Skip to main content

Full text of "Otto Schneid Papers--Biographical Materials--Schneid, Otto. (Box 49, Folder 15)"

See other formats


1 



o o 

"I . 

«« c/i 



ar 





i 





S ^ 

> ł) 3 

•« c 

Ul 

•a V 



I 



i • 



« S 'S nn 

- ■ -^s 

c « e «5 « 



«0 

6.i 



«2. s s " 6 
ïfci 5 ■< -C -c 

lis. 

See 
^ I Jä 



.3 s «o 

S' H 'S -s «n 
5> o xi» «'S 



■C c « s - 

S « _ 'S 



el 
«>| 
«A 
I 

«>l 

sl 

« I 

I 

«M 
«> I 



5 S 



§ ą> CS T>, 



Q 




7. « US" 

.r 2 «^S. 

:0 .,-«5 . 



- J 5 

c 5 6 c 9 
S* X 3 'S 6 



"s 



S 1-5^ 



4» 



Q 



Ç® 



e Si " c jo 

£^ 2 §=3 

s .'^g g 

c u w o 

- g :« 2=^ 



i 5 



es 



e " sa 
_ ?* «s» •"• • 

'S ^ « 

â «I» Si « S S 
./se S vo- 

I :i®f® 

s 'S t: c E « 

3 S « .S C ^ 



_ >S 3 ig 

S «» ss 

' £ ^ --o s 

ë 2 S 

2 c S 

5 &2 
g «S? 

JB ^ ttJ=> 




3îr. 11 



Berliner Jlluftrirte 3eUung 



407 



bcs Bonalî» Weithof 



ROMAN VON 



FELIX HOLLAENDER 



10. gortfcfeung. 



Copyright 1927 by Ullstein A. G., Berlin. 



^Uen «EU Ifm^jutretenhen ^hsnmetdtn mtthen hxe îxx ben ^eftett 
1 bÎB 6 bereits Erfd]tetieneii ^jtpîtel btefes Romano in emcut 
^onierörutfe gegen Jinreinfenbung nan lU ^f. anf Perlangmi 
portofrei nadjgeliefert. 



S 



'ömtUd^e 93îitglieber folgten bem ^eifpiel bcs 
6rf)aitfpielers. ^clc^e œutbcn î)od)geI)oben — 
§änbc ftrecEtert ftd) Sonolb entgegen. 
„3iü^ren 6ie mic^ ntc^t an — Sie bcfubcin fid)," 
fdjrie er «nb gitterte am ganzen Körper. 

„Um ©ottes roillen — jefet übertreiben Sie — 
Iialten Sic inne — Sic fdjmeifeen bcn ganjcn 
giuftritt!" 

®cr ^omöbiant roar bid)t an Sonalb :^cran- 
cetrete'n — î)attc if)n am 3lrm gepacEt — geftitulierte 
heftig mit ber freien ßinfen unb tnarf i^m ö«9tetf'l^- 
3ärtlid)e, befdjœôrembe iBIide gn. 

„(£« mar ein 5?abinettftüd, 
'mein §err, ein wnDergIeid)= 
Itd)es ^obtnettftüd. 2Jlttter- 
tnurger roiire nor 3f)nen in 
bie ^nie gefunîen — tDcber 
gjloiffi noâ) ^affermann unb 
^rau§ fpielen es 3î)nen nad). 
■Stbcr voas gu niel ift — ift gu 
Diel, llebrigens, id) ^^eifec 
SRerier — -^ugo 9Jlet)er — bin 
College unb g^ilmregiffeur — 
menn id) etœas für Sie tun 
ïann — Sie r)ergeif)en fd^on, 
meine Herren/' manbte er fid^ 
an bie blauen 5Brüber, „xd) bin 
mir felbft cĄoppiert . . . in= 
beffen, es gibt erl)öi)te Slugen- 
blide, in benen felbft inner-- 
^alb biefes Greifes aUc SOlas-- 
îen faiïen. Unb œas toir fo-- 
eben erlebten — mar nid)t 
met)r unb nid)t œeniger als 
bos 2)ebut eines ©enies." 

„Sparbon," mifd)te fic^ fefet 
ein f)err in bas (Sefpröd), 
„bies mag eine glangoolle, 
fd^aufpielerifd)e Ceiftung ge-- 
toefen fein — id) uermag bas 
nxä)t gu beurteilen — id) bin 
lein g^ac^mann — aber ïrimi- 
neü betrad)tet, gibt es ba 
allerlei (Einrocnbungcn. 3Bo- 
mit id) 3f)nen nid)t gu nat)e 
t-reten möd)te, mein §err/' 
rcbete er unnermittelt bcn 

Stubenten an. „(öeftatten Sie, 

ba§ id) bas näi)er begrünbe. 

ein gjlörbcr — ein mirfUi^er 
3Jlörber, ber gcoifdjcn gei)n unb 

elf Dormittags, fo fagten Sie 

boc^ — bos angebliche 35cr= 

bre(^en begangen I)ätte — 

mürbe fid) fefet überoll anbers 

— nur nid)t in unferem 

Greife, bas f)eiBt im Sentrum 

ber ëtabt — in unmittelbarer 

9?öl)e bes "ipoligeipräfibiums 

aufl)alten. 33ieUeid)t mürbe 

er um ben Satort l)erum-- 

f^leid)en — nieneidjt in fein 

a3ett fid) üertrodjcn l)abcn, 

um niemanben gu fel)en — 

unb üon niemanbem gefe^en gu 

iDcrben. ©ang beftimmt aber 

ptte er Idngft oUe Slbenb- 

blättcr burd)flogen, um im 

93Ube gu fein. Sie, mein 



junger ^err, finb auf bcm ©ebiet ber Sîriminaliftit 
"Jlnfänger — Dilettant, fonft mürben Sie teincsmegs 
. . . id) fage 3f)nen bos als '^raftifus, ber in bicfen 
Singen fid) . . 

®er Stiibent taumelte ein paar Sd^ritte Dormörts. 

„galten Sie ein/' brachte er gitternb Ijierüor. 
Seine 3üge fpiegetten alle Seiben unb Qualen ôes 
§ergens miber. „§ören Sie mcinctl)alben nii^t auf 
bas, mas meine Sippen fagen — blicEcn Sic in 
meine klugen — unb bann entfct)eiben Sie, ob id) . . ." 

(ix uermoc^te nid)t meiter gu fpre(|cn — aber 
alle ?lnmefenben erfannten plö^Iid), ba^ feine '^u= 
pillen Dolltommen erlofd)cn unb in bie öugerften 
ÏBinEcl gleid>fam geflüc[)tet maren. man fal) nur 
nod) bas SBeige. C£s mürbe tobesftill. 

„3a, bann gcftaitcn oîe oiul;!, ua% id) m\ä) Icgi-- 
timie^c/' burc^brad) in total neränbcrtem, raffelnbcm 




3unge6 anöbdfien. 
(Scmälbc von 3JÎ. S^isling. 



Son berfelbe 9iebner bas Scl)œeigen. Unb mäl)renb 
er mit einer geroiffen fteifcn, amtlid)cn 50rmlidĘ)leit 
bie blaufeibene Slappe com |)oupte nal)m, fagte er 
fd)arf algentuiert: 

„"ipicffen — Staatsanmatt d. Sßleffen. Sie er- 
Hören olfo nodjmals — l)ier vox Derfammelter ©e= 
meinfdjaft — einen SJÎann, namens S^u§n^aul ^eut 
rormittag gmifd)en gel)n unb elf eigenl)änbig er» 
morbet gu |abcn?" 

" „3a," antmortete bei- Stubent unb begann un&uf« 
fyaltfam gu fd)lud>gcn. 

„Sel)en Sie," flüftertc bn Staatsanmalt öem 
cyilmrcgiffeur gu, „fo fängt man einen SdE)ulbigen. 
3eèt l^abe id) 3:^nen ein Sl)eater en miniature Dor= 
gcmad)t." Gr mintte bcm eintretenben Kellner, 
„tein 'älnto — fo rafd) mie möglid^!" 

aBenige 9Jtinuten fpöter fu^r er mit bem &tu= 
beuten Sonalb a3?eftf)of in 
bas 'ąjoligeiprafibtum om 
^îllcjanberplafe. ^ 

VIII. 

SBor einem giJcbenportal 
bcs ajîoabitcr ^riminalgc- 
rid)ts flaute fid) eine un= 
überfcPare 9Jîenge. 

2i(^tfd)eue5 ©efinbel, bas 
fid) gumcift aus ben bunïlen 
(Elementen ber 33erbrecE)ermclt 
gufammcnfefete. 9Jîan fa^ ba 
Su^älter mit il)ren Sirnen, 
(£inbred)cr ober Sînader, mie 
es in ber Siebesfprad)e l)eif3_t, 
unb bagmifd)en ein paar mit 
fdiöbigcr (Slegang geîleibete 
Sportsleute unb einige 
gjHtfeiggönger, bie bas Spct-- 
taîel einer grofjen ©crid}ts- 
Derl)anblnng ^erbetgclodt 
^atte. 

®en meiften biefer aitcn= 
fd)cn fd)ienen i^rc niebrigcn 
Sriebe in bas ©efid)t gegeid)= 
net gu fein. CSntmeber marcu 
fie non ôaufe aus entartet 
ober burd) irgenbmelc^c .^n- 
taftropl)en auf bie fd)icfc 
(Sbcne geraten. 

^3lu6 platten, ftumpfon 
3ügen fprad) Sd)eu nor bei 
'3lrbeit, unb aus cingcfanenen, 
trüben klugen fd)lcd)t Dert)cl)lte 
©icr nad) "ißcfriebigung l)eim-- 
lid)cr Süfte. 

^3(t(es in allem, ein Raufen 
armei, bcmitlcibcnsmcrter 
Sxreaturen. 

Sîôrper an S\örper bröng- 
ten fie fid) an biefem 35or= 
mittag bes 10. September, 
um ber SBer^anblung gegen 
bcn Stubenten Sonalb aOäeft- 
l)of beigumol)nen, ber bes 
ücrfu(^tcn Sotfc^lages unb 
bcs Derfud)ten fd)mcrcn 9îau- 
bes angcllagt mar. 

Sic mußten, ba§ nur ein 
Seit Don if)ncn einla^ finbcn 
lüüibe, bo bie 33erl)anblung 
im llcinen Sd)murgcrid)ts- 
faal onberaumt mar, ber, 
obgcfel)en Don ben beiben 
rcfcrüicrten iBönlen, îaum 
gœctl)unbert "TJlätje fa|tc 



408 



Berliner jHuftrirtc 3ejtung 



dix. 11 



lliiD biefc crftoii 3lcihcn unircn lun- if röffniiiui bor 
èituuui löiiiift bi'fc^t. 

iStiim um ciiitialb jii)» imiiLie von Den (£)ci-id)te-- 
bicncrn für öic nnd) oorn bihiuicnöi', fd)nuluftuv: 
iOîciuu' i>cr êaol frciiioiieben, öcr im 'Dht überfüllt 
war. î?ic übcrunriienbc iUîeln'bcit mußte mit cni= 
töufd)tcn -DUcncn mieber nbjiehen. 

Und ieł^t imiröe ein liod;ę|oiuarf;fencr juuiier 
îôîcnfd) in bcn i)[n{Ini;ernnm iicfül)rt, i)cr hinter it)m 
flcfc^loffcn untrbc. föleid)jiitii) mit il)m erfd)ien fein 
^Bertctbięicr, ein pausbarfitier iMcrjiiier mit f^iiccieU 
fliöttem cd)äbel, unter ber ctupsunfe einen fleincn, 
bünncn 6d)nurrbart, nnb begrüßte ibn jnror^ 
tommcni). 

îicr ctubent beQd-,tcte ihn fûum. Cfr fcljtc fid^ 
nic&cr, oline einen "iMicf auf bie îlîeni-iieriôcn gn 
u'crfcn, mötireub fein 'ülnninlt einen i^niib ans ber 
•3lftentafd;e hohe unb cinbriniilid) ûuf eine 'iBeftim-- 
niung bcs iMiriurlid^ni ©efet^bud;e5 I)inu)ics. Der 
Stubcnt roclirte mit einer Ieid)ten .Çmnbbeœeiuinçi ab. 

Sein offenbor non ber (5cfäniinisl)aft blaffes ©c- 
fid;'t fdjicn fid] plöjlid) färben, als fpürtc er in-- 
ftinttiö, ba^ aus bcm 3uld)aucrraum aller -Blicîc 
auf ihn gcrid;tct marcn. Bufl^i-ńd) rourbc feine 3[uf= 
mcrîfcmfcit burd) bie 9îid)ter in 9lnfprud) gcnom^ 
men, i>ic eben jcgt aus bcn ^Beratungsjimmern 
traten. 3f)ncn onf bem fynße folgte ber 6taats= 
onrarlt, in -łiecileitung einer jungen 5rt^i"^nsperfon, 
bie offenbar ols feine Stenograpbin funttionicrte. 

Sie îRcporter om 5onrnaliftentifd;e mad^ten fid) 
îdjrcibfertig. 2)ie 3cid)"cr fpiiiten tl)re "Blciftifte. 

®er -3lngcflngtc f)nttc in5a>ifd)en bas ©crid)t mit 
ein paar SBIicfcn gcmuftert, ol)ne oitd) nur eine Se= 
hinbc fein 3[ugc bcn Saugen jusuroenben. 

Unb als jcgt ber i^orfit^enbe bcs Sd)iDurgcrid}ts 
biü iBcr^onblung eröffnete unb junöd-ft mit bem 
9hifruf begann, gucftc er faum mertlid) gufammcn. 
^Rentier ülnton .^ußmoul unb '^■xan 9?crto geborene 
SpfcB mürben als crftc genannt. 

(£r rermieb es jebod) peinlich, nad) bem ficinen 
§crrn, ber in feinem f)eU Eartcrtcn ^Jlnjug unb bem 
ÎJÎonofel im ?tuge einen äu§erft gecfcnt)aften (£in- 
brutf mad)tc, fiĄ umjufefjen. ^3tuc^ auf Jrau iBerta 
Äu§maul, bcren manbelförmige fingen il)n gu er= 
reichen fud)tcn, marf er nid)t einen einzigen 33Iicf. 

ßr ücrfanE geitroeilig mieber in feine ®lcid)= 
gûittgîett, aus bcr if)n felbft ber 3Iufruf 'ijJrofeffor 
3Bcftî)ofs ntd)t gu reißen oermod)tc. 

Dann betradjtete er ben ^^röfibenten, beffcn 
cncrgtfc^e, cber ntd;t unfreunblidjc 3it9C l'on â^oei 
burd;bringcnbcn "Lütgen bcf)crrfd)t iKurbcn unb faf) 
prüfenö auf bie ïeifiter. 5)er eine mar bucflig 
unb hatte bcn ^usörucf einer . 6pti5maus, 
œS^renb ber onbcre, mit einem roeißen '3?oü-- 
• bart, mübc unb nerfdjlafen fd)icn. 3>on ihnen 
glitt fein iBIict ju ben ©efd)iDorenen. (Ss rooren 
SKönncr aus bem bürgerlichen SiJîittelftanbc, 
faubcr unb forgfältig gefletbet, bie einen 
burd)aus forreften (Sinbrucf machten. 

9îur ein öerr, mit fcharf gefd)nitteneni 
©cficht, bünnen Sippen, über benen ein furjer, 
borftcnartiger, flachsgelbsr 6d)nurrbart vondja, 
fiel ihm flüchtig auf. 

33eoor er jeboch baju £am, irgenbeinen 
Elareu einbrudE feftgufteUen, mürbe plöglid) 
Olga 3Bo[gaft aufgerufen. 

Gin poar Sefunben blicÊten fie fich an — 
unb beiber SKienen tourbcn bunfel. Vann 
brehte er fich um ""b ftü^te ben Aopf in bii 
^anbflcchen, als Eijnntc er baburch bas 
^odjen hinter fetner 6tirn ^um ed)meigen 
bringen. 33on nun ab uerfiel er in rioU= 
fommene 31pothie. 

Das 35crhör begann. 

„Sie finb bes uerfuchtcn 3;otfd)lnge6 unu 
bes nerfuchten fchmeren 9îaubcs angetlagt — 
begangen on bem 9lentier Äugmoul om 
29. -april. 3)etcnnen Sie fich 'ti Sinne ber 
Qlnflogc fchulbig?" 

„3d) i)abe borouf nid)ts ermibcrn," ant- 
roortete ber junge OTeufd) mit ruhiger, ftorcr 
Siimmc. 

„3ann gebe id) ^i)mn äu bebenfen, baß 
Sie burd) ein offenes (f ingcftönbnis ^i)xe 
Sage iDcfentlid) beftern fönnten. Denn cr= 
tDiefe fich burd) bie fpötercn 3e»gcnausfogen 
3hre Schulb, io tuürbe 3hï Scugnen oller 
3BohrfcheinIidöteit nod) eine StrofDerfd)ärfung 
%ui Jolge h^ócn. Sinb Sie fich beffcn 
beiDußt?" 

Dtr Stubent nicfte. 

„©ut! Sic hcißc" olfo 2)onalb ©efthof. 



finb jmeiunbjmanjig 3ahi'C alt, Sohn bes llniücrfU 
lätsprofeffors '^einrid) ißefthof . . ." 

Gr mad)tc eine fleine "Isnufe, möhrenb ber auf 
ber -Hiicńe bes Stubenten ni; ucrftecftes 2äd)eln 
fid;tbnr mürbe — „unb feiner ©attin i)elene, geborene 
non Seffin. 3ft es fo?" 

S'Cr Stubent ontmortete mit einem jögernben 3a. 

„'ïeDor mir nun in bcn '5c.ü fclbft eintreten, 
mi5d)tcn mir über Tsljvc Gntmidlung, 3hr ''Borleben 
nähere "Eingaben i)abm. "3leußern Sie fid) bitte." 

5er 9Ingetlagte rührte fid) nid)t, blieb unbetoeg-- 
lid), and) als fein 'Berteibigcr ihm einige SfBorte ju-- 
flüfterte. 

„2fîolIen Sic meiner ^lufforberung ni(f)t nad)- 
tommen?" fragte bcr 55orfifecnbe_ non neuem, mähremb 
er befliffen in ben "31îten blöttcrtc. 

„^33in id)' bem ©efelje nach Derpflid;itet, irgenb- 
ivcldje "3tngoben begüglteh meiner %Vrfon ju machen'? 
So Diel ich «"-'iß/ ni'ijt- ÏSeshalb foli id) mtd) bann 
nor 3hncn hi^^" entblößen?" 

31m 9îid)tertifd)e unb im oufch^uerraum ftrecfte 
man bie §Qlfe nor. . 2Bar ber ort fich ungemöhn-- 
lid;, fo mürbe er burd) bicfe nid)t ermartete Haltung, 
bes 2Ingetlagten nod) fomplijierter. 

„Sie i)abcn bereits in ber î^orunterfud;.ung bie 
9Jîcthobe bes Sd)roeigen6 — begiehungsmcife '3Ser= 
fd)mcigens angemanbt. 3d) moche Sie barauf auf- 
merffam, es geht um Sh^e ^sifteng. 3n 3hr'.'m eigen- 
ften Sntcreffe liegt es, uns einen Ginblic! in 3't)x Geben 
ju geben, uns 3hre Sot, bejiehungsmeife bie SJÎotiDC 
nerftänölid) ju madjen. Ginen S^ng auf Sie aus- 
zuüben, ift btts ©i'rid)t nidjt in ber Sage." 

„So jiehe id) es üor, mid) nicht gu äußern." 

„®as ®crid)t münfcht aber gu ^i)xex eigenen 
Gntlaftung . . ." 

„Unb id>," unterbrach ber Stubent ben 9îid)ter, 
„ir)ünfd;c mid; nidjt 5u cntlaften." 

9ie ©cfdjmorencn fnhcn 3)onolb 2ßeftf)of öußerft 
»crbyt^t an. 3iiEllcich erhob fid] ber ^ertetbiger. 

„3d) bitte bie ^crrcn 9iifhter, fich burch bicfe 
^Insfagen nid;t beirren 5n laffcn. 3d) felbft bin auf 
bcn glcid;en 3Biberftauib geftoßcn. 3Bie mcit bies 
"iBcrhalten in ber pft)d)ifd)en 33eranragung bes 3ln- 
geflogten begrünbet liegt, xüirb bie meitere 93er- 
hanbhmg ergeben. 3d) ftelle alfo anheim, cor Gr- 
örterung bes ^nUi-'s felbft biejenigen Seit'Sen â".t"-'r- 
nehmcn, bie über Gharatter unb 33orIeben îlusîûnfte 
gu erteilen vermögen." 

„3ft es rid)'tig," manbte fid) ber 3îichtcr roieber 
an ben Stubenten, „baß Sie bas ©i)mnafium ^ijxcx 
SBaterftabt bis gur Oberprima be)ud)t hûhen?" 

„Sies ift rid;tig." 




VON ARTÛR FÜRST 
EIN BUCH DES JAHRHUNDERTS | 

Das stiiöiislc Werk für alle, die sich fiii- die (Jroßlateii der 
Tedinik begeistern können. Fürst ist der„Bölsdie der Technik"! 
Lassen .Sie sieb das Werk in Ihrer Buchhandlung zeigen. Es 
sind drei Bände zum Preise ^ on 30,30 u.36 Mark. Ihr Buchhändler 
wird Ihnen die \nscłiaffunff auf Wunsdi ci leichtern. Wenn nicht, 
nennen wir Ihnen eineBudibandlung an Ihrem Ort, die das Werk 
auch gegen Ratenzahlung liefert. Verlag Ullstein, Berlin. 



„aBeld)es mar ber äußere 2lnIoß für 3h"n 
Sd)ulmed)fcl unb 3hi-"e Ueberfieblung nod) *Serltn?" 

Ser ©efragte gögcrtc eine ÏBeile, ehe er langfam 
erroiberte: „^enn es intereffiert: 3i^ hotte mtd) 
nod) ber 3luffaffung gemiffcr ^erfonen einer ftrof- 
boren §onblung fchulbig gemad)t." 

„Unb morin bcftanb bicfe?" 

Sonolb lödj'crte feltfam. 

Ser ^^orfifeenbe betrad)tete einen 3lugenbli"cf burch- 
bringenb bcn t)o&jan\Qc\é,o^^cnm jungen ÏÏRenfchen, 
ehe er fortfuhr: 

„Sie finb fpäter nod) iBerlin in bas §aus Sh^es 
Onfels, bes 3ufti5rat6 Seffing, getommen unb ^abm 
nad) beftonbenem Gnomen bie Uninerfität belogen." 

„(£s ift fo." 

■ „SBos hoben Sie ftubiert? Unb mesholb oer- 
ließen Sie bas ^ous 3i)xcx 33ermanbten?" 

„3(^ l)abc Ghemie unb 2an'bmtrtfd)aft ftubiert — 
meitere 31us£ünfte lehne ich o^-" 

Ser Stichter nertiefte fich roieber in bie Strof- 
oïten — bann minftc er bem ©crichtsbiener: „Ser 
3euge ^rofeffor ÎBefthof." 

Miller 3lugen rid>teten fich nun û"f Gingongs- 
tür, burd) bie unmittelbar barouf 3Befthof trot. 

„Sie heißen §einrid) iJöefthof unb finb "iprofeffor 
ber 5îunftgefchid)te an ber UntDierfität ©öttingen. Sic 
hoben als 'iBoter bas 3ied)t, 3hr Seugnis iu ner= 
meigern." 

„3ch âiehe es i5or, innerhalb gemiffer ©renjen 
ousgufogcn." 

„aBotlen Sic uns nlfo über 'Slrt unb 3Befen 
3hres Sohnes einiges mitteilen! 3nsbefonbere haben 
Sie irgcnbmeld)e fronfhafte 93eronlogung bd ihm 
mahrgenommen?" 

„Sonalb 3Befthof," begann frer "iprofcffor feine 
'Slusführungen, inbem er gefliffcntlich bos 2Bort 
Sohn Dcrmicb, „mar bereits als ^tnb fchmer ten!- 
bor. 3d) hohe, bo td) nid)t ben geringften Ginfluß 
auf ihn befaß, bie Grjiehung nöUtg bcr ÜJiutter über- 
loffen, bie gong in feinem ~Banne ftonb, noUfommcn 
Don ih.m beherrfd)t mairèc." 

33ci bief en ÏÏBorten fentte bcr Stubent ben ^opf 
tiefer. 2Iuf feinem ©efid}t lag 33räffe unb ein 'Slus- 
brud' großer 33etümmernis. '^■iix einen 3lugenblid 
fd)roanb für ihn ber ©erid)t6faol. £eni ftonb plötzlich 
leibhaftig not ihm. Gr hörte ihre Stimme. „3d) 
bin bei bir, mein geliebter 3itnge." 

3n einem heftigen Srange umfchinng er ihre 
fd)mäTen |)üften. Sie JJhitter fchric leife auf unb 
fah ihn mit meit geöffneten, feltfant erfd)redten Lütgen 
an. „3tid)t èod), Sonolb, bu tuft mir jo meh." Sonn 
aber lächelte fie bebrüctt unb ftrid) mit ihrer füt)len 
§onb burd) fein buuEles ipaor. „9iid)t 'Jlngft 
hoben, Sonolb," flüfterte fic. „3ch bin bei bir." 

Sies ging fo rofd) nor fich, baß er neroös 
gufommenjudtc, als ber '^Profcffor fortfuhr: 

„3rgenbmelche pothologifc^en ÎDÎer!male 
habe id) nid)t on ihm mahrgenommen. Gs 
müßten benn foId)e in feinen gerooltfamen 
Stusbrüchen — in feiner mongetnben 3Biber= 
-ftonbsfohigEeit gegenüber bem meiblid)en ©e- 
fd)Ied)t ju crEennen fein." 

Ser 3eugc otmct tief auf, ols hätte er bcn 
fchmerften Seil feiner ^lusfogc hinter fich: 
aBöhrenb feiner ganjen S^eEunbung hatte er 
nid)t ein einziges Mal ju bem ^IngeElogten 
hinübergefdjout. 

„335elchcs maren nun bie 33erfehlungen, um 
berentmillen 3h^ Sohn bos ©rimnofium ein 
halbes 3ahr nor bem Gjomen Dcrlaffen 
mußte?" 

Ser Sßrofeffor jogcrte, ehe er ftodenb er- 
miberte: 

„Gs honbclte fid) bo, im ©runbe ge- 
nommen, um einen Summeujungenftreid). Gr 
mar in üble ©efellfd)aft geroten, glaubte 
irgenbeinem Jroucngimmdr ous ber SSorftobt 
helfenb beifpringen ju müffen unb hotte gu 
biefem 3iöedc 'î3ûd)er aus ber Stootsbibliothef 
üerfeljt — nicht entmenbet. So bcr JoII in- 
bcffen unliebfames 'äluffchen erregt hotte, 
rourbe er nom ©qmnofir.m genommen unb in 
33erlin umge|d)ult." 

„9Jîôd)ten Sie fid) über bcn non 3hnen 
angebeuteten %^unEt, monach bcr 'Jlngcflogte 
trot3 feiner 3ugenb bereits oielfoch Jrouen» 
begiehungcn unterhielt, nod) ctmns ousführ- 
lid)er äußern?" 

„3ch bin hier offenbor mißnerftonben 
njorben," fagte ber ^].U-ofeffor. „3d) habe „ihn* 
nicht eines ousfd)meifenben ßebensmonbels 
(Sottfc^uiig auf Seile 410.) 



Berliner Jlluftrirfe 3eitung 



K Ä f "h E ' K ■ Ö L I T 



Z 



um o O. 



u r t s t A 



3 



Die bcfonöerc 6te[- 
Iung,öteS?ntI)c^oa- 
œife im Jîiinftfcf)ûf- 
f»n unfcrec Sage 
einnimmt, fd^cint in ber 3le^n-- 
IWzxt bcgrünöet, öic jtotfd^en 
i^rem SBii-fen unb bem ©cT^of.- 
■fen ber ^ünftler oergangener 
Spoi^en befte^t. %uä) i^re 
^unft getDinnt aus ftarfen 
[toffIt(^en 33inbungcn if)re 
etgentümltd^e Rxa\t unb geï)t 
ÖQ^in, eine gro§e 3bee, bie 
3bec ber ajîenfd^enliebe, bes 
Erbarmens in bte Spradje 
geprägter Çorm gu überfe^en. 
aBte bem mittelalterlid^en 
Sîitnftler bte Seemen ber33tber 
unb ßegenben bûju bienten, 
in immer neuen Slbœanblun- 
gen bas eine gu fogen, bog 
öie aßert oaDer 3îot unb 
©iinbe fei unb bog fie erlöft 
merben müffe, fo gibt ^ät^c 
5îoIItDiè in i^rem 9Berïe bie 
Segenbe ber gctned^teten 
a«enfd)^eit. 3^re I^Pljft^nitte, 
9ÎQbierungen, 2iti)ograpI)ien, 
^anbgei(|nungen ergö^Ien in 
getDQltigen einbringli(^en 2i-- 
nien oon ben Singen, bie 
einem jeben begreifbar finb 
unb eben burd^ bie SBud^t 
jener ©eftoltungen gum eige- 
nen löuternben ©rieben mer-- 
ben: oon 9Zot unb Sob unb 
Slbfc^ieb, (Empörung, 2Iufru:^r, 
^rieg, SBergtnetffung unb 
Sînec^tfd^aft. %\xt bie 2lu5-- 
fd^Iiegrid^Eeit, mit ber biefe 
groge ©eftatterin foft nur ber 




Sie aWalerin unb SRabiererin Sprof. Sîât^e ^DÜtr-ife, bie i^ren 60. ©eburtstag feiert. 

Phot. Hugo Erfurlh. 



einen Seite bes ßebens, ber 
leibnoll-büfteren, gugeroonbt 
ift, mag mon gum Seil eine 
(Srtlärung in (Sinflüffen er-- 
blicEen, bie tl^re frül^e Sugenb 
beftimmten. '3ln ben Çrei-- 
ï)eitsgebic^ten Çreiligrotfis fofj 
fid^ il)re ^ï)antofie guerft ent-- 
ftommt l^Qben, fpäter fonb fie 
Dor allem in bem großen 
fogiolen 31nîlôger (Smile 3olo 
aBiber^olI eigenen (Bmpfin-- 
bens. gits Çrou eines '3trmen- 
orgtes lebt Çrou ^oUvoi^ — 
fie ift ingtoifd;en gum "ißro-- 
feffor unb gum 2)îitglieb ber 
Sifobcmte ber fünfte ernonnt 
œorben — I)eute im 3^orben 
33erlins, ba tDo bas orbeitenbe 
3?oIE u)of)nt, Dem i^r 6c^offen 
fieute œie immer gilt. 

53ei einer fo eigentDÜd^fi- 
gen 'ąjerfonlid^teit, bie ieben 
(Sinflug otsbolb in eigenem 
Steuer umfd^milgt, ift es 'non 
œenig Selong, rid^tunggeben= 
ben ^erfiJnlid^îeiten nod^gu-- 
fpiiren. SRoj Sulingers ouf-- 
reigenbes ^ot^ios mog ror 
iibergel^enb ftorE getüirtt 
^oben, tiefer ging fidler ber 
(SinbrudE ber gerben mönn-- 
lid^en Seid^enîunft Stouffer-- 
iBerns, ben fie fic^ gum Serrer 
tDöi^Ite. 3Iud^ ber inbrünfti- 
gen 33ere^rung fei gebadet, bie 
bie Sîiinftlerin für bie olt^n 
beutfd^en SReifter ^egt, benn 
Bon f)ier aus, pon biefer tie-- 
fen aSerei^rung, bie fie otfem 
^rQftDoII--(Srnften, 3tusbrudEs-- 






(Sinige 3{rbeiten oon Sîôt^c SloUtoi^: „"ûî#njd^"," 
Radierung aus der Folge „Bauèriikries". Kunstvcrlaft- EmUTrw-liter, Dresden. 



SEigsc gn cingf- iftt^m^^n bee «lottes „Öosbruc^". 



getöalttgen cntgcqcnbringt, fonu if)r 3Serî, boô \a axx\ feine 
Sßeifc öte neue ^lusbrucf^tunft oorberciten I)nlf, nod) tn bc- 
fonbercm 6tnnc ücrftnnfien werben. „ ,,■ r 

ms mi)t ^oïïœië mit tl)ren girbeitcn oor bic Oeffcntliä)- 
îcit trat, tDor fie bereits eine reife fitnftlcrifd)e %^erfönltd)!cü. 
2)ic fed). ^Blätter bes crgreifenben 3i)tlu6 „(Sin SCebernnfftanb 
haben it)ren 9înî)m bcciriinbtt. 3n «ilbern Don ftarïfter mfto= 
närer Äraft ift i)ier bas tragifĄe 5d)idfal ber îôcber gefĄilbert, 
ba^ (5erï)ûrt Hauptmann îurj uorI)er in feinem î^rama \o 
padenb bargefteUt Iiatte. .^ier n,ie and) ^" JrJ;^"";^/" 
in ber §ol5fd,nittfoIge „^rieg", in „Sob unb ^ibfd)te fd, b^t 
SlQthe ^oaœtè mit befonbercr Eingabe, bic Qual bet 33îutta, 
bic ihre Äinber leiben unb ftcrben fel)cn, bas uralte ii)ema 
ber Water bolorofo finbet feine mufcrftet)ung. 2Bie bann toer- 
^ rt §a"Pt-ann nac^ feinen 2Bebern bas poht.fd)e Srama 
'giorxan ©e,er" fd)uf, fo füf)Ite and, ^ätf)e ^oUmt bte 
dtütternngen jener Seit ber =Bauerntriege m ben fogtalcn 
Spfen er(5egenn,art nad,5ittern, unb es entftanb e.ne j^eü 
Solge .on 33Iättern, ber =Bauernanfftanb, ber m ber 
ber Hinftlerifd)en 6d)ilberung ben 3Beberât)ÎIus überragt. m.d) 
n S )red nstaten ber franjöfifc^en Sîe.oint.on gegenüber 
mpfin t bie Sîiinftlerin naet)r als ben 9^^-- f I ^ 

Trunr iôîenfd,en. 5n bem ^:Blatte „2a Garmagnole" fci)^tÖert f:e 
ÏZrXn ^.an, um bie (.niHotine, ben ^l^^^ 
in n)ilbem näd,tlid,en 9îeigen auffnl)ren. "^^^if;; f "^^^ ^ 
: 6d,affens, bas bei biefer ^ran immer erneutes 3îmgen mxt ben 







«leiftiftftubie non ^oüvo\^. : 

Ivunstverlag Emil KicUtcv, TIresLieu. 

ctDigmenfd,lid)en Problemen bebeutet, feien nur noi) erwähnt: 
Te' ro e^Megorie „Sertretene",^ eine 6.^e a- 3 a. 
©erminal", bas ^IBIatt „©retc^en", bie ^.latate fur ipeim 

fb dterinne'n, bie 9ieil)e ber ^^"^î^^ff[^''!f„, ra be- 
gänne eebens9efd,id)te fprid,t. Senn ÎJ^ f ""^ 
L V.obeU als fic^ felbft. 6ie «t - ^^^/"^ ^^.X) 

M nU^finb îeine öelbftbefpiegelung, fonbern Selbftertenn = 
nis ihre Rüse îe^vcn oft in iDren Silbern ^"teber (£s Itegt 
eS'a t ef 6x)mbolifc^es in biefer (5leid,Deit b.e te 
edn mi ihren ©eftalten uerbinbet, benn fie betneift, i^te fel)r 
i be i er ftärf ten u,eiblid)en 33egabung Sehen unb ^erî 
6ie lebt, Us fie fĄafft, unb fd)afft r.a.J. Uht 
ïon ber Un rfd,öpflid,teit ber mnftlertf^en Hraft ber 
6el gerin m^t bie Satfad,e, ba% fie ^^\^^^^"^.Z 
fin?m neuen groBen mtsbrndsgebiet erprobt: an plaft:fd,em 
Sen bas erft bemnäd)ft ber Deffentlid)£eit gejetgt ujerben 
fon md, Dier roirb fic^ bie ©oetDefĄe ^orberung erfuUen 
bi^* für bas ganse, n^eit über ieber üblid)en Senbenjîunft 
ftehenbe 6^affen bou Slättje S^oHr^ife gilt: bafe febes grofee 
SJerftnbol^aft fein, bas heifet über fic^ felber ^tnaue 
in ein ^lUgemeines, 3enf eiliges rneifen -^ÎJ-^^^^^^ ^^^^ 



578 

îûknîcfyen einen %aît gefdjloffen. (Ês mu^te \ó)on 
feinen tiefen ®runb traben, ba§ er üou Einfang an 
il)m aus bem SOBege gegangen mar. 

llnb iptad)en f)xm.berttaufenb ©rünbe bagegen^- 
toenn nvir eine entfernte Wöglid)teit beftanb, ba. 
Siel m erreidjen - mnfete bann "^d)t le^es Bi= 
benten tjinroeggefegt tuetben? <|^?reJ)te plofeU^ ba. 
etd)t an - richtete fid) in ben Sîiffen auf nnb falte e 

uniiaîûrli^ bie ^?änbe. ©ab cb eme ©nobe ©ott s 

- voat ©Ott üoi-I)anben - ^«""te ntan b:e Jîei; 

gangenljeit roic einen fd)mufeigcn Sied abmfd)en. 

%o.n Dorn beginnen - ju neuem Safeia erœac^en? . . . 

3a . \a . . ■ unb breimal fa! 

2ßar es ßenis Stimme ober bie oon Olga ^Bolgaft, 

bie er inmitten bcr näd)tli«en ©tiU^e auf einmal gu 

t)ernet)men glau'bte?! &n 6d)lud)jen fd)uttelte fetnen 

^"Xfangenenlanb," flüfterte er - unb no^ ein-- 
mal tDtebcrI)olte er bas 2ßort, beffen 6tnn unb 3nl)alt 
auf il)m rDi;d)tete. «x„„ 
3m ©efängnis l)atten fie üon ber großen Sd)au- 
fpielerin erjäfjlt, bie if)r Seben unb i^re ganje 
4beit auf bie 3bee gefteüt ^atte fur bte entlaffenen 
tDeiblid)en ötrafgefangenen ein 5lfi)l m fd)amn. 

2Bas ihm jefet oorfd)tDebte - rooüon er plofeUc^ m 
träumen œagte - n>ar, 9Jlinionen ju erraffen unb 
bann ben ^oOen m erftel,en, beu er für .gefangenen^ 
lanb" braud)te. ^üc iene „päbagogtfd)e Çomnj , m 
ber bas Sweater auf ben «rettern - unb bte ^omobK 
im Seben ouf^rte - fenes ffretlanb erftanb üon 
bcm oorausfcf/Quenb ber größte ©eutfdie pl)antafiert 
Iiûtte — in bcm anbere Safeinsformen üerfud}t 
mürben - xoo für bas Sßroblem ber Sett - bas 
problem bes g[nenfrf)'en überl)aupt eine begrenzte 
Söfung als a)îôglid)teit aufblül)te. 

©efangenenlanbl Sie 6d).mad)en - bte ©c- 
faaenen - bte ©efangenen foUten gu ißefretern 
mcrben. 3n il)rcr Sîolonie mußte bas neue 9îe(^t 

ScT Stubent cerfanï in 5d)laf. 3n feinem Sraum 
türmten fid) golbene iBerge. 

II. 

?Im nödiften ^Jîorgen tDurbe berJBertrag jtr.ifd)en 
bem etubenten unb Sontura §a-bbuhn perfett 

®onalbs lefete 53cbenten, roie er fid) »ajrenb bcr 
Sebr- unb Srainingia^re burd)fd)Iagen foUie, l)atte 
ber ^ofaî mit einem 3ld)-feläuden beantmortet. 

„9]leine Sorge - ©efc^äftsfpefen, bie bi*y nijts 
angel)en. 3ci3t 'm^ es cor allen Singen «etne Sei 
üerli ren. 3cbe Stunbe ift toftbar unb muß genutt 
merSen. Simäc^ft mclbeft bu bid) für bte Smcferet 
_ bamit ïDtr beifammen finb - unb aUes 
uorbereiten unb befpreĄen îonnen. ^itßt 
t^nen corflunfern, baß bu betm Sutenîleben 
ftumpffinnig toirft." . 

Ser Stubent fam in bie SrucCeret - 
lernte, toie 33ud)ftabe an 5Bud)ftabe gefug 
tourbe -, fa^, toie bcr Safe tn l)arte poppe 
gePmmert, mit t)eißem ^3lei ""^segoffen tu 
bie Srudpreffe fam, toie bte 9Jlafd)ine roUtc 
unb bie T3on bcr Srucferfcl)U)ar8e nod) feud)tcn 
Blätter bttëfdineU l)eroorfroc^en. Cr Jorte 
öon ber ^Blcifranf^cit bcr Sefeer - unb er^ 
fuhr taufenb anbere Singe, üon benen er bis= 
î,cr feine ^f)mmg geDabt t)atte 3lbcr bas aUes 
Um nur flüdjtig feine Jlufmerffam t m 
îlnfpruc^, bie gang auf ^as neue Stel je- 
ndjtet mar. ©r laufd)te gtertg ben 3ln- 
meifungen 3antura ^abbultns. 

,3orftd)tig muß id) mit bir umgel)en 
battit id) bid) nid)t oerpfufd)e. al^ 
Seaengimnaftif t.irb in ben brci SRonaten, 
bi'e S nod) brummen müffen, faum l)erau6= 
f mm n ©enügt, mein S:äubcl)cn! 2etd,t 
unTgefdimeibig muß bcr Sîôrper «'erbcn - 
mußtlSt fo anfpanncn, ^aß bu tm^^ a 
nnA feberît! Êntfpannung tft aUes — vix 
Ä bu - auf entfpannung folgt erft bas 
Sa* n. Unbemußt unb babci präps mte 
Me feinÄ «ine arbeitet bas §trn etnes 
i^ox rs - fein ige barf niĄt eine Sefunbe 
ruhen Sarfft niemols auf ©entcf unb 
güeren mm - ""^ tnußt unabtafftg jeb 

fAtoer bift bu, mein 3unge i 

„einl)unbertfiebenunbfünfäig, laut ©e= 
fängnistpage," antmortete ber Stubent^ 
■ Sad)tc ic^ mirl 3Senn bu braußen btft. 



Berliner lUuftrirte 3eitung 

.a-ben u,tr bt<^ aufpappeltt .3e^n f -"^^ ^" 
minbeftens âunel)men — onft tft alles ai tgi 
4ûs tieißt bas?" fragte Sonalb unftd)er. 
"scfs bS nu' bie S^.tr,eï9et.id)tler mad)en bas 
çftcn'nen - ober rid)tiger ausgobrüctt, bas ©e d)af • 
S rSelt intereffiert fid> nttr für bas fc^mm ©e= 
mtd)t. Gin «oser unter ac^tjtg ^tlo tommt letn 
9i>fitria ut feiner anftönbigen ^orlc. f.-s,- 
Sonalb fd)nitt ein fo .erftänbnislofes, blobc. 
©efic^t, baß 3antura laut losptafete 

cfiH bift mie ein Sieugeborenes, fagte ei. „~J^^ 
33or"e? U ffd aus acDt Klaffen t^om giiegergemt^ 
Stn s:?Jergemid)t:ufammen, bas mit etj^uttb = 
hAüa ^funb beginnt unb unbegrenzt tft. Unö_*3 
£t ttet ber (£i.?fafe, ber mit ben ^^^ern «eretnba 
tDirb. Sie großen «örfen, t«o es julcfet um bte 
ôunberttaufenbe gel)t, fommen nur fur S^toet 
Jemic^tler in «etrad)t. Unb bes^alb metn ^unge 
Lßt bu unbebingt bid) etmas f " " ^'X! 

sehn ^funb minbeftens pnel)men fonft tft bas ©i 
St mit bir nidjt ju mad)en Saß bas metne Sorge 
ein bas bißd)en Specf fdiaffen tDirl 
^ et rieb fid> Dcrgnügt bie §änbe unb uberretjte 
Sonalb eine ^2ln,aDl%on Safeln bte ï^tn^t^e Steg^ 
ilrm-, «ein-, 9iumpfübungen bts i^um Setlfpnngen 

^"XTbu barin erft mal firm, finö mir ein gut 
Stiłćf toeiter. Sas 3Jormdrts- unb 9iüctmartslaufen 
_ ber Sauer- unb ber Sdjnellauf fommen fpater an 

^''s^Jalb'giitg mit einer 33erbiffenl)eit o,l)neglet<^cu 
an b?e tu? Irbeit - ntit einer (Energ'te, bte ben 
^înîaîen in beïïe «Begeifterung tjerfet^te. - 
Senfî), »it maVn ben 3Beg mit Stebenmeüen- 
ftiefefn/ tgte er ein über bas anbere mal „Sem 
E n aUetn ift ein ©ottesmunber - uitb etncu 
1 rper ^ie &eJ beinen Dabe i<^ mein Sebtag ntd,t. 
Sn - unb ba^u biefe ^usbauer! 3c^ tt,unfd)te, 
mir tonnten erft rid)tig trainierenl" 

Smmer nä^er rüdte bie Stunbe, tn ber öte Straj- 
,eit rf-gebüßt mar. Ser Stubent begann attffallenb 
uiîruDtg äu merben - unb 3antura §abbultns be- 
mächtigte fid> eine fieberhafte Erregung. 

Sßaft mal auf," fagte er etnes Sages, „fobalb mir 
in bfr Sportfd,tae inl merbcn bie _Sd)laumeter ich 
an bTd, brängeln. hinterher miU nämlid) leber ber 

Ziän get^'efen fein - i^'^^^^-"^ bie Dbfen 

?llte ©efdiicbte! Unb bann merben fie btr öte Ohren 
ü er S lma\^n. Verlaß bid, braufl 2B.r (£r- 
îolg hat - an beffen Herfen hängen ftd) ^einbe unb 
S Iber 3Biüft bu mir einen Stenft ermetfen - Jo 
gib Sd) mit bcm ^acf nicht ab. SelMt^erftanblich 
^ 4 mas ausgefreffen - genau fo mic bu - 



9}r. 



hob' 




S îS:11nr fui,. « .»',"'" '°'^;„; $ 

mutt bxt omen noiitn SBomcn juk'sen - 3om>ö 

Sutisfe? Gigentlid) gehört e,n s an SteHe bes f 
_ ertläre es bir gelegentlid) einmal! 

Sutisfe " mieberholte 3antura, „etœas au^- 
gcfS- baran muß fid) bas Ohr langfam gcmohncn 

- lï^Âr^Âie'pBfeUch int ^vucferfaal auf 

3eUe," fagte er, 

„femanb martet bort auf Sie. 
„■Jluf mid)?" 

lunb^mlr^^iffbas, metni ich fragen barf?" fließ 
Soj^'alb unruhig heroor. 

Ser mann 30g ein fonbcrbares ®eft^t 
©ebulben Sie fich," ermiberte er etnfilbtg. „Jh^ 
iBefud) münfdjte nicht gcmelbct ^u »erben. 

3n ber SeUe ftanö Olga aöolgaft unb ftredte ihm 
ftut^m b §anb ntgegen. Sie mar ganä in Scht^arj 
SfSet lur ihr gelbes §aar Ieud,tete - un t^on 
ihrer fchneemeißen Stirn ging, u)te es ihn buntte, 
ein Saud) ber ^ühle aus. 

Sul . ." ftammclte er tief betroîfen. 
Sie Same hat «om Sireftor bie Grlaubnis er- 
halten eine halbe Stunbe aUein mit 3hnen äu 
fp Ł" fagte ber 3nfpeftor unb entfern e td,. 
' Ser Stubent mies auf ben einzigen Stuf)l, ber 
îid, in ber SeDe befanb. Gr felbft ließ fich, nadjbem 
Olga îBoïgaft ber Wfforberung SolQe gelciftet, auf 
feiner ÎÛiatrafee niebcr. 

Gine tiefe Stiüe entftanb. 
®arum bift bu hier eingebrungen? fragte er, 
unb" fe?ne Süge nerbüftcrtcn fid). „?liemanben «on 
bmtßen fann ich fehen - ober gar fpred)en. 53e- 
areirft bu bas nid;it?" . r t. s4-.t- 

^ Sie blictte ihn eine 3Beile groß unb _bcherrfd) 
an. Sein «eränbertcs, blaffes ?lntlife erfdjutterte f . 
Sie fanb barin einen grüblerifd,en, ihr fremben Sttg- 
3d, moütc bir fagen," hub fie âogcmb an, „baß 
mein, inter unb meine 9)Iutter geftorben ftnb - 
beibe in furjem ^Ibftamb." n i ^ 

%M erft bemerfte er ihr Sîleib aus ftumpfem, 
bunllem Saft, bas fie jum 3eid,:en Srauer trug. 

öm" machte er unb fcnfte ben Kopf, ohne es 
übe'; ttch äu bringen, ein paar leere «eijeibsmorteju 
ftammeln. 2lber ber Klang ihrer Stimme fd,.n t 
^ ihm ins Sirn unb ^erj. Unb «-^eber erfutttc 

ihn eine entfeglid,e Sd)am - er hatte ftd) 
üor ihr Dcrfriechen mögen. 

Scis ift ber einâige SOlenfd), ber bich fteht 
unb fennt, bad)te er - unb trofebem bri^t 
fie hier ein, übmohl fie miffen muß, baß ihr 
Wblicf bich aufreißt. Unb jugleich gtng em 
Strom ber 3Börme burd) feinen Korper — 
als foüte oïïes Unreine non ihm meggefpult 
merben. ^attc er bcnn je ein anberes J5_efen 
als fie geliebt - unb mcld)e bttnflen 9«ad)tc , 
marcn im Spiel, bie ihn non ^^^^ petof en ^ 
- ihn gegen fie gehest unb geftad,elt hatten? 
es gab fein Sttrücf mehr - îe^ne Jat 
ihn üon ihr gcfd)icben - 5tt)t d,en 
einem befubclten unb einem flecïenlofen 
9Jîenfd,Gn hörten bie Sufamtnenhange auf. 
mar eine ÎBiebergcburt überhaupt beufbar, 
fo lag fie in feinem Sd)amgefuhl, bas lefetc 
Konfequenjen ju jichen tiermod)te. 

er jucfte jufammcn. . a 

• ,Gs ift unmahr," fagte Olga Söolgoft, 
baß id, megen bes Sobes meiner Gltern bid) 
aufgcfud)t habe, ffins gehen bid,_|ater unb 
ÛJÎutter üon mir anl 3ch mciß nicht einmal, 
ob bu möhrcnb aU bcr «lonate aud, nur 
eine Sefunbe an mid) gebad)t haft. 3d) meiß 
es nid^t — unb miU es ntd)t miffcn. 9Ju_r 
eine ^rage habe id, an bich, bie bu mi, 
beantmorten mirft," fie unterbra(Ą_ ftd, einen 
gjloment, che fie tief atmenb ergänzte: ,bte 
bu mir um Scnis miüen beantmorten mußt. 

Sen Stubenten überlief es. SoUte noch 
einmal bie ïscrgangenhett aufgcroüt merben? 
Sorbertc fie 3{ed,enfd,aft über ben bun elften 
?lbfd,nitt feines Scbens? ^^flangte fie 
Sîlarhcit über bas, mas er nor ©crid)t hart- 
nddig oerfchmicgen hatte? Seme Suge ocr- 
.mirrten fich bis jur Untennt!td)feit. 

(govtictung auf Seite 580.) 



hatte 



Sh. 15 



Berliner Jlluftrirte 3eitung 



577 





3Jłutter unb So(i)ter. 
©emälbe oon aJluritto ((Eremitage in St. Petersburg). 



Phot. Hanfstacngl, München. 





on alt) i^efti^Df 



ROMAN VON 



FELIX HOLLAENDER 



14. Sortfefeung. 



(Allen nea IfâmttretettbeH (Abmmejttai raeriien bit in ben ^eften 
1 bis 6 Łereita erfdjienenen ^itjirtel biefea ^tmtmts in einem 
^^anberörnek gegen JSoreinfenîiung non 10 ^f- au{ Verlangen 
jjorfofrei nadigeliefert. 

/^d Hes f)ot feine Sett, [tef)t in euren ^eiligen 
W\, 33üc§ern — 5etn ©liicf ïommt erft!" fagte 

„Unb œenn bu bid) tro^bent toufi^ft?" meinte 
Sonalb. 

„®u îannft ebenfo gut fagen, tcenn ber Rimmel 
gur Êrbe 'fäUt — id^ täufdje micf) nic^t. 9îur 93er= 
trauen mu^t bu gu mir ^cben — unbebingtes 35er-- 
trauen — mu^t bic^ ouf ©ebei^ unb ÎSerberben in 
meine §änbe geben — effen, arbeiten, fcf)[ofen, mie 
td^ es bir norfci^reibe — ï)at6e 3lrbett mactie td) n\d)t" 

„Unb töie ftellft bu bir ben toeiteren SSerlauf 
•Dor?" for|d)te ber 6tubent, ber plöfeUd) fd)tDanfcnb 
au roerben fd)icn — in beffen §irn eine 9îeil)e unfon- 
troHierborer a^orfteüungen unb ©ebanfen burc^ein- 
anberœirbelten. 

3antura ^abbulin Iie§ bie ^roge einen SKoment 
unbeanttDortet. 

„SOleinft bu, es fei 3^\a^> öü§ tüir uns betbe 
fiter — ousgeredĘinet l)icr — begegnet finb? Cs gibt 



feinen Sufall — aDes ift (Sefc^ unb iBeftimmung. 
Unb roas bcine Jîeugier betrifft, fef)r einfad^: ©ufteUft 
mir (öeneralnollmad^t aus — DerpfHd)teft bid), gu 
feinem onberen Trainer gu ge^en — in ben näd^ften 
fünf 3af)ren feine ©cfd)öfte of)ne mid^ gu tötigen — 
ober forrefter ausgebrüdft, olle ©efcE)äfte — aHe 
kämpfe cingig unb ollein burd^ m\d} Qbfd)[ie§en gu 
[offen. Sas ift übrigens burd^ous fair," fügte er 
I}tngu, „benn ein 9ßojer i)at feine Seit, ©efd^öfte gu 
mod)en. Stoei Srittel aller (£innal)men erpltft bu 
— ein Srittcl friege id)." 

$ei biefen 2Borten i^atte er bes 6tubenten rechten 
■älrm gefügt, um fid) über beffen aSigeps gu . »er- 
gemiffern — unb g[cid)gcitig faf) er il)m feft in bie 
■älugen. 

„aSift nidjt turgficf)tig — tote? 3(uge tobellos? 
Crnftere iîrantl)eiten l)aft bu nit^t l)inter ôir?" 

(£s fd)ien, als ob er gleicE) einem gcriffenen 
Slöufer noc^ einmal bie 5Bare überprüfen moHte, ef)e 
er ben befinitioen 'älbfi^tuß üollgog. 

„Sinb ttiir l)anbelseinig?" frogte er bann — mit 
bem 3iefultat fic^tbar gufrieben. 

„aBitI mir's überlegen," entgegnete ber Stubent 
nad) langer, fc^toercr Sßaufe. (Sine tiefe SSlöffe [)atte 
fein ©efid)t übergogen. 



Copyright 1927 by Ullstein A. G., Berlin. 



3n ibiefer 3laä)t mölgte er fid^ unruhig auf feinet 
Smotrafee. 3eben Sa^ — jebes SBort bes ^ofafen 
refopitulierte er nod^ einmal in feinem ©eifte. 

„§elfen — toenn bas möglidE) toore," murmelte et 
Dor fiel) l)in, „œenn id^ bas guftanbe brockte . . . fo 
Ijötte alles einen 6inn gehabt" 

Sos ©eftcEjt ^abbulins toud^te auf. Gr fa^ bie 
gefd^lifeten, fdf)iefliegenben Slugen, bie »iel gu na^e 
aneinanber ftaniben — fa^ bie tceige 6trä^ne mitten 
in bem bunïlen §aar — ptte ben einbringlid^en 
Son feiner 6timme. SBie ein ©aufler, Gloton 
unb ""ßoffenreiger erfd;ien et i^m, -ber gum ©oubi 
ber anberen feine ^ofe mit il^m tneitertrieb. 9ßar 
bem îBurfd^en überhaupt gu trauen — met iDugte, 
œas er ouf bem Jîerb^olg ^otte? Satfad^e, bag er 
mit feinem aSud^ftaben über fein 33orIeben pc^ 
öugerte! 3tbcr, meldjen aSorteil I)ûtte er, il)m feine 
»crriicftcn Sbeen eingublöuenl Unb mit tneld^et 
ipifee — toeld^em g^anatismus tat er es! SBelc^e 
Sdjlöffer boute er cor i[)m oufl 3Bie feine SßupiUen 
bobei gitterten — leud;teten — funfeiten . . . 

3n bie Sunfel^eit ber 9îod^t ladite er laut ï)tn- 
ein. aSas fümtnerten i^n oll' bie ßuftgebilbe! Jüt 
fein Sdljlog ber 9Belt ptte er mit bem oerteufelten 





ein ncucntbecftcr Sisian: „OTabonna ir.it bcm inid)". 



Giaudcnz. 



V 



DER „NEUE" TIZIAN 

:or etœa einem 3af)r hat bie 3Bienet 6t. Euïos^ 
i (öaki-ie aus cnnUfcf)em T>nüatbefit^ bas 2îtlb 
i ccftcnben, bas ieW als ein neuer Sijian gc- 
■prïéîen wirb, afßicncr 6od)t)crftänbi(ie |inb in btefer 
^efttmmung burc^ ein (6utad)ten 33obes beftartt mor- 
ben man \ei]t bie ent[tcl)ung btcfct „aHabonna mtt 
bem ï^ud," um 1510 an unb rcil)t fie jmifĄen Sijmus 
„Sigcunermabonna" unb bie „Sirfcfjenmnbonna ein. 
Sie 6tenunQnaf)me ber Sunftt)iftoriter ju biefer 'Xat- 
bedung mufe abgemartet merben; bos Urteil eines 
Kenners vom 9îange 5?obes fäUt naturhd, fdjmer uis 
©erntest, aber es fteHt nod, nid)t feft J*"^ ^Tf;"/"»« 
bes a3ilbes nad) ber mobernen tcd)nifd,en aJletf)obe 



ftattgefunben f)at, bie man gegenüber bcn aus ©e-- 
fd)mad unb Slunftroiffen gefĄopften <5Jleinungen als 
obicïtin nid)t l)od) genug fd)äl^en tonn. — (£s ift 
fcl)r merhuürbig, wie fid) ouf bcm Cocbict bcr =Bilber- 
•iBeftimmung in ben legten 3af)r5el)ntcn ^mci ent- 
gcgcngcfci3te ^Betoegungen nerfolgen taffcn. Sie 
großen alten ©emnlbefammlungcn non Weltruf l)aben 
if)ren ł^eftanb an ÏBerfen, bie gro^e 9îamen tragen, 
immer luiebcr ftrengen ^lenifionen unterzogen. 
«Bilbcr, bie œcr meifj luie lang nls ^Bcrfc ber größten 
9)lalcr galten, finb il)ncn babei abgefprod)en luorben: 
(£s ^ei^t jefet in ben Slatalogcn „6d)ule 91" ober 
man finbct ben 3Jamen eines ^Dialers jrociten 9ianges, 
lüo frül)er ein ^lîame erften 3iange6 angefüf)rt roar, 
©erabe in 5Kien, in ber el)emals taiferlid)en 6amm- 
lung, finb, fcitbcm auerft ein Sunftl)iftorifer - ber 



Tie aud) gcgenmärtig leitcnbe 5)r. ©lüd — 8u t^rer 
Betreuung berufen rourbe, fold)e 9îid)tigfteUungen in 
grijfecrer 3af)I erfolgt, ©an;; im ©egenteil bagu 
^abcn gleid)5eitig in "^rinatbefië unb in tleincren, 
aber aud) in ganj grofeen jüngeren ©alcricn cr- 
ftaunlid) otele „Suroetfungen" non ïiilbern ftatt- 
gefunben, loobei namentofen iMlbern bie gri5§ten 
gramen ücrlic{)en ober ein financement non einem 
Sünftlcrnamen jroeitcn m einem erften granges 
burd)gefül)rt luurbe. 5)ie §öufigfeit folĄcr 3ii= 
fd;rcibungcn l)nt oftmals ben «erbaut ertuedt, ba§ 
bie (Sspertcn mit bcn Sunft^änblern, bie baran 3n-- 
tcreffc l)attcn, in einem unlauteren 3ufammcnl)an9 
ftünben. fiber auc^, u)o bie ^k-rfönlic^teit fold)en 
«Berbac^t ausfd)lofe, ift man gegen il)re entbedcr- 
freube ein incnig mi§trautfd) geworben. 



U.V'f • I 

-V > > 



DURERA WH 




Albrecht Dürer: Świąła Rodzina, szkic piórkienu 



». ••V'-.-* .x-V- ' . • 




vi- 



't.. J■- 



Berliner îlluftrirte Seitung 




^unftfammhu 
galerie unter 
I)tcrin bcm 
ûerbanîen wix 
er crjäfjlt, tüte ^. 
feinen 9Xatfd)üIer 
bem bcrüf;nUen (£ol 
tuerbcn ftd) ntfo nie 
ficî)t/' — œorauf ÎOÎc 
id) fcî)c, unb md)t, 
einefd)Iaflfertiiic(£nüiL 
bes Smpreffiontsnnis 



%UB ber qrofèen 9Jîanet-?tnefteUunfi in ber föalerie mttfjiefcn ^cxihv 
TOnie tes Sidjters (£nnl Sola .on g)lanet aus bem ^eftt, be.Sounre u^^an.. 



SQ^ a 11 e t unb }^ o i a 



1355 



Berliner llluftrirte 3citung 






in englanb als ^jowu ^^^^^ 
^aren aud, bie f ^^''^^^ff Tüeberlaffun«; 5" 



. in ber ur?ptün9UcI)en Sd)önl)eU 

HAten darben pvanqenb, ein ©lanj- 
fctnei- satten, ltct)ten «^f ^ y ,„^rbe. gjUt 
tüd ^olbetnîcl^er f^^^^f ^.^X^unb 6d)loB. 
ben reichen ^«"-^'3 " J 1, bae über ble 
çffiinbjor, mit ^^'"V^l!^' , , mit Surmftabt 

„nb Bresben, bie fiĄ '"J^^'^ , lifters SJleDer" 
be. e^ten :f ; --^^.^ ;f Sbe.alevie bnrd, 

l!""'^'.Tin S öe. S^nnMtätten, bie «om 
bies 3Betî tn ou Jteu; 
©enic bes gJleif'^rs «or aüem ^""^^ J 
©ilje a«e ^)anjig ftammte, r«o man nod) 



Heimat erî)altcn. „-ücm '''^ , brober 

inTe^n m V^atïontot, jmifc^en (6e= 
gknd)iam " ""^^ +; sc^.eib^euQ, Siegel 
fd)ä tspapici-cn, 15uci}ern, ; ntenîiUen. Gine 
îtreifen, ^riefmage unb aI)nhĄen l»t"n len ^ 

et^mtion §olbein. an i-- "f^f 4^^. 
^il,., be. ^^inna jo^^ a |pa b. 



Constantius I. 



Nach einer Bildbeilage der neuen »Geschichte des spätrömischen 
Reiches« von Ernst Stein. Verlag von L. W. Seidel a Sohn in Wien 

«Steins Werk bezeichnen wir unserer Überzeugung gemäß als eine der bedeutendsten Erscheinungen 
der neueren historischen Literatur. ... All diese Dinge hat Stein zu klarer Anschauung gebracht. 
Die politische Geschichte, das Verwaltungswesen, die Heeres. Rechts, und Munzgesch.chte, d,e 
Chronologie hat er mit großer Schärfe, in zahllosen Fällen die historische Erkenntnis fordernd 
. , F. Stähelin in den Baseler Nachrichten 

herausgearbeitet.« 




*~ r*. >1' 




i- 





anH 



Qcspodarstwa Kraioweso na i.en,- 



ndą mcmicą adiro- 
dzemda Pol^i od- 
dizdal Bainiku Gospo- 
damsitiwa Rraiowegi 
w Kaitowiioa-ch przy- 
stąpił do wmi^s\e- 
niia otea-za-tego gma- 
chu bamtoow ega. kilo 
(^Ijy umorikw u 
pomiiieszczeme ca- 
łego persone^'U. t&j 
sitoie roKirastiająceo 
sde insty-tooid ban- 
IśGweó na Zieom 
Sląstaieii. Atoy oce- 
nić raziniiary dzia- 
lalmo^ści teij taßHy- 
teiji wystaircizy 
sitiwflieirdzSć, że su-- 
ma bdlansowa od- 
działu Uitowiicikiego 
osiągnęła w ozai-w- 
b. r. iuż kwo't<5 
77 mdlii zi- B^"^ 






Dsdąg^ęla w ozai'w- 

to^mcacli, kióry znajdufle aiQ w 



Renoir ' Le Ménage Sisley 

Aus dem neuerschienenen Werk, das das ganze Schaffen dieses 
großen Impressionisten behandelt 

Julius Meier-Graefe: RENOIR 

Mit über 400 Abbildungen, 1 o Farblichtdrucken u. Heliogravüren 
Kartoniert RM, 74, — , in Ganzleinen RM. 78. — 

KLINKHARDT & BIERMANN, VERLAG, LEIPZIG 



OTTO R. SCHATZ: Fabrik 



3,eQ,o RIVERA fAirx-co) 



Nedsans «1 i"'"^" 




Det er en selvfolgelîg opgave for denne serie at samie og of- 
fentliggere den danske kunsł, deir er opstâet i tilknytning til 
arbejderklassen, og har evnet at udtrykke vœsentlige sider af 
dens tilvœrelse og af socialismens idé. Dette vil krœve en rœkke 
hsefter. Forste hsefte, der her udgives, er et tvœrsnit gennem 
maleriet. De to betydeligste kunstnere, Birkholm og Aksel Jor- 
gensen, fâr deres vigtigste kraft fra tilknytningen til proletaria- 
tet. Pâ samme màde forholder det sig med Schobius og Vige. 
Omkring disse grupperer sig andre, i hvis Produktion den so- 
cialistiske opfattelse kommer til orde i spredte arbejder. Des- 
uden en enkelt, Anton Hansen, hvis storste indsats ligger pa et 
andet felt end maleriet. Og endelig arbejderkunstens senesie 
stadium og nyeste landvinding, reprœsenteret af Peder Larsen. 
Foruden den store udviklingslinie, som der redegores for i ind- 
ledningen, har det vœret formâlet med udvalget pà denne 
made at vise proletariatet i sâ mangesidet belysning, som den 
danske malerkunst muliggor.Bjerres billede viser religionens knu- 
gende tryk over en befolkning i usikre somfundskâr; hos Storm 
Petersen den garnie kulturs oplosning og den nyes opmarch. Sâ- 
ledes taler hvert billede om sit sociale problem. Tilsammen àben- 
barer de — ved den styrke, hvormed de hsevder sig i den danske 
kunst — proletariutets stadig mere afgorende stilling. Bade i op- 
fattelse og form henter denne danske kunst imidlertid ogsâ sin 
styrke fra den internationale arbejderkunst. Millet, Courbet o. a. 
I sine svagheder og mangier afdsekker den derimod begrsens- 
ninger og mangier i den danske arbejderbevœgelse, hvorfra den 
naturligvis mà lane sin egentlige klarhed og slagkraft, og hvis 
svigten pâ dette felt er ârsagen til, at kunsten ikke har kunnet 
udfolde sig kraftigere. 

Senere heefter vii omfatte tegninger, grafik, agitationskunst, 
foto og fotomontage. Endelig vil Serien optage nye vœrker, der 
ikke for har vœret udstillet eller reproducer et. 

Omslagets forside gengiver en Studie til Birkholms billede FAT- 
TIGGÂRDEN; pâ bagsiden star Anton Hansens HAA^NEN. 




HJORTHS TRYK 



HEINRICH GLÜCK ERNST DIEZ 

PROFESSOR FÜR KUTsSTGESCHICHTE PROrasSOR FÜR ORIENTAL. KUNST- 

AN DER UMVERSITÄT WIEN GESCHICHTE A. D. UNIV. WIEN 

DIE KUNST DES ISLAM 

Die Baukunst des alten Persien, der islamisdien Frühzeit, der Tuluniden, 
Fatimiden, Eijubiden, Mamluken und der Osmanen in Ägypten und Syrien. 
Die Baukunst im Maghrib und in Spanien, der Seldsdiuken und mittehürkisdien 
Dynastien in Kleinasien und Armenien und der Osmanen in Kleinasien und in 
der europäisdien Türkei. Die Bavikunst in Persien, Afghanistan und Indien. 
Das islamisdie Kunstgewerbe. 

BAND V DER PROPYLÄEN -KUNSTGESCHICHTE 

112 Seiten einleitender Text, 8o Seiten Katalog, 475 Abbildungen, 2Ó Kupfer- 
tiefdrudttafeln, 13 mehrfarbige Tafeln 

In Halbleinen M. 45.- In Halbleder M. 50.- 

IM PROPYLÄEN-VERLAG / BERLIN 



Schloß Forchtcnstein, Außentor und Berg! 




Burgruine Landsee 



D u .^n:,c Rnreenland seine Kunstdenkmale und 
ta"utet^oTSXt F;?;VÄn SchroU ^ Co. in Wren 

0.ses e.te Buch U.e. das jUn.ste Bundesland ^-^-J;^ e.chUeßt s.ne n.^^ 

HaîbsdtengroBe ausgezeichnete Au^a^^^^^^^ schlicht.vornehme Bürgerhauser. kurz alle 

schöne Landschaft einfügen, barocke ^'j^^«^^;^^ „ichen Lande. 



Nike, Werk des Paionios. Versuch der Wiederherstellung (Treu) 
Das Marmororiginal in Olympia 

Aus dem Bilderteil des weitausgreifenden Werkes: »P o 1 y g n o t. Ein Buch von 
griechischer Malerei« von Emanuel Löwy. Verlag von Anton SchroU &^ Co. in Wien 



Ein Gesamtbild der gewaltigen künstlerischen Persönlichkeit jenes fast mythisch 
gewordenen Künstlers, der immer wieder als Griechenlands größter Maler ge« 
priesen wurde. Der Darstellung eignet jene Vereinigung tiefster Empfindung 
aller künstlerischen Werte und reinsten sprachlichen Ausdrucks, die alle 
Schriften des berühmten Verfassers 'der »Griechischen Plastik« auszeichnet. 







M: 




Friedrich Bleibaum: 

JOHANN AUGUST NAHL „_^„.Kassel 

de^Gemäldegalerie seinem Genius künstlerischen Gestalt J Gebrüder 

Fs eelingt dem Verfasser das i^unn Knobelsdortis u Verhältnis 

Nah! klären. ^/^^^^^^^fälLer Glume ^^^^^^d^-^^t Kassel und den 

HoPPenhaupt und ^^^.^^Cu^ilUés, Simon Lomf/^^stimmt ; dadurch wird 

1er Verf^^^«^ ^^^'^'ÄließUclf seine Konjekturen durch Re^^^^^^ Lrden zum 
in Anspruch ^el^m^^^T^ß^^/*^^^^^^^ der berühmten ^am^elte reiche archivahsche 

TZ:On'SLll^'^i^ nachgewiesen. Auch das erm 
ersten Maie wi !, unbekannt. 

Material war bisher p^rbentafeln, 
...an. Se^enX.. 

a Tai. mit Strichzeichn. und3 -—Z-TZTZ^T^ry 



T^^^^rrr : — T^adea bei Wien 

TTTTR^d^M. Rohrer in Badea P 




Die ersle umfassende Geschichte der russischen Kunst 
wn 2er ChrUtianisierung des Reiches b,s zur Revoluhon 

M Alpatov und N. Brunov: 
fiFSfHICHTE DER ALTRUSSISCHEN KUNST 

Biese erste .usa.— .e OescUlchte de. ..^^^^^^^^^^ 
S%v"nr ÎS^r^l^ das" i''^^^^^^^^^^^ 

F, handelt Sich in erster Linie um die Untersuchung der St'lPJo^l^eme^^^^^^^ besteht, größten- 

^^d^?op'oÄschen Gesichtspunkte v^^^^^^^^^^ austührliche BibUographie 

teils aus Neuaufnahmen b'^hf öf erw egena uneu^^^^ Nachschlagewerk, 
und umfassende Register gestatten auch die Benutzung Format: 19-5X27. 

Zwei Bände: Textband: 434 Seiten; Tafelband. 441 AbbUüung ^^^.^ _ ^ 

Oskar Wulff: 
DIE NEURUSSISCHE KUNST 

denjenigen Bestrebungen, m welchen sich ^^^^""^ Abbildungen. Format; 19-5X27. 

Zwei Bände: Textband: 360 Seiten; Tafelband. 472 Abbuaung ^^^.^ , ^ 

vTeTTegt bei Rudolf NI. Rohrer in Baden bei Wie 

" Preise exklusive Warenumsatzsteuer 



Jllustrationsproben aus Springers Kunsrgesci 




Sosson, 



Seesturm. Tokyo, Sammlung Satake 




Die chinesische Göttin Kuanyin. Holz 
London, Sammlung Eumorfopoulos 



Chmesische Amphora mit Drachenhenkeln. 
Dreifarbige Glasur. Tokyo, Privalsammlung 



Ein neuer Band zu Springers Kunsfgeschichl-e 




Kondo (Goldene Halle) und Pagode des Horynji. Nara, Japan 



Als Geschenk von besonderem Wert erscheint rechtzeitig zu Weihnachten 
ANTON SPRINGER / HANDBUCH DER KUNSTGESCHICHTE / Band VI 

Die außereuropäische Kunst 

über 700 Seiten im Lexikonformat mit mehr als 700 großen 
Abbildungen im Text und 16 Farbentafeln 

In Ganzleinen ßS. — Mark 

Erste Sachkenner vereinigen sich in diesem Bande zu einer großartigen Gesamtdarstellung 
der außereuropäischen Kunst. Sie entspricht als einzige Zusammenfassung dem heutigen 
Stande der Kunstwissenschaft und schließt Springers berühmtes Handbuch aufs glücklichste 
ab. Für die ostasiatische Kunst wurde Prof. Curt Glaser, für die indische Dr. Stella Kramrisch, 
Kalkutta, für die islamische Prof. Ernst Kühnel gewonnen. Die Behandlung der afrika- 
nischen Kunst lag in den Händen von Dr. Paul Germann, die indianische Kunst Amerikas 
beschrieb Dr. Heinrich Ubbelohde - Doering und die malaiisch -pazifische Kunst ist von 
Prof. Augustin Krämer behandelt worden. Durch den Gegenstand in sich selbständig, 
ist der Band unter dem Titel ,,Die außereuropäische Kunst" auch imabhängig 
von Springers Handbuch in einem Sondereinband käuflich 



ALFRED KRÖNER VERLAG IN LEIPZIG 



Goldener Hängebrakteat aus Schonen, Schweden 



DIE ALTNORDISCHE 
KUNST 

GRUNDPROBLEME VORHISTORISCHER 
KUNSTENTWICKLUN G 
von 

F. ADAMA VAN SCHELTEMA 



Umfang 254 Seiten in Großoktav Format mit 54 Abbildungen im Text 

und 20 Tafeln. 
In Halbleinen gebimden M. 1 5, — . 




SOLANGEDIEKUNSTWISSENSCHAFTREINETATSACHENFOR- 
schun. war, brauchte sich die wiUkürliche Aufteilung der gesamten Runstent- 
wicklung in zwei Abschnitte, in deren Untersuchung sich die scharf getrennten 
Disziplinen derPrähistorieundderRunstgeschichte teilen, nichtstörendbemerk- 

bar zu machen. Die Vielheit der Tatsachen und ihre stetig wachsende Zahl ver- 
langte sogar gebieterisch eine solche Arbeitsteilung. Auf diese Weise konnte sxch 
,uit der Zeit das Ideal der Tatsachenforschung, die Ermittelung aües errexchbaren 
Materials und dessen Einordnung in eine lückenlose Reihe, erfüllen. Dxese Rich- 
tung in der Runstwissenschaft, die das Wissen um die Kunstwerke sich zum Ziele 
setzt, hat ihren unbestrittenen Wert. 

Im gleichen Maße jedoch wie die Arbeit des Tatsachenforschers gedieh, mußte 
sich die Erkenntnis durchsetzen, daß es sich um noch etwas ganz anderes handele 
als um ein beziehungsloses Neben- und Nacheinander von einzelnen Runster- 
scheinungen, Künstlern, Schulen usw. Man erkannte, daß die in einem Quer- 
schnitt durch die Entwicklung enthaltenen Runsterscheinungen einem gewissen 
Gestaltungsprinzip unterliegen, und man versuchte, dieses Gestaltungsprinzip, den 
Stil nicht nur gefühlsmäßig, sondern auch begrifflich genau zu bestimmen. Man 
fand daßsichim Wandel der künstlerischen GestaltungeinegewisseGesetzmaßig- 
keit offenbart, und daß sich die Ablösung der gleichen Gestaltung«- oder Stil- 
prinzipien im Laufe der Entwicklung wiederholen kann. Neben die Tatsachen- 
forschung trat die begriffliche Runstforschung, deren letztesideal durch dasWissen 

um die Grundgesetze oder um das Grundgesetz bestimmt war. 
Mit der geschildertenNeueinstellung des kunstwissenschaftlicheninteresses mußte 
sich auch dasVerhältnis der Forschung zur vorgeschichtlichen Runst grundsätzlich 
ändern. Die ältere Forschung hatte keinen Grund, sich mit dieser Runst zu be- 
schäftigen. Ihr stand es vollkommen frei, ihr Arbeitsfeld willkürlich zu begrenzen 
und die Bearbeitung der frühesten Runst einer gesonderten Disziplin, der Prä- 
historie, zu überlassen. Die begriffliche Runstforschung kann sich dagegen diese 
Begrenzung nicht mehr erlauben, ihr stellt sich die Entwicklung der Runst 
als eine organische Ganzheit dar, deren Wachstumsgesetze zu ermitteln sind. 
SoUen die für die einzelnen Stufen gefundenen Entwicklungsgesetze ihren zu- 
fälligen Charakter verlieren, so muß der Forscher seine Untersuchung mit der 
Zeit über den ganzen Ablauf der Entwicklung ausdehnen. In diesem Falle erheben 
aber die vorgeschichtHchen, d. h. die frühesten Runsterscheinungen ganz be- 
sonderen Anspruch auf Beachtung. Denn es sind gerade die frühesten, unschein- 
barsten Runstformen, die für die Untersuchung der künstlerischen Entwicklungs- 
gesetze in allererster Linie in Betracht kommen. 

In diesem Werk wird der Versuch unternommen, diese hervorragend wissen- 
schaftliche Bedeutung der vorhistorischen Runstentwicklung für die neuere 
Runstforschung auszunützen. 



Nadel aus der letzten Stufe der süddeutschen Bronzezeit 



Über die Bedeutung des Werkes und seine Beurteilung in den Fachkreisen der 
Prähistorie und Kunstwissenschaft unterrichtet nachstehende Auswahl aus den 
bis jetzt erschienenen Besprechungen des In- und Auslandes: 

„ANZEIGER FÜR SCHWEIZER. ALTERTUMSRUNDE", ZÜRICH : . . . Kein 
Forscher auf dem einen oder andern der beiden Gebiete wird das Buch unbeachtet 
lassen dürfen, und wenn auch seine eignen Ansichten nicht immer mit denen des 
Verfassers übereinstimmen soUten, so wird er sich doch der Einsicht nicht ver- 
schheßen können, daß darin Probleme gestellt und beantwortet werden, die von 
.rrößter Tragweite sind. Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß hier die Pra- 
historie aus neuen Gesichtspunkten beleuchtet wird. Denn sie werden ihr weitere 
Kreise zuführen, deren Mitarbeit die Aufgabe der bisherigen einseitigen For- 
schungstätigkeit bewirken und ihr dadurch eine ganz neue Stellung im Kranze 
der historisch-archäologischen Wissenschaften verschaffen dürfte. 

PRÄHISTORISCHE ZEITSCHRIFT", XV. BAND 1924: Es ist ein Werk aus 
einem Gusse, gleichbedeutend durch die messerscharfe Logik seines Gedanken- 
aufbaus wie durch die Feinfühligkeit der künstlerischen Auffassung. Den Gewinn 
trägt in erster Reihe die Kunstwissenschaft: noch niemals ist die Eigenart ger- 
manischer Kunst so wurzeltief erfaßt und so folgerichtig begründet worden. Aber 
auch für die Vorgeschichte ist es von unschätzbarem Wert. 

ZEITSCHRIFT FÜR ARCHÄOLOGIE", WARSCHAU : . . . Das Werk ist ein 
Versuch der systematischen Behandlung der urzeitlichen Kunst und birgt eine 
Fülle neuartiger, reicher Ideen . . . 

ARCHITECTURAL REVIEW", LONDON: This exhaustive and admirably 
written work deals with the great problem of the historical evolution of northern 
art from the ethnological and from the artistic points of view . . . 

MÜNCHENER NEUESTE NACHRICHTEN": Der Glaube an eine gesetz- 
mäßige Einheit künstlerischen Sehens, die man nicht aus einer zur Zwangsvor- 
stellung gewordenen Ästhetik der Mittelmeerkultur ableiten kann, ist der große 
und fruchtbare Gedanke, der aus dieser stillen und anspruchslosen Forschung 
hervorleuchtet. 

LOK ALANZEIGER" , BERLIN : Der Verfasser hat das weit zerstreute prahisto- 
■ rische Material mit den Mitteln der modernen Kunstwissenschaft begrifflich zu- 
sammengefaßt und gewährt nun auch dem Laien an der Hand von 12 Kunst- 
druc™f!tund zahlreichen Abbildungen im Text das Eindringen m die frühesten 
Kunsterscheinungen Nordeuropas. 

DEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG", FRANKFURT A. M^: . So hat 
das Buch ein bestimmtes Ziel. Die vorzügüche quellenkritische Behandlung des 
archäologisch-prähistorischen Materials und die klare vorsichtige Beweisführung 
weisen Zern Scheltemaschen Buche eine hervorragende Stellung an und geben 



ihm eine Bedeutung, der etwa gleich, die Riegls spätrömische Kunstindustrie hat 
und trotz neuer Erkenntnisse der Forschung immer behalten wird. Es ist ein 
Buch programmatischer Art. Von dem Leser verlangt die gut geschriebene Arbeit 
beträchthche Anstrengungen, die jedoch durch hohen Genuß belohnt werden. 
Das Buch bietet weit mehr, als der Titel ahnen läßt. Man mag zu Scheltemas Ar- 
beit stehen, wie man will, ohne Gewinn wird keiner das Buch aus der Hand legen. 
,, NIEUWE ROTTERDAMSCHE COURANT": Het is een groote Verdienste 
van Dr. F. Adama van Scheltema, dat hij door zijn boek aan dezen teustand een 
einde heeft gemaakt en de ,, Altnordische", ewerwegend germaansche kunst haar 
plaats in de wereldgeschiedenis der kunst naar wij gelooven eens vor goed heeft 
verzekerd. 

,, DEUTSCHE RUNDSCHAU", BERLIN: Überall bekundet der Verfasser eine 
in der Kunstliteratur nicht eben häufige Strenge der Begriffsbildung und Begriffs- 
entwicklung; sehr besonnen bahnt er sich seinen Weg durch das Dickicht der 
Theorien . . . Volle Zustimmung verdient der Verfasser, wenn er die Vertreter 
der Kunstgeschichte auffordert, deren Absperrung gegen die „Vorgeschichte" end- 
lich aufzuheben : weder läßt sich eine überzeugende Grenzlinie ziehen, noch über- 
haupt die Abgrenzung hinlänghch rechtfertigen; wohl aber ist im Dunkel der 
Prähistorie manche Lichtquelle für Probleme der späteren Kunstentwicklung zu 
finden . . . Der Erfolg einer zweiten Auflage aber ist dem Buch zu wünschen, das 
bedeutend in der Problemstellung, tüchtig in der Führung der Untersuchung, 
wichtig in seinen Ergebnissen ist und vielfach weite Perspektiven eröffnet. Nicht 
umsonst bemüht sich der Verfasser, abschließend seine Ergebnisse mit den be- 
kannten Formkategorien von Wölfflin und Franki in Richtung zu bringen. Sie 
liegen auf dem Wege, auf dem sich vielleicht zuletzt die Erkenntnis einer gesetz- 
mäßigen, in großen Zeitschwingungen unter immer neuen Bedingungen sich 
wiederholenden Dialektik der Kunstentwicklung gewinnen läßt, die nicht nur 
der Kunstgeschichte, sondern auch der Kunstkritik neue Aufgaben stellen würde. 



Ausführliche Prospekte der Veröffentlichungen des Verlags auf dem 
Gebiet der Kunstwissenschaft stehen auf Verlangen zur Verfügung 



An die Buchhandlung 



Ersuche um Zusendung unter Nachnahme : 

Expl. SCHELTEMA, Altnordische Kunst 

Grundprobleme vorhistorischer Kunstentwicklung 
Halbleinenband M. 15, — 

Name : 

Wohnort: Adresse: 



Herrosé & Ziemaen, Wittenbepf 



-■.Kr.:i -t< '. 

p^^-.,:^- r^- 



•■'jTi i-'"