat, der starken 
Verben die Suffixsilbe -in- neben -an- dem Gotischen 2 noch 
fremd ist, und erst in der jiingeren Epoche der germanischen 

1 H. Paul, " Zur Gesehiehte des germanischen Vocalismus," Beitr., VI, 
S. 239 ff. 

2 Zwar begegnet im Gotischen die Suffixsilbe -in- beim Adj. (vgl. fulg- 
in-s ' verborgen ' ) , aber niemals beim Part. prat, der starken Verben. 
Bs liegt kein Grund vor, z. B. altn. folg-inn Part. prat, zu fela Inf. ( = 
got. filhan) auf got. fulgins (d. h. urgerm. *fulg-in-) zuriickzufiihren, wie 
dies Paul (ibid., S. 240) und Noreen (7. F., XIV, S. 401) wollen, derm 
dem altn. folg-inn stehen die westgerm. Formen dieses Part. prat, mit 
a-Brechung (vgl. ahd.-alts. -folk An, angs. -folen) zur Seite. Hier geht 
das Nord- und Westgerm. offenbar nicht auf got. fulg-TN-s Adj., son- 
dern auf got. fulh-AN-s (d. h. urgerm. *fulg-an-) Part. prat, zuruek. 
Wenn es " eine starke Zumutung " ist, altn. folginn von got. fulgins 
zu trennen, wie dies Noreen (ibid.) meint, so ist es eine noch starkere 
Zumutung, altn. folginn z. B. von angs. -folen und somit von westgerm. 
*folg-An zu trennen. P/araus, dass im Got. das Adj. fulg-ins und das 
Subst. aig-in (Neutr. sg. des Adj.) die Suffixsilbe -in- aufweisen, folgt 
nicht, dass sie alte Part, pr'at. vertreten; sie kiinnen doch selbstandige 
Adjektivbildungen sein, die aber zu demselben Stamm (d. h. *fulg-, 
*aig-) gehb'ren wie die Part. prat. Es ist nicht einmal ausgemacht, 
dass das -in- der Adjektiva und das -an- der Partizipien im Got. zu 
einander im Ablautsverhiiltnisse stehen. Professor Collitz (briefliche 
Mitteilung) halt es ftir moglich, dass das -i- der Adjektiva auf indo- 
germ. ? zuriickgeht, wie bei den altind. Adjektiven mit " Suffix -in- " 
(z. B. iirmin, ' wogend,' neben urtni- (m.,) oder rgmin-, ' singend,' neben 
rgmiya- ' preiswflrdig '). 

12 



ENDUNG DES PARTIZIPWM PBATEBITI. 13 

Sprachgeschichte auftritt, der die sehriftlichen Denkmaler des 
Nordischen und der westgermanischen Sprachen angehoren. 

Es handelt sich im Germanischen offenbar nicht um 'altes' 
-in- neben -an- im Part. prat, der starken Verben, sondern nur 
um altes -an-, wie es im Gotischen vorliegt, gegeniiber einer 
Neuerung des Nord- und Westgerm. in jiingerer Zeit. Ich werde 
also im folgenden zu zeigen versuchen, dass dieses -in- (bezw. 
-en-) im Part. prat, des Nord- und Westgerm. nicht auf das 
vermeintliche ' alte ' -in- des Urgerm., wie es z. B. im gotischen 
Adj. fulgins vorliegt, zuriickzufiihren, sondern als jiingere 
Entwicklung aus urspriinglichem -an- zu erklaren ist. 3 Da die 
altn. Part. prat, auf -in- : -en- sich nicht von den westgerm. 
Part. prat, auf -in- : -en- trennen lassen, so werde ich zunachst 
die Verhaltnisse I) im Nordgerm. und II) im Westgerm. kurz 
besprechen und dann schliesslich III) diese Verhaltnisse mit 
einander in Zusammenhang setzen. 

I. Die Suffixsilbe -in-: -en- der Part. prat, der starlcen 
Verben im Nordgermanischen. 

Kock 4 stellt die Hypothese auf, dass dieses -in- : -en- im altn. 
Part. prat, auf altes -an- zuriickgehe, abgesehen vielleicht von 
denjenigen Fallen, wo die Wurzelsilbe des Part. prat, ein i (oder 
ai) enthielt. Hier konnte nach Kock bei freier Wahl zwischen 
urspriinglichem -an- und urspriinglichem -in- (auf Grund des 
Wurzelvokals, d. h. infolge der Vokalharmonie) dem Suffix 
-i{e)n- 'altes' -in- zugruude liegen; d. h. also nur bei der 1. 
Ablautsreihe (wie z. B. lit-i(e)nn aus Hit-m-s) und bei gewissen 
reduplizierenden Verben (wie z.B.heit-i(e)nn aus *hait-m-s). 

'Die folgende Erklarung der Entwicklung des jtingeren -in- : -en- aus 
altgerm. -an- grundet sich zum Teil auf die mir brieflich mitgeteilten 
Ansichten des Herrn Professor Collitz, namentlich hinsichtlich der Ver- 
haltnisse im Anglo-Friesischen. 

*A. Kock, "Der A-Umlaut in den altnord. Sprachen," Beitr. XXHI, 
S. 497 ff., und " Zur Frage nach dem Suffix der Participia Passivi alt- 
nordischer starker Verba," /. F., XXXIII, IS. 337-350. Mit Kock 
nehmen Walde {Die germ. Auslautsgesetze, S. 94), Hultman (Ealsinge- 
lagen och Upplandslagens arfdabalh I, Helsingfors, 1908) und Heusler 
(Altisl. Elementarbuch, § 119) an, dass das urgerm. -an- des Part. prat, 
im Altn. zu -en- (spater -in-) geworden sei. Walde ist jedoch der 
Meinung, dass schon zu urgerm. Zeit a in einer Zwischensilbe laut- 
gesetzlich in i iibergegangen sei, eine Auffassung, die mit Kocks Theoxie 
fiber das Auftreten des Suffixes -in- grosse ihnlichkeit hat. 



14 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

Die belegte Form hait-TS-as der Euneninschrift von Tanum 
fiihrt er als Beweis fur diesen Lautstand zu urnord. Zeit an, der 
bei freier Wahl zwischen -in- und -an- dem urgerm. Lautstand 
entsprechen soil. 

Da aber im Ost- und Westgerm. die Suffixsilbe -an- bei der 
1. Ablautsreihe tatsachlich vorliegt (vgl. got. bit-ANS, hait-Asa, 
ahd.ct-Hzz-AN",ai-/ietz-AN;),istKock zu der Annahme gezwungen, 
dass der Vokal -a- hier urspriinglich (d. h. im Urgerm.) nicht 
bestanden habe, sondern aus den iibrigen Ablautsreihen in die 
1. Ablautsreihe analogisch ubertragen worden sei. Dabei ist er 
also genotigt, die Verhaltnisse im Ost- und Westgerm. fiir 
jiingere Entwicklung als diejenigen im Nordgerm. zu halten und 
infolge dessen die zeitlichen Verhaltnisse der einzelnen Sprachen 
umzustossen. 

Kocks Hypothese riihrt offenbar aus dem Bestreben her, den 
Mangel der a-Brechung im Part. prat, der 1. Ablautsreihe im 
Word- und Westgerm. zu erklaren. Dass hier aber der Mangel 
der a-Brechung nicht auf einem urspriinglichen (d. h. urgerm.) 
Verhaltnis zwischen dem Vokal der Suffixsilbe und dem Vokal 
der Stammsilbe beruht, sondern der Wirkung des erst spater 
entwickelten gemeinsam nord- und westgerm. Gesetzes der 
Ablaut sharmonie zuzuschreiben ist, geht aus Professor Collitz' 5 
Begriindung dieses Gesetzes klar hervor. Der Mangel der 
a-Brechung ist hier also nicht aus urgerm. Verhaltnissen, son- 
dern aus den jiingeren nord- und westgerm. Verhaltnissen zu 
erklaren. 

Ferner beweist die Form hait-m-an der Euneninschrift von 
Tanum nichts fur ein urspriingliches Gesetz der Vokalbar- 
monie (zwischen dem -i- der Suffixsilbe und dem t-Laut der 
Wurzelsilbe), weil sich hier das -in- als nachtragliche 
Schwachung aus altem -an- in Mittelsilben erklaren lasst, gerade 
wie im Altangs. oder im Ahd. (vgl. II, a, c). Wenn weiter die 
Form slag-m-an der Mbjebroer Inschrift richtig iiberliefert ist, 9 

6 iH. Collitz, "Das Analogiegesetz der westgermanischen Ablautsrei- 
hen," M. L. N., XX, S. 65-68, March 1905; noch eingehender erlautert 
in "Segimer oder: Germanische Namen in keltischem Gewande," J. E. 
G. Ph., VI, S. 297 ft\, Jan. 1907. 

6 Vgl. A. Noreen, " Suffixablaut im Altnordischen," /. F., XIV, S. 401. 
Gegen Noreen liest Kock ("Zur Frage nach dem Suffix der Participia 
Passivi usw.," I. F., XXXIII, S. 348-350) slaxmas statt slaGinan 



ENDUNG DES PAKTIZIPIUM PBATERITI. 15 

spricht sie gegexi Kocks Theorie, weil trotz des a der Wurzelsilbe 
die Suffixsilbe ein -i- aufweist. Wenn die Form slag-xs-aR, 
woraus spater altisl. slegi(e)nn entwickelt ist, das Part. prat, 
von sld (Inf.) zu urnord. Zeit darstellt, so erklart sich das -in- in 
slag-m-an am einfachsten, ebenso wie in hait-nx-aR, als nach- 
tragliche Schwachung aus urspriinglichem -an- in Mittelsilben. 

Gegen Kocks Auffassung sucht JSToreen T zu zeigen, dass altn. 
-en- : -in- nicht bei einigen Ablautsreihen aus altem -in-, bei 
anderen Ablautsreihen dagegen aus altem -an- entwickelt sei, 
sondern bei samtlichen Ablautsreihen auf der Ausgleichung 
zwischen altem -in- und altem -an- innerhalb des Paradigmas 
beruhe, indem "in urnord. Zeit, wenigstens bei sehr vielen 
Wortern, die (alten) Suffixformen -in- und -an- innerhalb eines 
Paradigmas der Art verteilt waren, dass jene nebentonig und 
daher spater nicht synkopierend, diese unbetont und daher spater 
synkopierend waren" (vgl. seine Altisl. Grammatik 3 , § 167, 
Anm. 3). 

Adjektivische Formen mit altem it, (bezw. y = i-TTmlaut 
des u) der Stammsilbe (wie z. B. altschw. vpin : Ypin) lassen 
sich nach Noreen aus den unsynkopierten Kasus, die Formen 
mit a-Brechung dagegen (wie z. B. altschw. opin, altisl. opinn) 
aus den synkopierten Kasus erklaren, und ebenso die Part. prat, 
der starken Verben mit t-Umlaut 8 (z. B. slEginn, tshinn der 
Yl. Ablautsreihe, vgl. Altisl. Grammatik 3 , §491, 5) und mit 
oder ohne a-Brechung (z. B. boftinn, flotinn der II. Ablauts- 
reihe gegen bitinn, smftinn der I. Ablautsreihe). 

Kock ist weiter der Meinung, dass es strittig sei, was die Inschrift und 
besonders was die Runenkombination slaxinas bedeute, mid dass daher 
die Form slaxinaR (oder slaginax) nichts gegen seine Auffassung flber 
altes -in- beweise. 

'Vgl. A. Noreen, Altisl. Grammatik", § 167, Anm. 3, "Suffixablaut im 
Altnordisehen," I. P., XIV, S. 399-402, " Geschiehte der nordischen 
Sprachen 3 ," im Grundriss der germ. Phil., 1913. 

"Da alle Verben mit g, k die umgelauteten Formen (vgl. slsginn, 
t&kinn, usw.) , dagegen alle Verben ohne g, k die unumgelauteten Formen 
(vgl. Alinn, gAlinn, usw.) gewahlt haben, so glaube ich mit Kock 
(Beitr., XXIII, S. 487 ff.), dass hier der Umlaut erst dureh den pala- 
talen Konsonanten hervorgerufen ist. Dialektisch (namentlich im 
Altschw.) tritt sonst hilung im Part. prat. Umlaut (o>0, &>&, usw.) 
ein, aber dieser Umlaut lasst sich als Folge entweder konsonantischen 
Einflusses oder nachtraglicher Analogiewirkung und somit als jung 
erweisen (vgl. Kock, ibid., S. 494 ff., J. P., XXXIII, S. 339 ff.). 



16 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

Noreens Erklarung der Adjektivformen (altschw. upin : ypin 
gegen altisl. opinn) lasst sich aber angesichts der Verhaltnisse 
im Westgerm. kaum aufrecht erhalten. Im Nordgerm., sowohl 
wie im Westgerm., weisen die Tatsachen darauf hin, dass alte 
-an- Adj. ofters zu -tre-Adj. geworden sind. In dieser Beziehung 
stent das Anglo-Friesische dem Nordgerm. am nachsten, indem 
im Anglo-Friesischen, ebenso wie im Nordgerm., altes -are- 9 der 
Adj. in -e(i)n- iibergegangen und demnach mit altem -in- und 
altem -in- lautlich zusammengefallen ist (d. h. -e(i)n) ; so z. B. 
urnord- urwestgerm. *op-an- = altisl. op-i(e)nn, angs. op-en; 
urgerm. *guVp-in- = got. guVp-eins, altn. gull-i(e)nn, angs. 
gYld-en, altfries. gvld-e(i)n (mit i-Umlaut des u zu e) ; urgerm. 
*aig-in- = got. aig-in Subst., altn. eig-i(e)nn, angs. wg-en 
(neben dg-en). 

Ebenso wie z. B. altfries. vpen (das auf *up-in zuriickgehen 
muss) nach dem Muster z. B. von gulden, vlsw. ein -Ire-Adj. 
geworden ist, so lasst sich auch altschw. vpin : Ypin nach dem 
Muster z. B. von gull-in, usw. aus nachtraglichem Zusammenfall 
eines urspriinglichen -are-Adj. mit den alten -tre-Adj. erklaren, 
die im Germ, von alter Zeit her zahlreich vertreten waren. Dass 
die Grundform dieses Adj. im Urnord- und Urwestgerm. *op-an 
gewesen ist, lehrt nicht nur das im Altisl. 10 regelmassig vorlie- 
gende op-i(e)nn (mit a-Brechung), sondern auch der dem Altisl. 
entsprechende Vokalismus der iibrigen westgerm. Sprachen 
(d. h. aller Dialekte ausser dem Altfriesischen), vgl. ahd. of -an, 
alts, op-an: op-en, angs. op-en. Die altschw.-altfries. Form, die 
jedenfalls auf -in- zuriickgeht, darf man also als eine jiingere 
von der urnord-urwestgerm. Grundform abweichende Dialekt- 
eigenheit betrachten, zumal die altschw. und altfries. Laut- und 
Analogieneigungen einander sehr nahe lagen (vgl. Kock, "Vo- 
calbalance im Altfriesischen," Beitr., XXIX, S. 175 ff.). 

Meiner Meinung nach ist Noreen der Nachweis nicht gegluckt, 

'Dass im Altn. auslautendes -an- lautgesetzlich bleibt, zeigt z. B. die 
Form sampan = got. sam-an-a, ahd. sam-an-(i), zi-sam-an-e, alts, te- 
samne. Bei Adj. auf -an- dagegen ging das -a- zunachst in Mittel- 
silben in -e- (spater -i-) fiber und auf diesem Wege ersetzte das -e- / -t- 
das ursprfingliche -a- auch in Endsilben (vgl. III). 

10 Im Altschw. liegt auch die Form op-in (mit a-Brechung) vor, vgl. 
Kock, " Zur Frage nach dem SufBx der Participia Passivi usw.," I. F., 
XXXIII, S. 348. 



ETVDUNG DES PARTIZIPIUM PRATERITI. 17 

dass in der adjektivischen Suffixsilbe -i(e)n- des Nordgerm. alte 
vorgermanische Abstufung (zwischen germ. e(l) : a) vorliege, 
denn nachtraglicher Zusammenfall der -aw- Adj. mit den -in- 
und den -w-Adj. kann unumgelautete Formen neben umgelau- 
teten Formen der betreffenden Adj. im Nordgerm. geniigend 
erklaren. 

Hinsichtlich der Part. prat, der starken Verben ist Noreens 
Auffassung von vornherein bedenklich, indem es dabei noch 
immer unerklart bleibt, weshalb die Ausgleichung zwischen 
altem -in- und altem -an- bei der I. Ablautsreihe (ohne a- 
Brechung) und bei denjenigen Part. prat, der VI. Ablautsreihe 
(mit ■i-Umlaut), deren Stammsilbe auf Palatallaut ausging, 
anders durchgefiihrt sein soil als bei den iibrigen Ablautsreihen, 
wo die gleichen Verhaltnisse (zwischen synkopierenden und 
nicht synkopierenden Kasus) herrschten, wie bei den oben 
erwahnten Ablautsreihen. 

Da sich der Mangel der a-Brechung im Part. prat, der I. 
Ablautsreihe durch das gemeinnord- und westgerm. Gesetz der 
Ablautsharmonie erklaren lasst, und da der Wandel des a zu e in 
der Stammsilbe des Part. prat, der VI. Ablautsreihe offenbar 
als jiingerer Palatalumlaut (oder jedenfalls als jiingere Entwick- 
lung) anzusehen ist, so liegt kein Grund vor anzunehmen, dass 
in diesen Fallen dem -i(e)n- des Part. prat, altes -in- (neben 
-an-) zugrunde liege, wie dies ISToreen tut. Und wenn in diesen 
Fallen kein -in- neben -an- vorauszusetzen ist, so ist um so 
weniger zwingend die Annahme, dass sonstwo im Part. prat, der 
starken Verben im Altn. altes -im,- neben -an- dem -i(e)n- zu- 
grunde liege. 

Noreen sucht anscheinend fur seine Theorie iiber die Suffix- 
silbe der Part. prat, der starken Verben eine Stiitze in den Ver- 
haltnissen der Adj. auf -i(e)n-, aber es lassen sich im Nord- und 
Westgerm. die umgelauteten Formen der Adj. auf -i(e)n neben 
den unumgelauteten zum Teil ganz anders erklaren, als die der 
Part. prat, der starken Verben (wo z. B. das Gesetz der Ablauts- 
harmonie " in Betracht kommt). Die Tatsachen weisen darauf 
hin, dass die Verhaltnisse im Adj. den Verhaltnissen im Part, 
prat, nur insofern parallel sind, als altes -an- durch Schwachung 
in Mittelsilben zu -en- geworden ist, wobei Mischung mit dem 

11 Vgl. oben, Anm. 5. 
2 



18 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

alten adjektivischen Suffix -in- und dem alten subst.-adjekti- 
vischen Suffix -in- nahe lag. Dies wird aber erst klar, wenn man 
das nordgerm. -in- : -en- mit dem westgerm. -an- : in- : -en- im 
Part. prat, der starken Verben in Zusammenhang setzt. 

II. Die Suffixsilbe -an- : -in- : -en- im Part. prat, der starken 
Verben im Westgermanischen. 

(a) Althochdeutsch. 

Paul 12 fiihrt zahlreiche Beispiele aus dem Ahd. an, wo im 
Part. prat, -in- neben -an- vorliegt, z. B. gi-sceid-is-er, gi-halt- 
in-m, gi-bor-rs-u (Otfrid). Da aber dieses -in- niemals in 
Endsilben begegnet, und da weiter der Wurzelvokal niemals 
durch den Vokal i der Suffixsilbe angegriffen wird, so handelt 
es sieh hier offenbar nicht um altes -in-, sondern um nach- 
tragliche Entwicklung des alten -on-, dessen -a- sonst haufig in 
Mittelsilben zu -e- geschwacht ist, wie z. B. quhomAn : quho- 
msnan (Isidor), gi-legAn: gir-legEnan (Otfrid), usw. Ob nun 
das -i- in Mittelsilben (wie z. B. in gi-halt-in-u) aus alterem -e- 
(wie z. B. in gi-legsn-an) weiter geschwacht ist, oder schon auf 
Mischung mit der alten Adj.-Substantivendung -in-(= got. -in-, 
wie z. B. in fulg-m-s Adj., aig-m Subst.) beruht, lasst sich 
schwer entscheiden. Jedenfalls lag bei der Endung -en- Mi- 
schung mit altem -in- und altem -in- (= got. -em-, wie z. B. in 
guVp-m^s-s = ahd. guld-in) nahe, ebenso wie bei den Adj. -e(i)n- 
im Altnord. und im Anglo-Pries, (vgl. I). 

(b) Altsdchsisch. 

Im Alts. 13 begegnet (und zwar auch in Endsilben) neben der 
Suffixsilbe -an- fast ebenso haufig die Suffixsilbe -en- und 
zuweilen auch -in-. In einigen Part. prat. (vgl. ufgeslvgenon 
Wer. Prud. Gl. 4*, fors^Jcenun Merseb. Gl. 103°) scheint sogar 
t-Umlaut des Wurzelvokals vorzuliegen; jedoch lassen diese 
Formen auch eine anderweitige Deutung zu (vgl. unt. 
Pussn. 23). 

13 H. Paul, " Zur Geschichte des germanischen Vocalismus," Beitr., 
VI, S. 239 f. 

"Vgl. Holthausen, Alts. Grammatik, §419, Aran. 1; J. H. Gallee, 
" Zur alts. iGrammatik ; alts. Participia auf -in-," Zfdph., XXIX, S. 
145-149; Alts. Grammatik', §47", Anm. u. § 52", Anm. 2. 



ENDUNG DES TARTIZIPIVU PRATERITI. 19 

Dass dieses -en- im Alts, aus altem -an- in Mittelsilben 
geschwacht ist, lehrt das Beispiel der Bndung -an- der starken 
Adj. masc. sg., deren -a- in der langeren Form -an-e haufig 
zu -e- (d. h. -Ew-e) geworden ist, wobei das -e- analogisch auch 
in Endsilben (d. h. -en- statt -an- im Akk. masc. sg.) eingedrun- 
gen ist, z. B. bred-ene, hard-ene, wid-ene Heliand (M), 2120, 
2362, 2881, daher bred-en, hard-en, wid-en neben bred-an, 
hard-an, wid-an. 

Bbenso lasst sich die unfiektierte Form der Adj. und der 
Subst. auf -en- neben -an- (vgl. op-en: op-an, gam-en: gam-an, 
hei-en : hei-an, morg-en: morg-an) als Analogiebildung 14 nach 
den flektierten Formen erklaren, wo das ursprungliche -an- in 
Mittelsilben zu -en- geschwacht war, wenn auch letzteres in 
einigen Fallen wegen der Apokopierung nicht mehr in Mittel- 
silben erhalten ist. 

Bei den Part. prat, der starken Verben aber zeigen nach 
Schluters 15 Ermittelung die flektierten Formen eine grossere 
Vorliebe f iir -an- als f iir -en-. Dieser Umstand lasst sich nur so 
erklaren, dass gerade die flektierten Formen mit innerem -e-, 
von denen das -en- ausgegangen war, bis auf wenige Beste wieder 
beseitigt sind (vgl. SehHiter, ibid., S. 251). 

Wenn weiter die ausserst selten begegnenden Part. prat, auf 
-in- (vgl. Jcum-in Heliand (C), githung-in, bismit-in, gefall-in 
der Genesis) nicht als altfries., sondern als echt alts. Formen 
anzusehen sind, 18 so lasst sich das -i- im Alts., gerade wie im 
Ahd., entweder als weitere Schwachung des -e- in Mittelsilben 
oder sehon als Mischung mit altem -in- und altem -in- erklaren. 

" Vgl. O. Beliaghel, " Zum Heliand und zur Heliandgrammatik," Ger- 
mania, XXXI, S. 388 ff. 

15 W. iSchliiter, " Untersuchungen zur Geschichte der altsachsischen 
Sprache," tl. Theil, " Die schwache Declination in der Sprache des Heli- 
and und der kleineren as. Denkmaler," Gottingen, 1892, S. 232 f. 

"Diese Part. prat, halt Gallee ("Alts. Participia auf -in-," Zfdph., 
XXIX, S. 146 f . ) gegen Kogel ( Erganzungsheft zu seiner Geschichte der 
deutschen Litteratur, S. 19) nicht fiir Frisonismen, sondern fiir echt 
alts. Formen, woiur er eine Stiitze in den heutigen isachsischen Dialekten 
findet, die sowohl Formen auf -in- wie auf -an- aufweisen. Gallee 
nimmt aber ohne weiteres an, dass dieses -in- im Part. prat, auf alt- 
germ, -in- zuruckgehe, welches nach der von Paul aufgestellten Ansicht 
(Beitr., VI, 239 ff.) schon in urgerm. Zeit neben -an- bestanden habe. 



20 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 



(c) Anglo-Friesisch. 

Gegeniiber dem im Alts, neben -an- begegnenden -en- herrscht 
im Angs. nur -en-, und im Altf ries. entweder -en- oder -in- vor ; 
also im Anglo-Fries. 17 kein -an- neben -i(e)n-, ebenso wie im 
Nordgerm. 

In den alten angs. Denkmalern aber, die noch zwischen 
cb (>= altgerm. a) und i scheiden, erscheint diese Endung als 
-in- sowohl wie als -ten-. Es gehoren hierher z. B. neben den 
Formen gib-ms (== got. gib-ans) , asolc-ma, usw. audi die beiden 
Formen binum-m-i (=got. binum-an-) und forleg-iN-um 
(== got. -lig-an-) des alten Epinaler Glossars. 18 Diese Verhalt- 
nisse im Altangs. stehen mit den Verhaltnissen im Ahd. in 
auffalligem Einklang, indem in beiden Fallen das -in- nur in 
Mittelsilben, das -an- (= altangs. -ten-) dagegen sowohl in 
Endsilben wie auch in Mittelsilben begegnet. Die Frage liegt 
also nahe, ob das nur in Mittelsilben vorliegende -in- der beiden 
Sprachen etwa aus alterem -e- weiter geschwacht sei, oder schon 
auf Mischung mit den alten Adjektivendungen -in- und -in- 
beruhe. 

Im Altf ries., wo -in- neben -en- begegnet, beruht nach Kocks 19 
Nachweis das Verhaltnis zwischen dem -i- und dem -e- der 
Suffixsilbe in Endsilben auf dem Gesetze der ' Vokalbalance.' 
Da dieses -i(e)n- des Altf ries. nicht von dem -in- des Altangs. 
zu trennen ist, so liegt der Schluss nahe, dass die Endung 
-i(e)n- im Altf ries., gerade wie das -in- im Altangs., aus 
urspriinglichem -an- in Mittelsilben entstanden ist. 

Es scheint mir also (nach dem Zeugnis des Altangs. und des 
Ahd.) die Annahme vollig berechtigt zu sein, dass das -i(e)n- 
der Part. prat, der starken Verben im Westgerm. nicht auf 

"Im Angs. tritt nur dialektisch bisweilen -an- auf (vgl. Sievers, Angs. 
Grammatik", § 366, 2 ) und im Altf ries. ist das ausserst seltene Part. prat, 
auf -an- wohl nur als eine andere Schreibart fur -en- anzusehen, da 
zwischen dem tonlosen -e- und dem tonlosen -a- kein bedeutender Unter- 
schied gehort wurde (vgl. van Helten, Altostfries. Grammatik, § 56, 
Anm., §65, Anm., §284). 

18 Von Sievers, Angs. Grammatik', § 366, Anm. 2, angefiihrt, und ein- 
gehend untersucht in Beitr., VM1, S. 324 ff. 

"A. Kock, " Vocalbalance im Altfriesisehen," Beitr., XXIX, S. 175 ff., 
auch van Helten, ibid., XXXII, S. 517 ff. 



ENDUNG DES PARTIZIPIUM PRITERITI. %\ 

altes -in- zuriickzufiihren, sondern als nachtragliche Schwachung 
aus urspriinglichem -an- in Mittelsilben zu erklaren sei. 

III. Das gegenseitige VerhaUnis des Nordgermanischen und 
Westgermanischen bei der Sujfixsilbe -i(e)n- im Part. prat, der 
starken Vert en. 

Auf demselben Wege wie im Westgerm. kann auch im Nord- 
germ. die Snffixsilbe -i(e)n- erklart werden, d. h. aus nachtrag- 
licher Schwachung des alten -a- (-an-) in Mittelsilben zu -e- 
(-en-, spater -in-). Dass sich dagegen im Nord- und Westgerm. 
ein -a- in Endsilben vor einfachem n hielt, beweist schon z. B. 
die Form des Inf. binda(n) (vgl. iiber *op-an-, Fussn. 9). Dem- 
nach ging wohl urspriinglich (d. h. im Timor d-Urwestgerm.) 
die unflektierte Form des Part. prat, auf -an aus, z. B. *bund-an. 
In Mittelsilben dagegen wurde das -a- starker angegriffen und 
ging demnach in dieser Stellung in -e- (spater -i-) iiber, 20 wie 
z. B. Gen. pi. *bund-A8-m > *bund-EVt-ra = altn. bundEnna, 
angs. bundEnra. Die unflektierte Form des Part. prat. (*bund- 
an-) ist aber im Altn. -Anglo-Fries, spater ganz ausgestorben, 
d. h. auf dem Wege der Analogie durch den VoJcal der Mittel- 
silben ersetzt, so dass die Endung jetzt uberall ein -e- oder ein -i- 
aufweist. Vielleicht hat bei dieser Ausgleichung das Bestreben 
mitgewirkt, den Endungsvokal des Part. prat, deutlich von dem 
des Inf. zu unterscheiden. 

Ferner teilt das Part. prat, bei den Verben der I.-III. Ab- 
lautsreihe, und somit bei den meisten ablautenden Verben (denn 
der IV. und V. Ablautsreihe gehoren nur wenige Verben an) 
den Stammvokal des Prat. plur. und des Opt. prat. Der Optativ 
zeigt in den Endungen uberall ausser im 1. Sg. (= got. -jau) 
den Vokal I. Diesen auf die Endung des Part. prat, zu iiber- 
tragen lag nahe, zumal es im Germ, von alter Zeit her zahlreiche 
Adj. auf -in- gab, mit denen das Part, nach Endung und Flexion 
identisch ist (vgl. iiber *op-an:*up-in, I). Dass im Altfries. 

20 Fur das Altn. stellt Kock ("Der A-TJmlaut in den altnord. Spra- 
chen," Beitr., XXiIlII, S. 490 f.) die folgende Eegel fiir den Wandel des -a- 
zu -e- auf: "a ist in infortissilbe vor n + consonant in e (spater i) 
ttbergegangen." Diesen Wandel betraehtet Koek also als Balatalisierung 
des a vor n + Kons., die aber nur in Infortissilben (d. h. nicht in For- 
tis- oder Semif ortissilben ) eingetreten sei. Auch Endsilben, wie z. B. 
Nom. sg. masc. *bund-an-sy *bund-ann y bund-enn, glaubt er mit dieser 
Eegel erklaren zu konnen. 



22 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

der Vokal der Optativendung auf die Bndung des Part. prat, 
iibertragen war, ist um so wahrscheinlicher, als die Verben, deren 
Stammvokal auf Guttural auslautet, vor dem -e- meist den 
zugehorigen Palatal 21 zeigen, wie z. B. 

I. Eeihe, strika Inf., stri(t)zen Part. prat. 
II. Eeihe, bi-luka Inf., bi-letsen, birlezen (neben bi-leKen) 
Part. prat. 
III. Eeihe, breka, Inf. bretzen (neben breKen) Part. prat. 
IV. Eeihe, spreka, Inf. spretzen, spreetzen Part. prat. 

Die Palatalisierung bliebe unerklarlich, wenn hier westgerm. 
-an- im Part. prat, zugrunde lage. Der -t-TTmlaut (vgl. z. B. 
bi-letsen aus alterem *bi-lytsen < *bi-luts-m) beweist sehon, dass 
hier dem -em- ein friiheres *-in- zugrunde liegen muss. Dass 
dieses *-in- aber nicht auf altes -in- zuriickzufiihren ist, sondern 
aus den Optativformen auf das Part. prat, iibertragen war, 22 
lehren die Formen der Part, prat., welche ihren Wurzelvokal zu 
Gunsten des Wurzelvokals des Opt. prat, aufgegeben haben, wie 
z. B. die neben sprecen belegte Form sprxEcen, deren ae nur aus 
dem Opt. prat, erklart werden kann (vgl. 3. Pers. sg. westgerm. 
*spreki = as. sprahi, ahd. sprahi, nhd. sprdche). Da die altfries. 
Pormen des Part. prat, augenscheinlich auf nachtraglicher An- 
gleichung der Endung des Part. prat, an die Bndung des Opt. 
prat, beruhen, darf man annehmen, dass die Suffixsilbe -en- der 
altfries. Part. prat, noch jiingeren Datums als das gemeinnord- 
und westgerm. -en- ist. Perner lag bei der Endung -en- Mischung 
mit altem -in- und altem -in- nahe. Diese Mischung kann 
dann das Eindringen von umgelauteten Formen aus dem Opt. 
prat, in das Part. prat, im Angs. und im Altfries. erleichtert 

''Vgl. C. GUnther, Die Verba im Altfriesischen, Leipzig, 1880, S. 8, 
17, 20 f.; van Helten, Altostfriesisehe Grammatih, Leeuwarden, 1890, 
S. 205 f.; Sieba in Pauls Grundriss" I, 1306 ff.; Heuser, Altfries. Lese- 
buch (iStreitbergs Sammlung Germ. Elementarbucher III, 1) S. 31 ff. 

"Ebenso erklart Gallee ("Alts. Part, auf -in," Zfdph., XXIX, 6. 
1461.) den umgelauteten iStammvokal (z. B. o, o, oo) des Part. prat, 
im heutigen gachsischen (d. h. in der Sprache der Landschaft Twenthe 
im sildSstlichen Teil der hollandischen Provinz Overyssel) zum Teil als 
ubertragung aus dem Opt. prat.: "Bei einigen (part, prat.) kann der 
umlaut des praet. indie, das den umlaut aus dem optativ ubernommen 
hat, die umbildung veranlasst haben, z. b. helpen prt. ind. holp, plur. 
holpen, partic. e-holpen " ( ibid., S. 147 ) . 



ENDUNG DES PARTIZIPIUM PRA.TERITI. 0,3 

haben, z. b. angs.-altfries. -slisge(i)n 23 (neben -slAgen), angs. 
-CYmen (neben -cumen), altfries. -kEmi(e)n (neben -komen) 
der VI. und IV. Ablautsreihe. Hier beruht der i-Umlaut 
nicht auf altem -in-, sondern auf dem jiingeren anglo-fries. -in-, 
das unter Mitwirkung von altem -in- und altem -in- von den- 
jenigen Ablautsreihen (I.-III.) ausgegangen ist, wo das Part, 
prat, mit dem Opt. prat, den gleichen Stammvokal teilt. 

Der i-TJmlaut im Part. prat, der starken Verben im West- 
germ, beweist also nichts fur altes -in-, und im Nordgerm. 
(namentlich im Altschw.) lasst sich der i-Umlaut gleichfalls 
aus nachtraglichen Binfliissen erklaren (vgl. Fussn. 8). 

Die Schwachung des urspriinglichen -an- zu -en- in Mittel- 
silben bezeugen fiir das Westgerm. das Altangs. des Epinaler 
Glossars und das Ahd. Ob nun im Nordgerm. das -a- vor n + 
Kons. durch Palatalisierung auch in Endsilben lautgesetzlich zu 
-e- geworden ist (wie z. B. Nom. sg. masc. *bund-an-n > *bund- 
ann > bund-vnn), wie dies Kock annimmt (Beitr., XXIII, S. 
490 f., vgl. Fussn. 20), lasst sich schwer entscheiden. 24 Jeden- 
falls ist in Mittelsilben urspriinglicb.es -an- im Nordgerm., ge- 
rade wie im Anglo-Fries., zu -en- geschwacht. Wenn also Kocks 
Annahme richtig ist, so konnte das -e- der Mittelsilben das -e- 
der Endsilben noch weiter begiinstigt haben, so dass schliesslich 
im ITordgerm., ebenso wie im Anglo-Fries., die Suffixform iiber- 
all ein -e- (spater -i-) erhielt. 

* Wenn das uf-ge-slEg-en-on der Werd. Prud. Ctlossen und das for-sEfc- 
en-un der Merseb. Olossen als echt alts. Formen zu gelten haben, wie 
Gallee {Zfdph., XXIX, S. 146 f.) meint, ist der i-Umlaut sehr auffal- 
lend, da das Alts, sonst im Part. prat, keinen i-Umlaut aufweist; im 
HSUand liegen immer die unumgelauteten Formen vor (d. h. ge-sl&g- 
a(e)n, forsAk-a(e)n) . Demnach wird das e der Wurzelsilbe eher als 
friesisches e = asachs. a aufzuf assen sein, wie z. B. in afries. seke = as. 
saka = iahd. sahha. Fiir die Existenz eines altgerm. -in- neben -an- im 
Part. prat, der starken Verben bieten diese beiden Partizipien also eine 
noch schwachere Stutze als die umgelauteten Formen im Anglo- 
Friesischen. 

M iJber den nordgerm.-anglo-fries. tibergang des -a- in Endsilben in -e- 
vgl. H. Collitz, " Die Behandlung des urspriinglich auslautenden ai im 
Got., Althochd. und Altsachs.," B. B., XVII, 1 ft. Diesen tJbergang halt 
Professor Collitz nicht fur eine eigentliche Palatalisierung, sondern eher 
fiir Schwachung, d. h. unvollkommene Bildung mit zuriickgezogener 
Zunge. 



24 AMERICAN JOURNAL OF PHILOLOGY. 

Diese Erklarung des nord- und westgerm. -en- /-in- aus altera 
-an- steht nicht mit den vorliegenden Tatsachen (namentlich 
mit den Verhaltnissen im got. Part, prat., vgl. iiber got. fulgins, 
Fussn. 2) in Wider spruch, wie dies bei der herkommlichen An- 
sicht iiber vorgerm. und altgerm. Stammabstufung (zwischen 
germ. e(i) und a) der Fall ist. Wenn dagegen Pauls Gesichts- 
punkt (von dem alle Sprachforscher bisher ausgegangen sind) 
richtig ist, so bleibt noch immer unerklart, weshalb das -in- erst 
in jungerer Zeit (d. h. nicht im Got.) als Partizipialsuffix er- 
scheint. Diese Schwierigkeit ist aber iiberwunden, wenn man 
annimmt, dass das -in- im Part, prat, des Nord- und Westgerm. 
nicht auf altes -in- zurilcTcgeht, sondern erst nachtrdglich aus 
altera -an- entwichelt worden ist. Diese nachtragliche Entwick- 
lung (d. h. Schwachung des -a- zu -e- in Mittelsilben) zeigt sich 
schon im Altangs. und im Ahd., ist aber erst spater im Altn.- 
Angs.-Altfries. durchweg vollzogen worden, so dass hier das ur- 
spriingliche -a- iiberall durch das jungere -e- ersetzt worden ist. 
Im Alts.-Ahd. dagegen herrschen die beiden Vokale (a und e) 
noch immer neben einander und zwar viel hauflger im Alts., das 
dem Anglo-Fries, naher lag, als im Ahd. Das Nebeneinander- 
liegen von -an- und -en- im M des Heliand geht z. B. dem 
Gegensatz zwischen unflektiertem -an- und flektiertem -en- (frei- 
lich neben -an-) bei Isidor und Otfrid im Ahd. parallel, nur 
dass im Alts, das ursprunglich flektierte -en- auch in Bndsilben 
eingedrungen ist, wahrend im Ahd. die lautgerechte Form des 
Suffixes sich in Endsilben noch immer unverandert hielt. Letz- 
terer TTmstand erklart sich daraus, dass im Ahd. die Schwa- 
chung des urspriinglichen -an- zu -e(i)n in Mittelsilben (d. h. bei 
flektierten Formen) noch nicht so weit fortgeschritten war als 
im Alts. 

Albert Moket Sturtevant. 

Kansas TJnivbbsity.