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Full text of "Eine neue Xibaro-Art aus Ekuador (Oligochaeta: Ocnerodrilidae). Regenwürmer aus Südamerika, 38"

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Opusc. Zool. Budapest, 2002, 34: 125-127 


Eine neue Xibaro-Art aus Ekuador (Oligochaeta: 
Ocnerodrilidae) 


Regenwürmer aus Südamerika, 38 


A. ZICSI und CS. CSUZDI* 


Abstract. A new Xibaro species from Ecuador (Oligochaeta: Ocnerodrilidae). Earthworms from South 
America, 38. A remarkable carthworm species, Xibaro medioporus sp. n. is described from Ecuador. The unusual 


condition of its spermathecae is discussed. 


ie Arten verschiedener Gattungen der Familie 

Ocnerodrilidae sind z. T. durch Verschlep- 
pung auch weltweit verbreitet. Ohne auf die Ver- 
breitung der nahezu 30 Gattungen hier eingehen 
zu müssen, sei bloss erwähnt, dass holoandrische 
Gattungen mit zwei Muskelmagen im 6. und 7. 
Segment vor den Hodensegmenten bis vor kurzem 
nur aus Südamerika, meroandrische Gattungen 
ebenfalls mit zwei Muskelmagen ım 6. und 7. 
Segment in Südamerika und Afrika gleicherweise 
angetroffen werden konnten (Zicsi, 1997). 


Die Vertreter dieser Familie wurden bisher, mit 
Ausnahme von Xibaro ashmolei Righi, 1981 (Prov. 
Morona-Santiago, Los Tajos, in einem ausge- 
trocknetem Flussbett), in Ekuador nicht ange- 
troffen. Auch in unseren Sammlungen in den 
Jahren 1986-93 sind, mit Ausnahme der zur Be- 
schreibung vorliegenden neuen Art Xibaro medio- 
porus sp. n., keine anderen Mitglieder der Familie 
Ocnerodrilidae bisher bestimmt worden. 


Gattung Xibaro Righi, 1981 


Xibaro Righi, 1981: 241. 
Xibaro: Zicsi, 1997: 176. 


Xibaro medioporus sp. n. 
(Abb. 1 A-B) 


Fundort. Ekuador, Prov. Manabi. Holotypus: 
AF/4383, hinter Calderon in Richtung Quevedo, 
Bambuswäldchen, 22. 4. 1990, leg. Zicsi, Csuzdi 
& Gavilanes. AF/3320, 6+1 juv. Ex., Fundort wie 
beim Holotypus. 


Äussere Merkmale. Länge des Holotypus 83 
mm, Breite 2,5 mm, Segmentzahl 176. Paratypen: 
Länge 76-85 mm, Breite 2,3-2,5 mm, Segment- 
zahl 162-182. 


Farbe fixiert weiss, unpigmentiert. Kopf epi- 
lobisch, durch einen Querbalken abgeschlossen. 
Borsten gepaart, Borstendistanz hinter dem Gür- 
tel aa: ab: be: od: dd wie 7: 1: 6,5: 1: 28. Grosse, 
querliegende Papillen auf dem 14., 15., 16., 20., 
und 21. Segment oder auf einigen dieser Segmente 
(Abb. 1 A). Medioventral liegende, unpaarige Sa- 
mentaschenporen im vorderen Teil des 8. und 9. 
Segments. Nephridialporen nicht erkannt. Rük- 
kenporen fehlen. 


Gürtel sattelförmig, auf dem %14., 14. - 225., 
25. Segment. Zwei Paar Prostataöffnungen auf 
dem 17. und 19. Segment, die durch schwach 
S-förmige Geschlechtsfurchen verbunden sind. 


*Dr. András Ziesi und Dr. Csaba Csuzdi, ELTE Ällatrendszertani és Ökológiai Tanszék, MTA Zootaxonömiai 
Kutatöcsoport (Lehrstuhl für Tiersystematik und Ökologie der Eötvös-Loränd-Universität, Zootaxonomische 
Forschungsgruppe der Ungarischen Akademie der Wissenschaften), 1117 Budapest, Pázmány Peter sétány 1/C, 


Ungarn. 


Zicsi & Csuzdi: Eine neue Xibaro-Art aus Ekuador 


Männliche Poren auf dem 18. Segment in den 
Geschlechtsfurchen. Weibliche Poren nicht er- 
kannt. 


Innere Organisation, Dissepimente 5/6-8/9 et- 
was verdickt, 9/10-13/14 nur schwach angedeu- 
tet. Muskelmagen im 6. und 7. Segment. Ein Paar 
an den Oesophagus angepresste Kalkdrüsen im 9. 
Segment. Herzen im 7.-11. Segment. Hoden und 
Samentrichter im 10. und 11. Segment von peri- 
oesophagealen Testikelblasen umgeben. Zwei Paar 
kleine, traubenförmige Samensäcke im 11. und 
12. Segment. Ovarien im 13. Segment. Zwei Paar 
Prostata im 17.-19. Segment; dünne, mehrfach 
aufgewickelte Gebilde, die entweder weit nach 
hinten reichen oder aufgewickelt den Mitteldarm 
umfassen. Mitteldarm im 13. Segment beginnend, 
keine Typhlosolis vorhanden. 


Nephridien vor dem Gürtel spiralenförmige Ge- 
bilde ohne Nephridialbiase. Hinter dem Gürtel 
sind die Nephridien breite weisse Gebilde, z. T. 
mehrfach unterbrochen, ohne Nephridialbiasen. 


Samentaschen im 7. und 8. Segment unpaarig, 
ventromedial ausmündend. Ampulle sackförmig 
mit halbsolangem Ausführungsgang (Abb. 1 B). 


Verwandtschaft. Die neue Art steht ihrem 
einzigen Artgenossen, X. ashmolei Righi, 1981 am 
nächsten. Unterscheidet sich von dieser in der 
Lage des Gürtels, in der Form und Unpaarigkeit 
der Samentaschen sowie der Papillen auf dem 

` Gürtelsegment. 


Bemerkung. Bei einem der sechs Paratypen 
` waren die ventromedialen Samentachen paarig 
angeordnet, auf der linken Seite befanden sich 
drei, auf der rechten Seite zwei Samentaschen. 
Die fadenförmigen Prostata lagen bei diesem 
Exemplar mehrfach aufgewickelt in einern Knäuel 
nach vorne gerichtet im 7. Segment und waren 
fest an den Oesophagus gepresst. Da nur ein 
Exemplar mit paarigen Samentaschen angetroffen 
wurde, muss angenommen werden, dass es sich 
um eine Anomalie handelt. 


Bei Vertretern der Familie Octochaetidae sind 
Arten mit unpaarigen medioventralen Samen- 
taschen bekannt, die unter Berücksichtigung 
auch anderer Merkmale in supraspezifische Taxa 
(Wegeneriella Michaelsen, 1933, emend. Zicsi & 


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Abbildung 1. Xibaro medioporus sp. n. A: Ventralansicht 
der Gürtelregion mit Papillen; B: Samentasche aus dem 
8. Segment 


Zicsi & Csuzdi: Eine neue Xibaro-Art aus Ekuador 


Csuzdi, 1989; Wegeneriona Cernosvitov, 1939) 
zusammengefasst werden (Csuzdi, 1993). Wegen 
der niederen Zahl der Exemplare im vorliegenden 
Materiai und dem von uns als Anomalie an- 
gesehenen Tier, muss weiteres Material entschei- 
den, ob der Unpaarigkeit der Samentaschen in 
dieser Familie ein supraspezifischer Wert zuge- 
messen werden kann. 


SCHRIFTTUM 


CERNOSVITOV, L. (1939): Oligochaeta, VIII. In: Résultats 
scientifiques des croisières du Navire École Belge 
»Mercator«. Mém. Mus. Roy. Hist. Nat. Beigique, 15: 
115-129. 


CsSUZDI, CS. (1993): Über die taxonomischen Probleme 
einiger amphiatlantischer Regenwurm-Gattungen 
(Oligochaeta, Octochaetidae). Regenwürmer aus Süd- 
amerika, 18. Acta Zool. Hung., 39: 61-69. 


MICHAELSEN, W. (1933): Die Oligochätenfauna Suri- 
names. Mit Erörterung der verwandtschaftlichen und 
geographischen Beziehungen der Octochätinen. 
Tijdschr. Nederl. Dierk. Ver., 3: 112-130. 


RIGHI, G. (1981): Alguns Oligochaeta cavernicolas do 
Equador. Pap. Avul Zool, 34: 235-249. 


ZICSI, A. (1997): Weitere Regenwürmer (Oligochaeta) aus 
der Volksrepublik Kongo. Rev. Suisse Zool, 104: 
171-183. 


Zicsı, A. & CSUZDI, Cs. (1989): Eine neue Wegeneriella- 
Art aus dem Kongo-Gebiet (Oligochaeta: Octochae- 
tidae). Misc. Zool Hung., 5: 29-31.